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Kongress
der „Antikapitalistischen Linken“ in Erfurt –
Veranstaltung
der Illusionen?
Von
Gerd Höhne/14. März 2007
Sie
sind rührig und unentwegt. Das ist eigentlich eine positive Eigenschaft für
Linke. Aber sieht man genauer hin, so stellen sie sich – mit den
unterschiedlichsten Namen ausgestattet (z.B. Geraer Dialog) – als
prokapitalistische Halblinke heraus.
Da
ist die unentwegt tätige Sahra Wagenknecht von der sogenannten
Kommunistischen Plattform. Jener Wurmfortsatz von Gysi & Co., dessen
Aufgabe es ist, die sich jetzt Linkspartei nennendes PDS gegen Linke
abzusichern und die gleichzeitig den Anschein erwecken soll, die PDS sei
links.
Das zeigt die liebe Sahra dann auch im Europäischen Parlament. Zwar
stimmte sie nicht, wie jener Parteirecht André Brie und dessen politische
Mitläuferin S.Y. Kaufmann und Gabi Zimmer, z.B. gegen Kuba und gegen
Belorussland, aber mit besonders linken Positionen tat sie sich auch nicht
hervor. Kommunistin in einer Fraktion mit diesem unsäglichen Brie, der
selbst in der SPD zum allerrechtesten Flügel gehören würde – ein
Widerspruch an sich. Aber den Bettel hinwerfen und als Fraktionslose
weiter zu machen, macht sie nicht. Dann nämlich würde sie bei den nächsten
Europawahlen nicht wieder aufgestellt und die reichlichen Straßburg-Brüsseler
Fleischtöpfe blieben ihr verschlossen. Da macht sie lieber die linke die
Alibifrau bei Gysi und Byski, was sie auch als Mitglied des
Parteivorstands ist.
Diese
Geraer-Dialoger/Antikapitlistischen Linken sind genau das, was auch die
Kommunistische Plattform mit Vehemenz betreibt, sie binden linke Kräfte
an eine im Grunde rechtssozialdemokratische Partei und damit an den
Kapitalismus.
Diese
Konferenz in Erfurt hat eine Abschlusserklärung verabschiedet.
Schon
die Überschrift verrät die Zielsetzung: „Die
Linke bewegen – Gesellschaft verändern! Abschlusserklärung der
bundesweiten Konferenz der Antikapitalistischen Linken in Erfurt am
10.03.2007“. Ich übersetze in eine deutliche Sprache: Die Linken
sollen bewegt werden, in die Vereinigungspartei PDS/WASG einzutreten. Wenn
das eine linke Partei würde, eine richtige Parole. Aber ich hege
erhebliche Zweifel daran. Weder die PDS, noch die WASG wollen eine
wirkliche Alternative zum Kapitalismus, sondern nur etwas soziale
Kosmetik. Diese Partei hat vom Kapital die Aufgabe zugeteilt bekommen –
dafür haben sie sie die letzten Jahre lautstark hochgepuscht – den
berechtigten Protest an der Politik der Verarmung durch Bundesregierung
und Kapital in milde, dem Kapitalismus genehme, Bahnen zu lenken. Also
Teile der klassischen Aufgabe der SPD für das Kapital zu übernehmen.
Der
zweite Halbsatz verrät dann Inhaltliches: „Gesellschaft
verändern!“ Also
nicht die sozialistische Gesellschaftsordnung erkämpfen, sondern der
Kapitalismus reformieren, also die klassische reformistische Politik.
Natürlich
verliert auch eine scheinlinke Erklärung vor anderen, wie auch vor ihren
eigenen Anhängern, an Glaubwürdigkeit, wenn da überhaupt nichts Linkes
drin steht. Daher sind da auch Sachen drin, die wir grundsätzlich auch
unterschreiben könnten. So z.B.: „Gegen Krieg und Militarismus einzustehen, ist unerlässlicher
Bestandteil im Kampf gegen globale Ungleichheit, Ausbeutung und
Profitdominanz. Die Linke muss sich für die Auflösung der NATO, für
radikale Abrüstung und die Schließung aller Militärbasen in Deutschland
einsetzen.“
Naja,
sicher, das ist auch unsere Meinung. Aber sehen wir weiter_
„Vor
diesem Hintergrund ist eine sozial und friedenspolitisch verantwortbare
Politik als Koalitionspartner der SPD im Bund nicht möglich.“
Wie
kommen unsere antikapitalistischen Linken eigentlich auf einmal auf eine
Koalition im Bund oder sonst wo mit der SPD? Niemand will diese Koalition
im Bund. Die PDS-Führung strebt in die Regierungen. Man muss also nur ein
Wenig die SPD auf den richtigen Weg bringen, dann wäre das schon in
Ordnung. Oder wie ist das gemeint?
Es
ist so gemeint, wie vermutet:
„Auch
für etwaige Regierungsbeteiligungen in den Ländern und Kommunen müssen
Mindestbedingungen festgelegt werden.“
Es
werden also einige kosmetische Schritte vereinbart, dann ist auch eine
Koalition mit der SPD möglich und es wird PDS/WASG Bundesminister und
Landesminister geben – so lese ich das.
Verschwiegen
wird jedoch das Wesen dieses kapitalistischen Staates. Nicht die
Regierungen bestimmen die Politik, sondern die herrschende Klasse. Und wir
haben immer noch eine kapitalistische Ausbeuterordnung, die Kapitalisten
sind die herrschende Klasse. Dagegen helfen auch keine festegelegten
„Mindestbedingungen“.
Weiter
in der Erklärung der „Antikapitalisten“:
„Antifaschistischer
Widerstand darf sich nicht nur gegen die Nazis auf der Straße richten; er
muss mit dem Widerstand gegen die strukturellen Bedingungen von
Unfreiheit, Ungleichheit und Ausbeutung verbunden werden. Schließlich
sind es die bestehenden Eigentums- und Machtverhältnisse, die
faschistoiden Entwicklungen und Gefahren den Boden bereiten.“
Es
sind also „strukturelle Bedingungen“, die den Faschisten den Boden
bereiten. Stimmt auch wieder. Aber das kann doch nur bedeuten, dass der
einzige wirklich effektive Kampf gegen Faschismus der antikapitalistische
Kampf ist. Ob die wackeren „antikapitalistischen Linken“ das im Sinn
hatten, als sie das formulierten?
Den
Vogel schießen sie dann ab, wenn es um die sozialistische Vergangenheit
in Deutschland geht. Das steht im PDS-Programm, das sonst alles unterlässt,
was links und sozialistisch ist, ein einziger Absatz, der etwas positiv
zur DDR ist:
„Die
antifaschistisch-demokratischen Veränderungen im Osten Deutschlands und
das spätere Bestreben, eine sozialistische Gesellschaft zu gestalten,
standen in berechtigtem Gegensatz zur Weiterführung des Kapitalismus in
Westdeutschland, der durch die in der Menschheitsgeschichte
unvergleichbaren Verbrechen des deutschen Faschismus geschwächt und
diskreditiert war. Zur Geschichte der DDR gehören bemerkenswerte
Ergebnisse und wertvolle Erfahrungen im Kampf um soziale Gerechtigkeit, um
die Bestimmung der Ziele der Produktion im Interesse der Bevölkerung, um
die Teilhabe breiter Bevölkerungsteile an Bildung und Kultur und um ein
solidarisches und friedliches Gemeinwesen auf deutschem Boden.“
Ich
bin sicher, die PDS-Macher dieses Programm haben sich bei der Formulierung
einen abgebrochen. Einer der Autoren dieses Programm, der Parteirechte
André Brie, hat gar einmal die DDR mit dem Nazireich gleichgesetzt. Ich
kann in diesen Sätzen nur Heuchelei sehen um die zu beruhigen und bei der
Stange zu halten, die in der DDR lebten und aufwuchsen. Mal abgesehen,
dass selbst bürgerliche Historiker, wenn sie nicht mit einem Brett vorm
Kopf herumlaufen, vieles hiervon ähnlich sagen würden.
Und
die „antikapitalistischen Linken“ meinen dazu:
„Wir
fordern, dass diese Sätze in die „Programmatischen Eckpunkte“ und das
neue Parteiprogramm aufgenommen werden.“
Die
PDS/WASG-Führer bringen es fertig, und machen das auch so.
Dass
dann alle Linken aufgerufen werden, sich dieser PDS/WASG anzuschließen,
sei nur am Rande vermerkt.
Laut
jungeWelt sollte über einen Antrag aus dem Saarland abgestimmt werden, „daß
die AKL »geschlossen zur antikapitalistischen Politik von Oskar
Lafontaine steht“.
Abgestimmt
wurde zwar nicht, aber dem Mitautor der Petersberger Beschlüsse der SPD,
bei denen das Asylrecht abgeschafft wurde und die Maßnahmen der Agenda
2010 vorgedacht wurden, sprach auch keiner unserer wackeren
Antikapitalisten ab, antikapitalistisch zu sein.
Siehe: Über
Heinz Marohn, die KPF (Kommunistische Plattform der PDS), Peter Hartz
und die Ehrenbürger von Berlin, Von Helmut Lucas/26. Frbtuar 2007
mehr
Die Linke bewegen –
Gesellschaft verändern! Abschlusserklärung der bundesweiten
Konferenz der Antikapitalistischen Linken in Erfurt am 10.03.2007, Siehe
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