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Verschwörungen
gegen Chávez
Venezolanische
Generäle gestehen Beteiligung an jüngstem Putschversuch
Von
André Scheer
Junge
Welt vom 19.09.2008 - Eine Woche nach der Aufdeckung von Plänen für
eine Ermordung des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez haben
mehrere hochrangige Militärs ihre Beteiligung an der Verschwörung
gestanden. Wie der Journalist und frühere venezolanische Vizepräsident
José Vicente Rangel mitteilte, räumten Fliegergeneral Eduardo Báez
Torrealba und Marine-Vizeadmiral Carlos Alberto Millán ihre Verwicklung
in die Umsturzpläne ein. Beide waren nach der deren Enthüllung
verhaftet worden.
»Wir haben zahlreiche Verschwörungen erlebt. Dabei handelt es sich
nicht um eine vorübergehende Erscheinung, die erst jetzt auftaucht.
Nein, Verschwörungen gab es ständig in diesen zehn Jahren, seitdem Präsident
Chávez in Miraflores eingezogen ist. Wenn es Leute gibt, die daran
zweifeln, sind sie dumm oder in den Verschwörungsplan verwickelt oder
wollen die Aufmerksamkeit auf andere Ziele lenken«, kommentierte Rangel.
Er gab auch weitere Details des gescheiterten Putschversuches
bekanntgab. So habe der Polizeikommandeur der Luftwaffenbasis Libertador,
Oberstleutnant Ruperto Sánchez, 45 Sicherheitsausweise an Zivilpersonen
und Paramilitärs ausgestellt, durch die sie sich Zutritt zu dem militärischen
Sperrgebiet verschaffen konnten.
Auch
der erst kürzlich aus dem aktiven Dienst ausgeschiedene General
Caraballo Gómez, der Inspekteur der venezolanischen Luftwaffe gewesen
war, sei in den geplanten Staatsstreich verwickelt, sagte Rangel.
Caraballo habe einen weiteren General der Luftwaffe auf eine Mitarbeit
bei der Verschwörung angesprochen. Aber dieser habe sich daraufhin an
seine Vorgesetzten gewandt und die Putschvorbereitungen angezeigt.
Auch
zivile Vertreter der Opposition seien in das Komplott verwickelt. Ohne
Namen zu nennen, verwies Rangel auf »eine frühere Führungspersönlichkeit
der Vierten Republik, der Präsidentschaftskandidat war« sowie eine
weitere Person, die Verbindungen zur extremen Rechten in Mexiko habe und
für die Geldbeschaffung zuständig gewesen sei.
Rangel,
der mehrere Jahre lang Verteidigungsminister Venezuelas gewesen war,
deutete auch eine Verwicklung des kolumbianischen Verteidigungsministers
Juan Manuel Santos in die Verschwörung an: »Er gehört zu einer
Familie, die schon lange eine antivenezolanische Position innehat. Er
ist ein mächtiger Mann, der Mann des Pentagon in der kolumbianischen
Politik.« Er kontrolliere den kolumbianischen Militärapparat sowie die
Geheimdienste und stehe in ständigem Kontakt mit der venezolanischen
Opposition und aus dem aktiven Dienst ausgeschiedenen Militärs aus
Venezuela, kritisierte Rangel.
Paramilitärische
Banden seien in den Bundesstaaten Apure und Zulia, außerdem in einigen
Städten Venezuelas wie Barquisimeto, Maracay und Valencia sowie einigen
Vierteln von Caracas aktiv, fuhr Rangel fort. Er zog eine Verbindung zur
US-Botschaft in Caracas, in der das Büro der CIA »äußerst aktiv«
sei.
[Junge
Welt; 19.09.2008] |