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Redebeitrag
von Patrik
Köbele auf der 4. Parteivorstandstagung-Tagung der DKP
Liebe
Genossinnen und Genossen,
In
der UZ vom 12. September veröffentlicht Leo Mayer
seine Thesen, die er am 16. August beim Ammersee-Seminar der DKP-Südbayern
vorgestellt hatte. Ich halte diese Thesen für ein wichtiges Dokument,
das helfen kann unseren Meinungsstreit zu versachlichen. Aus meiner
Sicht haben sie eine große Bedeutung, weil sie die Position eines
Genossen, der in unserem Meinungsstreit exponiert ist, auf den Punkt
bringen.
Leo
charakterisiert darin die Entwicklung der neuen Bewegung gegen den
Neoliberalismus, die kapitalistische Globalisierung und den
imperialistischen Krieg. Er definiert seine Sicht auf das Verhältnis
zwischen ihr und der Arbeiterbewegung, die, wie er sagt durch "die
globale Bewegung" stimuliert werden kann. "Umgekehrt braucht
diese Bewegung auch die organisierte Kraft der Arbeiterbewegung für die
Schaffung einer sozialen und politischen Alternative. Mit der
Sozialforumsbewegung entsteht die gemeinsame Klammer für die weltweite
Opposition gegen die zerstörerischen
Auswirkungen des Neoliberalismus." Die "strategische
Bedeutung" sieht Leo "vor allem auch vor dem Hintergrund, dass
heute die Frage der Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft nur
im Weltmaßstab gestellt werden kann."
Ich
denke, hier werden die Dinge rund, zu einem in sich logischen
einheitlichen Ganzen:
·
Da
haben wir erstens die neue Imperialismusanalyse, in der von einem
"gemeinsamen Klasseninteresse des transnationalen
Monopolkapitals", als des "strukturbestimmenden Kapitalverhältnis
des heutigen Kapitalismus gesprochen wird."
Dies führt wiederum zu einem "militärischen Gesamtdienstleister
USA", auf den insbesondere das ökonomische Schwergewicht
Deutschland angewiesen ist.
·
"Die
kapitalistische Globalisierung schädigt so viele Menschen und Schichten
auf so unterschiedliche Weise rund um den Globus, dass sich auch der
Widerstand globalisiert." Deshalb "wird auch
der nächste Versuch des Bruchs mit dem Kapitalismus und der Aufbau
einer sozialistischen Gesellschaftsordnung ein Projekt unterschiedlicher
politischer, weltanschaulicher und sozialer Kräfte sein, in der die
arbeitenden Klasse und ihre Organisationen die wichtigste Kraft –aber
nicht die einzige- sein werden."
Das
heißt, Leo´s Position ist: wir haben es mit einer neuen Situation zu
tun, die nur noch einen Ausbruchsversuch im Weltmaßstab zulässt. Wir
haben es damit zu tun, dass das revolutionäre Subjekt nicht mehr die
Klasse ist, die im Bündnis mit anderen, diesen Ausbruchsversuch
startet, sondern wir haben es mit einem Subjekt zu tun, das selbst ein Bündnis
ist und in dem die Klasse noch die wichtigste Kraft ist.
Wenn
dem so wäre, dann wäre es allerdings folgerichtig auch über eine veränderte
Konzeption der DKP nachzudenken, denn die Formulierung "Partei der Arbeiterklasse" ergab und
ergibt sich ja nicht aus Blaumannromantik, sondern aus der Einschätzung
der Arbeiterklasse als revolutionärem Subjekt.
Hier
sei ein kleiner Einschub erlaubt: "Partei der Arbeiterklasse",
wie wir es in vielen Dokumenten benutzen, ist Anspruch an sich selbst nicht Postulat. Wenn es
aber gelingen sollte diesen Anspruch zu verwirklichen und nur eine
Organisation, die die wissenschaftliche Weltanschauung der Ideen von
Marx, Engels und Lenin trägt, hat die Chance dazu, dann ist diese
Partei tatsächlich "eine
geschichtsphilosophisch prädestinierte Zentralinstanz der Linken, an
der die Kräfte des Fortschritts (wenn sie konsequent sind) sich
auszurichten haben", wie ein Genosse etwas despektierlich und abfällig
die Position von Hans Heinz Holz charakterisiert.
Wie
gesagt, ich spreche Gedanken, die auf Basis einer anderen Analyse des
Imperialismus und der Gegenkräfte auch zu anderen Überlegungen
hinsichtlich der Konzeption der Partei kommen, nicht eine innere Logik
ab.
Ich denke
allerdings, dass die Partei, die Kreise Gruppen und Mitglieder das Recht
haben reinen Wein eingeschenkt zu bekommen und sich selbst eine Meinung
zu bilden.
Dabei ist
es zu wenig, wenn Genosse Hugo Braun vor einiger Zeit in der UZ einmal
das Stichwort "Europäische Linkspartei" benennt. Es ist zu
wenig, wenn in Leos Artikel endlich auch vor der Parteibasis einmal das
Stichwort EAL auftaucht, an der wir uns beteiligen weil wir "einen
(bescheidenen) Beitrag zur Formierung einer alternativen Linken
in Europa leisten."
Es ist zu wenig, wenn man bedenkt, dass bis zur letzten PV-Tagung die
Abkürzung EAL im PV noch nie gefallen war. Keiner wusste das Leo und
Hugo dort mitarbeiten. Weder der PV noch gar die Gesamtpartei hatten
sich bis dato einmal damit befasst. Es ist zu wenig Transparenz für die
Partei, denn gleichzeitig schreibt Leo in der SoZ, dass das Projekt EAL
über die Europawahlen hinaus weist. "Es ist ein Projekt von
strategischer Bedeutung.".
Und das, wo der PV bei seiner letzten Tagung darüber informiert wurde,
dass es sich ja lediglich um ein Personenbündnis handle.
Ich fürchte,
dass es sich vielmehr so verhält, wie Genosse Henning Böke, dessen
Artikel zur EAL jetzt in der UZ abgedruckt ist, es in seinem
Begleitbrief zu diesem
Artikel an UZ und PV formuliert: " Heute ist es aber so, dass große
Teile der Linken überhaupt nicht "parteiförmig" strukturiert
sind. Linke "Identitäten" bilden sich heute kaum an
"parteiprogrammartigen" Doktrinen. Alle wichtigen Diskussionen
in der Linken haben sich spätestens seit 1990 unabhängig von
Parteipositionen entwickelt, oft liefen Fronten sogar quer durch alte
Organisationszusammenhänge. Es gab also eine Phase, wo die Krise der
"Programmlinken" zur Verlagerung der Aktivitäten der Linken
in Teilbereiche geführt hat. (...) Weder wir als DKP noch die anderen
marxistischen Organisationen werden alleine in der Lage sein, diese
Aufgabe zu bewältigen, und das wird auch nicht durch eine Addition
bestehender Organisationen zu leisten sein."
Das ist
sowohl eine andere Parteikonzeption, als auch eine Erklärung, warum möglicherweise
Teile unserer Partei an der Erarbeitung eines Programms plötzlich so
wenig Interesse haben.
Meine These lautet also, unser Problem mit dem Text
der Autorengruppe Dürrbeck, Seppmann, Holz zu einem Programmentwurf zu
kommen, liegt nicht daran, dass dieser Entwurf nicht durch die
Gesamtpartei auf die Höhe der aktuellen kommunistischen Diskussion zu
bringen wäre. Dies habe ich ja auch formuliert, als ich schrieb: "Der
Entwurf ist aus meiner Sicht zwar sicherlich ein Papier, das den
Kompromiss sucht aber keineswegs ein Kompromisspapier oder gar ein
Papier nach dem Motto "Keinem Wohl und keinem Weh". Ich halte
es unter den gegebenen Voraussetzungen, einer weltweiten Diskussion
derjenigen, die sich auf Marx, Engels und Lenin beziehen, für außerordentlich
qualifiziert."
Ich
glaube vielmehr, dass die Ursache für unsere Probleme darin liegen,
dass sich in unserer Partei bewusst oder unbewusst unterschiedliche
Parteikonzeptionen herauszubilden begonnen haben.
Dies
kann aber nur durch eine offene transparente Diskussion der gesamten
Partei diskutiert und letztendlich entschieden werden. Und dazu brauchen
wir die Diskussion eines Programms. Eine Erklärung reicht da nicht. Vor
allem, wenn gleichzeitig dieser Diskussionsprozess alles andere als
gleichberechtigt geführt wird, wie es die UZ regelmäßig und die
Homepage des PV immer belegen.
Und
natürlich geht es dabei auch um die Frage, mit wem wir denn die
Zusammenarbeit oder mehr suchen.
Bei den Treffen der Freunde der EAL handelte es sich, wenn ich es
richtig sehe, mit Ausnahme von DKP und Geraer Dialog der PDS um
trotzkistische Gruppen bzw. Persönlichkeiten, die aus diesem Spektrum
kommen. Einige
Organisationen, wie der
Linksruck sind dabei für mich von Inhalten, Struktur und Abhängigkeiten
her suspekt. Hier lohnt es sich durchaus mit den Genossinnen und
Genossen der SDAJ einmal über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Grundsätzlich inhaltlich möchte ich
anmerken, dass ich den Trotzkismus keineswegs für durch 89 nachträglich
legitimiert halte. Die Haltung, zumindest einiger Organisationen zu
Kuba, ist für mich nach wie vor skandalös. Auf jeden Fall sehe ich
keine Veranlassung unsere grundsätzlichen, inhaltlichen Positionen in
Richtung trotzkistischer Positionen zu öffnen. Dies schließt natürlich
eine Zusammenarbeit in Bündnissen nicht, etwaige organisatorische Überlegungen
aber sehr wohl aus.
Darüber
kann man sicher streiten, einen für die Partei nicht transparenten
Diskussionsprozess werde ich mich aber entgegenstellen. Das heißt auch,
dass ich Aussagen, wie sie Genosse Böke macht scharf verurteile, wenn
er in seinem Begleitbrief zum UZ-Artikel schreibt: "Es wird unter vielen älteren GenossInnen sicher Verständnisschwierigkeiten
geben, wieso man statt "Aktionseinheit mit Sozialdemokraten"
jetzt auf einmal mit Kräften zusammenarbeiten soll, die man früher als
gegnerisch eingeschätzt hat, aber die meisten, die aus Gewohnheit das
tun, was die Parteiführung sagt werden
letztlich mitziehen."
Ich hoffe und denke hier werden viele nicht mitziehen – Alte
und Junge – Ich auch nicht !!
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