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Venezuela

Nun doch keine Mehrwertsteuererhöhung!

PRÄSIDENT CHAVEZ KORRIGIERTE SICH UND HÖRTE AUF DIE KOMMUNISTEN

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

Caracas, 5. Januar 2011, Tribuna Popular. (auf Kommunisten-online am 7. Januar 2011) – Der Präsident der Bolivarischen Republik Venezuela, Hugo Chávez, verkündete, dass er eine Korrektur vornimmt und die Mehrwertsteuer nicht erhöhen wird. Dies entgegen seinen Worten vom vergangenen Dezember.

Chávez wörtlich: „Es sind ein paar Tage vergangen. Ich bin dazu gekommen, einiges von einigen Seiten zu lesen. Darunter auch revolutionäre Inhalte von der Kommunistischen Partei Venezuelas (PCV). Und zwar über die Mehrwertsteuer, welche eine regressive Steuer ist, die sowohl den Reichen wie auch den Armen gleichermaßen belastet (...) Unsere Anstrengungen sind in andere Richtungen gerichtet. Und so sind wir zu der Schlussfolgerung gekommen, dass es die Mehrwertsteuererhöhung nicht geben wird. Nicht mal um einen Punkt.“

Der venezolanische Regierungschef hatte im vergangenen Dezember eine Mehrwertsteuererhöhung vorgeschlagen. Derzeit beträgt die Mehrwertsteuer in Venezuela 12% zugunsten des Fonds für Katastrophen- und Aufbauhilfe zur Betreuung der Opfer der schweren Überflutungen nach den Regenfällen.

Die KP Venezuelas (PCV) hatte sich gegen die Maßnahme am 15. Dezember 2010 ausgesprochen. Sie hatte erklärt: „Mit der Mehrwertsteuererhöhung zahlen weiterhin die Geringverdiener drauf.“ Damit bekräftigte sie ihre historische Position, dass „die Mehrwertsteuer eine regressive Steuer ist, die vor allem die breiten Massen der Arbeiter und Bevölkerungsteile mit wenig Einkommen trifft.

Außerdem schlug die KP Venezuelas (PCV) etliche revolutionäre wirtschaftspolitische Maßnahmen vor, die die Entwicklung der Wirtschaft ermöglichen und zugleich dem Fonds für die Katastrophenhilfe mehr Gelder zuführen.

Darunter:

1. Reform des Gesetzes über die Besteuerung von Rente;

2. Beseitigung der Mehrwertsteuer;

3. Reform des Anti-Monopolgesetzes durch Steuer auf spekulative Gewinne;

4. Nationalisierung des einheimischen Bank- und Finanzwesens als wirkliche Nationalisierung und nicht lediglich Kauf von dessen Anteilen;

5. Annahme des Gesetzes über die Sozialistischen Arbeiterräte, um die Besteuerung der Masse der Werktätigen für die Verwaltung der nationalisierten Betriebe und den Sozialbereich wirksam werden zu lassen.

Präsident Chávez äußerte, dass trotz der schon ergriffenen Maßnahme der Mehrwertsteuererhöhung erwartet wurde, dies zu analysieren und andere Wege zu finden, um das Geld für besagten Katastrophenhilfsfonds rein zubekommen.

Wörtlich: „Der Ölpreis beträgt 85 Dollar pro Barrel. Er geht auf die 100 Dollar pro Barrel zu. Das ist der faire Preis. Der Ölpreis wurde nicht zerschlagen. Und wir erreichen es, die Wirtschaft anzukurbeln“, so Chávez auf der 1. Ministerratssitzung 2011 in der Übertragung von VTV.

Venezuelas Präsident sagte, dass dank der Stärkung der venezolanischen Wirtschaft er sich entschloss, die Mehrwertsteuer nicht anzuheben: „Weder einen Punkt, noch zwei Punkte, gar nicht (...) nicht 2011, nicht 2012“. Und er führte aus, dass derzeit nichts darauf hindeutet, dass diese Steuer in den kommenden Jahren erhöht werden muss.

Es wird keine Steuer auf Devisen-Wechsel-Schulden geben

Gleichzeitig verkündete Hugo Chávez, dass ebenso wenig vorgesehen ist, die sogenannte Steuer auf Devisen-Wechsel-Schulden in Kraft zu setzen, wie es gewisse Kreise falsch derzeit in Umlauf gesetzt haben.

Er schloss mit den Worten, dass falls künftig nötig die Regierung die Umsetzung der Mehrwertsteuer und der Wechsel-Schulden-Steuer als vernünftige Entscheidung treffen würde und dies dann den Venezolanern wie stets gewohnt mitteilen würde. Er äußerte seine Überzeugung, dass in diesem hypothetischen Fall die Regierung auf das Verständnis und die Mitwirkung aller Bürger rechnen würde.

Übergangsperiode für Devisen-Wechselkurs:

Gleichfalls informierte Chávez, dass die Regierung entschieden hat, eine „Übergangsperiode“ beim Thema Wechselkurs zu eröffnen, welche einheitlich auf 4,30 Bolivares für den Erwerb der US-Währung festgesetzt wurde und in dieser Gestalt ab 1. Januar den Wechselkurs von 2,60 Bolivares pro Dollar ablöst.

Jene Importeure von Nahrungsmitteln und Medikamenten müssen die Sicherheit haben, dass ihnen der Dollar für 2,60 Bolivares bewilligt wird, so sagte Präsident Chávez. Er erklärte, dass die Anträge aus dem Jahr 2010, welche für Güter dieser Art gestellt wurden, angenommen werden und von der Behörde CADIVI gewährleistet werden.

Quelle: http://www.tribuna-popular.org/

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Venezuelas Präsident Hugo Chávez Frías im Interview bei TELESUR

„DIESE REVOLUTION BEGANN VOR 200 JAHREN“

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

Montevideo, 5. April 2011, Tribuna Popular (TP)/Telesur. (auf Kommunisten-online am 23. April 2011) – Venezuelas Präsident Hugo Chávez erklärte, dass der sich in seinem Land entwickelnde Prozess, die Bolivarische Revolution, vor 200 Jahren mit den Ideen über Veränderungen in der Gesellschaft, der Kultur und der Wirtschaft geboren wurde, welche jeder einzelne der Gründerväter der lateinamerikanischen Unabhängigkeit aufgeworfen hatte.

„Diese Revolution begann vor 200 Jahren. Sie ist nur auf der Straße verschwunden und prallte aus der Tiefe der Erde wieder hervor“, so der venezolanische Staatschef in einem Interview, welches er in Uruguay dem Journalisten Federico Fasano gab.

Nachfolgend bringen wir in Zusammenarbeit mit TeleSUR den vollen Text des Interviews:

Federico Fasan: Die Bolivarische Revolution scheint ein neues Modell zu sein. Sie unterscheidet sich von den vier einzigartigen lateinamerikanischen gesellschaftlichen Revolutionen: der mexikanischen von 1910, der bolivianischen von 1952, der kubanischen von 1959 und der nikaraguanischen von 1979. Drei dieser Revolutionen wurden niedergeschlagen, wie wir alle wissen. Und ausnahmslos sie alle kamen auf dem bewaffneten Weg an die Macht, nicht friedlich. Und unverzüglich begannen sie Organe der Volksmacht aufzubauen. Trotzki sagte, dass die politische Revolution das institutionelle System verändert, während die gesellschaftliche Revolution die Eigentumsverhältnisse umgestaltet. Ist die bolivarische Revolution eine politische Revolution oder eine gesellschaftliche Revolution? Oder was für eine Art Revolution ist sie?

Hugo Chávez: Vielen Dank für Deine Einladung, Federico. Die República ist ein großes Medium. Danke, vielen Dank. Dein Ansatz ist ziemlich umfangreich.

Federico Fasan: Ich würde Dich bitten zu antworten, sagen wir mal kurze Puzzle-Antworten, um Raum für die übrigen Fragen zu lassen. Weil alle anderen Fragen die Puzzle-Stückchen zusammenbauen werden, um das Rätsel Deines historischen Vorhabens zu entschlüsseln.

Hugo Chávez: Ich verstehe, weil Du die Puzzel-Teilchen später bewaffnest, Du bist ein Bewaffner von Puzzle-Stückchen. Pass mal auf! Gut, vor einigen Minuten habe ich mit Eduardo Galeano gesprochen. Und er erzählte mir von seiner Bewunderung für einen Venezolaner, Simón Rodríguez, Lehrer unter anderem von Bolívar. Bolívar nannte später Rodríguez den Sokrates von Caracas. Laut Galeano war er der tiefgehendste Philosoph unseres Amerikas des 18. Jahrhunderts. Er war wirklich ein großer Denker. Und ein großer Denker über die Zukunft. Du erzählst mir vom historischen Vorhaben. Unser historisches Vorhaben kommt von dort her, von jenem Zukunftsprojekt, welches vorhergeahnt wurde. Mit Blick auf seinen Lehrer in Caracas sagte Bolívar von ihm, dass er der universelle Mann aus Caracas ist.

Schau Dir mal an, er entwickelte ein großes Vorhaben für die Befreiung des gesamten Südamerikas. Und er sagte, dass man von den Inkas die historische Figur aufgreifen muß und einen Inkarnato daraus machen muß. Und er nahm auch die politische, geopolitische Einheit Südamerikas unter dem Namen Großkolumbien vorweg. Dieses Projekt ist von Miranda.

Und er arbeitete es auf seiner langen Reise als Revolutionär aus. Miranda nahm an der Unabhängigkeitsrevolution der USA teil. Er befehligte Truppen. Er war ein Freund von Washington, von Jefferson. Danach war er russischer Oberst des Chors von Catalina. Danach war er Marschall des revolutionären Frankreichs.

Napoleon sagte: „Er ist ohne Blödsinn ein Quijote.“ Und nach 60 Jahren jener Epoche, was soviel ist wie heute 100 Jahre, da überquerte er in ein paar kleinen Booten den Atlantik. Er hisste die Trikolore und landete in Venezuela. Und er startete das Vorhaben. Und seit 200 Jahren bleibt er der Anführer der ersten Republik im Rang des Generalissimus.

Miranda, von dort kommt das historische Vorhaben. Und dann kommt Bolívar, der es aufnimmt und ihm Leben gibt. Und Rodríguez, Simón Rodríguez. Und viele andere venezolanische Kämpfer und Denker. Ein Vorhaben der Befreiung, eine politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle Revolution. Eine Revolution muß umfassend sein.

Rodríguez sagte: „Simón, die südlichsten Amerikaner müssen eine politische Revolution machen. Und sie müssen mit der sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen Revolution beginnen. Und er sagte außerdem: Beginnt mit den Ländereien. Am Ende war es eine umfassende Revolution. Das sind die fundamentalen historischen Grundlagen. Diese Revolution begann vor 200 Jahren. Sie ist nur auf der Straße verschwunden und prallte aus der Tiefe der Erde wieder hervor.

Federico Fasan: Du hast Marschall Antonio José de Sucre als einen Sozialisten definiert. Ein ehrenwerter Mann, der nicht machtsüchtig war. Ihm gefiel die Ausübung von Macht nicht. Und gut, er endete ermordet. Oder nicht? Hältst Du das weiter über Sucre aufrecht, wenn Du schon dabei bist, aus der Tiefe der Geschichte heraus zu sprechen?

Hugo Chávez: Gut, der Sozialismus, das weißt Du, hat nach meiner Auffassung verschiedene Facetten. Christus war Sozialist. Erinnerst Du Dich an jenen Spruch? „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr passt, als dass ein Reicher in das Himmelreich kommt.“ Christus und die Propheten und Jesaja, der sagte: „Wehe dem, der sich dem Anhäufen von Land, Land und Land hingibt und den Anderen das Land nimmt, weil ich es ihm mit der Peitsche der Gerechtigkeit geben werde.“ Die Gleichheit. Christus, der sagt, dass der einzige Weg zum Frieden die Gleichheit ist. Das ist Sozialismus. Aber gut, das war eine Zeit, in der man den Begriff nicht verwendete.

Federico Fasan: Stimmst Du Präsident Correa zu, der als ich ihn interviewte begeistert vom christlichen Sozialismus erzählte.

Hugo Chávez: Der christliche Sozialismus. Der Inka-Sozialismus, um nicht so weit bis zu den Straßen von Nazareth und von Galiläa zu gehen. Es gibt eine Reihe von Studien, die vom Vorhandensein des indo-amerikanischen Sozialismus sprechen. Von dem Du weißt, dass er viel diesbezüglich beigetragen hat. Dies alles sind Nährstoffe.

Sucre, als man ihn zum Präsidenten von Bolivien wählte, begann mit der Oligarchie zu kollidieren. Er trat ab. Simón Bolívar blieb. Und es begannen die Verschwörungen. Sie machten einen Staatsstreich gegen ihn. Beinahe brachten sie ihn um. Sie trafen ihn mit einem Schuf an einem Arm. Unter anderem rettete ihn ein Oberst, der zu seiner Rettung kam. Sie hatten ihn gewaltsam verschleppt, wie mit Correa in Quito vor wenigen Monaten.

Was damals Sucre sagte, das ist Sozialismus. Als Amerika in den Kampf zog, um für seine Emanzipation zu streiten, da verstand Amerika, dass es das auch für die Gerechtigkeit, für die Gleichheit tat. Beide sind untrennbare Schwestern. Freiheit und Gleichheit. Darum sind das Nährstoffe.

Die Grundlagen unseres sozialistischen Vorhabens des 21. Jahrhunderts. Aber das kommt von weit her. Gleichheit, Freiheit, Frieden, soziale Gerechtigkeit, eine umfassende Revolution.

Federico Fasan: In Parodie zum Manifest von 48 können wir sagen, dass heute ein Gespenst in der Welt umgeht. Das Gespenst der partizipativen Demokratie, die das Vorhaben der bolivarischen Revolution derzeit vorschlägt. Das Gespenst, das im feudalen Europa umherging, war die formelle Demokratie. Die von heute ist die partizipative.

Wie denkt Ihr denn, den neuen Sozialismus des 21. Jahrhunderts umzusetzen? Der schwierige Übergang, der von der formellen Demokratie in der Französischen Revolution zur partizipativen Demokratie verlief, was der sowjetische Realsozialismus nicht umsetzen konnte? Welche ist die kritische Route dieses Übergangs?

Hugo Chávez: Die Macht. Die kritische Route ist die Macht. Die Demokratie, die Macht des Volkes. Jetzt ist die rein repräsentative Demokratie ausweglos, es gibt keine Lösung innerhalb von ihr selbst, weil sie aufhört, ein Weg zur Enteignung des Machtausübers zu sein. Die Macht, und sie endet konzentriert. Die politische Macht, die Medienmacht, die Wirtschaftmacht, die wirtschaftlich-kulturelle Macht, usw. Die Vorherrschaft in der Elite. Dies ist die Demokratie, die die USA verteidigen. Die der sogenannte Postmodernismus so sehr verteidigt, weil sie ihm nicht die Macht wegnimmt, weil sie die Macht nicht dem Volk gibt. Sie belässt das Volk machtlos.

Federico Fasan: Jene alte Demokratie teilt die Macht nicht.

Hugo Chávez: Nein, sie bemächtigt sich ihrer für ihre eigenen Zwecke. Sie versteht die Macht als Macht an sich. Die Macht an sich. Die Macht als letztes Ende. Wir sind jetzt in Venezuela. Pass mal auf, unsere Verfassung legt das vor, lang und breit, in ihren Buchstaben. Gestatte mir nur mal, Dir einen Artikel vorzulesen. Den Artikel 2. Die fundamentalen Grundsätze. Venezuela besteht in einem demokratischen und sozialen Staat des Rechts und der Gerechtigkeit. Nicht nur des Rechts, Das ist die fundamentale Theorie. Des Rechts und der Gerechtigkeit. Des Rechts und der Gerechtigkeit, was die Verfassung als überlegene Werte ihrer Rechtsordnung und ihrer Handlungsweise ansieht. Das Leben, die Freiheit, die Gerechtigkeit, die Gleichheit, die Solidarität, die Demokratie, die Menschenrechte. Der sozialistische Ansatz. Du fragst mich nach dem kritischen Weg. Die Macht, das ist die Machtkonzeption, eine neue Machtkonzeption und eine neue Form des Schaffens von Macht und Verteilens von Macht. Und darum widersetzen sich die Eliten so heftig einem Vorhaben wie dem von uns, welches derzeit die Macht verteilt, aber mit einem neuem Konzept. Ein guter argentinischer Philosoph, der kürzlich den Preis des Befreienden Denkers gewann, Enríque Dussel, sagt das. Die Macht gehorcht. Ich bin Präsident, aber nicht um zu befehlen. Ich befehle und bin dabei gehorsam. Und das ist der kritische Weg.

Federico Fasan: Deine Worte erinnern mich an Friedrich II., der sagte: „Ich weiß nur zu befehlen im Gehorsam.“ Und er war einer von den demokratischsten Regierenden, die jene Monarchie aufzuweisen hatte.

Ich glaube, dass Du von der Macht sprichst. Aber ich sehe Dich mehr als die Gegenmacht. Weil Du der Macht ihren Mythos genommen und sie den Leuten näher gebracht hast. Du hast sie geteilt, Du hast den Bürger mit der Macht verbunden. Denn vorher war die Macht für die Elite, für 10% der Leute. Mir gibt das den Eindruck, dass dieser bolivarische Prozess heute dabei ist, die traditionellste Machtkonzeption einschließlich der marxistischen Machtkonzeption zu ändern. Du hast am Ende gesagt, dass der Schlüssel in der Macht der Leute ist. Die Macht geht dazu über, geteilt zu sein. Darum nenne ich es die Gegenmacht. Kommt es Dir nicht so vor, dass es aus diesem Blickwinkel gedacht sein kann?

Hugo Chávez: Pass mal auf. Die Macht, das ist das Annähern der Macht an die Menschen. Ich erinnerte mich dabei an einen Song von Jimi Hendrix. Erinnerst Du Dich an jenen US-amerikanischen Sänger mit einem Song, der aussagt: „Wenn die Macht der Liebe größer ist oder gegen die Macht durchgesetzt wird, wird es Leben geben, wird es Frieden geben.“

Daher geht es um eine andere Konzeption von der Macht. Und in diesem Sinn hast Du recht, ich stelle mich in das Lager der Gegenmacht. Denn da ist eine Macht gegen die andere Macht. Die klassische Macht, die despotische Macht, die Macht zum Beherrschen. Die Macht, sich Eigentum zu verschaffen. Die Macht für die Beherrschung. Die Macht, die wir vertreten, ist das ganze Gegenteil. Und Du vertrittst sie auch, und der Pepe auch. Und jener berühmte Soldat, der heute von uns ging, den wir gerade verabschiedet haben, General Licandro, vertritt sie auch. Wir sind Teil einer Macht der Befreiung unter einer neuen Konzeption der Macht. Ich meine, dass es nicht darum geht, die Macht dem Volk anzunähern. Denn stell Dir mal ein Kind vor, dem Du ein Eis näher bringst. Es will viel lieber das Eis. Nicht, dass es ihm nahe gebracht wird. Man muß es ihm geben, ihm zuführen, die Macht dem Volk. Viele Leute werden sagen: „Was ist die Macht?“ Gut, die Macht ist es, leben zu können. Das heißt, viele Leute sagen, dass es ein Sprichwort gibt, welches besagt:

„Begehren ist Macht“. Nicht unbedingt. Das Volk will leben, umfassend leben. Das Volk wird Macht haben, wenn es kann. Das scheint überflüssig zu sein. Aber das Überflüssige ist notwendig, wenn es über die notwendigen Mittel und Ressourcen verfügen will, um lebenswert zu leben, umfassend zu leben. Das heißt, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Raúl Sendic sprach sehr gut von den Erfordernissen der Gesetze des Überlebens, den Nahrungsmitteln, Medikamenten, denen der Subsistenz, denen des Leben, denen des Luxus.

Ich beziehe mich nicht auf den Luxus, der unerschöpflich ist, der am meisten zerstörend ist. Die Bedürfnisse des Lebens, eines Menschen, eines Kollektivs. Dies ist am Ende die Landung aller Philosophie und jeden Machtkonzepts.

Federico Fasan: Scheint Dir das venezolanische Volk auf den venezolanischen Sozialismus vorbereitet zu sein?

Hugo Chávez: Wir sind in einem Prozess. Pass auf, wenn Du Epochen vergleichst. Gut, Federico, sogar wenn Du es könntest, dann würdest Du niemals, das lege ich Dir nahe, die Reden des alten Chávez überprüfen, und zwar seit ich mich öffentlich machte an einem Tag, an dem ich zur Kapitulation aufrief.

Federico Fasan: Als Du 38 Jahre alt warst...

Hugo Chávez: Oh, ja. Seit dem Putsch. Und hinterher in all diesen Jahren bis zu dem Tag, als ich Präsident wurde und noch ein paar Jährchen mehr habe ich niemals einen Vorschlag Richtung Sozialismus gemacht. Ich habe stets Respekt für diese Auffassung geäußert. Aber erinnert, woher wir kommen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion, als der Sozialismus wie eine Fahne in fast der ganzen Welt getragen wurde. Dann in der Dialektik und dem Weg, für mich persönlich und viele von uns überzeugte er damals, dass jenes von einem dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus falsch ist. Sozialismus oder Barbarei a la Rosa Luxemburg. Von da an begannen wir alle die neue Fahne zu erheben und schwenkten die sozialistische Fahne.

In jenen Jahren, wenn du da in Venezuela die Bevölkerung in einer seriösen Umfrage gefragt hättest, wären nicht mal 5% der Menschen Unterstützer des Sozialismus gewesen.

Und der größte Teil waren jene alten starren Aktivisten. In der Mehrheit 80 Jahre und älter. Bestenfalls. Heutzutage zeigen Umfragen hier und dort, dass ca. die Hälfte der Bevölkerung und etwas mehr in verschiedener Stärke für den Sozialismus eintreten. Jetzt ist das Wichtigste, dass in diesen Umfragen der Kapitalismus keine 10% erreicht. Der Kapitalismus kommt offen auf keine 10% mehr. Das ist ein Weg.

Federico Fasan: Dies, ja, ist schrittweise. Der Markfundamentalismus ist eine zu knackende sehr harte Nuss. Ich sehe, dass die beiden großen Linien der bolivarischen Revolution durch die partizipative Demokratie einerseits und andererseits die schrittweise Ablösung des Marktfundamentalismus gehen. Aber das ist eine zu knackende harte Nuss. Wie denkt man ihn abzulösen? Man inspiriert sich vielleicht in der Wirtschaft der Gleichwertigkeiten als eine Form zur schrittweisen Ersetzung der Marktwirtschaft. Gibt es einen Plan darüber? Was denkt und macht derzeit die bolivarische Revolution beim entscheidenden Thema der Allmacht des Marktes?

Hugo Chávez: Ich würde sagen, dass es einen großen Plan und eine große Zahl von kleinen, mittleren Plänen gibt. Und wir kommen mit großen Schwierigkeiten voran, mit großen Schwierigkeiten. Das ist nicht leicht. Jetzt gibt es eine strategische Orientierung und einen Weg, den wir gerade beschreiten. Las mich mal erklären.

Marktfundamentalismus, Neoliberalismus. Wir haben vom ersten Tag an begonnen, das zu bekämpfen. Und wir haben die Intensität und den Rhythmus erhöht. Jetzt geht es um den Aufbau einer diversifizierten Wirtschaft, einer Wirtschaftsdemokratie. Und das ist eine der großen schwerpunktmäßigen Linien des historischen bolivarischen Vorhabens und nur möglich mit einem sozialistischen Modell. Jetzt sind wir dabei, neue Formen der Volkswirtschaft zu erfinden. Erinnerst Du Dich an jenen anderen Ausspruch, wonach der Sozialismus weder ein Abklatsch noch eine Kopie sein kann, sondern eine heldenhafte Erfindung sein muß?

Simón Rodríguez, erneut: „Wir erfinden oder wir irren.“ Wir sind verpflichtet zu erfinden. Wir legen viel Gewicht zum Beispiel auf die Schaffung von produktiven Ketten für die gesamte Wirtschaft. Das ist lebenswichtig. Die produktiven Ketten vom primären Rohstoffbereich an über den Sekundärbereich der Verarbeitung, des Lagerwesens, der Endprodukte bis hin zur Verteilung. Wäre ich nicht Präsident und hätte das Volk nicht die Volksmacht, gäbe es nicht eine Bodega zum Verkauf von Reis, Brot, nichts. Heute, am Ende dieses Jahres, kommen wir gerade auf über 50% des Wirkens der produktiven Ketten. Alle Nahrungsmittel, mit denen in Venezuela versorgt wird, kommen durch das gesellschaftliche Eigentum. Das heißt, das geht nicht durch die spekulativen und spekulierenden Hände der kapitalistischen Ketten, die von dir ein Kilo Mais für einen Bolívar ankaufen, eben vom primären Rohstoffproduzenten, und dann verkaufen sie das Kilo Mais nach Verarbeitung in irgendeiner Stadt Venezuelas für 100 Bolívares. Sie blasen alles auf.

Einschließlich den Mehrwert, und zwar noch über die kapitalistische Spekulation hinaus, da gibt es die kapitalistische Gier. Daher muß ein Model geschaffen werden, und wir schaffen es gerade, ich wiederhole es, vom primären Rohstoffbereich an bis zum Handelsbereich, dem dritten Bereich.

Federico Fasan: Welche strategischen Betriebe werden künftig notwendigerweise zu nationalisieren sein, um zum Sozialismus des 21. Jahrhunderts zu gelangen? Ist nach Nationalisierung einiger wesentlicher Betriebe ein anderer Typ der Nationalisierung vorgesehen?

Hugo Chávez: Wir haben eine Verstaatlichungsregelung. Erstens haben wir den Privatisierungsprozess bei den strategischen Unternehmen wie dem Erdölbereich Venezuelas gestoppt. Wir haben vollends die Erdölsouveränität wiederhergestellt. Und dies ermöglicht uns jetzt, sie für das Funktionieren des historischen Vorhabens einzubringen. Die Grundstoffbetriebe des Staatssektors, das Erz- und Hüttenwesen, die Petrochemie, die Aluminiumindustrie, die großen Grundstoffbetriebe sind einst privatisiert gewesen. Und wir haben sie wiedererlangt.

Und jetzt wenden wir gerade etwas ganz Neues in Venezuela an, was aber sehr aus der sozialistischen Theorie stammt. Die Arbeiterkontrolle. Gut, mit vielen Schwierigkeiten. Manchmal donnert es und gibt es da Hurrikane. Aber das kommt voran. Die Kontrolle, die die organisierte Arbeiterklasse besitzt. Nicht mehr jene alten gelben Gewerkschaften, wie Ihr sie genannt habt und noch heute nennt. Sondern die Arbeitermacht, Arbeiterräte, auch die Gewerkschaften.

Die Wiedererlangung des Bodens ist von grundlegender Bedeutung. Wir haben fast 4 Millionen Hektar in diesen Jahren verstaatlicht, rückerlangt und enteignet. Und wir werden weitermachen. In ein paar Tagen werden wir einen Wiedererlangungsschlag bei ca. 300.000 Hektar ausführen, die im Besitz eines englischen Konzerns waren. Den Boden haben sie ausgebeutet, die Werktätigen haben sie ausgebeutet. Und sie haben sich bereichert und die Profite mit ins Ausland genommen. Wir verstaatlichten die Telefongesellschaft, zum Beispiel. Wir verstaatlichten die Banco de Venezuela. Das Vermögen dieser Bank hatten sie privatisiert. Aber bei den grundlegenden Produktionsstätten geht das Tempo der Rückerlangung weiter und wird weitergehen.

Und da ist eine andere Sache, um die wir uns auch gekümmert haben: Räume des gesellschaftlichen Eigentums zu schaffen, um zusammenzuleben und sogar Partnerschaften mit einigen Bereichen der Privatfirmen einzugehen. Wir lassen das Privatunternehmen nicht beiseite liegen. Wir sagen, dass das Privatunternehmen, der private Wirtschaftsbereich, auch weiterhin perfekt existieren kann. Und wir sind sogar bereit, ihn zu unterstützen. Wie wir es bereits getan haben, immer. Und wenn es im Rahmen dieses Verfassungsentwurfs und im gesellschaftlichen Interesse ist, was hier als Staat des Rechts vorliegt.

Federico Fasan: Von einem Staat des Rechts und der Gerechtigkeit. Aber der Begriff Rechtsstaat wurde ungerechtfertigerweise von der oligarchischen Macht angeeignet. Jetzt habt ihr ihn aus jenen Händen gerettet und ihm einen anderen Inhalt gegeben. Das ist ein Staat des Rechts für alle. Ist dem so?

Hugo Chávez: Selbstverständlich. Der Respekt des Rechts des Anderen ist der Frieden, sagte er, der Große.

Federico Fasan: Eine Revolution bemisst sich durch die Form, in der der Reichtum geschöpft und verteilt wird. Ich habe einige Zahlen gesehen, die mich erstaunt haben. So dass wir sie mal nennen, um zu sehen, ob sie richtig sind oder nicht. Die extreme Armut lag bei ca. 20%, als Du Präsident...

Hugo Chávez: Ein wenig mehr ... 25%. Rund 25%. Jetzt ist sie weniger als die Hälfte davon. Sie liegt bei 7%.

Federico Fasan: 7%? Ich dachte, dass sie auf 9% gefallen ist. Die allgemeine Armut lag bei 50%.

Hugo Chávez: Und noch darüber. Sie kam auf 60% damals Ende der 1990er Jahre. Und jetzt liegt sie bei 33%.

Federico Fasan: Es gibt ein Thema, dass hier viel diskutiert wird, denn es ist wesentlich für Uruguay. Die Kluft zwischen Reichtum und Armut. Welche das fortschrittliche Modell in Chile nicht zu verringern vermocht. Und was unser uruguayisches Modell ebenso wenig im Moment verringern konnte. Schauen Sie mal an, hier ist die Armut verringert worden. Und die Bedürftigkeit wurde auch auf überraschende Stufen gesenkt, obgleich nicht so viel wie in Deinem Land. Aber wir haben es nicht geschafft, die Kluft zwischen Armut und Reichtum zu verringern. Und ich sehe die venezolanischen Zahlen. Und gut, sie scheinen mir, ich weiß nicht, sie können nicht richtig sein. Sie lagen bei 28% und die Kluft näherte sich auf 18% oder 17% an.

Hugo Chávez. Aber ja doch, die Zahlen sind richtig. Lateinamerika ist der Kontinent mit der höchsten Ungleichheit. Nach allen Weltmaßstäben.

Federico Fasan: Mehr als Afrika.

Hugo Chávez: Genau. Jetzt ist Venezuela das Land, welches anerkannt von den Vereinten Nationen und der CEPAL in diesem Jahrzehnt mehr in der Verringerung der Ungleichheit vorankam. Und wir drehen an Lateinamerikas Gewinde derzeit Richtung weniger Grad an Ungleichheit. Dies hat eine Wurzel. Einen Grund. Du sprachst davon. Das ist erneut die Macht. Die Ressourcen. Pass auf. Die letzten 20 Jahre von dem, was wir die 4. Republik nannten, die einstigen Regierungen, die soziale Investition kam kaum auf 30% des Nationaleinkommens. Und wir haben sie auf über 60% gesteigert. Wir haben die soziale Investition in Bildung, Gesundheit verdoppelt. Die Arbeitslosigkeit lag bei fast 20%. Wir haben sie bei 7% oder 8%. Der Mindestlohn in Venezuela war ein Elend. Heute ist er der höchste Mindestlohn Lateinamerikas. Und wir hören nicht auf, darüber hinaus Mechanismen für die Umverteilung zu erfinden.

Pass auf. Zum Beispiel, einschließlich derzeit in dieser Jahreszeit fielen wir in den Winter zurück. Erst gab es eine schreckliche Dürreperiode. Und hinterher kam ein grausamer Winter. Und in diesen Momenten haben wir über 120.000 Menschen, die in Kasernen, in staatlichen Einrichtungen, in Zeltlagern Zuflucht suchten. Aber menschenwürdig, menschenwürdig, auch im Regierungspalast. Dort haben wir viele Familien in Räumen, die wir eingerichtet haben.

Jetzt erfinden wir ein Gesetz. Wir erfinden Gesetze, um uns zu verpflichten, wir selbst zu sein. Und solange diese Familien geflüchtet sind, werden sie eine Prämie fast in gleicher Höhe wie den Mindestlohn erhalten.

Die soziale Sicherheit ... In Venezuela gab es 300.000 Rentner. Heute haben wir 5-mal mehr Rentner. Und wir gehen auf die Suche bei den Alten. Wir haben ein Gesetz für sie gemacht, um uns zu verpflichten, dass wir die Beiträge für diejenigen zahlen, die nicht einzahlen konnten und deswegen nicht in einer Sozialversicherung registriert sind. Als wir anfingen, waren die Sozialversicherungen privatisiert. Wir haben ein anderes Gesetz erfunden. Und wir haben schon über 20.000 Fischer, alte Fischer, alte Bauern in der Sozialversicherung. Und jetzt machen wir gerade ein Gesetz, welches das Volk macht. Und ich werde es alsbald annehmen, für die Senioren, die sich um die Gebäude kümmern. Wie heißen sie? Die Hausmeister und Rezeptionisten, die Concierges, die auch keine Sozialversicherung haben.

Wir lassen nicht nach, Möglichkeiten zu suchen zu verteilen, so weit unsere Reichweite es ermöglicht. Dabei suchen wir immer die makro-ökonomischen Gleichgewichte.

Federico Fasan: Dieser Reichtum existierte auch schon früher, und dennoch...

Hugo Chávez: Uuuf! Die Regierung Venezuelas war der erste Exporteur von Rohöl auf der Welt. Von 1925 bis 1970. Das ist eine schreckliche Sache.

Federico Fasan: Was muß es da für eine betrügerische Enteignung an den Rechten des venezolanischen Volkes gegeben haben! Die Steigerung der Kaufkraft liegt mir mit etwa 400% vor. Das sind die neuesten Zahlen, über die ich verfüge. Kann dem so sein?

Hugo Chávez: Das ist wahrscheinlich so. Man muß die Inflation berücksichtigen, die in Venezuela weiterhin hoch ist...

Federico Fasan: Aber nicht so hoch wie in den Regierungszeiten von 1984 bis 1999, als Du dann übernommen hast.

Hugo Chávez: Nein, in den 1990er Jahren lag die Inflation bei 10%. Wir haben im Durchschnitt ca. 20% oder 21% in dieser gesamten Regierungsperiode. Aber richtig ist, dass die Kaufkraft in Venezuela gesteigert worden ist. Dies nicht nur unter dem klassischen Blickwinkel der Einkommensberechnung. Wie ich immer sage, man muß alles berücksichtigen. Das sage ich meinen Genossen, meinen Freunden von der Zentralbank, die alle diese Dinge berechnen und Techniker sind.

Jetzt Pass auf. Wir haben dieses Nahrungsmittelnetz geschaffen, das die Hälfte der Bevölkerung erreicht. Es wird dies am Ende dieses Jahres erreichen. Wir werden ganz sicher Nahrungsmittel aus Argentinien importieren. Wir sind dabei, die Produktion zu erhöhen. Aber ich sage Dir eine Sache. In diesem Netz, welches sich Mercal nennt, verkauft man von Fleisch bis ... Vor allem den Grundnahrungsmittel-Warenkorb. In diesem Netz, welches heute bis zu 14 Millionen Venezolaner bei einer Gesamtzahl von 26 Millionen Einwohnern betreut, das sind über die Hälfte und die Inflation dort ist Null. Während der Markt da draußen die Preise erhöht, sind sie in unserem Netz Mercal seit Jahren eingefroren.

Und die Medikamente sind kostenlos. Wir haben über 6000 medizinische Zentren geschaffen. Vom kleinen Sprechzimmereinrichtungen bis hin zu großen Krankenhäusern, wohin die Leute gehen und es sie rein gar nichts kostet. Operationen am Herzen, Tomographen. Dank der kubanischen Revolution und dieses Genies des Menschlichen, welcher Fidel Castro heißt. Unter anderem dies trägt dazu bei. Während einst eine Familie die Schulbesuche zahlen musste, schenken wir jetzt den Kindern in der Grundschule einen Computer für jedes Kind kostenlos.

Ich nehme mal das Beispiel des Soldaten. Da ist es nicht so, dass ihm das Gewehr geschenkt wird, damit er die Heimat verteidigt. Er wird damit ausgerüstet, er braucht es. Das Gewehr eines Kindes ist der Computer. Einige Kanarien-Computer, gefertigt in Portugal. Und jetzt stellen wir sie in Venezuela her.

Federico Fasan: Stimmt es, dass die Grundbedürfnisprodukte mit über 40% im Verhältnis zu den Marktpreisen gestützt werden?

Hugo Chávez: Und es geht noch über die 40´% hinaus. Nicht nur die Grundbedürfnisprodukte. Schau mal. Gestern unterzeichneten wir mit der Präsidentin von Argentinien den Import von einigen Fahrzeugen. Einigen Fahrzeugen, die in Argentinien gefertigt werden. Aber wir kaufen sie direkt. Staatseinrichtungen. Wir nehmen sie mit. Wir verteilen sie direkt an Freiberufler, an das Volk. Familienautos. Mittelklasse, Volksklasse. Dass es konsumieren kann. Du kaufst ein Fahrzeug der Marke Volkswagen, zusammengebaut in Argentinien. Damit kommst du nach Venezuela auf anderen Wegen. Und es wird auf dem kapitalistischen Markt verkauft. Wir verkaufen es zum halben Preis. Zum halben Preis verkaufen wir unsere.

Andere iranische Fahrzeuge, die wir in Venezuela mit iranischer Hilfe zusammenbauen. Ganz ähnlich, auf dem Markt verkaufen sie es dir zum halben Preis. Computer, Mobiltelefone. Weißt Du, für welchen Preis wir die Blackberry-Mobiltelefone verkaufen? Wir verkaufen bei uns die Blackberries für 3 Dollar. Wir bauen sie jetzt selbst zusammen.

Federico Fasan: Können wir sie für diesen Preis von 3 Dollar importieren?

Hugo Chávez: Ja, selbstverständlich. Und auch die Düngemittel. Die Düngemittel für ein Drittel. Ein Drittel dessen, wofür sie sie auf dem spekulativen Markt verkaufen.

Federico Fasan: Etwas sehr wichtiges für die Uruguayer, weil es dazu eine große Diskussion gegeben hat. Investiert Ihr in Bildung über 5% des BIP? In etwa?

Hugo Chávez: Mehr. Früher investierten die einstigen Regierungen ca. 2% oder 3%. Wenn sie zufällig investierten. Jetzt sind wir bei fast 10%. Denn es gibt viele Formen des Investierens. Wir haben jetzt die Anfangsbildung, die früher nicht existierte. Sie war für eine Minderheit. Die sogenannten Vorschulkinder. Wir haben ein System geschaffen, welches wir Simoncito („Kleiner Simon“) nennen, zu Ehren von Bolívar und Rodríguez. Die Grundschule, insgesamt, die Oberschule und die Universität. Wir haben die Studentenzahlen an den Universitäten in Venezuela verdreifacht. Du gehst heute durch irgendeinen Stadtbezirk in Venezuela und du triffst Männer und Frauen im Alter von 60 und 80 Jahren im Studium. Und im Alter von 40 und 50, in unserem Alter, setzen sie die Oberschule fort, die sie einst nicht erreichen konnten wegen der Armut. Oder sie schließen ein Universitätsstudium ab.

Wir sind auf dem 5. Platz weltweit, was die Immatrikulationszahlen angeht. In Lateinamerika belegen wir Platz 2, hinter Kuba. Daher musst du hier das Thema Bildung auf allen Ebenen und die Bildungsverbindungen mit einschließen, die wie ein Ergänzungssystem zum klassischen amtlichen Bildungssystem ausbilden. Zum Beispiel die Bildungsverbindungen der Alphabetisierung, die Bildungsverbindungen für die Arbeit, die Kultur, die Kulturnetze. Letztlich müssen wir sehr nahe an 10% vom BIP bei dieser Anstrengung liegen. Und gut, das ist Bolívar. Das ist die Grundlage des historischen Vorhabens. Bolívar sagte: „Die Bildung, die Bildung, die Bildung, die Nationen werden zu ihrer Größe im gleichen Schritt marschieren, mit dem ihre Bildung läuft.“

Federico Fasan: Kommen wir zu einem anderen Thema, weil Du mich mit all diesen Zahlen von der Ungleichheit und der Verteilung der Intelligenz auf alle gerade überwältigst. Denn das Thema Bildung ist hier ein großes Thema. Und wir kämpfen derzeit darum, die 4,5% zu überspringen. Und das soll das Allheilmittel sein. Und da sagst Du uns was von 10%. Das scheint uns unmöglich. Nicht mal die großen Nationen des Planeten...

Hugo Chávez: Pass auf. Eine Sache. Dafür muß man die Produktion, die Ressourcen und die Einkommen steigern. Und darüber müssen wir uns klar sein.

Federico Fasan: Kommen wir zu einem anderen Thema. Uns besorgt hier das Thema der Bürokratisierung. Wir sind derzeit mit der Ausarbeitung einer Staatsreform beschäftigt und stoßen da auf große Widerstände beim Ultrakonservatismus in all seinen Formen. Was sind Deine Strategien zur Vermeidung von Bürokratisierung und Korruption im Staatsapparat?

Hugo Chávez: Dieses Thema muß man anpacken. Das ist ein Gift, welches von innen her läuft, das ist wesenseigen und Teil des bürgerlichen Staates. Auf was gründet sich der bürgerliche Staat? Die politische Korruption. Wenn die Macht übernommen wird wie ein Zweck an sich und für sich, für die Korruption des Landes, dann wird mit der Politik Schluss gemacht. Und von hier aus leiten sich alle anderen Korruptionsarten ab. Für meine Freunde und für meine Partei. Macht für Diebstahl einsetzen ist Macht für Diebstahl einsetzen. Das ist Machtausübung zur Beherrschung. Wenn du jetzt Macht ausübst oder regierst und dabei dem Machthaber gehorchst, welcher das Volk ist, für die Befriedigung seiner Bedürfnisse, dann verringert sich das Niveau der politischen Korruption, der wirtschaftlichen Korruption, der ethischen Korruption, der moralischen Korruption, die im Grunde dasselbe sind. Die Verluste der Werte der Politik. Das ist ein kultureller Kampf an jedem Tag.

Der Bürokratismus, gut, ist Teil dessen, wovon Karl Marx sagte: „Nichts kommt von nichts, der neue Staat, die neue Gesellschaft“, so sagte er, entsteht verschmutzt von der alten, dem Kampf zwischen dem Neuen und dem Alten. Und das Alte versucht immer, das Neue zu korrumpieren. Das ist ein Kampf, aber ein Nahkampf. Man muß sich darauf gründen. Ich habe das schon in Argentinien gesagt, als ich aus einer sozialistischen Versammlung herauskam. Ich habe ihnen viel davon gesagt, vor allem davon. Man muß wie ein Soldat in die Schlacht gehen, mit einem Kompass. Ganz genau wissen, wohin man geht und welche die Richtung ist. Und du musst ganz klar so einen festen Grundsatz oder noch härteren Grundsatz als Stahl in dir tragen, die Treue zum Kampf für das Volk. Die Loyalität zu einem Volk.

Wer das nicht ganz solide mit auf den Weg nimmt, kann korrumpieren und korrumpiert sich. Und er wird zu einem Bürokraten, dumm, unsensibel, zu einem Konterrevolutionär. Seid daher sehr wachsam denen gegenüber. Jeden Tag. Überall.

Federico Fasan: Schau mal, ich sehe heute die Information so: das ist die schwächste Flanke der venezolanischen Demokratie. Die Information. Die Medien in Venezuela sind nicht repräsentativ für die verschiedenen gesellschaftlichen Kräfte, die die venezolanische Nation bilden. Ihr durchlebt die betrügerische Aneignung privaten Charakters eines gemeinsamen Guts der Gesellschaft, die von der Ausübung der bürgerlichen Rechte ausgeschlossen wird. Dieses sympathische liberale Gerede hat bewusst die Meinungsfreiheit der Gesellschaft mit der Freiheit des Besitzes der Medien vermischt. Und zu Dir spricht ein Besitzer von Medien, daher legitimiert, um diese Dinge zu sagen. Und dieses liberale Gerede hat die Freiheit der Verbreitung der Ideen mit der Freiheit der Verbreitung des Mediums vermischt. Wie auch die Freiheit der Information mit der Freiheit des Informators.

Welche Strategie habt Ihr gegenüber dieser ungerechten Situation in Venezuela? Die Medienfrage, das Herumgestänker der Medien.

Hugo Chávez: Ich weiß, dass Du das kennst. Ich meine, dass das eines der schwersten Probleme heutzutage ist. Nicht nur in Venezuela und in unserer bolivarischen Revolution, sondern weltweit. Pass auf, was da derzeit in Libyen geschieht. Es gibt einen Bürgerkrieg. Und die US-Macht und ihre europäischen Verbündeten bereiteten das Terrain mit allen Medienketten vor, um wie Fidel Castro es seit dem ersten Tag sagte, den Krieg der NATO gegen Libyen und um das Erdöl Libyens unvermeidbar zu führen. Und jetzt wollen sie die Welt überzeugen, dass um Libyen zu retten es bombardiert werden muß.

Wir liefen dann vom ersten Tag an mit dieser Problematik. Erst, wie Du weißt, gab es Flitterwochen, sie umringten mich. Aber als sie sich darüber klar wurden, dass da jemand fest in eine Richtung geht, kam der Medienkrieg. Und sie inszenierten offen einen Putsch über die privaten Fernsehsender. Du weißt das. Die großen Tageszeitungen der Bourgeoisie. Heute setzen wir die Schlacht fort, aber die Lage oder das Verhältnis der Kräfte hat sich verändert. Es gibt keine volle Vorherrschaft mehr, wie es sie in Venezuela für jene Bourgeoisie im Besitz der Medien gab. Wir haben Tele Sur. Pass auf, das ist eine große Errungenschaft. Hoffentlich kann das uruguayische Volk mehr Tele Sur sehen.

Sie sollen die technischen Mittel haben es zu tun. Wir haben in Venezuela, das kam wie ein lauter Knall, die alternativen Massenmedien, die verfolgt waren, sogenannte illegale Meiden. Jetzt haben sie ein Gesetz. Und der Staat unterstützt sie mit technischen und finanziellen Mitteln.

Tausende von öffentlichen Sendern vor Ort mit kleiner Reichweite oder mittlerer Reichweite, öffentliche Zeitungen vor Ort, öffentliche Fernsehsender vor Ort. Wir haben außerdem den Staatskanal, der am Boden war, unter technischem, moralischem Gesichtspunkt und jetzt einer der größten Fernsehsender des Landes ist. Wir haben diesen Fernsehkanal wiederhergestellt.

Der elektromagnetische Raum ist gesellschaftliches Eigentum. Und es ist gut, dass die Völker das wissen. Er wird lediglich einem Betrieb überlassen, damit er es ausbeutet. Gut, für ein Unternehmen ist die Konzession bereits beendet, welches dem Land erheblich schadete. Und anschließend hat der Staat es rückerlangt und jetzt ist daraus der größte gesellschaftliche venezolanische Fernsehsender geworden. Und jetzt hat dieser Fernsehsender die größte Reichweite im Land. Am Ende, wie man es tun muß, konfrontieren wir ihn gerade mit Freiheit. Und ich sage dir, bis hin zu einer unendlichen Toleranz. Gegen mich ist zu allem im Fernsehen gegriffen worden. Zu jeder Beleidigung, jeder Verletzung, die in keinem Rechtsstaat erlaubt wäre.

Mich klagen sie an, ein Tyrann zu sein. Aber stell Du Dir vor, dass manchmal sogar Denker der weltweiten reaktionären Kräfte herumlaufen und sich Fernsehinterviews stellen und vor Kameras sagen: Wir sind hier in Venezuela. Hier kann man nicht sprechen. Das ist eine blutige Tyrannei. Dabei sagen sie all dies im Fernsehen live und nicht anders, in Caracas, in der Innenstadt von Caracas. Daher ist das doch eher was, um über sie zu loszulachen.

Federico Fasan: Eine Achillesferse der Bolivarischen Revolution scheinen die traditionellen, korrumpierten Arbeitergewerkschaften, die manipulierten Studenten und die Abkehr der Intellektuellen zu sein. Wie denkt Ihr diese Situation umzukehren? Denn das Klassische war doch, dass die Arbeiter, Studenten zusammen und ab nach vorn. Und einige Teile der Intellektuellen, die doch eher den alten Mandarinen dienen als dem Volk, dem sie dienen müssten, entfernen sich auch vom historischen Vorhaben. Oder kehrt sich dies gerade um?

Hugo Chávez: Es hat immer auch das Medieninteresse existiert, dass die Leute genau dies glauben. Dass die venezolanische Jugend, dass die Studenten, so sagen sie, gegen die Revolution sind. Dass die Gewerkschaften gegen die Revolution sind. Es ist nicht genau so. Die alten Gewerkschaften, na klar. Immer wenn sie einen Machtraum besetzen, dann koordinierte jemand auf dem Reißbrett. Ich sage Dir etwas. Trotz aller Macht der Bourgeoisie aus den früheren Jahren, all jenem Aufrufen zu Generalstreiks, dazu das Land durch Arbeiterstreiks zu sabotieren, sind gescheitert. Und an jedem Tag, ja komm Du doch mal nach Venezuela, wirst Du das festhalten können. Du wirst Dich mit den Gewerkschaften beraten können. Dass ich der Erste bin, der dafür Partei ergreift, dass seine Gewerkschaften sich nicht völlig der Sozialistischen Partei unterordnen. Die neuen Gewerkschaften und die sich bildenden Gewerkschaften. Außerdem gibt es einen völlig freien und regierúngskritischen Gewerkschaftsverband, der aber die Revolution unterstützt und kritisiert, was er kritisieren muß.

Federico Fasan: Unabhängigkeit der Klasse und ...

Hugo Chávez: Selbstverständlich ... Und mit Arbeiterbewusstsein. Und das kommt in Entwicklung. Es kommt in Entwicklung. Dasselbe geschieht mit dem Studentenbereich und der Jugend. Die Studentenbewegung, da gibt es einen Teil aus der bürgerlichen Elite, die manchmal Dinge erfinden, um Aufmerksamkeit hervorzurufen. Du siehst Fernsehen, CNN gibt ihnen die Schlagzeile. Demgegenüber die Jungs aus den Arbeitervierteln, und das sind Millionen, die derzeit lernen und studieren, die mit der Revolution sind und ein deutliches Profil der revolutionären Jugend derzeit bilden. Und das jeden Tag, Du wirst sie sehen, mit mehr Klarheit in der Landschaft der Venezolaner. Die Werktätigen, die Studenten, die organisierten Frauen. Was für eine Kraft diese Frauen haben! Die idigenen Völker, gesellschaftliche Massenbewegungen. Schau mal, vor kurzem wurde ich angenehm mit dem Präsidenten Elías überrascht. Einem guten Genossen Präsident. Sie kamen hier an und die Obdachlosen empfingen sie. Ich schwöre Dir, Federico, dass ich der erste Gegner davon bin, dass die Partei sich all dessen bemächtigt. Sie hören auf, frei zu sein. Sie haben uns herauszufordern. Sie haben uns zu schelten. Sie müssen uns bis an die Wand nieder diskutieren, wie wir dort sagen. Die Obdachlosen, d.h. Menschen ohne Wohnstätte, ohne Haus, aber organisiert und sich organisierend.

Die Hausmeister, die Schattenwirtschaft, die Motorisierten. Sie organisieren sich. Organisiert euch, sagte Christus, wachset und mehret euch. Marx sagte: Arbeiter der Welt, vereinigt euch.

Federico Fasan: Wir haben fast eine Stunde hinter uns und Deine Begleiter schauen auf die Uhr. Aber ich will nach der militärischen Frage fragen. Friedliche Revolution, aber bewaffnet. Es heißt, Allende zeigte uns, dass wir alle so friedlich sein können, wie wir wollen. Aber wenn das Vorhaben des Volkes sich nicht verteidigt, ist es verloren. Ihr stimmt dem großen deutschen Revolutionär Wilhelm Liebknecht zu. Er sagte, dass die gesellschaftliche Revolution nicht gegen die Armee und nicht ohne die Armee gemacht wird, sondern mit der Armee. Welches ist die Militärpolitik der bolivarischen Revolution?

Hugo Chávez: Die gesellschaftliche Revolution, damit stimme ich überein, muß sich zu verteidigen wissen. Und die Geschichte hat dies gut nachgewiesen. Fidel, wir rufen uns an, wir schreiben uns, ich besuche ihn wann immer ich das kann. Er ist wie ein großer Vater. Wir begingen gemeinsam 19 Jahre unseres Aufstands. Wir kamen aus 20 Kasernen. Die militärische Jugend auf der Straße.

Das war eine Bewegung wie von Quijotes. Dann sagte mir Fidel: „Chávez: Ich sehe es so, dass das war wie die Moncada, aber umgekehrt,  multipliziert mit 100. Das heißt: Sie gingen und eine Gruppe von jungen Quijotes stürmte die Kaserne. Er sagt mir: Du hast die Kasernen von innen eingenommen. Und sie kamen aus den Kasernen. Er ist aufmerksam und klug. Damals ganz gewiss konnte man keine tiefgreifende und vollständige Revolution ohne eine Armee machen. Fidel musste eine neue Armee aufbauen. Einige Leute von Batista schlossen sich an. Aber die Armee war das Rebellenheer. Das des Bauern, das von Che Guevara und all jenen. Sie gingen los und bauten eine Armee auf.

Im venezolanischen Fall befanden wir uns in der Armee aus verschiedenen Umständen heraus. Sie strebten nicht danach, Soldaten zu sein. Ich wollte Kämpfer sein. Ich wollte Baseballspieler sein. Ich kam vor 40 Jahren nach Caracas. In diesen Tagen vor 40 Jahren und ich zog los und legte meine Zulassungsprüfungen für die Militärschule vor. Und ich schaffte es, da reinzukommen. Ich bin ein Bauer. Und schon gut auf dem Weg wurde ich zum Revolutionär. Du musst Ignacio Ramonet kennen. Er machte mit mir ein langes, langes Interview...

Federico Fasan: Ich kenne ihn gut. Ich war 5 Jahre lang Leiter von Le Monde Diplomatique spanischsprachig. Und damals war Ignacio Ramonet in Paris, zusammen mit Claude Julien.

Hugo Chávez: Dort sagen sie, was so ein Buch sagt. Dass wenn du in die Militärschule im Jahr 71 gekommen bist, dann bist du da rein schon mit dem Buch von Che Guevara unter dem Arm. Und ich sagte ihm, dass es so in Wahrheit nicht gewesen ist. Ich kam rein mit einem Baseball-Schläger und einem Ball unter dem Arm. Ich war 16 Jahre alt. Aber was du doch schreiben kannst: Als ich 4 Jahre später raus kam, da kam ich mit dem Buch von Che Guevara unter dem Arm raus. Das heißt, ich wurde in den Reihen des Militärs zum Revolutionär. Und jetzt bei der Verabschiedung von Licandro erwies ich ihm den militärischen Gruß wie auch anderen Kameraden, Gerónimo Cardozo, einer Gruppe von Admirälen und Generalen aus jener Epoche. Ich begann mich natürlich zu identifizieren ... das war in den 70er Jahren. Mit Seregni, Velazco Alvarado, Torrijos, gut dem Heer von Bolívar, den Soldaten von Bolívar, von Artigas. Und ich stimmte mit der Geschichte mit jenem Soldaten Bolívar überein, der sagte: „Verdammt sei der Soldat, der die Waffen gegen sein Volk richtet“. Jenem Bolívar, der sagte: „Ich folge der ruhmreichen Karriere der Waffen nur, um die Ehre zu erreichen, die sie geben, um meine Heimat zu befreien und den Segen der Völker zu verdienen.“ Dieser Bolívar in Santa Marta, einsam, ausgestoßen und sterbend, der in seiner letzten Botschaft sagte: „Die Militärs werden ihr Schwert ziehen müssen. Aber immer, um die sozialen Garantien zu verteidigen.“ Dieser Bolívar wurde unser Anführer. Seit den 70er Jahren gehe ich fast zur Guerilla.

Weil ich kurz zuvor meine Ausbildung abgeschlossen hatte, schickten sie mich im Jahr 75 in ein Anti-Guerillero-Bataillon. Alí Rodríguez, heute mein Minister für Energie, war damals noch in der Guerrilla. Und es gab einige Guerilla-Gruppen in Venezuela. Sie schickten mich dorthin. Und ich kam in Widersprüche. Und ich bin beinahe zu den Guerilleros gegangen. Zum Glück bin ich nicht in die Guerilla eingetreten. Denn dorthin gab es keinen Weg. Aber ich überzeugte mich in Kontakt mit einigen alten Guerilleros, meinem Freund Adán, meinem älteren Bruder und Revolutionären von der Universität. Und ich wurde mir bewusst, dass ich beginnen musste, bolivarische Zellen in der Armee aufzubauen. Und es vergingen von da an beinahe 20 Jahre. Bis zum Aufstand vom 4. Februar.

Und heute sind die venezolanischen Streitkräfte eine Streitmacht, die sich voll Stolz als antiimperialistisch, revolutionär, sozialistisch definieren. Jetzt wäre es ohne sie unmöglich voranzukommen.

Pass auf, was sich am 11. April ereignete. Das Imperium scheiterte. Die venezolanische Bourgeoisie scheiterte. Mich entführen sie gewaltsam. Mir schneiden sie die Machtbefugnisse ab. Sie destabilisieren mein Land. Erinnerst Du Dich an José Vicente Rangel. Er war mein Verteidigungsminister. Wir Zwei sind allein. 3 Uhr morgens. Was machen wir? Im Morgengrauen, der Putsch im vollen Anmarsch. Und plötzlich sage ich José Vicente. Ich gehe da mal raus. Wie? Du gehst raus? Ich werde mich den Putschisten ausliefern. Den Putschgenerälen.

Ich kannte sie fast alle. Als sie daran gingen, mich umzubringen und unter sich diskutierten, erinnerte ich mich an den Che und ich sagte mir, dass ich keinerlei Gnadengesuch stellen werde. Ich hatte hier ein Christuskreuz. Plötzlich kommt ein Marineinfanterist aus dem Gebüsch, der sich später als christlicher Indio entpuppte. Und als die Soldaten des Stützpunktes ihm erzählen, dass ich es bin, der da ist, und sie mich umbringen würden, da ging er raus mit einem Gewehr und sagte, dass wenn sie den Mann hier töten, dann würden wir uns alle töten.

Ich ging zu ihnen und stellte mich ihnen. Was wollt ihr? Es waren rund 100 Putschisten. Und dahinter die US-Amerikaner und die Bourgeoisie. Ihnen wurde der Putsch zerbrochen. Die Hauptleute schlugen sich zu mir, die Soldaten befreiten mich und vereinten sich mit dem Volk. Sie schickten sie los, um dem Volk was zu sagen, welches begann, die Kasernen einzukreisen. Es gab nicht einen venezolanischen Soldaten, der auf das Volk feuerte. Sie blieben beim Volk und die Putschisten traten ab.

Man kann. Allende versuchte es. Aber Pass auf, wie Allende endete. Ein Märtyrer-Präsident. Er, der Arzt war. Wir haben es im Video gesehen. Er wurde sein eigener Soldat mit jenem Helm und jener kugelsicheren Weste und jener alten Maschinenpistole, die ihm Fidel gegeben hatte. Er blieb ohne Soldaten. Er war sein eigener Soldat. Wir nicht. Wir hatten Soldaten. Das ist eine friedliche Revolution. Und sie wird friedlich weitergehen.

Federico Fasan: Warum warst Du so großzügig mit den Besiegten? Ist das ein Merkmal der bolivarischen Revolution? Die großzügige Revolution?

Hugo Chávez: Ich meine, dass man großzügig sein muß. Man muß nicht gehässig sein. Es gab Strafen, aber ... Es gab etwas Wichtiges. Die Bourgeoisie kontrollierte noch einen guten Teil der klassischen Macht. Du weißt, dass in Venezuela im Obersten Gerichtshof zu jener Zeit nach drei Monaten der Gerichtsprozesse, Interviews, Beweisaufnahmen, aber öffentlich in jeder Art, mit 11 zu 10 beschlossen wurde, dass es keinen Putsch in Venezuela gab, und dass ich von einigen Militärangehörigen voller guter Absichten bewacht wurde. So sagte es das Gericht, voller guter Absichten. Eine seltsame Sache für das Studium des Rechts. Damals konnten wir niemanden ins Gefängnis stecken, denn ohne Ursache gab es keinen Putsch.

Federico Fasan: Hugo, alle Welt machte sich Sorgen um Deine Sicherheit. Die Philosophen des 18. Jahrhunderts glaubten, dass das individuelle Genie die Geschichte ändert. Nein? Mehr als die Sujektivität der unbefriedigten Massen. Bekannt ist, dass die größten Caudillos Rollenträger der Geschichte sind, die aus trostlosen Niederlagen leuchtende Siege machten. Das war Dein Fall, als im Jahr 2002 alles verloren schien und sie Dich erschießen würden. Es gibt eine Art Legende, die aussagt, dass Chávez die bolivarische Revolution ist. Was passiert, wenn Chávez nicht mehr da ist? Denn wenn Fidel Castro nicht mehr da ist, geht die kubanische Revolution weiter, weil Fidel daran arbeitete, die notwendigen Bedingungen zu schaffen, und die Infrastrukturen. Und weil es eine sehr starke kulturelle Revolution gab, die ermöglicht, dass selbst wenn das Genie verschwindet ein Aggiornado-Prozess mit allmählichen Veränderungen weitergehen wird, aber das „frühere Regime“ nicht derart leicht aufgebrochen werden kann, wie es mit der pathetischen und verschlissenen Sowjetunion geschah.

Im Fall der bolivarischen Revolution: Was passiert, wenn der Lenker verschwindet? Habt Ihr daran gearbeitet, solide und feste Strukturen zu hinterlassen, die dem Fehlen des Caudillos widerstehen?

Hugo Chávez: Ich verstehe das, was Du mir sagst. Jetzt wäre es traurig für eine Revolution, die nur von einem Mann abhängt. Das ist in Wirklichkeit keine Revolution. Das ist zu zerbrechlich, um eine Revolution zu sein vorgeben zu können. In Venezuela ist eine Situation sui generis. Ich sehe mich nicht als unentbehrlich an. Es keine Unentbehrlichen.

Jetzt sage ich Dir sogar: Ich habe es vermocht, nicht zu existieren. Eines Tages wäre ich beinahe in einem Fluss im Llano ertrunken. Winter, viel Wasser, und wir gingen rein mit einigen Jugendlichen. Und der Fluss trägt mich fort, er trägt mich fort. Und mich rettet ein Kadett. Ich war bereits Kadett. Und ein anderer Kadett, ein junger guter Schwimmer, viel besser als ich, kommt in meine Reichweite und hält mich an einem Bein fest und zieht mich an das Ufer. Wäre er nicht gekommen und hätte mich festgehalten, dann würde ich wohl mit 18 Jahren ertrunken sein. Im Fluss Santo Domingo, in der Stadt Natal. Wäre ich an jenem Tag ertrunken, dann hätte sich die bolivarische Revolution genauso erhoben.

Jetzt gibt ihr der einzelne Mensch seine Note, und er gibt ihr ihren Rhythmus. Seine Führungsnote, seine persönliche Note. Einigen Prozessen, die nicht von einem Menschen abhängen, denn sie sind Teilprozesse eines Prozesses. Pass auf, was Fidel mir vor einigen Jahren sagte. Als er fast starb, kam ich, um ihn zu sehen. Und er konnte kaum sprechen. Das war sehr kritisch. Er verlor viel Blut. Er konnte kaum sprechen. Und die Ärzte sagten mir: Chávez, bitte, eine Minute. Aber er wollte mich sehen.

Ich erinnere mich an seine Hand. Sie hielt mich sehr hart und er sagte mir: „Chávez, ich bin bereit zu sterben, wenn ich sterben muß, du darfst nicht sterben.“ Dies sagte er mir vor einigen Jahren. Wir sind vorangekommen. Bei diesem Thema haben wir derzeit eine ganz große Anstrengung gemacht, um die Volksmacht, die Massenorganisationen, die sozialistische Einheitspartei voranzubringen. Verbündet mit anderen Parteien und den Massenorganisationen. Ein bei den Menschen sehr verstandenes Vorhaben. Eine protagonische partizipative Jugend. Das ist die Gewähr für eine Revolution. Ewig wird kein Mensch sein, so genial er auch sein kann.

Federico Fasan: Die letzten Fragen ... Was spürst Du angesichts der Übernahme des Präsidentenamtes der Republik durch einen ehrbaren wahren und zugleich friedfertigen Guerillero, der seine Entscheidung für die Enterbten des Bodens traf, wie Du sie getroffen hast, ein Präsident wie José Mujica. Was für ein Gefühl ruft ein ehrbarer und authentischer Guerillero in Dir vor, der sich heute für den friedlichen Weg entschieden hat und von der Mehrheit des uruguayischen Volkes gewählt wurde?

Hugo Chávez: Klug ... Denn Pepe ist klug. Wir haben heute eine Zeit lang gesprochen. Du kamst an, als wir gerade sprachen. Er rief Dich... Schau mal: Was soll ich fühlen? So viele Dinge ... aber ich sage Dir das Eine. Die Bestätigung aller wirklichen Kämpfe, die Bestätigung der Märtyrer, die Bestätigung aller Schmerzen, und außerdem die Bestätigung der Hoffnung. Für eine neue Welt, wie man sagt, eine wirklich freie Welt, eine wirklich sich entwickelnde Welt, eine Welt der Gerechtigkeit und des Friedens ist möglich. Dinge wie diese. Der Pepe, Präsident Uruguays, und außerdem es so zu tun, wie er es derzeit macht. Wir sind mit Uruguay. Aber um es abzuschließen, wegen der Zeit, Federico, der Pepe allein könnte es nicht, Uruguay allein könnte es nicht. Chávez in Venezuela, Fidel, Raúl, allein könnten wir nicht. Davon muß jeden Tag unaufhörlich gesprochen werden. Carlos Quijano, sicherlich Dein Freund. Aus dem Marcha, er schreibt es hier. Ich habe das Zitat von Carlos: „In einer Welt, wo die Großen herrschen, ist die Schwäche eine Sünde.“

Um aus der Schwäche rauszukommen, müssen wir uns vereinen. Außer von uns selbst dürfen wir nichts erwarten. Schaut mal: Weißt Du, für wie viel wir die Mobiltelefone vom Typ Blackberry verkaufen? In Venezuela verkaufen wir sie für 3 Dollar. Wir bauen sie jetzt selbst zusammen.

Früher gaben die Umfragen nicht mehr als 5% der Menschen her, die den Sozialismus wollten. Heute zeigen die seriösen Umfragen, dass ca. die Hälfte der Bevölkerung sich in verschiedenen Intensitäten zugunsten des Sozialismus ausspricht. Und in diesen Umfragen erreicht die Verteidigung des Kapitalismus keine 10% mehr. Wir hören nicht auf, Umverteilungsmechanismen zu erfinden. Wir erfinden Gesetze, um uns zu uns selbst zu verpflichten. Alle Lebensmittel, die in Venezuela zur Versorgung bereitgestellt werden, kommen aus dem gesellschaftlichen Eigentum, gehen nicht durch die spekulativen Hände der kapitalistischen Ketten, die ein Kilo Mais vom Primärproduzenten für 1 Bolívar kaufen und es verarbeitet für 100 Bolívares verkaufen und dabei alles aufblasen.

Ich sagte: Ich werde mich den Putschgenerälen ausliefern. Ich kannte sie fast alle. Ich werde sehen, ob das Leben sich lohnte. Wenn ich heute sterbe oder sie mich aus dem Land schmeißen und dies zu Ende ist, verliere ich mein Leben. Aber ich werde sehen, dass ich 30 Jahre meines Lebens in der Armee investiert habe und ob dies es wert war.

Es entstand UNASUR und jetzt muß UNASUR gestärkt werden, geschaffen werden. Es gibt keine Alternative dazu, uns zu vereinen.

Federico Fasan: Wenn die letzte Minute Deines Leben kommt ... hoffen wir, dass es noch lange bis dahin dauert: An was soll man sich gerne bei Dir erinnern?

Hugo Chávez: An das, was ich bis zum letzten Augenblick des Lebens immer gewesen bin. Jenen 11. April. Wäre ich tot, würden sie mich erschießen. Jene Nacht war ich am Ufer des Meeres, weil sie nicht weiterverfolgten, wohin sie mich bringen. Sie schleppten mich in das Fort Tiuna, als ich mich auslieferte. Aber nach kurzer Zeit beginnt das Volk das Fort Tiuna einzukreisen. Und ein Hauptmann fragt mich: Treten Sie zurück? Nein. Ich trete nicht zurück. Sie haben lediglich den Präsidenten in Gefangenschaft. Das kann nicht sein! Doch. Ist das etwa eine Lüge? Ja. Das ist eine Lüge.

Ich werde nicht zurücktreten. Und dann verbreitete sich diese Nachricht unter den Hauptleuten, den Soldaten. Sie schleppen mich in einen Hubschrauber in der Nacht. Das Volk belagert die Kaserne derweil. Und drinnen das destabilisierte Fort. Sie schleppen mich im Hubschrauber zum Marinestützpunkt. Und sie würden mich töten. Den Befehl gaben sie. Aber erneut stoppen einige Soldaten sie, als sie sahen, dass eine Gruppe von Zivilsöldnern mich dort umbringen würde. Und sie diskutieren mit denen. Ich erinnerte mich an den Che. Ich sagte, dass ich um keine Gnade bitten werde, nichts, gar nichts. Ich hatte hier ein Christuskreuz. Eine Christusfigur. Ein kleines Licht war dort, denn es war kurz nach Mitternacht.

Dann kam ein Soldat. Und er kommt raus aus dem Gebüsch. Ein Marineinfanterist. Es stellte sich später heraus, dass er ein christlicher Indio war. Als ihm die Soldaten des Stützpunkts erzählten, dass ich das da war, dass sie mich töten werden, da kam er mit einem Gewehr und sagte: Wenn sie den Mann hier töten, dann töten wir uns alle. Und dann änderte sich das Bild. Sie machten sich daran, dass der Hubschrauber abfliegt, dass diese Söldner in Zivil und die Militärs verschwinden. Und sie begannen mich zu beschützen bis zu dem Moment der Befreiung. Jetzt: Was denke ich in diesem Moment? Was ich denken würde, werde ich im Moment meines Todes wissen. Ich bin jemand von denen, sage ich, wie der Dichter: „Ich bekenne, dass ich gelebt habe“. Wenn sie sich an mich erinnern, wie ich gewesen bin ... mich nannten sie Tribilín, als ich ein Kind war, ein junger Bursche, wie ich es eben war. Ein Soldat.

Wenn die Stunde meines Todes kommt, dann möchte ich, dass man sich an mich allein als einen Soldaten erinnert. Wenn jemand sagt, Chávez war ein Soldat. Das reicht.

Wir senkten die extreme Armut von 25% auf 7% und die allgemeine Armut von 60% auf 33% und die Arbeitslosigkeit von 20% auf 7% und außerdem haben wir den höchsten Mindestlohn Lateinamerikas. Den wir zuvor hatten, das war ein Elend. Die vorherigen Regierungen investierten ca. 2% oder 3% des BIP in Bildung. Jetzt nähern wir uns den 10% des BIP für Bildung. Wir sind auf Platz 5 im Weltmaßstab bei den Zahlen eingeschriebener Studenten und auf Platz 2 im gesamten Kontinent Amerika gleich hinter Kuba.

Wir subventionieren mit über 40% den Marktpreis für alle Grundbedarfswaren und nicht nur diese. Gestern unterzeichneten wir mit der mit der argentinischen Präsidentin den Import von argentinischen Fahrzeugen. Wir nehmen sie mit. Wir verteilen sie direkt an Freiberufler, an das Volk, an die Familien und alles zum halben Preis. Anerkannt von der UNO und der CEPAL ist Venezuela das Land, das in diesem Jahrzehnt am meisten in der Minderung der Ungleichheit vorangekommen ist. Wir sind das Land Lateinamerikas mit dem geringsten Grad an Ungleichheit.

Federico Fasan: Und ein aussäender Bauer, nicht wahr?

Hugo Chávez: Wir säen heute. Aber vor allem sollen sie sich an mich als einen Soldaten erinnern. Wenn jemand sagt, Chávez war ein Soldat, genug.

Federico Fasan: Eine letzte. Marx sagte, dass die Menschheit sich nur Aufgaben stellt, die sie unter den gegebenen Bedingungen erfüllen kann. Deine scheinen enorm zu sein, im Umfang und von der Utopie her, die Dich leitet. Glaubst Du, dass Du sie wirst schaffen können? Oder glaubst Du, dass Du in Erinnerung an Simón Bolívar gerade das Meer pflügst?

Hugo Chávez: Nein. Mit Marx sagen wir: Wir müssen immer die Herausforderung und die Last der historischen Zeit annehmen. Und dies kann in jener Maxime von Marx Gestalt annehmen: „Es ist notwendig, es ist unabdingbar, vom Abstrakten zum Konkreten aufzusteigen.“ Eine Revolution muß wissenschaftlich sein oder sie ist keine. Das heißt, sie muß sich auf das tiefgreifende Studium der Bedingungen gründen. Und sie muß auf der Grundlage dieses Studiums oder dieser Diagnose ihre Grenzen so genau wie möglich setzen. Wenn wir in die Gebiete der Utopie zurückfallen, werden wir dazu verurteilt werden, mit Bolívar zu wiederholen: „Wir haben das Meer gepflügt.“

Wir glauben und ich jeden Tag mehr, dass in Venezuela wir dabei sind, auf fruchtbarem Boden zu pflügen. Denn es gibt da zu tun. Es gibt das Volk, es gibt die Kräfte, es gibt die Liebe, es gibt die Leidenschaft, es gibt Bedingungen.

Federico Fasan: Vielleicht akzeptiert sogar das Meer, von diesem Vorhaben gepflügt zu werden, welches nicht in den Gedanken der lateinamerikanischen Linken gewesen war. Ich danke Dir für all diese Zeit. Mir scheint, dass wir in einem anderen Moment weitermachen müssen, weil man mir eine Zahl von Themen gegeben hat, um dem uruguayischen Volk erklären zu können, worin das Pardigma der bolivarischen Revolution besteht. Auch wenn wir uns in diesen fast eineinhalb Stunden etwas näher gekommen sind, um einige Unklarheiten dazu zu beseitigen und Tonnen von Verleumdungen zu demontieren, mit denen versucht worden ist, die bolivarische Revolution zu zerschlagen.

Quelle: TeleSUR

Quelle:

http://www.tribuna-popular.org/

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