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Philippinen

US-Imperialismus und Vasallen vor Ort ließen Volk „wählen“

CPP NIMMT STELLUNG ZUM AUSGANG DER REAKTIONÄREN WAHLEN

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

Mitteilung der KP der Philippinen (CPP) vom 22. Mai 2010. – Die gerade beendeten reaktionären Wahlen wurden durch den Einsatz von Wahlcomputern anscheinend „modernisiert“, aber im Wesen waren sie verrottet wie eh und je: die Rückkehr des Aquino-Cojuangco-Clans und seiner Kamag-anak Inc. an die Macht durch den offenbar gewählten Präsidenten „Noynoy“ Aquino III; die Neupositionierung des Marcos-Clans mit Imelda, Ferdinand jr. und Imee; die fortgesetzte Beherrschung des Kongresses durch die Arroyos mit der Arroyo selbst jetzt als Kongreßmitglied; und vieles mehr aus der umfassenden Wunschliste für die reaktionären Wahlen, was von den Volksmassen als Schande der reaktionären herrschenden Klassen empfunden wird.

Die Fäulnis des Herrschaftssystems mündet in die Verstetigung der Macht großer politischer Warlord-Dynastien wie der Dys in Isabela, den Singsons in Ilocos Sur, den Ortegas in La Unión, den Pinedas in Pampanga, den Jalosjoses in Zamboanga, den Garcías in Cebu, den Dimaporos in Lanao usw. mit ihren üblichen „guns, goons and gold“ („Gewehre, Leibwächter und Gold“) und jetzt elektronisch abgesichertem Wahlbetrug.

Trotz aller Bemühungen, ihnen jeden Sieg unmöglich zu machen, wird erwartet, dass auch eine kleine Zahl fortschrittlicher Menschen Sitze im Kongreß als Vertreter von Graswurzel-Parteilisten erzielten. Im Parlament können sie die patriotischen, demokratischen und anderen Grundinteressen des Volkes zum Ausdruck bringen und mithelfen, die Kämpfe des Volkes in Abstimmung mit der demokratischen Massenbewegung voranzubringen. Dabei werden sie in jedem Fall von der überwältigenden Mehrheit an Vertretern der imperialistischen, kompradorenbourgeoisen und feudalen Interessen ausgebootet werden, insbesondere wenn es um so grundlegende Angelegenheiten wie die nationale Souveränität, Bodenreform, landesweite Industrialisierung und den Wohlstand für die armen Volksmassen geht.

Die jüngsten Wahlen münden lediglich in die Fortsetzung desselben alten, verrotteten halbkolonialen und halbfeudalen Systems. Wie tief und intensiv auch die Widersprüche unter den rivalisierenden politischen Fraktionen der reaktionären herrschenden Klassen sind, so sind sich diese Kräfte doch einig in ihrer Stellung gegen das philippinische Volk, insbesondere die armen Volksmassen. Sie sind allesamt Vasallen des US-Imperialismus und teilen dieselben Klasseninteressen. Sie täuschen das Volk mit Lügen und leeren Versprechungen. Sie bedienen sich des Machtapparates der reaktionären Staatsmaschinerie, um jene zu unterdrücken, die sich ihnen entgegenstellen und kämpfen.

Sie beherrschen die Wahlen und machen eine Farce aus der Demokratie und dem Recht des Volkes auf Abstimmung. Reaktionäre Wahlen in den Philippinen geben dem Volk derzeit nicht viel Auswahl, abgesehen von Übel oder anscheinend kleinerem Übel. Meistens kommt dabei heraus, dass das anscheinend kleinere Übel zum Hauptübel wird, wenn es erst mal an der Macht ist und eine Politik ausführt, die schlimmer ist als jene der Vorgänger.

Die Imperialisten sind voll des Lobes für den scheinbaren Erfolg bei den jüngsten Wahlen. Unter den ersten Gratulanten des anscheinenden Wahlsiegers Aquino, noch bevor dessen Wahlsieg amtlich bestätigt worden war, befand sich der neu eingesetzte imperialistische Hauptvertreter, US-Botschafter Harry Thomas jr.

Der US-Imperialismus ist seit langer Zeit interessiert am scheinbaren Erfolg der reaktionären Wahlen. Er hofft dabei auf die Befriedung des Volkes und ein Erzielen zeitweiliger Kompromisse unter den rivalisierenden Fraktionen der vor Ort herrschenden Klassen. Daher ist die Verwendung von Wahlcomputern so durchgepeitscht worden, denn durch die Macht über ihre Handhabung, ihre angebliche Wirksamkeit und zugleich auch die Schwierigkeit für den Nachweis von Betrügereien sollen sie zumindest für Glaubwürdigkeit herhalten. Letztes Ziel des US-Imperialismus bei all dem ist die Stabilität und Konservierung des Vasallenregimes, ganz aus Eigeninteresse des US-Imperialismus.

Viele Leute waren anfänglich erstaunt über die rasche Stimmenauszählung und Ergebnisansage durch die erstmals eingesetzten Wahlcomputer. Sie gaben sich als satt des handverlesenen und zeitaufwendigen Auszählens der Stimmzettel, der wochenlangen Überprüfungen der dabei erzielten Ergebnisse und der damit verbundenen langen Wartzeit auf das amtliche Endergebnis. Selbst Kritiker an den Wahlmaschinen, die Fehler vorhersagten, waren am Ende beinahe bereit, den Argumenten der Befürworter der COMELEC-Wahlmaschinen mit ihren Worten über anscheinende Geschwindigkeit und Wirksamkeit zuzustimmen.

Bei all dem begannen die Informationen über Wahlbetrügereien rasch nach der Bekanntgabe der Ergebnisse zu sprudeln, was die anfängliche Begeisterung vieler Leute über die Wahlcomputer dämpfte und Zweifel an deren Glaubwürdigkeit säte. Klagen gibt es nun vor allem über Stimmenfälschung mit manipulierten Flash-Cards, Manipulationen an den Zahlen, dem Ausfall vieler Wahlcomputer und scheinbaren „Neu-Eingaben“ der Abstimmungszahlen, Unregelmäßigkeiten bei den übertragenen Daten usw. Es gibt vielfältige Betrugsverdachtsmomente schon wegen der Flash-Cards, die in äußerster Eile  in nur sehr wenigen Tagen vor der Wahl ausgetauscht wurden. Die aus dem Verkehr gezogenen alten Flash-Cards wurden von der COMELEC kurzerhand weiterverwendet, welche die Vernichtung eben dieser alten Flash-Cards angeordnet hatte.

Der Quellcode der zum Betreiben der Wahlcomputer verwendeten Software ist der Öffentlichkeit nie zugänglich gemacht worden. Dies trotz wiederholter Anfragen von unabhängigen Stellen. Etliche Sicherheitsmechanismen im System wie das Stimmergebnis-Prüf-System wurden nicht benutzt oder wurden verdächtigerweise außer Kraft gesetzt. Übermittlungsdaten und Zeitstempel wichen verdächtigerweise von der Abstimmungszeit ab. Unterdessen wurden Vorgaben für Wahlcomputer in einer privaten Residenz in Antipolo entdeckt. So ist glaubhaft, dass gesetzwidrig Daten übermittelt wurden. Säcke voller Flash-Cards, Stimmzettel und anderes Wahlmaterial wurden auf einer Müllkippe in Cagayan de Oro entdeckt, was Verdacht erregt.

Jetzt gibt es Anhörungen, um sich mit zahlreichen Betrugsvorwürfen zu befassen. Dabei wird jetzt herauskommen, dass scheinbar alle großen Parteien einschl. der herrschenden Arroyo-Partei die anderen Parteien und sogar die COMELEC des Wahlbetruges bezichtigen werden, um für sich was rauszuholen. Dies kann die Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Ergebnisse bis hin zu Aquinos Sieg faktisch verstärken. Angesichts der Beweislage massenhaften Betruges und der Forderungen nach Ermittlung in dieser Sache droht derzeit Verzögerung im Kongreß für die Bewertung der Stimmen und die Verkündung der Sieger in den Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftswahlen.

Selbst wenn die herrschende Arroyo-Clique ablehnt, ihre Hand im schmutzigen Spiel gehabt zu haben, gehört es zu ihrer Taktik, aus den jetzigen Entwicklungen ihren Vorteil zu ziehen. Einerseits können die Arroyos so Aquinos Anspruch auf das Präsidentenamt in Zweifel ziehen und diesen Anspruch zumindest weiter abschwächen bis hin zu einer evtl. Aussetzung. Andererseits sind all diese Anfechtungen Teil der eigenen Strategie der Arroyos, sich selbst an der Präsidentenmacht zu halten. Zusammen mit den Agierenden des US-Imperialismus und deren Kompromißsuche zwischen den rivalisierenden politschen Fraktionen der herrschenden Klassen bemüht sich das Arroyo-Regime jetzt um eine feinfühlige Taktik der Unterwürfigkeit unter die Interessen des US-Imperialismus und vermeidet da jeglichen öffentlichen Eklat durch etwa grobe gesetzwidrige Machenschaften in diesem konkreten Moment.

Weil die rivalisierenden Fraktionen der reaktionären herrschenden Klassen derzeit weiter gegeneinander agieren, geben sie dem philippinischen Volk mal wieder ein Lehrbeispiel für das Enthüllen des reaktionären Klassenwesens und der Fäulnis der philippinischen Politik. Immer klarer wird dem Volk, dass da keine wirkliche Demokratie unter diesem politischen Herrschaftsregime besteht, und dass die reaktionären Wahlen nur dazu da sind, es glauben zu lassen, dass Demokratie existieren würde. Die Demokratie, die das herrschende System ermöglicht, ist vom Kreis der Nutznießer her stets nur auf die herrschenden Klassen der imperialistischen Agenten, der Großgrundbesitzerclans, der großen Kompradorenbourgeoisie und kapitalistischen Systembürokraten begrenzt, die die Herren der niedergeknüppelten Arbeiter, Bauern und anderen unterdrückten Klassen und gesellschaftlichen Schichten sind.

Will das Volk wirkliche Demokratie haben, dann muß es die Revolution machen und den unterdrückerischen Machtapparat der herrschenden reaktionären Klassen und US-Vasallen zerschlagen. Die Volksmassen müssen diesen Staat durch einen ersetzen, welcher direkt aus ihrer Stärke und insbesondere aus der Masse der Arbeiter und Bauern auf der Grundlage ihrer nationalen und demokratischen Bestrebungen gebildet wird. Nur unter einer volksdemokratischen Regierung kann nationale Souveränität umfassend hergestellt werden, kann eine Bodenreform erreicht werden, können einheimische Industrien entstehen und andere Grundinteressen des Volkes mit Vorrang durchgesetzt werden.

Weil die reaktionären Wahlen wieder einmal die hoffnungslose Fäulnis des gesamten Herrschaftssystems offenbaren, gehen immer mehr Menschen den revolutionären Weg im Streben nach Aufbau einer befreiten, demokratischen, blühenden Zukunft für das Land und sein Volk.

Quelle: E-Mail der KP der Philippinen an die Redaktion (vom 22.05.2010)

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