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Quelle: Anti-Imperialistische Korrespondenz (AIKor) -

Informationsdienst der Vereinigung für Internationale Solidarität (VIS) e.V.,

Redaktion: Klaus von Raussendorff - Dezemeber 2008

Liebe Leute,

im Vorfeld der Europawahlen am 7. Juni 2009 dokumentiere ich:

ALTERNATIVENTWURF FÜR EIN WAHLPROGRAMM DER DKP

ZUR EUROPAWAHL

Antrag des Landesverbandes Berlin der DKP an den 18. Parteitag

(2. Tagung in Berlin am 10. Januar 2009)

K o m m e n t a r :

Der Text verdient - ungeachtet seines Schicksals innerhalb der DKP - im Einzelnen studiert zu werden. Er vermittelt der Linken und anderen fortschrittlichen Menschen in Deutschland wichtige Analysen und Handlungsorientierungen. Seine Schlussfolgerung lautet:

„FÜR EINE VOLKSABSTIMMUNG ÜBER DEN LISSABONVERTRAG! FÜR EIN LINKES UND ANTIMONOPOLISTISCHES NEIN ZUR EU-MITGLIEDSCHAFT DEUTSCHLANDS!

WÄHLT DKP! EINE STIMME FÜR DIE DKP IST EINE STIMME GEGEN DIE EU!“ ..

Zentralen Aussagen des Antrags sind:

„Die EU beruht auf einem Vertragswerk, in dem die politischen und ökonomischen Bedingungen für die Verwirklichung der Ziele ihrer Urheber festgeschrieben sind: Militarisierung, Sozial- und Demokratieabbau sowie Privatisierungspolitik. Dieser Vertrag bedeutet weitere Souveränitätsverluste für die Völker der EU-Mitgliedsländer, er bedeutet verpflichtende militärische Aufrüstungsprogramme, er bedeutet verschärfte Ausbeutung und Unterdrückung der arbeitenden Menschen. Der Kapitalismus soll durch den Vertrag als einzig zulässiges Wirtschaftssystem festgeschrieben werden. D a h e r   i s t   d i e   E U   n i c h t   f ü r   f o r t s c h r i t t l i c h e   B e w e g u n g e n   i n s t r u m e n t a l i s i e r b a r   u n d   i n   e i n e   p r o g r e s s i v e   o d e r   g a r   r e v o l u t i o n ä r e   R i c h t u n g   t r a n s f o r m i e r b a r ,   w i e   e s   a u c h   l i n k e   P a r t e i e n   u n d   G e w e r k s c h a f t s f ü h r u n g e n   p r o p a g i e r e n (Hervorhebung KvR). Die Verträge müssen gekündigt werden. Doch damit ist es nicht getan. Wie wir erlebt haben, machen die Regierenden in Frankreich, den Niederlanden und Irland so weiter, als hätte es das Nein in ihren Ländern nicht gegeben. Die Einschränkung und Überwindung der Macht der reaktionärsten Teile des Finanzkapitals kann nur durch die Zerschlagung der EU gelingen. Erst der grundlegende Bruch mit den monopolkapitalistischen Macht- und Eigentumsverhältnissen eröffnet eine soziale, demokratische und letztlich sozialistische Perspektive für Europa. Ein Schritt dorthin heißt: Deutschland muss raus aus der EU!

In einzelnen EU-Ländern formiert sich Widerstand. Wir meinen nicht die rechten, nationalistischen EU-Gegner. Sie stehen stets an der Seite der Bourgoisie ihres Landes, verschleiern die Klassengegensätze und können sich die Wiederherstellung der „Größe der Nation“ nur auf Kosten anderer Nationen vorstellen. W i r   m e i n e n   e i n e   B e w e g u n g ,   d i e   e i n e   g e m e i n s a m e   F r o n t   g e g e n   d i e   P r o f i t e u r e   i m   e i g e n e n   L a n d   u n d   g e g e n   d a s   i n   E u r o p a   t o n a n g e b e n d e   K a p i t a l   b i l d e t   u n d   i n   d i e s e m   S i n n e   z u t i e f s t   i n t e r n a t i o n a l i s t i s c h   i s t (Hervorhebung KvR). Sie umfasst schon heute beispielsweise polnische Bauern, rumänische Bergarbeiter wie beträchtliche Teile der Arbeiterklasse Griechenlands und EU-Gegner in Frankreich. In den verschieden Kampffeldern entwickelt sich auch grenzübergreifender Widerstand. So demonstrierten Arbeiter und Angestellte aus Europa gemeinsam gegen die so genannte Dienstleistungs- bzw. Bolkesteinrichtlinie, die durch Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung im Bereich der Daseinsvorsorge den größten Angriff auf den Sozialstaat darstellt. Zudem steht die Richtlinie für die Aushebelung der Tarifautonomie und des Streikrechts in Deutschland, indem sie diese dem EU-Gemeinschaftsrecht unterwirft. Europäische Hafenarbeiter erteilten der geplanten EU-Richtlinie „Port Package“ durch gemeinsame Streiks eine Absage und wehrten damit die Deregulierung ihrer Arbeitsverhältnisse ab. Studierende demonstrierten in ganz Europa gegen den so genannten Bologna-Prozess, der die Hochschulbildung vereinheitlicht, allein an Konzerninteressen ausrichtet und durch die Spaltung wissenschaftlicher Studiengänge in Bachelor- und Masterabschlüsse selektiv insbesondere Studierende aus der Arbeiterklasse weiter aus den Hochschulen drängt.“

Mit internationalistischen Grüßen

Klaus von Raussendorff

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Anhang:

ANTRAG DES LANDESVERBANDES BERLIN DER DKP AN DEN 18. PARTEITAG (2. TAGUNG)

ALTERNATIVENTWURF FÜR EIN WAHLPROGRAMM DER DKP ZUR EUROPAWAHL

DIE EU IST DAS EUROPA DER BANKEN, KONZERNE UND GENERÄLE! DIE EU IST GEGEN DICH!

Im Juni wird ein neues EU-Parlament gewählt. Zum Lissabonvertrag (1), der Neuauflage der gescheiterten EU-“Verfassung“, wurden die Menschen in den meisten EU- Mitgliedsländern nicht befragt. Die Wahlen sind daher eine Gelegenheit, unser Nein zur EU zu bekräftigen. CDU, SPD, FDP und Grüne werben für Wählerstimmen, um die EU zu stabilisieren, ihr Potential auszubauen und dem Widerstand der Bevölkerungen, wie er zum Beispiel in Frankreich, den Niederlanden und Irland sichtbar wurde, zu begegnen. Auch die Partei Die Linke stellt die Konstruktion der EU nicht grundsätzlich in Frage, sondern wirbt für Reformen, die die EU demokratischer, sozialer und friedfertiger machen sollen. Wir Kommunistinnen und Kommunisten halten das nicht für möglich, weil die EU ein imperialistisches Konstrukt ist. Die DKP kämpft für die Verbesserung der sozialen Lage der Werktätigen, gegen die Einschränkung der demokratischen Rechte und gegen Militarisierung und Krieg. Das aber kann nur im Kampf gegen die EU, nicht mit ihr oder für sie gelingen.

DIE EU – EIN PAKT DES FINANZKAPITALS

Die EU hat nichts mit einem Zusammenwachsen der Völker zu tun, und schon gar nichts mit Demokratie, Freiheit und Menschenrechten, wie es uns erzählt wird. Im Gegenteil. Die EU hat sich auf den Weg gemacht, ihren Platz unter den Großmächten zu behaupten. Sie will im verschärften kapitalistischen Konkurrenzkampf in erster Linie mit den USA nicht weniger als die wirtschaftsstärkste Macht der Welt werden. Zu diesem Zweck müssen die Akkumulationsbedürfnisse des europäischen Monopolkapitals bedient und deren Profitmaximierung gesichert werden. Wo aber Profite der Konzerne, Banken und Versicherungen steigen, wächst auf der anderen Seite die soziale Unsicherheit der großen Mehrheit der Menschen, stehen Massenentlassungen, Standortschließungen, Privatisierungen und gesteigerte Arbeitsintensität bei sinkenden Löhnen an.

Die EU ist das Instrument zur Optimierung der Handlungsspielräume der Banken und Konzerne, vornehmlich „Kerneuropas“, deren nationaler Aktionsrahmen zu klein geworden ist. Gestützt auf seine Rolle als Führungsmacht verfolgt das deutsche Monopolkapital erneut die alte Strategie des deutschen Imperialismus, eine aggressive wirtschaftliche, politische und militärische Expansionspolitik in Richtung Ost- und Südosteuropa und darüber hinaus bis zum Kaukasus und dem Nahen und Mittleren Osten zu betreiben. Bereits zweimal stürzte Deutschland beim Griff zur Weltmacht die Menschheit in die Katastrophe von Weltkriegen. Wir sagen: Nie wieder Faschismus und Krieg! Sozial- und Demokratieabbau stoppen!

DIE MONOPOLE DER GROSSEN GEGEN DIE VÖLKER DER KLEINEN

Das Zweckbündnis EU ist kein Bündnis unter Gleichen. Tonangebend sind vor allem das französische und deutsche Finanzkapital. Diese Kapitalgruppen haben auf der einen Seite das gemeinsame Interesse nationalstaatliche Wirtschaftsinstrumente abzubauen, um ihre Vormachtstellung in Europa durch einen ungehinderten Kapital- und Warenexport auszubauen. Die Erweiterung der EU auf 27 und künftig noch mehr Mitgliedstaaten zielt auf die Ein- und Unterordnung der ost- und südosteuropäischen Staaten mit ihren ökonomischen Ressourcen und ihrem Arbeitskräftepotential als abhängige Peripherie. Die größten europäischen Bank- und Industriemonopole beherrschen die Produktion, die Banken, den Handel und die Medien der ost- und südosteuropäischen Länder. Dem Abbau nationalstaatlicher Wirtschaftsinstrumente entgegen wirkt jedoch immer wieder die Konkurrenz zwischen den führenden Kapitalgruppen in der EU. Die Wirtschaftskrise zeigt deutlich, dass eine nationalstaatliche Regulierung, zum Beispiel durch Subventionen in Milliardenhöhe an deutsche Banken durch die Bundesrepublik, keineswegs aufgegeben wird zugunsten einer gemeinsamen Regulierung auf EU-Ebene.

Mit diesen Expansionsbestrebungen einher geht die Knebelung der Arbeiterbewegung, die Stärkung reaktionärer und faschistischer Kräfte und die Verleumdung der Ergebnisse des sozialistischen Aufbaus. Es geht um die Herausbildung von hochproduktiven Kernregionen in West und Ost, während das übrige Europa als Zulieferer von Billigarbeitskräften, Billigprodukten und als ein weithin industriell verödetes Umfeld weiter verarmt. Die Standortkonkurrenz wird von den Unternehmen genutzt, um Löhne, Arbeitsbedingungen und Sozialstandards in ganz Europa immer weiter nach unten zu drücken. So sind die Opfer auch in der BRD wie in den anderen ökonomisch starken Mitgliedsländern der EU alle nichtmonopolistischen Schichten der Gesellschaft und nicht zuletzt die Arbeiterklasse.

DER WIDERSTAND GEGEN DIE EU WÄCHST

Immer mehr Menschen erkennen den wahren Charakter der EU. Am Non der Franzosen und Nee der Niederländer scheiterte die EU-“Verfassung“. Die Iren lehnten ihre Neuauflage, den Lissabonvertrag, ab. Die Menschen folgten dem Aufruf, die Demokratie und ihre Souveränität sowie die Rechte der Arbeiterklasse und die öffentlichen Dienstleistungen zu verteidigen. Wie sehr die Herrschenden diese Bewegung fürchten, zeigt sich insbesondere in der BRD mit der Weigerung der Bundesregierung, Volksabstimmungen zum Lissabonvertrag durchzuführen. Die Art des Zustandekommens des Vertrages macht die Forderung nach einer Volksabstimmung über den so genannten Reformvertrag zu einer demokratischen Grundsatzfrage.

Die EU beruht auf einem Vertragswerk, in dem die politischen und ökonomischen Bedingungen für die Verwirklichung der Ziele ihrer Urheber festgeschrieben sind: Militarisierung, Sozial- und Demokratieabbau sowie Privatisierungspolitik. Dieser Vertrag bedeutet weitere Souveränitätsverluste für die Völker der EU-Mitgliedsländer, er bedeutet verpflichtende militärische Aufrüstungsprogramme, er bedeutet verschärfte Ausbeutung und Unterdrückung der arbeitenden Menschen. Der Kapitalismus soll durch den Vertrag als einzig zulässiges Wirtschaftssystem festgeschrieben werden. Daher ist die EU nicht für fortschrittliche Bewegungen instrumentalisierbar und in eine progressive oder gar revolutionäre Richtung transformierbar, wie es auch linke Parteien und Gewerkschaftsführungen propagieren. Die Verträge müssen gekündigt werden. Doch damit ist es nicht getan. Wie wir erlebt haben, machen die Regierenden in Frankreich, den Niederlanden und Irland so weiter, als hätte es das Nein in ihren Ländern nicht gegeben. Die Einschränkung und Überwindung der Macht der reaktionärsten Teile des Finanzkapitals kann nur durch die Zerschlagung der EU gelingen. Erst der grundlegende Bruch mit den monopolkapitalistischen Macht- und Eigentumsverhältnissen eröffnet eine soziale, demokratische und letztlich sozialistische Perspektive für Europa. Ein Schritt dorthin heißt: Deutschland muss raus aus der EU!

In einzelnen EU-Ländern formiert sich Widerstand. Wir meinen nicht die rechten, nationalistischen EU-Gegner. Sie stehen stets an der Seite der Bourgoisie ihres Landes, verschleiern die Klassengegensätze und können sich die Wiederherstellung der „Größe der Nation“ nur auf Kosten anderer Nationen vorstellen. Wir meinen eine Bewegung, die eine gemeinsame Front gegen die Profiteure im eigenen Land und gegen das in Europa tonangebende Kapital bildet und in diesem Sinne zutiefst internationalistisch ist. Sie umfasst schon heute beispielsweise polnische Bauern, rumänische Bergarbeiter wie beträchtliche Teile der Arbeiterklasse Griechenlands und EU-Gegner in Frankreich. In den verschieden Kampffeldern entwickelt sich auch grenzübergreifender Widerstand. So demonstrierten Arbeiter und Angestellte aus Europa gemeinsam gegen die so genannte Dienstleistungs- bzw. Bolkesteinrichtlinie, die durch Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung im Bereich der Daseinsvorsorge den größten Angriff auf den Sozialstaat darstellt. Zudem steht die Richtlinie für die Aushebelung der Tarifautonomie und des Streikrechts in Deutschland, indem sie diese dem EU-Gemeinschaftsrecht unterwirft. Europäische Hafenarbeiter erteilten der geplanten EU-Richtlinie „Port Package“ durch gemeinsame Streiks eine Absage und wehrten damit die Deregulierung ihrer Arbeitsverhältnisse ab. Studierende demonstrierten in ganz Europa gegen den so genannten Bologna-Prozess, der die Hochschulbildung vereinheitlicht, allein an Konzerninteressen ausrichtet und durch die Spaltung wissenschaftlicher Studiengänge in Bachelor- und Masterabschlüsse selektiv insbesondere Studierende aus der Arbeiterklasse weiter aus den Hochschulen drängt.

Diese Kämpfe gegen die EU zu unterstützen, betrachten wir Kommunisten als unsere Aufgabe. Es geht darum, in den einzelnen Ländern antimonopolitische Kräfte zu formieren, die den Bruch in Form eines Austritts aus der EU vorantreiben. Diese Kämpfe gegen die EU sind es, in denen der Keim für ein anderes Europa wächst – ein solidarisches, ein sozialistisches Europa, das den Schulterschluss zu anderen antiimperialistischen Kräften wie Cuba, Venezuela, Bolivien, Vietnam u. a. sucht. Die Arbeiterklasse hat ein grundsätzliches Interesse an der Vereinigung der Völker gegen die aggressiven Ziele des Imperialismus. Ihr Erfolg erst bringt uns dem Ziel eines Zusammenlebens der Menschen in Europa näher, wie wir es anstreben:

• ein Zusammenleben der europäischen Nationen, das nicht durch Dominanz und Unterordnung bestimmt wird, sondern durch Gleichberechtigung und Kooperation zum gegenseitigen Vorteil. • ein Zusammenleben, das nicht von einer abgehobenen bürokratischen Elite, die im Wesentlichen die Interessen der großen Konzerne vertritt, ohne nennenswerte demokratische Kontrolle diktiert wird, sondern aus den souveränen Entscheidungen der Bevölkerungen erwächst. • ein Zusammenleben, das frei ist von der gewaltsamen und militärischen Durchsetzung des Anspruchs auf Kontrolle über die weltweiten Energieressourcen, sondern das als Friedensfaktor in den internationalen Beziehungen wirksam wird.

DER HAUPTFEIND STEHT IM EIGENEN LAND!

Die Regierenden verweisen bei sozialen Konflikten gerne auf die Verantwortlichkeiten in Brüssel. Doch die scheinbare Machtlosigkeit des eigenen Staates ist eine politisch gewollte und die scheinbare Allmacht der EU-Institutionen ist eine von wenigen gesteuerte. Die Verträge, die die Abgabe nationaler Kompetenzen beinhalten, sowie alle wichtigen Weichenstellungen für die supranationale Herrschaftsausübung wurden und werden von kleinen elitären Zirkeln ausgearbeitet. Sie wurden und werden von den wirklich Herrschenden, von den Machteliten in den führenden Staaten, den Monopolkapitalisten, Banken und ihren politischen Parteien ausgehandelt und bei uns, wie in den anderen Ländern auch, vom Parlament abgenickt.

Wer heute dagegen erfolgreich kämpfen will, setzt am besten dort an, wo sich die politischen Hebel befinden: Dort, wo Menschen in den Betrieben arbeiten, eine Regierung unter Druck setzen und eine Öffentlichkeit für ihre Interessen mobilisieren können. Dort, wo die Arbeiterklasse die Eigentumsfrage an den wichtigsten Produktionsmittel stellen kann und damit die Macht der Monopole angreifen kann – das heißt für uns: hier in der Bundesrepublik Deutschland.

Monopolherrschaft ist das Gegenteil von Demokratie. Die in den EU-Institutionen politisch verankerte Herrschaft steht einer politischen Verfasstheit im Weg, in der alle Bürger in gleichem Maße am gesellschaftlichen Leben teilhaben und über alle öffentlichen Belange souverän entscheiden können. Dazu gehören:

• Volksabstimmungen zu allen wichtigen Verträgen mit anderen Staaten • die Verfügung über das öffentliche Eigentum • die Gestaltung der öffentlichen Daseinsfürsorge • Kontrollkompetenzen über den inneren Kapitalverkehr • die Gestaltung des Arbeitsrechts

Eine in diesem Sinne souveräne Nation bildet erst die Grundlage für eine gleichberechtigte zwischenstaatliche Kooperation, die zu einem sozialistischen Europa führen kann. Nur in diesem Sinne sagen wir „Ja zu Europa“. Dafür suchen wir die Zusammenarbeit mit allen antimonopolistischen und sozialistischen Kräften bei uns und in den anderen Ländern.

DIE EU IST GEGEN DICH - DIE EU BEDEUTET SOZIALABBAU!

Gegenwärtig führen die Regierungen aller Länder der Europäischen Union einen Generalangriff auf die in schweren Kämpfen erreichten sozialen Errungenschaften: durch Abbau und Privatisierung der Sozialversicherung und der Rentensysteme, durch Einführung von Marktgesetzen für die wesentlichen öffentlichen Dienstleistungen und Bereiche wie Gesundheit, Bildung, Kultur, für Gemeinschaftsgüter wie Wasser und andere Naturressourcen, durch Deregulierung des Arbeitsmarktes. Die EU versucht diesen Prozess durch verpflichtende Regelungen, zum Beispiel durch Arbeitszeitregelungen oder die Bolkesteinrichtlinie, die Dienstleistungen liberalisiert, zu verfestigen, die niedrigsten Standards als verbindlich für alle Mitgliedsstaaten durchzusetzen und dadurch die Kampfkraft der Arbeiterklasse in den einzelnen Ländern zu untergraben.

In Deutschland stehen die Agenda 2010 und die Hartz-Gesetze für das Verarmungsprogramm und die Entrechtung der Beschäftigten, für die Zerschlagung des Tarifsystems und Lohndumping. Das deutsche Finanzkapital ist treibende Kraft in diesem Prozess, es ist daher nicht nur eine Gefahr für die Menschen in der BRD, sondern für alle Völker Europas. So ist beispielsweise die Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre und die Spaltung der Rentenansprüche in den Regionen in Deutschland ein Angriff auf das Rentensystem aller anderen europäischen Mitgliedsstaaten. Daraus erwächst für die deutsche Arbeiterklasse eine besondere Verantwortung im Kampf um die Verteidigung sozialer und demokratischer Rechte, weil jeder Erfolg in diesem Land unmittelbar die Kampfbedingungen der Arbeiter- und Volksbewegungen in anderen EU-Ländern verbessert.

Als Kommunisten sehen wir deshalb unsere Aufgabe darin, darüber aufzuklären, dass die Architekten der EU in Berlin und in den Chefetagen des deutschen Finanzkapitals sitzen und sich der Widerstand gegen sie richten muss. Das heißt für uns auch, aufzuklären gegen die Demagogie bürgerlicher und neofaschistischer Kräfte, die Deutschland zur „Melkkuh der EU“ erklären. So leiten sie den berechtigten Unmut der Bevölkerung gegen die EU in nationalistische und rassistische Bahnen und lenken damit vom Hauptnutznießer der EU – dem deutschen Finanzkapital – ab.

DIE DKP KÄMPFT FÜR:

• das Recht auf politischen Streik

• die Einführung eines Mindestlohns

• die 35-Stundenwoche bei vollem Lohn- und Personalausgleich

• gleichen Lohn für gleiche Arbeit

• das Verbot von Ein-Euro-Jobs und Leiharbeit - Weg mit Hartz IV!

• die Senkung des Rentenalters

• den Stopp von Privatisierungen und die Rekommunalisierung öffentlichen Eigentums

• den Ausbau eines an den Bedürfnissen der Bürger ausgerichteten öffentlichen Dienstes

DIE EU IST GEGEN DICH! DIE EU BEDEUTET BILDUNGSABBAU!

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, das Bildungswesen den Konzerninteressen anzupassen. Die bislang weitgehend öffentlich organisierten Bildungssysteme sollen in einen einheitlich strukturierten europäischen Bildungsmarkt integriert werden. Das bedeutet in erster Linie Privatisierung. Hochschul-, Schul- und Ausbildungsabschlüsse sollen europaweit angeglichen werden – auf niedrigem Niveau für die Massen und hohem für die so genannte Elite.

DIE DKP KÄMPFT FÜR:

• kostenfreie Bildung für alle vom Kindergarten bis zur Hochschul

• die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystem für eine Schule für alle

• einen freien Hochschulzugang ohne Studiengebühren

• eine Forschung und Lehre, die unabhängig von Kapitalinteressen ist

• ein Ausbildungsgesetz, das Unternehmen verpflichtet auszubilden

DIE EU IST GEGEN DICH! DIE EU BEDEUTET MILITARISIERUNG!

Die EU trägt unter dem Banner Demokratie, Freiheit und Menschenrechte oder „humanitärer Hilfe“ Kriege in alle Welt. Erklärtes Ziel ist der Aufbau eines Militärapparats, der in engster Kooperation, gegebenenfalls aber auch unabhängig von der NATO, in allen Teilen der Welt einsatzfähig ist. Es gibt heute kaum einen geostrategisch bedeutenden Ort in der Welt, an dem die EU nicht militärisch agiert. Dabei wird verschwiegen, daß Krisensituationen, mit denen die Einsätze meist legitimiert werden, durch die imperialistischen Hauptmächte selbst geschaffen werden.

Der Lissabonvertrag beinhaltet eine Verpflichtung zur dauerhaften Aufrüstung für alle EU- Mitgliedstaaten und ermöglicht die Aufstellung eines EU-Rüstungshaushalts. Versuche, in die Aufrüstungsverpflichtung eine bindende Zielgröße von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Rüstungsausgaben aufzunehmen, konnten bisher nicht durchgesetzt werden. Dies hätte für Deutschland eine Steigerung um etwa 30 Prozent des Rüstungshaushaltes zur Folge. Der Vertrag ermächtigt den EU-Rat zudem - unter dem Deckmantel des so genannten Antiterrorkampfes – zu weltweiten Militärinterventionen auch ohne UN-Mandat.

DIE DKP KÄMPFT FÜR:

• den Stopp aller Auslandseinsätze der Bundeswehr

• den Stopp der Rüstungsproduktion und Umwandlung in sinnvolle zivile Produktion (Konversion)

• die Umverteilung des Rüstungsetats in die Bereiche Bildung und Soziales

• die Abschaffung der EU-Eingreiftruppe

• den Austritt Deutschlands aus der NATO

• Einhaltung und Weiterentwicklung der internationalen Wettrüstungsverträge

DIE EU IST GEGEN DICH - DIE EU BEDEUTET DEMOKRATIEABBAU!

Der Generalangriff auf die sozialen Rechte der Mehrheit der Menschen wird von dem Ausbau totalitärer Sicherheitssysteme begleitet. Überwachung und Repression sollen jeden Widerstand im Keim ersticken. Zur Legitimierung der Aushebelung von demokratischen Grundrechten wird die Gefahr des „islamistischen Terrors“ heraufbeschworen. Neofaschisten werden nicht bekämpft, sondern als Stichwortgeber genutzt und als letzte Reserve gehalten.

Auf der EU-Agenda stehen u. a. die grenzüberschreitende Polizeiarbeit (Europol), der Datenabgleich von DNA-Analysen und Fingerabdrücken zwischen den Mitgliedsstaaten und ein europäisches Fahndungssystem. Auf der sogenannten EU-Terrorliste befinden sich viele linke Organisationen wie die Kurdische Arbeiterpartei PKK oder die baskische Untergrundorganisation ETA. Die Politik der EU wendet sich gegen alle Organisationen, die sich gegen Ausbeutung, Unterdrückung und die Vorbereitung neuer Kriege wenden und für die der Kapitalismus nicht das Ende der Geschichte ist. Sozialistische und kommunistische Organisationen werden zunehmend kriminalisiert. Damit greift die EU rechte Traditionen europäischer Regierungen wieder auf, wie das Verbot fortschrittlicher Organisationen in Spanien unter Franco und unter den griechischen Obristen. Vor diesem Hintergrund kam es 1956 auch zum bis heute gültigen Verbot der KPD in Deutschland. In diesem Zusammenhang steht auch das Verbot des tschechischen kommunistischen Jugendverbandes KSM. Die Erinnerungen an die Traditionen des antifaschistischen Kampfes und des sozialistischen Aufbaus sollen beseitigt werden. Der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist stets Antreiber bei der Perfektionierung der repressiven EU-Sicherheitspolitik - nicht zuletzt durch seine Forderung nach einem Bundeswehreinsatz im Innern.

DIE DKP KÄMPFT FÜR:

• das Verbot von Schnüffelei und Onlinedurchsuchungen

• den Stopp der Angriffe auf das Versammlungsrecht

• die Abschaffung des Paragraphen 129a und b StGB (Vorwurf der Bildung einer terroristischen Vereinigung)

• die Legalität aller kommunistische Parteien und Organisationen

• das Verbot des Bundeswehreinsatzes im Innern

• das Verbot und die Auflösung aller neofaschistischen Parteien und Organisationen

DIE EU IST GEGEN DICH - DIE EU BEDEUTET ABSCHOTTUNG!

Die EU-Außengrenzen werden durch die militärische Grenzschutzagentur Frontex vor dem selbstgeschaffenen Flüchtingsstrom gesichert. Mindestens 10 000 Menschen starben in den vergangenen zehn Jahren bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren. Im „EU-Pakt zu Asyl und Zuwanderung“ wird die tödliche Abschottungspolitik festgeschrieben. Nur wirtschaftlich verwertbare Migranten sollen zeitlich begrenzt in die Mitgliedsstaaten gelassen werden. Flüchtlinge, denen es dennoch gelingt, die Grenzen Europas zu überwinden, wird durch Sondergesetze ein Leben in Würde versagt. .. ..

DIE DKP KÄMPFT FÜR:

• die Wiederherstellung des Rechts auf Asyl

• das Bleiberecht für alle hier lebenden Flüchtlinge

• gleiche Rechte aller in der BRD lebenden Menschen

• die Abschaffung der menschenfeindlichen Abschiebepraxis und der Sondergesetze

• die Abschaffung der militärischen Grenzschutzagentur Frontex

FÜR EINE VOLKSABSTIMMUNG ÜBER DEN LISSABONVERTRAG! FÜR EIN LINKES UND ANTIMONOPOLISTISCHES NEIN ZUR EU-MITGLIEDSCHAFT DEUTSCHLANDS!

WÄHLT DKP! EINE STIMME FÜR DIE DKP IST EINE STIMME GEGEN DIE EU! ..

(1) Infokasten: Der „Vertrag“ von Lissabon, auch „EU-Grundlagenvertrag“ bzw. „Reformvertrag“ genannt, soll der EU eine einheitliche Struktur und Rechtsgrundlage geben und die abgelehnte „EU- Verfassung“ ersetzen. Der Vertragstext wurde im Dezember 2007 von den Staats- und Regierungschefs in Lissabon unterzeichnet. Ursprünglich sollte er am 1. Januar 2009 in Kraft treten. Im Juni 2008 wurde er aber von Irland in einem Referendum abgelehnt. In den übrigen 26 EU-Mitgliedstaaten erfolgt die Ratifizierung allein durch eine Abstimmung der nationalen Parlamente, die in den meisten mit Zustimmung durchgeführt wurde. In Deutschland stimmte im April und Mai 2008 Bundestag und Bundesrat mit großer Mehrheit für den Vertrag. Der Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler (CSU), die Linksfraktion und einzelne Abgeordnete reichten Verfassungsbeschwerden ein. Bundespräsident Horst Köhler wird das Gesetz vor einer Urteilsverkündung des Bundesverfassungsgerichts nicht unterschreiben. Auch in der Tschechischen Republik wurden Verfassungsklagen eingereicht. Nun soll der Vertrag bis zur Europawahl im Juni durchgesetzt werden.

Europa-Wahl: Nein zur EU-Mitgliedschaft Deutschlands! (2. Teil:  Antragsbegründung der DKP-Berlin)

Liebe Leute,

wie mit aikor-info vom 16. Dezember 2008 dokumentiert, hat die DKP-Berlin für die 2. Tagung des 18. Parteitages in Berlin am 10. Januar 2009 einen „Alternativentwurf für ein Wahlprogramm der DKP zur Europawahl“ eingebracht. Die Begründung, warum ein Alternativentwurf zu dem vom Parteivorstand vorgeschlagenen Entwurf eingebracht wurde, blieb im gestrigen aikor-info leider „auf der Strecke“ und wird nun ergänzend dokumentiert:

Einführendes Referat des Sekretariats der DKP Berlin

zur Antragsdebatte „EU-Wahlprogramm“

Landesmitgliederversammlung der DKP Berlin am 30. November 2008

Berichterstatter: Rainer Perschewski

Mit internationalistischen Grüßen

Klaus von Raussendorff

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Anhang:

Einführendes Referat des Sekretariats der DKP Berlin

zur Antragsdebatte „EU-Wahlprogramm“

Landesmitgliederversammlung der DKP Berlin am 30. November 2008

Berichterstatter: Rainer Perschewski

Liebe Genossinnen und Genossen;

Wir haben zu dieser Landesmitgliederversammlung ein alternatives Wahlprogramm zu den Europawahlen vorgelegt. Der Entwurf wurde vom Landesvorstand bei zwei Enthaltungen angenommen, mehrere Gruppen haben Änderungsanträge formuliert, die darauf gerichtet sind, das Papier zu qualifizieren. Wir wollen hier noch einmal darlegen, warum wir zum Parteitag am 10. Januar einen Alternativantrag zu dem vom PV vorgeschlagenen Entwurf stellen, anstatt einzelne Verbesserungsvorschläge zu machen.

Es waren nicht einzelne Mängel im Entwurf des Parteivorstandes, die uns angeregt haben, wie zum Beispiel:

die Betonung der transatlantischen Einheit zwischen EU und USA;

die Beschränkung der Rolle der DKP darauf, „Teil einer vielgestaltigen Bewegung“     für ein anderes Europa zu sein

oder die Bekräftigung der Mitgliedschaft der DKP in der EL in der Form des             Beobachterstatus.

Auch nicht das, was fehlt, nämlich vor allem eine strategische Orientierung, und auch         nicht absurde Forderungen wie die nach dem Verzicht der EU auf alle            imperialistischen Groß- und Weltmachtambitionen.

Dazu bewogen hat uns vielmehr ein Herangehen an die EU-Frage, das wir für grundsätzlich falsch halten. Das vom PV abgesegnete Papier liest sich wie ein nationales Programm, erweitert auf die EU. Der wichtigste Akteur, die BRD, wird mit keinem Wort erwähnt. Dahinter steckt offenbar die Vorstellung, man könne die Institutionen der EU im Kampf auf europäischer Ebene demokratisieren, die Macht der Monopole zurückdrängen und die EU schließlich zu einem sozialistischen, sagen wir: Gebilde machen.

Diese Strategie hätte eine gewisse Plausibilität, wenn die EU eine Nation oder ein staatsartiges Gebilde wäre. Das ist sie aber nicht. Sie beruht auf einem völkerrechtlichen Vertrag zwischen imperialistischen und kapitalistischen Staaten. Einen solchen kann man eingehen oder kündigen. Aber es lässt sich ein von Imperialisten für imperialistische Interessen initiierter Vertrag so wenig in einen den Interessen der Bevölkerungsmehrheit dienenden Vertrag ummünzen, wie aus der NATO ein Warschauer Vertrag zu machen ist. Die EU ist ein Konstrukt, das sich abschaffen lässt, Deutschland oder Frankreich nicht.

Die Illusion einer „europäischen Identität“ kann nur mit Hilfe von mit großem Aufwand betriebenen ideologischen Apparaten und symbolischen Akten (Flagge, Hymne, „Verfassung“) aufrecht erhalten werden – man muss zugeben, selbst bei Linken mit einigem Erfolg. Auch scharfe Kritiker pflegen ihre Kritik mit der Beschwichtigungsformel „Ja zu Europa, aber ...“ einzuleiten. Außerhalb der Gesellschaft gestellt werden wie weiland die „vaterlandslosen Gesellen“, will man doch lieber nicht.

Auch der PV-Entwurf bedient sich in der Einleitung dieses Rituals. Doch welches Europa ist gemeint? Nimmt man sein gegenwärtiges politisches Beziehungsgeflecht, ersetzt man also Europa durch EU, würde der Widersinn von Forderung und ihrer Prämisse sofort deutlich: Eine EU, die sich „an den Interessen der Mehrheit der Bevölkerung orientiert“, in  der „die Wirtschaft den Menschen dient“, in dem das „Recht auf sinnvolle Arbeit in Würde“ eingefordert werden kann, gibt es nicht und kann es nicht geben. Wenn, wie im PV-Entwurf, ein „Ja zu Europa“ gar mit der Forderung nach dem „grundlegenden Bruch mit den kapitalistischen Produktions- und Eigentumsverhältnissen“ verbunden wird, kann das nur heißen: Für eine Union der Europäischen Sozialistischen Republiken. Das wäre immerhin konsequent. Doch kommt man ans Ende des Papiers, stößt man auf die Erwartung, dass die EU (wohlgemerkt: nicht „Europa“) für eine neue Weltordnung auf der Basis von Partnerschaft und Solidarität bis hin zur „Förderung der Transformationsprozesse“ in Lateinamerika auftritt. Es ist also wohl doch die EU, die auf wundersame Weise sozialistisch gemacht werden soll.

Es entbehrt nicht der Ironie, dass die realistischsten Stellen des PV-Papiers in der aus dem Parteiprogramm hereinkopierten Passage zu finden sind. Dort ist von der EU als imperialistischer Konstruktion und von der Verbindung der Kämpfe auf nationaler und europäischer Ebene die Rede. Beides spielt in der Gesamtanlage der Überlegungen überhaupt keine Rolle, so als ob es nur versehentlich mit in den Text geraten ist.

Über das Profil des PV-Papiers spricht der Text selbst sein Urteil. Er ist so beliebig gehalten, dass es am Schluss freie Auswahl gibt, die Schlussfolgerung „DKP wählen“, „DIE LINKE wählen“ oder „Keine Empfehlung“ anzukreuzen. Das ist ein neuer Tiefpunkt in der Veröffentlichung programmatischer Texte.

Was setzen wir dagegen?

Wir stellen bereits am Anfang unseres Papiers fest: „Die DKP kämpft für die Verbesserung der sozialen Lage der Werktätigen, gegen die Einschränkung der demokratischen Rechte und gegen Militarisierung und Krieg. Dieser Kampf kann nur im Kampf gegen die EU und nicht in ihr oder mit ihr erfolgreich sein.“ Wir begründen das mit dem imperialistischen Charakter der EU, der definiert wird, und machen uns vor allem die Mühe Schritte aufzuzeigen, wie der EU zu begegnen ist und wie letztlich durch Überwindung der EU ein sozialistisches Europa entstehen könnte. In diesem Zusammenhang spielt auch die Forderung „Raus aus der EU!“ eine Rolle. Diese wird nun von unserem Parteivorsitzenden Heinz Stehr in einem Brief an die Genossen aus Friedrichshain-Kreuzberg, die einen Beitrag zur Diskussionstribüne der UZ geleistet haben, und leider auch von Genossen Polikeit in der UZ herausgegriffen, isoliert als unsere Haupt- oder sogar einzige Forderung dargestellt und angegriffen. Sie soll a) nationalistisch und NUR von faschistischen Parteien genutzt werden und b) unserem Parteiprogramm widersprechen. Wir halten insbesondere das Agieren des Vorsitzenden Heinz Stehr, der wiederholt zur solidarischen Debatte über Meinungsverschiedenheiten innerhalb der DKP aufgerufen hat und der als Vorsitzender integrierend statt ausgrenzend wirken müsste, für bedenklich.

Liebe Genossinnen und Genossen,

der Versuch unsere Positionen in die Nähe von faschistischer Argumentation zu rücken ist aber mehr als nur bedenklich. Die Behauptung lässt jedem Kommunisten natürlich erstmal den Atem Stocken. Die Behauptung ist aber komplett aus der Luft gegriffen. Es gibt in den Programmen der Faschisten – zumindest der NPD, DVU oder Republikaner -  keine derartige Forderung. Doch selbst wenn, muss das nichts heißen. Die soziale Demagogie der Faschisten ist hinlänglich bekannt; in der Logik dieser Argumentation dürften wir auch im sozialen Bereich keine Argumentation aufstellen, die nur äußerliche Ähnlichkeiten aufweist. Daher dient diese „Argumentation“ anderen Zielen.

Die Debatte wäre nützlich, wenn unser Gesamtpapier kritisiert würde und die Forderung „Raus aus der EU!“ als Teil einer strategischen Orientierung gesehen würde, die wir aufzuzeigen versuchen. 

Unsere Orientierung setzt bei den Konstrukteuren der EU, den selbst ernannten Eliten in den Nationalstaaten an. Sie sind es, die den EU-Institutionen ihre scheinbare Allmacht verleihen und sie sind es, die die scheinbare Entmächtigung der jeweiligen Staatsapparate als eine politisch gewollte betreiben. Hier sind die entscheidenden politischen Hebel, hier gibt es (anders als auf europäischer Ebene) eine Öffentlichkeit als Medium, in der die Regierung unter Druck gesetzt werden kann, und hier ist der Rahmen, in dem schließlich die Arbeiterklasse die Machtfrage stellen kann. Aus diesem Realismus leiten sich die erforderlichen Schritte ab: von der Forderung nach Rückholung von Kompetenzen in die EU-Mitgliedsländer bis zu Forderungen, die die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung zu vertreten, aber mit den Verträgen kollidieren, und deren Konsequenz letztlich in der Loslösung von der EU mündet.

Diese Orientierung ist nicht nationalistisch. Im Gegenteil. Wir beschreiben in unserem Antrag, dass sich in verschiedenen Ländern der EU Widerstand gegen die EU formiert und sehen uns als Teil dieses Widerstandes. Die Volksbefragungen in Frankreich, den Niederlanden und Irland, der Kampf von Arbeitern und Angestellten gegen die Bolkesteinrichtlinie, von Hafenarbeitern gegen Port-Package, von Studierenden gegen die Einführung des Bachelor-Systems im Zuge des Bologna-Prozesses und von Bauern gegen eine EU-Subventionspolitik, die einzig und allein den Agrar- und Lebensmittelkonzernen nutzt – all das ist Ausdruck von Kämpfen zur Destabilisierung der EU. Als Kommunisten sehen wir unsere Aufgabe darin, diese zu unterstützen und voranzutreiben. Und zwar im Gesamtinteresse der Arbeiterklasse und der nichtmonopolitischen Schichten – in unserem Land, in der EU und weltweit. Gemeinsam mit allen antiimperialistischen und kommunistischen Kräften in der EU sehen wir es als eine Aufgabe, in den einzelnen Ländern antimonopolitische Kräfte zu formieren, die den Bruch in Form eines Austritts aus der EU vorantreiben. Diese Kämpfe gegen die EU sind es, in denen der Keim für ein anderes Europa wächst – ein solidarisches, ein sozialistisches Europa, das den Schulterschluss zu anderen antiimperialistischen Kräften wie  Cuba, Venezuela, Bolivien u.a. sucht.

Der Hauptfeind steht im eigenen Land meint: Wer gegen die EU kämpfen will, muss dort ansetzen, wo die Arbeiterklasse der einzelnen EU-Staaten ihren Klassengegnern unmittelbar gegenübersteht, wo sie ihre politischen, ideologischen und ökonomischen Kämpfe gegen ihre Bourgeoisien im nationalen Rahmen konkret austrägt. Das heißt für die deutsche Arbeiterklasse: Den Kampf gegen die EU als Klassenkampf in der BRD gegen die deutsche Bourgeoisie zu führen. Dabei hat insbesondere die deutsche Arbeiterklasse eine besondere Schlüsselfunktion und auch Pflicht in der EU, den Schlag gegen den deutschen Imperialismus zu richten, weil er das Herz des staatsmonopolitischen Bündnisses EU bildet. Jeder erfolgreiche Schlag der deutschen Arbeiterklasse gegen den deutschen Imperialismus verbessert unmittelbar die Kampfbedingungen der Arbeiter- und Volksbewegungen in anderen EU-Ländern. Die Hauptaufgabe in der BRD sehen wir deshalb darin, in der Arbeiterklasse darüber aufzuklären, dass die Architekten der EU in Berlin und den Chefetagen des deutschen Finanzkapitals sitzen und sich gegen sie der Hauptschlag richten muss. Das heißt für uns auch: Aufzuklären gegen die Demagogie bürgerlicher und neofaschistischer Kräfte, die den berechtigten Unmut der Bevölkerung gegen die EU in nationalistische und rassistische Bahnen umlenken und damit vom Hauptnutznießer der EU – dem deutschen Finanzkapital – ablenken.

Mit dieser Orientierung geht es nicht um die „Rückkehr zur nationalstaatlichen Abschottung und zum Gegeneinander der kapitalistischen und imperialistischen Nationalstaaten der Vergangenheit“, wie uns oft vorgehalten wird. Das wird es in der Tat nicht geben. Die EU ist ja nicht aus einer Laune heraus entstanden, sondern ist dem Zwang zur Kapitalverwertung geschuldet, um der fallenden Profitraten, hauptsächlich durch Zentralisation von Kapital, Herr zu werden. Rückholung Brüsseler Kompetenzen ins Land steht diesem Zwang entgegen und bedeutet heute Schwächung der Monopolmacht; und ein Austritt aus der EU würde schon eine grundlegende Änderung der Produktionsverhältnisse voraussetzen. Das heißt, der Kampf um nationalstaatliche Souveränität ist heute letztlich nur in Verbindung mit dem Kampf um Sozialismus möglich – wobei allerdings immer auch die Möglichkeit einer faschistischen Variante bedacht werden muss. Es ist unwahrscheinlich, dass sich solche Prozesse der Loslösung von der EU isoliert in einem Land vollziehen. Alle historische Erfahrung lehrt, dass sich revolutionäre Befreiungsbewegungen wie ein Lauffeuer verbreiten.

Im Programm der KKE zur EU-Wahl heißt es in diesem Zusammenhang: „In dem Maße, wie die EU durch den Kampf der Völker geschwächt wird, werden die gesellschaftspolitischen Voraussetzungen geschaffen für ein Europa der gleichberechtigten Zusammenarbeit, des Sozialismus. Um ein sozialistisches Europa zu erreichen, gehen wir durch einen integrierten Prozess aufeinander folgender Brüche und Loslösungen in einem oder mehreren Ländern. Die inneren Widersprüche, die aufeinander folgenden Schläge gegen die Struktur der EU, die Loslösungen, der Ungehorsam und die Nichtunterordnung schaffen Möglichkeiten und Bedingungen für andere Formen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf der Grundlage des gemeinsamen Nutzens, im Gegensatz zu den Optionen der EU.“

Wir befinden uns also in guter Gesellschaft. Die portugiesische KP hat eine ähnliche Position wie die KKE. Die Türkische KP ist gegen einen Beitritt der Türkei zur EU. Auf dem letzten Parteitag der Partei der Arbeit Schweiz im November 2008 stimmte die Mehrheit der Delegierten für die Rücknahme des 1991 ins Parteiprogramm geschriebenen Ja zur EU (und für die Umbenennung der Partei in „Kommunistische Partei der Schweiz“).

Verstößt unser Antrag gegen das Parteiprogramm?

Aus unserer Sicht ist auch der Versuch, unsere Überlegungen mit dem Hinweis, sie seien nicht programmkompatibel, zurückzuweisen, nicht haltbar. Das Programm ist kein Instrument zur Disziplinierung der Partei, sondern muss sich an der gesellschaftlichen Realität und Wirklichkeit messen lassen. Im Zuge der Finanzkrise hat die EU beispielsweise höchstens im zweiten Durchgang eine Rolle bei der Umsetzung der Krisenstrategien der wichtigsten kapitalistischen Länder Europas gespielt. Die starken nationalen Bourgeoisien haben die Sache in ihrem staatlichen Einflussbereich geregelt.

Im Parteiprogramm gibt es u. E. überhaupt nur einen Satz, der, aus dem Zusammenhang herausgelöst, mit unserer Positionierung kollidieren könnte. Im Kapitel über die Europäische Union heißt es: „Die weitere Entwicklung der Europäischen Union wird davon abhängen, inwieweit es der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung, der globalisierungskritischen Bewegung, den demokratischen Kräften gelingt, im gemeinsamen Handeln die Beherrschung der EU-Institutionen durch das Monopolkapital einzuschränken, diese Institutionen zu demokratisieren und selbst Einfluss auf deren Entscheidungen zu gewinnen.“ Programmatik sollte sich durch Klarheit und Eindeutigkeit auszeichnen. Wenn der beschließende Parteitag hätte sagen wollen: „Die EU ist als Tatsache ein neuer imperialistischer Staat, der die bisherigen europäischen Staaten ganz oder teilweise obsolet werden lässt“, wären die Delegierten vermutlich stutzig geworden und der Satz wäre nach längerer Debatte vielleicht zurückgewiesen worden. Wie an anderen Stellen des Programms wird hier sein Kompromisscharakter deutlich. Einige Stellen passen einfach nicht zusammen und werden weiter diskutiert werden müssen.

Vieles im Programm im Hinblick auf die EU ist unstrittig: Wir sind uns einig über der imperialistischen Charakter der EU und wir sind uns einig darin, dass ein grundlegender Bruch in den Macht- und Eigentumsverhältnissen erforderlich ist. Der zitierte Satz ist der einzige, der eine strategische Orientierung zum Gegenstand hat; alles andere ist Beschreibung oder Analyse. Aber auf Grund eines mehr oder weniger eingeworfenen Satzes innerhalb eines ansonsten unstrittigen Kapitels eine strategische Orientierung gar nicht erst zur Diskussion zulassen zu wollen, die immerhin auch von der kampfstarken und einflussreichen KKE vertreten wird, ist an sich schon hanebüchen.

Aber sehen wir uns die Ausführungen im Parteiprogramm in ihrem Zusammenhang an. Die EU wird dort als eine Einheit behandelt, ohne dass der Charakter dieser Einheit erörtert wird. Die strategische Orientierung auf die Demokratisierung der EU-Institutionen ergäbe einen Sinn, wenn es sich bei der EU um eine Nation oder ein staatsähnliches Gebilde handeln würde. Das wird allerdings an keiner Stelle behauptet und es entspricht ja auch nicht – wie oben ausgeführt – der Realität. Andererseits ist an einer Stelle von einem „supranationalen Staatsapparat“, an einer anderen von der EU als einer Konstruktion die Rede – Charakterisierungen, die der einer Nation oder eines staatsartigen Gebildes widersprechen. Die im zitierten Satz erwähnte strategische Orientierung kann also nur das Ergebnis einer unreflektierten Übertragung von einer Nation auf die EU sein. Zu einem ungleichartigen Programmteil lässt sich schwerlich ein Widerspruch feststellen. So wie das Sekretariat des PV sich auf den zitierten Satz bezieht, können wir uns auf die ebenfalls im Programm erwähnte „EU-Konstruktion“ oder die Supranationalität berufen. Oder sollen wir, den Geist des Sekretariats aufnehmend, einen Verstoß seinerseits gegen das Parteiprogramm reklamieren, weil sein Antrag das Gebot der Verbindung von nationalem und europäischem Kampf negiert?

Unser Ansatz leitet sich eben aus der schwer zu bestreitenden Tatsache ab, dass die EU – wie oben dargestellt – ein Konstrukt ist, das seine Quellen und Säulen in den beteiligten Staaten hat. Da auf diese Weise die Disparitäten des Parteiprogramms (in der EU-Frage) aufgelöst sind, könnte man erwarten, dass unser Antrag dankbar als Vorschlag für eine Weiterentwicklung unserer Politik aufgenommen wird.

Warum soll die DKP zur Europawahl antreten, wenn sie die EU ablehnt?

In den Diskussionen in den Gruppen im Vorfeld der LMV gab es mehrfach das Argument: Ihr seid gegen die EU, warum wollt ihr denn dann zur Wahl zum europäischen Parlament kandidieren?

Unser Programm zur EU-Wahl unterscheidet sich in den formulierten Positionen deutlich von denen der reformistischen Linken. Die linken Sozialdemokraten von der EL propagieren die Reform/Transformation der EU hin zu einem sozialeren, friedlicheren, feministischeren, gerechteren Staatsgebilde. Ihre Programmatik dient der Einbindung oppositioneller, gegen die herrschende EU-Politik gerichteter Kräfte in eine Bewegung zur Reform des EU-Gebildes. Wir werben dagegen für eine Strategie die alle antimonopolistischen Klassen und Schichten in Frontstellung gegen das Bündnis der Imperialisten Europas stellt. Dazu bietet die DKP den Arbeitern und Angestellten, den kleinen Gewerbetreibenden, der lernenden und arbeitenden Jugend, den ökologischen, feministischen, den antimilitaristischen und pazifistischen Organisationen und Bewegungen an, gemeinsam den Verursachern und Profiteuren der herrschenden Ordnung entgegen zu treten. Die Tätigkeit im EU-Parlament (Informationsgewinnung, Absprachen mit anderen antimonopolistischen Parteien, Widerstand/Abschwächen reaktionärer Initiativen) ist dieser Zielrichtung untergeordnet.

Der PV liefert mit seinem Vorschlag einen weiteren Mosaikstein auf dem  verhängnisvollen Weg des Hinterlaufens hinter der PDL bzw. der EL bei Aufgabe des eigenen Profils.

Genosse Leo Mayer * hat, „ohne vorgreifen zu wollen“, seinen dear comrades von der EL schon mal signalisiert, dass die DKP to a large extent (also weitgehend) mit dem Programm der EL übereinstimmt.

Kämpfen wir dafür, dass gegen diesen Kurs Pflöcke gesetzt werden!

Unser Alternativantrag ist ein Beitrag dazu.

* nachfolgendes entstammt einer Mail von Leo Mayer.

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E N D E

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