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Ein
Dokument des Revisionismus und Antikommunismus:
Macht
und Moral
Debatte.
»Dialektik der Vernunft«? Über fatale Irrtümer des Genossen Hans
Heinz Holz
Hans-Peter
Brenner, Nina Hager und Robert Steigerwald
jungeWelt
vom 17. Februar 2011
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Siehe
auch:
Haltet
den Dieb oder
Wie
Robert Steigerwald Stalin und den Aufbau des Sozialismus
verunglimpft und die Geschichte fälscht
Von
Günter Ackermann/Januar 2008 mehr |
Hans
Heinz Holz will mit seinem jW-Beitrag (Thema vom 2.2.2011) der »Begriffsverwirrung«
in Sachen Moralität und Historizität, die im Zusammenhang mit der
aktuellen »Kommunismus-Debatte« unter der politischen und
ideologischen marxistischen Linken zu erkennen sei, ein Ende bereiten.
Er formuliert dabei sehr grundsätzliche
Positionen zum revolutionär-marxistischen »Moral«-Begriff und
zur Geschichte unserer Bewegung, die uns zu einer deutlichen Antwort
veranlassen, weil sie die revolutionäre, marxistische Linke in eine Sackgasse führen, aus der nur schwer herauszukommen sein
wird.
Wir
fühlen uns von seinem Beitrag nicht nur in unserem Status als
verantwortliche Funktionäre in der kommunistischen Bewegung dieses
(zwangsvereinigten) Deutschland betroffen. Unsere jahrzehntelange Zugehörigkeit
und unser Einsatz für KPD, SED und DKP basiert auf geschichtlichen
Erfahrungen, individuellen Einsichten und Prinzipien revolutionärer
kommunistischer Ethik und Moral, die mit den geäußerten Ansichten
unseres Genossen Hans Heinz Holz deutlich kontrastieren.
Seine
apodiktischen Aussagen und zugleich Bagatellisierung von Unrecht (nicht
nur) gegenüber Kommunist(inn)en lösen bei uns auch eine starke persönliche
Betroffenheit aus, weil Hans Heinz Holz damit unseren revolutionär-humanistischen
Ansprüchen und dem, was wir dafür tun, diametral entgegensteht. Wir fühlen
uns unserer individuellen aber kollektiven politischen Biographien wegen
zum Widerspruch verpflichtet – auch um Schaden von unserer Partei
abzuwenden.
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Zwei
der drei Autoren des antikommunistischen Pamphlet:
Robert
Steigerwald (links) und Nina Hager (rechts) |
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Ethik
der Arbeiterklasse
Wir
widersprechen Hans Heinz Holz besonders in folgenden Punkten:
Erstens:
Es ist keineswegs »utopisch,
die Vorstellungen von Marx und Engels, wie eine kommunistische
Gesellschaft aussehen könne, bereits auf die Zeit der Revolution zu übertragen,
die zu den Anfängen dieser neuen Stufe der Menschheitsentwicklung führen
soll«. (Holz) Natürlich können weder die sozialen, politischen und ökonomischen
Merkmale einer noch im Boden des Kapitalismus wurzelnden »Übergangsgesellschaft«
zum Kommunismus – und das ist nach den von Marx, Engels und Lenin
formulierten Kriterien der Sozialismus als dessen »erste Stufe« –
mit einer entwickelten klassenlosen, kommunistischen Gesellschaft
gleichgesetzt werden. Der Sozialismus ist (noch) eine
Klassengesellschaft, es gibt – zumindest in Teilbereichen – noch
Warenproduktion; aber es gibt die Herrschaft des Proletariats, des »werktätigen
Volkes« und seiner Verbündeten anstelle der »Diktatur der Bourgeoisie«,
und das System der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, das
System der kapitalistischen Lohnarbeit und das kapitalistische Eigentum
an den Produktionsmitteln sind abgeschafft.
Und
doch wird sich dadurch von Beginn der Revolution und des Aufbaus auch
dieser Übergangsgesellschaft an ein politisch, philosophisch und
kulturell geprägter Überbau entwickeln (müssen), der sich nicht mehr
nach den Moralvorstellungen des Kapitalismus (»Jeder ist sich selbst
der Nächste« und «Profit regiert die Welt«) entwickelt, sondern nach
den moralischen und ethischen Vorstellungen, wie sie für die
Arbeiterklasse geschichtlich charakteristisch sind. Die Ideale von »Freiheit,
Gleichheit und Brüderlichkeit« sind doch für Marxisten nichts
Obsoletes (obsolet = veraltet), weil sie Fanfarenstöße einer bürgerlichen
Revolution waren. Als Dialektiker muß Hans Heinz Holz doch wissen, daß
sie in der revolutionären Arbeiterbewegung im Hegelschen Sinne »aufgehoben«,
d.h. mit den sozialen und politischen Interessen der Arbeiterklasse inhaltlich neu definiert und vom »Kopf auf die Füße«
gestellt werden.
Verschiedene
Kampfmethoden
Zweitens:
Dies berührt gewiß auch die Frage nach dem Stellenwert und der
absoluten Bereitschaft und auch Fähigkeit zur Verteidigung
der Errungenschaften der proletarisch-sozialistischen Revolution.
Dabei geht es um eine weit umfassendere Dimension von revolutionärer
Politik als nur um die bei Holz in fataler
Verkürzung formulierte Rolle der »revolutionären Gewalt«.
Dabei
ist unter Kommunisten unstrittig: Ohne revolutionäre Gewalt hätte das
arbeitende Volk in keiner seiner bisherigen oder von ihm organisierten
und/oder unterstützten Revolutionen siegen können– weder 1789 noch
1871 (Pariser Kommune) oder 1917 (Oktoberrevolution) und 1959 (Kuba).
Selbst die aktuellen Beispiele aus Tunesien und Ägypten zeigen dies: Es
geht nicht ohne Widerstand und revolutionäre Offensive in allen Formen
gegen ein unterdrückendes Regime, das nicht freiwillig von den
Schaltstellen der Macht abtritt.
»Aber
es kann auch kein Zweifel daran bestehen, daß die revolutionäre Gewalt
nur in bestimmten Entwicklungsetappen der Revolution, nur unter
bestimmten und besonderen Bedingungen eine notwendige und gesetzmäßige
Methode der Revolution ist. Die Organisation der proletarischen Massen,
die Organisation der Werktätigen ist ein viel wesentlicheres ständiges
Merkmal dieser Revolution und Voraussetzung ihrer Siege. Eben in dieser
Organisation von Millionen Werktätigen liegen die besten
Entwicklungsbedingungen der Revolution, liegt die unerschöpfliche
Quelle ihrer Siege.«
(W.I. Lenin: Gedenkrede für J. M. Swerdlow in der außerordentlichen
Sitzung des gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees, 18.März 1919, LW
29, S.74)
Und
auch als in Ungarn eine Räterepublik zeitweilig den Sieg errungen
hatte, betonte Lenin in einem »Gruß an die ungarischen Arbeiter« vom
27. Mai 1919: »Aber nicht in der Gewalt allein und nicht hauptsächlich
in der Gewalt besteht das Wesen der proletarischen Diktatur. Ihr
Hauptwesen besteht in der Organisation und Disziplin der
fortgeschrittensten Abteilung der Werktätigen, ihrer Avantgarde, ihres
einzigen Führers, des Proletariats.« (W.I. Lenin: Gruß an die
ungarischen Arbeiter, in: Ausgewählte Werke Bd. III, S. 238)
Lenin
unterschied also sehr deutlich, in welcher Periode welche Kampfmethode
im Mittelpunkt stehen müsse. »Es ist natürlich und unvermeidlich,
daß uns in der ersten Zeit nach der proletarischen Revolution vor allem
die Haupt- und Grundaufgabe beschäftigt – die Überwindung des
Widerstandes der Bourgeoisie, der Sieg über die Ausbeuter, die Unterdrückung
ihrer Verschwörung (…) Aber neben diese Aufgabe tritt ebenso
unvermeidlich – je weiter, desto mehr – die wesentlichere Aufgabe
des positiven kommunistischen Aufbaus, der Schaffung neuer ökonomischer
Beziehungen, der Errichtung einer neuen Gesellschaft.« (W.I.
Lenin. Die große
Initiative, in: Ausgewählte Werke Bd. III,
S. 253ff.)
Drittens:
Auch Stalin
vertrat – zumindest theoretisch – in den frühen 20er Jahren keine
andere Auffassung. Er unterschied in seiner später zur theoretischen
Standardausrüstung jedes Kommunisten gewordenen Schrift »Zu den Fragen
des Leninismus« wie Lenin selbst unterschiedliche Perioden der Diktatur
des Proletariats, die auch unterschiedliche Formen der politischen
Machtausübung und der Arbeitsorganisation erfordern. »Die Diktatur
des Proletariats hat ihre Perioden, ihre besonderen Formen, ihre
verschiedenartigen Arbeitsmethoden. In der Periode des Bürgerkrieges
ist besonders augenfällig die gewaltsame Seite der Diktatur. Aber
daraus folgt keineswegs, daß in der Periode des Bürgerkriegs keine
Aufbauarbeit stattfindet. Ohne Aufbauarbeit ist es unmöglich den Bürgerkrieg
zu führen. In der Periode des Aufbaus des Sozialismus fällt umgekehrt
besonders die friedliche, organisatorische, kulturelle Arbeit der
Diktatur, die revolutionäre Gesetzlichkeit usw. ins Auge.« (J.
Stalin: Zu den Fragen des Leninismus, in: Fragen des Leninismus, 1947,
S.147)
Doch
woraus leitet sich diese
»revolutionäre Gewalt« ab? Ist sie nur ein pragmatisches Instrument
im Sinne Machiavellis, bei dem »die Macht und nur die Macht« das
Leitmotiv ist? Folgt die Macht keiner »Moral« und keiner
Gesetzlichkeit?
Viertens:
Die von Hans Heinz Holz attestierte Herausstellung des »humanitären
Ethos der Kommunarden« von Paris (1871) durch Marx und Engels kollidiert
nicht zwangsläufig mit der gebotenen revolutionären Wachsamkeit
und Konsequenz und führt nicht automatisch zu einer entwaffnenden »Utopie
von Gewaltlosigkeit«, an der schließlich die Verteidigung der
Revolution scheitern muß (te).
Die
Verteidigung der revolutionären Errungenschaften in der Sowjetunion in
den zwanziger und dreißiger Jahren erforderte nicht den Verzicht auf die sozialistische Gesetzlichkeit
und auf das Einhalten der auch in den kommunistischen Parteien
notwendigen Prinzipien der innerparteilichen Demokratie und der Freiheit
des Wortes auf der Basis von Programm und Statut.
Fidel
Castro sagt über diese Zeit und die besondere Verantwortung Stalins: »Ich
bin der Meinung, daß er (Stalin) die Verantwortung dafür trägt, daß die Sowjetunion von der mächtigen
Militärmaschine Hitlers überrollt wurde, ohne daß die
sowjetischen Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt worden wären.
Stalin hat außerdem schwere
Fehler begangen. Seinen Machtmißbrauch und die Willkür, mit der er
handelte, brauche ich nicht zu erwähnen. Dennoch hat er auch
Leistungen vollbracht. Die Industrialisierung der Sowjetunion und die
Verlagerung und Entwicklung der Militärindustrie nach Sibirien waren
entscheidende Faktoren im Kampf der ganzen Welt gegen die Nazis. Wenn
ich das analysiere, dann bewerte ich seine Leistungen und zugleich seine
großen Fehler. Einer dieser Fehler war die Säuberung der Roten Armee
aufgrund einer Intrige der Nazis, womit er die UdSSR kurz vor dem
faschistischen Prankenschlag militärisch schwächte. (…) Er hat sich
selbst entwaffnet und anschließend das verheerende deutsch-sowjetische
Ribbentrop-Molotow-Abkommen, den Hitler-Stalin-Pakt,
unterzeichnet und andere Dinge mehr.« (Aus: Fidel Castro,
Mein Leben. Fidel Castro mit Ignacio Ramonet, Berlin 2008, S. 197 f.)
Kompaß
für den Kampf
Dabei
verkennen wir keineswegs die verzweifelte Lage, in der sich die
Sowjetunion und ihre Führung unter Stalin befand, die gewiß richtig
daran tat, auch mit diplomatischen Manövern so lange wie möglich die
faschistische Kriegsmaschinerie aufzuhalten. Doch mit den über
Jahrzehnte bestrittenen geheimen
Zusatzverträgen zum Ribbentrop-Molotow-Vertrag wurden Grenzen der
revolutionären Moral überschritten, in dessen Gefolge es zur Auslieferung
bzw. Rückführung auch von deutschen Antifaschisten aus der Sowjetunion
kam – darunter zahlreiche KPD-Mitglieder –, die in den Zuchthäusern
Hitlers landeten.
An
anderer Stelle sagt Fidel Castro etwas über die Grundlagen seiner
revolutionären Identität und der engen Verbindung zwischen Marxismus
und revolutionärer Ethik, was uns in diesem Zusammenhang ein wichtiges
Anliegen ist: »Ohne Kompaß wäre Kolumbus nirgendwo angekommen.
Aber es gab einen Kompaß, ich hatte einen; das, was ich bei Marx und
Lenin gelernt hatte. Und die Ethik – das muß ich noch mal sagen –,
die ich bei Martí gefunden hatte.« (a.a.O., S. 116)
Die
Ethik José Martís, aber auch anderer antiimperialistischer und
proletarischer Revolutionäre steht nicht im Gegensatz zum
entschlossenen politischen und/oder militärischen Kampf gegen
Kapitalismus und Imperialismus. Sie ist ein notwendiger Bestandteil
revolutionärer Identität.
Fidel
sagte sogar etwas zur Bedeutung christlicher Wertvorstellungen, die
einem Revolutionär gut anstehen können: »Wie jedes westliche
humanistische Denken, so hat auch Martís Philosophie einen Anteil an
christlicher Ethik. Er war ein Mann mit großer Ethik. Die besten
christlichen Werte hatten starken Einfluß auf ihn, zusammen mit der
heldenhaften Tradition der Unabhängigkeitskämpfe in dieser Hemisphäre,
den Kämpfen in Europa und der Französischen Revolution.« (a.a.O.,
S. 169)
Der
Verweis auf die real in den zwanziger und dreißiger Jahren vom
Imperialismus und Faschismus diktierten Bedingungen des »härtesten
internationalen Klassenkampf(s)« beim Aufbau einer sozialistischen
Gesellschaft in der Sowjetunion können und konnten keinerlei
Freibrief sein für eine Machtausübung, die an keine (sozialistischen)
Gesetze und an keine (proletarische) Moral und Ethik mehr gebunden ist.
Das
ist kein »utopischer
Moralismus«, wie Holz meint. Die Regeln der kommunistischen
Klassenmoral mußten auch in diesen Perioden des zugespitzten
Klassenkampfs gelten. Daß dies möglich ist, zeigt uns das Beispiel der
kubanischen Revolution.
Innermarxistischer
Dialog
Abschließend
noch einige notwendige Worte zum Stil der Auseinandersetzung im
politischen Diskurs. Wir
halten es für unakzeptabel (und dem Niveau von Hans Heinz Holz
selbst völlig unangemessen), wie
im besagten Artikel der Umgang mit anderen Marxisten praktiziert wird.
So z.B. mit Kurt Pätzold, dem unterstellt wird, sich »auf das Niveau
und in den Dienst der primitivsten bürgerlichen Ideologieformel Rot
gleich Braun« zu stellen, weil der Historiker »das Wort ›Barbarei‹
gleichermaßen für den deutschen Faschismus und den Aufbau der
Sowjetunion unter Stalin gebraucht (jW-Thema vom 28.1.2011)« und
von dem er behauptet, er habe »den Sinn des Wortes bei Rosa Luxemburg
nicht begriffen, ja er hat überhaupt keinen Begriff von
gesellschaftlichen Zuständen«.
Pätzold
schrieb
in seinem Beitrag am 12. Januar aber auch: »Der Begriff Kommunismus
ist allerdings geschändet, nur nicht durch einen Versuch, von der Idee
zu einer ihr gemäßen geschichtlichen Wirklichkeit zu gelangen, sondern
durch seinen Mißbrauch. Die Untaten
der Stalin-Ära gingen von Führern einer Partei aus, die sich
Kommunistische Partei nannte. Sie wurden auch unter Berufung auf die
Begründer des modernen kommunistischen Denkens, auf Marx und Engels,
gerechtfertigt. Mit den Vorstellungen, die Marx und Engels, Bebel und
Wilhelm Liebknecht, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von einer
Gesellschaft der Zukunft entwickelten und hegten, hat aber das
stalinistische Regime nichts gemein. Die Unvereinbarkeit dieser mit
jenem läßt sich an deren Schriften dartun. Das ist hinreichend
geschehen.«
Selbst
wenn wir, gestützt auf die Analysen unserer Partei und unserer eigenen
Arbeiten, in der Bewertung der Stalin-Periode in dieser oder jener (auch
grundsätzlichen) Frage nicht mit Kurt Pätzold übereinstimmen, so kann
es uns nicht kaltlassen, wenn ein innermarxistischer Dialog nach den
Regeln eines unversöhnlichen Freund-Feind-Schemas abläuft.
Hinzu
kommt die abgehobene
Betrachtung des Geschichtsprozesses, der einer ehernen
Notwendigkeit zu unterliegen scheint. Woher aber kommt diese? Aus den
Vorstellungen und Wünschen einzelner? Aus den »Festlegungen« einer
absoluten Idee? Das Handeln der Menschen unter bestimmten Bedingungen
und Voraussetzungen wird von Holz unseres Erachtens allein an dieser
angeblich »ehernen Geschichtsnotwendigkeit« und ihrer Durchsetzung
(mit allen Mitteln) gemessen. Und das im Namen einer »Dialektik der
Vernunft«. Mit einer solchen Geschichtsauffassung kommt Hans Heinz Holz
bei der Bewertung wichtiger Perioden der Geschichte der kommunistischen
Bewegung aus unserer Sicht, was das Verhältnis von Moralität und
Historizität betrifft, zu
fatalen Schlußfolgerungen.
Maßstäbe
der Vernunft
Hans
Heinz Holz folgert auf dieser Basis: »Das einzelne Unrecht, ein
moralisches, zum allgemeinen Gesetz erhoben, wird ein historisches
Unrecht.« Das Fatale ist: Er
erklärt damit das sehr vielen Menschen, darunter nicht wenigen
Kommunistinnen und Kommunisten, geschehene Unrecht zu historischem Recht
– im Namen gerade dieser »geschichtlichen Notwendigkeit«. Das von
Hans Heinz Holz beschworene und legitimierte Auseinanderfallen von »privater
moralischer Bewußtheit« und der Ebene der »allgemein-historischen
Wirksamkeit« als »Differenz von Moralität und Historizität« ist ein
fataler Trugschluß.
Die
von ihm wenn nicht postulierte, dann aber akzeptierte und
gerechtfertigte faktische A-Moralität im Politischen ist etwas grundsätzlich
anderes als das Wirksamwerden von proletarischer »praktischer Vernunft«,
die von Maßstäben der Klassenmoral und revolutionärer Ethik geleitet
ist. Ja, die Maßstäbe für »Vernunft« und die Grenzen revolutionärer
»Notwendigkeit« gelten auch bei der Verteidigung revolutionärer
Errungenschaften. Sich darüber hinwegzusetzen und der
Alleinherrschaft und »Weisheit« eines – wenn auch noch politisch so
fähigen – einzelnen »Führers« als dem obersten Gebot zu folgen,
hat sich als eine fatale historische Sackgasse erwiesen. Die DKP
wird nicht wieder den Marsch in eine solche Sackgasse antreten.
Dr.
Hans-Peter Brenner ist Mitglied des Parteivorstands der DKP und
ehemaliger Bundessekretär des Marxistischen Studentenbundes SPARTAKUS.
Prof. Nina Hager ist stellvertretende Vorsitzende der DKP; sie war bis
1989 SED-Mitglied. Dr. Robert Steigerwald ist langjähriges Mitglied des
Parteivorstands der DKP und war im ZK der KPD.
http://www.jungewelt.de/2011/02-14/031.php?sstr=steigerwald|brenner
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