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Stagnation
oder Aufbruch
Auf
dem 17. DKP-Parteitag in Duisburg sind lebhafte Debatten zu erwarten. »Politische
Erklärung« und »Handlungsorientierung« werden diskutiert
von
Ulla Jelpke
Quelle: jungeWelt
vom 11.02.2005
Zum
17. Mal in ihrer 37jährigen Geschichte treffen sich am Samstag in
Duisburg Delegierte der DKP, um über den weiteren Kurs der Partei zu
beraten. Neben der Neuwahl des Vorstandes und anderer Parteigremien
steht vor allem die Beratung über eine »Politische Erklärung« sowie
eine »Handlungsorientierung« auf dem Programm.
Objektiv
gesehen hat die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) beste
Voraussetzungen, ihre Position als immer noch wichtigste Kraft innerhalb
der marxistischen Linken auszubauen. Nachdem sich die Schockstarre von
1989 gelöst hatte, schalteten sich in den Folgejahren immer mehr
Parteigruppen in die Aktionen gegen Sozialabbau und NATO-Kriege ein. Wo
es Protest gab, waren meistens auch DKP-Mitglieder dabei. Einigen
Parteigruppen gelang es sogar, in nennenswerter Zahl Jüngere
aufzunehmen. Hier und da gab es Erfolge in der Kommunalpolitik, bei
Betriebsratswahlen, bei gewerkschaftlichen Aktionen. Das traditionelle
Pressefest der Parteizeitung Unsere Zeit (UZ) ist nach wie vor eine
Attraktion für die gesamte deutsche Linke.
Kein
Programmentwurf
Das
wohl wichtigste Problem der DKP ist die Erarbeitung eines neuen
Parteiprogramms. Das »Mannheimer Programm« stammt aus dem Jahre 1978
– es wurde 1993 mit den »Thesen zur programmatischen Orientierung der
DKP« fortgeschrieben. Der 15. Parteitag beschloß, auf dem 16. einen
Entwurf für ein neues Programm zur Diskussion zu stellen. Das geschah
nicht, sodaß die Delegierten des 16. Parteitages beschlossen, dies müsse
auf dem 17. geschehen. Ein Programmentwurf liegt aber immer noch nicht
vor – lediglich der einer »Politischen Erklärung«. Die jedoch soll
in Duisburg erst zum Ende des Parteitags und nach den Neuwahlen zu den
Parteigremien beschlossen werden.
Für
ein neues DKP-Programm gibt es mittlerweile zahlreiche Teilentwürfe,
Versatzstücke und Kompromißpapiere. Der Parteivorstand (PV)
favorisiert eine im wesentlichen auf den ehemaligen Siemens-Betriebsrat
Leo Mayer zurückgehende Fassung mit dem Grundansatz, daß es heute eine
neue Qualität des Imperialismus gebe, die »Globalisierung«. Demnach
ist die Vereinheitlichung der Interessen der unterschiedlichen
imperialistischen Länder zur dominierenden Tendenz geworden. Konsequent
gedacht wäre damit Lenins Gesetzmäßigkeit von der ungleichmäßigen
Entwicklung der imperialistischen Länder ebenso in Frage gestellt wie
die Rolle der Nationalstaaten. Die parteiinternen Kritiker halten Lenins
Definition nach wie vor für gültig. Der Streit darum mag müßig
erscheinen – aber von der richtigen Definition hängen letztlich
Strategie und Taktik einer KP ab.
Kommunistische
Parteien haben verständlicherweise das Bestreben, sich als einheitlich
und geschlossen zu präsentieren. Trotzdem gibt es unterschiedliche
Einschätzungen in diversen Punkten, auch in der DKP. So finden in
Detailfragen der Vorsitzende Heinz Stehr und seine Stellvertreterin Nina
Hager durchaus parteiinterne Kritiker, darunter der international
bekannte Philosoph Hans Heinz Holz. Während wohl der größte Teil der
Parteimitglieder dem Vorsitzenden folgt, sind die Kritiker vor allem in
Ostdeutschland, Berlin, Hamburg, in Ruhr-Westfalen und bei der
Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) zu finden.
Kontroversen
produktiv lösen
Auf
dem Parteitag wird auch die Auseinandersetzung darüber fortgesetzt
werden, wie sich die DKP zum Widerstand gegen die US-Besatzung im Irak
stellt. Ein Teil der DKP-Mitglieder hält die Beteiligung der Irakischen
KP an der von den USA eingesetzten Regierung für falsch. Eine Mehrheit
im Parteivorstand vertritt hingegen offensichtlich den Standpunkt, die
Irakische KP müsse die Lage letztendlich selbst beurteilen, Kritik aus
sicherer Lage heraus sei bequem und verbiete sich als Einmischung in die
inneren Angelegenheiten einer Bruderpartei.
Auf
dem anstehenden Parteitag sind mit Sicherheit sehr lebhafte Debatten zu
erwarten. Für eine Dramatisierung sorgte dabei auch eine Äußerung des
UZ-Chefredakteurs und stellvertretenden Parteivorsitzenden Rolf Priemer,
der in einem UZ-Interview davon sprach, Parteimitglieder würden von Außenstehenden
zum »Putsch« aufgerufen.
Ein
Putsch ist jedoch nicht in Sicht. Es wird nicht einmal einen
Gegenkandidaten zu Heinz Stehr bei der Wahl des Parteivorsitzenden
geben. Die DKP wird lernen müssen, mit ihren inhaltlichen Kontroversen
produktiv umzugehen. Das ist sie sich und der Arbeiterbewegung schuldig.
Daten
und Fakten zur Geschichte der DKP
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Die am 26. September 1968 in der Bundesrepublik gegründete DKP ist
Nachfolgerin der 1956 verbotenen KPD. Als einzige kommunistische
Gruppierung Deutschlands in der Traditionslinie von Rosa Luxemburg, Karl
Liebknecht und Ernst Thälmann. In den zwölf Jahren nach dem KPD-Verbot
wurden von den bundesdeutschen Behörden Zehntausende Kommunisten
verfolgt, diskriminiert, bespitzelt und zum Teil inhaftiert – viele
von ihnen kämpfen heute immer noch um die mehrfach in Aussicht
gestellte Rehabilitierung.
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Der Neugründung waren Verhandlungen mit der Bundesregierung
vorangegangen – eine wichtige Rolle dabei spielte der damalige
Bundesjustizminister Gustav Heinemann (SPD). Zum ersten DKP-Vorsitzenden
und damit faktischen Nachfolger des KPD-Vorsitzenden Max Reimann wurde
Kurt Bachmann gewählt. Es folgte Herbert Mies, der der Partei von 1973
bis 1990 vorstand. Seitdem steht Heinz Stehr an der Spitze – zunächst
als einer von vier Sprechern, dann als Vorsitzender.
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Über die Mitgliederentwicklung der DKP liegen unterschiedliche Zahlen
vor. Relativ sicher scheinen Angaben aus dem ZK der SED zu sein, wonach
die Mitgliederzahl Mitte der 80er Jahre bei 27500 lag. Parallel zum
Niedergang des Sozialismus traten Ende der 80er Jahre viele Mitglieder
aus, die Kontroverse mit den »Neuerern« um 1990 blutete die Partei
weiter aus.
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Die stark überalterte DKP ist heute in allen 16 Bundesländern präsent,
die Mitgliederzahl sank in den letzten beiden Jahren weiter von etwa
4700 auf heute rund 4500. Parteizeitung ist die wöchentlich in Essen
erscheinende Unsere Zeit. Der DKP nahestehen das alle zwei Monate
erscheinende Theorieorgan Marxistische Blätter, der Verlag »Neue
Impulse« und die Marx-Engels-Stiftung in Wuppertal. Schulungszentrum
der Partei ist die Karl-Liebknecht-Schule in Leverkusen.
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Die DKP richtet alle zwei Jahre das UZ-Pressefest aus, das mit jeweils
über 50000 Besuchern größte Fest der Linken in Deutschland. Es findet
in diesem Jahr vom 24. bis 26. Juni im Revierpark Wischlingen in
Dortmund statt.
(Weitere
Informationen: www.dkp.de; www.unsere-zeit.de)
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