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MLPD
schiebt Kommunistischen Parteien revisionistisches Geschreibsel unter
Von
Günter Ackermann
Stellungnahme
Roter Webmaster zur „Erklärung zur Bekräftigung der Bedeutung und
Aktualität des antirevisionistischen Kampfes und der Großen
Proletarischen Kulturrevolution Chinas“:
1.
Mao tsetung der Kämpfer gegen den modernen Revisionismus?
Kommunisten-online
veröffentlicht als erstes Publikationsorgan diese Erklärung auf Deutsch.
Es wird da scheinbar eindeutig gegen den modernen Revisionismus
polemisiert:
„Die
Handlungen der sowjetischen Revisionisten unter Führung von Chrustschow
offenbarten das Phänomen des modernen Revisionismus in Opposition zur
proletarischen Diktatur und brachten die Sowjetunion auf den Weg
kapitalistischer Restauration. Sie reorganisierten die Sowjetpartei, den
Staat, die Wirtschaft und die kulturellen Einrichtungen in Richtung
Untergrabung des Marxismus-Leninismus und des sozialistischen Systems. Sie
widersetzten sich der Diktatur des Proletariats und propagierten bürgerlichen
Populismus mit den Floskeln von einer „Partei des ganzen Volkes“ und
„Staat des ganzen Volkes“. Sie propagierten den bürgerlichen
Pazifismus mit den Floskeln vom „friedlichen Übergang“,
„friedlichen Wettbewerb“ und von der „friedlichen Koexistenz“. Sie
betätigten sich zur Unterminierung der kommunistischen Weltbewegung und
trieben die „friedliche Koexistenz“ als Generallinie voran, um sich
dem proletarischen Internationalismus zu widersetzen und die
kommunistische Weltbewegung und die nationalen Befreiungsbewegungen
anzugreifen.“
Federführer
dieser Erklärung war die deutsche MLPD. Aber auch andere Parteien haben
sie unterzeichnet, so die Kommunistische Partei der Philippinen, also
einer Partei, die schon viele Jahre im bewaffneten Kampf gegen die diversen
faschistisches Regimes und der Marionetten der USA steht. Diese Partei führt
einen heldenhaften Kampf für die nationale und soziale Befreiung ihres
Landes. Ihnen bringen wir große Hochachtung entgegen. Die MLPD hat
offenbar diesen Text den anderen Parteinen untergeschoben, die dann – im
Vertrauen auf die Seriosität der MLPD – dem Text zustimmten.
Hier
formuliere ich einige grundsätzliche Kritikpunkte an diesem Text
1.
Angebliche Kritik am XX. Parteitag der KPDSU durch die KP-Chinas und die
Haltung von Mao Tsetung
1956
fand der XX. Parteitag der KPDSU statt. Chruschtschow überrumpelte die
Parteitagsdelegierten mit seiner sog. Geheimrede, in der er die Wende zu
einer revisionistischen und klassenverräterischen Politik durch die Führung
der KPDSU einläutete und die Grundlagen des Marxismus-Leninismus aufgab,
die Führung der Partei durch Stalin verunglimpfte und seine Politik der
Zusammenarbeit mit den Imperialisten – genannt friedliche Koexistenz –
begann.
Ein
Jahr später schon erschien die Schrift Mao tsetungs „Über die richtige
Behandlung der Widersprüche im Volk“
Darin
schreibt Mao:
„In
unserem Land gehört der Widerspruch zwischen der Arbeiterklasse und der
nationalen Bourgeoisie zu den Widersprüchen im Volk. (..) Aber unter den
konkreten Bedingungen unseres Landes kann dieser antagonistische
Klassenwiderspruch, wenn er richtig behandelt wird, in einen
nichtantagonistischen umgewandelt und auf friedlichen Wege gelöst
werden.“
Im
Klartext: Der Widerspruch zwischen den Kapitalisten – zumindest der
nationalen Teile von ihnen – und der von ihr ausgebeuteten
Arbeiterklasse ist in China für Mao tsetung nichtantagonistisch. Daraus
folgt, dass die proletarische Diktatur Teile der Bourgeoisie an der
Staatsmacht beteiligen müsse.
Ich
las bei Red Channel folgenden Text hierzu:
„Mao
vertrat Mitte der 50er Jahre die Theorie, dass die Widersprüche zwischen
(nationaler) Bourgeoisie und Proletariat in China nicht-antagonistisch
seien und man mit Teilen der nationalen Bourgeoisie den Sozialismus
aufbauen könnte (also die macht im Staate teilen). Diese Position ähnelt
einmal der Bucharins, der während der Kollektivierung behauptet hatte,
die Kulaken würden friedlich in den Sozialismus
"hineinwachsen". Die Theorie Bucharins führte natürlich zu
solchen Ergebnissen: die Kulaken ermordeten Bolschewiki, Kollektivbauern
und revolutionäre Arbeiter, zettelten Bauernaufstände an, verbrannten
ihre Ernten oder schlachteten ihr Vieh, schlichen sich in die Partei ein um
Mittelbauern als "Kulaken" zu denunzieren um sie zu
deportieren usw. ... Vorgänge, die auch v o r der Kollektivierung
der Landwirtschaft 1929 stattfanden! Zum anderen ist diese falsche
Position Maos mit einer der revisionistischen Thesen des XX. Parteitages
der KPdSU vergleichbar, man kann annehmen, dass Mao von diesem anfangs
beeinflusst war.“
Das
war nichts anderes, als die pseudomarxistische philosophische
Untermauerung der Chruschtschowschen Linie und passt so richtig in die
revisionistische Position Chruschtschows von Partei und Staat des ganzen
Volkes vom XX. Parteitag.
Die
MLPD verweist in ihrer „Erklärung“ auf
den Artikel in Remin Ribao (Volkszeitung), dem Zentralorgan der KP
China vom April 1956, „Zur
historischen Erfahrung der Diktatur des Proletariats“
und führt das als Beweis für den Antirevisionismus der KPCh und
Mao tsetung an. Wobei sie aber keinen einzigen Satz aus diesen Artikel
zitiert. Tatsächlich ist er aber genau das Gegenteil. Chruschtschow
wird inhaltlich unterstützt und Stalin als Versager, der dem Personenkult
um seine Person huldigte, verunglimpft. Das geschah gut zwei Monate nach
dem XX. Parteitag der KPDSU.
Im
Artikel heißt es:
„Stalin
unterließ es, Lehren aus isolierten, örtlichen und zeitweiligen Fehlern
in bestimmten Fragen zu ziehen und verhinderte deshalb nicht, dass daraus
ernste Fehler im nationalen Maßstab und Fehler langfristiger Natur
wurden. ...Stalin fand immer mehr Gefallen an diesem Personenkult und
verletzte das System des demokratischen Zentralismus in der Partei. ...Das
Ergebnis war, dass er einige ernste Fehler beging wie die folgenden:
Er
ließ es am Vorabend des antifaschistischen Krieges an der nötigen
Wachsamkeit fehlen; er unterließ es, der weiteren Entwicklung der
Landwirtschaft sowie dem materiellen Wohlstand der Bauernschaft die nötige
Aufmerksamkeit zu schenken; er gab der internationalen kommunistischen
Bewegung bestimmte falsche Ratschläge und insbesondere fällte er eine
falsche Entscheidung in der Jugoslawienfrage. In diesen Fragen wurde
Stalin Opfer des Subjektivismus und der Einseitigkeit und löste sich von
der objektiven Realität und den Massen. ...Die Chinesische Kommunistische
Partei gratuliert der Kommunistischen Partei der Sowjetunion zu ihren großen
Erfolgen in ihrem historischen Kampf gegen den Personenkult.“
Zitieren
wir den Verräter Chruschtschow selbst:
Jugosslawien:
„Auf
dem Juli-Plenum des ZK wurden die Ursachen der Entstehung des Konflikts
mit Jugoslawien detailliert erörtert. Dabei wurde die unwürdige Rolle
Stalins unterstrichen. Schließlich gab es in der „jugoslawischen
Frage“ keine solchen Probleme, die man nicht auf dem Wege parteilicher
Diskussion unter Genossen hätte lösen können. Es gab keine ernsthaften
Grundlagen für das Entstehen dieser „Frage“, es wäre ganz und gar möglich
gewesen, es nicht zum Bruch mit diesem Land kommen zu lassen.“
Personenkult:
„Angesichts
dessen, dass sich noch nicht alle bewusst sind, wohin in der Praxis der
Personenkult geführt hat, welchen gewaltigen Schaden die Vergewaltigung
des Prinzips der kollektiven Leitung in der Partei und die Konzentration
einer unermesslichen, unbeschränkten Macht in den Händen einer Person
angerichtet hat, hält es das Zentralkomitee für erforderlich, dem XX.
Parteitag der KPdSU Materialien zur Kenntnis zu geben, die diese Frage
betreffen.“
Wie
der Verräter Chruschtschow, so
beschimpft auch Remin Ribao Stalin für seine Führung im
Großen Vaterländischen Krieg.
Wir
sehen: Die Berufung auf den Artikel in Remin Ribao und den Artikel „Zur
historischen Erfahrung der Diktatur des Proletariats“ durch die
MLPD-Autoren, war ein Rohrkrepierer. Chruschtschows revisionistische
Linie wird vom Zentralorgan der KP Chinas nachgebetet. Kein Wort der Kritik
wird geäußert.
2.
Große Proletarische Kulturrevolution
Ich
gebe zu, wir waren damals fasziniert von dem, was da geschah. Da erhob
sich das Volk Chinas für die Kommunistische Partei und unter ihrer Führung
und ihrem Vorsitzenden gegen revisionistische Strömungen in der Partei
und Staat – so schien es uns. Maos Worte „Das bürgerliche
Hauptquartier bombardieren“ und die marxistisch-leninistische Linie wieder
herzustellen, war genau das, nach was wir suchten: So konnte die
revisionistische Degenerierung der Partei verhindert werden. So schien es
uns.
Ob
das so vorgesehen war, weiß ich bis heute noch nicht genau. Ich gebe zu, ich bin da
unsicher. Dass es aber nicht den Revisionismus aus der Partei letztendlich
vertrieben hat, zeigte sich bald.
2.1
Große Proletarische
Kulturrevolution
IX.
Parteitag der KPCh
Lin
Biao erstattete den politischen Bericht des Zentralkomitees der KP Chinas.
Verwunderlich an diesem Parteitag waren für mich vor allem ein Dokument:
das neue Statut der Kommunistischen Partei Chinas. Das erste Mal in der
Geschichte der Arbeiterbewegung wurde statuarisch der Vorsitzende
festgelegt: MaoTsetung. Aber nicht genug. Auch sein Stellvertreter wurde
statuarisch festgeschrieben: Lin Bio. Das war ungewöhnlich und irritierte
nicht wenige.
Zwei
Jahre später aber verschwand Lin Biao von der Bildfläche. Nach einiger
Zeit hieß es, er habe sich gegen Vorsitzenden Mao gestellt und sogar auf
dem IX. Parteitag einen gefälschten Rechenschaftsbericht verlesen.
Das
war für viele doch starker Tobak. Gesetzt den Fall, Lin Biao hatte einen
falschen Rechenschaftsbericht verlesen, so hätten das eigentlich alle
Mitglieder des ZK, die ja de richtigen beschlossen hatten, merken müssen.
Und trotzdem bestimmten sie diesen offenkundigen Fälscher des
Rechenschaftsbericht stauarisch zum Stellvertreter des Vorsitzenden Mao und
gaben ihm den Titel des engsten Kampfgefährden Mao Tsetungs? Das mochten
viele nicht glauben.
2.2
Große Proletarische
Kulturrevolution
Beethoven
kritisieren. Konfuzius verurteilen
Diese
unsinnige Gleichstellung von Ludwig van Beethoven, der fortschrittliche
europäische Komponist der Aufklärung mit dem Philosophen des antiken
chinesischen Sklavenhalterstaates, Konfizius
war dermaßen hirnrissig, dass man sich nur mit Schaudern abwenden konnte.
Anstatt
die fortschrittlichen Traditionen der europäischen Aufklärung, deren
Progressivität bisher alle kommunistischen Klassiker nicht angezweifelt
hatten, wurde Beethoven in die Ecke eines vor über 2000 Jahren
verstorbenen Ideologen des Sklavenhalterstaates gestellt. Für mich nicht
nachvollziehbar.
2.3
Große Proletarische
Kulturrevolution
Viererbande
Die
Viererbande bestand aus Jiang Qing (der Frau Mao tsetungs), Zhang Chunqiao
(Parteisekretär von Shanghai), Yao Wenyuan (im ZK zuständig für
AditProp) und Wang Hongwen (Mitglied des ZK der KPCh und Mitglied im Ständigen
Ausschuss des Politbüros der KPCh).
Nach
Mao Tode 1976 wurde diese Gruppe gestürzt, verhaftet und z.T. zum Tode
verurteilt (aber amnestiert). Mit Sicherheit waren diese – gemeinsam
mit Lin Biao – die treibende Kraft der Kulturrevolution.
Die
Illustrierte „China im Bild“ brachte nach Mao Tod kurz hintereinander
zwei Ausgaben heraus, die identisch waren. Nur ein Foto war anders, nämlich
das der Parteiführung bei der Trauerfeier für Mao. In der ersten Fassung war
auch die sog. Viererbande zu
sehen, in der zweien waren die Vier wegretuschiert.
Wir
vom ZK der KPD/ML wunderten uns über dieses Gebaren nicht wenig. Auch
teilten die albanischen Genossen, mit denen wir darüber 1971 sprachen,
offensichtlich nicht unsere Begeisterung für die Kulturrevolution und zählten
Mao tsetung – anders als wir – auch nicht zu den Klassikern des
Marxismus-Leninismus. Sie widersprachen aber auch nicht.
Mit
Sicherheit aber ist Unsinn, was die MLPD in die „Erklärung“ schreiben
ließ:
„Die
Theorie und Praxis der fortgesetzten Revolution unter der Diktatur des
Proletariats durch die Große Proletarische Kulturrevolution bildete eine
neue und höhere Entwicklungsstufe des Marxismus-Leninismus.“
Wo
ist der historische Beweis? Mao tsetung war nicht der große Kämpfer
gegen den modernen Revisionismus, seine Lehre ist auch nicht der
Marxismus-Leninismus der Epoche, in der der Imperialismus seinem Ende
entgegen geht, wie einst Lin Biao behauptete. Warum Mao seine ursprüngliche
zustimmende und revisionistische Haltung nach außen aufgeben ließ und
sich gegen Chruschschow stellte, vermag ich nicht zu sagen.
Aber
die offene Distanzierung und Kritik am modernen Revisionismus durch die
KP-Chinas erfolgte erst 1963, also neun Jahre nach dem XX. Parteitag der
KPDSU (siehe)
und in einer Zeit, in der Mao tsetung weitgehend aus der aktiven
chinesischen Politik verschwunden war und erst nach seinem spektakulären
Schwimmen im Jangtse wieder auftauchte.
Das
Ergebnis aber war, dass in der VR-China sich der Kapitalismus sehr schnell
durchgesetzt hatte. Trotz der revisionistischen Führungen der KPDSU
musste die Sowjetunion erst zerschlagen werden, ehe sich durchweg
kapitalistische Verhältnisse durchsetzen konnten. In China bedurfte es
nicht einer offiziellen Zerschlagung der Volksrepublik.
In
der „Erklärung“ steht:
„Aber
gleich nach seinem Tode (von Mao, G.A.)
machten die Feinde des
chinesischen Proletariats und Volkes einen Staatsstreich und kehrten seine
proletarische revolutionäre Linie der Durchführung der sozialistischen
Revolution und des sozialistischen Aufbaus um.“
Gab
es in der KP-Chinas nur einen Marxisten-Leninisten, nämlich Mao,
vielleicht noch die „Viererbande“ und dann Schluss? Sollte nicht mit
der Kampagne „Kampf-Kritik-Umgestaltung“ das revolutionäre
marxistisch-leninistische Bewusstsein gestärkt werden? Warum gelang es
dann Deng Xiaoping so
problemlos die Grundlagen der Einführung des Kapitalismus in China zu
schaffen? Wo waren da, die in der „Großen Proletarischen
Kulturrevolution“ gestählten Kader der Partei, die die Feinde der
proletarischen Diktatur davon jagten? Fehlanzeige!
Wenn
die MLPD schreibt:
„Es
ist die internationale Verpflichtung der marxistisch-leninistisch-maoistischen Parteien, das Proletariat und Volk
in ihren betreffenden Ländern und in der Welt im Kampf für nationale
Befreiung, Demokratie und Sozialismus gegen Imperialismus, Revisionismus
und Reaktion zu vereinen und zu erwecken, zu organisieren und zu
mobilisieren.“
so
können wir dem zustimmen. Das wird aber nur gelingen mit einer
kommunistischen Politik im Geist von Marx, Engels, Lenin und Stalin, aber
nicht mit dem Maoismus. Mit dieser kleinbürgerlichen Strömung gilt es sich auseinander zu setzen.
G.A.
Remin Ribao: 'Über die historischen
Erfahrungen der Diktatur des Proletariats', April '56, in: John
Gittings, 'Untersuchung des chinesisch-sowjetischen Konflikts. Ein
Kommentar und Auszüge aus neueren Polemiken, 1963-67', London 1968,
S. 291-93
Über den Personenkult und
seine Folgen Rede des Ersten Sekretärs des ZK der KPdSU, Gen. N. S.
Chruschtschow, auf dem XX. Parteitag, der Kommunistischen Partei der
Sowjetunion 25. Februar 1956 siehe
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