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Einige
Anmerkungen zum dem Interview des
DKP-Vorsitzenden Heinz Stehr in „junge Welt” vom 5. September 05
Von
John Bäcker
Das
besagte Interview bestätigt den Eindruck, den man auch bei anderen Äußerungen
des gegenwärtigen DKP-Vorsitzenden gewinnt: Heinz Stehr ist ein Meister
des Allgemeinen, er vermeidet konkrete Aussagen, er greift gerne zu
Mitteln der Demagogie. Und er hat auch keine Hemmungen, im Detail zu
schummeln, um Recht zu behalten.
1.
Er sagt: „Es ist vielmehr so, daß
der neoliberale Kapitalismus uns alle zwingt, alte Positionen zu überdenken
und neue Schlüsse zu ziehen.” Was meint er damit? Will er uns ankündigen,
daß die Revision des Marxismus/Leninismus unumgänglich ist?
Es
gibt zu denken, wenn ausgerechnet Stehr ankündigt, „neue Schlüsse”
ziehen zu wollen. Er sollte nicht allzu große Erwartungen wecken, denn
ist alles andere als Theoretiker. Einer philosophischen Diskussion ist
er nicht gewachsen. „Neue Schlüsse” hat er schon gezogen, bzw. vom
ISW in München ziehen lassen: das Konzept des „transnationalen
Imperialismus”. Den Befürwortern dieses Konzepts ist immer noch nicht
aufgefallen, daß sie damit im Wesentlichen die Konzeption von Karl
Kautsky vertreten, dessen „Ultraimperialismus” schon von Lenin
scharf kritisiert wurde.
2.
Er sagt: „Heute läuft es halt
etwas anders als zu Zeiten der Sowjetunion. Früher wurde von Moskau
eine Sprachregelung ausgegeben, die aus Berlin an uns weitergereicht
wurde.”
Dieses
Zitat könnte auch im Feuilleton der FAZ stehen, es bestätigt alte
antikommunistische Vorurteile, daß die Kommunisten von Moskau
ferngesteuert wurden. Stehr möge bitte erläutern, warum sich dann die
DKP 1979 das Mannheimer Programm gegeben hat, das lange Jahre
Arbeitsgrundlage der Partei war. Wurde das auch von Moskau vorgegeben?
Wurde auch das Forschungsinstitut der DKP, das IMSF, von Moskau
ferngesteuert? Richtig ist allerdings, daß es einen intensiven
Austausch zwischen Moskau, Ostberlin und Düsseldorf/Frankfurt gab.
3.
Stehr wird in dem Interview zwei Mal nach den Revisionismus-Vorwürfen
gefragt, die an Teile des Parteivorstandes, an das Sekretariat insgesamt
und an Stehr persönlich gerichtet werden.
Der
Vorsitzende hält es nicht für nötig, auf diese Fragen zu antworten.
Stattdessen zieht er sich auf die flauschige Formulierung zurück: „Richtig
ist, daß es in der DKP Debatten über die Einschätzung der Zeit gibt,
in der wir leben.” Das ist politische Semantik vom Feinsten,
wohlgesetzte Worte ohne Inhalt. Stehr ist offenkundig nicht willens
(oder nicht in der Lage?) sich dem Vorwurf des Revisionismus zu stellen.
Hat er keine Argumente?
4.
Er sagt: „Ein Streitpunkt ist
zum Beispiel die Politik der Irakischen KP, die eine Zeit lang in der
Regierung war. Darüber haben wir gestritten. Der 17. Parteitag hat mit
großer Mehrheit auch für die Solidarität mit der IKP gestimmt.”
Das
ist falsch.
Erstens
verschweigt Stehr, daß die „Regierung” eine von den USA eingesetzte
Marionettenregierung war, in der die IKP mitarbeitete. Die IKP hat sich
damit zu Recht den Vorwurf der Kollaboration eingehandelt.
Zweitens:
Stehr hätte mit einer Solidaritätsadresse an die IKP auf dem 17.
Parteitag mit ziemlicher Sicherheit eine Niederlage erlitten. Die
Formulierung in der Parteitagsentschließung heißt vielmehr: „Die
DKP ist durch besondere Solidarität verbunden mit den irakischen
Kommunistinnen und Kommunisten”. Von der IKP ist keine Rede. |