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Venezuela:

UNETE-Gewerkschafter prangern Kesseltreiben gegen Marcela Máspero an

„DA WOLLEN EINIGE DEN 1. MAI BESCHMUTZEN UND die Gewerkschaft UNETE EINSCHÜCHTERN“

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

Caracas, 29. April 2011, Tribuna Popular (TP) / UNETE. (auf Kommunisten-online am 1. Mai 2011) -   Gewerkschafter der Gewerkschaft UNETE aus etlichen Landesteilen beklagten am vergangenen Donnerstagabend eine Kampagne der Verfolgung, Belästigung und Einschüchterung gegen ihre Gewerkschaftsführerin Marcela Máspero.

Darauf wiesen Eduardo Sánchez, Vorsitzender von SINATRAUCV, Ana Yánez, Vorsitzende von SINBOTBIV, Elpidio Rojas von SUTRATEX, Servando Carbone von FENTRASIP, Joel Level von Alimentos Polar, José Antonio García von URT-SUCRE, Juan Carlos Arias von COPOSA und UST Portuguesa, Julio Polanco von FUSBEC und URT-Carabobo hin. Sie alle sind Mitglieder des Zentralvorstandes der Gewerkschaft UNETE.

Sie erklären, dass es Kreise gibt, die vorhaben, die Gewerkschaftsvorsitzende Marcela Máspero zum Schweigen zu bringen. Dazu benutzen sie derzeit ihren 19 Jahre alten Sohn, welcher am Teatro Teresa Carreño tätig ist. Er befindet sich heute durch fingierte Dinge in einer Strafanstalt der Staatssicherheitsorgane des venezolanischen Bundesstaates Aragua.

Sie berichten, dass sie ähnliche Situationen um die UNETE-Gewerkschaftsvorsitzende angeprangert hatten. Erst ging es um die Bedrohungen gegen ihr Leben vor dem Hintergrund der Diskussion der Kollektivvereinbarung der Garzón-Unternehmen in Barinas, nach dem Mord an Tomas Rangel und inmitten des Konflikts vom Zentrum Simón Bolívar, Hotel Alba und den Residenzen Anauco Suites.

Kürzlich erfolgte die Belästigung gegen ihren ältesten Sohn durch Angehörige der Geheimdienstabteilung der Polizei des venezolanischen Bundesstaates Aragua und gegen Fructuoso Garay, den Leiter der Gewerkschaft URT Aragua, dessen Leben auch bedroht ist, wie sie sagen.

„Als sich die Situation in Aragua nach dem Mord an „Pelo Lindo“ in La Villa, dem an Misael Peña in Tejerías verschlimmerte, wendeten wir uns an die Generalstaatsanwaltschaft der Republik Venezuela, um u.a. Polizeischutz für sie und ihre Kinder infolge jener Taten anzufordern. Wir führten Beratungen mit Vertretern der Staatsanwaltschaft, des Innen- und Justizministeriums und der CICPC durch. Auch da prangerten wir die Kampagne der Belästigung, Verfolgung und des Terrors an, welche gegen unsere Genossin existiert. Und wir baten um Schutz für ihre Familie.“

Während der landesweiten Demonstrationen von UNETE am vergangenen 31. März wurden auch Dokumente an Aristóbulo Isturiz, Fernando Soto Rojas in der Nationalversammlung sowie Richard Canan im Amt des stellvertretenden Präsidenten der Republik übergeben, welche die Situation anprangerten und Antwort und Lösungen forderten, um diese Kampagne gegen Marcela Máspero zu stoppen. Marcela Máspero bekämpfte stets die Oligarchien und die Korruption.

„Die Verfolgung und Belästigung gegen sie ist gegen alle venezolanischen Werktätigen gerichtet. Sie richtet sich gegen unsere Gewerkschaft, daher prangern wir sie an. Marcela wird verdammt, weil sie sich wagte, kritische Positionen gegen die Gremien der Großunternehmer, Kapitalisten und korrupten Machtkreise in der öffentlichen Verwaltung einzunehmen. Sie wagte es, für Lohnerhöhungen, Kollektivverträge und gegen die Verletzung der Arbeiterrechte aufzutreten. Sie stellte sich der Bürokratie entgegen, die gerade einen Schlag ausführt, um den Wirtschaftsbereich zu erdrosseln und das gute Funktionieren der Betriebe abzuwürgen, die Präsident Chávez für das Volk rückerobert hat, um ein neues Leitungsmodell über die Arbeiterkontrolle einzuführen und damit die Privilegien der kleinen Machtkreise in den öffentlichen Betrieben zu beseitigen.“

Die Gewerkschaftsführer bitten Präsident Chávez, dass er alle Einrichtungen und Beamte anweisen soll, dieser Situation ein Ende zu setzen, damit diese von ihnen als faschistisch bezeichneten Praktiken gegen jene aufhören, die den Kampf für die Verteidigung der Rechte der Werktätigen und den revolutionären Prozeß selbst führen. Gleichfalls ersuchten sie, dass der Fall von Marcela und ihrer Familie mit gebotener Dringlichkeit behandelt wird.

Letztlich meinen sie,dass es Machtkreise mit Interesse daran gibt, diesen 1. Mai in den Schmutz zu ziehen und die Mitglieder von UNETE einzuschüchtern.

Quelle:

http://www.tribuna-popular.org/  

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Gesellschaftliche und ökologische Schäden aus Profitstreben

DER BIOKRAFTSTOFFSKANDAL IN DEN LÄNDERN DES SÜDENS

oder

DIE MÄR DER „GRÜNEN ENERGIE“

von Francois Houtart*

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

Caracas, 27. Juli 2011, Tribuna Popular (TP). (auf Kommunisten-online am 1. Juli 2011) – Die Umsetzung der Idee der Ausweitung des Anbaus von Biokraftstoffen in der Welt und insbesondere in den Ländern des Südens ist eine Katastrophe. Sie ist Teil eines Lösungsansatzes für die weltweite Energiekrise. In den nächsten 50 Jahren werden wir den Energiekreislauf verändern müssen. Wir werden uns dabei von den immer seltener werdenden fossilen Energieträgern auf andere Energiequellen umstellen müssen.

Kurzfristig ist es einfacher, das zu nutzen, was sofort rentabel ist: die Biokraftstoffe. Dieser Lösungsansatz erscheint unter dem Gesichtspunkt sich vermindernder Investitionsmöglichkeiten und hoher Profiterwartungen der am meisten nachgefragte Lösungsansatz unter den Bedingungen der sich entwickelnden weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise.

Wie immer bei einem kapitalistischen Vorhaben wird außer acht gelassen, was die Wirtschaftswissenschaftler die äußeren Faktoren nennen. Also all das, was nicht innerhalb des Marktdenkens erfaßt wird. Im hier zu behandelnden Fall sind dies die Umwelt- und gesellschaftlichen Schäden.

Um zu 25-30% den Energiebedarf mit diesem Lösungsansatz der Energiekrise zu decken, werden hundertmillionenfache Zahlen von Hektar fruchtbaren Ackerlandes für die Produktion von Agrarenergie eingesetzt werden müssen. Diese Flächen werden vor allem in den Ländern des Südens liegen, weil die Länder des Nordens nicht genug landwirtschaftliche Nutzfläche haben.

Laut gewissen Schätzungen werden dabei mindestens 60 Millionen Bauern von ihrem Land vertrieben werden müssen. Den Preis für diese „äußeren Faktoren“ bezahlt nicht das Kapital, sondern die Allgemeinheit und die Einzelpersonen werden diesen erschreckend hohen Preis zahlen müssen.

Die Biokraftstoffe werden durch Monokulturen produziert. Monokulturen zerstören die biologische Artenvielfalt. Sie verschmutzen die Böden und das Wasser.

Ich bin selbst kilometerweit durch die Plantagen von Chocó in Kolumbien gewandert. Dort habe ich weder einen Vogel noch einen Schmetterling, und in den Flüssen nicht einmal einen Fisch gesehen. Dies alles wegen des Einsatzes von großen Mengen Chemikalien als Düngemittel und Schädlingsbekämpfungsmittel. Angesichts der unseren Planeten treffenden Süßwasserkrise ist der Einsatz von Süßwasser für die Äthanolproduktion unvernünftig.

Von den Tatsachen her werden 1200 bis 3400 Liter Süßwasser eingesetzt, um einen Liter Äthanol aus Maisanbau zu gewinnen. Auch der Zuckerrohranbau verschlingt gewaltige Mengen an Süßwasser. Die Verschmutzung der Böden und des Wassers erreicht nie dagewesene Ausmaße und führt derzeit zum Phänomen des „toten Meeres“ an den Mündungen von Flüssen, so in einer Ausdehnung von 20 Quadratkilometern an der Mündung des Mississippi. Dort großteils verursacht durch die Ausdehnung der Mais-Monokulturen für die Äthanolproduktion. Die Ausdehnung dieser Kulturen führt zu einer direkten oder indirekten Zerstörung der Wälder und Naturlandschaften, die Kohlenstoffsenken durch ihre Absorptionsfähigkeit sind und durch die Bodennutzung für die Landwirtschaft und Viehzucht dezimiert werden.

Die Auswirkungen der Biokraftstoffe auf die Ernährungskrise sind nachgewiesen worden. Nicht nur die Produktion der Biokraftstoffe steht im Konflikt zur Nahrungsmittelproduktion in einer Welt, wo laut Welternährungsorganisation über eine Milliarde Menschen an Hungersnot leiden, sondern diese Produktion der Biokraftstoffe ist auch ein bedeutendes Element der Spekulation auf die Nahrungsmittelerzeugung in den Jahren 2007 und 2008 gewesen.

Ein Bericht der Weltbank bestätigt, dass in zwei Jahren 85% des Anstiegs der Nahrungsmittelpreise mehr als 100 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze in die schiere Hungersnot abstürzen ließ und dies maßgeblich von der Entwicklung der Agrarenergieproduktion beeinflusst wurde. Daher bezeichnete UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Ernährung Jean Ziegler die Agrarrohstoffe als „Verbrechen an der Menschheit“. Und sein Nachfolger, der Belgier Olivier de Schutter, hat ein Moratorium auf 5 Jahre für ihre Produktion beantragt.

Die Ausdehnung der Monokultur bedeutet auch die Vertreibung vieler Bauern von ihrem Land. Vor allem geschieht dies durch Betrug und Gewalt. In Ländern wie Kolumbien und Indonesien wird dabei auf die Streitkräfte und paramilitärischen Verbände zurückgegriffen, welche nicht davor zurückschrecken, diejenigen blutig zu massakrieren, die da ihr Land zu verteidigen wagen. Tausende ethnische indigene Dorfgemeinschaften in Asien, Afrika und Lateinamerika wurden ihrer angestammten Ländereien beraubt und enteignet.

Dutzende Millionen Bauern sind hauptsächlich in den Ländern des Südens enteignet worden. Dies zugunsten der Entwicklung einer Produktionsweise der landwirtschaftlichen Produktion und der Konzentration des Eigentums an Boden. Ergebnis all dessen ist eine ausufernde Abwanderung in die Städte und deren Aufblähung sowie ein starker Migrationsdruck in den betreffenden Ländern und auch auf internationaler Ebene.

Auch ist anzumerken, dass der Lohn der in der Biokraftstoffproduktion beschäftigten Arbeitskräfte sehr niedrig und die Arbeitsbedingungen dort allgemein unmenschlich sind, und zwar aufgrund der Produktivitätszwänge. Die Gesundheit der Arbeiter in diesem Bereich erleidet ebenfalls schwere Schäden.

Auf der Sitzung des Ständigen Völkertribunals über die europäischen Multis in Lateinamerika, welche parallel zum Europäisch-Lateinamerikanischen Gipfel in Lima im Mai 2008 erfolgte, wurden viele Fälle von Kindern mit Missbildungen vorgestellt, was auf den Einsatz von Chemikalien bei der Monokultur in den Bananepflanzungen, bei Soja, Zuckerrohr und Palmöl zurückzuführen ist.

Derzeit ist in Mode zu behaupten, Biokraftstoffe seien ein Lösungsansatz für das Klima. Zwar stimmt es, dass die Verbrennungsmotoren bei Biokraftstoffeinsatz weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre ausstoßen. Aber zieht man den gesamten Kreislauf der Produktion und Verteilung dieses Produkts in Betracht, ist diese Aussage nicht zu halten. In einigen Fällen fällt die Bilanz sogar negativ für die Biokraftstoffe im Vergleich zur fossilen Energie aus.

Wenn Biokraftstoffe als keine Lösung für das Klima sind, sondern da nur am Rande zur Milderung der Energiekrise eine Rolle spielen, und wenn sie erhebliche negative Folgen für die Gesellschaft und die Umwelt auslösen, dann haben wir sehr wohl das Recht zu hinterfragen, warum ihnen so sehr der Vorrang eingeräumt wird.

Der Grund besteht darin, dass sie kurz- und mittelfristig beachtlich und rasch die Profitrate des eingesetzten Kapitals erhöhen. Daher interessieren sich die multinationalen Konzerne aus den Bereichen Erdöl, Automobilindustrie, Chemie und Agrarbusiness dafür.

Das Finanzkapital, George Soros beispielsweise, hat als Partner die Unternehmer und die Großgrundbesitzer vor Ort, welche die Erben der ländlichen Oberschicht sind. Damit ist die eigentliche Funktion der Agrarenergie in der Praxis die Hilfestellung für einen Teil des Kapitals, um aus der Krise heraus zukommen und seine Akkumulationsfähigkeit zu erhalten und möglicherweise noch zu steigern.

In der Tat wird die Produktion der Agrarenergie durch eine extreme Ausbeutung der Arbeitskräfte, das Ignorieren der äußeren Faktoren, die Übertragung öffentlicher Mittel in Privatvermögen mit der Gewährleistung rascher Profiterzielung, aber auch eine Vorherrschaft der multinationalen Konzerne und eine neue Form der Abhängigkeit der Länder des Südens von denen des Nordens gekennzeichnet.

All dies wird mit dem Bild von Wohltätern für die Menschheit kaschiert. Die Rede ist von „grüner Energie“. Die Regierungen der Länder des Südens sehen in all dem eine gut einsetzbare Devisenquelle, um u.a. das Niveau des Konsumierens für die begüterten Klassen aufrecht zu halten.

Daher besteht die Lösung nur darin, den Energieverbrauch vor allem in den Ländern des Nordens zu senken und in neue Technologien (z.B. Solaranlagen) zu investieren. Die Bio-Energie ist kein Übel an sich. Sie kann auf örtlicher Ebene interessante Lösungen bringen, sofern die biologische Artenvielfalt respektiert wird, die Qualität der Böden und des Wassers gewährleistet wird, die Nahrungsmittelsouveränität und die bäuerliche Landwirtschaft geschützt wird, - d.h. all das, was der Logik des Kapitals zuwiderläuft.

In Ekuador hat Präsident Correa den Mut aufgebracht, die Ausbeutung der Erdölvorkommen aus dem Naturschutzgebiet Yasuni zu stoppen. Lasst uns hoffen, dass die fortschrittlichen Regierungen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas dieselbe Standfestigkeit aufbringen. Widerstand in den Ländern des Nordens und denen des Südens gegenüber dem Druck der wirtschaftlich Machthabenden zu entwickeln, ist ein politisches und ethisches Anliegen.

Den Biokraftstoffskandal im Süden anzuprangern, wird zu einer Pflicht.

(*) Ehemaliger Professor an der Katholischen Universität von Leuven/Belgien, Gründer des Tricontinental-Zentrums und Verfasser des Buches: Der Skandal der Biokraftstoffe für den Süden, Verlag La Tierra und Ruth Casa Verlag, Quito, 2011

Quelle: http://www.tribuna-popular.org/

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