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Vereinbarung
Chávez-Santos und US-Militärstützpunkte in Kolumbien
US-BEDROHUNG
GEGEN VENEZUELA VORBEI?
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Caracas, 11. August 2010, Tribuna Popular TP.(auf Kommunisten-online am
13, August 2010) -
Am 4. August 2009 verkündete Kolumbiens damaliger
Verteidigungsminister General Freddy Padilla de León auf einer Tagung
von Generälen in Cartagena die vollständige Liste der Militärstützpunkte
auf Kolumbiens Gebiet, welche von US-Streitkräften künftig genutzt
werden durften.
Diese
Entscheidung war bereits einige Wochen zuvor bekannt geworden und rief
besorgte Reaktionen bei den Nachbarstaaten Kolumbiens und in ganz Südamerika
hervor. Venezuela berief seinen Botschafter aus Bogotá ab und mit ihm
fast das gesamte diplomatische Personal. Venezuela bewertete die
Entscheidung des Uribe-Regimes in Kolumbien als Bedrohung seiner
Sicherheit durch anstehende militärische Handlungen von US-Streitkräften
auf dem Staatsgebiet des benachbarten Kolumbien. Kolumbiens Präsident
Uribe sollte am Tage jener Generalstabstagung von Cartagena seine
Rundreise durch die Mitgliedsländer der Union der Südamerikanischen
Nationen (UNASUR) beginnen, um „die Folgen dieser Anwesenheit (von
US-Truppen) zu erklären“. Dies schaffte er nicht, zumal er nicht mal
den Inhalt des Abkommens mit der US-Regierung bekanntgab.
Am
19. August 2009 vereinbarten die Präsidenten der
UNASUR-Mitgliedsstaaten eine Sondersitzung von UNASUR, um die Gefahr aus
der Nutzung der in Kolumbien liegenden Militärstützpunkte durch die
US-Streitkräfte einzuschätzen.
Am
29. August 2009 sprachen sich nach einer siebenstündigen Diskussion die
12 Präsidenten der UNASUR-Mitgliedsländer mit wohlbegründeten
Argumenten gegen die Nutzung kolumbianischer Militärstützpunkte durch
die US-Streitkräfte aus. Sie nahmen eine Erklärung über die
Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der Völker an, um die
regionale Integration zu gewährleisten. Sie sprachen sich für den
Frieden und den Schutz der Naturreichtümer in einem als gemäßigt
bezeichneten Dokument aus.
Auch
wurde eine Konferenz der Kanzler für Anfang September 2009 einberufen,
um vertrauensbildende und sicherheitsfördernde Maßnahmen zu
verabschieden und die südamerikanische Strategie des Kampfes gegen den
Drogenhandel zu entwickeln sowie den Verteidigungsrat der UNASUR
einzuberufen, der die militärische Strategie der USA in der Region
einschätzen sollte.
Das
Jahr jener Ereignisse ist verstrichen. Und wir stecken in einer Lage
ohne eine klare Position der UNASUR-Länder im Hinblick auf die
Einrichtung der Präsenz der US-Streitkräfte auf den Militärstützpunkten
in Kolumbien und in Lateinamerika. Für viele Lateinamerikaner gibt es
nichts, was die Einrichtung dieses Typs von Militärstützpunkten auf
lateinamerikanischem Territorium rechtfertigt. Dies äußerte die Präsidentin
Argentiniens, Cristina Fernández. Drogenhandel und Terrorismus müssen
bekämpft werden mit Mitteln der Aufklärung und Abwehr, aber nicht mit
der Einrichtung von militärischen Enklaven. Und die Kolumbianer selbst
müssen nach der bitteren Erfahrung mit der Umsetzung des
Kolumbien-Plans „Plan Colombia“ wissen, dass die von Washington
angebotene Strategie des Kampfes gegen Drogenhandel keine sonderlich
positiven Ergebnisse bringt, sondern statt dessen die systematische
Verletzung der Menschenrechte und kriegerische Auseinandersetzungen
vervielfacht.
Demgegenüber
gibt es gewichtige Gründe, um die ablehnende Haltung der südamerikanischen
Regierungen gegenüber dem Aufmarsch von US-Militärs in Kolumbien zu
verstärken. In der Geschichte hat Washington stets Staatsstreiche
unterstützt, die die Region im vorigen Jahrhundert verwüsteten, die
Vasallenregimes gefördert sowie sich ständig wirtschaftlich in die
inneren Angelegenheiten in diesen Ländern eingemischt haben,
systematische Angriffe gegen die territoriale Unantastbarkeit durchgeführt
und die Naturreichtümer der Völker südlich des Rio Grande in vollem
Umfange ausgeplündert haben. Auch waren anzuraten, dass Bogotá den
Worten des Präsidenten von Ekuador Rafael Correa Gehör schenkt,
welcher auf dem UNASUR-Sondergipfel daran erinnerte, dass die USA
jahrelang den Militärstützpunkt Manta/Ekuador besetzten, und wörtlich:
„Lassen wir uns doch nicht täuschen. Es gibt keine Kontrolle dessen,
was die US-Amerikaner auf den Militärstützpunkten treiben, die ihnen
Kolumbien da gewährt“.
Die
neue Provokation Kolumbiens und der Abbruch der Beziehungen
Venezuela
bracht die diplomatischen Beziehungen mit Kolumbien nach einer Erklärung
von Hugo Chávez am 22. Juni 2010 ab. Dies war eine Reaktion auf die
Anschuldigungen des in Kolumbien herrschenden reaktionären
Uribe-Regimes wegen angeblicher Präsenz von kolumbianischen Guerilleros
in Venezuela.
Der
OAS-Botschafter Kolumbiens Alfonso Hoyos bestätigte auf dem
OAS-Sondergipfel, die Präsenz von Guerrillagruppen aus Kolumbien in
Venezuela sei gefestigt worden, aktiv vorhanden und zunehmend. Er sprach
davon, dass Venezuela zu einer Zufluchtsstätte für internationale
Verbrecher geworden wäre, die dort Anschläge planen würden, mit
Drogen und Waffen handeln würden, gewaltsame Entführungen ausführen würden.
Die Tageszeitung El Tiempo veröffentlichte diese Worte von Hoyos.
Venezuelas
Präsident Chávez dementierte diese Anschuldigungen und erklärte:
„Aus unserer Würde heraus bleibt uns nichts weiter als der völlige
Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit der Schwesterrepublik
Kolumbien“. Die ranghöchsten Vertreter aus Parlament und
Wahlfunktionen unterstützten die Entscheidung von Chávez. Der ständige
OAS-Vertreter Venezuelas Roy Chaderton Matos bezog sich auf Hoyos und
erklärte, dass die von Präsident Alvaro Uribe Vélez in Kolumbien geführte
Regierung immer wieder durch Vorlage von konstruierten falschen Belegen
hervorgetreten ist, um die Regierung Chávez in Venezuela in angebliches
Unterstützen der kolumbianischen Guerilla-Organisation FARC zu
verwickeln, obwohl dies nie seriös bewiesen werden konnte.
Aus
Mexiko-City am Ende seiner Lateinamerika-Rundreise ließ der gewählte
neue Präsident Kolumbiens Juan Manuel Santos nichts zum Thema des
Abbruchs der Beziehungen zwischen Kolumbien und Venezuela verlauten. In
Los Pinos traf er sich zu Gesprächen mit dem mexikanischen Präsidenten
Felipe Calderón und meinte: „Der beste Beitrag von uns heißt, uns
nicht dazu zu äußern.“
Wiederaufnahme
der Beziehungen mit der neuen Regierung Kolumbiens
Nach
Unterzeichnen der Grundsatzerklärung der Präsidenten von Venezuela und
Kolumbien am vergangenen Dienstag in der kolumbianischen Stadt Santa
Marta wurde die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen beiden Ländern
besiegelt. Dies auf der Grundlage des transparenten und direkten
Dialogs. Diese Tatsache soll der Fortsetzung der diplomatischen Bemühungen
sowie der Stärkung des Handelsaustausches dienen. Chávez dazu: „Wir
haben den Grundstein für diese neue Beziehung gelegt. Hoffentlich dient
das starke Vermächtnis von Bolívar, uns den Weg zu erleuchten, den zu
gehen wir heute begonnen haben. Uns geht es um ein stabiles und sich
entwickelndes Kolumbien.“
Beide
Präsidenten kamen überein, die bilaterale Integration zum Nutzen
beider Völker und insbesondere der Grenzorte zu fördern. Auch wurde
die Bildung von fünf Arbeitsausschüssen für verschiedene Themen
gegenseitigen Interesses beschlossen. Bei diesen Themen geht es um die
Zahlung der Schulden an die kolumbianischen Exporteure und den erneuten
Anschub der Handelsbeziehungen, ein Abkommen für wirtschaftliche
Zusammenarbeit, die Entwicklung eines Plans der Arbeit am sozialen
Austausch im Grenzgebiet und die Ausführung von Vorhaben der
Infrastruktur und der Sicherheit. Chávez bewertete die
Wiederherstellung der Beziehungen zwischen Kolumbien und Venezuela als
Neubeginn, zumal beide Länder über Erdöl, Erdgas, Landwirtschaft und
ein arbeitsames Volk verfügen: „Wir Beide haben ein Potential, wie es
nur Wenige auf dem Planeten Erde haben. Wir sind zwei Nachbarländer und
im Grunde dasselbe große Land. Dieses Treffen wird zu einem Segen für
Südamerika“.
Bei
all dem wurde die Entscheidung der kolumbianischen Regierung für die
Genehmigung zur Einrichtung von sieben US-Militärstützpunkten auf dem
Gebiet Kolumbiens, welche zur Einfrierung der Handelsbeziehungen
zwischen beiden Ländern geführt hatte, völlig ausgeklammert. Daher
haben wir Fragen: Ist schleichend die Einrichtung der 7 US-Militärstützpunkte
auf Kolumbiens Gebiet akzeptiert worden? Sind diese US-Militärstützpunkte
keine Bedrohung mehr für die Region?
Die
Kommunistische Partei Venezuelas (PCV) erklärte am vergangenen Montag,
dass die kolumbianische Oligarchie und der US-Imperialismus die
schleichende Anerkennung oder zumindest das Nachlassen der Forderungen
seitens der lateinamerikanischen Länder hinsichtlich der Einrichtung
der US-Militärstützpunkte in Kolumbien erreicht haben.
„Was
zu einer persönlichen Auseinandersetzung zwischen dem ehemaligen Präsidenten
Uribe und dem Präsidenten Chávez geworden war, erscheint beim neuen Präsidenten
Santos, als ob er gar nichts damit zu tun haben würde“, so
kritisierte Genosse Carolus Wimmer, Mitglied des Politbüros der KP
Venezuelas. „Wir können nicht auf jene Veränderung hoffen, die wir
sowohl als kolumbianisches als auch als venezolanisches Volk erhoffen.
Denn sie wird unter der Präsidentschaft Santos nicht eintreten.“
Genosse Wimmer wies darauf hin, dass niemand hinsichtlich der neuen
Regierung Kolumbiens in „Euphorie“ verfallen dürfe. Denn das neue
Regime in Kolumbien repräsentiert keinen wirklichen Wechsel in der von
Uribe zuvor verfolgten Politik und ist darauf ausgerichtet, sich
weiterhin an die Maßgaben der US-Regierung zu halten.
Wir
werden bald erleben, wie diese Geschichte weitergeht. Dies unterstrich
das Führungsmitglied der Kolumbianischen Kommunistischen Partei Nelson
Fajardo bei seinem kürzlichen Besuch in Caracas und der Beratung mit
dem Politbüro der KP Venezuelas, bei der eine Gemeinsame Erklärung
verabschiedet wurde. Darin wird geäußert, dass in den ersten 100 Tagen
ihrer Amtszeit die Regierung von Juan Manuel Santos in Kolumbien
versuchen wird, rein medial einen Unterschied zu Uribe zu widerspiegeln,
aber letztendlich auch nur die vom US-Imperialismus vorgegebene Politik
umsetzen wird.
Verfassungsgericht
Kolumbiens erklärt Abkommen mit USA für nichtig
Bogotá, 11. August 2010, Tribuna Popular TP / APN.-
Ein Bericht des kolumbianischen Radiosenders La W Radio
bestätigte die Kenntnis eines Urteilsspruchs des Verfassungsgerichts
von Kolumbien, wörtlich: „Das Abkommen über die militärische
Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Kolumbien wird für
nichtausführbar erklärt werden in Anbetracht, dass es zuerst vom
Kongress der Republik beschlossen werden müsste, um dann angenommen zu
werden“.
Das
Verfassungsgericht Kolumbiens erklärt die diesbezügliche Art und Weise
der Billigung des Militärpaktes USA-Kolumbien für verfassungswidrig,
so wird hervorgehoben. Jedoch lässt es das parlamentarische Verfahren
dazu für eine gewisse Zeit offen und gibt dem Kongress Kolumbiens ein
Jahr Zeit, um über die Annahme des Paktes zu entscheiden. Der Spruch
des Verfassungsgerichts von Kolumbien zeigt, dass der Militärpakt
USA-Kolumbien über die Einrichtung der sieben US-Militärstützpunkte
auf dem Gebiet Kolumbiens „nicht eine Erweiterung anderer militärischer
Verträge zwischen den beiden Ländern darstellt“ und daher vom
Parlament zu genehmigen ist. In der vorigen Woche hat der Vorsitzende
Verfassungsrichter Kolumbiens Mauricio González erklärt, dass die
Arbeit an der Ausfertigung des Urteils eingeleitet worden ist und das
Urteil vor dem 17. August 2010 herausgegeben werden wird.
Zur
Verhandlung über den Militärpakt USA-Kolumbien führte ein Antrag der
Nichtregierungsorganisation Anwaltskollektiv „José Alvear Restrepo“
zur Erklärung der Verfassungswidrigkeit jenes Militärpaktes. Der
Vortrag des Verfassungsrichters Iván Palacios, welcher mit dem Studium
und dem Vorstellen des Falls beauftragt wurde, erklärt, dass die
Unterzeichnung des Abkommens im Oktober 2009 „nicht die gesetzlichen
Erfordernisse erfüllte. Und weil es um ein gegenüber den vorherigen
Abkommen völlig andersartiges Abkommen geht, muss es den Kongress von
Kolumbien passieren, um angenommen zu werden“. Diese Einschätzungen
stehen im Einklang mit der vom Staatsrat Kolumbiens gegenüber der
Uribe-Regierung vor Unterzeichnung des Militärpaktes verlautbarten
Auffassung.
Vor
dem Treffen Chávez-Santos erklärt die KP Venezuelas
Caracas, 9. August 2010, Tribuna Popular TP.-
Das Politbüro der Kommunistischen Partei Venezuelas (PCV)
analysierte das Treffen zwischen den Präsidenten von Venezuela und
Kolumbien und warnte, nicht wegen der neuen Regierung Kolumbiens in
Begeisterung zu verfallen, weil diese Regierung keinen wirklichen
Wechsel in der von Uribe zuvor verfolgten Politik darstellt und
weiterhin den Vorgaben der US-Regierung Folge leisten wird.
Dies
erklärte gegenüber der Presse Venezuelas Genosse Carolus Wimmer,
Sekretär für Internationale Verbindungen der KP Venezuelas. Er hob
hervor, dass Santos Teil der reaktionärsten Kräfte Kolumbiens ist, die
die Macht seit über 60 Jahren ausüben, d.h. so lange der innere
Konflikt bereits andauert.
Genosse
Wimmer erklärte, dass unabhängig von den Personen, die an der Spitze
der Staatsmacht Kolumbien stehen, jeweils das Wesen der Politik jener
Staatsmacht durchgesetzt werden wird: „Der Staat Kolumbien wird von
der äußerst reaktionären Oligarchie beherrscht, die ihre Geschichte
hat und mit ihren Banden und Verpflichtungen mit dem US-Imperialismus
verknüpft ist, wie die US-Militärstützpunkte beweisen (...) Wir können
nicht jenen Wechsel erwarten, den das kolumbianische und das
venezolanische Volk erwarten. Der Wechsel wird nicht von der Präsidentschaft
Santos kommen“.
Genosse
Wimmer äußerte weiter, dass es Unterschiede zwischen der Regierung
Uribe und der Regierung Santos geben wird, und zwar wegen der Krise.
Diese Unterschiede wirken sich im Inneren des Landes aus, wo nichts gelöst
worden ist. Aber im Wesen wird alles dasselbe bleiben.
Die
Oligarchie steckt gegenüber dem Inneren des Staatswesens Kolumbien in
der Krise. Und „es ist zu hoffen, dass Präsident Santos 'jenen toten
Stockfisch' nicht zu seiner eigenen Präsidentschaft macht“, sondern
dass die Veränderungen bei den Einrichtungen der Staatsmacht erfolgen
werden, d.h. vor allem in ihren Beziehungen mit der Gesetzgeberischen
Kraft und auf dem Gebiet der Wirtschaft: „Santos als
Interessenvertreter der Oligarchie Kolumbiens wird versuchen, Veränderungen
herbeizuführen, um die politische und wirtschaftliche Macht jener
Oligarchie zu festigen“, so Genosse Wimmer.
Für
die KP Venezuelas erreichten die Oligarchie Kolumbiens und der
Imperialismus die schleichende Anerkennung oder zumindest das Nachlassen
der Forderungen der lateinamerikanischen Länder hinsichtlich der
Einrichtung der US-Militärstützpunkte in Kolumbien.
„Was
zu einer persönlichen Auseinandersetzung zwischen dem ehemaligen Präsidenten
Uribe und dem Präsidenten Chávez geworden war, erscheint beim neuen Präsidenten
Santos, als ob er gar nichts damit zu tun haben würde“, so
kritisierte Genosse Carolus Wimmer, Mitglied des Politbüros der KP
Venezuelas.
Am
Ende rief Genosse Wimmer die lateinamerikanischen Völker dazu auf,
weiterhin die aktive Massenbewegung des kolumbianischen Volkes zu
unterstützen und den Kampf zu verstärken, denn in Lateinamerika soll
es keinen ausländischen Militärstützpunkt geben.
Quellen:
http://www.tribuna-popular.org/i
http://www.tribuna-popular.org/
http://www.tribuna-popular.org/ |