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Der
„wissenschaftliche Sozialismus“
des Vorsitzenden der DKP:
Murks statt Marx
Von
Anna Heinzberger und Günter
Ackermann/31. Januar 2008
Teil
1:
Die
Ableitung von „interessanten Ansätzen“ für linke Politik
Heinz
Stehr (Vorsitzender der DKP) schrieb einen langen Artikel mit der Überschrift
„Allianz ohne Alternative“. Die junge Welt veröffentlichte ihn am
11.Januar 2008. Stehr legt darin seine Sicht der Welt und des Verhältnisses
von Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe und
DKP dar.
In
der Einleitung schreibt Stehr:
„Traut
man einigen Meinungsumfragen, kann man daraus interessante Ansätze für
linke Politik ableiten. In der Zeit wurden Umfrageergebnisse veröffentlicht,
nach denen 86 Prozent der Deutschen sich in der Mitte und links davon
einordnen, als rechts wollen nur elf Prozent gelten. Auf die Frage »Halten
Sie den Sozialismus für eine gute Idee, die schlecht ausgeführt worden
ist?« antworteten 45 Prozent in Westdeutschland und 57 Prozent in
Ostdeutschland mit »Ja«, im Westen 27 Prozent und im Osten 19 Prozent
mit »Nein«. Das führte in der FAZ am 18. Juli 2007 zu einer Analyse,
die Besorgnis erkennen läßt. Am 2. Januar 2008 konnte man in der FAZ
lesen: »Wer verhindern will, daß auch noch das zweite Drittel der
Gesellschaft die Grundlagen unseres politischen und wirtschaftlichen
Systems in Frage stellt, tut deshalb gut daran, das Thema soziale
Gerechtigkeit nicht als ›gefühltes‹, also eingebildetes Problem
abzutun.«“
Stehr folgert daraus: „Offensichtlich
führt die Tatsache, daß die Parteien der neoliberalen Großkoalition
CDU/CSU/SPD/FDP/Die Grünen keine Antworten auf die dringenden Probleme
der Bevölkerung haben, zu einer Legitimationskrise des Parlamentarismus
– mit Ausnahme der Linkspartei.“
Was
sagen die in der Zeit zitierten Umfrageergebnisse aus? Zunächst einmal
dürfte auch Stehr bekannt sein, dass man Meinungsumfragen so
manipulieren kann, indem man suggestive Fragen stellt. Und schließlich:
Was ist politisch „in der Mitte und links davon“? Es sind
ungeeignete Begriffe und Kategorien für eine Analyse. Die Mehrheit der
SPD-Anhänger, ein Teil der CDU-Anhänger besonders der
christlich-soziale Flügel, einige grüne Träumer und der größte Teil
der Parteigänger der Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe
ordnen sich politisch in der Mitte und links davon ein. Weder der
Begriff „Mitte“, noch der Begriff „links“ sind definiert. Die
Begriffe sind beliebig und jedermann hat seinen eigenen Maßstab, der
mit den Maßstäben anderer nicht übereinstimmt. Das Zentralorgan der
Bourgeoisie (FAZ) kommentiert Umfrageergebnisse und sieht die
„Grundlagen unseres politischen und wirtschaftlichen Systems von einem
drittel der Bevölkerung in Frage gestellt“. Immerhin benennt die FAZ
ziemlich genau die Ursachen der Unzufriedenheit von Millionen
Proletariern über ihre soziale Lage und die Angst von weiteren
Millionen Arbeitern vor dem sozialen Absturz, indem sie das
kapitalistische Wirtschaftssystem und den diesem Wirtschaftssystem zugehörigen
politischen Überbau nennt.
Stehr
konstruiert daraus eine „Legitimationskrise des Parlamentarismus –
mit Ausnahme der Linkspartei“. Der BRD-Parlamentarismus ist die
derzeitige Herrschaftsform der Diktatur der Bourgeoisie. Sie befindet
sich in einer Übergangsphase zu offen diktatorischen Strukturen. Das
bestätigt sogar Stehr:
„Auch
wenn es diese Meinungsbildungsprozesse in der Bevölkerung gibt, bleibt
es dabei, daß die politische Entwicklung in der Bundesrepublik
Deutschland weiter nach rechts geht. Die Forderungen entscheidender
Teile des Großkapitals bestimmen im wesentlichen die politischen
Entscheidungen. Innenminister Schäuble, der bereits 1996 in der FAZ
forderte, »weniger Demokratie (zu) wagen«, sieht jetzt die Zeit
gekommen, deutlich reaktionärere Formen der Machtausübung
durchzusetzen. Ausdruck hierfür ist sein Kampf für Bundeswehreinsätze
im Inneren und für eine weitere Einschränkung von Grundrechten. Die
deutsche Innen- und »Sicherheitspolitik« bewegt sich im Gleichklang
mit der gesamten EU. Vorratsdatenspeicherung, Flüchtlingsabwehr, der
Ausbau der Geheimdienste und des Polizeiapparates, der Einsatz des
Militärs im Inneren usw.“
Die
von Stehr angeführten Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen und
durch die imperialistische Kriegsbeteiligung sowie die offene Unterstützung
des terroristischen US-Regimes durch die BRD ergänzen.
Stehrs
Wortwahl „Legitimationskrise des Parlamentarismus“ lässt die ökonomische
Basis des Herrschaftssystems einfach verschwinden und sie nährt die
Illusion, dass der Diktatur der Bourgeoisie mittels ihrer Tarnkappe –
dem Parlamentarismus – beizukommen sei.
Er
vermischt unpräzise
Umfragen mit Entwicklungen des realen Kapitalismus. Die gedankenlose
Verwendung von Begriffen führt zu falschen Schlussfolgerungen und
Interpretationen.
Unzufriedenheit
und Wut aber auch Hilflosigkeit und Resignation von Millionen
Proletariern, die in den Meinungsumfragen zum Ausdruck kommen, ergeben
noch keine Legitimationskrise des Parlamentarismus. Im Gegenteil. Die Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe,
genannt „Die Linke“, ist eben erst richtig angetreten, die
Arbeiterklasse den Weg nach links zu versperren und sie an das
kapitalistische System zu binden. Das wird letztlich nicht gelingen,
denn die Widersprüche des System sind unüberwindbar, aber die
herrschende Klasse gewinnt Zeit.
Die
Arbeiterklasse führt aus sich selbst heraus bestenfalls einzelne
Streiks, die ökonomisch begrenzte Ziele verfolgen: Entweder zur
Verbesserung der Arbeitsbedingungen oder zur Abwehr von deren
Verschlechterung. Das ist auch klar und immerhin – siehe Frankreich
– ein Riesenschritt in die richtige Richtung, aber es reicht nicht.
Es
ist sehr fraglich, ob man aufgrund der unpräzisen und tendenziösen
Fragen in den Umfragen so allgemein von „Meinungsbildungsprozessen in
der Bevölkerung“ reden kann, wie Heinz Stehr es tut. Die Mehrheit des
Proletariats, aber auch der Mittelschichten, sehen mit Sorge in die
Zukunft. Sie suchen nach Auswegen. Ein Teil entdeckt mit Sicherheit –
das zeigen die Wahlen in Niedersachsen und Hessen –
dass die Alternative zum tatenlos Zusehen die Orientierung nach
links ist. Auch wenn das, was links erscheint, eine Tarnung dessen ist,
was sie bereits von der SPD-CDU/CSU-FDP-Grüne kennen.
Abenteuerlich,
dass Heinz Stehr die Linkspartei aus der „Großkoalition“
ausklammert. Die Matadore der Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe
verkünden über sich selbst, im „Westen“ angekommen zu sein. Im
Klartext heißt diese Aussage, dass sie im Kapitalismus angekommen und
Teil dieses kapitalistischen Systems sind – und auch noch stolz darüber
sind.
Genauso
wie jede andere Partei der Bourgeoisie verhält sie sich dann auch in
der Praxis, wie Stehr bereits wenige Sätze später einräumt:
„Heute
hat Die Linke ein politisches Glaubwürdigkeitsproblem. Einerseits gibt
es Reden und Aktionen wie politisch-inhaltliche Forderungen, die
durchaus im Interesse des übergroßen Teils der Bevölkerung sind.
Andererseits wird dort, wo sie wie in Berlin an der Macht beteiligt ist,
eine Politik des Sozial- und Demokratieabbaus mitgetragen. Oder es wird
wie in Dresden im Stadtparlament der Verscherbelung von 48000 Wohnungen
an Heuschrecken zugestimmt. Das ist eine Politik, wie sie so auch von
CDU, FDP, SPD und oftmals den Grünen betrieben wird.
Unvergessen bleibt in der marxistischen Linken, daß es Berlin war, das
als erstes Bundesland aus dem kommunalen Arbeitgeberverband austrat, daß
dort die Beschäftigten im öffentlichen Dienst zum größten Lohn- und
Gehaltsverzicht gezwungen wurden. Berlin gilt in der Durchsetzung der
Hartz-IV-Politik, zumindest in bürgerlichen Medien wird das so
formuliert, als »vorbildlich«.
Aus
den Kommentaren der FAZ leitet er eine Legitimationskrise des
Parlamentarismus ab und aus der Praxis der opportunistischen Linkspartei
ein „Glaubwürdigkeitsproblem“ derselben, aber bitteschön, ohne
dass sie von der „Legitimationskrise des Parlamentarismus“ berührt
ist.
Überhaupt
scheint Stehr ein Ableitungsspezialist zu sein. Aus den
Meinungsumfragen, die wie gezeigt, mit unbrauchbaren Begriffen und
Kriterien arbeiten, leitet er „interessante Ansätze für linke
Politik“ ab. Was er unter „linker Politik“ und
„Ansätzen“ versteht, soll anhand seines eigenen Textes
untersucht werden. Einige der von Stehr genannten Ansätze, in denen die
DKP eine Rolle spielt, sind folgend aufgelistet:
Begrüßung
der Herausbildung der Linkspartei
„Die
DKP hat die Herausbildung der Linkspartei begrüßt.“
Erwartungen
an die Herausbildung der Linkspartei knüpfen
„Sie
[die DKP] knüpft daran Erwartungen, daß von der Partei Die Linke stärkere
Impulse zur Veränderung des Kräfteverhältnisses im Land,…“
Gemeinsamkeiten
zwischen DKP und Linkspartei in den Vordergrund stellen
„Die
DKP hat immer wieder dafür gewirkt, die Gemeinsamkeiten zwischen beiden
Parteien in den Vordergrund zu stellen.“
Entschuldigungen
von Gysi entgegennehmen
„1990
entschuldigte sich Gregor Gysi bei der DKP wegen der von ihm
festgestellten Gängelung der Partei durch die SED.
Davon
überzeugt sein, die DKP als eigenständige Kraft des wissenschaftlichen
Sozialismus zu erhalten
„Wir
waren davon überzeugt, daß es notwendig ist, die DKP als eigenständige
Partei des wissenschaftlichen Sozialismus in diesem Land zu erhalten
und weiter zu entwickeln.“
Vorschläge
für die Entwicklung eines Kooperationsmodells einbringen
„Als
es 2004 um die Frage ging: »Wie kann aus der PDS und der WASG eine neue
Kraft entstehen?«, haben wir erneut den Vorschlag eingebracht, ein
Kooperationsmodell zu entwickeln, in das alle linken Kräfte
einbezogen werden sollten.“
Gemeinsam
diskutieren, Aktionen verabreden, Festlegungen für Wahlen treffen
„Unter
diesem Dach hätte dann gemeinsam diskutiert, es hätten Aktionen
verabredet werden können und es hätte Festlegungen geben können, in
welchen Formen, mit welchen Inhalten, mit welchen Zielen man zu Wahlen
gemeinsam antreten kann.“
Bei
Wahlen die Linkspartei unterstützen
„Bei
Bundes- und vielen Landtagswahlen unterstützt die DKP die Kandidatur
der Linkspartei, profilierte Mitglieder bewerben sich um Listenplätze
und kandidieren, wie jetzt zum Beispiel bei den Landtagswahlen in
Hamburg und Niedersachsen, auf den Listen der Linkspartei.
Bedauernd
zur Kenntnis nehmen, dass die Bemühungen der DKP folgenlos bleiben
„Bisher
fanden zwar Gespräche zwischen verschiedenen Mitgliedern der Führungen
der DKP und der PDS statt, die oft interessant waren. In der Regel
blieben sie allerdings folgenlos.“
Gespräche
mit der Linkspartei verabreden, die von dieser dann abgesagt werden
„Vor
dem geplanten Zustandekommen dieses Wochenendtermins wurde das Treffen
von Seiten
der PDS abgesagt. Die Begründung hierfür war, ein solches
Treffen zwischen DKP und PDS sei in der Linkspartei.PDS nicht
vermittelbar. Ähnlich erging es vielen Vorschlägen und Vorhaben, die
von der DKP angeregt wurden.“
Sich
die Frage stellen, warum die Linkspartei sich nicht klar zur DKP
positioniert
„Es
stellt sich die Frage: Warum ist das eigentlich so, daß es keine klare
Positionierung zur DKP, sei es von der SED/PDS, der späteren PDS,
PDS-Linkspartei oder der Partei Die Linke, gab bzw. gibt?“
Die
Auflistung sollte genügen, dass sich jeder Marxist-Leninist ein Bild
davon machen kann, was der Vorsitzende der DKP unter „interessanten
Ansätzen für linke Politik“ versteht.
Manchmal
scheint das helle Köpfchen Stehr jedoch etwas begriffsstutzig zu sein.
Aus seiner eigenen Schilderung der Vorgänge geht eindeutig hervor, dass
die Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe sich
ganz klar positioniert hat. Dass diese klare Positionierung dem
Vorsitzenden der DKP nicht gefällt, ändert nichts an deren
Vorhandensein.
Bemerkenswert
die wissenschaftliche Sorgfalt, die der Vorsitzende der DKP walten lässt.
Es ist Stehr, der sich nicht klar positioniert.
Teil
2:
Die
unklare Position Stehrs
Das
Programm der DKP definiert eine Position, auf dessen Grundlage eine
marxistisch-leninistische Debatte möglich ist, wenn man die
Ungenauigkeit des verwendeten Demokratiebegriffs
einmal ausklammert.
»Nur
der revolutionäre Bruch mit den kapitalistischen Macht- und
Eigentumsverhältnissen beseitigt letztlich die Ursachen von Ausbeutung
und Entfremdung, Krieg, Verelendung und Zerstörung unserer natürlichen
Umwelt. Die Durchsetzung der elementaren Menschenrechte für alle
Bewohner dieser Erde ist nur in einer Gesellschaft zu verwirklichen, die
auf dem Gemeineigentum an Produktionsmitteln beruht und in der
Demokratie mit der politischen Macht des arbeitenden Volkes
verwirklicht wird. Diese Gesellschaft ist der Sozialismus als erste
Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation.« (Programm der DKP,
Seite 3, 5. Abschnitt)“
Stehr
verwendet diese Passage in seinem Text. Also sollte seine Position klar
sein.
In
seinen praktischen Aktivitäten und Texten ist er aber ständig bemüht
diese Grundsatzposition zu verwischen. Man hat den Eindruck, dass Stehr
neben der Grundsatzposition seiner Partei steht:
„Um
ein aktuelles Beispiel zu nennen: Die GDL-Streiks der letzten Monate
zeigen, was erreichbar ist. Wenn die Bahngewerkschaften mit Unterstützung
durch alle Einzelgewerkschaften und des DGB in Verbindung mit der
globalisierungskritischen Bewegung und sozialen Bewegungen anderer Art
die Bahnprivatisierung auch durch Streiks bekämpften, wäre sie verhinderbar. In diesem Zusammenhang
muss
aus unserer Sicht offensiver
die Eigentumsfrage gestellt werden – die andere Seite, das Kapital,
tut dies täglich!“
Während
das Programm noch den revolutionären Bruch mit den kapitalistischen
Macht- und Eigentumsverhältnissen propagiert, kommt aus dem Munde Stehrs
nur noch das klägliche Wimmern, die Eigentumsfrage offensiver zu
stellen mit der abwiegelnden Bemerkung „in diesem Zusammenhang“. Und
dann entschuldigt er sich auch noch – „das Kapital tut dies täglich“.
Wieder
einmal irrt Stehr. Das Kapital stellt diese Frage nicht. Es vollzieht!
Das Kapital beraubt in der BRD täglich tausende Proletarier ihrer
Existenzgrundlagen und Ersparnisse. Weltweit sind es täglich zigmillionen. Und es raubt nicht nur. Das Kapital foltert, vergewaltigt
und mordet.
Die
Grundsatzposition der Linkspartei beschreibt Stehr durchaus brauchbar
und hinreichend genau, wenn er Lafontaine
zitiert:
„Oskar
Lafontaine hat in Disput im August 2007 einen […]
Beitrag unter der Überschrift
»Freiheit durch Sozialismus« veröffentlicht. Dort schreibt er: »Den
Gegenentwurf zum kapitalistischen Wirtschaftssystem nennt Die Linke Demokratischer
Sozialismus. Sie versteht darunter mehr als eine Wirtschaftsordnung.
Demokratischer Sozialismus setzt aber eine Wirtschaftsordnung voraus,
die den Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht,
den Frieden bewahrt und die Umwelt schützt.« Er fordert: »Die
Kontrolle jeder Art von Macht, also auch der wirtschaftlichen Macht, ist
ein Kernanliegen der Linken.« Dies ist aus seiner Sicht über einen
starken Staat zu erreichen. Begriffe wie »Verstaatlichung«, »Vergesellschaftung«
müssten mit neuen Inhalten gefüllt werden. Es gehe um das Recht auf
Mitentscheidung der Beschäftigten.
Aus
meiner Sicht beschreibt dieser Artikel […]
Überlegungen für einen
regulierten Kapitalismus, aber auch neue Kontroll- und Eingriffsmöglichkeiten
durch einen »stärkeren Staat«. Es werden eher antimonopolistische
Forderungen entwickelt. Es sind allerdings keine Vorstellungen zu einer
sozialistischen Gesellschaftsordnung, wie wir sie sehen.“
Die
alte Debatte um die Fragen Reform oder Revolution wird aufgewärmt. Die
Geschichte hat die Antwort bereits gegeben. Reformismus, Opportunismus
und Revisionismus zieren sich den Offenbarungseid abzulegen. Mit den
Bankrotteuren in der kapitalistischen Ökonomie ist ihnen gemeinsam,
dass sie sich noch Minuten bevor der Konkursverwalter das Kommando übernimmt,
als die größten Genies darstellen und anschließend Andere oder die
widrigen Umstände zu Schuldigen erklären.
Stehr
beschwört, wie es die DKP sei ihrem Bestehen macht, die Gewerkschaftsführer.
„Vor
allem die Gewerkschaften sind gefordert, mit neuen Formen
innergewerkschaftlicher Demokratie, Beteiligung usw. sowie anderen
Kampfformen als bisher bis hin zum Generalstreik den Stopp der
Rechtsentwicklung und einen Politikwechsel zu erzwingen. Dieses Ziel ist
vor allem durch außerparlamentarischen Kampf erreichbar.“
Weiß
Stehr nicht, dass fast alle hohen Gewerkschaftsführer das
SPD-Parteibuch in der Tasche haben, weiß er nicht, dass sie den Teufel
tun werden, aber nicht zum Generalstreik aufrufen werden? Er züchtet
Illusionen über deren tatsächlicher Politik als Stütze des
bourgeoisen Staats und meint, sie könnten und wollten je anders
handeln. So ist die DGB-Gewerkschaft Transnet in Wirklichkeit eine gelbe
Unternehmensgewerkschaft, die ihre Mitglieder zum Lohnverzicht bringt
– zum Wohle des Börsengangs der Bahn. Der GDL-Streik hat doch
vielmehr gezeigt, dass die DGB-Gewerkschaft Transnet und auch andere
DGB-Gewerkschaftsführer, Erfüllungsgehilfen des Kapitals sind. Davon
aber verliert Stehr kein einziges Wort.
In
einigen Einschätzungen erwischt Stehr den richtigen Faden:
„Andererseits
bin ich der Überzeugung, dass
es die politische Option der Linkspartei
ist, sich auf eine Zusammenarbeit mit der SPD, vor allem im
parlamentarischen Rahmen, zu orientieren. So sagte Gregor Gysi am 20.
Mai 2006 in einem Interview: »Meine Partei kommt um die Bereitschaft zu
einer Regierungsbeteiligung nicht herum.«“
Doch
er folgt dem Faden nicht und kommt zu Schlussfolgerungen, die
unrealistisch sind und jammert, weil die Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe das
Liebeswerben Stehrs verschmäht.
Die
Linkspartei hat sich für den Kapitalismus entschieden. Der
Zusammenschluss von PDS und WAS verstärken den Antikommunismus und
Antimarxismus in der Linkspartei. Er ist dort aggressiver und
intoleranter als in linken christlichen Kreisen wie beispielsweise den
Sozialforen.
Die
Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe ist nicht daran interessiert, über den
„revolutionären Bruch mit den Macht- und Eigentumsverhältnissen“
zu diskutieren. Das Ziel ihrer Führungscliquen ist es, an die Fresströge
des Kapitalismus heranzukommen. Dafür prostituieren sie sich dem
Kapital überall da, wo sie mitregieren. Ähnlich wie die SPD zuvor,
zeigen sie dem Kapital, dass sie dessen Interessen noch wirksamer
durchsetzen und gleichzeitig das Proletariat mit leeren Sprüchen besser
hinhalten können, als die abgewrackte Sozialdemokratie.
Das
sollte der Vorsitzende der DKP endlich zur Kenntnis nehmen und nicht
dauernd von „spannenden Diskussionen“ oder „interessanten Beiträgen“
schwadronieren, wenn der Sozialdemokrat Lafontaine mal wieder alte
stinkende Socken aufwärmt . Die Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe ist nicht
die SED. Sie wird geführt von Revisionisten. Viele aufrechte
Kommunisten haben dieses Sammelbecken der Konterrevolution verlassen –
viele davon sind jetzt Mitglieder der DKP.
Alle
von Stehr aufgeführten Beispiele zeigen sehr deutlich, dass die
Grundsatzpositionen der Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe mit denen eines Großteils
der DKP-Mitglieder nicht vereinbar sind. Nimmt man die Beispiele aus der
Mitregierungspraxis der Linkspartei hinzu, liegt der Schluss nahe, dass
nicht mal Bündnisse in einzelnen praktischen Fragen (Hartz IV, Rente,
„Heuschrecken“ usw.) mit der Linkspartei möglich sind. Im Zweifel
und in der Mitregierung des bourgeoisen Regimes hält sich die
Linkspartei ganz offensichtlich nicht einmal an ihre eigenen
sozialpartnerschaftlichen Programme.
Daher
ist zu prüfen, ob die Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe überhaupt bündnisfähig
ist im Rahmen eines Linksbündnisses. Bisher hat sie gezeigt, dass sie
nur im Rahmen konservativ - neoliberal – reaktionärer Vereinbarungen
mit der verkommenen SPD bündnisfähig ist.
Das
praktische Verhalten des Vorsitzenden der DKP in Bezug auf die
Linkspartei, verträgt sich nicht mit dem, was die Mitglieder einer
kommunistischen Partei von ihrer Partei erwarten.
Haufenweise
sammelt er Absagen und Abfuhren von der Linkspartei. Dennoch
schleimt er weiter um diese sozialdemokratische Gruppierung herum, die
sich mit dem Wort „Links“ schminkt, um die Arbeiterklasse zu täuschen.
Er ist offensichtlich damit
überfordert, klare Positionen und Alternativen für die DKP zu
entwickeln. Das, was Genosse Stehr als „einzige“ Alternative verkündet
und immer wieder aufwärmt, ist längst gescheitert.
Teil
3:
Was
will Stehr?
Oder:
Es rettet uns kein Lafontaine, kein Brie, kein Bisky noch Gregor
Stehr
führt in seinem Text ausschließlich Beispiele an, die nur den Schluss
zulassen, dass die Linkspartei keine Alternative für eine Allianz mit
einer kommunistischen Partei ist – erzählt aber den Mitgliedern der
DKP dennoch das genaue Gegenteil. Das erreicht er mit ein paar simplen
Tricks.
Einleitend
erzählt er einige Sorgen, über die die Bourgeoisie in ihren Gazetten
grübelt um dann die Plattheit zu verkünden, dass die Entwicklung in
der BRD weiter nach rechts geht. Nach dieser Einschläferung stellt er
die Forderung Abwehrkämpfe zu organisieren.
Jetzt
spielt Stehr seine Trickkarte, indem er für die Linkspartei eine große
Verantwortung bei der Formierung der unterschiedlichen Gruppen
in der politischen Linken definiert,
weil sie die stärkste Gruppierung sei. Damit wischt er alle dagegen
sprechenden Beispiele und Argumente weg, die er gerade noch selbst
formulierte.
Über
die Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe philosophiert er:
„Andererseits
bin ich der Überzeugung, daß es die politische Option der Linkspartei
ist, sich auf eine Zusammenarbeit mit der SPD, vor allem im
parlamentarischen Rahmen, zu orientieren.“
Hier,
allerdings einige Absätze, später offenbart er, dass die Karte nicht
ins Spiel gehört. Er hatte sie im Ärmel. Was ist eigentlich die
politische Option des Heinz Stehr?
Der
Titel seines Textes und die Zielrichtung seiner Parteiführung sind auf
Anbiederung an die Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe ausgerichtet. Er nennt
das „Allianz ohne Alternative“ im Zusammenhang mit seinen Abwehrkämpfen.
Er optiert dafür, Anhängsel der Linkspartei zu werden und zum Dank für
die Dienste, die die DKP der Linkspartei bei Wahlen erweist, Plätze auf
den Kandidatenlisten zu ergattern.
Für
Stehr mag es ja keine Alternative geben, als in den Arsch der
Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe zu kriechen. Aber es gibt sie, jedenfalls für
Kommunisten. Aber das ist Stehr fremd.
Er
will also rein in den Parlamentarismus, Hure der Bourgeoisie werden und
das als Wurmfortsatz der Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe. Das kann er
vielen verdienten Genossinnen und Genossen in der DKP aber nicht in
dieser Offenheit sagen. Darum orakelt er immer wieder von „gesellschaftlichen Allianzen, breiten und stabilen Bündnissen,
Politikwechsel, außerparlamentarischem Kampf“ und dergleichen
unklaren Vorstellungen mehr.
Er
versucht die Spuren seiner Parteiführung zu verwischen. Die Mitglieder
der DKP sollen nicht merken, dass er seine Partei zu einem
revisionistischen Anhängsel der Linkspartei machen will, ähnlich der
dort existierenden und als linkes Feigenblatt funktionierenden
kommunistischen Plattform.
Die
Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe braucht die DKP nicht. Vor
der letzten Bundestagswahl kam eine wahre Welle von Einheitsbesoffenheit
zu Gunsten der Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe auf.
Eine
ehemals ultralinke lokale Gruppe hebt den Klosterschul-Zögling und
Stipendiaten des katholischen Cusanuswerkes (Bischöfliche
Studienstiftung), Oskar Lafontaine, gar in den Heiligenstand eines Kämpfers
gegen den Imperialismus. Die DKP, die MLPD und die KPD (Rote Fahne)
appellieren an ihn und die PDS, sie doch bitte mit ins warme Bettchen zu
nehmen. Aber die Herren Bisky, Gysi und Lafontaine erachteten das nicht
einmal für eine Antwort wert. Jedenfalls macht die PDS nur gemeinsame
Sache mit der WASG, mit der sie sich ja zu vereinigen gedachte. Das ist
ja bekanntlich inzwischen geschehen.
Allerdings
durfte der DKP-Rechte Leo Mayer, fern seiner bayrischen Heimat, in Sachsen,
für den Bundestag kandidieren, aber das auf aussichtlosem Platz.
Was
sollte auch die Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe veranlassen, sich
ausgerechnet die DKP ins Haus zu holen? Um sich als links zu verkaufen,
genügt es ihr noch, wenn sie linke Sprüche klopft, scheinbare soziale
Forderungen stellt, die
entweder nichts bringen oder leere Worte sind. Auch hat sie innerhalb der
eigenen Partei „Kommunisten“, angeführt von der umtriebigen Sahra Wagenknecht. Die sind Feigeblatt genug und die sind handzahm. Die DKP
als Partner herein zu holen, brächte für Bisky-Gysi-Lafontaine keine
Vorteile und macht somit auch keinen Sinn.
Auch:
Zu was sollen sie der DKP Zugeständnisse machen, wenn diese Partei –
jedenfalls wenn es nach den Vorstellungen des Vorstandes geht – als
Wasserträger der Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe auftreten will und auch
nicht im Traume daran denkt, eigenständig zu werden und kommunistische
Positionen zu vertreten? Auch ist die DKP in weiten Teilen politikunfähig
geworden. Bisky-Gysi-Lafontaine wären mit dem Klammerbeutel gepudert,
wenn sie dem Liebeswerben eines gewissen Heinz Stehr nachgeben würden.
Die
Alibifunktion erfüllt die DKP bereits jetzt und als Gnadenbeweis wird
dann der eine oder andere aus der DKP mal auf eine Liste gesetzt und,
wenn die Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe sehr erfolgreich ist – wie z.B.
im Januar 2008 in Niedersachsen, kommt auch der eine oder andere aus der
DKP vielleicht auch in en Parlament.
Das
reicht der Troika Bisky-Gysi-Lafontaine vollkommen, mehr Zugeständnisse
wären schon zu viel. Noch verkaufen sie sich als Linke, noch eilt ihnen
der Ruf voraus, radikal oder gar kommunistisch zu sein. Wozu dann einen
Stehr adeln, indem man mit ihm auf Augenhöhe verhandelt?
Das
weiß natürlich auch Heinz Stehr, aber er buhlt um die Liebe der Drei
und muss das nun seinen Mitgliedern verkaufen.
Er
wendet dabei einen Trick an, der in seiner Partei nicht neu ist: Linke
Phrasen im ersten Satz und dann, als Schlussfolgerung, das genaue
Gegenteil. Ein Beispiel:
„Es
bleibt bei der Aufgabe, Abwehrkämpfe zu organisieren, um den Angriffen
aus Kapital und Kabinett solche Gegenwehr entgegenzusetzen, die weitere
Rechtsentwicklung verhindert. Dies wird nur in gesellschaftlichen
Allianzen, in breiten und stabilen Bündnissen, möglich sein. In diesen
muß die organisierte Arbeiterbewegung Hauptträger des Widerstandes
sein. Vor allem die Gewerkschaften sind gefordert, mit neuen Formen
innergewerkschaftlicher Demokratie, Beteiligung usw. sowie anderen
Kampfformen als bisher bis hin zum Generalstreik den Stopp der
Rechtsentwicklung und einen Politikwechsel zu erzwingen. Dieses Ziel ist
vor allem durch außerparlamentarischen Kampf erreichbar.“
Ja
sicher, die Abwehrkämpfe müssen von der Arbeiterbewegung getragen
werden. Richtig! Aber, lt. Stehr, vor allem von den Gewerkschaften. Wenn
ich mir vorstelle, dass z.B. der Vorsitzende der IBBCE Hubertus Schmoldt vor 10.000 Chemiewerkern von der BASF, Bayer oder
Evonik steht und zum Generalstreik in der chemischen Industrie und im
Energiebereich aufruft, beginne ich an den Weihnachtsmann zu glauben.
Aber selbst, wenn wir den ganz rechten Sozialdemokraten Schmoldt mal außen
vor lassen und uns die nicht so weit rechtssozialdemokratischen
Gewerkschaftsführungen, z.B. die IG-Metall, ansehen, sieht es auch nicht
besser aus.
Der
Fetisch eines „breiten Bündnisses“, den Stehr anbetet, muss nicht
automatisch die Kampfkraft erhöhen. Oft schwächt das auch. Je
breiter ein Bündnis wird, um so profilloser wird es auch und umso
unklarer werden die Ziele und die Wege zum Ziel.
Zu
warten, bis DGB-Chef Sommer, IG-Metall-Chef,
Berthold Huber, IGBCE-Chef
Schmoldt usw. zum Generalstreik aufrufen, heißt die Kämpfe auf den St.
Nimmerleinstag zu verschieben und heißt, den Bock zum Gärtner machen.
Oft
ist es, dass kleinere Bündnisse, bei denen mehr Profil ist und die
Mitstreiter wissen, worum es geht, schlagkräftiger sind, als Stehrs Geschmuse mit der Bisky-Gysi-Lafontaine-Truppe und den
sozialdemokratischen Gewerkschaftsführern.
Die
Strategie der DGB-Gewerkschaftsführungen gegen die neoliberale
Formierung, insbesondere gegen die "Agenda 2010" kann kaum als
offensiv bezeichnet werden. Massenentlassungen und Reallohnsenkungen
wurden vielfach ohne nennenswerten Widerstand durchgesetzt. Für viele
ist damit klar: So würde eine Verteidigung von Arbeiterinteressen nicht
zu bewerkstelligen sein. Spätestens hier war die Suche nach
Alternativen eröffnet.
Stehrs
Fetischanbetung „breites Bündnis“ verkennt, dass es die Mitglieder
der Gewerkschaften sind, denen unser Interesse zu gelten hat. Sie werden
von den Gewerkschaftsführern verraten und verkauft. Es wäre Aufgabe
von Kommunisten, das offen zu legen. Ist Stehr einer? Das behauptet er
jedenfalls.
Stehr
drückt sich, wo immer es geht, um klare Aussagen. So ist
„Politikwechsel“ ein Lieblingswort Stehrs. Daneben findet sich häufig
das Wort „Ansätze“ in seinem Text. Beide Worte sind bestens
geeignet, um eine klare Positionierung zu vermeiden. Das ist ein
wesentlicher Grund, warum Stehr sie so mag.
Teil
4:
Fassen
wir zusammen:
Stehrs
Artikel in der Jungen Welt entspricht exakt dem Niveau des
Steigerwald-Textes vom Vormonat.
Während Steigerwald pseudotheoretisch den Revisionismus zu
rechtfertigen versucht und dabei wild spekulierend mit falschen Zitaten
arbeitet, macht es sein Parteichef ebenso in der praktischen Politik.
Es
geht der DKP-Führung nicht um Richtig und Falsch, nicht um die
revolutionären Ideale der marxistisch-leninistischen, der kommunistischen, Bewegung, sondern
um simple Anpassung an das kapitalistische System. Oder klarer
ausgedruckt: um Klassenverrat.
Haltet den Dieb oder Wie
Robert Steigerwald Stalin und den Aufbau des Sozialismus
verunglimpft und die Geschichte fälscht, Von Günter
Ackermann/Januar 2008 siehe
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