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Inhalt:

0. Der Aufruf ist ein Versuch mit linken Phrasen, den Parteiaufbau und den Kampf gegen den modernen Revisionismus zu verhindern mehr

1. Der moderne Revisionismus und Klassenverrat mehr

1.1 Partei und Staat haben immer Klassencharakter mehr

1.2 Chruschtschows Nachfolger führten die revisionistische Politik fort mehr

2. Zentrismus als Handlanger des Revisionismus heute mehr

3. Gegen das Paktierertum mit dem Revisionismus heute mehr

3.1 Erstes Beispiel:

Parteienheft Offen-siv 1/2002 mehr

3.2 Zweites Beispiel:

Ein Erzrevisionist, Antideutscher und Denunziant publiziert in Offen-siv mehr

4. Kritik an der revisionistischen Linie oder Ein Kessel Buntes ist das Credo der Möchtegern Einiger mehr

4.1 Etiketten-Schwindler mehr

4.2 Ein Dokument bewusster ideologischer Irreführung mehr

4.2.3 Hier unsere Kritik am Text mehr

5. Zusammenfassung

Das Tischtuch ist zerschnitten – Feuer auf die Versöhnler mit dem modernen Revisionismus mehr

Eine Kommunistische Partei wird aus den Klassenkämpfen und der Abgrenzung zum modernen Revisionismus entstehen

Kritische Analyse zum Aufruf: „Schafft die Kommunistische Initiative in Deutschland“

Von Günter Ackermann

Teil II

Kommunisten-online vom 1. Oktober 2008 –

4. Kritik an der revisionistischen Linie oder Ein Kessel Buntes ist das Credo der Möchtegern Einiger

4.1 Etiketten-Schwindler

Dem Text eines Aufrufs vom 13. September 2008 ist ein Vorwort vorweg geschickt:

Genossinnen und Genossen aus der DKP, der KPD, der KPD(B), aus dem Umkreis der Zeitschrift „offen-siv“ und des „offen-siv“- Fernstudiums sowie nicht organisierte Kommunisten/innen rufen auf, eine „Kommunistische Initiative“ in Deutschland zu formieren. Diese „Kommunistische Initiative“ soll der Beginn des Einigungsprozesses der Marxisten-Leninisten in unserem Land sein mit dem Ziel der Bildung einer einheitlichen marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei.

Wie die Herkunft der Aufrufe (s.o.) zeigt, war die Situation für die kommunistische Einheit auf der Basis des Marxismus-Leninismus in den zurückliegenden 19 Jahren seit der Konterrevolution noch nie so günstig. (Hervorhebung von mir, G.A.)

Da wir auch eingeladen waren, aber zu der Sitzung, in der dieser Text abgenickt wurde, nicht kommen konnten, kennen wir den Kreis derer, die hier Aufrufer sind. Hier wird ein breites Spektrum vorgegaukelt, tatsächlich ist es nur eine Zahl – großzügig gerechnet – von vielleicht 20 Menschen (der engere Kreis um Offen-siv eingeschlossen). Auch das Organisationsspektrum ist nicht so breit, wie hier weisgemacht werden soll.

Tatsächlich handelt es sich einzig und allein um den Dunstkreis der Zeitschrift Offen-siv von Frank Flegel und Michael Opperskalski. Genau genommen beschloss den Aufruf eine erweiterte Redaktion der Zeitschrift.

Aus der Zusammenkunft der erweiterten Redaktion schließen dann die Autoren messerscharf, unter Hintenanstellen aller historisch-materialistischen Prinzipien, dass die „Situation für die kommunistische Einheit auf der Basis des Marxismus-Leninismus in den zurückliegenden 19 Jahren seit der Konterrevolution noch nie so günstig.“ sein soll. Eitel und an Minderwertigkeitskomplexen leiden sie offenbar nicht. Denn die Geschichte ist, nach Marx, bekanntlich die Geschichte von Klassenkämpfen, Und aus ein paar Männecken zu schließen, dass die Situation noch nie so günstig sei, ist schon recht gewagt und zeugt von wahrhaft origineller Auslegung des historischen Materialismus.

Dieses pseudowissenschaftliche Niveau setzen sie dann im weiteren Aufruf fort. Weil wir dieses Vorgehen und diesen Aufruf kritisierten und auch niemals solchem Zeug zugestimmt und unterschrieben hätten, „bestraften“ sie uns mit Hinauswurf aus dem erlauchten Kreis der erweiterten Redaktion. Nun denn, wir tragen es mit Fassung.

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4.2 Ein Dokument bewusster ideologischer Irreführung

Ein Aufruf zur Gründung einer „Kommunistischen Initiative“ ist am 13. September 2008 in Berlin beschlossen worden. Wir waren auch eingeladen, konnten aber nicht erscheinen, hatten aber schon vorher einen Text als angeblichen Entwurf per Post zugeschickt bekommen. Bei dessen Lektüre sträubten sich uns die Haare.

Unsere Bitte, den Text digital zugeschickt zu bekommen (damit die Redaktion gemeinsam den Text lesen kann), wurde mir von Frank Flegel mit fadenscheinigen Begründungen verwehrt. Wir bekamen den Text später in digitaler Form dennoch per e-Mail zugeschickt.

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4.2.3 Hier unsere Kritik am Text

Ich schließe mich zunächst in den wesendlichen Punkten der Kritik von Jens Bohlke am Aufruftext an.[1]

Der Aufruftext ist wüste theorielose Handwerkelei und nicht geeignet, Kommunisten aus den revisionistischen Gruppierungen und Parteien zum Mitmachen beim Aufbau einer marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei zu gewinnen und ist nicht geeignet, eine umfassende Diskussion über die Rolle des modernen Revisionismus anzuregen. Kaum einer der „heimatlosen“ Genossen, die in diversen Friedens- oder Gruppen der sozialen Bewegungen aktiv sind, wird durch diesen motiviert, eher tritt das Gegenteil ein.

Meine Kritik im Einzelnen, wobei ich mich auf die drei Thesen im Teil „Klarheit vor Einheit“ beschränken werde. Die voraus gehenden Textteile sind nur herunter geschriebene Allgemeinplätze und auch teilweise falsch.

Die Schreiber des Aufrufs stellen fest:

„Die Analyse der Rolle des Revisionismus als Basis für die Konterrevolution sowie der Spaltung, Zersplitterung und dem Niedergang der kommunistischen Bewegung wie aber auch die unterschiedlichen positiven aktuellen Erfahrungen (…)  halten uns deutlich vor Augen, dass Klarheit das Fundament jeder kommunistischen Politik und Organisation sein muss, will sie nicht ihren Charakter verlieren. Diese Klarheit muss im Wesentlichen aus drei Elementen bestehen, die durch den wissenschaftlichen Sozialismus deutlich formuliert werden,“

Große Worte – leider bei den Schreibern des Aufrufs ohne Inhalt. Was folgt sind Halbheiten und hohles Geschwätz. Dass sie dazu noch den Begriff „wissenschaftlichen Sozialismus“ missbrauchen, empört mich zusätzlich. Hier wird nicht Klarheit als Fundament vorgeführt, sondern uns eine trübe Brühe aus mehr oder weniger schwammigen Zeugs zugemutet. Die drei Thesen im Aufruf werde ich im folgendem kritisch unter die Lupe nehmen:

Zur ersten These:

„Das Anerkennen ALLER wissenschaftlichen Grundlagen des Marxismus-Leninismus, so besonders der Gültigkeit der Leninschen Imperialismus, Staats-, Revolutions- und Parteitheorie, des proletarischen Internationalismus sowie auch der heroischen Geschichte der kommunistischen Bewegung als notwendige Antwort auf die reformistische Versumpfung und den Klassenverrat der Sozialdemokratie.“

Das ist so allgemein, dass es fast auch Heinz Stehr und Robert Steigerwald unterschreiben könnten. Nach deren Auslegung des Marxismus-Leninismus sind sie doch die wirklichen Erhalter der Lehren von Marx, Engels und Lenin.

Und hier wäre ich bei der eigentlich nötigen Sollbruchstelle zum modernen Revisionismus. Wo wird hier die Gültigkeit der „heroischen Geschichte der kommunistischen Bewegung“ unter der marxistisch-leninistischen Führung des Genossen Stalin hervor gehoben, wo die Führung unter Chruschtschow und seinen Nachfolgern kritisiert? Fehlanzeige. Oder ist gar unter „heroischer Geschichte der kommunistischen Bewegung“ auch die nach dem 20. Parteitag gemeint? Jedenfalls wird dazu nichts gesagt. Also Fehlanzeige!

Der Klassenverrat der Sozialdemokratie“ wird aufgeführt – aber der war schon 1914 –  vor beinahe 100 Jahren, also olle Kamellen. Die SPD ist inzwischen weder reformistisch noch revisionistisch, sie ist eine liberale bürgerliche Partei mit Einfluss auf die Arbeiterklasse. Wo aber bleibt der Klassenverrat der KPdSU, der SED, DKP und der PDS/Linke? Fehlanzeige!

Flegel erklärte uns hierzu:

„Hier trennen sich unsere Wege. Wir werden die KPdSU und die SED niemals als Parteien des „Klassenverrats“ bezeichnen. Die alten Hüte der alten so genannten „ML“ in Westdeutschland von der „neuen herrschenden Klasse“ in den sozialistischen Ländern, von der „sozialimperialistischen Sowjetunion“ usw. kannst Du getrost für Dich behalten. Du wirst die Sozialimperialismus- bzw. Sozialfaschismusthese bei uns auch nicht über die Hintertür einführen können, das kann ich Dir versichern.“[2]

Zustimmen muss ich Flegel hier, wenn er schreibt: „Hier trennen sich unsere Wege.“ Hier musste uns klar sein, dass es sich bei den Flegeln um Handlanger der modernen Revisionisten handelt – und es wurde uns klar. Flegel und Konsorten behaupten, sie stünden auf der Basis der Kritik am modernen Revisionismus von Kurt Gossweiler. Der aber schreibt:

„Das Verrückte an der Weigerung mancher Genossen, in Chruschtschow einen zu sehen, der wie Gorbatschow zum Ziel hatte, die sozialistische Ordnung im Lande zu unterminieren, ist, dass sie in ihm einen Heilsbringer und einen Retter des Sozialismus genau wegen der Veranstaltung sehen, die in Wahrheit die wichtigste Grundlage dafür schuf, dass Gorbatschow – gestützt auf die Vorarbeit von Chruschtschow und Breshnew – das von Chruschtschow eingeleitete Zerstörungswerk erfolgreich zuende bringen konnte – also wegen des XX. Parteitages.“ (hervorgehoben von mir, G.A.)[3]

Der 20. Parteitag war 1956. Gorbatschow wickelte die UdSSR bekanntlich 1991 ab. Was soll dazwischen gewesen sein? Eine Partei leninschen Typs, gestählt vom Marxismus-Leninismus, das ruhmreiche und starke sozialistische Lager führend? Wenn Kurt Gossweiler Chruschtschow und Breschnew in einem Atemzuge nennt, so schreibt er genau das, was ich meine: Der Klassenverrat der Führung der KPdSU. Breschnew war von 1964 bis 1982 Generalsekretär der KPdSU. Zwar ist Gorbatschow nicht unmittelbarer Nachfolger Breschnews als Generalsekretär gewesen, aber die beiden dazwischen, Andropow (1982-1984) und Tschernenko (1984-1985) dürften da keine besondere Bedeutung gehabt haben. Außer: Andropow war der politische Ziehvater Gorbatschows.

Die Flegels von Offen-siv bezeichnen also weder die Clique um Chruschtschow, noch Breschnew, Andropow, Tschernenko oder Gorbatschow als Klassenverräter. Sie alle standen an der Spitze der KPdSU. Wenn doch – was die Flegel jedoch nicht tun – dann erhebt sich die Frage, warum nicht auch deren Partei? Der Verrat Chruschtschows und dessen Nachfolger waren von diesen nicht allein zu bewerkstelligen. Auch fragt man sich, warum gestattete es diese angeblich bis zum Schluss so bolschewistische Partei vier Verrätern, über eine Zeitspanne von fast 50 Jahren, diese Partei zu führen? Das soll mir der Flegel mal erklären.

Hier ist der Knackpunkt zwischen den Zentristen und uns erreicht. Wir wollen keine neue revisionistische Partei, auch keine revisionistische Minisekte.

Zur zweiten These:

„Das Anerkennen der Rolle der sozialistischen Länder, insbesondere der Sowjetunion und der DDR, als größte Errungenschaft der deutschen Arbeiterbewegung. Der Sozialismus, für den wir im imperialistischen Deutschland kämpfen, wird vom revolutionären Erbe der DDR, des ersten Arbeiter und Bauernstaats auf deutschem Boden geprägt sein. Damit wird das klare und eindeutige Verhalten zur DDR zum Prüfstein für jeden deutschen Kommunisten, gerade und insbesondere auch für heute!“

Ja, einverstanden. Dennoch ist das schwammig und damit falsch. Kann ich mich als Kommunist zur DDR bekennen? Ja, das kann ich und muss ich! Die DDR war die einzig richtige Antwort der Sowjetregierung unter Genossen Stalin auf die Spaltung Deutschlands durch die Westalliierten. Und, machen wir uns da nichts vor, diese Errungenschaft der deutschen Arbeiterklasse wäre ohne die Hilfe der UdSSR nicht möglich gewesen.

Das Bekenntnis zur DDR, wie es die Zentristen um Flegel erwarten, ist jedoch ein kritikloses, ein nostalgisches.

Nostalgie mag normal und zutiefst menschlich sein. Erinnerungen an die Jugend, die Freunde damals, die Schule, aber auch an die Politik. Hier im Westen bekommen manche Tränen in die Augen, wenn sie an Adenauer oder Brandt denken. Und ehemalige DDR-Bürger eben an Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck. Diese Erinnerungen an ihre Biografie will ich ihnen nicht nehmen. Aber Nostalgie ist unpolitisch, unwissenschaftlich und vor allem rückwärts gerichtet. Kommunisten aber blicken nach vorn, sie wollen eine menschliche Gesellschaftsordnung erkämpfen. Wehmütige Rückblicke nützen da nichts.

Der Blick zurück muss ein wissenschaftlicher sein. Der historische Materialismus ist da die Grundlage und der Blick muss nüchtern und analytisch sein, darf auch keine Tabus kennen. Man kann aus der Geschichte lernen, auch aus eigenen Fehlern. Aber das zu leisten, ist schon eine Menge und unverzichtbar.

Die Klassiker des Marxismus-Leninismus hatten mit solchen wissenschaftlichen kritischen Einschätzungen keine Probleme. Denken wir nur an die Pariser Kommune. Niemand wird bezweifeln, dass Lenin zur Kommune positiv stand. Dennoch hatte er kritische Anmerkungen zu ihr. Lenin schreibt zur Pariser Kommune u.a.:

„Es ist immer noch notwendig, die Bourgeoisie und ihren Widerstand niederzuhalten. Für die Kommune war das ganz besonders notwendig, und eine der Ursachen ihrer Niederlage bestand darin, daß sie das nicht entschlossen genug getan hat..“[4] (hervor gehoben von mir, G.A.)

Die gut zwei Monate, die die Pariser Kommune Zeit hatte zu existieren, gab ihr sicher auch nicht die Zeit viele Fehler zu machen. Aber diese Fehler werden benannt. Und Engels kritisiert ddie Kommune z.B.:

„Am schwersten begreiflich ist allerdings der heilige Respekt, womit man vor den Toren der Bank von Frankreich ehrerbietig stehnblieb. Das war auch ein schwerer politischer Fehler. Die Bank in den Händen der Kommune – das war mehr wert als zehntausend Geiseln. Das bedeutete den Druck der ganzen französischen Bourgeoisie auf die Versailler Regierung im Interesse des Friedens mit der Kommune.“[5] (Hervorhebung G.A.)

Für Marx. Engels und Lenin war es Heroismus, was im Frühjahr 1871 in Paris geschah, Heroismus der Pariser Arbeiterklasse. so forderte Lenin in seinen Aprilthesen das Programm der Partei zu ändern v.a. über die Stellung zum Staat. In seiner Fußnote hierzu fügt er hinzu:

„D.h. eines Staates nach dem Vorbild der Pariser Kommune.“[6]

Aber das verleitete die Klassiker nicht dazu, eine Kritik an den Maßnahmen der Kommune mit Tabus zu belegen, wie es unsere zentristischen Nostalgiker mit dem Realen Sozialismus tun.

Ich bekenne mich zur DDR, indem ich auch aus ihren Fehlern zu lernen versuche. Vergessen wir doch nicht, was sich 1989/1990 in der DDR ereignete. Warum liefen die Massen den westlichen Rattenfängern nach? Das lag wohl nicht daran, dass Kohl und Kumpane die besseren Argumente hatten.

Das lag vor allem daran, dass die SED sich bereits seit Jahrzehnten von der Arbeiterklasse der DDR gelöst hatte und sie somit keine wirkliche Klassenbasis in der Arbeiterklasse mehr hatte.

Hat die SED-Führung, nach Meinung Flegels und der opportunistischen Zentristen, keine schwerwiegenden Fehler gemacht? Ist die Annektierung der DDR durch die BRD durch einen Handstreich, in einer Nacht und Nebel-Aktion, erfolgt? Konnte die SED die Massen nicht mehr dagegen mobilisieren? Natürlich war es das nicht. Das Sterben der DDR war ein Prozess, der sich ein Jahr hinzog und wurde von einem Großteil der Bevölkerung begrüßt. Die SED hat noch nicht einmal den Versuch gemacht, sich gegen die Einvernahme durch die BRD zu wehren. Die zaghaften Versuche Modrows, Anfang 1990, zu einer Konföderation mit der BRD zu kommen, waren eher hilflos.

Ja, man gab sich sogar der Illusion hin, Kohl würde mit Geld und anderer materieller Unterstützung die DDR wirtschaftlich und politisch stärken. Als Modrow damals nach Bonn reiste, war der Misserfolg vorprogrammiert.

Als Kommunist weiß man, dass, wenn die Arbeiterklasse Fehler macht – und das Aufgeben der DDR durch die Arbeiterklasse war einer der schwerwiegendsten Fehler der Arbeiterklasse in Deutschland im 20. Jahrhundert – die Partei der Arbeiterklasse Versäumnisse und Fehler begangen hat. Und eine Partei, die vom Anspruch her eine Partei der Arbeiterklasse ist, wie die SED, hatte offenbar ihre Klassenbasis verloren. War sie dann noch Partei der Arbeiterklasse? Ich habe erhebliche Zweifel. Sieht man sich die spätere PDS an und deren Linie, weiß man, was in den Köpfen vieler SED-Mitglieder steckte.

Aber schon lange vorher war die Politik der SED-Führung sehr zwiespältig.

Bereits 1958 beschloss der Parteitag der SED die „Ökonomische Hauptaufgabe“. Walter Ulbricht erklärte am 5. Parteitag der SED vom Juli 1958:

„Unser V. Parteitag hat die ökonomische Hauptaufgabe für den nächsten Abschnitt unseres Weges zu beraten, und ich schlage daher im Auftrag des Zentralkomitees vor, als ökonomische Hauptaufgabe zu beschließen:

Die Volkswirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik ist innerhalb weniger Jahre so zu entwickeln, daß die Überlegenheit der sozialistischen Gesellschaftsordnung der DDR gegenüber der Herrschaft der imperialistischen Kräfte im Bonner Staat eindeutig bewiesen wird und infolgedessen der Pro-Kopf-Verbrauch unserer werktätigen Bevölkerung mit allen wichtigen Lebensmitteln und Konsumgütern den Pro-Kopf-Verbrauch der Gesamtbevölkerung in Westdeutschland erreicht und übertrifft.“

Und

„Die Lösung dieser ökonomischen Hauptaufgabe wird der Anteil unserer Republik sein am weltweiten Kampf für die friedliche Koexistenz und für den friedlichen Wettkampf zwischen der sozialistischen und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, in der die Überlegenheit des Sozialismus zu beweisen ist. Die ökonomische Hauptaufgabe hat einen tiefen politischen Inhalt; ihre Lösung dient der Festigung der Arbeiter-und-Bauern-Macht in der DDR und des sozialistischen Lagers überhaupt, und sie wird zweifellos dem Volkskampf gegen die Bonner Atomrüstungspolitiker Aufschwung geben. Diese Aufgabenstellung entspricht daher voll den politischen und wirtschaftlichen Interessen der Arbeiterklasse und der gesamten werktätigen Bevölkerung unseres Landes.“

Dies war die DDR-Entsprechung der Linie Chruschtschows. Der 21. (außerordentliche) Parteitag der KPdSU, wurde von Chruschtschow der Parteitag „der Erbauer des Kommunismus“ genannt. Hier wurde beschlossen, spätestens 1970 die USA in der Pro-Kopf-Produktion von Konsumgütern zu übertreffen. Welch ein Unfug!

Das, was Walter Ulbricht hier postulierte, kam bei der Bevölkerung jedoch ganz anders an. Die sah nämlich die Konsumtempel in Westberlin, sie hörten die westlichen Radiosendungen (private Fernsehgeräte waren damals in der DDR wenig verbreitet) und wollte diesen Pro-Kopf-Verbrauch jetzt und heute haben und ging in den Westen. Der Antikommunist Willy Brandt schrie damals die Parole von „Abstimmung mit den Füßen“ in die Welt.

Die DDR-Bürger sahen in der „Ökonomischen Hauptaufgabe“ eine Bankrotterklärung der SED und eine Bestätigung dessen, was die westlichen Medien auf sie einredeten: Der Kapitalismus ist die bessere Gesellschaftsordnung, dessen Konsummöglichkeiten jetzt sogar von Walter Ulbricht anerkannt würden, immerhin strebt es das auch an. Ob die DDR das genannte Ziel je erreicht, wurde allerdings von vielen bezweifelt. Sie meinten, sie gingen auf Nummer sicher, indem sie ihre ökonomische Hauptaufgabe in der Übersiedlung in den Westen sahen.

Dass es überhaupt nicht im Sinne einer sozialistischen Volkswirtschaft sein kann, einen Massenkonsum zu erreichen, wie im Kapitalismus, sei ergänzend noch angemerkt.

Für mich ist das eine der ersten offenkundigen revisionistischen Abweichungen vom Marxismus-Leninismus durch die SED-Führung. Zu erwähnen sei noch, dass die SED-Führung sich auch nicht gegen die „Entstalinisierung“ Chruschtschows stellte, sie zwar zögerlich, doch eindeutig forciert. Es verschwanden im Land die Straßen und Plätze, die nach Stalin benannt waren, Stalinstadt wurde zu Eisenhüttenstadt, auch die Stalindenkmäler verschwanden. Die DDR aberkannte Stalin den Status eines ML-Klassikers, er blieb vorerst ein großer Kommunist.

Und schließlich, 1966, schrieb das ZK der SED an die Delegierten des SPD-Parteitages einen „Offenen Brief“ der mit den Worten begann: „Wir beiden großen deutschen Arbeiterparteien“. Dabei wertete sie die SPD noch damit auf, indem sie dieser „Arbeiterpartei“, einen Redneraustausch anbot.

Von einer Arbeiterpartei hatte sich die SPD bereits 1958 offiziell mit dem „Godesberger Programm“ verabschiedet. Während wir im Westen genau das den Arbeitern klarmachen versuchten, also dass die SPD keine Arbeiterpartei mehr ist, fiel uns die SED mit diesem Brief in den Rücken.

Das, bitte schön, gehört alles nicht zu den Ruhmestaten der SED-Führung, das gehört unter die Erkenntnisse, warum die DDR 1990 so widerstandslos von der BRD einverleibt werden konnte.

Zur dritten These:

„Das Verständnis für die Notwendigkeit des Kampfes gegen jede Form des Revisionismus und Reformismus für die Kommunistische Partei, denn der Revisionismus  war und ist die Hauptbasis für den zeitweiligen Sieg der Konterrevolution in Europa, die Spaltung, Zersplitterung und Schwächung der Kommunistischen Bewegung“

Das Verständnis für die Notwendigkeit“ – das, bitte sehr, kann jeder Antikommunist haben. Man kann’s ja verstehen, könnten die meinen, dass sich Kommunisten von diesen „Realpolitikern“ distanzieren wollen, Kommunisten sind ja eh Linksradikale. So, oder so ähnlich, können Lafontaine, Müntefering und Beck schwadronieren.

Ein Aufruf, der vorgibt letztlich den Aufbau einer kommunistischen Partei vorzubereiten, also programmatische Bestandteile enthalten muss, sollte klar und wissenschaftlich eindeutig formuliert sein. „Verständnis für die Notwendigkeit“ ist nicht einfach eine Stilblüte. Das könnte es sein, wenn es hier in diesem Text die einzige schwammige Formulierung wäre. Aber der gesamte Text ist schwammig und zweideutig formuliert. An Zufall zu glauben, wäre naiv. Diese schwammigen Sätze, die alles und nichts aussagen, sind Absicht. Hier soll mit linken Phrasen von revisionistischen Absichten abgelenkt werden.

Der Kampf gegen jede Form des Revisionismus und Reformismus ist die Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Aufbau der KPD. Ob man dafür Verständnis hat oder nicht ist, offen gesagt, mir wurscht. Die Lehren aus der Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung haben gezeigt, dass kommunistische Parteien, die sich rechtzeitig von den revisionistischen Feinden des Marxismus-Leninismus trennten, erfolgreich waren.

Denken wir nur an die Partei der Bolschewiki. Sie trennten sich faktisch bereits 1905 von den Menschewiki. Als dann, 1917, eine revolutionäre Situation heran reifte, hatten sie eine schlagkräftige Organisation und konnten den Aufstand am 7. November planen, anleiten und in die richtige politische Richtung lenken.

Ganz anderes die kommunistischen Kräfte in Deutschland. Die beugten sich zunächst der Parteidisziplin der SPD und der USPD. So stimmte selbst Karl Liebknecht, gegen seine Überzeugung, 1914 für des Kaisers Kriegskredite. Erst als die verlängert werden sollten, stimmte er dagegen. Auch ging die Trennung von den Revisionisten und Reformisten schleppend und sehr langsam vonstatten. In der USPD war Liebknecht sogar gemeinsam mit dem Vater des Revisionismus, Eduard Bernstein.

Die KPD wurde erst gegründet, als die Revolution bereits im Gange war: am 31. Dezember/1. Januar 1918. Zu spät!

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5. Zusammenfassung

Das Tischtuch ist zerschnitten – Feuer auf die Versöhnler mit dem modernen Revisionismus

Die Entwicklung, dass die Clique um Flegel und Opperskalski in Panik geriet und mich eilig aus dem Herausgeberkreis von Offen-siv wieder hinaus warfen, als sie meine und Jens Bohlkes Kritik an ihrem Geschreibsel zur Kenntnis nehmen mussten, ist gar nicht so schlecht. Das hat eine eindeutige und radikale Trennung von diesen Rechtsopportunisten beschleunigt – mal abgesehen davon, dass ich bereits vorher meinen Austritt aus diesem Kreis erklärte.

Uns war klar geworden, dass die Clique um Flegel und Opperskalski nicht den Aufbau einer KPD im Sinn hat, sondern genau das Gegenteil, ihn zu verhindern.

Nachdem Flegel und Opperskalski erkannt hatten, dass wir klare kommunistische Positionen vertreten und sie auch keine Chancen haben, sich Kommunisten-online kalt unter den Nagel zu reißen, mussten auch sie die formale Zusammenarbeit beenden. Sie erkannten, dass wir auch zukünftig eine marxistisch-leninistische Politik anmahnen werden und, dass wir uns nicht vor ihren Karren spannen lassen, also nie ihr vor Revisionismen triefendes und schwammiges Papier unterschrieben hätten.

Nun denn! Der Kommunismus ist im schonungslosen Kampf gegen Verräter stark geworden. In dem Moment, wo er diese Auseinandersetzung aufgab, also nach dem 20. Parteitag der KPdSU, wurde er immer schwächer und erreichte seine heutige schwache Position. Das sozialistische Lager, die ruhmreiche Sowjetunion, fielen wie eine reife Frucht in den Schoß der Imperialisten, die großen westlichen kommunistischen Parteien, z.B in Frankreich und Italien, existieren entweder nicht mehr oder sie sind zu Anhängseln der Sozialdemokratie verkommen.

Ich kann hier eines versprechen: Kommunisten-online wird sich immer gegen jede Form des Revisionismus, gegen rechten und „linken“ Opportunismus, stellen. Wenn die Flegels und Opperskalskis uns verleumden, tragen wir es mit Fassung. Was kümmert es den Mond, wenn ihn ein Hund ankläfft?

Wenn sie uns in eine antikommunistische Ecke stellen wollen, so sollen sie mal selbst schauen, wo sie stehen: genau da in dieser stinkenden Ecke des faulen modernen Revisionismus, deren willige Wasserträger sie sind.

Sie führen keine sachliche Debatte[7], nun denn. Sie geben sich als Marxisten-Leninisten aus. Das sind sie mitnichten, sie sind Feinde des Kommunismus, Paktierer mit den Zerstörern der Sowjetmacht und der von Lenin geschaffenen und von Stalin von Sieg zu Sieg geführten kommunistischen Weltbewegung. Ihre Tarnung ist dürftig, wir reißen sie herunter und zeigen ihre revisionistische Blöße.

Außer ideologischer Verwirrung, wird aus dieser angeblichen „Kommunistischen Initiative“ nichts heraus kommen. Wir wollen mit unserer Polemik dazu beitragen, die ideologische Verwirrung, die diese Subjekte zu stiften sich anschicken, so gering wie möglich zu halten.

Jeder ehrliche Genosse, der meint, die Flegels würden eine kommunistische Partei im Sinn haben, möge seine Kritikfähigkeit schärfen und an den Aufruftext die Messlatte des Marxismus-Leninismus anlegen und er wird erkennen, dass hier die Lehre von Marx, Engels, Lenin und Stalin mit Füßen getreten wird und durch die Hintertür revisionistische Positionen herein geholt werden sollen.

Es lebe der Marxismus-Leninismus!

Es lebe die Lehre von Marx, Engels, Lenin und Stalin!

Die kommunistische Idee, die kommunistische Sache, ist stärker als alle Revisionisten und Zentristen.


[1]  Siehe: Ein verbalradikal sich gebender pseudokommunistisch angerichteter Aufruf, SIE NENNEN SICH FALSCH „KOMMUNISTISCHE INITIATIVE“, Von Jens-Torsten Bohlke mehr

[2]  Entgegnung Frank Flegels siehe

[3]  Kurt Gossweiler: REVISIONISMUS - TOTENGRÄBER DES SOZIALISMUS. Zur Entstehung des modernen Revisionismus und zu seiner Etablierung in der Sowjetunion unter Chruschtschow 1953-1964 siehe

[4]  W.I. Lenin:  Lenin, Staat und Revolution

[5]  Friedrich Engels: Einleitung zur Ausgabe von 1891 von Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich,  

[6]  W.I. Lenin: Über die Aufgaben des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution, (Die Aprilthesen), (7. April 1917

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