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Die
Partei „Die Linke“ und die Systemfrage
oder
Die
historische Versöhnung durch Herrn Lafontaine vom Mörder und dessen
Mordopfer
Von
Günter Ackermann/21. Juni 2007
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Der
Mörder

Gustav
Noske |
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Die
Mordopfer |
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| Karl
Liebknecht |
Rosa
Luxemburg |
Oskar
Lafontain rief, unter
dem stürmischen Jubel der Delegierten des Gründungsparteitags der Partei
„Die Linke“:
„Wir
glauben, dass die Kriege in dieser Welt auch die Systemfrage aufwerfen.
Deshalb beschwöre ich ganz bewusst, nach Rosa, Karl Liebknecht und Willy
Brandt hier den großen französischen Sozialisten Jean Jaurès, der am
Vorabend des ersten Weltkrieges ermordet wurde, weil er leidenschaftlich für
den Frieden eintrat…“
Rosa
Luxemburg, Karl Liebknecht und Willy Brandt? Wer war dieser Willy Brandt? Kanzler
der BRD, Erfinder der neuen Ostpolitik und der Berufsverbote, auch Friedensnobelpreisträger
(das war auch ein Henry Kissinger, der den blutigen Putsch gegen Präsident
Alende in Chile plante und inszenierte),
Willy
Brandt war zunächst mal ein rechter Sozialdemokrat und Antikommunist. Die
damals „neue Ostpolitik“ für die er den Friedensnobelpreis bekam,
war:
Nicht
mit Drohungen bekommen wir die Russen kirre, sondern durch „Wandel durch
Annäherung“. Wohlgemerkt: Wandel! Aber nicht, wie man der Welt damals
glauben machen wollte, um das Leben der unter der kommunistischen
Herrschaft angeblich schmachtenden Menschen zu verbessern. Sondern der Wandel von
den sozialistischen Errungenschaften zum Kapitalismus.
Die
Ereignisse von 1989/1990 im Lager des Realen Sozialismus hatten dreierlei
zur Voraussetzung:
1.
Die immer umfassendere ideologische Aufweichung der regierenden Parteien
dort.
2.
Das scheinbare Aufgeben der Rückeroberung der ehemaligen Ostgebiete des
Deutsche Reiches und
3.
der scheinbare antifaschistische und friedliche Charakter des
Nachfolgestaates des Deutschen Reiches, der BRD.
Der
Wandel war – das verschwieg man auch nicht – nichts anderes als das
allmähliche Einsickern kapitalistischer Ideen in die sozialistischen Länder
und in die regierenden kommunistischen Parteien. Natürlich wurde das begünstigt
von innen, durch die am 20. Parteitag der KPdSU begonnene Machtübernahme
des modernen Revisionismus.
Während
aber ein Teil der Ideologen des Westens noch meinten, die Taktik, die sie
zu Stalins Lebzeiten anwandten, sei die einzig richtige, erkannte Brandt
und seine Leute die Chance, das Ziel der Zerschlagung des Sozialismus eben
durch ideologische Diversion zu erreichen.
In
einigen Ländern, so in Polen, war es sehr wichtig, eine friedliche,
demokratische und antifaschistische BRD vorzugaukeln. Der Kniefall von
Warschau hinterließ bei vielen Polen bleibende Eindrücke, sie meinten,
ihre Westgrenzen seien sicher.
Nur
ein Brandt konnte das inszenieren. Ihm glaubten die Polen den Kniefall von
Warschau. Brandt war ja in jungen Jahren Antifaschist gewesen und musste vor
den Nazis fliehen. Einem Ex-Nazi, wie dem Kanzler der Großen Koalition,
Kurt Georg Kiesinger, hätten sie das nicht abgenommen.
Dabei
hatte Brandt keineswegs die Oder-Neiße-Grenze anerkannt. Er hatte
sich nur verpflichtet, die bestehenden Grenzen nicht kriegerisch zu verändern.
Das konnte er problemlos. Dazwischen lag die DDR und außerdem hätten die
westlichen Verbündeten der BRD nie gestattet, ernsthafte Kriegsplanungen
zu machen, um Breslau heim ins Reich zu holen.
Brands Kniefall war reine Heuchelei!
Ähnlich
seine Parole: „Mehr Demokratie wagen!“
Worum
ging es wirklich? Die verknöcherten Strukturen, der dümmliche
Antikommunismus der Ära Adenauer, der Bildungsnotstand mit seinen
Zwergschulen, die klerikalen und faschistoiden Strukturen des
westdeutschen Staates, seine von ehemaligen Nazis gestellten Spitzenbeamte
und -politiker usw. hatten vor allem die akademische Jugend dazu gebracht,
sich immer mehr von diesem Staat abzuwenden und ihn in Frage zu stellen.
Wollte die herrschende Klasse verhindern, dass der Funke zur
Arbeiterklasse überspringt, musste gehandelt werden. Denn dann wäre es
brandgefährlich für das Monopolkapital geworden.
Die
alten Führer der BRD aus der CDU/CSU waren verbraucht, sie hatten
jeglichen Kredit verloren, sie waren in Deutschland und der Welt
verschlissen. Und es gab erste Krisenerscheinungen. Die SPD hatte als
Partei ein linkes Image, ihre Repräsentanten, damals Willy Brandt und
Gustav Heinemann, schienen die dringend erforderliche Wende zu ermöglichen.
Zum einen, weil sie und ihre politischen Freunde eine lupenreine
antifaschistische Weste zu haben schienen (stimme nur bedingt: der
Wirtschafts- und Finanzminister der Regierung Brandt, Karl Schiller, war
SA- und NSDAP-Mitglied gewesen), zum anderen aber auch, weil ein Überspringen
der Revolte der akademischen Jugend zur Abeiterklasse nur zu verhindern
war, wenn
1.
dringend notwendige soziale Reformen (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall,
Rentenreform usw.) auf den Weg gebracht wurden und
2.
die akademische Jugend, welche das
Kaderreservoir des Staates, der Wirtschaft und der bürgerlichen Parteien
bildet, musste wieder ans System gebunden werden.
Dazu
mussten ihnen die „Sünden“ vergeben werden, folglich war eines der
ersten Gesetze der Regierung Brandt ein Amnestiegesetz für „Demonstrationsstraftäter“.
Mit
ihm wurden den Protestierern gegen den Schah, den Vietnamkrieg, die
Notstandsgesetze usw. ihr Protest verziehen.
Ich
hatte z.B. so viele Strafbefehle wegen Teilnahme an Demonstrationen, dass
ich irgendwann den Überblick verlor und die Strafbefehle dann einfach
wegwarf. Nach dem Amnestiegesetz 1969 kamen dann fast täglich die
Einstellungen von Strafverfahren, es schien, dass die Sache erledigt sei.
Aber Irrtum. Eines Tages stand morgens um 6:00 Uhr die Polizei vor der Tür
und holte mich ab. 15 Tage sollte ich in den Knast. Alle meine Hinweise
auf das Amnestiegesetz führten zu nichts, ich kam in de Knast in Köln-Ossendorf.
Erst ein Hungerstreik und Proteste außerhalb des Knastes, auch in der bürgerlichen
Presse (Schlagzeile der Kölner Boulevard-Zeitung Express: „Kölner
Arbeiter weist Justiz in die Schranken!“), brachten mich wieder in
Freiheit. Wie sich später heraus stellte, war illegale Zusammenarbeit vom
Verfassungsschutz und Teilen der Justiz der Anlass meiner Verhaftung
gewesen. Ich
wohnte damals in Köln und war stadtbekannter Funktionär der
kommunistischen Gruppe KPD/ML. Ich erschien dem Verfassungsschutz offenbar
würdig, mir einen Denkzettel zu verpassen. Aber so leicht machte ich es
nun auch nicht.
Ein
Wolfgang Kraushaar schrieb unter „Denkmodelle der
68er-Bewegung“:
„Die
Koalition von SPD und FDP legte einerseits mit dem Amnestiegesetz für
Demonstrationsstraftäter ein Integrationsangebot vor, andererseits
lieferte sie mit dem Radikalenerlass, durch den Systemgegner vom
Staatsdienst fern gehalten werden sollten, ein Zeichen der
Abschreckung.“
Es
wird also offen in diesem Text der vom Bundespresseamt betrieben
Bundeszentrale für Politische Bildung zu gegeben, dass einerseits durch
das Amnestiegesetz („mehr Demokratie wagen“) ein „Integrationsangebot“ gemacht
wurde, während andererseits durch die Berufsverbote massiv gegen alle,
die sich systemkritisch verhielten, vorgegangen wurde, indem man ihnen die
Grundlagen der Existenz entzog: Briefträger durften nicht mehr Mitglieder
kommunistischer Organisationen sein, ebenso wenig auch Lokomotivführer,
Lehrer, Richter oder Polizeibeamte.
Also ist Willy Brandt nicht der Nachfolger
von Liebknecht und Luxemburg gewesen. Lafontaine bringt Brandt hier auch in
Zusammenhang mit Jean
Jaurès. Der allerdings war ein Rechtssozialist und Gegner des
marxistischen Flügels der französischen Sozialisten.
Hier
verrät sich der liebe Oskar Lafontaine: Es sieht sich eher in der
Tradition von Jaurès, eines Rechtssozialisten – in Deutschland
eines Noske, Ebert und Scheidemann – also der Mörder von Karl und
Rosa, als in der Nachfolge dieser großen Revolutionäre. Lafontaine
sieht sich immer noch als der politische Lieblingsenkel des
Berufsverboterfinders und Antikommunisten Willy Brandt.
Dass
der Demagoge Lafontaine sich des Demagogen Brandt – dessen
politischer Lieblingsenkel er einst war – so locker bedient, mag
ja noch angehen. Aber die Mörder, Noske, Ebert und Scheidemann, in
einem Atemzug mit ihren Opfern, Rosa und Karl, zu nennen, ist eine
Ungeheuerlichkeit.
Die
Linkspartei-Linken und die Aufgabe ihrer Partei im System
Und
die Delegierten des „Linke“-Parteitags klatschen frenetisch. Schlimmer
noch:
Unter
dem Titel. „Mit uns die Systemfrage stellen“ feiern linke PDS-Promis
den Lafontaine auch noch:
An
der Spitze die umtriebige Sahra Wagenknecht, Abgeordnete im Europäischen
Parlament und Mitglied im neu gewählten Parteivorstand der Partei Die
Linke und Galionsfigur der Kommunistischen Plattform, jener Bastion des
Parteivorstands gegen Linke. Dann Nele Hirsch und Ulla Jelpke, Abgeordnete der
Linksfraktion im Bundestag, Sabine Lösing und Thies Gleiss, Mitglieder im
neu gewählten Parteivorstand der Partei Die Linke und Tobias Pflüger,
Mitglied des Europäischen Parlaments. Einige davon sind sehr wohl mit
genug kritischem Bewusstsein ausgestattet, um Lafontains Schwindel zu
durchschauen.
Sie
schreiben: „Wir haben gemeinsam
mit vielen anderen für eine starke, antikapitalistische bundesweite
Partei gestritten und freuen uns nun über die erfolgreiche Gründung der
Partei Die Linke.“
Und
dann kommt es ganz „links“:
„Wir
brauchen keine Partei, die sich auf eine Rolle als Koalitionspartner im
Bund vorbereitet, sondern eine Partei, die konsequent für linke Grundsätze
einsteht, in gesellschaftlichen Bewegungen fest verankert ist und die sich
nicht durch parlamentarische Rücksichtsnahmen und vermeintliche Sachzwänge
schwächen und ihrer Glaubwürdigkeit berauben läßt. Dafür werden wir
auch in der neuen Partei kämpfen.“
Bösartig
ausgedrückt: sie geben also zu, dass diese Partei überflüssig ist, denn
sie wird eins ganz sicher nicht leisten: Sie wird eindeutig nicht „konsequent für linke Grundsätze“ einstehen, eher fürs
Gegenteil. Wenn man liest, was Spitzenleute dieser Partei zu den Demos
gegen G8 sagten, wie sie die Polizeiübergriffe rechtfertigten und das
Verhalten der Protestierer verunglimpften, dann weiß man doch, wo diese
Partei steht.
Der
SPD laufen nicht nur die Wähler, auch die Anhänger in Scharen davon.
Damit diese ja nicht daran denken, dass es auch Alternativen zum
Kapitalismus gibt, damit sie sich nicht wirklich links orientieren, musste
eine Auffanglinie links von der SPD errichtet werden. Die PDS schaffte das
ebenso wenig allein, wie die WASG, ein Zusammengehen dieser beiden
sozialdemokratischen Parteien war also ein Gebot der Stunde.
Diese
Partei muss nach außen glaubwürdig eine linke Position vertreten –
dazu bedarf es der Parteilinken – sie muss Protestpotential nicht nur auffangen,
sondern auch binden. Aber sie darf nicht – im Gegensatz dazu, wie Wagenknecht und
Co uns weiß machen wollen – konsequent
für linke Grundsätze eintreten, sondern sie soll und wird die
Proteste neutralisieren.
Das
wiederum ermöglicht der SPD und den offen kapitalistischen Kräften, ihre
schmutzigen Machenschaften fortzusetzen.
Wenn
uns die „Linken“ der Partei „Die Linke“ weiß machen wollen:
„Oskar Lafontaine hat die zentrale
Herausforderung, vor der die Partei steht, auf dem Gründungsparteitag
skizziert: »Die Linke muß die Systemfrage stellen.« Wir werben um
weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter in der neuen Partei, die in
diesem Sinne mit uns gemeinsam für eine antikapitalistische Politik
streiten.“
Genau
das werden sie in und mit
dieser Partei nicht machen und auch nicht können. Wagenknecht und Freunde
verbreiten Illusionen. Sie machen das Spiel Lafontaines mit, zwischen
Sozialdemokratie und Kommunisten, zwischen Konterrevolution und
Revolution, zwischen dem Mörder Noske und den Opfern Karl und Rosa die
Widersprüche zu verwischen. Aber nach wir vor gilt:
„Wer hat uns verraten, die
Sozialdemokraten". Und Lafontaine ist ebenso ein Sozialdemokrat,
wie die sog. Linkspartei sozialdemokratisch ist. Wenn auch mit linkem
Anstrich.
G.A.
Aus Politik und Zeitgeschichte (B 22-23/2001)
siehe
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