|
Wichtige
Rubriken und Beiträge
+++Neu+++
Newsletter
bestellen
zur
Homepage
Der
Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk
Kampf
den ideologischen Diversanten
Für
den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands
Gegen
den imperialistischen Krieg
Black
Channel
Betrieb&Gewerkschaft
Bildung,
Kultur & Wissen
Wider
den Block der
Rechten und Trotzkisten
zur
Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung
Wissenschaftlicher
Sozialismus
Aus
den Ländern
Links
Impressum
Archiv
Intern
Proletarischer
Internationalismus
| |
zurück
|
VOLKSREVOLUTION
IN TUNESIEN
von
Miguel Lamas, Mitglied der KP Venezuelas
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Caracas,
19. Januar 2011, Tribuna Popular TP. (auf Kommunisten-online a 21.
Januar 2011) – Das Jahr 2011 begann in Tunesien mit einer
Volksrevolution. Sie zwang Zine El Abadine Ben Ali, seit 23 Jahren
Diktator, am 14. Januar 2011 mit seiner Familie nach Saudi-Arabien zu flüchten.
Die „neue“ Regierung setzt sich aus Resten des alten Regimes
zusammen und wankt, während die Massendemonstrationen weitergehen.
Der
geflüchtete Diktator hinterließ seinen Premierminister Mohammed
Ghannouchi. Aber dieser Strohmann hielt sich nur einen Tag lang. Er
wurde abgelöst vom Parlamentspräsidenten Fouad Mebazaa, der politische
Freiheiten verkündete.
Bei
all dem ging die Volksrevolution weiter. Dies trotz der Unterdrückung,
welche zu über 100 Getöteten führte. Niemand im Volk glaubt an die
„neue“ Regierung. Denn sie ist in Wirklichkeit dasselbe alte Regime,
nur fehlt ihr das einstige Oberhaupt.
Ebenso
wenig gibt es eine sichtbare politische Alternative. Vier Minister der
„neuen“ Regierung traten bereits zurück. Die Führung der
UGTT-Gewerkschaft aus der Regierung Ben Ali unterwürfigen
Arbeiteraristokraten prangert jetzt unter dem Druck ihrer Mitglieder an,
dass die neue Regierung durch die Partei von Ben Ali ernannt worden ist.
Tunesiens
„erfolgreiche“ Wirtschaft
Der
Diktatur wurde stets Jahr für Jahr von IWF und Weltbank für ihre
wirtschaftlichen „Erfolge“ beim „Anlocken der Investitionen“
gratuliert. Dafür senkte sie die Unternehmenssteuern auf ein Minimum
und erleichterte den Transfer von Profitgeldern ins Ausland, damit
Europa seine ausgliederbaren Fabriken in Tunesien einrichten sollte. Wir
sprechen hier von 1250 Firmen aus Frankreich und weiteren ausländischen
Firmen, die die Billiglöhner in Tunesien ausbeuten.
Derweil
mißhandelte die Polizei ungestraft Gefangene oder folterte sie
straffrei Oppositionelle und Vorkämpfer der Volksbewegung, blieb
jegliche oppositionelle Presse verboten und das Internet unter Zensur
gestellt. Eine gigantische Korruption akkumulierte den größten Teil
aus der einheimischen Volkswirtschaft in den Händen des
Trabelsi-Oligarchenclans, der Familie des Diktators Ben Ali.
Der
Funke und die Zündung
Am
vergangenen 17. Dezember 2010 beschlagnahmte (raubte) die korrupte
Polizei des Regimes den Kleinlaster voll Obst und Gemüse, welchen der
26 Jahre alte arbeitslose und als Straßenverkäufer ärmlich lebende
Hochschulabsolvent Mohamed Bouazizi als einziger Ernährer seiner
Familie fuhr. In seiner Verzweiflung über den Verlust übergoß sich
Bouazizi mit Benzin und verbrannte sich selbst. Er starb am 4. Januar
infolge schwerster Verbrennungen.
Der
Tod dieses jungen Mannes wurde zu einem Fanal. Hunderttausende Menschen
gingen auf die Straße. Sie hatten keine Arbeit und nichts zu verlieren.
Niemand konnte sie aufhalten.
Die
brutale Unterdrückung durch das Regime, bei der von über 100 Getöteten
und tausenden Verletzten und Festgenommenen die Rede war, vervielfachte
die Wut der Volksmassen täglich erneut. Immer mehr Menschen schlossen
sich den Straßendemonstrationen an.
Die
Versprechungen des Diktators, Arbeitsplätze zu schaffen und Freiheiten
zu gewähren, nahm ihm niemand ab. Der Aufstand der Jugend ließ sich
nicht mehr aufhalten. Die zumeist sehr jungen Fabrikarbeiter mit ihren
Hungerlöhnen schlossen sich dem Aufstand der Jugend an und trotzten so
der Passivität der Führung der UGTT-Gewerkschaft. Dies ging so lange,
bis der Generalstreik faktisch lief, ausschließlich organisiert von
unten, und die UGTT ihn lediglich noch verkündete.
Tausende
aufgebrachte Menschen griffen die Villen und Liegenschaften der
Oligarchenfamilie Trabelsi an. Polizeikommissariate gingen in Flammen
auf. Die protestierende Menschenmenge ließ sich auf die
Auseinandersetzungen mit der Polizei ein. Steine und Fäuste wurden
gegen Feuerwaffen eingesetzt.
Und
das Volk siegte! Dem Regime wurde die Luft abgeschnürt. Die Armee griff
nicht ein und wußte offenbar, dass ihr sonst der Zerfall drohen würde.
So blieb dem Diktator nur noch die Flucht.
Der
Kampf beginnt
Die
Zerschlagung des Diktators und die faktische Erringung von vielen
politischen Freiheiten ist ein großartiger Erfolg des Volkes in
Tunesien. Aber das ist lediglich die erste Runde des Kampfes. Es ist von
Wahlen in 90 Tagen die Rede. Aber die Parteien sind verboten. So immer
noch unter anderem die Kommunistische Arbeiterpartei Tunesiens (PCOT).
Sie hat Einfluß in einigen Basisgewerkschaften.
Das
Fortschreiten des Selbstvertrauens und der Organisierung der Volksmassen
aus Jugendlichen und Arbeitern, die die Diktatur niederkämpften, geht
großartig weiter. Ein Bericht aus der Stadt Ksour besagt: „Die Männer
'des Vertrauens', das heißt Jugendliche sowie Erwachsene und Alte,
bewaffneten sich mit Knüppeln und Messern. Sie errichteten Barrikaden,
um die Zugänge zur Ortschaft, dem Stadtviertel oder der Straße zu
kontrollieren. Sie gestatten unbekannten Fahrzeugen und Personen nicht
die Weiterfahrt.“ (J. D. Fierro, Rebelión).
Zweifellos
sind der US- und EU-Imperialismus nach dem Verlust eines Vasallen sowie
die verschiedenen politischen Fraktionen der tunesischen Firmenbosse und
der Streitkräfte Tunesiens jetzt damit befaßt, das Volk zu
demobilisieren und „die Lage zu stabilisieren“. Auch wenn ihnen dies
einige demokratische Zugeständnisse abverlangt. Aber dies löst nicht
die eigentlichen Grundprobleme: Armut, Massenarbeitslosigkeit,
imperialistische Ausbeutung.
Unterdessen
greift die Unzufriedenheit des tunesischen Volkes auf andere Länder über
und mobilisiert die Volksmassen in Algerien und Libyen. Was den
Imperialismus in weiteren Schrecken versetzt.
Die
zentrale Forderung der Revolution besteht im Ruf der Jugend nach Arbeit.
Sie erfordert eine andere Wirtschaftsordnung, die Enteignung des
„Familienbesitzes“ des Diktators und die Enteignung der
transnationalen Konzerne in Tunesien.
Diese
grundlegenden Umgestaltungen können nur unter einer neuen Macht der
Arbeiter, Bauern und Volksmassen erreicht werden. Auf diesem Weg ist die
Tür offen, die Demonstrationen des Volkes für soziale Forderung und
die Durchsetzung demokratischer Verhältnisse fortzusetzen.
Beispielsweise durch Abschütteln der Arbeiteraristokraten die Macht der
Arbeiterklasse über die Gewerkschaften durchzusetzen, um für Lohn und
all die Arbeiterforderungen zu kämpfen. Sowie die politische Polizei
aufzulösen und die Bluthunde des Regimes zu bestrafen. Das Volk muß
endlich frei über seine Zukunft entscheiden können.
Beispiel
für andere Völker in der Nachbarschaft
Die
Revolution in Tunesien ist Ausdruck des Massenwiderstandes gegen das
weltweite imperialistische Diktat, welches Massenarbeitslosigkeit und
Hungerlöhne mit sich bringt. Aber darüber hinaus erfolgt diese
Revolution in einer Region der arabischen Länder (Marokko, Algerien, Ägypten,
Sudan, Jordanien, Syrien, Jemen, Irak, Saudi-Arabien, Libanon usw.),
welche eine starke historische und kulturelle Einheit ebenso verbindet
wie die politische Macht in den Händen reaktionärer vom Imperialismus
abhängiger Diktaturen.
„Viele
Jugendliche identifizieren sich mit den Problemen, denen sich die
tunesischen Jugendlichen ausgesetzt sehen: Massenarbeitslosigkeit,
Korruption, Autokratie, Menschenrechtsverletzungen.“ (BBC London).
Dabei sollte nicht übersehen werden, dass sich all dies vor dem
Schauplatz der Niederlage des US-Imperialismus in Irak, einem ebenfalls
arabischen Land, abspielt.
Das
„Übergreifen“ der Ereignisse in Tunesien auf die Nachbarländer ist
bereits ganz offenkundig in Algerien erfolgt, wo es seit zwei Wochen zu
großen Protestdemonstrationen des Volkes kommt. Auch gab es
Massendemonstrationen in Jordanien und Libyen.
In
Jemen, auf der arabischen Halbinsel, demonstrierten tausende
protestierende Studenten durch die Straßen. Sie riefen zum Aufstand der
arabischen Völker „gegen die sich fürchtenden falschen Führer“
auf.
______________________________
Angaben
zur Republik Tunesien
Bevölkerung:
10.400.000 Einwohner
Fläche:
165.000 km2
Wirtschaft:
Agrar-Industrie, Phosphate, Tourismus, Hungerlöhner-Fabriken
transnationaler Konzerne und Firmen
Landessprache:
Arabisch
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/
zurück |
|
Tunesien:
Das
Volk jagt sozialdemokratisch-faschistische Diktatur davon
Von
Gerd Höhne
Kommunisten-online
vom 19. Januar 2011 – Sie steht auch bei Linken immer noch im Ruf,
links zu sein: die Sozialistische Internationale (SI). Ihr linkes Image
verdankt sie wohl ihrer Geschichte, als Internationale der marxistisch
orientierten sozialistisch-sozialdemokratischen Parteien. Im 1.
Weltkrieg stellte sie sich dann aber gegen den konsequenten Kampf ihrer
Mitgliedsparteien gegen den imperialistischen Krieg, diese unterstützten
die Kriegspolitik sogar. Daran zerbrach sie
dann. Die revolutionären marxistischen Arbeiterparteien
schlossen sich zur Kommunistischen Internationale (Komintern) zusammen.
Nach
dem 2. Weltkrieg, im Kalten Krieg, ergab sich für die Sozialdemokratie
die Notwendigkeit, ihre antikommunistischen Aktivitäten zu
koordinieren. 1951 gründete sich die SI neu. Die deutsche SPD war in
den nachfolgenden Jahrzehnten die unumstrittene Führungspartei. So war
Willy Brandt viele Jahre Präsident der SI.
Brandt
intervenierte nach 1976 persönlich als Präsident der SI in Portugal.
Dort hatte das Volk – gemeinsam mit Teilen der Armee – den
Faschisten Marcelo Caetano mit
der sog. Nelkenrevolution, gestürzt. Die sozialistischen Kräfte in
Portugal gewannen bald die Oberhand. So sollte in der Verfassung der Weg
zum Sozialismus festgelegt werden.
Es
war sicherlich auch viel linke Romantik hinter dem Denken und Handeln
der Revolutionäre, die zum großen Teil aus den Reihen der Armee kamen
und auch nur vage Vorstellungen von marxistischer Theorie und Praxis
hatten. Die KP-Portugals, die unter dem faschistischen Regime blutig
verfolgt worden war und viele Jahrzehnte in der Illegalität wirken
musste, musste sich neu konstituieren und das, bei einer
revisionistischen Führung der wichtigsten kommunistischen Partei der
Welt, der KPdSU in der Sowjetunion.
Die
wichtigsten Kräfte in Portugal waren daher jüngere Offiziere in
mittleren Rängen der Armee – also linke Kräfte aus dem Kleinbürgertum
und keine Kommunisten. Otelo a de Carvalho, der bereits die Bewegung der
Offiziere gegen Caetano angeführt hatte, wurde damals der bekannteste
und wichtigste Mann der Revolutionäre. Einige Zeit sah es so aus, als
ob diese sozialistisch en Kräfte der Armee um Otelo a de Carvalho
gewinnen könnten. Es waren bereits Verstaatlichungen von Banken und
Industriebetrieben eingeleitet und für die landlosen Bauern eine
Landreform beschlossen worden. Für das internationale Monopolkapital du
den Staaten der Nato standen die Zeichen auf Sturm – eines der Nato-Länder
drohte heraus zu brechen und die Seiten zu wechseln.
In
der Situation griff die Sozialistische Internationale, in Person von
Willy Brandt. Für die Imperialisten ein. Mit Geld aus Deutschland und
vor allem durch politischen Druck und Beeinflussung. wurde die
portugiesische Mitgliedspartei der SI, der Sozialistischen Partei
Portugals, aus dem Block für eine sozialistische Umgestaltung gelöst,
die Bewegung gespalten. Der Führer der Linken unter den Militärs, Otelo
a de Carvalho, wurde verleumdet und so in Misskredit gebracht,
sogar mit strafrechtlichen Mitteln verfolgt, die Bewegung der Offiziere
versandete in der Bedeutungslosigkeit. Der Chef
der Sozialistischen Partei Portugals, Mário Soares, wurde
Regierungschef. Die Nelkenrevolution endete in einer normalen
kapitalistischen Republik. Portugal blieb im Schoß der Imperialisten
und der Nato.
Als
auch hier eine offene konterrevolutionäre Stellung der SI.
Die
in Tunesien mit diktatorischen Methoden, mit Staatsterror und auch mit
Korruption regierende Partei ist die Rassemblement
constitutionnel démocratique (RCD, für
Konstitutionelle
Demokratische Sammlung), deren Vorsitzende der
bisherige Diktator Zine el-Abidine Ben Ali ist.
Dieses
Regime, Mitglied der Sozialistischen Internationale seit den Tagen der
Präsidentschaft der SI Willy Brandts, plünderte
das Volk von Tunesien aus und bereicherte sich maßlos. Die Ehefrau des
Diktators soll, als sie vor einigen Tagen das Land verließ, 1,5 Tonnen
Gold entwendet und ins Ausland gebracht haben.
Tunesien
war uns die letzten Jahrzehnte stets als demokratisches und stabiles
Musterländle verkauft worden. Nichts von Terror und Korruption, nichts
von blutiger Diktatur eines Faschisten. Für die bürgerlichen Medien
ein Musterländle. Und jetzt das.
Das
Volk Tunesiens, viele Jahre hatte es unter ben Ali und dessen Vorgänger
Habib Bourguiba gelitten, hatte die Schnauze voll. Ausgehend von
Studenten demonstrierten sie gegen das Regime. Immer mehr Tunesier
schlossen sich an und schließlich wurde das Regime des Sozialdemokraten
ben Ali zum Teufel gejagt.
Dass
aber die Partei, deren Führer das Land Jahrzehnte ausplünderten,
Mitglied der Sozialistischen Internationale ist, verschweigt nunmehr die
bürgerliche Presse. Präsident der SI ist derzeit übrigens der Chef
der PASOK in Griechenland und derzeitige Ministerpräsident Giorgos
Andrea Papandreou. Eben der, der willig die Richtlinien der EU erfüllt
und durch eine Verarmungspolitik die Schulden begleichen will, welche
ihrerseits Griechenland auch für teure Rüstungseinkäufe – auch aus
Deutschland – aufgezwungen wurden. So schließt sich der Kreis – der
Kreis der sozialdemokratischen Verräter an den Interessen der Völker.
G.H.
zurück |
|
Kommunistische
Arbeiterpartei Tunesiens:
Der
einzige Weg, dies zu ändern, besteht darin, dass das tunesische Volk
sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt
Interview
mit Genossen Hamma Hammadi
auszugsweise
übersetzt von Jens-Torsten Bohlke
auf
Kommuniste n-online am 15. Januar 2011 – Genosse
Hamma Hammadi ist der Sprecher der Kommunistischen Arbeiterpartei
Tunesiens und Redakteur der seit 1990 verbotenen Zeitung Al Badil
(„Die Alternative“), welcher 10 Jahre in den Kerkern der Bourguiba
und Ben Alis verbringen mußte und anschließend weitere 10 Jahre im
Untergrund lebte und tätig war. Stets bereit zu kämpfen und zu siegen, seinen Gegnern zu trotzen. Wie
er seine Angst vor einem Scheitern überwand? Er hatte nichts außer
Schulden und somit nichts zu verlieren außer Zeit. Er entschied sich für
den Kampf auf Leben und Tod. Und so
kam er schließlich wieder heraus aus dem politischen Untergrund und gab
am 17. Oktober 2009 dieses Interview.
Auf
dem Flughafen von Karthago schlugen ihn die Büttel des Regimes
zusammen. Er wurde massakriert und beschuldigt, ein Raufbold zu
sein. Viele Jahre hatten sie ihn gesucht und zum gefährlichen
Verbrecher und Staatsfeind Nummer 1 in Tunesien gestempelt. Wiederholt
prangerte er Ben Ali und dessen Komplizen in aller Welt über Al Jazeera
an.
F:
Wollen Sie an den Präsidentschaftswahlen 2009 teilnehmen?
Genosse
Hammami: Es wird gar keine geben. Es gibt einfach eine
Volksabstimmung. Wer kann den Sieg des Generals mit fast 100%
anzweifeln?
Seit
dem Putsch vom 7. November 1987, dessen Urheber Ben Ali war, bleibt
dieser Diktator Tunesiens Präsident auf Lebenszeit. Die drei anderen
Kandidaten wurden von Ben Ali benannt. Das ist nichts weiter als
Kosmetik.
Weder
politisch noch rechtlich werden derzeit freie und transparente Wahlen
ermöglicht. Hinter den Kulissen des pluralistisch sich gebenden Regimes
tut Ben Ali alles, um das tunesische Volk und die demokratischen Kräfte
zu erdrosseln. Die politische Polizei übt terroristisch die Herrschaft
in der Gesellschaft aus. Die Justiz hat sich den Machthabern unterworfen
und wird ständig benutzt, um politische Gegner, Gewerkschafter, Aktive
und Menschenrechtler auszuschalten. Gleichzeitig gibt es Straffreiheit für
Folterer und Mafiosi der Königsfamilie. Die Aktivitäten der
Oppositionsparteien, von unabhängigen Vereinigungen und sonstigen
Organisationen oder Personen rebellischer Art werden gewaltsam verboten.
Die Meinungsfreiheit wird systematisch mißachtet. Die Massenmedien
werden stark kontrolliert, Journalisten durch Berufsverbotsandrohung zum
Schweigen gebracht bzw. eingeschüchtert, verfolgt und tätlich
angegriffen.
Kürzlich
veranstalteten Handlanger von Ben Ali einen Putsch gegen den
demokratisch gewählten Vorstand der Nationalvereinigung der
Journalisten. Unter all diesen Bedingungen sind die Worte von Ben Ali über
freie und transparente Wahlen blanker Hohn. Der Diktator will die Weltöffentlichkeit
über den wahren Willen des tunesischen Volkes und seiner demokratischen
Kräfte täuschen. Er führt sich auf wie ein kleiner Goebbels und hat
bei all dem keinen Mangel an Mitteln, denn finanzieren kann er sich großteils
aus den Kassen des Staates und den öffentlichen Mitteln. So bedient er
sich Kampagnen von Telegrammen, um Dankbarkeit für sein angeblich
karitatives Wirken seitens politischer Organisationen, Vereine,
Kulturschaffender, der Landwirtschaft und der Sportler des Landes
vorzugaukeln oder ein Spektakel seiner Marionetten in Gestalt von
Unternehmern und Gewerkschaften aufzuführen, welche eine pluralistisch
anmutende angeblich moderne Einrichtung für Ben Ali und seiner
Herrschaftsclique abgeben sollen.
Ben
Ali kauft sich Artikel in der internationalen und einheimischen Presse
und zahlt große Werbe-Anzeigen, um mit großem Tamtam Beweise für die
Fortschritte Tunesiens unter Führung eben dieses Präsidenten zu
konstruieren. Auszeichnungen und Medaillen für ausländische
Organisationen werden oft nur zu dem Anlaß geschaffen, um sich dafür
Lob und ständige Unterstützung für das Regime von Ben Ali zu
erkaufen, ihn als Wahrer von humanitären Zielen und Menschenrechten in
Tunesien und in der ganzen Welt darzustellen. Es wird vor nichts zurückgeschreckt,
um die die Situation in Tunesien unter Ben Ali zu verschleiern und
glauben zu machen, dass es absolut Konsens für ihn und die Fortsetzung
mit seiner Person an der Spitze des Staates wegen angeblich allgemeinem
Beifall für ihn gibt.
Diese
Wahlen sollen legal sein? Die Rechtsinstrumente namens Präsidentschaftswahlen
und Gesetze sind darauf abgestimmt sicherzustellen, dass Ben Alis Präsidentschaft
lebenslänglich währt. Verfassungsgemäße Bedingungen können von dem
Präsidentschaftskandidaten Ben Ali nicht erfüllt werden. (...)
Diese
Wahlmaskerade bringt dem tunesischen Volk keinen Vorteil, weil ihm die
Freiheit und alle Grundrechte entzogen bleiben. Das dient nur einer
Handvoll Familien um Ben Ali wie seiner eigenen, den Trabelsi, den Matri
die Mzabi die Oukil, M. Hiri, die Marbouk usw. Über sie hält er die
Hand, unter ihrem Schutz sammelt er einen großen Teil des von den
Menschen erarbeiteten Reichtums. Ben Ali hat laut Forbes ein geschätztes
Vermögen von 500 Millionen Dollar bis 2007 angehäuft.
Die
Demokratie ist der furchtbare Feind all dieser Ausplünderer. Sie fürchten
jede Kritik, jede Verurteilung. Deshalb gibt es weder freie Presse noch
unabhängige Justiz noch demokratische Wahlen oder deren Willen dazu.
Heute
wird der Zerfall der Diktatur und ihre Isolierung unter den sozialen
Folgen der Weltwirtschaftskrise immer offensichtlicher. Die Ben Ali überleben
sich immer mehr. Da steht die Frage nach der Nachfolge an. Die Machtausübung
wird immer repressiver. Der brutale Charakter der staatlichen Polizei
tritt immer deutlicher zutage. Selbst die sich über die bevorstehenden
Wahlen täuschen lassenden Menschen erkennen an, dass die Atmosphäre im
Lande immer finsterer geworden ist, wenn wir es mit früheren Wahlen
vergleichen.
Nicht
zu vergessen ist bei all dem, dass Ben Ali und seine Bande den Schutz
und die Unterstützung der westlichen Regierungen Frankreichs, der USA,
Italiens usw. genießt. In Tunesien beteiligen sich über 3000 ausländische
Firmen an der Ausplünderung der Reichtümer des Landes und an der
Ausbeutung der Arbeiter. Diese ausländischen Unternehmen verbieten
tunesischen Arbeitskräften die Wahrnehmung aller Grundrechte. Sie
erfordern ein diktatorisch vorgehendes Regime zur Aufrechterhaltung
dieser Ordnung und völligen Ausbeutung der tunesischen Arbeitskräfte.
Sarkozy
feierte all dies 2007 mit Ben Ali als Demokratie. Berlusconi hieß erst
kürzlich Ben Ali als seinen Freund willkommen. Die westlichen Regierung
begrüßen es, dass eine diktatorische Macht in Tunesien ihre Interessen
im Land und in der Region bedient. (...)
Wir
riefen zum Boykott dieser Wahlfarce und zum Kampf für eine echte
demokratische Wahl auf. Der Wechsel kann nur Werk des tunesischen Volkes
sein. Es geht um ein politisches Programm zur Überwindung der
Grundlagen der Diktatur, die Forderung nach einer verfassungsgebenden
Versammlung. Dies als Grundlage für eine demokratische Republik
Tunesien.
Heute
setzt die Abhaltung freier Wahlen zunächst voraus, die lebenslange Präsidentschaft
zu beenden. Ben Ali muß weg! Zweitens müssen alle Einschränkungen der
Freiheit der Kandidatur entfernt werden. Drittens muß den Menschen die
Freiheit gegeben werden, dass sie ihre eigenen Vertreter frei wählen können.
(...)
Bei
den Parlamentswahlen gibt es keine Unterschiede zu den Präsidentschaftswahlen.
Politisch und rechtlich passiert da dasselbe. Wir wissen vorher, dass
die RCD als Partei von Ben Ali 75% der Sitze gewinnen wird. Die übrigen
25% der Sitze werden dann wie immer durch den Präsidentenpalast auf die
anderen Parteien der gewünschten politischen Landschaft verteilt, wobei
es nur nach dem Grad an Loyalität geht. Freiheit gibt es also auch bei
der Parlamentswahl nicht.
Die
Verwaltung im Solde von Ben Ali filtert die Listen der anerkannten
Parteien mit Schwerpunkt auf jene, die eine Zeile radikaler gegen das
Regime sprachen. Unerwünschte Personen werden mit lächerlichen Vorwänden
abgelehnt. Der Wahlkampf oppositioneller Parteien wird tausendfach
behindert und gewaltsam verboten und unterdrückt. Berichterstattung in
den Medien über oppositionelle Parteien findet so gut wie gar nicht
statt. Fernseh-Spots der nicht loyalsten Parteien erscheinen zu Zeiten,
in denen es garantiert nur sehr wenige Zuschauer gibt. Nicht selten wird
einfach ihre Ausstrahlung abgebrochen. (...)
Kurz
gesagt, alles ist darauf ausgerichtet, dass die Partei von Ben Ali ihre
Hegemonie über die Abgeordnetenkammer behält, die Mitglieder dieser
Kammer handverlesene Leute von Ben Ali sind, Berater und Mitglieder der
anderen Kammer direkt vom Präsidenten ernannt werden. (...)
Die
Wirtschaftskrise lastet schwer auf den Massen. Viele Betriebe sind
geschlossen. Die Preise steigen rasant. Die öffentlichen
Dienstleistungen verschlechtern sich immer mehr. In dieser Lage wollen
junge Leute mit ihren Träumen illegal nach Europa, setzen sich tödlichem
Risiko auf dem Mittelmeer aus und landen schließlich in Haftanstalten
am anderen Ufer. Drogen, Kriminalität und insbesondere Diebstahl sind
zu Geißeln der Gesellschaft geworden und betreffen vor allem junge
Menschen. Für normale Arbeitende und selbst die kleinen Beamten und
Kleinbauern ist es immer schwieriger geworden, ein halbwegs normales
Leben zu führen. Immer häufiger sind sie gezwungen, einen zweiten Job
zu suchen. Die Zeichen von Armut und Verelendung sind immer unübersehbarer
geworden.
Der
Aufstand im Gafsa-Bergbaubecken im Süden des Landes gegen die
Massenarbeitslosigkeit, Armut und Korruption wurde brutal
niedergeschlagen. Mindestens vier Jugendliche wurden von der Polizei getötet,
Dutzende verletzt, hunderte Demonstrierende verhaftet, gefoltert und vor
Gerichten scheinrechtlich verurteilt zu hohen Strafen. Die wichtigsten
Anführer der Massenproteste, größtenteils Jugendliche und
Gewerkschafter, sind immer noch unter übelsten Bedingungen in Gefängnissen.
Helfen
Rechtsmittel gegen den Diktatur Ben Ali? Es gibt ihn nicht als völlig
alleingelassenen Diktator. In den 53 Jahren seit der Unabhängigkeit
Tunesiens waren nur zwei Präsidentschaftsdiktatoren und eine Partei an
der politischen Macht. Der einzige Weg, dies zu ändern, besteht darin,
dass das tunesische Volk sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt.
(...)
Quelle:
Taoufik Ben Brik
http://tempsreel.nouvelobs.com/
Hervorhebungen
von Jens-Torsten Bohlke
zurück
|
|
PVDA/PTB
verurteilt Entführung von Hamma Hammami
SPRECHER
DER KOMMUNISTISCHEN ARBEITERPARTEI TUNESIENS SOFORT FREILASSEN!
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Brüssel,
12. Januar 2011, Solidair. (auf Kommunisten-online vom 15. Januar 2011)
– Am Dienstag, dem 12. Januar 2011, wurde in Tunesien der
Sprecher der Kommunistischen Arbeiterpartei von tunesischen
Sicherheitsbeamten festgenommen und verschleppt. Genosse Hamma Hammami
ist stets ein großartiger Verteidiger der Menschenrechte in seinem
Heimatland gewesen. Er nahm aktiv an der Protestbewegung teil, die seit
einigen Wochen zu einer immer stärkeren Massenbewegung des tunesischen
Volkes angewachsen ist.
Die
Partei der Arbeit Belgiens (PVDA/PTB) verurteilt die Entführung des
Genossen Hamma Hammami durch die tunesischen Sicherheitskräfte. Wir
fordern zugleich die sofortige Freilassung von Hamma Hammadi sowie allen
politischen Gefangenen in Tunesien.
Unsere
Partei entrichtet brüderliche Kampfesgrüße an alle fortschrittlichen
Kräfte in Tunesien und an das tunesische Volk in ihrem Kampf gegen das
diktatorische Regime von Ben Ali, für Freiheit und soziale
Gerechtigkeit.
Unsere
Partei klagt auch die stille Komplizenschaft der westlichen Regierungen
insbesondere in Europa an, welche die Machthaber im heutigen Tunesien zu
Lasten der Rechte des tunesischen Volkes unterstützen.
Partei
der Arbeit Belgiens, 12. Januar 2011
Hamma
Hammani, Sprecher der verbotenen Kommunistischen Arbeiterpartei
Tunesiens (Parti Communiste des Ouvriers Tunisiens, PCOT), wurde am 12.
Januar 2011 zusammen mit Mounia Obaid und Rechtsanwalt Mohamed Mzem in
seiner Wohnung festgenommen.
Hamma
Hammami wurde von mehr als 20 MitarbeiterInnen des Sicherheitsdienstes
des tunesischen Präsidenten in seiner Wohnung verhaftet. Mit ihm wurden
auch seine elfjährige Tochter, der Rechtsanwalt Mohamed Mzem sowie eine
Frau namens Mounia Obaid festgenommen. Seiner Tochter gelang es zu
entkommen. Der Computer von Hamma Hammami wurde beschlagnahmt.
Quelle:
http://wien.kpoe.at/news/article.php/20110114181613845
zurück
|
|
Tunis:
Erklärung
des revolutionären Bündnisses in Tunesien unter Führung der
Kommunistischen Partei von Tunesien
Erklärung
zur Verfassung der „Front des 14. Januars 2011 Bizerte“
vom
Samstag, dem 12. Februar 2011
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Kommunisten-online
vom 14. Februar 2011 – Wir vertrauen auf die Prinzipien der
Revolution als die wichtigste wirkliche Hauptlösung für die
Verfassungsfordernde Demokratische Massendemonstration und ihre
angeschlossenen Organisationen. Wir vertrauen auf die Einberufung einer
landesweiten Nationalkonferenz zum Schutz der Revolution und zur Auflösung
des Repräsentantenhauses mit allen Beraterstäben und allen Körperschaften
wie dem Obersten Gericht sowie die Auflösung aller politischen
Strukturen des ehemaligen Regimes und die Vorbereitung von Wahlen für
eine verfassunggebende Versammlung (Parlament), mit nicht mehr als dem
Zeitraum dieses Jahres bis zur Erarbeitung der Verfassung für ein neues
demokratisches System und die Entwicklung von neuen rechtlichen
Rahmenbedingungen für das öffentliche Leben unter Gewährleistung der
vollen politischen und wirtschaftlichen Rechte sowie der kulturellen
Rechte des Volkes.
Wir,
die politischen Aktiven, Gewerkschafter und Menschenrechtsaktiven sowie
sonstige aktive Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben haben uns
namentlich unter dem Banner der Front des 14. Januars 2011 Bizerte“
zusammengeschlossen und vertreten die folgenden Forderungen:
1.
Errichtung einer dritten Front des 14. Januars Bizerte;
2.
Ablehnung der Übergangsregierung, die sich selbst zum Wächter über
das Volkes von Tunesien und seine Revolution ernannt hat und stolz
darauf ist, daß sie alle Symbole der früher herrschenden Partei und
der einstigen lächerlich zu nennenden Opposition zur Aufpolierung ihres
Ansehens verwendet und aus ein paar neuen Maklern besteht, die die
Volksbewegung betrogen haben und ihren Vorteil aus der Volksrevolution
ziehen wollen, wie wir einschätzen;
3.
Unsere Ablehnung der Kombination aus den drei Komitees, die verdächtige
und korrupte Elemente enthalten;
4.
Ablehnung der Unterdrückung der Übergangsregierung gegen unsere Leute
in der Kasbah, im Stammesrat,
im Kef und in anderen Gremien;
5.
Wir rufen unser Volk dazu auf, sich eng zusammenzuschließen mit der
Front des 14. Januars Bizerte und überall auf der Grundlage der
gemeinsamen politischen Interessen und der Parteinahme für das Volk den
Kampf zu führen;
6.
Wir erklären der Revolution unseres arabischen Volkes in Ägypten
unsere Unterstützung. Wir betrachten seinen Sieg als Ermutigung an uns,
den Kräften der Konterrevolution zu widerstehen. Ebenso erklären wir
unsere Unterstützung für die unser Volk in Palästina, Irak. Und wir
vertreten die Auffassung, daß wir derzeit auf dem Weg der Befreiung
unseres Landes von den zionistischen Bluthunden und dem Imperialismus
und seinen reaktionären gekauften Partnern voranschreiten. Wir
betrachten die Revolutionen des arabischen Volkes in jedem Land für die
Erde, die Freiheit und die Demokratie sowie die nationale Würde als
Teil und Paket der nationalen Befreiungsbewegungen in der Welt.
Es
lebe die ruhmreiche Revolution des 14. Januars!
Quelle:
http://www.albadil.org/spip.php?breve2709
mit
Hilfe von Google-Übersetzer ins Englische übertragen:
http://translate.google.com/t
und
dann weiter in die deutsche Sprache übersetzt. |
zurück |