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Anmerkungen
Roter Webmaster/18. Juni 2008:
Nachfolgender
Artikel stammt zwar aus Österreich, wir bringen ihn dennoch
nicht unter Internationalismus. Der Grund ist natürlich nicht,
dass wir die "Ostmark" heim ins Reich holen wollen.
Der Grund ist stattdessen, das die aufgezeigten Analysen und
Probleme ebenso für Deutschland und die anderen EU-Staaten
zutreffen. Daher erscheinen sie in dieser Rubrik.
G.A. |
Die
EU heute und linke Gegenbewegungen
Von
Tibor Zenker
Referat
im Rahmen der Buchpräsentation „Der Imperialismus der EU“, Wien,
13. April 2007
Quelle:
Kommunistische
Initiative Wien
1.
Entwicklungsetappen der EU
Im
März 2007 beging die EU groß ihren 50. Geburtstag, auch wenn sich die
meisten Menschen in Europa durch diese Selbstbefeierung nur peripher
tangiert fühlten. Historischer Anlass dieses etwas gezwungen
inszenierten Jubiläums war die Unterzeichung der Römischen Verträge
im März 1957, womit damals die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
(EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EAG/Euratom) gegründet
wurden.
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Das
Buch „Der Imperialismus der EU – Texte zur marxistischen
EU-Kritik“ von Tibor Zenker, 132 Seiten, ISBN 3902471514, ist
ab sofort bei der Kommunistischen Initiative [KI] um 14,90 Euro
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Dies,
so die Argumentation der feierlaunigen Eurokraten, sei die Geburtsstunde
der EU. Die dritte Säule, auf welche die kapitalistische westeuropäische
Integration baute, war bereits 1951 mit der Europäischen Gemeinschaft für
Kohle und Stahl (EGKS) geschaffen worden.
Im
Jahr 1967 wurden EWG, EAG und EGKS zu den Europäischen Gemeinschaften
(EG) zusammengefasst, diese war die unmittelbare Vorläuferorganisation
der heutigen EU. Seit der Bildung der EG gibt es die Kommission, ein
„Parlament“, dessen Abgeordnete jedoch erst seit 1979 direkt gewählt
werden, sowie den Ministerrat als eigentliches Entscheidungsgremium.
Die
Gründungsmitglieder der EGKS, EAG, EWG und EG waren Deutschland,
Frankreich, Italien, die Niederlande, Belgien und Luxemburg. Diese sechs
blieben bis 1973 unter sich, mit der ersten Erweiterung in diesem Jahr
traten Großbritannien, Irland und Dänemark den EG bei. In den 1980er
Jahren wurden drei Staaten mit jüngerer faschistischer Vergangenheit
aufgenommen, nämlich 1981 Griechenland, 1986 Spanien und Portugal. Mit
1. Januar 1996 wechselten die EFTA-Länder Finnland, Schweden und Österreich
in die EG. 2004 kam es zur größten Erweiterungsrunde, der nunmehrigen
EU traten acht ehemals sozialistische Staaten bzw. Teile solcher Staaten
bei, nämlich die Tschechische Republik, die Slowakei, Ungarn, Polen,
Slowenien und die drei baltischen Länder, ebenfalls aufgenommen wurden
Zypern und Malta. Die bislang letzten Neumitglieder sind mit 1. Januar
2007 Bulgarien und Rumänien. Damit hat die EU heute 27
Mitgliedsstaaten. Das bedeutet, dass etwa die Hälfte aller europäischen
Staaten außerhalb der EU verbleibt.
Die
Umwandlung der EG in die EU erfolgte 1992 mit dem Vertrag von
Maastricht, wobei die Tätigkeitsfelder der neuen Struktur um die
Bereiche Militär, Polizei und Justiz erweitert wurden. Mit diesem Jahr
wurden auch die Einführung der gemeinsamen Währung Euro sowie damit
verbunden die Schaffung der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen.
Als Ergänzung zum Vertrag von Maastricht ist der Vertrag von Amsterdam
aus dem Jahr 1997 zu sehen. Dieser bedeutete die Etablierung der
„Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik“ (GASP), die Integration
der Westeuropäischen (Militär-)Union (WEU) in die EU sowie die
Schaffung der EADS, also des EU-Rüstungskonzerns.
Somit
können drei Etappen der Entwicklung der EU beobachtet werden. Von 1951
bis 1967 ging es vornehmlich um die Bündelung ökonomischer Potenzen im
Sinne des „Wiederaufbaus“, das heißt um die Konsolidierung des
westeuropäischen Kapitalismus, wobei dies auch als Defensive gegenüber
den sozialistischen Staaten in Europa zu sehen war. Von 1967 bis 1992
ging es vermehrt um die politische Zusammenarbeit, verbunden mit einer
Offensive gegenüber dem europäischen Sozialismus. Diese Offensive war
1989/90 mit maßgeblicher Hilfe des Revisionismus im Inneren der
sozialistischen Staaten und in deren kommunistischen Parteien
erfolgreich. Seither, oder genauer gesagt seit 1992, befinden wir uns in
der dritten Entwicklungsetappe der EU, in der es um die Schaffung eines
weitgehend einheitlichen imperialistischen Blocks in Europa geht sowie
um die Militarisierung desselben.
2.
Zur gegenwärtigen Verfasstheit der EU
Aufgrund
ihrer Geschichte kann über die EU gesagt werden, dass sie im
Wesentlichen vier Aufgabenfelder zu bewältigen hat: 1. die
Koordinierung der inneren monopolkapitalistischen Ausbeutung, 2. die
Koordinierung der imperialistischen Ausbeutung nach außen, d.h.
„kollektiver Imperialismus“ bei 3. gleichzeitiger Abgrenzung zu
Konkurrenzimperialismen (vor allem zu den USA), sowie 4. die
Koordinierung des Kampfes gegen den Sozialismus sowie allgemeine
Emanzipationsbestrebungen der Völker.
Somit
ist festzuhalten, dass die EU bislang ein imperialistisches Bündnis ist
– mehr nicht. Kann sie jedoch mehr sein? Kann die EU, wie Bürgerliche
und revisionistische „Linke“ behaupten, der Ausgangspunkt für die
Überwindung des Nationalstaates unter kapitalistischen Verhältnissen
sein, kann die EU vom Staatenbündnis zum wirklichen Bundesstaat werden?
Die Antwort ist ein klares Nein. Zu einer solchen Ansicht zu kommen, würde
bedeuten, die Leninsche Imperialismustheorie zugunsten eines
neokautskyanischen Konzepts zu opfern, nämlich im Sinne einer
zivilisatorischen Globalisierungsthese. Die Behauptung, wir würden im
Postimperialismus leben, ist entschieden zurückzuweisen, und alle diese
Ansätze, mögen sie „Ultraimperialismus“, „organisierter
Kapitalismus“ oder heute „Empire“ heißen, sind nicht nur falsch,
sondern auch in bemerkenswerter Weise unsinnig.
Wenn
es aber so ist, dass wir im Imperialismus leben, dann kann die EU nichts
anderes sein und auch nichts anderes werden als ein imperialistisches Bündnis.
Der Grund liegt auf der Hand: die einzelnen nationalen Imperialismen
haben unterschiedliche Interessen, sie stehen in Konkurrenz zueinander.
Diese imperialistische Konkurrenz ist nicht aufzuheben, sondern sie kann
im Sinne gemeinsamer Ziele für bestimmte Zeiträume zurücktreten.
Somit unterliegt das imperialistische Bündnis EU aus Sicht der
Mitgliedsstaaten, insbesondere der Großmächte darunter, dem Kriterium
der Zweckmäßigkeit: ohne solche Zweckmäßigkeit auch keine EU.
Das
bedeutet auch, dass aufgrund dieses Kriteriums die EU auch „von
unten“ nicht in etwas anderes zu transformieren ist, also in eine
„Sozialunion“, ein „solidarisches Europa“ oder sonstige
Sozialutopien der EU-Linkspartei. Würde es tatsächlich einen Prozess
geben, wo in Aussicht stünde, die EU könne „von unten“ verändert
werden, so würde sie einfach „von oben“ aufgelöst. Die
Wirklichkeit zeigt aber ohnedies genau das Gegenteil: nicht die
revisionistische „Linke“ verändert die EU, sondern die Mitglieder
der EU-Linkspartei passen sich der EU an. Nicht die EU ist für
reformistische Ziele zu instrumentalisieren, sondern die EU-Linkspartei
wird ironischerweise selbst zum Instrument der EU im Kampf gegen den
Marxismus und Sozialismus unfunktioniert. – Doch das nur am Rande.
Wodurch
ist nun die gegenwärtige Verfasstheit der EU und wodurch sind ihre
Entwicklungsbedingungen und -möglichkeiten bestimmt? Durch die
Hauptwidersprüche des Imperialismus, die nun ihrer Anwendung auf die EU
zu betrachten sind. – Zuvor wurden die vier Hauptfunktionen der EU erwähnt
– und diese sind natürlich ganz genau der Gegenpart zu den
Hauptwidersprüchen des Imperialismus überhaupt. Das bedeutet
Folgendes.
Erstens
soll die EU, wie weiter oben angeführt, die optimale Ausbeutung nach
innen gewährleisten. Dies ist nicht nur die Antwort auf den
kapitalistischen Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit, sondern,
nachdem wir ja von Monopolprofiten sprechen, auf Differenzierungen
innerhalb der Bourgeoisie, auf die Ausbeutung aller
nicht-monopolistischer Schichten durch das Monopolkapital. Das bedeutet,
die EU muss weiterhin Maßnahmen setzen, um diese innere Ausbeutung
bestmöglich zu gestalten (d.h. gefordert ist Profitmaximierung, was auf
dem gesellschaftlichen Gegenpol Verelendung bedeuten muss; das bezieht
sich nicht nur auf das Verhältnis Kapital-Proletariat, sondern durchaus
auch auf das Verhältnis Großkonzerne-KMUs). Die EU wird jedoch nicht
Herr dieser Gegensätze, sondern sie verschärft sie unweigerlich. Sie
kann nicht anders.
Zweitens
soll die EU bestmöglich dem kollektiven Imperialismus dienen, der
Ausbeutung nach außen, der Ausbeutung der abhängigen Länder der
„Dritten Welt“ durch die imperialistischen Staaten. Es ist dies die
Antwort – aber natürlich ebenso die sich selbst ständig
reproduzierende Ursache – auf den so genannten „Nord-Süd-Konflikt“,
d.h. auf den Gegensatz zwischen den imperialistischen Zentren und der
abhängigen Peripherie in Asien, Afrika und Lateinamerika, im Falle der
EU auch der osteuropäischen Semiperipherie. Auch dieser Widerspruch ist
natürlich ein sich verschärfender.
Drittens
ist die EU ein Mittel der innerimperialistischen Konkurrenz, im Falle
der EU ein Mittel der Konkurrenz insbesondere zu den USA, aber auch zu
Japan. Dieses Mittel ist die EU zunächst ungeachtet durchaus
verschiedener Transatlantik-Strategien der Mitgliedstaaten. Auch wenn
z.B. Großbritannien fast schon als institutionalisierter Juniorpartner
der USA erscheint, so gibt es dennoch klare ökonomische Gegensätze.
Offensichtlicher ist der Gegensatz zu den USA freilich im Falle
Deutschlands und Frankreichs. Diese unterschiedlichen Strategien bzw.
die Tatsache, dass es solche gibt, zeigen bloß, dass die
innerimperialistische Konkurrenz eben auch vor der EU nicht halt macht
und nicht halt machen kann. Dieser Widerspruch treibt sich global selbst
auf die Spitze, denn früher oder später werden Deutschland und
Frankreich die Hegemonialposition der USA offen in Frage stellen. Im
Zuge dessen werden auch die latenten Bruchlinien innerhalb der EU offen
zutage treten.
Viertens
ist die EU ein Mittel im Kampf gegen revolutionäre oder
emanzipatorische Bewegungen innerhalb und außerhalb Europas. Solche
entstehen immer wieder als Reaktionen auf den ersten und zweiten Punkt,
nämlich auf die innere monopolistische Ausbeutung und die
imperialistische Ausbeutung nach außen. Es entstehen also innerhalb der
EU unweigerlich antimonopolistische Bestrebungen, deren
fortschrittlichster Teil marxistisch-revolutionärer Natur sind, es
entstehen in den abhängigen Ländern unweigerlich antiimperialistische
Bestrebungen unterschiedlicher Art. Solche Bewegungen müssen zunächst
ruhig gestellt werden, wenn dies nicht geht, so müssen härtere Mittel
her.
Somit
ergeben sich aus allen vier Punkten drei unmittelbare Zielsetzungen,
welche die EU nun erfüllen muss. Einerseits muss die stabile ökonomische
Entwicklung vorangetrieben werden – diese ist nämlich Voraussetzung
jedes erfolgreichen Imperialismus (eine Problemstellung, mit der die USA
in den kommenden Jahren überaus beschäftigt sein werden bzw. bereits
sind). Zweitens müssen politische Entscheidungen tendenziell
vereinfacht, letztlich monopolisiert werden, das bedeutet
Entdemokratisierung und Schaffung handlungsfähiger EU-Institutionen,
die niemandem mehr verpflichtet sind (EZB, EADS). Drittens, und das ist
gegenwärtig das wichtigste Ziel, muss die EU einen handlungsfähigen
Gewaltapparat haben, insbesondere ein einsatzfähiges Militär. Wozu? Um
alle oben genannten Aufgaben im Zweifelsfall mit Gewalt erfüllen zu können,
nämlich zunächst die innere Repression und die äußere Aggression,
letztlich aber muss die EU (eventuell ein deutsch-französisches
„Kerneuropa“) im Kampf um die imperialistische Hegemonie gegen die
USA und deren Verbündete reüssieren können – und dieser Kampf wird
letztlich ein militärischer sein, wenn er nicht zuvor verhindert wird.
Wir
sehen also, die EU hat bezüglich ihrer Weiterentwicklung klare Ziele
und Aufgaben, diese sind aber weder innerimperialistisch noch
gesamtgesellschaftlich noch global reibungslos, d.h. widerspruchslos
umzusetzen. Es gibt Brüche und Risse, es gibt Widerstand und
Konkurrenz. Dies sind sodann die Ansatzpunkte einer Bewegung – oder
zumindest einmal einer Strategie – die gegen die EU und das europäische
Monopolkapital, letztlich natürlich überhaupt gegen den Imperialismus
als Weltsystem gerichtet ist. – Und genau dies wollen wir uns nun
ansehen, weil für KommunistInnen stellt sich freilich die Frage: Was
machen wir mit der der EU?
3.
Die EU und die revolutionäre Bewegung
Wir
wissen über die EU, dass sie ein imperialistisches Bündnis des europäischen
Monopolkapitals ist und daher einen bestimmten sozialen Inhalt hat.
Dieser soziale Inhalt ist nicht zu ändern, die praktische
Reformierbarkeit der EU ist, gelinde gesagt, begrenzt. Daher fallen
„linke“ Transformationstheorien und reformistische Ansätze weg. –
Was macht man aber mit Dingen, die einen stören, die man jedoch nicht
verändern kann? Man macht sie kaputt.
Zunächst:
Die EU hat ein immanentes Ablaufdatum – sie würde, früher oder später,
aufgrund innerer Widersprüche, die der imperialistischen Konkurrenz
geschuldet sind, von alleine zerbrechen. Heißt das nun, dass wir uns
bloß zurücklehnen müssen, um darauf in aller Ruhe zu warten? Nein,
natürlich nicht. Zerbricht die EU aufgrund innerer Gegensätze zwischen
den einzelnen nationalen Imperialismen, so ginge dies mit einer Verschärfung
der Konkurrenzmethoden einher, d.h. mit Gewaltmethoden ökonomischer und
politischer Natur, in letzter Konsequenz mit dem Mittel des
imperialistischen Krieges. Natürlich ist dies keine erfreuliche
Perspektive für Kommunistinnen und Kommunisten.
Dem
imperialistischen Krieg, insbesondere einem neuen Weltkrieg, kommt man
nur mit einem nichtimperialistischen Entwicklungsweg bei, d.h. schließlich
mit einem sozialistischen Entwicklungsweg. Um der abermaligen Zuspitzung
der innerimperialistischen Gegensätze bis hin zu direkten militärischen
Auseinandersetzungen zuvorzukommen, müssen den Imperialisten die Mittel
hierzu aus der Hand geschlagen werden. Ein Mittel, das, wie wir gesehen
haben, deutlich in eine solche Richtung orientiert, ist die EU.
Wie
nimmt man aber den europäischen Imperialisten, dem europäischen
Monopolkapital die EU? Wir haben seitens der Kommunistischen Initiative
in den vergangenen Jahren die Primärlosung „Raus aus der EU!“
propagiert. Eine solche Losung an sich ist nichts genuin Linkes, eine
solche Forderung kann auch seitens rechtsnationalistischer und
chauvinistischer Kreise erhoben werden. Hierzu muss es freilich einen
Unterschied geben. Und der Unterschied ist, dass für die KommunistInnen
– im Gegensatz zu rechter Pseudo-Kritik an der EU – diese Losung
eingebettet sein muss in ein strategisches Gesamtkonzept.
Das
bedeutet auch, dass diese Losung und Zielsetzung seitens kommunistischer
Organisationen nicht nur mit Fragen der nationalen Selbstbestimmung und
der Souveränität zu tun haben sollen – durchaus auch, denn hier geht
es ja um zentrale Demokratiefragen -, und dass bei der EU-Kritik
vermehrt andere Fragen im Vordergrund stehen müssen. Die kommunistische
EU-Kritik muss im Mittelpunkt den Kampf gegen das Großkapital, für
demokratische und soziale ArbeiterInnenrechte stellen. KommunistInnen müssen
die EU-Frage vom Standpunkt der sozialen Frage, letztlich der
kapitalistischen Eigentumsfrage stellen, sowie – und dies ist
wesentlich – solche durchaus klassenkämpferische Positionen mit dem
Antiimperialismus verbinden. Es ist dies kein leichtes Unterfangen, aber
es ist notwendig, um tatsächlich eine breitere Bewegung gegen die EU
mobilisieren zu können.
Offenkundig
sind wir nun bei Fragen der Volksfrontpolitik, im konkreten Fall gegen
die EU gerichtet, da diese gegenwärtig und auf absehbare Zeit das
zentrale Machtmittel des europäischen Monopolkapitals ist. Die
objektive Voraussetzung für die Etablierung einer zumindest links
inspirierten Anti-EU-Bewegung ist der Gegensatz aller
nichtmonopolistischen Schichten zum Monopolkapital. Wenn die EU also die
Hauptwaffe ist, die das europäische Monopolkapital gegen die Menschheit
führt – nach innen wie nach außen -, dann haben wir hier den
Ansatzpunkt antimonopolistischer EU-Strategien: es ist die
monopolkapitalistische Existenz der EU, und kein abstrakter Zwang einer
Globalisierung oder wessen auch immer, die zur Bedrückung und zur
Unsicherheit der Existenz der Menschen führt. Damit sind Menschen
ansprechbar, die nicht von vornherein antikapitalistisch eingestellt
sind, wohl aber die Bedrückung ihrer Lage spüren. Diese Menschen
brauchen konkrete Antworten bezüglich der Verantwortlichen. Die Rechten
geben solche Antworten, doch lügen sie natürlich. Die
antimonopolistische Methode kann aber ebenfalls erfolgreich sein, doch müssen
wir die Wahrheit sagen. Und mit der Wahrheit der Hauptverantwortung der
Bündelung der ökonomischen und politischen Potenzen der europäischen
Monopole in Industrie, Finanz und Agrarwirtschaft mittels der EU können
alle möglichen Gesellschaftsschichten angesprochen werden: nicht nur
das Proletariat, sondern vor allem auch die Bauernschaft, eine in ihren
Lebensbedingungen vor einer drohenden faktischen Proletarisierung
stehende Intelligenz und nicht zuletzt die umkämpften Mittelschichten
in Stadt und Land, das Kleinbürgertum. Der Faschismus hat gezeigt, wie
fatal es ist, wenn die Linke diesen keine seriösen Antworten geben,
ihnen kein Angebot machen kann.
Wenn
wir diesen Schichten, ja diesen einzelnen Menschen konkret, anhand ihrer
Lebenssituationen, aufzeigen können, inwiefern es die EU ist, die ihre
Lage bedrückt, dann sind sie auch gegen die EU zu mobilisieren –
gegen einen realen Feind, nicht gegen Immigranten, Asylanten oder was
auch immer von den Rechten vorgeschoben wird. Auch die Antworten der
linken Agitation müssen auf die Realitätsempfindungen der Menschen
orientieren, sie müssen „einfach“ sein, die Menschen müssen dort
abgeholt werden, wo sie stehen – aber die linken Antworten müssen
immer zum Kern der Sache führen. Der KPÖ Steiermark gelingt technisch
gesehen derartiges recht gut, doch setzt sie dies bislang hauptsächlich
in Erfolge bei bürgerlich-demokratischen Wahlteilnahmen um, was aber
nur eine Ergänzung zur außerparlamentarischen Arbeit und zur
eigentlichen Bewegung sein kann. Natürlich ist eine Wählermobilisierung
noch keine politische Mobilisierung, und man wird sehen, ob den
steirischen KommunistInnen letzteres auch gelingt.
Was
die EU betrifft, so ist die Ausgangslage durchaus viel versprechend,
denn zwei Drittel der österreichischen Bevölkerung betrachten die
EU-Mitgliedschaft als nichts Positives. Nur äußert sich diese
Erkenntnis, die Ablehnung der EU, bislang in Frustration. Diese
Frustration muss in politisches Handeln transformiert werden – dies
wird nur mit entsprechenden Handlungsvorgaben seitens der bewussten
linken EU-Kritik gehen.
Wie
ist es aber nun mit dem angestrebten EU-Austritt? Bringt der für sich
alleine genommen schon etwas? Nein, keineswegs. Aber als kommunistische
Organisation betreiben wir ihn ja auf einer bestimmten Grundlage, auf
einer antimonopolistischen. Das bedeutet, dass nicht ein „souveräner“
österreichischer Kapitalismus herauskommen soll – das wäre in der
Tat absurd -, sondern mit jenen politischen Ansätzen, die gegen die EU
geführt sind, müssen auch Veränderungen im Inneren einhergehen. Käme
es zum österreichischen EU-Austritt und im Inneren Österreichs veränderte
sich nicht, so wäre das kein signifikanter Fortschritt. Es muss
gleichzeitig im Inneren eine antimonopolistische Entwicklung
vorangetrieben werden, auch in Österreich muss die soziale Frage, die
monopolkapitalistische Eigentumsfrage bzw. jene nach der Verfügungsgewalt
gestellt werden. Auch innerhalb müssen die Monopole bekämpft und muss
ihre Macht zurückgedrängt werden, was gleichzeitig bedeutet, dass es
einen radikalen Demokratisierungsprozess geben muss. Beide Entwicklungen
bedingen einander, das eine ist ohne das andere kaum zu erreichen. Und
auch in einem aus der EU ausgetretenen Österreich muss der Kampf direkt
weiter gehen, es muss auch auf dieser Ebene eine grundsätzliche und
nachhaltige Neuordnung der Kräfteverhältnisse geschaffen werden, die
es ermöglicht, den (noch) bürgerlichen Staat auf eine neue Grundlage
zu stellen, neu auszurichten. Gelingt dies nicht, so ist auch der
EU-Austritt bis zu einem gewissen Grad sinnlos, weil ohne Perspektive.
Was
ist weiters mit der internationalen Dimension? Österreich kann natürlich
nicht das einzige Land sein, das sich vom Europa der Konzerne abwendet
und aus der EU austritt. Es müsste ähnliche Bewegungen in mehreren Ländern
geben oder aber zumindest in einem der imperialistischen Hauptländer
Europas. Würde nur ein einziger, kleinerer Staat austreten, so würde
das die EU noch nicht erschüttern – treten mehrere aus oder ein großes
Land, so stellt dies sofort die EU selbst in Frage. Und bei positiver
Entwicklung in ausgetretenen Ländern wäre durchaus mit einer Art
„Dominoeffekt“ zu spekulieren. Austrittsländer könnten der EU ein
antiimperialistisches Gegenprojekt etgegenstellen – ähnliche wie in
Lateinamerika die ALBA die Antwort auf das neoliberale ALCA-Projekt ist.
Die Rest-EU würde freilich zu allen ökonomischen, politischen und
vielleicht sogar militärischen Mitteln greifen, um etwaige
antimonopolistische Bastionen in Europa zu bekämpfen. Daher muss jedes
ehemalige EU-Land mit einem alternativen und progressiven
Entwicklungsweg auch neue internationale Bündnisse eingehen: nicht nur
mit anderen europäischen Ländern auf einem ähnlichen Weg, sondern
auch mit antiimperialistischen Staaten in Lateinamerika, Asien oder
Afrika, zuletzt freilich mit sozialistischen oder sozialistisch
orientierten Staaten. Diese antimonopolistischen Staaten müssen den
globalen Block gegen den Imperialismus verstärken – und sie erhalten
gleichzeitig Unterstützung durch diesen, mittels ökonomischer,
politisch-diplomatischer und (sollte es nötig sein) auch militärischer
Kooperation. – Das sind durchwegs Dinge, die (natürlich unter etwas
anderen Grundbedingungen) in ihrer sinngemäßen Ausrichtung z.B. von
Venezuela heute versucht werden. – Dem Versuch der imperialistischen
Staaten, antiimperialistische oder antimonopolistische Länder auf ihrem
revolutionären Weg zu isolieren, ist mit alternativen internationalen
Beziehungen beizukommen. Und dies ist auch der An– und Verknüpfungspunkt
zwischen dem Antimonopolismus in Europa und dem Antiimperialismus: es
sind zwei Formen desselben Kampfes. Diese Kämpfe müssen sich in der
Praxis global verbinden – und sie müssen zuvor bereits ideell, d.h.
inhaltlich-politisch verbunden werden. Anders wird der Weltimperialismus
nicht zu besiegen sein.
Was
heißt das nun für uns? Das bedeutet zunächst: kein Aufweichen der
Anti-EU-Positionen, kein Arrangement mit den Institutionen des europäischen
Monopolkapitals, wie es seitens der EU-Linkspartei und leider auch der
KPÖ-„Bundespartei“ geschieht bzw. geschehen ist. Das bedeutet
weiters, in der Agitation: Herunterbrechen der EU-Kritik auf die
konkreten Bedürfnisse und Probleme der Menschen – sonst, wenn ich
etwa jeden Tiroler Bergbauern oder burgenländischen Winzer einfach mit
Lenins Imperialismustheorie beglücke, werden diese Menschen nicht zu
mobilisieren sein, da sie nicht ihre eigenen Interessen wiedererkennen.
Und drittens heißt das ganz konkret: die Schaffung eines
antimonopolistischen und antiimperialistischen Pols ist aus
kommunistischer Sicht auch in Österreich notwendig. In einer solchen
Bewegung dürfen die kommunistischen Organisationen nicht aufgehen –
insofern ist etwa auch die vorläufige Position der venezolanischen
KommunistInnen zur geplanten sozialistischen Einheitspartei durchaus
richtig -, sondern sie müssen als bewusstester Teil die treibende Kraft
sein, die dabei immer auch implizit auf das sozialistische Ziel
orientiert. – Dies sind die Aufgaben, die bezüglich der EU-Frage auf
der Tagesordnung stehen. Denn der EU-Austritt, da haben die steirischen
KommunistInnen schon recht, ist noch keine Frage der Tagespolitik. Wir können
aber dafür sorgen, dass es eine wird. |