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Großer Vorsager des Tages: Heinz Stehr

Beitrag von: lisl rizy

Quelle: Kominform vom 10.04.2006

In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung »Unsere Zeit« gibt der DKP-Vorsitzende Heinz Stehr den am Samstag in Duisburg zusammenkommenden Delegierten die Warnung auf den Weg: „Jede Verschiebung der Verabschiedung des Programms der DKP wird den erreichten Konsens gefährden und die DKP in ihrer Handlungsfähigkeit lähmen.“

Dieser als „Kolumne“ verpackte Versuch zur Zähmung der widerspenstigen Delegierten erscheint unter einem Titel, der das Gegenteil glauben machen will: „Jetzt haben die Delegierten das Wort!“ Bloß, wenn sie nicht dem Wort ihres Vorsitzenden folgen, nämlich „die Rheinhausenhalle in Duisburg mit einem neuen Parteiprogramm verlassen“, wird ihnen schon mal vorweg der „Schwarze Peter“ für Konsensgefährdung und gelähmte Handlungsfähigkeit zugeschoben.

Monatelang hatten die Parteigruppen über eine „Diskussionsgrundlage“, keinen Entwurf, für ein Parteiprogramm diskutiert und Hunderte Änderungsanträge gestellt. Als der Parteivorstand dann Anfang Februar einen „Programmentwurf“ beschloss, fielen über 90% dieser Anträge unter den Tisch, weil angeblich „erledigt“, und weil sie sich auf einen Text bezogen, der gar nicht mehr zur Debatte stand. Am 17. Februar wurde der neue Entwurf in der Parteizeitung veröffentlicht, am 15. März war schon Antragschluss.

Doch die Hoffnung, mit dem Ursprungstext auch die Anträge dazu loszuwerden, und dann in knapp vier Wochen nicht mehr viel neue Anträge erwarten zu müssen, erfüllte sich nicht: 345 neue Anträge liegen dem Parteitag vor. So sieht sich der erboste Kolumnist Stehr zu einer Lektion in Sachen innerparteilicher Demokratie veranlasst:

„Einige Antragstellungen strapazieren aus meiner Sicht die innerparteiliche Demokratie. Aus den Bezirken Hamburg und Berlin, die bereits zuvor beantragt hatten, den vorliegenden Entwurf des Parteiprogramms erneut als Entwurf zu verabschieden, liegen jetzt 65 (Hamburg) und 44 (Berlin) Anträge vor. Den Antragstellern ist selbstverständlich klar, dass in dem beschlossenen Zeitrahmen eine Behandlung und Beschlussfassung einzelner Anträge nicht möglich ist.“

Womit Stehr selbst zugibt, dass das gesamte Verfahren von vornherein auf die Vermeidung von Anträgen abzielte.

Jene, die gegen einen Beschluss zum jetzigen Zeitpunkt sind, wollen den Mitgliedern Gelegenheit zur gründlichen Diskussion des vorliegenden Entwurfs geben. Sie erhielten in der Vorwoche Unterstützung von unerwarteter Seite: Die stellvertretende Parteivorsitzende

Nina Hager meinte im UZ-Interview: „Wo es ging sind auch diese Intentionen der Antragsteller in unsere Empfehlungen eingeflossen. Ansonsten kann kein Gremium solche Anträge kurzfristig und ohne Debatte in der Partei vernünftig behandeln.“

Schließlich: „Einige Vorschläge sind jedoch beim besten Willen nicht einzuarbeiten, denn sie müssten zuvor in unserer Partei diskutiert werden.“ Eben.

Und was folgt aus dieser Einsicht? „Wir wollen die Verabschiedung eines neuen Parteiprogramms. Das allein ist jetzt wichtig.“ Zwar ist die DKP weit von der Macht in der BRD entfernt, aber Stehr und Hager üben schon mal das „Durchregieren“.

Hervorhebungen K-online.

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Wieder einmal Durchmarsch für Stehr beim DKP-Parteitag

Anmerkung K-online 

von Günter Ackermann

Das umstrittene Parteiprogramm der DKP wurde durchgepeitscht. Warum Stehr diese Eile hatte, ein Programm zu verabschieden, können wir nur ahnen.

Die Stehrsche Behauptung, jede „Verschiebung der Verabschiedung des Programms der DKP wird den erreichten Konsens gefährden und die DKP in ihrer Handlungsfähigkeit lähmen.“ Kann nur einer sagen, der den Realitätssinn verloren hat. Die DKP wird bundesweit kaum noch öffentlich wahrgenommen, sie ist streckenweise nicht nur kampagnenunfähig, sondern auch politikunfähig. Dass sie total überaltert ist und kaum junge Mitglieder hat, mag bedauerlich sein, trägt aber des Weiteren zur Handlungsunfähigkeit dieser Partei bei.

Brauch sie überhaupt ein solches umstrittene Programm? Nun, es gilt eine Handhabe zu haben, wenn in der DKP Genossen gegen die Line von Stehr und Hager rebellieren. Die Wahrscheinlichkeit ist eher gering, aber es könnte ja sein.

Es gibt einige aufmümpfige Bezirksorganisationen, die zumindest heimlich Kritik an der revisionistischen Linie Stehrs üben, es gibt eine Menge DKP-Mitglieder, die unter der Hand oder auch offen die Stehrsche Linie kritisieren. Aber noch haben Stehr und Hager die Zügel in der Hand, jedenfalls zeigt das Abstimmungsergebnis, wie handverlesen die Delegierten waren.

In der Presseerklärung des DKP-Vorstandes heißt es dann auch: „Nach einer siebenstündigen Debatte stimmten 115 Delegierte für das Programm, 34 dagegen und 10 enthielten sich.“

Immerhin, ein Viertel verweigerten sich Stehr.

G.A.

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