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Venezuela:
Klartext
eines Chávez-Anhängers
ACHTUNG,
HUGO!
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Quelle:
Tribuna Popular von 23. Dezember 2010
Kommunisten-online
vom 26. Dezmber 2010 –
Landsleute!
Was
jetzt folgt, steigt mir aus innerster Seele empor. Zeit verstreichen zu
lassen, lässt mir das Bewusstsein zu Asche verbrennen. Und bis hin zu
den Gehirnwindungen geht die Hoffnung auf Korrektur, Veränderung oder
einfach Anhalten. Ich sehe die Anstrengungen, die der Genosse Präsident
unternimmt, um dieses Übel zu ändern. Ich sehe dazu einige
Prachtkerle, die damit beschäftigt sind, zu verwässern und zu zerstören,
was der Landsmann Hugo Chávez macht. Ich übernehme das Risiko und die
Folgen, hier zu äußern, was ich unten in Gestalt eines Artikels
aufgeschrieben habe.
Vielleicht
solltet Ihr das nicht veröffentlichen. Vielleicht stößt es auf
Widerhall und Verständnis. Das Einzige, was ich davon weiß, besteht
darin, dass ich es nicht mehr zurückhalten kann.
In
Erwartung Eures Verständnisses und Eurer Nachsicht,
der
Autor.
Achtung,
Hugo! Mit Ohnmacht schreibe ich Dir
In
Wirklichkeit weiß ich nicht, ob ich denken soll, dass Du viele Dinge
nicht kennst. Oder ist es so, dass Du nicht die Fähigkeit hast, um so
vielfach vorhandene Dinge zu lösen? Aber ich will, dass Du davon erfährst,
dass die Gelder, die Du zur Verfügung gestellt hast, um Mängel zu lösen,
nicht ausreichen, weil das Geschäft mit dem Provisionsgeldern, das der
Vertragspartner aus den Reihen der Mitglieder an den Schaltstellen der
Partei, weiterhin so läuft wie seinerzeit, als die AD und die COPEI das
Sagen hatten.
Chávez,
bitte ordne an zu untersuchen, wie viele abgeschlossene und bezahlte
Projekte niemals ausgeführt worden sind, weil diejenigen, die sie
betrieben haben, Partner von Abgeordneten auf Landes- oder
Regionalebene, von Bürgermeistern oder sonstigen öffentlichen
Amtsinhabern mit Gewicht oder deren liebestoll begehrten oder geliebten
Gespielinnen oder dahinter stehenden Partnern sind, die ihnen Verträge
geben, um aus Systemen Kloaken zu machen, nur weil sie beispielsweise
Rechtsanwälte sind, oder Brücken bauen, wobei sie nichts weiter als
Schmiede sind und ein paar Bauten ohne jede Kontrolle und ohne jede
Qualität machen, - lediglich Rechnungen stellen sie für ihre Ausgaben
und für ihre Profite aus.
Sie
haben mir das nicht berichtet. Ich habe es gesehen. Und ich habe es
erlebt. Mir kocht das Blut, und mir stirbt das Vertrauen weg angesichts
von soviel Trägheit und vergeudetem Geld, dass da einfach der
Zeitfaktor und die Verdrängung aus der Erinnerung eingesetzt wird,
damit die Geldverschwendung nicht mehr schmerzen soll.
Hast
Du nicht erfahren, dass es Familien gibt, die sich derart organisiert
haben, dass sie mit jeder gerade daherkommenden Regierung
Partnerschaften eingehen, und die immer dasselbe tun?
Weißt
Du, dass es Brücken gibt, die etliche Male bezahlt worden sind? Und die
jeder noch so klitzekleine Regenguss zerstört, so dass binnen ganz
kurzer Zeit sie wieder zum Geschäft werden (ohne Ausschreibung), um sie
wieder mit denselben Mängeln aufzubauen? Dies in einer unaufhörlichen
Gliederkette der Abzockerei und Zuhälterei.
Was
ich Dir hier sage, ist kein Geheimnis, ist nichts Verstecktes vor dem
Volk. Das ist ein unmoralisches Verhalten. Und das ist bekannt, hat
Namen und Vornamen. So dass sogar Deine Schlüsselfunktionäre es kennen
und als unabänderlich hinnehmen.
Die
Menschen aus dem Volk resignieren. Sie hoffen ständig, dass jemand
anderes die Peitsche auf den Esel sausen lässt. Aber aus Furcht zeigen
sie nichts an. Weil die Macht jener, die diese Barbareien begehen, so
groß ist, dass sie sogar gerichtliche Beschlüsse erkaufen.
Ich
erzähle Dir zum Beispiel, dass in den ausgeführten Projektplanungen
bei Wohnungsbau und Siedlungsbau die Berater, Abgeordneten, Gouverneure,
Bürgermeister sich etliche Gelder zu ihrer privaten Verfügung
reservieren. Und sie übergeben diese Wohnungen an Menschen, die solche
Wohnungen gar nicht brauchen, sondern damit nur Geschäfte mit anderen
Geiern machen. Sie benutzen diese Wohnungen für unmoralische politische
Klientelwirtschaft. Oder ihre Politik findet auf der Matratze statt. Erzählt
haben sie mir das nicht.
Schmerzlich
daran ist, Genosse Hugo, dass es das nicht nur im Bundesstaat Yaracuy
gibt. Das ist in ganz Venezuela auf der Ebene von Geschäftsführern und
Leitern so. Natürlich gibt es ein paar ehrliche Leute in Leitungs- und
Geschäftsführerpositionen. Aber es überwiegt die Korruption.
Diese
traurige Praxis hat überhaupt nichts mit dem Chavismus zu tun. Sie
stammt aus den Vorzeiten. Aber sie hat sich im Verlauf der Geschichte
gehalten. Darum sehen wir Typen als rechte Hände von Gouverneuren, die
sich Chavisten nennen und früher mit den Regierungen von AD und COPEI
auskömmlich lebten. Darum werfe ich hier in Wort- und Schriftform
Steine auf Julio León Heredia in Yaracuy und auf Francisco Capdevielle
in San Felipe. Sie machen derzeit genau das, was ich hier anprangere.
Und das Schwerwiegende liegt darin, dass es alternative Medien gibt, die
meine Schriften nicht veröffentlichen, wenn ich diesen Schmutz an
anti-revolutionärem Verhalten anprangere. Weil diese Medien in
Wirklichkeit von der oligarchischen Presse stammen, daher nichts sagen.
Es wird aufgepasst, denen keine Steine in den Weg zu legen, die diese
Medien wirklich unterhalten. Dies noch stärker, wenn derjenige, der
schreibt, ein Chavist ist, der nicht mit sich handeln lässt und die
verführerischen Angebote abweist, die ihm anfangs mal gemacht worden
sind, um ihm das Maul zu stopfen.
Chávez,
mein lieber Genosse! Ersuche Deine Minister doch mal um eine
aktualisierte Inventur, nur mal über die Zahl der gestoppten
Bauprojekte im Bundesstaat Yaracuy, wie lange schon gestoppt, und warum
gestoppt! Du wirst auf Deinen Hintern fallen, wenn Du Dir diesen
Blutverlust anschaust und das alles erfährst. Verlange mal einen
wahrheitsgetreuen Bericht darüber, wie viele abgeschlossene Bauprojekte
im Wohnungsbau, im ländlichen Siedlungsbau, im Armensiedlungsbau, im Städtebau
und bei den kleinen Ortschaften nicht genutzt werden können, oder wo
andere Baulichkeiten so tun, als ob sie die Funktion von denen erfüllen,
die angeblich gebaut worden sein sollen!
Ordne
an, dass sie Dir Berichte geben, wie viele Bauten von FOGADE und anderen
Ministerien im Rohbau unter freiem Himmel verrotten, einige ohne jede
Inneneinrichtung, und sie sind verlassen! Und andere werden für Parteipärchen
wiederhergerichtet, aber erst dann, wenn man sie braucht.
Mein
Verhalten, Genosse Präsident, hat mir Drohungen eingebracht, die gegen
mich gerichtet sind, gegen meine Familie gerichtet sind, usw. Sie kommen
von den Mafiosi, die sich Dir an Deine revolutionäre Brust angehängt
haben. Dies nur, um zu saugen und zu scheißen. Parasiten, die sich ein
rotes Hemd anziehen. Aber die das Volk auslachen, es demütigen, es
manipulieren, es betrügen.
Innerhalb
dieses großartigen Panoramas, Genosse Präsident, muss ich Dir sagen,
dass trotz all diesem Ungeziefer wir im Volke weiterhin an eine Veränderung
zu Würde, Ethik und Moral glauben. Aber dass wir dabei hoffen, dass
weniger geredet und mehr getan wird. Geschieht das Gegenteil, dann wird
das Imperium keine große Anstrengung unternehmen müssen, um mit
unserem Traum Schluss zu machen.
Ich
schwöre Dir, Genosse, dass ich Dir die Wahrheit sage. Das ist die
Hauptursache für den mangelhaften Wohnungsbau, für die mangelhafte
Ankurbelung der landwirtschaftlichen Produktion trotz der erheblichen
von Dir da zugewiesenen Finanzmittel. Ich weiß nicht, ob diese Zeilen
veröffentlicht werden. Vielleicht können die Komplizenschaft und die
Angst vor den enttarnten Machthabern mehr wiegen als die Vernunft. Aber
ich bin es überdrüssig geworden, weiterhin falsche vorgeschobene Gründe
dafür anzuhören, warum es da zu einigem Scheitern gekommen ist.
Ich
habe keine Furcht davor, dass die Opposition meine Worte verwendet, um
aus ihnen eine politische Waffe zu machen. Denn sie haben uns schon ihr
Talent an Dummheit und Kreativitätsmangel bewiesen. Weshalb ihre
Vergangenheit schwerer wiegt als tausend Säcke Blei am Hosenboden.
http://planetaenpeligro.blogspot.com/
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/ |