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Venezuelas
Regierung schließt Konsulat in Miami
DIE UNS
AUSSPIONIEREN BESCHULDIGEN UNS DER SPIONAGE GEGEN SIE
von Luigino Bracci
übersetzt von
Jens-Torsten Bohlke
auf
Kommunisten-online am 19. Januar 2012
DER STEIN DES ANSTOSSES
Livia Acosta, Generalkonsul
Venezuelas in Miami, ist vom US State Department der Spionage bezichtigt
worden. Sie wurde mit sofortiger Wirkung aus den USA ausgewiesen.
Angeblich soll der venezolanische Beamte ein „Komplott“ mit iranischen
Hackern für einen „Cyber-Angriff“ auf die USA geschmiedet haben.
Desweiteren soll sie angeblich Hunderttausende venezolanische Bürger überwacht
haben, die in den USA leben.
SPRECHEN WIR DOCH MAL
SERIÖS VON SPIONAGE...
Bis 2002 wurde das
Informationssystem (die IT) der venezolanischen Ölindustrie von der Firma
INTESA verwaltet. Diese Firma stand unter der Kontrolle des
US-Unternehmens SAIC (Science Applications International Corporation).
SAIC wird von ehemaligen Angehörigen der US-Geheimdienste geleitet. SAIC
arbeitet routinemäßig mit dem US-Verteidigungsministerium, der
Geheimdienstzentrale NSA der USA und vielen anderen US-Behörden im militärischen
und geheimdienstlichen Bereich zusammen. Die IT-Kontrolle, welche diese
Kreise über Venezuelas Erdölwirtschaft hatten, ermöglichte dem
US-Imperialismus, Venezuelas Erdölförderung 69 Tage lang brachzulegen.
Dies geschah seinerzeit in der Absicht, Präsident Hugo Chávez zu stürzen.
SPRECHEN WIR DOCH MAL
VON SPIONAGE...
Im vorigen Jahr enthüllten
Fernschreiben zwichen der US-Botschaft in Caracas und dem US State
Department, daß Gonzalo Fernández Tinoco, Geschäftsführer von
Microsoft Venezuela im Jahre 2006, dem Wirtschaftsattaché der
US-Botschaft in Caracas interne Informationen des staatlichen
venezolanischen Erdölkonzerns PDVSA zugeleitet hatte. Fernández Tinoco
war besorgt darüber, daß innerhalb der venezolanischen staatlichen
Industrie der Übergang zu freien Technologien geplant wurde, was eine
ausdrücklich als vertraulich ausgewiesene Information von PDVSA belegte.
Microsoft übergab diese Information an die US-Botschaft, um Hilfe gegen
derartige Pläne zu erbitten. Heraus kam dann alles durch Wikileaks,
Aporrea und die Zeitung CiudadCCS aus Caracas. Microsoft wurde für seine
Weitergabe vertraulicher Papiere an eine ausländische Botschaft nicht
einmal bestraft. Die Millionen US-Dollar schweren Verträge zwischen dem
venezolanischen Staat und Microsoft wurden ständig verlängert.
SPRECHEN WIR DOCH MAL
VON SPIONAGE...
Fast alle Minister,
stellvertretenden Minister, Generaldirektoren und Personen in großen
Verantwortungsbereichen innerhalb der bolivarischen Regierung Venezuelas
benutzen die Mobiltelefone der Marke Blackberry. Benutzt ein Minster sein
Blackberry, um „eine PIN zu senden“ an einen Kollegen oder einen
Mitarbeiter, dann geht diese Mitteilung von seinem mobilen Telefon aus
durch die Untersee-Glasfaserkabel in die USA und von dort aus dann weiter
über das Internet nach Kanada bis in die Computersysteme des kanadischen
Unternehmens RIM, wo die Mitteilung gespeichert wird, bis das Blackberry
des Empfängers erreichbar ist, so daß dann der Rückweg Richtung
Venezuela angetreten wird. Angeblich durchläuft diese Mitteilung die
Systeme verschlüsselt. Aber es bleibt für jeden Nutzer unüberprüfbar,
wie so eine Mitteilung auf den Servern von RIM gespeichert wird, und ob
ein ausländischer Geheimdienst sie abschöpft und auf dieser Reise durch
die Internetsysteme in den USA benutzt.
All dies trifft auch beim
Gebrauch von LiveProfile, WhatsApp, GTalk, MSN Messenger, Twitter,
Facebook oder Identica zu. Gleich ob da ein iPhone, ein Nokia, ein
Blackberry oder ein Android benutzt wird. Und dies geht bis jetzt tagtäglich
so weiter, bis wir eines Tages ein eigenes venezolanisches und verschlüsseltes
Informationsnetz haben werden, welches von den mobilen Kommunikationsgeräten
der Regierungsbeamten benutzt werden kann.
SPRECHEN WIR DOCH MAL
VON SPIONAGE...
Im November 2011 verkündete
der Wissenschaftler Trevor Eckhart, daß er herausgefunden hatte, daß das
US-Unternehmen Carrier IQ mit der Komplizenschaft von etlichen
Mobiltelefonfirmen in Millionen Mobiltelefonen eine Spionage-Software
eingebaut hat, die insgeheim überwacht und alle Handlungen der Nutzer von
den gespeicherten Daten im Mobiltelefon über die Bewegungen von einem Ort
zum anderen Ort bis hin zu den SMS und Aktivitäten auf Websites zur
Abfrage von Informationen weiterleitete. Diese Software wurde in den
Mobiltelefonen Android, iPhone, Nokia und Blackberry vorinstalliert. Die
Anbieterfirmen versicherten, daß die Informationen dazu dienen sollten, für
die Nutzer „das Produkt zu verbessern“. Auch wenn nicht nachgewiesen
werden konnte, daß diese Spionage-Software auch in den venezolanischen
Mobiltelefonen vorhanden war, so konnte ebensowenig nachgewiesen werden,
daß nicht eine andere ähnliche Software in diesen Geräten enthalten
ist.
SPRECHEN WIR DOCH MAL
VON SPIONAGE...
Im April 2011 äußerte der
damalige Chef von CNTI, Carlos Figueira, daß nur 27% der Computer im
venezolanischen Staatsapparat und nur 60% der Server zu freien
Technologien gewechselt waren. Dies bedeutet, daß Zehntausende Computer
der öffentlichen Einrichtungen in Venezuela weiterhin Software wie
Microsoft Windows und ähnliche Betriebssysteme verwenden, von welchen
niemand wissen kann, ob es da nicht doch Hintertüren und
Spionagemechanismen bereits vorinstalliert für die Überwachung gibt.
Seit 2004 gibt es ein Präsidentendekret zum Wechseln auf freie
Technologien, welche die Besonderheit haben, völlig offen, überprüfbar
und überwachbar zu sein.
Bis Dezember 2011 verkaufte
CANTV VIT-Computer mit von Microsoft gekauften originalen
Windows-Lizenzen. Wir lassen da nicht nur zu, daß sie uns ausspionieren.
Wir bezahlen sie auch noch dafür. Und wir sagen dafür auch noch Dankeschön
an sie.
SPRECHEN WIR DOCH MAL
VON SPIONAGE...
Präsident Ahmadinedschad
besucht Venezuela und Lateinamerika. Ein paar Monate zuvor mußte er zur
Kenntnis nehmen, daß die Kernkraftanlage von Buschehr durch den Virus
Stuxnet in Mitleidenschaft gezogen war. Dieser Virus Stuxnet ist von den
Regierungen der USA und Israels entwickelt worden. Dabei kooperierte ganz
offenkundig die Firma Siemens. Das Ganze lief darauf hinaus, die
Computersysteme SCADA jener Kernkraftanlage zu sabotieren, welche von
Siemens geliefert worden waren. Die Automatismen in der Funktionsweise der
Kernkraftanlage sollten beeinträchtigt werden. Der Virus Stuxnet konnte
sich dadurch entfalten, daß das Betriebssystem Microsoft Windows ihm die
erforderlichen Schwachstellen bot.
Auffälligerweise sind die
im venezolanischen Elektrizitätswesen benutzten SCADA-Systeme ebenfalls
Produkte der Firma Siemens. Die Sabotage im venezolanischen Elektrizitätsnetz
war ein ständiges Thema in den Jahren 2010 und 2011. 2011 wurde Siemens
in Griechenland beschuldigt, mit Millionen Euros öffentliche Angestellte
bestochen zu haben, um Siemensprodukte für die Olympiade 2004 zu
verwenden. PDVSA packt diese Thematik mit aller Ernsthaftigkeit an. Mit
dem Projekt „ALBA-Wächter“ baut PDVSA ein eigenes SCADA-System.
SPRECHEN WIR DOCH MAL
VON SPIONAGE...
Die Volkszählung in
Venezuela im Jahr 2011 erfolgte unter Nutzung von auf Windows basierten
Systemen und Datenbanken von Oracle. Im Klartext: Es wurde IT-Software
verwendet, die für eine völlig geschlossene Datenspeicherung bestimmt
ist, und die von einer Firma entwickelt worden ist, welche vor drei
Jahrzehnten als CIA-Projekt entstand und heute routinemäßig mit der
US-Regierung zusammenarbeitet. Das venezolanische Identifizierungssystem
mit der neuen elektronischen Ausweiskarte sollte ebenfalls mit auf Oracle
basierenden geschlossenen Technologien aufgebaut werden, bis dann die
damit befaßten Mitarbeiter unter Leitung des Direktors von SAIME, Dante
Rivas, alternative Systeme mit offenem Code implementierten.
SPRECHEN WIR DOCH MAL
VON SPIONAGE...
In den 1960er Jahren waren
die venezolanischen Aufständischen ein paar Untergrundkämpfer in der
Anonymität. Sie sprachen chiffriert. Sie benutzten Erkennungszeichen wie
Blumen, Türen, Klingeltöne und Parolen. Sie telefonierten und wichen
dabei Digepol aus. Sie hatten verschiedene Identitäten und wußten sich
bis zur Unkenntlichkeit zu tarnen.
Ihre heutigen Enkel pflegen
ihre Facebook-Profile. Sie laden dafür ihre Fotos in das Internet. Und
sie laden auch die Fotos ihrer Eltern und Geschwister in das Internet. Sie
zeigen ihre Fahrzeuge. Sie teilen mit, wo sie ihren Urlaub verbringen. Sie
weisen jederman den Weg zu ihren Wohnungen. Sie präsentieren ihre
Studien- und Arbeitsorte, stellen ihren Umgang mit ihren Partnern und
Freunden dar, äußern für jederman ihre Gedanken ganz frei und lassen
ihren Emotionen vor aller Welt freien Lauf. Sie übergeben alles an die
CIA-Agenten, ohne daß jene CIA-Agenten sich auch nur etwas Arbeit machen
müßten.
SPRECHEN WIR DOCH MAL
VON KONFORMISMUS UND SIMPLIZISMUS...
Der Zynismus jener, die uns
ausspionieren, sprengt schon alle Ausmaße, wenn sie uns beschuldigen, daß
wir Spione wären. Aber wir haben auch selbst schuld daran, wenn wir ihnen
ihre Sache dermaßen leicht machen. Wir werden uns wohl äußert schwer
tun, auch nur einen einzigen Beamten der Regierung von Barack Obama
auszumachen, welcher ein Mobiltelefon benutzt, das in Venezuela gebaut
worden ist. Sie wissen dort ganz genau, daß sie uns dadurch eine enorme
Macht geben würden. Sie würden ebensowenig die Dienstleistungen von
venezolanischen Firmen nutzen. Sie müßten sie zumindest komplett überwachen
und bis zum allerletzten Zweifel sicherstellen, daß sie da nicht überwacht
werden würden.
Wir dagegen präsentieren
ihnen alles auf dem silbernen Tablett. Wir verwenden ihre Produkte, ihre
Dienstleistungen und ihre Technologie. Nur um ihnen alles zu erzählen,
was wir so vorhaben zu tun, und wie wir es vorhaben zu tun. Und wir
bezahlen sie auch noch dafür.
Laßt uns Livia unterstützen
und verteidigen. Aber laßt uns auch die Initiativen unterstützen, die für
freie, eigene und venezolanische Technologien kämpfen.
REGIERUNG VENEZUELAS
BESCHLIESST SCHLIESSUNG DES KONSULATS IN MIAMI
Präsident Hugo Chávez gab
am Freitag bekannt, daß er entschieden hat, administrativ das Konsulat
Venezuelas in Miami zu schließen. Dies erfolgte nach der Entscheidung der
Regierung der USA über die Ausweisung von Konsul Livia Acosta aus dieser
Stadt in den USA.
„Wir werden eine
administrative Schließung vornehmen, solange wir die Lage studieren. Denn
es ist ungerecht, besorgniserregend und unmoralisch gegenüber der Frau
Konsul, die dort ihre Pflicht erfüllte“, sagte Chávez in seinen Worten
zum Jahresausklang 2011. Venezuelas Außenminister Nicolás Maduro ließ
verlautbaren: „Mir ist empfohlen worden, das Konsulat zu schließen.
Also schließen wir es. Es wird kein Konsulat mehr in Miami geben.“
Chávez stellt weiterhin
klar, daß man nicht auf gleiche Weise gegenüber den USA reagieren werde.
„Mir ist geraten worden, die US-Konsuls aus Venezuela auszuweisen. Aber
ich reagiere nicht genauso wie sie“, so die Worte des venezolanischen
Regierungschefs. Demgegenüber hatte die US-Regierung die Diplomatin
Acosta Noguera zur „persona non grata“ (unerwünschten Person) erklärt
und ihre Ausweisung angewiesen und behauptet, sie betreibe einen Plan für
die Durchführung von Cyber-Angriffen auf das US-Informationssystem.
Diese Beschuldigung kam auf
nach einem Dokumentarfilm mit dem Titel „Die iranische Bedrohung“
des Kanals Univision mit Sitz in Miami. Der Dokumentarfilm wurde von
venezolanischen Quellen als „Montage“ „ohne jede Beweiskraft“
abqualifiziert und kurz vor dem Besuch des iranischen Präsidenten
Ahmadinedschad in Venezuela ausgestrahlt.
Chávez nannte die
Entscheidung aus Washington „ungerecht und verletzend“.
(Mit Information von AVN)
Quellen:
http://www.cubadebate.cu/
http://www.cubadebate.cu/
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