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Über die Einheitsbesoffenheit einiger Linker oder solcher, die sich für Linke halten

„Die dies Wort Einheit am meisten im Munde führen, sind die größten Zwietrachtstifter“ (Friedrich Engels)

Von Gerd Höhne/13. Juni 2005

Das oben Stehende schrieb vor über 120 Jahren Friedrich Engels an August Bebel. Einheit ist folglich für Friedrich Engels keine Größe an sich.

MLPD-Chef Engel schreibt dagegen an PDS, WASG und Lafontaine:
Wir würden diese Kandidatur (die der MLPD), Red. K-online) allerdings zurückstellen, wenn es tatsächlich gelänge, ein linkes Wahlbündnis aller relevanten linken Parteien mit Ihnen an der Spitze zustande zu bringen.“

Die DKP erklärt:

„Der Parteivorstand begrüßt und unterstützt die Bemühungen zur Sammlung und Bündelung linker Kräfte zu den Bundestagswahlen.
Die Gespräche mit allen in Frage kommenden Kräften, insb. PDS und WASG, werden weitergeführt.
Die DKP dringt auf die Einbeziehung weiterer linker Kräfte, wie u.a. der DKP, und linker Persönlichkeiten.“

Dann ist ja alles klar. Aus PDS, WASG, DKP, MLPD und... wird die große sozialistische Einheitspartei geschmiedet. Die Spaltung der Linken ist aufgehoben und demnächst, wenn alles gut geht, wird Oskar Lafontaine wieder Kanzlerkandidat, wie schon einmal 1990. Aber diesmal ist der smarte Oskar zum Linken mutiert und wird wenige Wochen später zum ersten Kanzler der Sozialistischen Bundesrepublik Deutschlands (SBRD) ausgerufen...

Irrtum!

Weder ist Oskar ein Sozialist, nicht mal ein Linker ist er, die PDS hat den Sozialismus auch nur noch als fade Fiktion im Programm, WASG hat damit schon gar nichts am Hut, DKP und MLPD – na ja, schweigen wir darüber.

PDS und WASG gehören eigentlich zusammen

Sie zieren sich noch. Denen bei der WASG ist die PDS zu sehr von der kommunistischen Vergangenheit belastet, auch stört das Wort Sozialismus im Namen, die PDS unterhält auch noch ein rotes Feigenblatt, die Kommunistische Plattform, die sogar Sitz und Stimme im Parteivorstand hat. Mit denen doch nicht, sagen sie.

Andere WASGler, die einst aus der PDS aus und zur WASG eintraten, sehen sich nun hinterrücks wieder in der PDS und reiben sich verwundert die Augen, wie ihnen geschieht.

Viele PDSler, wie Liebich, der umtriebige PDS-Chef von Berlin, fürchten um ihre Pfründe und wollen nicht mit WASG teilen. Auch fanden sie die Kampagne von Teilen des WASG in Berlin, für ein Volksbegehren gegen den Senat von Berlin, gar nicht komisch.

Verständlich ist das ja. Aber diese lieben Leute beachten nicht, dass ihr Bündnis ja ganz klare Aufgaben im Staat des Kapitalismus hat.

Der Trick des Monopolkapitals

Wie sollen die Herrschenden die unzufriedenen SPD-Anhänger – immerhin große Teile der Arbeiterklasse – weiter an der Nase herumführen, wenn es keine scheinlinke Partei gibt? Wo sollen diese Menschen parken, wenn sich die SPD in den Köpfen großer Teile der Arbeiterklasse als Partei des Kapitals geoutet hat? Wie also soll man diese Menschen davon abhalten, sich gegen den Kapitalismus als Gesellschaftsordnung zu wenden, wenn es die SPD nicht mehr kann?

Das geht nur durch eine Partei, die als links gilt, es aber nicht ist. Sicher ist das jetzt schon die PDS im Osten und bei manchen auch im Westen. Das gilt auch für das WASG. Aber wenn beide getrennt auftreten, wäre der ganze Coup umsonst, nähmen sie sich doch gegenseitig die Stimmen weg und die betrogene Arbeiterklasse würde alles zu schnell durchschauen. Wenn dann auch noch Kommunisten auftreten, wird es vielleicht für die Herrschaften in den Banktürmen von Frankfurt gar nicht spaßig. Also sollen diese beiden „linken“ Parteien gefälligst zusammen gehen. Katalysator ist der umtriebige Bäckersohn von der Saar, Oskar Lafontaine.

Viel Lob für „linke“ von der bürgerlichen Presse

Wie sehr das Interesse der Herrschenden an dieser scheinlinken Scheinalternative ist zeigt, dass alle Medien voll von dieser neuen Linkspartei sind. Wo hat man schon einmal erlebt, dass die Kapitalistenpresse Linke hofiert hat?

August Bebel sagte: „Wenn dich deine Feinde loben, hast du etwas falsch gemacht. Tadeln sie dich, dann bist du auf dem richtigen Wege."

MLPD und DKP

Beide stehen, sagen sie, auf dem Boden des Marxismus-Leninismus. Aber beide hofieren diese obskure „linke“ Alternative. Alternative zu was eigentlich? Zur SPD ist das keine Alternative. Das sollte Stefan Engel und Heinz Stehr eigentlich wissen. Oder ist das nicht vielmehr als Alternative zu Kommunisten eingerichtet?

Aber DKP und MLPD bescheinigen PDS und WASG gar, sie verträten linke Positionen und machten linke Politik. Wäre es nicht stattdessen die Aufgabe von Kommunisten, sich als wirkliche Alternative zu präsentieren?

Das wäre die Aufgabe von Kommunisten – wenn sie denn Kommunisten wären!

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„Man muß sich durch das Geschrei nach »Einigung« nicht beirren lassen. Die dies Wort am meisten im Munde führen, sind die größten Zwietrachtstifter (...). Diese Einigungsfanatiker sind entweder beschränkte Köpfe, die alles in einen unbestimmten Brei zusammenrühren wollen, der sich bloß zu setzen braucht, um die Unterschiede in weit schärferem Gegensatz wiederherzustellen, weil sie sich dann in einem Topf befinden (...), oder aber Leute, die die Bewegung unbewußt (...) oder bewußt verfälschen wollen. Deswegen sind die größten Sektierer und die größten Krakeeler und Schurken in gewissen Momenten die lautesten Einigungsschreier. Mit niemandem haben wir in unsrem Leben mehr Last und Tuck gehabt als mit den Einigungsschreiern.“

Die Bewegung verfälscht

Friedrich Engels schrieb 1873 einen Brief an August Bebel über die Last der »Einigungsschreier«

Quelle: jungeWelt vom  11.06.2005

Man muß sich durch das Geschrei nach »Einigung« nicht beirren lassen. Die dies Wort am meisten im Munde führen, sind die größten Zwietrachtstifter, wie ja grade jetzt die Schweizer Jurabakunisten, die Anstifter aller Spaltung, nach nichts mehr schreien als Einigung. Diese Einigungsfanatiker sind entweder beschränkte Köpfe, die alles in einen unbestimmten Brei zusammenrühren wollen, der sich bloß zu setzen braucht, um die Unterschiede in weit schärferem Gegensatz wiederherzustellen, weil sie sich dann in einem Topf befinden (in Deutschland haben sie ein schönes Exempel an den Leuten, die die Versöhnung der Arbeiter und Kleinbürger predigen), oder aber Leute, die die Bewegung unbewußt (wie z. B. Mülberger) oder bewußt verfälschen wollen. Deswegen sind die größten Sektierer und die größten Krakeeler und Schurken in gewissen Momenten die lautesten Einigungsschreier. Mit niemandem haben wir in unsrem Leben mehr Last und Tuck gehabt als mit den Einigungsschreiern. (...)

Kaputt durch Einigung

Nehmen Sie z. B. die Internationale. Nach der Kommune hatte sie den kolossalsten Erfolg. Die zusammengedonnerten Bourgeois schrieben ihr Allmacht zu. Die große Menge der Mitglieder glaubte, das werde ewig so bleiben. Wir wußten sehr gut, daß die Blase platzen müsse. Alles Gesindel hing sich an sie an. Die in ihr enthaltenen Sektierer wurden üppig, mißbrauchten die Internationale in der Hoffnung, man werde ihnen die größten Dummheiten und Gemeinheiten erlauben. Wir litten das nicht. Wohl wissend, daß die Blase doch einmal platzen müsse, handelte es sich für uns nicht darum, die Katastrophe zu verschieben, sondern Sorge zu tragen, daß die Internationale rein und unverfälscht aus ihr hervorgehe. Im Haag platzte die Blase, und Sie wissen, daß die Mehrzahl der Kongreßmitglieder im Katzenjammer der Enttäuschung nach Hause zog. Und doch hatten fast alle diese Enttäuschten, die in der Internationalen das Ideal der allgemeinen Brüderlichkeit und Versöhnung zu finden wähnten, zu Hause viel bittreren Krakeel, als er im Haag losbrach! Jetzt predigen die sektiererischen Krakeeler Versöhnung und verschreien uns als die Unverträglichen und Diktatoren! Und wären wir im Haag versöhnlich aufgetreten, hätten wir den Ausbruch der Spaltung vertuscht – was war die Folge? Die Sektierer, namentlich die Bakunisten, behielten ein Jahr lang Zeit, im Namen der Internationale noch viel größere Dummheiten und Infamien zu begehn; die Arbeiter der entwickeltsten Länder wandten sich im Ekel ab; die Blase platzte nicht, sie sank, durch Nadelstiche verletzt, langsam zusammen; und der nächste Kongreß, der die Krisis doch bringen mußte, wäre ein Skandal der gemeinsten Persönlichkeiten geworden, weil im Haag das Prinzip ja bereits preisgegeben war! Dann war die Internationale allerdings kaputt – kaputt durch die »Einigung«! – Statt dessen sind wir die faulen Elemente jetzt mit Ehren für uns losgeworden – die in der letzten entscheidenden Sitzung anwesenden Kommunemitglieder sagen, keine Kommunesitzung habe ihnen eine so furchtbare Wirkung hinterlassen wie diese Gerichtssitzung über die Verräter am europäischen Proletariat – wir haben sie zehn Monate alle ihre Kräfte aufbieten lassen zu lügen, zu verleumden, zu intrigieren – und wo sind sie? Sie, die angeblichen Vertreter der großen Majorität der Internationale, erklären jetzt selbst, daß sie nicht wagen, zum nächsten Kongreß zu kommen. (...) Und wenn wir es noch einmal zu tun hätten, wir würden im ganzen und großen nicht anders handeln – taktische Fehler werden natürlich immer begangen. (...)

Entwicklungsstufen

Übrigens hat schon der alte Hegel gesagt: Eine Partei bewährt sich dadurch als die siegende, daß sie sich spaltet und die Spaltung vertragen kann. Die Bewegung des Proletariats macht notwendig verschiedne Entwicklungsstufen durch; auf jeder Stufe bleibt ein Teil der Leute hängen und geht nicht weiter mit; daraus allein schon erklärt sich, weshalb die »Solidarität des Proletariats« in der Wirklichkeit überall in verschiednen Parteigruppierungen sich verwirklicht, die sich auf Tod und Leben befehden wie die christlichen Sekten im römischen Reich unter den schlimmsten Verfolgungen.

Auch dürfen Sie nicht vergessen, (...) daß jede Sekte notwendig fanatisch ist und durch diesen Fanatismus, besonders in Gegenden, wo sie neu ist (...), weit größere augenblickliche Erfolge erreicht als die Partei, die ohne Sekten-Absonderlichkeiten einfach die wirkliche Bewegung vertritt. Dafür dauert der Fanatismus auch nicht lange.

* Auszug aus: Engels an August Bebel in Hubertusburg. London, 20. Juni 1873. In: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke Band 33, Berlin 1966, Seite 590-592  

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