| Salopp
gesagt, kommt der Unterschied zwischen Kommunisten und
Sozialdemokraten auf Folgendes hinaus: Kommunisten setzen auf
SIEG über das kapitalistische System, Sozialdemokraten jedoch
auf PLATZ in ihm. |
Ein
Leserbrief aus Holland:
Lieber
Genosse Ackermann,
Salopp
gesagt, kommt der Unterschied zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten
auf Folgendes hinaus: Kommunisten setzen auf SIEG über das
kapitalistische System, Sozialdemokraten jedoch auf PLATZ in ihm. Es war
reine Ehrlichkeit, die aus den Worten von Herbert Wehner sprach, als er
Journalisten auf dem Godesberger Parteitag der SPD (13. bis 15. November
1959) die Veränderungen erklärte: „Wir wollen regieren.“ Das ist
das Schicksal aller Renegaten und Revisionisten: wer die Klasse
wechselt, der muss eben besonders fleißig sein.
Am
25. Mai 1972 unterschrieben USA und UdSSR den ABM-Vertrag, in dem es u.a.
hieß, dass beide Seiten fortan alle ihre Differenzen auf dem Wege des
Dialogs „unter Berücksichtigung der Gleichberechtigung beider
Seiten“ thematisieren wollten. Das also war des Pudels Kern, der ganze
Sinn der Entstalinisierung und Erneuerung des ML: sie wollten mit
den USA die Welt regieren – anstatt gegen die USA (und ihre
Juniorpartner) die Welt zu verbessern. Also Rücknahme des Roten
Oktober 1917.
Die
Breschnew-Doktrin von der begrenzten Souveränität der mit der UdSSR
verbündeten Länder beinhaltete denn auch, dass die UdSSR eine eigenständige
Entwicklung ihrer Juniorpartner behinderte, wo es nur ging, und
gegebenenfalls auch Spitzenpolitiker abservieren ließ (wie etwa
Ulbricht durch Honecker in der DDR 1971 – mit den bekannten Folgen
davon).
Dies
bedeutete dann auch, dass die UdSSR etwa die Lieferung von Rohstoffen
als Waffe einsetzte – gegen ihre Juniorpartner. Vor rund 2 Jahren dämmerte
der Redaktion von „offen-siv“: „Wir müssen an die ökonomischen
Grundlagen heran.“ Es gab immerhin einen Artikel über die
Schwierigkeiten, die Breschnew 1981 der DDR bereitete, als er der
DDR weniger und zu höherem Preis Öl lieferte, um stattdessen mit der
BRD ins Gespräch zu kommen.
Aber
„offen-siv“ verfolgte diesen Strang nicht weiter, was sicher damit
zu tun hat, dass man dort der KPdSU niemals Klassenverrat und
Sozialimperialismus vorwerfen will. Diese Art der Wahrheitsfindung
kommt mir als gebürtigem Kölner bekannt vor: „Wasch' mir den Pelz,
aber mach' mich nicht nass!“
Zu
den „Erneuerungen“ der Breschnew-Zeit gehört auch, dass mit den USA
vereinbart wurde, dass keines der beiden Länder sich direkt einmischt
in die angolanischen und mozambikanischen Auseinandersetzungen. Dafür
halfen dann u.a. Israel und die VR China der Unita des Jonas
Sawimbi. Fast hätten sie es geschafft – wäre nicht Kuba in die
Bresche gesprungen.
Auch
ließ Breschnew die afghanischen Fortschrittskräfte um Nur Mohammed
Taraki monatelang hängen, während die USA, Saudi-Arabien, Israel,
Pakistan und die VR China die religiösen Fanatiker mit Geld,
Ausbildern, Waffen und Munition versahen. In dem Buch „Schlachtfeld
Naher und Mittlerer Osten“ von Metin Baraki steht auch darüber
viel Lesenswertes.
Die
VR China unterstützte damals sowohl Idi Amin als auch Pol Pot - und war
sich damit mit dem Westen gegen die UdSSR einig. Unvergessen sollte
sein, wie USA und VR China sich 1978/79 echauffierten mit nahezu
gleichlautenden Verlautbarungen, dabei sowohl Tanzania (beendete Idi
Amins Schreckensregime in Uganda) als auch Vietnam (beendete
Pol Pots Schreckensregime in Kampuchea) verurteilend.
Mit
kommunistischen Grüßen,
Samy
Yildirim (Niederlande)
P.S.:
Der XVIII. Parteitag der KPdSU fand im März 1939 statt, der XIX. im
Oktober 1952. |