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G20-Gipfel
in London
„SOLLEN
DOCH DIE BANKIERS DIE KRISENZECHE ZAHLEN!“
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Bogota,
31. März 2009, Tribuna Popular TP / Alberto Acevedo / Wochenzeitung VOZ
der KP Kolumbiens. – Eine Woche vor dem Londoner Gipfel der 20 mächtigsten
und zugleich auch höchstverschuldeten Länder der Erde gingen Tausende
Arbeiter und Mitglieder von gesellschaftlichen Organisationen aus
etlichen Ländern Europas auf die Straße und forderten, dass die
Finanzkrise von den Bankiers bezahlt werden soll, die sie verursacht
haben, und nicht von den Arbeitern.
In
der britischen Hauptstadt, wo für den 3. April der Beginn der
Gipfelkonferenz vorgesehen ist, demonstrierten am vergangenen Samstag
ca. 25.000 Menschen durch die Straßen der Innenstadt. Sie beschuldigten
die Bankiers und die Politiker, die Schuldigen an der weltweiten
Finanzkrise zu sein. Sie forderten von den G20-Politikern, den Kurs des
weltweiten Kapitalismus zu verändern und dabei die Interessen der neuen
Akteure der Weltwirtschaft zu berücksichtigen, deren Schauplätze in
Asien, dem Mittleren Osten und Lateinamerika liegen.
Für
Mittwoch und Donnerstag dieser Woche sind weitere Demonstrationen auf
den Straßen und Plätzen in London, Berlin, Frankfurt, Paris, Rom, Wien
und in anderen Hauptstädten vorgesehen. In der vorigen Woche gab es
Proteste in Paris und Rom. In Rom nahmen daran mindestens 50.000
Menschen teil. Ihre Losung: „Die Krise müssen die Bankiers, die
Unternehmer und die Diebe bezahlen.“
Die
im Rahmen des Weltsozialforums versammelte Weltkonferenz der
gesellschaftlichen Bewegungen rief zu Jahresbeginn auf ihrer Beratung in
Belém do Pará in Brasilien zu einem weltweiten Protest gegen den
Kapitalismus und den Krieg zwischen dem 28. März und 4. April 2009 auf.
Am 4. April 2009 soll der Londoner Weltfinanzgipfel beendet werden.
Forderungen
„Wir
werden keine Krise zahlen, die nicht unsere ist“, bekräftigten die
Organisatoren des weltweiten Protestes in ihrer
Mindestforderungsplattform mit u.a. der Forderung nach Nationalisierung
des Banksystems, entschädigungslos und unter gesellschaftlicher
Kontrolle, Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnsenkung, Maßnahmen zur Gewährleistung
der Nahrungsmittel- und Energiesouveränität, Ende der Kriege, Rückzug
der Besatzungsarmeen und Auflösung der ausländischen Militärstützpunkte
sowie Anerkennung der Souveränität und Autonomie der Völker.
Eine
Gruppe der sieben hochverschuldeten Staaten der Welt hatte die
Initiative zum G20-Gipfel in London ergriffen. Dort soll die Zukunft der
Weltfinanzen erörtert werden. Zur Beratung wurden auch Schuldnerländer
wie Brasilien, Argentinien und Mexiko, einige arabische Länder, China
und Indien eingeladen, wobei der Rest der Welt außen vor gelassen
wurde.
Nichtsnutzige
Diskussion
Unter
diesen Bedingungen beabsichtigt man dies als nichtsnutzige Diskussion,
denn eine Lösung der globalen Krise muss den Rest der Nationen der Erde
mitberücksichtigen, von einer weltweite Diskussion ausgehen, die auch
die neuen Gläubiger und neuen Wirtschaftsakteure auf dem Planeten
einschließt.
Verschiedene
Wirtschaftsanalysten stimmen überein, dass die Anhäufung von Exportüberschüssen
in den letzten Jahrzehnten einer Gruppe von haushaltsdefizitären Ländern
ermöglichte, übertrieben hohe Anleihen mit einem Wert von bis zu 200%
ihres Brutto-Inlandsproduktes aufzunehmen.
Diese
Gruppe von weltwirtschaftllich führenden Ländern sind die neuen
Weltschuldenmeister, die am höchsten verschuldeten Länder voller
Handels- und Haushaltsdefizite in den letzten beiden Jahrzehnten. Sie
haben große Schuldenberge angehäuft und dabei zugleich Kredite an die
Entwicklungsländer verhindert.
Reform
der Weltbank
Das
sind Länder, die systematisch überkonsumiert haben. Dies dank einer
ziemlich laxen inneren Kreditpolitik, während sie sich als Tugendwächter
bei der Vergabe von Krediten an die armen und Entwicklungsländer
aufspielten.
Die
Experten und Vertreter der gesellschaftlichen Bewegungen äußern, dass
unter diesen Bedingungen eine Lösung der weltweiten Krise über eine
Reform der Zusammensetzung der Weltbank und des IWF erfolgen muss, d.h.
diese multinationalen Krediteinrichtungen müssen in ihrer Leitung die
neuen Akteure der Weltwirtschaft wie Indien, Russland und seine
Nachbarn, den Mittleren Osten und Lateinamerika einschließen.
Außer
der neuen der Weltbank und dem IWF zuzuschreibenden Rolle muss ein
Kurswechsel der Weltwirtschaft das Recht auf Veto beenden, welches die
USA in jenen Krediteinrichtungen haben. Es muss dazu übergegangen
werden, bei den Entscheidungen einer wichtigen Gruppe von Ländern Platz
zu machen, die wie Brasilien, Russland und Indien eine wichtige Rolle in
der Weltwirtschaft spielen. Die uns seit 1944 bekannte Weltordnung ist
am Ende. Und die neuen Wirtschaftsakteure müssen berücksichtigt
werden, wenn der Krise ein Ende gesetzt werden soll, die alle Länder
der Welt betroffen hat.
Es
gibt keine Ausweglosigkeit
Heute
vertritt die G20 Zweidrittel des Welthandels. Ihre Politiker treffen die
Entscheidungen in den internationalen Krediteinrichtungen ausschließlich
abhängig von ihren eigenen Interessen. Die Vertreter gesellschaftlicher
Organisationen und Aktiven der Proteste dieser Woche haben gesagt, dass
kein weiterer Kredit an schrumpfende Wirtschaften oder überschuldete
Betriebe gewährt werden sollte, und dass die betreffenden Regierungen
zumindest diese Volkswirtschaften zu reorganisieren haben.
Die
großen Bankiers und Finanzleute der Welt treffen komplexeste
Entscheidungen ohne jede Konsultation mit den alternativen Kräften, die
wie in diesem Fall von der Gewissheit ausgehen, dass eine andere Welt möglich
ist, und dass die neoliberale Wirtschaft kein unvermeidlich auswegloses
Schicksal für die Werktätigen und Völker der Erde darstellt.
Quelle:
http://www.pcv-venezuela.org/index.php?option=com_content&task=view&id=4489&Itemid=1 |