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Aktuelles

Zur Frage der Einheit der Linken

Inhalt

Das Projekt Europäischen Linkspartei wird von der marxistisch-leninistischen Tendenz in der kommunistischen Bewegung entschieden abgelehnt.

SCHREIBEN DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI GRIECHENLANDS vom 21. Sept. 05

(per Email aus Frankreich erhalten von Jean-Pierre Page am 11. Okt. 05)

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ERÖFFNUNG DER INTERNATIONALEN KONFERENZ IN ISTANBUL

Rede des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei der Türkei

Kemal Okuyan vom 1. Okt. 05

http://www.tkp.org.tr/int , mailto:int@tkp.org.tr 

(durch info@solidnet.org am 7. Okt. 05 verbreitet)

[ 2 ] mehr

DIE PARTEI DER ARBEIT BELGIENS UND DIE EUROPÄISCHE LINKSPARTEI

Erklärung Generalsekretär der PdA Belgiens, Baudouin Deckers

vom 15. Okt. 05

http://www.wpb.be , mailto:wpb@wpb.be

(durch info@solidnet.org am 24. Okt. 05 verbreitet)

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ZUM KONGRESS DER „PARTEI DER EUROPÄISCHEN LINKEN“

Erklärung des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Luxemburgs

Ali Ruckert vom 27. Okt. 05

(erschienen in Zeitung vum Letzebuerger Vollek, nachgedruckt voraussichtlich am 29. Okt. 05 in „junge Welt“)

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S o l i d a r i t ä t s a u f r u f 

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Im Zusammenhang mit der Europäischen Linkspartei kann nicht unerwähnt bleiben, dass deren Protagonisten in der Kommunistischen Partei Österreichs, in erster Linie deren Vorsitzender Walter Baier, dazu übergegangen sind, kritische Genossen ihrer Partei vor bürgerliche Gerichte zu zerren und in ihrer sozialen Existenz zu bedrohen. 

Zur Frage der Einheit der Linken

Liebe Genossinnen und Genossen,

liebe Freundinnen und Freunde der verschiedenen Initiativen und Organisationen des antiimperialistischen Widerstands und der internationalen Solidarität, der erste Kongress der „Partei der Europäischen Linken“ (ELP) am 29./30. Oktober 2005 in Athen sollte für alle Linken und Fortschrittlichen Anlass sein, sich über den Charakter dieser Formation Rechenschaft abzulegen, aber auch über den Charakter der Europäischen Union, deren Institutionen diese Formation ihre Existenz verdankt. Das Projekt ELP wird von der marxistisch-leninistischen Tendenz in der kommunistischen Bewegung entschieden abgelehnt. Hierzu dokumentiere ich die Stellungnahmen folgender kommunistischer Parteien:

SCHREIBEN DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI GRIECHENLANDS

vom 21. Sept. 05

(per Email aus Frankreich erhalten von Jean-Pierre Page am 11. Okt. 05)

[ 1 ]

ERÖFFNUNG DER INTERNATIONALEN KONFERENZ IN ISTANBUL

Rede des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei der Türkei

Kemal Okuyan

vom 1. Okt. 05

http://www.tkp.org.tr/int , mailto:int@tkp.org.tr 

(durch info@solidnet.org am 7. Okt. 05 verbreitet)

[ 2 ]

DIE PARTEI DER ARBEIT BELGIENS UND DIE EUROPÄISCHE LINKSPARTEI

Erklärung Generalsekretär der PdA Belgiens, Baudouin Deckers

vom 15. Okt. 05

http://www.wpb.be , mailto:wpb@wpb.be

(durch info@solidnet.org am 24. Okt. 05 verbreitet)

[ 3 ]

ZUM KONGRESS DER „PARTEI DER EUROPÄISCHEN LINKEN“

Erklärung des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Luxemburgs

Ali Ruckert

vom 27. Okt. 05

(erschienen in Zeitung vum Letzebuerger Vollek, nachgedruckt voraussichtlich am 29. Okt. 05 in „junge Welt“)

[ 4 ]

S o l i d a r i t ä t s a u f r u f:

Im Zusammenhang mit der Europäischen Linkspartei kann nicht unerwähnt bleiben, dass deren Protagonisten in der Kommunistischen Partei Österreichs, in erster Linie deren Vorsitzender Walter Baier, dazu übergegangen sind, kritische Genossen ihrer Partei vor bürgerliche Gerichte zu zerren und in ihrer sozialen Existenz zu bedrohen. Zur Unterstützung der verfolgten existiert seit kurzem ein Solidaritätsaufruf (http://www.kominform.at/article.php?story=20050714021936762),

der als Datei nebst Namensliste der bisherigen Unterstützer dieser Mail angehängt ist. Zum besseren Verständnis des Vorgangs ist dem Solidaritätsaufruf eine vom Vorstand der Vereinigung für Internationale Solidarität (VIS) e.V. recherchierte knappe Darstellung des Konflikts vorangestellt. Die ELP diskutiert auch, wie weiter unten in der Stellungnahme der KP Griechenlands nachzulesen ist, über „die Art und Weise, wie die nationalen Mitgliedsparteien die Demokratie und Unabhängigkeit der Meinungsbildung in ihren Reihen garantieren.“ So brachial wie Walter Baier, ein Anhänger des Pluralismus der ELP, gegen Kritiker in der eigenen Partei vorgeht, darf gefragt werden, ob die diskutierte „Garantie“ der Meinungsfreiheit unter Oberaufsicht der europäischen „Superpartei“ auch die Einschaltung der bürgerlichen Justiz gegen Kritiker des Parteivorstands vorsieht? Wer mit dazu beitragen möchte, diesem neuen Pluralismusverständnis Einhalt zu gebieten, sollte den Solidaritätsaufruf per Email an helmut.fellner@chello.at unterzeichnen und mit einer Spende auf das Konto

BA-CA

Bankleitzahl: 12000

Konto Nr. 52700 265 901

Verwendungszweck: Solidarität - Kominform

Internationale Bankverbindung:

BIC: BKAUATWW

IBAN: AT51 1200 0527 0026 5901

zur Deckung der erheblichen Prozesskosten der verfolgten österreichischen Genossen beitragen.

Und zum Schluss noch ein Hinweis:

Das Programm der Kommunistischen Partei der Türkei liegt auch in einer inoffiziellen deutschen Übersetzung vor, die durch die DKP Sachsen-Anhalt besorgt wurde. Das Parteiprogramm ist nicht zuletzt deshalb sehr interessant, weil es die türkische Arbeiterklasse und ihre Verbündeten auf die Vorbereitung auf den Kampf für eine sozialistische Türkei als aktuelle Aufgabe orientiert. Wer sich dafür interessiert, erhält von mir auf Anfrage die entsprechende pdf-Datei per Email zugeschickt.

Mit solidarischen Grüßen

Klaus von Raussendorff

Stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung für Internationale Solidarität (VIS) e.V.

*********************************************************************

[ Anhang 1 ]

SCHREIBEN DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI GRIECHENLANDS

Athen, den 21. September 2005

Liebe Genossen,

hiermit möchten wir Euch im Einzelnen über unsere Haltung zur „Europäischen Linkspartei“ informieren, die, wie Ihr sicher gehört habt, am 29. und 30. Oktober 2005 ihren ersten Kongress in Athen abhalten wird.

Die Gründe, warum unsere Partei an diesem Projekt nicht teilnimmt, sind wohl bekannt: sie beziehen sich auf den Zusammenhang selbst, in dem diese Partei existiert, auf die Beziehungen, die sie mit den Institutionen der Europäischen Union unterhält oder befürwortet, und natürlich auf ihre politische und ideologische Plattform.

Liebe Genossen,

die Zusammenarbeit und Aktionseinheit der kommunistischen und Arbeiterparteien sowie der antiimperialistischen Kräfte und Bewegungen im allgemeinen ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Entwicklung der Kämpfe und eine Veränderung des negativen Kräfteverhältnisses in Europa und der Welt. Diese Zusammenarbeit muss sich unbedingt verbessern und auf der Achtung der Souveränität und Gleichheit in den Beziehungen zwischen den Parteien beruhen.

So sehr dies nach unserer Ansicht wesentlich und entscheidend ist, so sehr ist es gefährlich und schädlich für den künftigen und gegenwärtigen Zustand der Bewegung, eine Sammlung verschiedener Kräfte innerhalb einer Partei mit ihrer Hierarchie und ihren „maßgeblichen“ Parteien unter der Ägide und den Verhaltensrichtlinien des imperialistischen Zentrums, genannt Europäische Union, zu bilden.

Die Schaffung der ELP ist unserer Meinung nach Ausdruck einer Tendenz der absoluten Kapitulation vor dem gegenwärtigen negativen Kräftegleichgewicht, einer Tendenz, die für die Arbeiterbewegung und die Linke in Europa in eine Bahn ohne Ausweg münden wird. Ungeachtet der subjektiven Absichten und Erklärungen befürwortet sie objektiv die fatalistische Hinnahme der der durch die imperialistische „Legitimität“ vorgegeben Schranken. Die ELP, so scheint es bei der Lektüre ihres Manifestes und ihres Statuts, lehnt die kommunistischen Traditionen und die revolutionär sozialistischen Erfahrungen des 20 Jahrhunderts wie auch die Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus ab.

Seit ihrer Gründung bis heute haben sich verschiedene Entwicklungen und offenkundige Tatsachen ergeben, die diese Einschätzung untermauern:

# Das Programm der ELP nimmt in keiner Weise Bezug auf den Sozialismus als ihr Ziel.

# Ihren Dokumenten zufolge ist klar, dass ihre Gründung das Resultat eines Prozesses ist, der undurchsichtiger nicht hätte sein können. Diese Dokumenten begründen klar und deutlich ihre Beziehung zu der total bankrotten Abweichung des Eurokommunismus und ihre Feindschaft gegen die kommunistische und Befreiungsbewegung.

# Sie erklärt offen ihre Feindschaft gegenüber dem Sozialismus wie wir ihn im 20 Jahrhundert in Europa und in der UdSSR erlebt haben. Der Beitrag und die Rolle dieses Sozialismus wird von ihr herabgewürdigt und verleumdet. Sie bagatellisiert die Verantwortung des Imperialismus für Faschismus und Krieg, wobei sie gleichzeitig ebenso nachdrücklich die Avantgarderolle der kommunistischen Parteien im Widerstand der Völker abwertet.

# Sie greift die frühere antikommunistische Position auf, dass die kommunistischen Parteien von Kräften außerhalb ihres jeweiligen Landes, und insbesondere von Moskau bevormundet wurden. Sie betreibt voll und ganz eine Diskussion zur „Verurteilung des Stalinismus“, und greift anlässlich des 60. Jahrestages des Sieges über den Faschismus zugleich die antikommunistische Offensive der herrschenden Klassen auf. Dies zeigt deutlich, wie weit die Erarbeitung ihrer ideologischen Orientierung in der gegenwärtigen antikommunistischen Strömung zuhause ist.

# Ihre schockierende Abstinenz bei allen Initiativen des Widerstands gegen antikommunistische und antidemokratische Machenschaften und ihre Abstinenz bei der Unterstützung des antiimperialistischen Kampfes sind keineswegs zufällig. So gibt es ihrerseits keinerlei Reaktion auf die Tatsache, dass mehrere kommunistische Parteien in Europa in die Illegalität verbannt wurden. Keinerlei Reaktion auf den in der Beratenden Versammlung des Europarats eingebrachten antikommunistischen Antrag mit dem Ziel, Kommunisten von Wahlen auszuschließen. Und auch nicht die geringste Unterstützung für eines der wichtigsten antiimperialistischen Ereignisse weltweit, die 16. Weltfestspiele der Jugend und Studierenden.

# Die ELP lehnt das Grundprinzip der Gleichheit, der Achtung der Souveränität und der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der Parteien ab. Sie sieht die „persönliche Mitgliedschaft“ vor, diskutiert über „die Art und Weise, wie die nationalen Mitgliedsparteien die Demokratie und Unabhängigkeit der Meinungsbildung in ihren Reihen garantieren.“ Es nimmt daher nicht Wunder, dass inzwischen schon drei Fälle bekannt geworden sind, wo die ELP sich in innere Angelegenheit bestimmter Mitgliedsparteien eingemischt hat.

# Zu einem Zeitpunkt, wo der EU-Verfassungsvertrag tot ist und eine neue positive Dynamik innerhalb Europas in Erscheinung tritt, indem die Argumente abgelehnt werden, mit denen behauptet wird, dass die Völker „Europa als Realität annehmen“ müssten, ist die ELP die erste, die dieses Argument in Umlauf bringt und von der Notwendigkeit von „Vorschlägen konkreter Alternativen für eine andere europäische Verfassung“ spricht. Wodurch die Frage wieder hoch gebracht wird, noch bevor die Verantwortlichen der EU selbst sie wieder aufzuwerfen wagen.

Wir sind der Meinung, dass diese hier soeben angeführten Einzelheiten unseren Standpunkt bekräftigen, dass die ELP einen gefährlichen Weg einschlägt, sich in eine Sackgasse begibt, die zur Auslöschung der kommunistischen Identität und zur Eingliederung in die Strukturen der EU führen wird. Auf diese Weise torpediert sie die Bemühungen um Koordination und Kooperation auf der Basis der Gleichheit der kommunistischen und Arbeiter- und anderer Linksparteien in ihrer Opposition gegen das imperialistische europäische Zentrum und ganz allgemein gegen das kapitalistische System.

Liebe Genossen,

unterdessen entwickeln sich in unserem Land und in Europa erbitterte Klassenkämpfe gegen die reaktionären politischen Leitlinien der Strategie von Lissabon und der allgemeinen Orientierung der EU. Der bevorstehende Kongress und die weitere Stärkung dieser auf die EU orientierten Formation haben für die entstehenden Kämpfe nichts Positives anzubieten. Im Gegenteil gerät diese Formation in Konflikt mit den Hoffnungen und Erwartungen, welche die Arbeiter und Jungendlichen in die kommunistischen und antikapitalistischen Kräfte und Parteien setzen.

Mit kameradschaftlichen Grüßen

Dimitris Koutsoumpas,

Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Griechenlands

(Deutsche Übersetzung von Klaus von Raussendorff

nach der französischen Übersetzung von Jean-Marie Flémal)

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[ Anhang 2 ]

Quelle: Kommunistische Partei der Türkei

http://www.tkp.org.tr/int , mailto:int@tkp.org.tr 

(Nachstehender Redetext wurde in englischer Übersetzung am 7. Oktober über mailto:info@solidnet.org  verbreitet)

REDE VON KEMAL OKUYAN,

GENERALSEKRETÄR DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DER TÜRKEI (TKP)

ZUR ERÖFFNUNG DER INTERNATIONALEN KONFERENZ IN ISTANBUL

(1. OKTOBER 2005)

Sehr verehrte Vertreter der Schwesterparteien aus dem Ausland, die uns mit Ihrer Anwesenheit beehren, liebe Gäste, die als Beobachter an unserem Treffen teilnehmen. Willkommen.

Diese Konferenz, die wir zusammen mit der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) organisieren, findet zu einem höchst kritischen Zeitpunkt statt. Wie sie alle wissen, werden in zwei Tagen, am Montag, den 3. Oktober die Beitrittsverhandlungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei beginnen. Tatsächlich laufen die Beitrittsverhandlungen seit langem, und die Bourgeoisie der Türkei mobilisiert, um alle Forderungen der Europäischen Union zu erfüllen. Inhaltlich wird es durch die Verhandlungen keine Änderung geben. Die europäischen Imperialisten werden allerdings die Dosis und Schärfe ihrer Pressionen gegenüber der Türkei erhöhen.

Ich möchte nicht auf Einzelheiten der so genannten EU-Reformen eingehen. Als Konsequenz aus diesen Reformen ist die Landwirtschaft der Türkei fast ruiniert, die Privatisierungen wurden beschleunigt, wichtige Schritte zur Kommerzialisierung des Gesundheits- und der Erziehungswesens sind getan. Und noch wichtiger: über das Schicksal der Türkei wird mehr und mehr in Brüssel entschieden oder genauer durch die Achse Bonn-Paris-London. Mit der Rolle Washingtons, der Hauptstadt des Imperialismus, in der türkischen Politik schließt sich der Kreis.

Ja, ich will nicht auf diese Einzelheiten eingehen; Ich will mich nur auf einige Dinge konzentrieren, die in Europa häufig diskutiert werden.

Zunächst geht es sich um die euro-zentristische Behandlung der Türkei. Viele fortschrittliche und selbst kommunistische Parteien in Europa teilen folgende Haltung: „Genau genommen ist die Europäische Union eine imperialistische Einrichtung, und die Dinge laufen dabei für die Arbeiter nicht gut. Nun ja, das geben wir zu; aber die Menschenrechtsverletzungen sind in der Türkei an der Tagesordnung. Das Land muss demokratisiert werden, in erster Linie und besonders für die Kurden, und es ist zwingend geboten, auf die Türkei Druck auszuüben, um sie zu einem Rückzug in der Zypern-Angelegenheit zu veranlassen.“ So sagt man und glaubt, dass die EU-Mitgliedschaft der Türkei aus vielen Gründen eine positive Sache sein wird, und fügt entschuldigend hinzu, dass „es schlimmer als gegenwärtig nicht werden kann“. Wir wissen, dass einige Parteien oder Politiker, die diese Haltung einnehmen, zu einem Werkzeug der imperialistischen Europäischen Union geworden sind. Im Unterschied zu ihnen ist unser Kurs ein radikal anderer. Allerdings gibt es auch einige Parteien, die für die Mitgliedschaft der Türkei „grünes Licht“ geben, weil sie ehrlich das Beste für das türkische und kurdische Volk wollen. Lassen Sie mich hierauf näher eingehen.

Liebe Freunde,

die eben erwähnte Herangehensweise ist gefährlich, und zwar aus zwei Gründen. Zunächst nimmt diese Herangehensweise der Arbeiterklasse in der Türkei ihr Recht auf Selbstbestimmung oder, mit anderen Worten, ihr Recht, für Sozialismus in der Türkei zu kämpfen. Dieser Mentalität zufolge komm Sozialismus in der Türkei nicht infrage; das Land soll erst demokratisiert werden, und wenn diese Demokratisierung nicht aufgrund der inneren Dynamik erfolgt, dann kann sie immer noch mit Hilfe einer äußeren Dynamik erreicht werden. Seinerzeit galt der Sozialismus für Russland nicht als eine einleuchtende Perspektive. Man hätte Anfang des 20. Jahrhunderts diejenigen wahrscheinlich ausgelacht, die behaupteten, dass bald in einem einzelnen Land, in Russland, eine sozialistische Revolution erfolgen würde. Heute gilt vor allem eins: wir leben inzwischen in einer derart barbarischen Ära, dass der Sozialismus für alle Länder zu einer Notwendigkeit geworden ist.

Ich berichtige mich; der Sozialismus ist notwendig und er ist möglich!

Die Türkei ist ein interessantes Land, und es bieten sich ihm besondere revolutionäre Möglichkeiten. Wir behaupten, dass ein Land innerhalb der Europäischen Union einige dieser Möglichkeiten verlieren wird. Die Übertragung des Souveränitätsrechts, die Übertragung der gesetzgebenden Gewalt auf Brüssel, die Europäische Armee und Erscheinungen wie diese machen den revolutionären Kampf schwieriger.

Wir sind eine kommunistische Partei, und wird kämpfen mit entschieden für den Sozialismus.

Daher ist es falsch, eine EU-Mitgliedschaft für etwas Besseres als den heutigen Zustand zu halten.

Soweit unsere Betrachtung der Dinge unter dem Gesichtspunkt des Kampfes für den Sozialismus. Betrachten wir sie nun unter dem Gesichtspunkt der Demokratisierung. Nehmen wir einmal an, dass wir nicht an Sozialismus denken: ist es richtig, die Vorstellung zu hegen, dass die Europäische Union der Türkei Wohlstand und Demokratie bringen wird, dass sie zumindest bessere Bedingungen als die gegenwärtigen schaffen wird?

Auch diese Vorstellung ist nicht richtig. Wir haben hier viele Gäste aus Europa. Sie werden besser erklären, in welche Richtung die Europäische Union geht.

Wir glauben hierzulande natürlich nicht an den Himmel auf Erden, wenngleich unser geliebtes Land fasziniert mit seinen historischen und natürlichen Reichtümern. Tatsächlich ist die Lage von Millionen von Arbeitern schlecht, wirklich schlecht. Auf Ihrem Wege vom Bosporus hierher sind Sie durch die Wohnbezirke der Mittelschicht gekommen. Wenn Sie Zeit haben, würden wir Ihnen gerne zeigen, in welchen Verhältnissen 85 Prozent der Bevölkerung von Istanbul leben.

Ja, die gegenwärtigen Bedingungen der Türkei können nicht verteidigt werden. Und im übrigen können wir schon deshalb nicht für den Status quo sein, weil wir Kommunisten, weil wir Revolutionäre sind.

Aber was die Europäische Union macht, verschlechtert sogar noch die bestehenden Lebensbedingungen der arbeitenden Menschen. Mit Ausnahme der Jahre des zweiten Weltkrieges hat es in der Türkei nicht das Risiko von Hungersnot gegeben. Das Land in der Türkei ist fruchtbar, und bis jetzt wurden viele landwirtschaftliche Erzeugnisse durch staatliche Anreizen gefördert. Die Europäische Union gibt Anweisungen, und die Bauernschaft steht am Rande des Ruins. In der Türkei, wo die Arbeitslosigkeit bereits ein ernstes Problem ist, werden wir unter noch mehr Arbeitslosigkeit leiden, die durch die Zerstörungen in der Landwirtschaft ausgelöst werden. Für uns klingt es lächerlich, dort über Wohlstand und Demokratie zu reden, wo es solche Arbeitslosigkeit gibt.

Die Europäische Union befiehlt, dass der Staat sich aus allen wirtschaftlichen Bereichen heraushalten soll. Ein bedeutender Teil der privatisierten Fabriken wird gerade geschlossen, auf dem Gelände werden stattdessen touristische Einrichtungen, Einkaufszentren gebaut. Der andere Teil wird ausländischem Kapital überlassen, die europäischen Imperialisten wittern die Möglichkeit des Einsatzes von billiger Arbeitskraft. Kann es in einem Land Demokratie geben, das nicht produziert und als Reservoir für billige Arbeitskraft angesehen wird?

Für Erziehung soll bezahlt werden, und gleiches gilt für Gesundheitsleistungen. All dies sind wichtige Teile der EU-Reformen. In einem Land, wo Menschen ohne Geld unwissend gelassen werden oder allein gelassen werden, um zu sterben, kann man Demokratie nur als Fantasterei ansehen.

Liebe Freunde,

Die EU-Mitgliedschaft der Türkei wird in keiner Weise irgendwelchen Nutzen bringen. Daher können wir von unseren Freunden nur eins erbitten. Helft, die Hände der EU von hier fern zu halten!

Und auch diese Frage kann gestellt werden: Was ist mit der Lage der Kurden?

Die Kurden leben in diesem Lande meist unter schlechteren Bedingungen. Doch die EU-Reformen, die ich kurz angesprochen habe, enthalten auch keine Bedingungen für ein besseres Leben der armen Kurden! Sie werden noch ärmer und zu einer Quelle billiger Arbeitskraft für die Monopole werden, die bereits ihr Auge auf die östliche Türkei geworfen haben. Dies ist die ökonomische Seite der Angelegenheit. Was aber ist mit den kulturellen und politischen Rechten?

Wir wissen, dass die repressive Politik der türkischen Bourgeoisie gegenüber den Kurden zeitweilig in Massaker ausartete. Es ist offenkundig, dass die Kurden als eine Bevölkerungsgruppe, auf der die Türkei begründet ist, gleichberechtigt sein müssen. Dies findet sich im Programm der TKP. Doch eines muss klargestellt werden. Im Kontext der gegenwärtigen Machtbalance in der Welt ist es für die Kurden nicht möglich, ihr Heil abgesondert, unabhängig von der Arbeiterklasse der Türkei zu finden. Es ist unmöglich, die ethnische Herkunft von Menschen in der Türkei von einem Punkt aus zu definieren. Auch leben Kurden nicht nur im Osten sondern auch im Westen der Türkei, und sehr viele von ihnen stellen einen untrennbaren Teil der Arbeiterklasse der Türkei dar. Ein bedeutender Teil der Mitglieder unserer Partei, der TKP, ist kurdischer Herkunft, und ihre Zahl nimmt rapide zu.

Unter diesen Bedingungen haben wir keine andere Wahl, als zusammen für ein sozialistisches Projekt zu kämpfen, das die Kurden zu Landsleuten erster Klasse und zu einer Nation mit gleichen Rechten macht.

Was passiert, wenn Türken und Kurden getrennt kämpfen?

Ehrlich gesagt, wenn wir heute nicht einen auf die Arbeit fokussierten Kampf für die gemeinsame Befreiung von Türken und Kurden und anderen Völkern entfalten, und wenn der Einfluss der USA und anderer imperialistischer Länder auf die kurdische Frage anhält, gerät dieses Land in die Gefahr, in einen Bürgerkrieg hineingezogen zu werden. Nichts kann schlimmer sein als der Kampf zweier Nationen, und es sollte allgemein bekannt sein, dass dies ein imperialistisches Projekt ist. Dies ist kein Spiel. Mit Beihilfe der Imperialisten kann ein kurdisch-türkischer Konflikt entfacht werden, und niemand kann mit den sich daraus ergebenden Konsequenzen fertig werden.

Darüber hinaus wetteifern die herrschenden Kräfte der Türkei und die kurdischen Politiker um die Zusammenarbeit mit den USA, auf diese Weise entsteht ein täglich neues Provokationspotenzial der Imperialisten. Doch wir wollen kein zweites Irak; wir wollen keine neuen US-Staaten in der Region.

Unsere Aufgabe ist, die Türkei von den Imperialisten frei zu halten. Nur die türkischen und kurdischen Arbeiter können dies zusammen erreichen. Wir fordern unsere europäischen Freunde auf, auch in dieser Angelegenheit realistischer zu sein.

Liebe Freunde,

Wir müssen auch die Zypern-Frage erwähnen. Wir haben stets auf folgendes hingewiesen und gesagt, dass die Europäische Union das Problem in Zypern nicht lösen kann. Es gab immer nur eine Lösung: gemeinsamer Kampf der Menschen der Insel gegen Imperialismus und Besatzung. Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass wir für einen einzigen Staat in Zypern eintreten. Das kann eine Föderation sein. Aber es muss ein souveräner, unabhängiger einziger Staat sein. Die beiden Völker sollen zusammen leben, in Freundschaft und Brüderlichkeit. Ein solches Zypern wollen wir. Diejenigen, die keinen gemeinsamen Kampf führen, können keinen gemeinsamen Staat errichten. Dies konnte in Zypern nie erreicht werden. Der gemeinsame Kampf der arbeitenden Menschen in Zypern kam nie zustande. Daher wurde im Norden und Süden die Lösung von außen erwartet. Die Europäische Union würde den Status quo verändern, und die Lösung würde leichter werden!

Aber was geschah wirklich? Zypern ist immer noch geteilt, die Besatzung dauert an, und nun verlangt die Europäische Union nur eins von der Türkei: kein Veto gegen die NATO-Mitgliedschaft von Zypern einzulegen. Das ist die EU. Nach Zyperns EU-Mitgliedschaft ist nun seine NATO-Mitgliedschaft an der Reihe.

Liebe Freunde, die Freiheit kommt nicht mit der EU und der NATO. In Zypern, auf dem Balkan, überall müssen wir einen mutigen antiimperialistischen und gemeinsamen Kampf entfalten.

Liebe Gäste, verehrte Genossen,

die Kommunistische Partei der Türkei ist der Meinung, dass der Kampf gegen den Imperialismus bedeutende Möglichkeiten eröffnet. Cuba und Venezuela bewirkten eine wesentliche Veränderung in der Machtbalance in Lateinamerika. Der irakische Widerstand verschaffte uns viel Zeit, uns aufzurichten. In unserem Lande haben die Menschen angefangen, das wahre Gesicht der USA und der EU zu erkennen.

Lassen Sie uns diese Möglichkeiten ergreifen und mutige Schritte unternehmen.

Lassen Sie uns unsere Solidarität mit Cuba und dem Bolivarianischen Venezuela stärker machen.

Lassen Sie uns gegen imperialistische Projekte einstehen, indem wir an die Menschen, an die organisierte Macht der arbeitenden Menschen und an uns selbst glauben.

Lassen Sie uns dem irakischen Widerstand helfen gegen die Verleumdungsversuche der imperialistischen Medien. Es sind nicht Terroristen sondern Patrioten, die für die Unabhängigkeit ihres Landes kämpfen.

Widersetzen wir uns dem heiligen Krieg der Imperialisten gegen die kommunistischen Werte und die früheren Errungenschaften der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Länder. Es ist unsere Pflicht, nicht die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen, aber wir werden nicht vergessen, dass Anti-Sowjetismus eines der wichtigsten Mittel der Gehirnwäsche der Völker der Welt ist. Sie wollen uns unserer Wurzeln und unserer Geschichte berauben, sie wollen uns als geschichtsvergessene Verlierer vorführen.

Lassen Sie uns die Zusammenarbeit, Solidarität und den Austausch von Informationen zwischen den kommunistischen und Arbeiter-Parteien verstärken. Lassen Sie uns Wege für einen gemeinsamen Kampf für unsere gemeinsamen Ziele finden, indem wir den unabhängigen Charakter jeder Partei respektieren.

Wir sind eine Familie. Wir sind die Erben der Revolutionäre, die gegen Imperialismus und Kapitalismus gekämpft haben. Eine lebenswerte Welt ist eine sozialistische Welt, und wir werden niemals denjenigen nachgeben, die behaupten, dass eine solche Welt eine Illusion ist.

Das ist alles, was ich zu sagen habe.

Ich möchte alle unsere Genossen und Vertreter von Parteien noch einmal herzlich willkommen heißen…Möge der Erfolg mit Ihnen sein.

Aus dem Englischen übersetzt von Klaus von Raussendorff

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[ Anhang 3 ]

Quelle: Partei der Arbeit Belgiens

http://www.wpb.be , mailto:wpb@wpb.be

(Die nachstehende Erklärung wurde am 24. Oktober 2005 über mailto:info@solidnet.org  verbreitet)

DIE PARTEI DER ARBEIT BELGIENS UND DIE EUROPÄISCHE LINKSPARTEI

(21. Oktober 2005)

Ende Oktober wird die «Europäische Linkspartei » (ELP) ihren ersten Kongress in Athen abhalten. Dies veranlasst uns, unsere Position zu präzisieren.

1. Wir haben es bereits öfter gesagt: der Sturz des Sozialismus in der UdSSR und in den osteuropäischen Ländern hat nur bewirkt, alle Widersprüche des kapitalistischen Weltsystems zu verstärken.

Kaum hatte sich der Warschauer Pakt aufgelöst, stürzte sich der Imperialismus in Kriege zur Rekolonisierung der Dritten Welt. Die NATO dehnte ihr Aktionsfeld auf die ganze Welt aus und verstärkte ihre Kampfkraft. Mehr denn je setzen die Vereinigten Staaten auf ihre militärische Überlegenheit, um ihre Herrschaft auf planetarischer Ebene zu konsolidieren und auszudehnen. Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, die konkurrenzfähigste Wirtschaftsmacht der Welt zu werden - was unter dem Kapitalismus eine entsprechende militärische Stärke erfordert, die sie daher auch auf die Beine stellt. Die relative Überproduktion, die dem kapitalistischen System wesenseigen ist, verschärft sich und vertieft die strukturelle Wirtschaftskrise.

Die Arbeiter Europas erleben, wie ihre sozialen Errungenschaften im Eiltempo demontiert werden. Daher stellen wir in den letzten Jahren überall ein Anschwellen der Klassenkämpfe fest.

Die Reaktion reagiert, indem sie antidemokratische und gewerkschaftsfeindliche Gesetze erlässt, wobei sie in den USA ebenso wie in der Europäischen Union und in Japan ihre Repression gegen die arbeitende Bevölkerung verstärkt.

Objektiv wird durch diese Lage die Vorbereitung auf die sozialistische Revolution auf die Tagesordnung gesetzt, die allein die Arbeiter und die Völker der Welt von der Ausbeutung und der kapitalistischen und imperialistischen Unterdrückung befreien kann.

Diese Situation ruft unausweichlich Diskussionen innerhalb der internationalen kommunistischen Bewegung hervor. Die Haupttendenz ist jene, die auf eine Revolutionierung der Parteien und der kommunistischen Kräfte drängt. Im Bewusstsein des Umfangs der Aufgaben, die sie erwarten, aber auch der neuen Möglichkeiten ziehen diese Parteien die Lehren aus den Fehlern der Vergangenheit und vor allem der verschiedenen revisionistischen und opportunistischen Strömungen der Rechten wie der „Linken“, die sie vom marxistisch-leninistischen Begreifen ihrer revolutionären Aufgaben abgebracht haben.

Aber wir müssen auch feststellen, dass sich die wütenden antikommunistischen Kampagnen, welche die Konterrevolution begleitet haben, auf mehrere kommunistische Parteien ausgewirkt haben. Sie orientieren sich nicht auf ihre Revolutionierung sondern auf ihre Sozialdemokratisierung. Wie Kautsky nach dem ersten Weltkrieg beugen sie sich vor der Realität des Kapitalismus und lehnen Lenin und die Revolution ab.

2. Ein Programm, das nicht über linken Reformismus hinausgeht.

Die Europäische Linkspartei wurde am 8. Mai 2004 gegründet. Sie ist eine Sammlung von kommunistischen, sozialistischen, ökologischen und trotzkistischen Parteien. Hinter einer samtweichen Diktion über Transformation des Kapitalismus und eine Gesellschaft „die über die kapitalistische und patriarchalische Logik hinausgeht“ erscheint in Umrissen ein reformistisches Projekt, das die Grundlagen des Marxismus-Leninismus verleugnet.

Als Marxisten verfügen wir über die Wissenschaft des Sozialismus, um die Welt zu begreifen und zu verändern. Für uns ist die Ökonomie die Grundlage der ganzen Gesellschaft. Ausbeutung und Unterdrückung der Arbeiter in unseren kapitalistischen Ländern haben ihren Ursprung im Privateigentum an den Produktionsmitteln. Die daraus resultierende Anarchie ist die Basis der systemimmanenten Wirtschaftskrisen. Die Monopole sind das Resultat des tödlichen Konkurrenzkampfes, den sich die Kapitalisten liefern. Sie sind es, die die Macht im kapitalistischen Staat ausüben. Imperialismus: das bedeutet Eroberung von Rohstoffen, Märkten und unterbezahlten Arbeitskräften durch die großen Monopole. Letztlich wird durch Kriege die Welt von den imperialistischen Mächte untereinander aufgeteilt und immer wieder neu aufgeteilt.

Sozialistische Revolution oder „Transformation des Kapitalismus“, Gemeineigentum an den Produktionsmitteln oder „Überschreiten der kapitalistischen Logik“: Das waren schon immer und bleiben weiterhin die Trennungslinien, an denen sich Kommunisten und Sozialdemokraten von einander abgrenzen.

Und auch die Haltung, die gegenüber dem Klassencharakter des kapitalistischen Staates einzunehmen ist, ist ein weiteres Kriterium, das den reformistischen Weg von dem revolutionären unterscheidet. Die Europäische Linkspartei konstatiert „die Krise des Nationalstaates“, um ihr alternatives Gesellschaftsprojekt auf die Ebene der Transformation der Europäischen Union zu verlagern. Das Manifest der Europäischen Linkspartei sagt kein Wort zur Europäischen Union als imperialistischer Konstruktion. Dabei ist doch die Europäische Union von den mächtigsten und aggressivsten Monopolen des Kontinents, die unter anderem im Runden Tisch der Industriellen zusammenarbeiten, ins Leben gerufen worden und wird weiterhin von ihnen dirigiert. Die „Vereinigten Staaten von Europa“, sind wie Lenin gesagt hat, „unter kapitalistischen Verhältnissen entweder unmöglich oder reaktionär.“ Die Europäische Union entsteht, und sie ist reaktionär.

So verspricht denn die Europäische Linkspartei ein « anderes Europa », das dem Staatsbürger das Sagen gibt, das „der EU einen anderen Inhalt“ gibt. Sie setzt auf die „gründliche Transformation“ der Europäischen Union von ihren Institutionen aus. „Wir wollen aktiv werden, damit die gewählten Institutionen, das Europäische Parlament und die nationalen Parlamente, mehr Handlungs- und Kontrollvollmachten haben.“ Das ist der Diskurs und die Strategie der Sozialdemokratie, seit sie sich vom revolutionären Sozialismus abgewendet hat. Das bedeutet, die alte sozialdemokratische Illusion zu verbreiten, dass man durch Entwicklung der Demokratie ein Bündnis schaffen kann, das fähig ist, eine andere Politik einen „neuen Sozialvertrag“ durchzusetzen. Gewiss kämpfen die Kommunisten dafür, die demokratischen Rechte des Volkes zu verteidigen und zu erweitern, aber um dadurch den revolutionären Klassenkampf zu entwickeln. Es handelt sich nicht darum, die Möglichkeit von Reformen innerhalb des kapitalistischen Systems zu verneinen. Aber die Charakteristik einer kommunistischen Partei besteht darin, niemals den Glauben zu verbreiten, dass Reformen die Natur der Gesellschaft verändern werden.

Die Monopole üben die wirkliche Staatsmacht aus, sowohl auf nationaler Ebene wie auf in der Europäischen Union. Niemals werden sie sich eine andere Politik aufzwingen lassen als die des Strebens nach ihren Maximalprofiten. Diese Einsicht des Marxismus-Leninismus bewahrheitet sich in der Realität jeden Tag aufs neue.

Der Sozialismus, der einzige Ausweg für die arbeitenden Massen, ist nur möglich, nachdem die politische und wirtschaftliche Macht der Monopole gebrochen ist. Dagegen rühmt sich die ELP, dass sie „niemals dieselben Wege wie im 20. Jahrhundert einschlagen wird“. Kurz gesagt, die sozialistische Revolution werde nicht mehr nötig sein, um die Macht der Monopole zu brechen, es werde eine „politische Transformation“ genügen, um den europäischen Superstaat zu einer Maschine des sozialen Fortschritts, der Demokratie und des Friedens zu machen. Tatsächlich kämpft die ELP nicht für den Sozialismus. Sie spricht davon, „zu den politischen und sozialen Wurzeln des europäischen Sozialmodells zurückzukehren“, das sich nach der Unterdrückung der Pariser Kommune als ein System der Anpassung an den Kapitalismus entwickelt hat.

Die ELP steht in Opposition zur « Globalisierung ». Aber ohne irgendeine Analyse des Inhalts dieses Modeausdrucks. Die Internationalisierung ist ein grundlegendes Merkmal des Kapitalismus, das durch den Übergang zu seinem höchsten Stadium sehr viel ausgeprägter in Erscheinung getreten ist. Die Krise der 30er Jahr mündete in den zweiten Weltkrieg. Danach hat der Kapitalismus eine Erholungsphase erlebt. Aber seit Anfang der 70er Jahre ist dieser Kapitalismus von einer strukturellen Krise befallen, die durch kurze und heftige konjunkturelle Krisen unterstrichen wird. Diese hat das Gewicht der transnationalen Monopole in der Weltwirtschaft seit den 80er Jahren stark erhöht. Die „Globalisierung“ ist für uns letztlich nur ein neuer Schub der Besitzergreifung der Welt durch die Multinationalen Konzerne und eine Verschärfung aller Widersprüche des imperialistischen Systems in der Folge des Sturzes des Sozialismus in der UdSSR und in Osteuropa 1989-91.

Der Imperialismus hat eine Reihe von Vorkehrungen getroffen, um den heftigen Ausbruch seiner Krise hinauszuschieben. Diese wird aber unausweichlich erneut in eine revolutionäre Krise einmünden - das zeigt uns der wissenschaftliche Sozialismus. Kurz gesagt, die kapitalistische „Globalisierung“ wird direkt zur allgemeinen Krise des Kapitalismus führen und nur mit diesem System verschwinden.

Die ELP verspricht « eine fortschrittliche Alternative », « den Frieden », « soziale Gerechtigkeit“, „nachhaltige Entwicklung“ und lauter sonstige lobenswerte Dinge, gegen die kein Mensch etwas haben kann.

Das aber unterscheidet sich nicht grundsätzlich von irgendeinem sozialdemokratischen Programm. Denn die ELP richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen des Systems und durchaus nicht auf seine Wurzeln. Nirgendwo entdeckt man den Ansatz einer Analyse der fundamentalen wirtschaftlichen und politischen Ursachen der Ausbeutung der Arbeiter (nicht einmal der Begriff taucht auf), der Ungerechtigkeit, des Elends, der Diskriminierung, der Zerstörung der Umwelt, der Kriege. Die Kommunisten wollen dafür sorgen, die Bewegung für eine andere Welt darauf zu orientieren, den Imperialismus und seine kapitalistische Basis in Frage zu stellen. Sie helfen den fortschrittlichen Menschen zu entdecken, dass der Sozialismus die einzig mögliche Alternative zum Kapitalismus ist, die allein dem Streben nach einer anderen Welt einen zusammenhängenden Inhalt und eine wirkliche Perspektive der Befreiung der Arbeiter geben kann.

Wenn die ELP immer wieder sagt, dass « eine andere Welt möglich ist », schlägt sie nichts anderes vor als die Schimäre eines menschlichen Kapitalismus ohne die « Auswüchse » der Globalisierung.

Was sie als etwas Neues darstellt, ist im Grunde nur eine moderne Variante des Revisionismus der Bernstein und Kautsky, der schon mehrmals im Laufe des vorigen Jahrhunderts wieder aufgewärmt wurde.

3. Antikommunismus

Wenn das Manifest und die anderen Dokumente der ELP hinsichtlich der « Alternative » außerordentlich verschwommen sind, wird dagegen in der Präambel des Statuts die Abgrenzung vom « Stalinismus » deutlich herausgestellt.

Der Sozialismus ist ein neues System. Lenin betonte zu recht, dass „der vollendete Sozialismus nur aus der revolutionären Zusammenarbeit der Proletarier aller Länder und als Folge vieler Versuche entstehen kann, von denen jeder, für sich betrachtet, einseitig sein und unter einem gewissen Missverhältnis leiden wird.“

Das zwanzigste Jahrhundert sah die russische Arbeiterklasse eine großartige Revolution vollbringen, die Macht ergreifen und unter der Leitung der kommunistischen Partei  „die Eroberung des Himmels“ in Angriff nehmen.

Die ELP betont, dass „wir nicht dieselben Wege wie im 20. Jahrhundert einschlagen können…“ Kann dies etwas anderes bedeuten als die Ablehnung Lenins und der Oktoberrevolution, ohne die die Sowjetunion niemals ins Leben gerufen worden wäre?

Stalin und die Führung der KPdSU haben die immense Herausforderung angenommen, den ersten sozialistischen Staat aufzubauen. Die ganze Welt hat den gigantischen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt anerkennen müssen, den die UdSSR in wenigen Jahrzehnten verwirklichen konnte. Wenn die Sowjetunion nicht diese gewaltige Transformation hätte leisten können, hätte das sowjetische Volk niemals den Nazi-Anschlägen standhalten können, wäre die Rote Armee niemals mit den Elitetruppen Hitlers fertig geworden. In erster Linie der Sowjetunion verdanken die Völker Europas und der Welt ihre Befreiung vom Faschismus. Es waren die Sowjetunion und die Kommunistische Internationale, die den Sturm der nationalen Befreiung in den kolonisierten Ländern entscheidend verstärkt haben. Daher wandten sich, sobald der Krieg beendet war, die Arbeiter und die Massen weltweit dem Kommunismus zu.

Die Bourgeoisie ging daraufhin zum systematischen und ständig gesteigerten Angriff gegen den « Stalisnismus », der ideologischen Speespitze im « kalten Krieges », über. Dies war Teil eines antikommunistischen Gesamtplans (Marshall-Plan, Schaffung der NATO etc.). Nicht die Berichtigung von Irrtümern war das Ziel sondern auf die Auflösung des sozialistischen Lagers und der kommunistischen Bewegung.

Wie am Ende des ersten Weltkrieges der Anti-Leninismus der Kautsky und Bernstein die Angriffe der Entente gegen den jungen Sowjetstaat begleiteten, so werden seit Jahrzehnten die wütenden antikommunistischen Kampagnen der Weltreaktion vom Anti-Stalinismus einer gewissen Linken begleitet.

Schließlich gelang es dieser reaktionären Weltfront, im Zusammenspiel mit inneren Strömungen des Renegatentums und der Konterrevolution in der UdSSR und Osteuropa den Sozialismus zu stürzen. Die Bourgeoisie gab vor, den Weg des sozialen Fortschritts und des Friedens zu eröffnen. Aber seither hat sie nur die Demontage der Rechte der Arbeiter beschleunigt und die Wiedereroberungskriege auf den ganzen Planeten ausgedehnt. Während aber mehrere Länder auf dem sozialistischen Wege weiter gehen, und die kommunistische Bewegung wieder an Stärke gewinnt, nimmt die Bourgeoisie erneut zu allen möglichen Angriffen gegen den „Stalinismus“ ihre Zuflucht.

Indem die ELP den Anti-Stalinismus übernimmt, reiht sie sich objektiv in dieselbe reaktionäre antikommunistische Strömung ein. Ein Resultat der Feigheit, die in dem Bestreben liegt, sich in den Augen der Bourgeoisie annehmbarer darzustellen.

4. Für die Einheit der Kommunisten auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus und des proletarischen Internationalismus

Die Weltbourgeoisie hat sich mit verschiedenen internationalen Organisationen ausgestattet, um ihre Strategien auszuarbeiten, ihre Aktionen zu koordinieren, ihre absolute Macht durchzusetzen. Es ist schon paradox, dass in den beiden voran gegangenen Jahrhunderten der Kommunismus die erste politische Strömung war, die sich auf Weltebene organisierte, während heute jede wirkliche Koordination fehlt. Jedoch die allgemeine Krise des Kapitalismus schafft objektiv die Notwendigkeit, die sozialistische Revolution vorzubereiten.

Sicher muss eine genaue Auswertung der Erfahrungen der Kommunistischen International stattfinden. Aber niemand kann bezweifeln, dass ohne die Koordination und die enge Zusammenarbeit innerhalb der internationale kommunistische Bewegung niemals die Kraft entstanden wäre, deren sie sich fähig erwies.

Wir haben heute die dringende Aufgabe, die Frage unserer Einheit unter Kommunisten zu lösen. Ausgehend von wirklichen Organen der Koordination und der Kooperation kann eine gemeinsame Taktik erarbeitet werden - wie beispielsweise gegenüber den europäischen Institutionen

Die ELP trägt zu dem Paradox zusätzlich bei. Gewisse kommunistische Parteien widersetzen sich der Organisation unserer internationalen kommunistischen Bewegung. Aber gleichzeitig formieren sie sich nicht nur zu einem Organ der Kooperation und Koordination sondern zu einer „Überpartei“, um sich mit Parteien zu verbünden, die sich entweder offen vom Kommunismus abwenden oder niemals dazu gehört haben. Sie lehnen die Idee ab, dass die kommunistische Bewegung sich mit Strukturen versieht, aber gleichzeitig akzeptieren sie die Zwangsjacke einer „Überpartei“ mit ihren Leitungsorganen und ihrem Statut, das obendrein noch unter der Oberaufsicht der Europäischen Union steht.

Unabhängig von den subjektiven Absichten der zur ELP gehörenden Parteien zielt dieses Projekt darauf ab, die Kommunisten zu spalten und möglichst viele von ihnen einer neuen Variante von Revisionismus und Sozialdemokratie hinüber zu ziehen.

Wir unterhalten mit mehreren kommunistischen Parteien, die der ELP beigetreten sind oder bei ihr einen Beobachterstatus haben, freundschaftliche Beziehungen. Trotz unserer Ablehnung der ELP werden wir unsererseits diese Beziehungen von Partei zu Partei aufrecht erhalten. Wir sind überzeugt, dass sie früher oder später unsere Ansicht teilen werden, dass es sich um ein grundlegend antikommunistisches und sozialdemokratisches Projekt handelt.

Die Arbeiterklasse und die Völker der Welt richten sich nach den durch die Konterrevolution 1989/91 erlittenen Schlägen wieder auf. Sie widersetzen sich den imperialistischen Kriegen. Neue Wellen des Klassenkampfes kündigen sich an. Um diese zu leiten und auf unser gemeinsames Ziel des Sozialismus zu orientieren, muss unsere Bewegung vor allem eine neue Einheit finden.

Brüssel, den 15. Oktober 2005

Baudouin Deckers, Generalsekretär der Partei der Arbeit Belgiens

Übersetzung aus dem Französischen: Klaus von Raussendorff

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[ Anhang 4 ]

ZUM KONGRESS DER „PARTEI DER EUROPÄISCHEN LINKEN“

Erklärung des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Luxemburgs

Vom 29 bis 30. Oktober 2005 findet in Athen der erste Kongress der „Partei der Europäischen Linken“ (ELP) statt.

Dieser „Europäischen Partei“, die entsprechend den Vorgaben der EU gewährleisten muss, dass ihre Satzung und Tätigkeiten „den grundlegenden Zielen der Union“ entsprechen“, ansonsten sie vom Europaparlament aufgelöst werden kann, gehören sehr unterschiedliche sozialistische, sozialdemokratische, trotzkistische und ökologische Gruppierungen und auch einige kommunistische Parteien an.

Das erklärt, weshalb diese „Europäische Partei“, deren Rahmen und Arbeitsweise durch die EU-Institutionen diktiert werden und die durch die EU finanziert wird, sich in ihrer Ausrichtung nicht für die Schaffung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung einsetzt.

Sie strebt vielmehr eine „Transformation des Kapitalismus“ und eine „Überwindung der kapitalistischen Logik“ an, ohne jedoch den Privatbesitz an Produktionsmitteln und den Klassencharakter des kapitalistischen Staates (wie auch der EU) in Frage zu stellen – Wesenszüge, die seit jeher die Trennungslinie zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten sind.

Nicht zu übersehen ist die Geringschätzung der ELP, beziehungsweise ihre offene Feindschaft gegenüber dem im 20. Jahrhundert gescheiterten sozialistischen Anlauf in der Sowjetunion und Osteuropa und ihre Absicht, die Rolle der kommunistischen Parteien beim Versuch, die Schaffenden gegen die kapitalistische Ausbeuterordnung zu mobilisieren, herabzuwürdigen, sie als „Anhängsel Moskaus“ und „Stalinisten“ zu diffamieren – eine Vorgehensweise, der sich seit jeher auch die bürgerliche, antikommunistische Propaganda bedient.

Auffallend ist, dass in der ELP, die vorgibt die Linke in Europa zusammenführen zu wollen, kommunistische Parteien mitmachen, welche während der letzten Jahre alles daran setzten, eine weitergehende Zusammenarbeit und einen Zusammenschluss kommunistischer Parteien auf europäischer Ebene zu verhindern. Heute grenzen sie sogar kommunistische Parteien aus verschiedenen Ländern aus und geben stattdessen der Zusammenarbeit mit „linken“ Parteien, welche die dortigen kommunistischen Parteien offen bekämpfen, den Vorzug, wie das unter anderem für Griechenland, Luxemburg und Portugal zutrifft.

Angesichts dieser Tatsachen versteht es sich von selbst, dass die Kommunistische Partei Luxemburgs entschieden hat, in dieser „Europäischen Partei“, deren Zustandekommen mit dem Brecheisen herbeigeführt wurde, weder eine Mitgliedschaft noch einen Beobachterstatut anzustreben.

Zusammen mit Kommunisten aus anderen europäischen Ländern will sich die Kommunistische Partei Luxemburgs vielmehr darum bemühen, die Zusammenarbeit und den Zusammenschluss kommunistischer Parteien zu fördern, die auf marxistischen Positionen stehen und die sich für eine Abschaffung des Kapitalismus und für eine sozialistische Perspektive einsetzen.

Daher ist es auch folgerichtig, dass die KPL auch an der internationalen Konferenz kommunistischer und Arbeiterparteien teilnimmt, die vom 18. Bis 20. November 2005 in Athen stattfindet.

Ali Ruckert

Luxemburg, 27. Oktober 2005

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