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Vorbemerkung des Roten Webmaster

Es ist an der Zeit, dass wir Kommunisten uns kritisch und selbstkritisch an die Aufarbeitung unserer Geschichte machen. Dieses sollten wir selbstbewusst tun, ohne uns von den Lügen der Imperialisten und ihren Zuarbeiter, den modernen Revisionisten, beirren zu lassen.

Wir haben es nicht nötig unser Licht hinter den Scheffel zu stellen, unsere Geschichte ist ein Teil der Geschichte der Klassenkämpfe in der Welt, die wir Kommunisten auf Seiten der Ausgebeuteten und Unterdrückteen maßgebend beeinflusst haben.

Auch die sogenannte Stalin-Frage gehört dazu. Nicht nur die offene imperialistische Propaganda stellt Stalin auf eine Stufe mit Hitler, auch Trotzki macht das. Die Trotzkisten schleudern noch heute den Bannstrahl „Stalinismus“ gegen alles und jeden, der nicht nach der trotzkistischen Pfeife tanzt.

Auch wenn manche Kommunisten meinen, die Zeit um die Stalin-Diskussion zu führen, sei noch nicht reif, so drücken sie sich um eine lange überfällige Diskussion und fragen sie: 50 Jahre nach dem Tod des Mannes, der nach Lenin wie kein anderer für Kommunismus des 20. Jahrhunderts steht, ist es Zeit, dass Kommunisten den imperialistischen Lügen und Fälschungen über Stalin entgegen treten.

Sie meinen, nachdem die UdSSR nicht mehr besteht, die unter der Führung Lenins mit der Oktoberrevolution gegründet wurde und unter Stalins Führung den deutschen Faschismus besiegte und das von den Imperialisten gefürchtete Bollwerk der Weltrevolution wurde, schließlich unter den modernen Revisionisten von Chruschtschow, Breschnew bis Gorbatschow verraten und in den Ruin getrieben wurde, jetzt 50 Jahre nach Stalins Tod späte Rache nehmen zu können.

Sie empfinden den vermeintlichen Sieg über das sozialistische Lager als einen späten Sieg auch über Lenin und Stalin. Wir Kommunisten sollten uns dem entgegen stellen.

Die Rede des britischen Kommunisten Bill Bland von 1991 vor der britischen Stalin-Gesellschaft kann hierzu ein Beitrag sein, das Bild des Genossen Stalin im richtigen Licht erscheinen zu lassen.

Der Rote Webmaster

W.B. Bland

Der ‚Personenkult’, 1934 - 1952

Ein Vortrag, den Bill Bland 1991 vor der (britischen) Stalin-Gesellschaft hielt

 Am 14. Februar 1956, auf dem 20. Parteitag der Partei, griff Nikita Chruschtschow*, der damalige Erste Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Stalin öffentlich, jedoch verdeckt an:

 „Es ist von allergrößter Bedeutung, das leninsche Prinzip der kollektiven Führung wiederherzustellen und es in jeder Beziehung zu stärken. ... Das Zentralkomitee ... verurteilt energisch den Personenkult als eine Erscheinung, die dem Geist des Marxismus-Leninismus fremd ist.“ (N.S. Chruschtschow, Bericht an das Zentralkomitee, 20. Parteitag der KPDSU, Februar 1956, S. 80f.).

 In seiner ‘Geheimrede’ vom 25. Februar an den gleichen Parteitag (die dem US-Außenministerium zugespielt, jedoch nicht in der Sowjetunion veröffentlicht wurde), griff Chruschtschow Stalin direkter an und behauptete, dass

„...der Personenkult hauptsächlich deshalb einen so monströsen Umfang annahm, weil Stalin selbst durch jede erdenkliche Methode die Verherrlichung seinereigenen Person unterstützte.“ (Russisches Institut der Columbia-Universität, Hrsg., ‘Die Anti-Stalin-Kampagne und der internationale Kommunismus’, New York 1956, S. 69).

Viele Zeitzeugen jedoch betonen Stalins Einfachkeit und Bescheidenheit.

Der französische Schriftsteller Henri Barbusse* beschreibt die Einfachheit von Stalins Lebensstil:

 „Man geht in die erste Etage, wo weiße Vorhänge vor drei der Fenster hängen. Diese drei Fenster sind Stalins Wohnung. Auf dem winzigen Flur hängt ein langer Militärmantel an einem Haken unter einer Mütze. Außer diesem Flur gibt esnoch drei Schlafzimmer und ein Esszimmer. Die Schlafzimmer sind so schlicht ausgestattet wie ein respektables Hotel zweiter Klasse. ...Der älteste Sohn Jascha schläft nachts im Esszimmer auf einer Couch, die in ein Bett verwandelt wird; der jüngere schläft in einer winzigen Nische, eine Art Bettverschlag, der sich dort öffnet. ...

 Jeden Monat verdient er 500 Rubel, das magere Höchstgehalt für die hauptamtlichen Parteiarbeiter der Kommunistischen Partei (was auf zwischen 20 bis 25 Pfund englischer Währung hinausläuft), ...Dieser aufrichtige und brilliante Mann ist ... ein einfacher Mann. ... Er beschäftigt nicht zweieindreißig Sekretärinnen wie Herr Lloyd George; er hat nur eine. ...Stalin schreibt jeden Fortschritt systematisch Lenin zu, obwohl es zu einem ganz großen Teil seine eigenen Verdienste sind.“ (H. Barbusse, ‘Stalin, ‘Eine neue Welt aus der Sicht Eines Mannes’, London 1935, SS. VII, VIII, 291, 294).

Es ist wahr: Stalin durfte eine Datscha, ein Landhäuschen benutzen. Aber auch hier lebte er ähnlich schlicht, wie seine Tochter Swetlana berichtet:

 „Genauso verhielt es sich mit der Datscha in Kuntsewo. ... Mein Vater wohnte im Erdgeschoss. Er bewohnte einen Raum und benutzte ihn für alles. Er schlief auf dem Sofa, das nachts zu einem Bett hergerichtet wurde.“ (S. Allilujewa, ‘Briefe an einen Freund’, London 1967, S. 28).

Der albanische Parteiführer Enver Hoxha* beschreibt Stalin als ‘bescheiden’ und ‘rücksichtsvoll’:

 „Stalin war kein Tyrann, kein Despot. Er war ein Mann mit Prinzipien. Er war gerecht, bescheiden und sehr freundlich und rücksichtsvoll Menschen gegenüber, zu den Funktionären und seinen Kollegen.“ (E. Hoxha, ‘Zusammen mit Stalin: Erinnerungen’, Tirana 1979, S. 14f).

Die britischen Fabier Sidney* und Beatrice Webb* weisen in ihrem monumentalen Werk ‘Sowjetkommunismus eine neue Zivilisation’ entschieden die Vorstellung zurück, dass Stalin diktatorische Vollmachten ausübte:

 „Manchmal wird behauptet, dass ... der ganze Staat von dem Willen einer einzigen Person, nämlich von Josef Stalin, regiert wird.Zunächst einmal muss darauf hingewiesen werden, dass Stalin, im Unterschied zu Mussolini, Hitler und anderen modernen Diktatoren, nicht per Gesetz mit irgendwelchen Vollmachten über seine Mitbürger ausgestattet ist. Er besitzt noch nicht einmal die weitgehenden Befugnisse, die ... die amerikanische Verfassung über vier Jahre einem jeden Präsidenten anvertraut. ... Stalin ist nicht und war nie ... Präsident der UdSSR. ... Er ist noch nicht einmal ein Volkskommissar oder ein Kabinettsmitglied. ... Er ist ... der Generalsekretär der Partei. ...Wir nehmen nicht an, dass die Partei von dem Willen einer Einzelperson regiert wird oder dass Stalin jemand ist, der eine solche Stellung beansprucht oder wünscht. Er hat selbst sehr deutlich jede Art einer solchen persönlichen Diktatur in Worten zurückgewiesen, was ... durchaus mit unserer Wahrnehmung der Tatsachen übereinstimmt.Die Kommunistische Partei der UdSSR hat dasjenige Modell für ihre eigene Organisation angenommen, welches wir beschrieben haben. ...In diesem Modell hat die Einzeldiktatur keinen Platz. Einzelentscheidungen werden misstrauisch beäugt und tunlichst vermieden. Um Fehler zu vermeiden, die auf Vorurteilen, Verärgerung, Eifersucht, Eitelkeit und anderen Übellaunigkeiten beruhen ... , ist es wünschenswert, dass der Einzelwille stets durch die Notwendigkeit der Erlangung der Zustimmung von Kollegen auf gleicher Stufenleiter, die die Angelegenheit offen diskutiert haben und die die gemeinsame Verantwortung für den Beschluss übernehmen müssen, kontrolliert wird. ...Stalin ... hat ... des Öfteren betont, dass er nicht mehr tut als die Beschlüsse des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei auszuführen. ...

Die einfache Wahrheit ist die, dass wenn man die Regierung der UdSSR unter der behaupteten Diktatur Stalins über den Zeitraum der vergangenen zehn Jahre genau betrachtet, die wichtigsten Entscheidungen weder die Schnelligkeit noch die Rechtzeitigkeit, noch auch die nichts fürchtende Hartnäckigkeit, die oft als Vorteile einer Diktutur herausgestellt werden, aufwiesen. Im Gegenteil: Die Beschlüsse der Partei sind häufig nach so langem Überlegen gefasst worden und als Ergebnis von Diskussionen, die manchmal so hitzig und so erbittert geführt urden, dass ihre Formulierung Anzeichen des Zögerns und der Unsicherheit aufwiesen. ... Diese politischen Entscheidungen trugen ... das Schandmal der Ausschusskontrolle.“ (S. & B. Webb, ‘Sowjetkommunismus eine neue Zivilisation’, London 19?, SS. 431ff., 435).

Vielleicht kann man Barbusse, Hoxha und die Webbs als voreingenommene Zeitzeugen betrachten. Jedoch sogar Beobachter, die Stalin gegenüber eine sehr kritische Haltungan den Tag legen, stimmen mit den Aussagen der Erwähnten überein.

Der amerikanische Diplomat Joseph Davies* spricht von Stalins einfacher, freundlicher Wesensart:

 „Ich erschreckte mich, als die Tür ... aufging und Mr. Stalin ganz allein in den Raum kam. ... Sein Benehmen ist freundlich, seine Art fast erniedrigend einfach. ...

 Er begrüßte mich herzlich mit einem Lächeln und großer Einfachheit, aber auch mit echter Würde. ... Seine braunen Augen sind außergewöhnlich freundlich und liebenswürdig. Ein Kind würde gerne auf seinem Schoß sitzen und ein Hund würde sich gerne an ihn heranschlängeln.“ (J. E. Davies, ‘Mission in Moskau’, London 1940, SS. 222, 230).

Isaac Don Levine* schreibt in seiner kritischen Stalinbiografie:

„Stalin ist nicht auf Ehrenbezeugungen erpicht. Er verachtet Pomp. Er verabscheut öffentliche Zurschaustellungen. Er könnte sämtliche Titularinsignien eines großen Staates an der Brust haben. Aber er zieht den Hintergrund vor.“ (I. D. Levine, ‘Stalin eine Biografie’, London 1931, S. 248f.).

Ein anderer Kritiker, nämlich Louis Fischer*, berichtet von Stalins Fähigkeit zuzuhören:

 „Stalin ... inspiriert die Partei mit seiner Willenskraft und Ruhe. Leute, diemit ihm zu tun haben, bewundern seine Fähigkeit zuzuhören und sein Geschick, Vorschläge und Entwürfe von hoch intelligenten Untergebenen zu verbessern.“ (L. Fischer, Artikel in ‘The Nation’, Band 137, 9. August 1933, S. 154).

Eugene Lyons* beschreibt Stalins einfache Lebensweise in seiner Biografie ‘Stalin: Zar aller Russen’:

 „Stalin wohnt in einem bescheidenen Apartment aus drei Räumen. In seinem alltäglichen Leben bleibt sein Geschmack einfach, fast bis zur Rohheit. ... Selbst jene, die ihn mit einem verzweifelten Hass überzogen und ihm sadistische Grausamkeiten vorwarfen, warfen ihm nie Exzesse in seinem privatenLeben vor. ...

 Jene, die ‘Erfolg’ an Millionen von Dollar, Jachten und Mätressen messen, haben Schwierigkeiten zu verstehen, wie man Macht bei Enthaltsamkeit genießen kann. ...

 In seinem Äußeren oder Auftreten gab es nichts, das im Entferntesten einem Ungeheuer ähnelte, war nichts Gespieltes. Ein angenehmer, ernster, alternder Mann der offensichtlich dem ersten Ausländer, den er seit Jahrenzu sich ließ, mit Freundlichkeit begegnen wollte. ‘Er ist ein durch und durch liebenswürdiger Mensch’, erinnere ich mich, zu mir gesagt zu haben, als wir da saßen und dachte es mit Verwunderung.“ (E. Lyons, ‘Stalin: Zar aller Russen’, Philadelphia 1940, SS. 196, 200).

Lyons fragte Stalin: ‘Sind Sie ein Diktator?’

 „Stalin lächelte, womit er zu verstehen gab, dass die Frage absurd war.

 ‘Nein’, sagte er langsam, ‘ich bin kein Diktator. Jene, die das Wort gebrauchen, verstehen das sowjetische Regierungssystem nicht und auch nicht die Methoden der Kommunistischen Partei. Nicht eine Person oder Gruppe von Personen kann diktieren. Beschlüsse werden von der Partei gefasst und durch ihre Organe ausgeführt durch das Zentralkomitee und das Politbüro’.“ (E. Lyons, ebenda, S. 203).

Der finnische Revisionist Arvo Tuominen* Stalin äußerst feindlich gesonnen geht in seinem Buch ‘Die Glocken des Kreml’ auf Stalins bescheidene Zurückhaltung ein:

 „In seinen Reden und Schriften zog sich Stalin stets in den Hintergrund zurück und sprach nur vom Kommunismus, der Sowjetmacht und der Partei und betonte, dass er in Wahrheit der Vertreter einer Idee sei und der Organisation, nicht mehr. ...

 Ich habe nie irgendwelche Anzeichen von Großspurigkeit bei Stalin festgestellt.“ (A. Tuominen, ‘Die Glocken des Kreml’, Hanover New Hampshire/USA, 1983, SS. 155, 163).

... und er brachte seine Verwunderung über den Kontrast zwischen dem wirklichen Stalin und dem Propagandabild, das über ihn verbreitet wurde, zum Ausdruck:

 „Während meiner vielen Jahre in Moskau habe ich mich immer über den Kontrast zwischen dem Menschen und dem riesenhaften Portrait, das von ihm gemacht wurde, gewundert. Dieser mittelgroße, etwas pockennarbige Kaukasier mit dem Schnäuzer war so weit, wie man es sich nur vorstellen kann, von demStereotyp eines Diktators entfernt. Aber gleichzeitig pries die Propaganda laut-hals seine übernatürlichen Fähigkeiten an.“ (A. Tuominen, ebenda, S. 155).

Der sowjetische Marschall Georgi Schukow* erwähnt Stalins ‘Mangel an Affektiertheit’:

 „Frei von Affektiertheit und Gehabe gewann er (Stalin Verf.) die Sympathie eines jeden, mit dem er sich unterhielt.“ (G. K. Schukow, ‘Die Memoiren von Marschall Schukow’, London 1971, S. 283).

Selbst Stalins Tochter Swetlana Allilujewa*, die naiv genug war, so ziemlich jede Verleumdung, die über ihren Vater in Umlauf gebracht wurde, für wahr zu halten, weist den Vorwurf zurück, dass er selbst den ‘Kult’ seiner Person aufbaute. Sie beschreibt eineBahnfahrt mit Stalin im Jahre 1948 von der Krim nach Moskau:

 „Als wir an den verschiedenen Stationen angehalten waren, gingen wir amBahnsteig spazieren. Mein Vater ging bis zur Lokomotive und grüßte die Bahnarbeiter als er wieder umkehrte. Man konnte nicht einen einzigen Passagier sehen. Es war ein Sonderzug und niemand durfte auf den Bahnsteig. ...

Wer hat sich bloß so etwas ausgedacht? Wer hat all diese Raffinessen ausgeheckt? Nicht er. Eswar das ganze System, dessen Gefangener er selbst war und in dem er unter der Einsamkeit, der Leere und dem Mangel an Geselligkeit litt. ...Wenn ich heutzutage irgendwo lese oder höre, dass mein Vater sich praktisch für einen Gott hielt, dann wundert es mich, dass Leute, die ihn gut kannten, auch nur so etwas sagen können. ...

 Er hat sich nie für einen Gott gehalten.“ (S. Allilujewa, ‘Briefe an einen Freund’, London 1968, S. 202f., S. 213).

Sie beschreibt die Trauer der Bediensteten auf der Datscha als Stalin starb:

 „Diese Männer und Frauen, die Bedienstete meines Vaters waren, liebten ihn. In kleinen Sachen war es leicht ihn zufriedenzustellen. Im Gegenteil: Er war höflich, anspruchslos und direkt jenen gegenüber, die ihn bedienten. ... Männer, Frauen sie alle fingen immer wieder zu weinen an. ...

Niemand täuschte Treue oder Kummer vor. Alle hatten sich jahrelang gekannt. ...

 Niemand in diesem Raum betrachtete ihn als einen Gott oder als einen Übermenschen, als Genie oder Dämon. Sie liebten und achteten ihn wegen der einfachsten menschlichen Qualitäten Qualitäten, die Bedienstete am besten beurteilen können.“ (S. Allilujewa, ebenda, SS. 20, 22).

Darüberhinaus beweisen die Fakten, dass Stalin bei verschiedenen Gelegenheiten den ‘Personenkult’ selbst verurteilte und ins Lächerliche zog und ihn als im Widerspruch zum Marxismus-Leninismus stehend bezeichnete. Zum Beispiel:

Juni 1926:

 „Ich muss ganz ehrlich sagen, Genossen, dass ich noch nicht einmal die Hälfte der schmeichelhaften Dinge verdiene, die über mich gesagt wurden. Ich bin, so scheint es, ein Held der Oktoberrevolution, der Führer der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, der Führer der Kommunistischen Internationale, ein legendärer Kriegsritter und was sonst noch alles. Dies ist absurd, Genossen, und eine völlig unnötige Übertreibung. Es ist das, was gewöhnlich am Grab eines verstorbenen Revolutionärs gesagt wird. Aber ich habe noch nicht die Absicht zu sterben. ...

 In Wirklichkeit war ich einer der Schüler der fortschrittlichen Arbeiter der Tifliser Eisenbahnwerke, und ich bin es immer noch.“ (J. W. Stalin, ‘Werke’, Band 8, Moskau 1954, S. 182).

Oktober 1927:

 „Und was ist Stalin? Stalin ist nur eine unwichtige Person.“ (J. W. Stalin, ‘Werke’, Band 10, Moskau 1954, S. 177).

Dezember 1927:

 „Eure Glückwünsche und Grüße sind eine Anerkennung für die große Partei der Arbeiterklasse, die mich geboren und die mich nach ihrem eigenen Bild und Ebenbild aufgezogen hat. Und gerade weil sie zur Ehre unserer glorreichen leninschen Partei gereichen, nehme ich mir die Freiheit und biete Euch meinen bolschewistischen Dank an.“ (J. W. Stalin, ‘Werke’, Band 12, Moskau 1955, S. 146).

April 1930:

 „Es gibt einige, die sind der Ansicht, dass der Artikel ‘Schwindlig vor Erfolg’ auf Stalins persönliche Intitiative zurückging. Das ist natürlich Unsinn. Es ist nicht in Ordnung, dass persönliche Initiativen von irgendjemanden, gleich wer er sein mag, in Anspruch genommen werden, denn es sind die des Zentralkomitees.“ (J. W. Stalin, ‘Werke’, ebenda, S. 218).

August 1930:

 „Sie sprechen von Ihrer ‘Ergebenheit’ mir gegenüber. ... Ich würde Ihnen raten, das ‘Prinzip’ der Ergebenheit Personen gegenüber fallenzulassen. Das ist keine bolschewistische Art. Seien Sie der Arbeiterklasse, ihrer Partei, ihrem Staat gegenüber ergeben. Das ist eine schöne und nützliche Sache. Aber verwechseln Sie das nicht mit der Ergebenheit gegenüber Personen, diesem eitlen und unnützen Tand charakterschwacher Interlektueller.“ (J. W. Stalin, ‘Werke’, Band 13, Moskau 1955, S. 20).

Dezember 1931:

 „Was mich betrifft, so bin ich einfach ein Schüler Lenins und das Ziel meines Lebens ist es, ein würdiger Schüler von ihm zu sein. ... Der Marxismus verneint nicht im Geringsten die Rolle, die hervorragende Personen gespielt haben oder dass die Geschichte von Menschen gemacht wird. Aber ... großartige Menschen sind überhaupt nur insoweit irgendetwas wert, als dass sie in der Lage sind, diese Bedingungen richtig zu verstehen, zu verstehen, wie sie geändert werden können. Wenn es ihnen nicht gelingt, diese Bedingungen zu verstehen und sie sie aufgrund der Eingebung ihrer Fantasie verändern wollen, werden sie sich in der Lage Don Quixotes wiederfinden. ...

 Einzelne Personen sind nicht in der Lage zu entscheiden. Die Entscheidungen von Einzelpersonen sind immer oder fast immer einseitige Entscheidungen. ...

In jedem Kollektiv gibt es Leute, mit deren Meinung man rechnen muss. Aus der Erfahrungen von drei Revolutionen wissen wir, dass von 100 Beschlüssen, die von Einzelpersonen gefasst wurden, ohne dass sie im Kollektiv überprüft und berichtigt wurden, ungefähr 90 einseitig sind. ...

 Nie und unter keinen Umständen würden unsere Arbeiter jetzt noch die Macht in den Händen einer einzelnen Person tolerieren. Bei uns sind die hochgestellten Personen mit der größten Autorität auf ein Nichts zusammengeschrumpft, sie werden zu bloßen Nullen, sobald die Massen der Arbeiter kein Vertrauen mehr in sie setzen.“ (J. W. Stalin, ebenda, SS. 107f., 109, 113).

Februar 1933:

 „Ich habe Euren Brief erhalten, in dem es heißt, dass ich von Euch einen zweiten Orden als Anerkennung für meine Arbeit bekommen soll. Ich danke Euch sehr für Eure herzlichen Worte und das kameradschaftliche Geschenk. Ich weiß, was Ihr für mich weggebt und schätze Eure Gefühle. Trotzdem kann ich Euren zweiten Orden nicht annehmen. Ich kann und darf ihn nicht annehmen, nicht nur, weil er nur Euch zusteht, da Ihr ihn allein verdient habt,sondern auch, weil ich reichlich belohnt worden bin durch die Achtung und den Respekt von Genossen und deshalb kein Recht habe, Euch zu berauben.

 Orden wurden nicht für jene erfunden, die schon sehr bekannt sind, sondern in der Hauptsache für heroische Menschen, die wenig bekannt sind und die allen bekannt gemacht werden müssen.Nebenbei muss ich Euch sagen, dass ich schon zwei Orden habe. Das ist mehrals man braucht, glaubt mir.“ (J. W. Stalin, ebenda, S. 241).

Mai 1933:

 „Robins: ‘Ich betrachte es als große Ehre, die Gelegenheit zu haben, Ihnen einen Besuch abstatten zu dürfen.’

Stalin: ‘Das ist nichts Besonderes. Sie übertreiben.’Robins: ‘Was für mich am interessantesten ist, ist, dass ich überall in Russland die Namen Lenin-Stalin, Lenin-Stalin, Lenin-Stalin zusammen vorfand.’

 Stalin: ‘Auch das ist eine Übertreibung. Wie kann ich mit Lenin verglichen werden?’ (J. W. Stalin, ebenda, S. 267).

Februar 1938:

 „Ich bin absolut gegen die Veröffentlichung von ‘Geschichten aus der KindheitStalins’.

 Das Buch wimmelt von einer Masse von ungenauen Fakten, von Veränderungen, von Übertreibungen und unverdientem Lob. ...

 Aber ... die wichtige Sache besteht in der Tatsache, dass das Buch die Tendenz hat, den sowjetischen Kindern (und den Menschen überhaupt) den Personenkult von Führern, von unfehlbaren Helden einzuimpfen. Das ist gefährlich und schädlich. Die Theorie von ‘Helden’ und der ‘Masse’ ist nicht eine bolschewistische, sondern eine sozialrevolutionäre (anarchistische Verf.) Theorie. ...

 Ich schlage vor, das Buch zu verbrennen.“ (J. W. Stalin, ebenda, S. 327).

Der um Stalin herum aufgebaute ‘Personenkult’ widersprach somit dem Marxismus-Leninismus und seine Praktizierung widersprach Stalins ausdrücklichen Wünschen.

Daraus ergibt sich eine wichtige Frage:

Als ich auf einem vorangegangenen Treffen der Stalin-Gesellschaft die Ansicht vertrat,dass sich die Marxisten-Leninisten ab Ende der zwanziger Jahre in der sowjetischen Führ-ung in der Minderheit befanden, kam von einigen Mitgliedern unüberhörbarer Widerspruch.

Wir haben jedoch gesehen, dass, obwohl Stalin dem ‘Personenkult’ starken Widerstand entgegensetzte, er dennoch weiterging.

Daraus folgt zwingend, dass

1) Stalin entweder nicht in der Lage war, ihn zu stoppen oder

2) dass er ihn nicht beenden wollte und deswegen als ein kleinbürgerlicher, verlogener, unmarxistisch-leninistischer Heuchler angesehen werden muss.

Die Urheber des ‘Personenkults’

Wenn aber der ‘Personenkult’ um Stalin nicht von Stalin, sondern gegen seinen Willen aufgebaut wurde, von wem wurde er dann aufgebaut?

Die Fakten beweisen, dass die glühensten Verfechter des Personenkults um Stalin Resionisten und heimliche Revisionisten wie Karl Rakek*, Nikita Chruschtschow und Anastas Mikoyan* waren.

Roy Medwedew* weist darauf hin, dass

 „die erste Ausgabe der ‘Prawda’ im Jahr 1934 einen riesigen, zweiseitigen Arttikel von Karl Radek brachte, in dem dieser Stalin mit orgiastischem Lob überhäufte. Der ehemalige Trotzkist, der die Opposition gegen Stalin viele Jahre lang geführt hatte, nannte ihn jetzt ‘Lenins besten Schüler’, ‘das Vorbild der leninschen Partei’, ‘Fleisch von seinem Fleische’, ‘Blut von seinem Blute’ ...Er ist ‘so weitsichtig wie Lenin’ usw. usf. Dies scheint der erste längere Presseartikel gewesen zu sein, der speziell der Lobhudelei für Stalin gewidmet war und er wurde sofort als Broschüre in einer Auflage von 225.000 Exemplaren nachgedruckt für die damalige Zeit eine enorme Anzahl.“ (R. A. Medwedew, ‘Lasst die Geschichte urteilen: Die Ursprünge und Folgen des Stalinismus’, London 1972, S. 148).

Auf seinem öffentlichen Prozess im Januar 1937 erklärte sich Radek des Terrorismus und des Landesverrates für schuldig:

 „Wyschinski: ‘Was hat Mrachowski* geantwortet?’

 Radek: ‘Er antwortete recht deutlich, dass der Kampf in die terroristische Phase eingetreten sei. ...

 Im April 1933 fragte mich Mrachowski, ob ich ihm irgendeinen Trotzkisten in Leningrad nennen könnte, der den Aufbau einer terroristischen Gruppe übernehmmen würde.’

 Wyschinski:’ Gegen wen?’

 Radek: ‘Gegen Kirow* natürlich. ...’.

 Wyschinski: ‘Im Jahre 1934-35 war Ihre Position die der organisierten, systematischen Ausführung terroristischer Anschläge?’

 Radek: ‘Ja. ...’.

 Wir mussten die soziale Struktur der UdSSR mit der der siegreichen faschistischen Staaten ... in Übereinstimmung bringen. ..ein anderer Ausdruck für die Restauration des Kapitalismus. ...

 Für uns war klar, dass dies Faschismus bedeutete ...Dienst am ausländischen Finanzkapital. ...

 Es war vorgesehen, die Ukraine an Deutschland und die Küstengebiete (im Osten Übers.) sowie die Amur-Region an Japan abzutreten.“ (Prozessbericht über die Strafsache des antisowjetischen trotzkistischen Zentrums, Moskau 1937, SS. 88, 90, 103, 115).

Es war Chruschtschow, der den Begriff ‘woschd’ ( was dem deutschen Wort ‘Führer’ entspricht) einführte. Auf der Moskauer Parteikonferenz im Januar 1932 beendete Chruschtschow seine Rede mit den Worten:

 „Die Moskauer Bolschewiki, die sich um das leninsche Zentralkomitee und um den ‘woschd’ unserer Partei, den Genossen Stalin, fest wie nie zuvor zusammengeschlossen haben, marschieren freudig und selbstbewusst neuen Siegen in den Schlachten für den Sozialismus, für die proletarische Weltrevolution entgegen.“ (‘Rabotschaja Maskwa’, 26. Januar 1932, zitiert nach: L. Pistrak, ‘Der große Taktiker: Chruschtschows Aufstieg zur Macht’, London 1961, S. 159).

Auf dem 17. Parteitag im Januar 1934 war es Chruschtschow und Chruschtschow allein, der Stalin einen „genialen ‘Führer’ „ (XVII. sjesd Wsjesajusnoi Kammunistitscheskoi Partij, B, S. 145, zitiert nach: L. Pistrak, ebenda, S. 160).nannte.

Im August 1936 sagte Chruschtschow in seiner Eigenschaft als Moskauer Parteisekretär während des Hochverratsprozesses gegen Lew Kamenew* und Grigori Sinowjew* Folgendes:

 „Elende Zwerge! Sie erhoben ihre Hände gegen den größten aller Männer, ... unseren weisen ‘Führer’, Genossen Stalin! ...Du, großer Genosse Stalin, hast das große Banner des Marxismus-Leninismus hoch über die gesamte Welt erhoben und es vorangetragen. Wir versichern Dir, dass die Moskauer Bolschewistische Organisation die loyale Stütze des stalinschen Zentralkomitees die stalinsche Wachsamkeit noch verstärken, die trotzkistisch-sinowjeschen Reste ausmerzen und die Reihen der Partei und der parteilosen Bolschewiki noch fester um das stalinsche Zentralkomitee und den großen Stalin zusammenschließen wird.“ (‘Prawda’, 23. August 1936, zitiert nach L. Pistrak, ebenda, S. 162).

Auf dem Allunionskongress der Sowjets im November 1936 war es wiederum Chruschtschow, der den Vorschlag machte, dass die neue sowjetische Verfassung, die dem Kongress zur Abstimmung vorlag, ‘Stalinistische Verfassung’ genannte werden sollte, weil

 „ ... sie von Anfang bis Ende vom Genossen Stalin selbst verfasst wurde.“ (‘Prawda’, 30. November 1936, zitiert nach L. Pistrak, ebenda, S. 161).

Es muss darauf hingewiesen werden, dass Wjatscheslaw Molotow, der damalige Ministerpräsident, und Andrej Schdanow, damals Parteisekretär von Leningrad, nicht erwähnten, dass Stalin in irgendeiner besonderen Weise an der Ausarbeitung der Verfassung beteiligt gewesen war.

In der gleichen Rede prägte Chruschtschow den Begriff ‘Stalinismus’:

 „Unsere Verfassung ist der Marxismus-Leninismus-Stalinismus, der ein Sechstel der Erde erobert hat.“ (Ebenda).

Chruschtschows Rede in Moskau zur Zeit der Hochverratsprozesse für Grigori Pjatakow* und Karl Radek im Januar 1937 vor einer Menge von 200.000 Menschen war von ähnlicher Tonart:

 „Indem sie gegen den Genossen Stalin die Hand erhoben, erhoben sie sie gegen all das Beste, das die Menschheit besitzt. Denn Stalin ist Hoffnung, er ist Erwartung, er ist der Leuchtstrahl, der die gesamte fortschrittliche Menschheit lenkt. Stalin ist unser Banner! Stalin ist unser Wille! Stalin ist unser Sieg!“ (‘Prawda’, 31. Januar 1937, zitiert nach L. Pistrak, ebenda, S. 162).

Im März 1939 wurde Stalin von Chruschtschow als

 „ ...unser großes Genie, unser geliebter Stalin“ (‘Wisti VTsVK’, 3. März 1939, zitiert nach L. Pistrak, ebenda, S. 164).

bezeichnet. Auf dem 18. Parteitag im März 1939 nannte er ihn„ ...das größte Genie der Menschheit, Lehrer und ‘Führer’, der uns dem Kommunismus entgegenführt, unser alleiniger Stalin.“ (XVIII sjesd Wsjesajusnoi Kammunistitscheskoi Partij, B., S. 174, zitiert nachL. Pistrak, ebenda, S. 164).

... und im Mai 1945 bezeichnete er ihn als

„ ... großen Marschall des Sieges.“ (‘Prawda Ukrainu’, 13. Mai 1945, zitiert nach L. Pistrak, ebenda, S. 164).

Anlässlich der Feier zu Stalins fünfzigstem Geburtstag im Dezember 1929 verband Anastas Mikojan seine Glückwünsche mit der Aufforderung,

 „ ... dass wir, indem wir den berechtigten Interessen der Massen nachkommen, endlich damit beginnen, an seiner Biografie zu arbeiten und sie der Partei und allen arbeitenden Menschen unseres Landes zur Verfügung stellen.“ (‘Iswestija’, 21. Dezember 1929, zitiert nach L. Pistrak, ebenda, S. 164).

Zehn Jahre später, im Dezember 1939, drängte Mikojan immer noch, diesmal aus Anlassdes sechzigsten Geburtstag Stalins, auf die Erstellung einer

 „ ... wissenschaftlichen Biografie“ (‘Prawda’, 21. Dezember 1939, zitiert nach L. Pistrak, ebenda, S. 158).Stalins.

Die Biografie wurde schließlich im Jahre 1947 veröffentlicht. Sie war von

 „ ... G. F. Alexandrow, M. R. Galaktjonow, W. S. Krudschkow, M. B. Mitin, W. D. Mochalow und P. N. Pospelow“ (‘Joseph Stalin, eine kurze Biografie’, Moskau 1947).

 zusammengestellt worden.

In seiner ‘Geheimrede’ an den 20. Parteitag der KPdSU 1956 jedoch schrieb Chruschtschow Stalin selbst die Urheberschaft an dem Buch zu und bezog sich dabei auf den ‘Personenkult’, den er und seine Kollegen um Stalin aufgebaut hatten:

„Eines der bezeichnendsten Beispiele für Stalins Selbstverherrlichung und für seinen Mangel an auch nur der elementarsten Bescheidenheit ist die Herausgabe seiner ‘Kurzbiografie’. ...Dieses Buch ist ein Beispiel zügellosester Selbstbeweihräucherung.“ (Russisches Institut der Columbia Universität, Hrsg., ebenda, S. 69).

Die Gründe für den Aufbau des ‘Personenkults’

Natürlich bewunderten viele Sowjetbürger Stalin und brachten diese Bewunderung zum Ausdruck. Aber ganz offensichtlich wurde dieser ‘Personenkult’ um Stalin in erster Linie von heimlichen Revisionisten entgegen Stalins Wunsch aufgebaut, um

erstens die Tatsache zu vertuschen, dass die Partei und die Kommunistische Internationale von heimlichen Revisionisten beherrscht wurden und um die falsche Vorstellung zu verbreiten, dass diese unter Stalins persönlicher Kontrolle standen, um so in der Lage zu sein, Stalin später für Verletzungen der sozialistischen Gesetzlichkeit sowie für Abweichungen von marxistisch-leninistischen Prinzipien, die sie selbst begingen, verantwortlich zumachen; und um

zweitens einen Vorwand zu liefern, um Stalin zu einem späteren Zeitpunkt (unter dem Deckmantel, ein Programm der ‘Demokratisierung’ durchzuführen, welches tatsächlich ein Programm zur Demontage des Sozialismus darstellte) anzugreifen.

Dass Stalin selbst sich der Tatsache bewusst war, dass heimliche Revisionisten die treibende Kraft hinter dem ‘Personenkult’ waren, wurde von dem finnischen Revisionisten Tuominen 1935 berichtet, der beschreibt, wie Stalin, als er darüber informiert wurde, dass Büsten von ihm in Moskaus Kunstgallerie Nummer eins, der Tretjakow-Gallerie, an herausragenden Stellen aufgestellt worden waren, ausrief: „Das ist nichts als Sabotage!“ (A. Tuominen, ebenda, S. 164).

Der deutsche Schriftsteller Lion Feuchtwanger* bestätigte 1936, dass Stalin den Verdacht hegte, dass der ‘Personenkult’ von ‘Saboteuren’ mit dem Ziel, ihn zu diskreditieren, genährt werde:

 „Es ist Stalin ganz offensichtlich lästig, vergöttert zu werden so wie dies der Fall ist und von Zeit zu Zeit macht er sich darüber lustig. ...Von allen Männern, die ich kenne und die Macht besitzen, ist Stalin der anspruchs-

loseste. Ich sprach ganz offen mit ihm über den vulgären und exzessiven Kult, der über ihn betrieben wird und er antwortete gleichermaßen offen. ...

Er ist der Meinung, dass es möglich sei, dass ‘Saboteure’ dahinter stehen, um ihn zu diskreditieren.“ (L. Feuchtwanger, ‘Moskau 1937’, London 1937, S. 93ff.).

Zusammengefasst ergibt sich, dass der Angriff vonseiten der Revisionisten auf den ‘Persoenkult’ (auf dem 20. Parteitag der KPdSU 1956 Übers.) in der Sowjetunion nicht nur ein Angriff auf Stalin persönlich war, als führender Marxist-Leninist, als Verteidiger des Sozialismus, sondern das erste Stadium eines Angriffs auf den Marxismus-Leninismus und auf das sozialistische System in der Sowjetunion.

Vielleicht besteht der beste Kommentar darauf in dem sarkastischen Trinkspruch, von demder finnische Revisionist Tuominen berichtet, den Stalin auf einer Neujahrsfeier 1935 aus-gab, als er sagte:

 „Genossen! Ich möchte einen Trinkspruch ausgeben auf unseren Patriarchen,auf das Leben und die Sonne, den Befreier der Nationen, den Architekt des Sozialismus (er ratterte dann alle Bezeichnungen herunter, die in jenen Tagen auf ihn angewendet wurden), auf Josef Wissarionowitsch Stalin, und ich hoffe, dass dies die erste und die letzte Rede auf jenes Genie an diesem Abend gewesen ist.“ (A. Tuominen, ebenda, S. 162).

Personenverzeichnis

Allilujewa, Swetlana, Stalins Tochter, 1926 .

Barbusse, Henry, französischer Schriftsteller, 1873 - 1935.

Chruschtschow, Nikita S., revisionistischer sowjetischer Politiker, 1894 - 1971, Erster Sekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, 1953 1964, Ministerpräsident der Sowjetunion, 1958 1964.

Davies, Joseph, US-Jurist und Diplomat, 1876 1958, Vorsitzender (1915 1916) und stellvertretender (1916 1918) Vorsitzender der Handelskommission der US-Bundesregierung; Botschafter in Moskau, 1936 1938; 1938 1939 nach Belgien.

Don Levine, Isaac, russischstämmiger US-Journalist, 1892 1981.

Feuchtwanger, Lion, deutscher Schriftsteller, 1884 1958.

Fischer, Louis, US-amerikanischer Schriftsteller, 1896 1970.

Hoxha, Enver, marxistisch-leninistischer albanischer Politiker, 1908 1985, Führer der Kommunistischen Partei Albaniens (später Partei der Arbeit Albaniens), 1941 1985, Ministerpräsident, 1944 1954; Außenminister, 1946 1954.

Kamenew, Lew B., trotzkistischer sowjetischer Politiker, 1883 1936, Geständnis des Hochverrats auf seinem öffentlichen Prozess, 1936, zum Tode verurteilt und hingerichtet, 1936.

Kirow, Sergej, marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1886 1934, Sekretär der KPdSU in Aserbaidschan 1921 1936, in Leningrad 1926 1934, Mitglied des Politbüros, 1930 1934, von Terroristen 1934 ermordet.

Medwedjew, Roy, revisionistischer sowjetischer Historiker, 1925 .

Mikojan, Anastas, revisionistischer sowjetischer Politiker, 1895 1978, Politbüromitglied 1935 1978, Volkskommissar für Handel 1926 1931, für Versorgung 1931 1934, für die Nahrungsmittelindustrie 1934 1938, für Außenhandel 1938 1949, Stellvertretender Ministerpräsident 1946 1964, Präsident 1964 1965.

Molotow, Wjatscheslaw, marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1890 - 1986, Mitglied des Politbüros 1926 1953, Ministerpräsident1930 1941, Stellvertretender Ministerpräsident, 1941 1957, Außenminister 1939 1949, Botschafter in der Mongolei 1957 - 1960.

Mrachowski, Sergej, trotzkistischer sowjetischer Politiker, 1883 1936, Geständnis des Terrorismus und des Hochverrats auf seinem öffentlichen Prozess im August 1936, zum Tode verurteilt.

Pjatakow, Grigori, trotzkistischer sowjetischer Politiker, 1890 1937, Stellvertretender Volkskommissar für die Schwerindustrie 1931 1937, Geständnis des Hochverrats auf seinem öffentlichen Prozess 1937, zum Tode verurteilt und hingerichtet, 1937.

Radek, Karl, revisionistischer sowjetischer Politiker, 1885 1939, Geständnis des Terrorismus und des Hochverrats auf seinem öffentlichen Prozess 1937, von Mitinhaftierten 1939 ermordet.

Schdanow, Andrej, marxistisch-leninistischer sowjetischer Politiker, 1896 1948, Mitglied des Politbüros 1935 1948.

Schukow, Georgi, sowjetischer Militäroffizier, 1896 - 1974, Generalstabschef 1941, Marschall 1943, Verteidigungsminister 1955 - 1957.

Sinowjew, Grigori, trotzkistischer sowjetischer Politiker, 1883 - 1936, Präsident der Kommunistischen Internationale 1919 - 1926, Geständnis des Hochverrats auf seinem öffentlichen Prozess 1936, zum Tode verurteilt und hingerichtet, 1936.

Tuominen, Arvo, revisionistischer finnischer Politiker, 1894 - 1981.

Webb, Beatrice, britische Volkswirtin und Soziologin, 1858 - 1943.

Webb, Sidney, britischer Volkswirt, 1859 - 1947.

 

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