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Zum
17. Parteitag der DKP
Bunkermentalität
und Verschwörungsparanoia
UZ-Interview
„Solidarisch kämpfen für eine stärkere DKP“
Anmerkungen
von Gerd Höhne
9.
Februar 2005
siehe:
UZ,
Dienstag, 8. Februar 2005
1.
Eine Anmerkung vorneweg:
Mein
früherer Lehrer, den ich sehr schätze, sagte uns einmal: Selbstgespräche
sind das Zeichen beginnender Verblödung. Ob das stimmt, weiß ich
nicht. Bedenklich ist es aber schon.
Und
Selbstinterviews in der DKP-Zeitung UZ? Im hier kommentierten
UZ-Interview war der Fragesteller Jens Peters. Die Interviewten waren
das Dreigestirn „Prinz“ Heinz Stehr, „Bauer“ Rolf Priemer und
„Jungfrau“ Nina Hager.
2.
Realitätsverlust und tumbe Selbstüberschätzung
Auf
die Frage: „Die DKP hat sich seit ihrem letzten Parteitag im
Dezember 2002 verstärkt bemüht, die Entwicklung außerparlamentarischer
Bewegungen zu fördern und damit auch die Einsicht, dass dazu eine klare
prinzipienfeste Positionen vertretene und geschlossen handelnde DKP
notwendig ist. Wie sieht eine Bilanz aus?“
antwortet
der Vorsitzende Stehr u.a.:
„Das
Jahr 2003 begann furios mit weltweiten Antikriegsaktionen. In
Berlin waren es im Februar 500 000 Menschen, (...). Dann kam
die Agenda-Rede des Bundeskanzlers im März und eine sich schnell
ausbreitende Protestwelle - zum 1. Mai, regionale und zentrale
Aktionen im Sommer und am 1. November in Berlin. Im Jahr 2004
folgten der europaweite Aktionstag am 2. April 2004, die
Montagsdemos im Sommer, die zentrale Aktion vom 2. Oktober. (...)
Wir erlebten also ein Auf und Ab, waren ständig auf Trab und
haben (...) Ansehen und Vertrauen gewinnen können. (...) Jedenfalls war
es gut, dass wir uns auf die notwendigen Aktionen - und damit auf die
politischen Hauptaufgaben in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen
- konzentriert haben.“
Also
alles klar. Sie ganzen Aktionen waren geführt von der DKP, sie stieß
sie an, sie förderte sie, sie hatte Ausrichtung und Ziel vorgegeben.
Eben so, wie es sich für eine richtige kommunistische Partei gehört.
Wer
aber bei alle den Aktionen aktiv war, der hat zwar auch DKP-Genossen
gesehen, aber Ziele und Richtung, oder gar die Führungen, war nicht in
ihren Händen. Das haben sie der PDS oder der MLPD überlassen. Denen
gegenüber hatten sie kein Konzept. Die DKP lief einfach nur mit.
Stehr
überschätzt die Rolle seiner Partei maßlos. Auch bei den
Kommunalwahlen in NRW war die DKP nur in ganz wenigen Kommunen in der
Lage, eigene Kandidaten aufzustellen.
Auf
was will der große Vorsitzende eigentlich hinaus? Weiß er das alles
nicht? Ich denke schon, dass er das weiß.
Worauf
er hinaus will, ist, dass er begründen will, warum der Parteivorstand
die allzu kritisch werdende Programmdiskussion abwürgte. Er sagt:
„Jedenfalls
war es gut, dass wir uns auf die notwendigen Aktionen - und damit auf
die politischen Hauptaufgaben in den gesellschaftlichen
Auseinandersetzungen - konzentriert haben.“
und
fährt fort:
„Es
war dazu notwendig, den Zünder aus einer polarisierenden und lähmenden
Programmdebatte herauszudrehen und den Streit unter Genossen auf
aktuelle politische Aktionen und auf damit zusammenhängende Fragen, wie
die, die in der politischen Erklärung benannt werden, hinzulenken.“
Also
ja keine grundsätzliche Diskussion. Um das zu erreichen, lenkt man die
Partei auf Tagesthemen hin. Wenn man dann nur lange genug davon redet
und es sogar auf dem Parteitag behauptet, dann glaube einige Mitglieder
auch noch daran, dass bei den Antikriegsaktionen und den Aktionen gegen
den Sozialraub die DKP die erste Geige spielte und sie habe „Ansehen
und Vertrauen gewinnen können“.
Auf
die Dauer aber geht solche Selbsttäuschung nicht. Man kann nicht die
vorhandene Orientierungslosigkeit – und die DKP ist orientierungslos,
was auch die Äußerungen Stehrs zum Irak und andere Spitzenfunktionäre
zu vielen Fragen zeigen
– und die Mitglieder nun ins Getümmel schmeißen. Das Chaos des Getümmels
wird rückwirken auf die Partei, das einheitliche der Parteilinie wird
dann das Chaos sein und im Chaos sind die am besten dran, die über die
Kommunikationsstränge beherrschen – Stehr und seine Leute!
Eine
marxistisch-leninistische Orientierung der DKP aber hätte das Gegenteil
zur Folge. Die Partei festigt sich, richtet sich aus und gewinnt an
Kampfkraft. Das aber können Stehr und seine Leute nicht wollen.
Realistischerweise muss man auch sagen, dass die DKP diese Orientierung
nach den Prinzipien der Lehre von Marx, Engels, Lenin und Stalin längst
nicht mehr leisten kann. Das liegt nicht in erster Linie an der
Vergreisung der DKP-Mitglieder. Die Partei ist so weit ab vom
Marxismus-Leninismus, dass sie nicht fähig ist zu einer Umkehr.
Jetzt
eine Programmdiskussion zu führen, hätte die kommunistischen Genossen
der DKP wohl nur auf „dumme“ Gedanken gebracht und sie hätten ihre
bei ihnen vorhandene kommunistische Identität wieder entdeckt. Daher müsste
der „Zünder aus einer polarisierenden und lähmenden
Programmdebatte“ herausgedreht werden (einen entlarvende Metapher
von Stehr. Hier tickte für
ihn wohl die Bombe der Grundsatzdiskussion).
Den
Interviewbeitrag der „Jungfrau“ Nina Hager übergehen wir besser. Er
bewegt sich auf dem von ihr bekannten Niveau. Ihre Einsichtsfähigkeit
und die Gabe etwas zu verstehen, was über Geblubber von Luftblasen
hinaus geht, ist ja bekannt.
3.
Verschwörungsparanoia
Der
Interviewer Jens Peters
fragte dann den Interviewten Rolf Priemer:
„Mancherorts
schlagen die Wogen über personalpolitische Überlegungen des
Parteivorstandes hoch. Um was geht es, was will der Parteivorstand damit
eigentlich erreichen?“
Auf
an ihn gestellte Frage antwortet Priemer dann so:
„Ich
habe seit längerem den Eindruck, dass wir es von außen mit gezielten
Aktionen gegen die DKP zu tun haben, um der DKP eine gute Entwicklung zu
erschweren. Wir erlebten das (...) wie auch bei den sozialen Protesten.
Immer, wenn die DKP den Kopf hebt und gesehen wird, bereiten wir unseren
Gegnern mit einer eventuellen punktuellen Einflusserweiterung der DKP
Probleme, zum Beispiel durch einige Kommunalwahlerfolge.“
Dass
die bürgerlichen Medien nicht positiv und auch nicht wahrheitsgemäß
über Kommunisten , ihre Partei und kommunistische Aktionen und Erfolge
berichten, ist landauf und landab bekannt. Warum sollten sie auch?
August
Bebel sagte schon: „"Wenn dich deine Feinde loben, hast du
etwas falsch gemacht. Tadeln sie dich, dann bist du auf dem richtigen
Wege."
Das
wäre folglich gar nicht so schlimm, eher gut. Aber es gibt verdammt
wenig zu berichten über die Erfolge der DKP. „wenn die DKP den
Kopf hebt“ was dann? Nichts! Weil das so gut wie nie vorkommt.
Auch die zweifelsohne guten Wahlerfolge bei den Kommunalwahl im
Ruhrgebiet relativieren sich. Entweder gab es an den Orten eine eher
sozialdemokratisch ausgerichtete PDS oder die PDS verzichtet auf
Kandidaten zu Gunsten der DKP (ja, das gabs auch) oder der jeweilige
Kreisverband der PDS gehört zum rechtssozialdemokratischen
Parteiflügel. Im Ruhrgebiet gelten Kommunisten noch etwas. Das liegt an
der Tradition, nicht an der DKP-
Wenn
man bedenkt, dass sie, wie in Dortmund, sogar auf den eigenen Namen
verzichtete und den unsäglichen Ulrich Sander zum OB-Kandidaten kürte,
kann man ermessen, dass es nicht weit her war dem „Kopf heben“.
und
weiter Priemer:
„Wir
erlebten das in den vergangenen Wochen allerdings auch in unserem
Umfeld, zum Beispiel durch verschiedene Beiträge in der Jungen Welt,
aber insbesondere durch einige gezielte Veröffentlichungen, mit denen
Mitglieder der DKP zum Putsch gegen die Parteiführung aufgerufen
wurden. Das erschwert eine sachliche Diskussion, die nur wir in der DKP
zu führen haben und niemand sonst.“
Jetzt
ist es die jungeWelt, die die Phalanx der Vergewaltiger der zarten
Jungfrau DKP anführt.
Kommunisten-online
bleibt zwar ungenannt, ist aber noch schlimmer. Denn „durch einige
gezielte Veröffentlichungen, mit denen Mitglieder der DKP zum Putsch
gegen die Parteiführung aufgerufen wurden...!“
Damit
sind wir gemeint! Haben wir zum Putsch aufgerufen? Putschen ist
Kommunisten fremd. Dimitroff rief den Nazis entgegen, als sie ihn wegen
eines angeblichen Kommunistenputsches vor Gericht stellten:
„Massenarbeit,
Massenkampf, Massenwiderstand, Einheitsfront, keine Abenteuer - das ist
das Alpha und Omega der kommunistischen Taktik.“
Das
gilt für jeden politischen Kampf, auch den Kampf gegen revisionistische
Parteiobere in den eigenen Reihen. Wir forderten nicht zum Putsch auf,
wir forderten die kommunistischen Genossen der DKP dazu auf, Stehr und
seinen Leuten die Gefolgschaft zu versagen.
Das
ist etwas anderes, das ist kein Putsch. Aber Rolf Priemer ist
offensichtlich schon so sehr in der bourgeoisen Ideologie gefangen, dass
er auch in dienen Kategorien denkt.
4.
Fazit
Was
mit diesem dummen Interview erreicht werden sollte? Das Dreigestirn
zielt auf die einfachen ehrlichen DKP-Mitglieder, die zwar etwas tun
wollen aber durch Jahrzehnte der Entwöhnung einfach nur noch der
Parteiführung folgen.
Sie
kennen vom „Lied der Partei nur „Die Partei, die Partei, Sie hat
immer recht“ und setzen Partei gleich mit der Parteiführung, der
sie – wenn auch oft nur widerwillig und murrend – folgen.
Dass
dieses Lied aber keineswegs der Partei göttliche Unfehlbarkeit
bescheinigt, nehmen sie nicht zur Kenntnis:
„Die
Partei, die Partei,
Sie hat immer recht
Und Genossen es bleibe dabei,
Wer da kämpft für
das Recht,
Der hat immer recht
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht,
Wer die Menschen verteidigt,
Hat immer recht.
So aus Lenin'schem Geist
Wird von Stalin geschweißt
Die Partei, die Partei, die Partei.“
Mal
abgesehen davon, dass die DKP nicht die Partei ist, die aus Lenin'schen
Geist von Stalin geschweißt wurde.
Indem
einerseits Stehr die Scheinerfolge der DKP preist, die eher simple Nina
Hager Luftblasen produziert, die alles vernebeln und Rolf
Priemer die feindliche Umzingelung beschwört, will man eben jene
einfachen Mitglieder vom Nachdenken abbringen.
Auf unseren Bericht, dass wir
nicht zum DKP-Parteitag akkreditiert werden, bekamen wir heute folgende
Mail:
„Der
PV der DKP hat völlig Recht - Provokateure und pseudolinke Spinner
haben auf einem Parteitag nun wirklich nichts zu suchen.
DEUTSCHE KOMMUNISTISCHE PARTEI
Kreisvorstand Köln
dkpkreiskoeln@aol.com“
(siehe
Anmerkung hierzu)
Genau das soll erreicht werden.
Indem man die Bunkerparanoia pflegt und verbreitet, verkleistert man den
Mitgliedern die Hirne und aus Kritiker werden „Provokateure“ und
„pseudolinke Spinner“.
Ist den DKP-Genossen aus Köln,
die so ihrem Parteichef Stehr und dessen Adlatus Primer diesen
Schwachsinn nachplappern, bewusst, dass es in Deutschland mehr
Kommunisten gibt, die keiner Partei angehören? Sind das alles
Provokateure oder Spinner?
An Stehrs, Hagers und Priemers
Verantwortungsbewusstsein zu appellieren, erspare ich mir. Das haben sie
nicht. Ich meine das Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit als
Kommunist, bolschewistische Selbstkritik zu üben..
Das Verantwortungsbewussten als
Kommunist, den revolutionären Kampf gemeinsam führen zu wollen um
siegreich sein zu können.
Und das
Verantwortungsbewusstsein als Kommunist zum Aufbau der revolutionären
Partei der Arbeiterklasse neuen Typs alles menschmögliche zu tun.
Es hätte Euch gut gestanden,
liebe DKP-Genossen aus Köln, wenn Ihr Euch mehr an den Klassikern des
Marxismus-Leninismus gehalten hättet und wenigen an der
revisionistischen Linie der Stehr, Hager und Priemer.
siehe:
„Quisling
unter Quislingen
DKP-Chef
Stehr outet sich als ideologisch klar:
Es
gibt „keine fundierte Kritik“ an der Irakischen KP, ihrer
Beteiligung an der irakischen Quislingsregierung und der Beteiligung
am Morden im Irak durch die USA-Imperialisten und der
Quislingstruppen“ mehr
DKP-Stehr
ist von der jungenWelt, Kommunisten-online und anderen
„betroffen“ weil er in „bewusst verletzender Weise
diffamiert“ worden wäre, Stehr
versucht sich für seine pro-imperialistischen Äußerungen zu
rechtfertigen, mehr
Dialektik
auf Hausfrauenart oder
Hans Heinz Holz und die Tücken des dialektischen
Materialismus, Kritik an H.H. Holz:
mehr
Böswillig
oder beschränkt?
Kritik
am zionistischen Rassismus wird als antisemitisch diffamiert
mehr
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