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An
das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion
Liebe
Genossen!
Das
ZK der KP Chinas hat das Schreiben des ZK der KPdSU vom 30. März 1963
eingehend studiert.
Alle
an der Geschlossenheit des sozialistischen Lagers und an der Einheit der
kommunistischen Weltbewegung interessierten Menschen zeigen große
Anteilnahme am Treffen der beiden Parteien, der Partei Chinas und der
der Sowjetunion, und hoffen, daß unser Treffen zur Beilegung der
Differenzen und zur Festigung der Einheit beitragen und somit günstige
Voraussetzungen für die Einberufung einer Beratung von Vertretern der
kommunistischen und Arbeiterparteien aller Länder schaffen wird.
Die
Einheit der internationalen kommunistischen Reihen zu wahren und zu stärken
ist die gemeinsame, heilige Pflicht der kommunistischen und
Arbeiterparteien aller Länder. Die KP Chinas und die KPdSU haben eine
noch größere Verantwortung für die Geschlossenheit des ganzen
sozialistischen Lagers und die Einheit der ganzen internationalen
kommunistischen Bewegung und müssen daher noch größere Anstrengungen
machen.
Heutzutage
bestehen in den Reihen der internationalen kommunistischen Bewegung eine
Reihe von wichtigen, prinzipiellen Differenzen. Aber wie ernst diese
Differenzen auch sein mögen, wir müssen volle Geduld an den Tag legen
und Wege zur Beilegung der Differenzen finden, um unsere Kräfte zu
vereinigen und den Kampf gegen unseren gemeinsamen Feind zu verstärken.
Von
solch aufrichtigen Wünschen für das bevorstehende Treffen zwischen der
KP Chinas und der KPdSU ist das ZK der KP Chinas geleitet.
Das
ZK der KPdSU hat in seinem Schreiben vom 30. März seine Ansichten zu
den Fragen, die auf dem Treffen zwischen der KP Chinas und der KPdSU erörtert
werden sollen, systematisch dargelegt und insbesondere die Frage der
Generallinie für die internationale kommunistische Bewegung
unterbreitet. Wir möchten in diesem Schreiben auch unsere Ansichten über
die Generallinie für die internationale kommunistische Bewegung und über
einige diesbezügliche prinzipielle Fragen vorbringen und als unseren
Vorschlag unterbreiten.
Wir
hoffen, daß eine solche Darstellung unserer Ansichten zum gegenseitigen
Verständnis unserer beiden Parteien, zu einer ausführlichen Diskussion
Punkt für Punkt auf dem Treffen unserer beiden Parteien beitragen wird.
Wir
hoffen auch, daß dadurch die Bruderparteien aller Länder mit unseren
Ansichten bekanntgemacht werden und so zu erschöpfendem
Meinungsaustausch auf der internationalen Beratung der Bruderparteien
beigetragen wird.
1.
Die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung kann nur
die revolutionären Theorien des Marxismus-Leninismus über die
historische Mission des Proletariats zu ihrer Richtschnur nehmen, darf
aber niemals von dieser Richtschnur abweichen.
Auf
den beiden Moskauer Beratungen von 1957 und 1960 wurden, nach einem
umfassenden Meinungsaustausch, auf der Grundlage des Prinzips: Einigkeit
durch Konsultationen, eine Deklaration und eine Erklärung angenommen.
In diesen beiden Dokumenten werden die Besonderheiten unserer Zeit und
die allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten der sozialistischen
Revolution und des sozialistischen Aufbaus aufgezeigt, die gemeinsame
Linie der kommunistischen und Arbeiterparteien aller Länder festgelegt.
Diese Deklaration und Erklärung sind das gemeinsame Programm der
internationalen kommunistischen Bewegung.
In
den letzten Jahren hat es in den internationalen kommunistischen Reihen
tatsächlich verschiedene Auffassungen von der Deklaration von 1957 und
der Erklärung von 1960 und verschiedene Einstellungen dazu gegeben. Die
Kernfrage bei solch verschiedenen Auffassungen und Einstellungen besteht
darin, ob die revolutionären Prinzipien der Deklaration und der Erklärung
anerkannt werden. Dabei handelt es sich letzten Endes um die Frage, ob
die allgemeingültige Wahrheit des Marxismus-Leninismus, ob die
allgemeine Bedeutung des Weges der Oktoberrevolution anerkannt wird, um
die Frage, ob anerkannt wird, daß die Völker, die heute noch unter der
imperialistischen und kapitalistischen Ordnung leben und die zwei
Drittel der Bevölkerung der ganzen Welt ausmachen, die Revolution
durchführen sollen, und ob anerkannt wird, daß diejenigen Völker, die
den Weg zum Sozialismus eingeschlagen haben und ein Drittel der Bevölkerung
der Welt darstellen, die Revolution noch zu Ende führen sollen.
Die
entschiedene Verteidigung der in der Deklaration von 1957 und in der
Erklärung von 1960 enthaltenen revolutionären Prinzipien ist zur
wichtigsten und dringendsten Aufgabe der gegenwärtigen internationalen
kommunistischen Bewegung geworden.
Zu
einer richtigen Auffassung der revolutionären Prinzipien in der
Deklaration und in der Erklärung und zu einer richtigen Einstellung zu
diesen Prinzipien kann es erst dann kommen, wenn die revolutionären
Lehren des Marxismus-Leninismus strikt befolgt werden, wenn der
allgemeingültige Weg der Oktoberrevolution konsequent eingehalten wird.
2.
Welches sind die revolutionären Prinzipien in der Deklaration von 1957
und der Erklärung von 1960? Kurz gesagt, die folgenden:
Proletarier
aller Länder, vereinigt euch; Proletarier aller Länder, vereinigt euch
mit den geknechteten Volksmassen und den unterdrückten Nationen; bekämpft
Imperialismus und Reaktion in allen Ländern; ringt nach Weltfrieden,
nach nationaler Befreiung, nach Volksdemokratie und Sozialismus; festigt
und stärkt das sozialistische Lager; realisiert schrittweise den vollen
Sieg in der proletarischen Weltrevolution; und errichtet eine neue Welt
ohne Imperialismus, ohne Kapitalismus und ohne Ausbeutungssystem.
Unserer
Ansicht nach ist das die Generallinie der internationalen
kommunistischen Bewegung in der gegenwärtigen Etappe.
3.
Diese Generallinie geht aus dem Gesamtbild der Realität der Welt, aus
der Klassenanalyse der grundlegenden Widersprüche in der Welt in der
gegenwärtigen Epoche hervor und ist gegen die konterrevolutionäre
Globalstrategie des USA-Imperialismus gerichtet.
Diese
Generallinie ist: eine breite Einheitsfront mit dem sozialistischen
Lager und dem internationalen Proletariat als Kern zu bilden, zum Kampf
gegen den Imperialismus mit den USA an der Spitze und gegen die Reaktionäre
aller Länder; die Massen in breitestem Umfang zu mobilisieren, die
revolutionären Kräfte zu verstärken, die Kräfte in der Mitte zu
gewinnen und die Konterrevolutionäre zu isolieren.
Diese
Generallinie. ist eine Linie, mit der die Völker aller Länder
entschlossen den revolutionären Kampf führen und die proletarische
Weltrevolution bis zu Ende führen; zugleich ist sie die Linie, auf der
der Imperialismus am wirksamsten bekämpft und der Weltfrieden
verteidigt wird.
Wenn
die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung einseitig
nur auf „friedliche Koexistenz“, „friedlichen Wettbewerb“ oder
„friedlichen Übergang“ zurückgeführt wird, dann ist das ein
Verstoß gegen die revolutionären Prinzipien in der Deklaration von
1957 und in der Erklärung von 1960, dann wird die historische Mission
der proletarischen Weltrevolution aufgegeben, dann bedeutet das die
Abkehr von den revolutionären Lehren des Marxismus-Leninismus.
Die
Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung soll die
allgemeinen Gesetzmäßigkeiten in der historischen Entwicklung der Welt
zum Ausdruck bringen. Die revolutionären Kämpfe des Proletariats und
der Völker aller Länder machen verschiedene Etappen durch, sie können
ihre eigenen Merkmale haben, doch können sie nicht aus den allgemeinen
Gesetzmäßigkeiten der historischen Entwicklung der Welt heraustreten.
Die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung soll den
Proletariern und Völkern aller Länder in ihrem revolutionären Kampf
die grundlegende Richtung weisen.
Bei
der Ausarbeitung der konkreten Linie und der Politik der kommunistischen
und Arbeiterparteien für das eigene Land ist es äußerst wichtig,
strikt am Prinzip der Verbindung der allgemeingültigen Wahrheit des
Marxismus-Leninismus mit der konkreten Praxis der Revolution und des
Aufbaus im eigenen Land festzuhalten.
4.
Weltpolitik und Weltwirtschaft in ihrer Gesamtheit und die konkreten
Verhältnisse in der Welt, das heißt die grundlegenden Widersprüche in
der heutigen Welt, vom Klassenstandpunkt aus konkret zu analysieren,
bildet den Ausgangspunkt für die Bestimmung der Generallinie der
internationalen kommunistischen Bewegung.
Wer
eine konkrete Klassenanalyse umgeht oder nach eigenem Belieben gewisse
oberflächliche Erscheinungen herausgreift, um subjektive Urteile zu fällen,
der kann selbstverständlich niemals richtige Schlußfolgerungen in
bezug auf die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung
ziehen und wird unvermeidlich auf eine andere, dem Marxismus-Leninismus
völlig entfremdete Bahn geraten.
Was
sind die grundlegenden Widersprüche in der Welt von heute? Die
Marxisten-Leninisten sind stets der Meinung, daß die grundlegenden
Widersprüche diese sind:
Die
Widersprüche zwischen dem sozialistischen und dem imperialistischen
Lager; die Widersprüche zwischen Proletariat
und Bourgeoisie innerhalb der kapitalistischen Länder; die Widersprüche
zwischen unterjochten Nationen und Imperialismus; die Widersprüche
zwischen den verschiedenen imperialistischen Staaten und die Widersprüche
zwischen den verschiedenen monopolkapitalistischen Gruppierungen.
Die
Widersprüche zwischen sozialistischem und imperialistischem Lager sind
Widersprüche zwischen zwei grundverschiedenen gesellschaftlichen
Systemen, dem Sozialismus und dem Kapitalismus, die unzweifelhaft sehr
schroff sind. Marxisten-Leninisten dürfen aber die Widersprüche im
Weltmaßstab nicht einfach und ausschließlich als Widersprüche
zwischen dem sozialistischen und dem imperialistischen Lager sehen.
Im
internationalen Kräfteverhältnis haben sich Veränderungen ergeben,
und dieses Verhältnis wird immer günstiger für den Sozialismus, für
die geknechteten Volksmassen und unterdrückten Nationen der ganzen
Welt, aber äußerst ungünstig für den Imperialismus und die Reaktionäre
aller Länder. Trotzdem bestehen die obengenannten Widersprüche
objektiv immer noch.
Diese
Widersprüche und die Kämpfe, die sie verursachen, sind miteinander
verbunden und beeinflussen einander. Keinen dieser grundlegenden
Widersprüche darf man verwischen, noch nach eigenem Gutdünken einen
Widerspruch an die Stelle eines anderen setzen.
Diese
Widersprüche werden in allen Ländern unvermeidlich zum Ausbruch von
Revolutionen führen und können auch nur durch die Revolutionen der Völker
gelöst werden.
5.
In der Frage der heute in der Welt vorhandenen Widersprüche müssen
folgende falsche Anschauungen verurteilt werden:
a)
Der Klasseninhalt der Widersprüche zwischen dem sozialistischen und dem
imperialistischen Lager wird verwischt, diese Widersprüche werden nicht
als Widersprüche zwischen Ländern der Diktatur des Proletariats und Ländern
unter der Diktatur des Monopolkapitals betrachtet.
b)
Nur die Widersprüche zwischen sozialistischem und imperialistischem
Lager werden anerkannt, aber man ignoriert oder unterschätzt die
Widersprüche zwischen Proletariat und Bourgeoisie in der
kapitalistischen, Welt, die Widersprüche zwischen den unterjochten
Nationen und dem Imperialismus, die Widersprüche zwischen den
imperialistischen Staaten und zwischen den verschiedenen Gruppierungen
des Monopolkapitals sowie die aus diesen Widersprüchen entstehenden Kämpfe.
c)
Man glaubt, die Widersprüche in der kapitalistischen Welt zwischen
Proletariat und Bourgeoisie können ohne die proletarische Revolution im
eigenen Land gelöst werden; man glaubt, die Widersprüche zwischen
unterjochten Nationen und Imperialismus können ohne eine Revolution
dieser unterdrückten Nationen gelöst werden.
d)
Man verneint, daß die Entwicklung der der gegenwärtigen
kapitalistischen Welt innewohnenden Widersprüche unvermeidlich zu einer
neuen Situation des erbitterten Ringens unter den imperialistischen
Staaten führen muß, man bildet sich ein, daß durch „internationale
Vereinbarungen zwischen den verschiedenen Gruppierungen des
monopolistischen Großkapitals“ die Widersprüche zwischen den
imperialistischen Staaten überbrückt und sogar beseitigt werden können.
e)
Man glaubt, die Widersprüche zwischen den beiden Weltsystemen,
Sozialismus und Kapitalismus, können „im ökonomischen Wettbewerb“
von selbst verschwinden, und daß damit auch andere fundamentale
Widersprüche in der Welt zum Verschwinden gebracht werden und, eine
„Welt ohne Kriege“, eine neue Welt der „allseitigen
Zusammenarbeit“ ins Leben gerufen wird.
Offensichtlich
müssen diese falschen Anschauungen zu einer falschen und schädlichen
Politik führen, wird dadurch die Sache des Volks und des Sozialismus
auf diese oder jene Weise Fehlschläge und Schaden erleiden.
6.
Nach dem 2. Weltkrieg sind im Kräfteverhältnis zwischen Imperialismus
und Sozialismus grundlegende Veränderungen vor sich gegangen. Die
Hauptmerkmale dieser Veränderung bestehen darin, daß es in der Welt
nicht mehr nur ein sozialistisches Land gibt, sondern daß eine ganze
Reihe von sozialistischen Ländern entstanden sind, die ein starkes
sozialistisches Lager gebildet haben; daß die Völker, die den Weg zum
Sozialismus eingeschlagen haben, bereits nicht mehr nur etwa 200
Millionen Menschen, sondern eine Milliarde Menschen oder ein Drittel der
Weltbevölkerung zählen.
Das
sozialistische Lager ist aus den Kämpfen des internationalen
Proletariats und der Werktätigen aller Länder entstanden. Das
sozialistische Lager gehört nicht nur den Völkern der sozialistischen
Länder, sondern auch dem Weltproletariat und allen Werktätigen.
Die
Bevölkerung der Länder des sozialistischen Lagers, das Weltproletariat
und alle Werktätigen stellen an die kommunistischen und
Arbeiterparteien der Länder des sozialistischen Lagers hauptsächlich
die folgenden gemeinsamen Forderungen:
Die
marxistisch-leninistische Linie einzuhalten und eine korrekte
marxistisch-leninistische Innen- und Außenpolitik zu verfolgen;
die
Diktatur des Proletariats und das Bündnis zwischen Arbeitern und Bauern
unter Führung des Proletariats zu festigen, die sozialistische
Revolution an der wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Front
zu Ende zu führen;
die
Initiative und Schöpferkraft der Volksmassen zu entfalten, den
sozialistischen Aufbau planmäßig durchzuführen, die Produktion zu
entwickeln, den Lebensstandard des Volkes zu verbessern, die
Landesverteidigung zu stärken;
auf
Grundlage des Marxismus-Leninismus die Geschlossenheit des
sozialistischen Lagers zu festigen, auf Grundlage des proletarischen
Internationalismus andere sozialistische Länder zu unterstützen;
gegen
die Aggressions- und Kriegspolitik des Imperialismus, für die
Verteidigung des Weltfriedens zu kämpfen;
die
antikommunistische, volksfeindliche und konterrevolutionäre Politik der
Reaktionäre aller Länder zu bekämpfen;
die
unterdrückten Klassen und unterjochten Nationen der Welt in ihrem
revolutionären Kampf zu unterstützen.
Alle
kommunistischen und Arbeiterparteien des sozialistischen Lagers sind
ihrem eigenen Volk wie auch dem internationalen Proletariat und den
Werktätigen gegenüber verpflichtet, diese Forderungen zu erfüllen.
Mit
der Erfüllung dieser Forderungen übt das sozialistische Lager einen
entscheidenden Einfluß auf den Verlauf der Menschheitsgeschichte aus.
Gerade
aus diesem Grund versuchen die Imperialisten und Reaktionäre auf jede
Weise die Innen- und Außenpolitik der Länder des sozialistischen
Lagers zu beeinflussen, das sozialistische Lager zu zersetzen, die
Einheit unter den sozialistischen Ländern, vor allem zwischen China und
der Sowjetunion, zu spalten. Sie lassen keine Möglichkeit zur
Infiltration in den sozialistischen Ländern, zur Umsturztätigkeit
unversucht und hegen sogar die eitle Hoffnung, das sozialistische Lager
vernichten zu können.
Wie
man sich dem sozialistischen Lager gegenüber richtig verhält, ist eine
äußerst wichtige, prinzipielle Frage, die allen kommunistischen und
Arbeiterparteien gestellt ist.
Die
kommunistischen und Arbeiterparteien führen heute unter neuen
historischen Bedingungen ihren proletarisch-internationalistischen
Zusammenschluß und Kampf durch. Als es in der Welt nur ein einziges
sozialistisches Land gab, als dieses Land entschlossen eine korrekte
marxistisch-leninistische Linie und Politik durchführte und sich damit
die Feindschaft und Bedrohung aller Imperialisten und Reaktionäre
zuzog, da war es für jede kommunistische Partei ein Prüfstein ihres
proletarischen Internationalismus, ob sie sich entschieden für die
Verteidigung dieses einzigen sozialistischen Staates einsetzte oder
nicht. Heute gibt es in der Welt ein sozialistisches Lager, das aus
dreizehn Staaten besteht: Albanien, Bulgarien, China, Deutsche
Demokratische Republik, Demokratische Volksrepublik Korea, Kuba,
Mongolische Volksrepublik, Polen, Rumänien, Sowjetunion,
Tschechoslowakei, Ungarn und Demokratische Republik Vietnam. Ob sie
unter diesen Verhältnissen das ganze sozialistische Lager entschieden
verteidigt, ob sie die Einheit aller Länder des sozialistischen Lagers
auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus wahrt, ob sie die
marxistisch-leninistische Linie und Politik verteidigt, die die
sozialistischen Länder einschlagen müssen, das ist für jede
kommunistische Partei der Prüfstein ihres proletarischen
Internationalismus.
Wer
aber keine korrekte marxistisch-leninistische Linie und Politik verfolgt
und nicht die Einheit des sozialistischen Lagers wahrt, dagegen
innerhalb des sozialistischen Lagers Spannungen und Spaltungen
hervorruft, ja sogar die politische Linie der jugoslawischen
Revisionisten verfolgt, das sozialistische Lager aus dem Weg zu räumen
versucht oder den kapitalistischen Ländern hilft, die sozialistischen
Bruderländer anzugreifen, der übt Verrat an den Interessen des
gesamten internationalen Proletariats und der Völker der Welt.
Wer
in den Fußtapfen anderer nicht die korrekte marxistisch-leninistische
Linie und Politik verteidigt, die die sozialistischen Staaten
einschlagen müssen, sondern die von einem gewissen sozialistischen
Staat verfolgte falsche opportunistische Linie und Politik verteidigt,
wer nicht die Politik der Einheit, sondern die des Spaltertums
verteidigt, der weicht vom Marxismus-Leninismus und proletarischen
Internationalismus ab.
7.
Die USA-Imperialisten versuchen, sich ein riesiges Weltreich, wie es die
Geschichte noch nie gekannt hat, zu errichten, indem sie die Situation
nach dem 2. Weltkrieg ausgenutzt und das Erbe der deutschen,
italienischen und japanischen Faschisten angetreten haben. Das
strategische Ziel des USA-Imperialismus ist nach wie vor: Aggression auf
die zwischen den USA und dem sozialistischen Lager liegende Zwischenzone
zu verüben und sie unter seine Kontrolle zu bringen, die Revolutionen
der geknechteten Massen und unterdrückten Nationen abzuwürgen, dann
die sozialistischen Länder zu vernichten, um so alle Völker und Länder
der Welt, einschließlich seiner eigenen Verbündeten, unter Joch und
Kontrolle des USA-Monopolkapitals zu bringen.
Seit
dem 2. Weltkrieg 'haben die USA-Imperialisten niemals ihre
Kriegspropaganda gegen die Sowjetunion und das sozialistische Lager
eingestellt. Diese Propaganda hat zwei Seiten: Einerseits bereiten die
USA-Imperialisten wirklich einen Krieg gegen die Sowjetunion und gegen
das sozialistische Lager vor, während sie andererseits diese Propaganda
als Rauchvorhang für die Unterdrückung ihres eigenen Volks und für
die Erweiterung ihrer Aggressionen gegen die übrige kapitalistische
Welt verwenden.
In
der Erklärung von 1960 wird festgestellt:
“Der
amerikanische Imperialismus ist zum größten internationalen Ausbeuter
geworden.“
“Das
Hauptbollwerk des modernen Kolonialismus sind die Vereinigten Staaten
von Amerika.“
“Die
Hauptkraft der Aggression und des Krieges ist der amerikanische
Imperialismus.“
“Der
Verlauf der internationalen Ereignisse in den letzten Jahren hat viele
neue Beweise dafür erbracht, daß der amerikanische
Imperialismus das Hauptbollwerk der
Weltreaktion, der Weltgendarm, der Feind der Völker der ganzen Welt
ist.“
Die
USA-Imperialisten betreiben ihre Aggressions- und Kriegspolitik in der
ganzen Welt, doch kann das Ergebnis ihren Erwartungen nur zuwiderlaufen,
es kann nur das Erwachen der Völker aller Länder und ihre Revolutionen
beschleunigen.
Die
USA-Imperialisten haben sich so zu den Völkern der ganzen Welt in
Opposition gestellt und werden von ihnen eingekreist. Das internationale
Proletariat muß und kann alle Kräfte vereinigen, mit denen Einheit möglich
ist. Es muß die inneren Widersprüche der Feinde ausnutzen und die
breiteste Einheitsfront gegen die USA-Imperialisten und ihre Lakaien
errichten.
Der
realistische und korrekte Kurs ist, das Schicksal der Völker aller Länder
und der Menschheit der Einigkeit und den Kämpfen des Weltproletariats,
der Einigkeit und den Kämpfen der Völker aller Länder anzuvertrauen.
Umgekehrt,
wenn kein Unterschied zwischen Feind, Freund und uns selbst gemacht
wird, wenn man das Schicksal der Völker aller Länder und der
Menschheit der Zusammenarbeit mit dem USA-Imperialismus anvertraut, dann
heißt das, die Menschen in die Irre führen zu wollen. Die Geschehnisse
der letzten Jahre haben das Scheitern dieser Illusion bewiesen.
8.
In den weiten Gebieten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas konzentrieren
sich die verschiedenen Arten von Widersprüchen in der gegenwärtigen
Epoche, hier sind die schwächsten Kettenglieder in der Herrschaft des
Imperialismus, hier sind heute die wichtigsten Sturmzentren der
Weltrevolution, wo dem Imperialismus direkte Schläge versetzt werden.
Die
national-demokratische revolutionäre Bewegung in diesen Gebieten und
die internationale sozialistische revolutionäre Bewegung sind die zwei
gewaltigen historischen Strömungen unserer Zeit.
Die
national-demokratische Revolution in diesen Gebieten bildet einen
wichtigen Bestandteil der gegenwärtigen proletarischen Weltrevolution.
Die
antiimperialistischen revolutionären Kämpfe der Völker Asiens,
Afrikas und Lateinamerikas haben die Grundlagen der Herrschaft des
Imperialismus und des Kolonialismus, alt und neu, angeschlagen und erschüttert,
sie stellen eine gewaltige Kraft für die Verteidigung des Weltfriedens
in der gegenwärtigen Epoche dar.
In
einem gewissen Sinne hängt daher die ganze Sache der internationalen
proletarischen Revolution letztlich von den revolutionären Kämpfen der
Völker in diesen Gebieten, der überwältigenden Mehrheit der Weltbevölkerung,
ab.
Die
antiimperialistischen revolutionären Kämpfe der Völker Asiens,
Afrikas und Lateinamerikas sind daher keinesfalls lediglich von lokaler
Bedeutung, sondern von allgemeiner Bedeutung für die Weltrevolution des
ganzen internationalen Proletariats.
Es
gibt heutzutage Leute, die sogar die große internationale Bedeutung der
antiimperialistischen revolutionären Kämpfe der Völker Asiens,
Afrikas und Lateinamerikas leugnen und, unter dem Vorwand, die Schranken
von Nationalität, Hautfarbe und geographischen Grenzen niederreißen zu
wollen, bemüht sind, die Trennungslinie zwischen unterdrückten und
unterdrückenden Nationen, zwischen unterdrückten und unterdrückenden
Staaten zu verwischen, die revolutionären Kämpfe der Völker in diesen
Gebieten niederzuhalten. Damit kommt man in Wirklichkeit nur den Bedürfnissen
des Imperialismus entgegen und schafft ihm eine neue „Theorie“, um
seine Herrschaft in diesen Gebieten aufrechtzuerhalten und die Politik
des alten und neuen Kolonialismus zu vertreiben. In der Tat zielt diese
neue „Theorie“ gar nicht darauf ab, die Schranken von Nationalität,
Hautfarbe und geographischen Grenzen niederzureißen, sondern die
Herrschaft der sogenannten „überlegenen Nationen“ über die
unterjochten Nationen zu verewigen. Es ist nur zu verständlich, daß
eine solch lügnerische „Theorie“ auf den Widerstand der Völker in
diesen Gebieten stößt.
Die
Arbeiterklasse in jedem sozialistischen wie in jedem kapitalistischen
Land muß die kämpferischen Losungen „Proletarier aller Länder,
vereinigt euch!' und „Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker,
vereinigt euch!“ getreulich in die Tat umsetzen. Sie muß die
revolutionären Erfahrungen der Völker Asiens, Afrikas und
Lateinamerikas studieren, deren revolutionäre Aktionen entschlossen
unterstützen und deren Befreiung als die zuverlässigste Hilfe für
ihre eigene Sache und als direkt in ihrem eigenen Interesse betrachten.
Nur auf diese Weise werden die Schranken von Nationalität, Hautfarbe
und geographischen Grenzen in Wahrheit niedergerissen, nur das ist
echter proletarischer Internationalismus.
Ohne
ein Bündnis mit den unterdrückten Nationen, ohne die Befreiung der
unterdrückten Nationen wird es der Arbeiterklasse in den
kapitalistischen Ländern Europas und Amerikas unmöglich sein, ihre
eigene Befreiung zu erreichen. Lenin sagte mit Recht: „Ohne den vollständigen
und engen Zusammenschluß der in Europa und Amerika gegen das Kapital kämpfenden
Arbeiter mit den von diesem Kapital unterdrückten Hunderten und aber
Hunderten Millionen von „Kolonial“sklaven wäre die revolutionäre
Bewegung der fortgeschrittenen Länder in Wahrheit ein glatter Betrug. [1]
Heute
gibt es in den internationalen kommunistischen Reihen gewisse Leute, die
dem Befreiungskampf der unterdrückten Nationen gegenüber sogar eine
passive, verächtliche oder negative Haltung einnehmen, die in
Wirklichkeit die Interessen der Monopolbourgeoisie wahren, die
Interessen des Proletariats verraten und zu Sozialdemokraten
herabgesunken sind.
Welche
Haltung man den revolutionären Kämpfen der Völker Asiens, Afrikas und
Lateinamerikas gegenüber zeigt, ist ein wichtiges Kennzeichen dafür,
um diejenigen, die die Revolution wollen, von denen zu unterscheiden,
die sie nicht wollen, um zu unterscheiden, wer wirklich den Weltfrieden
verteidigt und wer den Aggressions- und Kriegskräften in die Hände
arbeitet.
9.
Die unterdrückten Nationen und geknechteten Volksmassen Asiens, Afrikas
und Lateinamerikas sehen sich vor die dringende Aufgabe gestellt, gegen
den Imperialismus und seine Lakaien anzukämpfen.
Die
Geschichte hat den proletarischen Parteien dieser Gebiete die ruhmreiche
Aufgabe gestellt, im Kampf gegen Imperialismus, gegen den alten und
neuen Kolonialismus, im Kampf um nationale Unabhängigkeit und
Volksdemokratie das Banner voranzutragen, in den ersten Reihen der
nationaldemokratischen revolutionären Bewegung zu stehen und für eine
sozialistische Zukunft zu kämpfen.
In
diesen Gebieten weigern sich die breitesten Kreise, das Sklavenjoch des
Imperialismus hinzunehmen. Nicht nur Arbeiter, Bauern, Intellektuelle
und Kleinbourgeoisie, sondern auch die patriotisch gesinnte
Nationalbourgeoisie und sogar manche Fürsten und Aristokraten, die ihr
Land lieben.
Das
Proletariat und seine Partei müssen auf die Stärke der Volksmassen
vertrauen, sie müssen vor allem mit den Bauern zusammengehen und ein
festes Arbeiter-Bauern-Bündnis schließen. Es ist von größter
Wichtigkeit, daß die fortschrittlichen Vertreter des Proletariats auf
dem Land arbeiten, den Bauern helfen, ihre Organisation aufzubauen, ihr
Klassenbewußtsein, ihren Nationalstolz und ihr Selbstvertrauen zu
heben.
Das
Proletariat und seine Partei müssen, auf der Grundlage des Bündnisses
zwischen Arbeitern und Bauern, alle Schichten, mit denen Einheit möglich
ist, zur breiten Einheitsfront gegen den Imperialismus und seine Lakaien
zusammenschließen. Um diese Einheitsfront zu festigen und zu
entwickeln, muß die proletarische Partei ihre ideologische, politische
und organisatorische Unabhängigkeit bewahren und auf dem Recht der Führung
in der Revolution bestehen.
Die
proletarische Partei und das revolutionäre Volk müssen alle Formen des
Kampfes, den bewaffneten Kampf mit einbegriffen, beherrschen lernen.
Wenn der Imperialismus und seine Lakaien zur bewaffneten Unterdrückung
schreiten, muß die konterrevolutionäre Waffengewalt durch revolutionäre
Waffengewalt niedergeworfen werden.
Die
nationalistischen Staaten, die eben erst politische Unabhängigkeit
erlangt haben, sehen sich nach wie vor der schwierigen Aufgabe gegenüber,
ihre politische Unabhängigkeit zu festigen, das Land von
imperialistischen Kräften und Reaktionären zu säubern, eine
Bodenreform und andere soziale Reformen durchzuführen, ihre nationale
Wirtschaft und Kultur zu entwickeln. Für diese Länder ist es von großer
aktueller Bedeutung, gegenüber der neokolonialistischen Politik, die
die alten Kolonialisten zur Wahrung ihrer Interessen anwenden, wachsam
zu bleiben und dagegen anzukämpfen, vor allem gegen den
Neokolonialismus der USA.
In
manchen der erst kürzlich unabhängig gewordenen Ländern steht die
patriotisch gesinnte Nationalbourgeoisie auch weiterhin mit dem Volk
zusammen im Kampf gegen Imperialismus und Kolonialismus und führt
gewisse Maßnahmen für sozialen Fortschritt durch. Das erfordert, daß
die proletarische Partei die fortschrittliche Rolle der patriotischen
Nationalbourgeoisie in vollem Umfang einschätzt und die Einigkeit mit
ihr festigt.
Mit
der Verschärfung der inneren sozialen Widersprüche und des
internationalen Klassenkampfes baut die Bourgeoisie, und vor allem die
Großbourgeoisie, in manchen jungen unabhängigen Ländern immer mehr
auf Unterstützung von seiten des Imperialismus und betreibt eine
volksfeindliche, antikommunistische und konterrevolutionäre Politik. Für
die proletarische Partei ist es unerläßlich, entschlossen gegen eine
solch reaktionäre Politik aufzutreten.
Allgemein
gesprochen, hat die Bourgeoisie in diesen Ländern Doppelcharakter.
Bildet die Partei des Proletariats eine Einheitsfront mit der
Bourgeoisie, dann muß ihre Politik sowohl auf Einheit wie auch auf
Kampf aufgebaut sein. Wo die Bourgeoisie fortschrittliche,
antiimperialistische und antifeudale Neigungen zeigt, muß eine Politik
der Einigkeit mit ihr eingeschlagen werden; gegen ihre reaktionäre
Tendenz, mit dem Imperialismus und den Kräften des Feudalismus
Kompromisse einzugehen und sich zu verschwören, muß eine Politik des
Kampfes eingeschlagen werden.
In
der nationalen Frage vertritt die Partei des Proletariats
weltanschaulich den Internationalismus, nicht Nationalismus. Im
revolutionären Kampf unterstützt die Partei des Proletariats den
fortschrittlichen Nationalismus und kämpft gegen den reaktionären
Nationalismus. Die Partei des Proletariats muß immer eine klare
Trennungslinie zwischen sich selbst und dem bürgerlichen Nationalismus
ziehen, sie darf sich ihm niemals gefangen geben.
In
der Erklärung von 1960 heißt es: „Die Kommunisten enthüllen die
Versuche des reaktionären Flügels der Bourgeoisie, seine rein
egoistischen Klasseninteressen als Interessen der ganzen Nation
hinzustellen, sowie den demagogischen Mißbrauch sozialistischer
Losungen durch die bürgerlichen Politiker, womit sie den gleichen Zweck
verfolgen.“
Wird
das Proletariat in der Revolution zum Anhängsel der Großgrundbesitzer
und der Bourgeoisie, dann ist es für die national-demokratische
Revolution unmöglich, einen wirklichen, durchgreifenden Sieg zu
erringen. Und selbst wenn irgendeine Art von Sieg errungen wird, ist es
unmöglich, ihn zu konsolidieren.
Im
Verlauf der revolutionären Kämpfe der unterjochten Nationen und
geknechteten Volksmassen muß die proletarische Partei ihr unabhängiges
Programm des entschlossenen Kampfes gegen den Imperialismus und gegen
die Reaktionäre im Lande, für die Erringung der nationalen Unabhängigkeit
und der Volksdemokratie aufstellen, sie muß unabhängige Arbeit unter
den Volksmassen leisten, stets die Kräfte des Fortschritts zu vermehren
trachten, die politisch in der Mitte stehenden Kräfte für ihre Seite
gewinnen, die reaktionären Kräfte isolieren. Nur so kann sie die
national-demokratische Revolution zu Ende führen und die Revolution auf
den Weg zum Sozialismus leiten.
10.
Um die Widersprüche in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung in den
imperialistischen und kapitalistischen Ländern von Grund auf zu lösen,
ist es notwendig, die proletarische Revolution durchzuführen und die
Diktatur des Proletariats zu errichten.
Im
Kampf um die Erfüllung dieser Aufgabe muß die proletarische Partei
unter heutigen Bedingungen die aktive Führung der Arbeiterklasse und
der Werktätigen in ihren Kämpfen gegen das Monopolkapital, für die
Verteidigung der demokratischen Rechte, gegen die faschistische Gefahr,
für die Verbesserung der Lebensverhältnisse, gegen die Aufrüstung und
die Kriegsvorbereitungen der Imperialisten und für die Verteidigung des
Weltfriedens übernehmen und die unterjochten Nationen in ihrem
revolutionären Kampf wirksam unterstützen.
In
den kapitalistischen Ländern, die der Kontrolle des USA-Imperialismus
unterstehen oder die er seiner Kontrolle zu unterwerfen versucht, müssen
Arbeiterklasse und Werktätige ihren Kampf in erster Linie gegen den
USA-Imperialismus richten, dann aber auch gegen die Monopolbourgeoisie
und andere reaktionäre Kräfte, die die nationalen Interessen ihrer Länder
verkaufen.
Die
großen Massenkämpfe der letzten Jahre in den kapitalistischen Ländern
zeigen ein neues Erwachen der Arbeiterklasse und der übrigen Werktätigen.
Ihre Kämpfe bedeuten einen Schlag gegen Monopolkapital und Reaktion und
bieten nicht nur der Sache der Revolution in ihren eigenen Ländern gute
Aussichten, sondern stellen auch im revolutionären Kampf der Völker
Asiens, Afrikas und Lateinamerikas und für die Länder des
sozialistischen Lagers eine gewaltige Unterstützung dar.
Die
proletarischen Parteien in den imperialistischen und kapitalistischen Ländern
müssen sich bei der Leitung revolutionärer Kämpfe ihre ideologische,
politische und organisatorische Unabhängigkeit bewahren. Zu gleicher
Zeit müssen sie sich mit allen Kräften, mit denen Einigkeit möglich
ist, zusammenschließen und eine breite Einheitsfront gegen das
Monopolkapital, gegen die Aggressions- und Kriegspolitik des
Imperialismus bilden.
Während
sie aktiv den Kampf des Tages leiten, müssen die Kommunisten in den
kapitalistischen Ländern ihn auch mit dem Kampf auf lange Sicht und für
die Gesamtinteressen verbinden, die Volksmassen im revolutionären Geist
des Marxismus-Leninismus erziehen und ihr politisches Bewußtsein ständig
heben, sie müssen die historische Mission der proletarischen Revolution
auf ihre Schultern nehmen. Tun sie das nicht und betrachten sie die
Bewegung des Augenblicks als ein und alles, legen sie ihre Haltung von
Fall zu Fall fest, passen sie sich den Tagesereignissen an und opfern
die Grundinteressen des Proletariats, dann ist das hundertprozentiger
Sozialdemokratismus.
Der
Sozialdemokratismus ist eine bürgerliche ideologische Strömung. Lenin
hat vor langem darauf hingewiesen, daß die sozialdemokratischen
Parteien politische Trupps der Bourgeoisie bilden, daß sie Agenten der
Bourgeoisie in den Reihen der Arbeiterklasse, die bedeutendste soziale
Stütze der Bourgeoisie sind. In der grundlegenden Frage der
proletarischen Revolution und der Diktatur des Proletariats müssen die
Kommunisten jederzeit eine klare Trennungslinie zwischen sich und den
sozialdemokratischen Parteien ziehen, den ideologischen Einfluß der
Sozialdemokratie in der internationalen Arbeiterbewegung und unter den
Arbeitern liquidieren. Es besteht nicht der geringste Zweifel, daß die
Kommunisten die unter dem Einfluß der sozialdemokratischen Parteien
stehenden Massen für sich gewinnen müssen, daß sie die Linken und die
in der Mitte Stehenden in den sozialdemokratischen Parteien, die gewillt
sind, gegen das einheimische Monopolkapital und die Kontrolle durch die
ausländischen Imperialisten zu kämpfen, gewinnen und mit ihnen im täglichen
Kampf der Arbeiterbewegung und im Kampf für die Erhaltung des
Weltfriedens auf Massenbasis beruhende gemeinsame Aktionen unternehmen müssen.
Um
das Proletariat und die Werktätigen in der Revolution zu führen, müssen
marxistisch-leninistische Parteien alle Kampfformen beherrschen und,
entsprechend den Veränderungen in der Kampflage, schnell eine Kampfform
durch eine andere ersetzen. Die Avantgarde des Proletariats kann erst
dann unter allen Umständen unüberwindlich sein, wenn sie alle
Kampfformen beherrscht, friedliche und bewaffnete, offene und geheime,
legale und. illegale, parlamentarische oder Massenkämpfe usw. usf. Den
Gebrauch von parlamentarischen und anderen legalen Kampfformen
abzulehnen, wo sie benutzt werden sollen und können, ist falsch. Wenn
aber eine marxistisch-leninistische Partei in den parlamentarischen
Kretinismus und den Legalismus verfällt und dem Kampf nur die von der
Bourgeoisie bestimmten Grenzen setzt, dann wird das unvermeidlich zum
Verzicht auf die proletarische Revolution und die Diktatur des
Proletariats führen.
11.
Die proletarische Partei muß an die Frage des Übergangs vom
Kapitalismus zum Sozialismus vom Standpunkt des Klassenkampfes, vom
Standpunkt der Revolution, entsprechend den Lehren des
Marxismus-Leninismus über die proletarische Revolution und die Diktatur
des Proletariats herangehen.
Kommunisten
würden immer den Übergang zum Sozialismus auf friedlichem Wege
vorziehen. Aber kann man den friedlichen Übergang zu einem neuen
weltstrategischen Prinzip für die internationale kommunistische
Bewegung machen? Durchaus nicht.
Der
Marxismus-Leninismus hält stets dafür, daß die grundlegende Frage
aller Revolutionen die Frage der Staatsmacht ist. In der Deklaration von
1957 und in der Erklärung von 1960 wird deutlich darauf hingewiesen:
„Der Leninismus lehrt und die historische Erfahrung bestätigt, daß
die herrschenden Klassen die Macht nicht freiwillig abtreten.“ Die
alte Regierung wird, wenn man sie nicht stürzt, auch in Krisenzeiten
nicht fallen. Das ist ein allgemeingültiges Gesetz des Klassenkampfes.
Marx
und Lenin haben unter bestimmten historischen Bedingungen die Möglichkeit
einer friedlichen Entwicklung der Revolution herausgestellt. Wie Lenin
sagte, ist aber die Möglichkeit der friedlichen Entwicklung der
Revolution eine „in der Geschichte der Revolution außerordentlich
seltene Möglichkeit“.
In
der Tat gibt es bis heute in der Weltgeschichte kein einziges Beispiel für
den friedlichen Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus.
Es
gibt Leute, die behaupten, daß es damals, als Marx voraussah, daß der
Kapitalismus durch den Sozialismus ersetzt würde, noch kein Beispiel
dafür gab. Warum können dann wir nicht ohne Beispiel dafür einen
friedlichen Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus voraussagen?
Eine
solche Analogie ist absurd. Marx analysierte auf Grund des dialektischen
und historischen Materialismus die Widersprüche in der kapitalistischen
Gesellschaft, entdeckte die objektiven Gesetzmäßigkeiten in der
Entwicklung der menschlichen Gesellschaft und kam zu wissenschaftlichen
Schlußfolgerungen. Jene Propheten dagegen, die alle ihre Hoffnungen auf
den „friedlichen Übergang“ setzen, gehen vom historischen
Idealismus aus, ignorieren die fundamentalen Widersprüche in der
kapitalistischen Gesellschaft, verwerfen die marxistisch-leninistischen
Lehren über den Klassenkampf, und kommen so zu völlig unbegründeten
subjektiven, voreingenommenen Schlüssen. Wie können Menschen, die den
Marxismus verwerfen, bei Marx Hilfe finden?
Alle
können jetzt sehen, daß die kapitalistischen Staaten ihren
Staatsapparat verstärken, besonders ihren militärischen Apparat, wobei
der Zweck vor allem ist, das Volk im eigenen Land zu unterdrücken.
Die
proletarische Partei darf sich niemals erlauben, ihre Ideen, ihre
revolutionären Richtlinien und ihre ganze Arbeit auf der Berechnung
aufzubauen, daß die Imperialisten und Reaktionäre bereit sind, eine
friedliche Umgestaltung zu akzeptieren.
Die
Partei des Proletariats muß sich auf zwei Taktiken vorbereiten: Während
sie sich auf die friedliche Entwicklung der Revolution vorbereitet, muß
sie gleichzeitig auch ausreichend auf eine nichtfriedliche Entwicklung
der Revolution vorbereitet sein. Die Partei des Proletariats sollte ihre
Hauptaufmerksamkeit auf die harte Arbeit richten, revolutionäre Kräfte
zu sammeln, um bereit zu sein, den Sieg in der Revolution zu erringen,
wenn die Bedingungen reif sind, oder, falls die Imperialisten und
Reaktionäre plötzlich mit Überfällen und bewaffneten Angriffen
vorgehen, ihnen mit einem tatkräftigen Gegenangriff zu begegnen.
Ist
sie nicht darauf vorbereitet, dann wird der revolutionäre Wille des
Proletariats gelähmt, dann entwaffnet sie sich ideologisch, dann gerät
sie politisch und organisatorisch in völlige, unvorbereitete Passivität
und trägt schließlich die Sache der proletarischen Revolution zu
Grabe.
12.
Alle sozialen Revolutionen in den verschiedenen Etappen der
Menschheitsgeschichte sind historische Notwendigkeiten. Sie sind durch
objektive Gesetze bedingt, die nicht vom menschlichen Willen abhängen.
Die Geschichte hat bewiesen, daß keine Revolution jemals ohne Umwege
und Opfer siegen konnte.
Die
Aufgabe der Partei des Proletariats besteht darin, auf Grund der
marxistisch-leninistischen Theorien die konkreten historischen
Bedingungen zu analysieren, die richtige Strategie und Taktik
festzulegen, die Volksmassen um verborgene Klippen herumzuführen, unnötige
Opfer zu vermeiden und Schritt für Schritt auf das Ziel zuzuschreiten.
Können Opfer völlig vermieden werden? Das war nicht der Fall bei den
Revolutionen der Sklaven, bei den Revolutionen der Leibeigenen, bei den
bürgerlichen oder nationalen Revolutionen. Auch bei der proletarischen
Revolution kann das nicht der Fall sein. Selbst wenn die Richtlinie
korrekt festgelegt ist, gibt es keine absolute Gewähr gegen
irgendwelche Rückschläge und Opfer im Verlauf der Revolution. Nur wenn
man beharrlich an der richtigen Linie festhält, wird die Revolution
endlich doch zum Sieg führen. Unter dem Vorwand, Opfer zu vermeiden,
die Revolution aufzugeben, heißt in Wirklichkeit, die Menschen auf ewig
Sklaven bleiben, auf ewig grenzenloses Elend leiden und grenzenlose
Opfer bringen lassen.
Es
ist elementares marxistisch-leninistisches Wissen, daß die Geburtswehen
der Revolution viel geringere Schmerzen als die chronischen Leiden der
alten Gesellschaft verursachen. Lenin hat sehr treffend gesagt, das
kapitalistische System
|“legt
der Arbeiterklasse immer und unvermeidlich, selbst beim friedlichsten
Lauf der Dinge, zahllose Opfer auf“.[2]
Wer
glaubt, daß eine Revolution nur dann vonstatten gehen kann, wenn ihr
keine Hindernisse und Reibungen entgegenstehen, wenn die Gewähr gegen
Opfer und Niederlagen besteht, der ist überhaupt kein Revolutionär.
Ganz
gleich, unter welch schwierigen Bedingungen die Revolution vor sich
geht, welche Opfer und Niederlagen sie auch erleidet, müssen
proletarische Revolutionäre die Volksmassen im Geist der Revolution
erziehen, sie müssen die Fahne der Revolution hochhalten und dürfen
diese Fahne nicht aus den Händen geben.
Wenn
die proletarische Partei leichtsinnig mit der Revolution beginnt, bevor
noch die objektiven Bedingungen herangereift sind, so ist das
„linkes“ Abenteurertum. Wenn aber die objektiven Bedingungen reif
sind und die proletarische Partei es nicht wagt, die Revolution zu
leiten und die Macht zu ergreifen, dann ist das Rechtsopportunismus.
Selbst
in gewöhnlichen Zeiten, wenn die Partei des Proletariats die
Volksmassen im täglichen Kampf führt, muß sie ihre eigenen Reihen und
die Volksmassen ideologisch, politisch und organisatorisch auf die
Revolution vorbereiten und die Entwicklung revolutionärer Kämpfe fördern,
um sich, wenn die Bedingungen für die Revolution reif sind, nicht die günstige
Gelegenheit entgehen zu lassen, um die reaktionäre Herrschaft zu stürzen
und die neue Staatsmacht zu errichten. Andernfalls wird die Gelegenheit
für den Sieg der Revolution, selbst wenn die objektiven Bedingungen
reif sind, einfach verpaßt.
Die
proletarische Partei muß ein hohes Maß von Prinzipientreue besitzen,
zugleich aber auch elastisch sein und gelegentlich im Interesse der
Revolution einen notwendigen Kompromiß eingehen. Jedoch dürfen die
prinzipiellen Richtlinien und das revolutionäre Ziel niemals unter dem
Vorwand der Elastizität und notwendiger Kompromisse aufgegeben werden.
Die
proletarische Partei muß die Volksmassen im Kampf gegen den Feind führen,
sie muß es verstehen, die Widersprüche unter den Feinden auszunutzen.
Aber solche Widersprüche auszunutzen hat den Zweck, in den revolutionären
Kämpfen des Volks leichter das Ziel zu erreichen, nicht aber, diese Kämpfe
zu liquidieren.
Unzählige
Tatsachen beweisen, daß dort, wo Imperialismus und Reaktion ihre
finstere Herrschaft ausüben, die Massen, die über neunzig Prozent der
Gesamtbevölkerung ausmachen, sich schließlich zu einer Revolution
erheben.
Wenn
sich die Kommunisten von den revolutionären Forderungen der Volksmassen
distanzieren, werden sie zwangsläufig ihr Vertrauen verlieren und
werden vom revolutionären Strom zurückgeschleudert werden.
Wenn
das Führungsgremium einer Partei eine nichtrevolutionäre Linie annimmt
und diese Partei in eine reformistische verwandelt, dann werden die
Marxisten-Leninisten sowohl innerhalb der Partei als auch außerhalb
sich erheben, an ihre Stelle treten und die Führung der Massen in der
Revolution übernehmen. Unter anderen Umständen können die Revolutionäre
in den Reihen der Bourgeoisie die Führung in der Revolution antreten
und die proletarische Partei kann somit des Rechts der Führung in der
Revolution verlustig gehen. Wenn die reaktionäre Bourgeoisie die
Revolution verrät und das Volk unterdrückt, kann eine opportunistische
Linie die Kommunisten und revolutionären Volksmassen unnötige schwere
Opfer kosten.
Wenn
die Kommunisten weiter auf den Weg des Opportunismus abgleiten,
degenerieren sie zu bürgerlichen Nationalisten, zu Anhängseln des
Imperialismus und der reaktionären Bourgeoisie.
Es
gibt Leute, die behaupten, daß sie seit Lenins Tod die größten schöpferischen
Beiträge zur revolutionären Theorie geleistet haben und daß sie
allein in allem recht haben. Ob sie wirklich die allseitigen Erfahrungen
der gesamten kommunistischen Weltbewegung in Betracht gezogen, ob sie
den Interessen, Zielen und Aufgaben der gesamten internationalen
proletarischen Bewegung wirklich Aufmerksamkeit geschenkt haben, ob sie
wirklich eine dem Marxismus-Leninismus entsprechende Generallinie für
die internationale kommunistische Bewegung besitzen, das alles ist sehr
zweifelhaft.
In
den letzten Jahren hat die internationale kommunistische Bewegung, die
nationale Befreiungsbewegung zahlreiche Erfahrungen und viele Lehren
erbracht. Unter diesen Erfahrungen sind solche, die man besingen soll,
und andere, die sehr schmerzlich sind. Die Kommunisten und Revolutionäre
aller Länder müssen diese Erfahrungen von Erfolgen und Niederlagen
sorgfältig erwägen und studieren, um die richtigen Schlußfolgerungen
und nutzbringenden Lehren daraus zu ziehen.
13.
Die sozialistischen Staaten, geknechteten Massen und unterjochten
Nationen der ganzen Welt unterstützen und helfen einander bei ihren
revolutionären Kämpfen.
Die
nationale Befreiungsbewegung in Asien, Afrika und Lateinamerika, die
revolutionäre Bewegung der Völker in allen kapitalistischen Ländern
bedeuten eine tatkräftige Unterstützung für die sozialistischen
Staaten. Das abzuleugnen ist völlig falsch.
Die
sozialistischen Länder dürfen den revolutionären Kämpfen der
geknechteten Massen und der unterdrückten Nationen gegenüber nur die
größte Sympathie zeigen, müssen sie aktiv unterstützen. Sie dürfen
keine nachlässige Haltung, keine Haltung des nationalen Eigennutzes
oder des Großmacht-Chauvinismus dazu einnehmen.
Lenin
sagte: „Das Bündnis mit den Revolutionären der fortgeschrittenen Länder
und mit allen unterdrückten Völkern gegen alle Imperialisten, welcher
Art auch immer, das ist die Außenpolitik des Proletariats.“ [3]
Wer das nicht begreift und die Unterstützung der sozialistischen Länder
für die geknechteten Massen und unterdrückten Nationen als Belastung
oder Gnadenbezeigung betrachtet, der handelt dem Marxismus-Leninismus
und proletarischen Internationalismus zuwider.
Die
Überlegenheit des sozialistischen Systems und die Erfolge beim Aufbau
in den sozialistischen Ländern dienen den geknechteten Massen und
unterjochten Nationen als Vorbild und Ansporn.
Aber
ein solches Vorbild, ein solcher Ansporn können auf keinen Fall den
revolutionären Kampf der geknechteten Massen und unterdrückten
Nationen ersetzen. Die geknechteten Massen und unterdrückten Nationen können
nur durch ihre eigenen standhaften revolutionären Kämpfe ihre
Befreiung erlangen.
Manche
Leute übertreiben einseitig die Rolle des friedlichen Wettbewerbs der
sozialistischen mit den imperialistischen Staaten, sie wollen den
revolutionären Kampf aller geknechteten Massen und unterdrückten
Nationen durch den friedlichen Wettbewerb ersetzen. Ihren Predigten nach
würde es scheinen, daß bei einem solchen friedlichen Wettbewerb der
Imperialismus automatisch zusammenbrechen wird und die geknechteten
Massen und unterdrückten Nationen nur ruhig auf diesen Tag zu warten
brauchen. Hat das noch irgend etwas mit marxistisch-leninistischen
Anschauungen zu tun?
Manche
Leute haben sogar das Märchen erfunden, daß China und gewisse andere
sozialistische Staaten „Kriege entfesseln“ wollen und den
Sozialismus durch „Kriege zwischen den Staaten“ verbreiten wollen.
Solche Märchen sind, wie in der Erklärung von 1960 festgestellt wird,
nichts andere.,; als von Imperialisten und Reaktionären ausgestreute
Verleumdungen. Leute, die solche Verleumdungen wiederholen, wollen
damit, geradeheraus gesagt, die Tatsache verbergen, daß sie selber
gegen die Revolutionen der geknechteten Massen und unterdrückten
Nationen sind, daß sie auch gegen diejenigen sind, die solche
Revolutionen unterstützen.
14.
In den letzten Jahren wurde in der Frage von Krieg und Frieden viel, ja
sogar sehr viel geredet. Unsere Ansicht und Politik dazu sind der ganzen
Welt bekannt und niemand kann sie entstellen.
Leider
gibt es in der internationalen kommunistischen Bewegung gewisse Leute,
die zwar davon reden, wie sie den Frieden lieben und den Krieg hassen,
aber nicht bereit sind, für die von Lenin aufgezeigte einfache und
klare Wahrheit über den Krieg auch nur das geringste Verständnis
aufzubringen.
Lenin
schrieb: „Mir scheint, das Wichtigste, das in der Frage des Krieges
gewöhnlich unbeachtet bleibt, dem man nicht genügend Aufmerksamkeit
widmet, die Hauptursache dafür, daß so viele Debatten - und ich möchte
sagen, leere, aussichtslose und nutzlose Debatten - geführt werden, das
ist die Tatsache, daß man die Grundfrage vergißt, die Frage nämlich,
welchen Klassencharakter der Krieg hat, weswegen dieser Krieg
ausgebrochen ist, welche Klassen ihn führen, welche historischen und
historisch-ökonomischen Bedingungen ihn hervorgerufen haben.“[4]
Für
Marxisten-Leninisten ist der Krieg die Fortsetzung der Politik mit
anderen Mitteln. Jeder Krieg ist mit dem politischen System und den
politischen Kämpfen, aus denen er hervorgeht, untrennbar verbunden.
Wenn man von dieser wissenschaftlichen Feststellung des
Marxismus-Leninismus abgeht, einer Feststellung, die durch die ganze
Geschichte des Klassenkampfes in der Welt bewiesen wurde, wird man weder
die Frage von Krieg noch die Frage von Frieden jemals verstehen lernen.
Es
gibt verschiedene Arten von Frieden und verschiedene Arten von Krieg.
Marxisten-Leninisten müssen sich darüber klar sein, um welche Art von
Frieden, um welche Art von Krieg es sich handelt. Keinen Unterschied
zwischen gerechten und ungerechten Kriegen zu machen. über den Krieg im
allgemeinen zu reden und alle Kriege ohne Unterschied zu verdammen, das
ist eine bürgerlich-pazifistische, aber keine marxistisch-leninistische
Haltung.
Gewisse
Leute sagen, daß Revolutionen ohne Kriege durchaus möglich sind.
Welche Kriege sind damit eigentlich gemeint? Ist hier von einem
nationalen Befreiungskrieg, einem revolutionären Bürgerkrieg oder
einem Weltkrieg die Rede?
Wenn
hier ein nationaler Befreiungskrieg oder revolutionärer Bürgerkrieg
gemeint ist, bedeutet eine solche Formulierung in Wirklichkeit eine
Stellungnahme gegen revolutionäre Kriege, gegen die Revolution
schlechthin.
Wenn
hier ein Weltkrieg gemeint ist, so ist das ein Schuß ins Leere. Obwohl
die Marxisten-Leninisten auf Grund der Geschichte zweier Weltkriege
bereits bewiesen haben, daß ein Weltkrieg unvermeidlich Revolution
hervorruft, gibt es doch keinen einzigen Marxisten-Leninisten und wird
es auch niemals einen geben, der behauptet, daß die Revolution
unbedingt durch einen Weltkrieg herbeigeführt werden muß.
Für
Marxisten-Leninisten ist die Abschaffung von Kriegen das Ideal,
Marxisten-Leninisten sind überzeugt, daß Kriege abgeschafft werden können.
Aber
wie sollen Kriege abgeschafft werden?
Lenin
sah die Sache so: „Unser Ziel ist es, die sozialistische
Gesellschaftsordnung zu errichten, die nach Aufhebung der Teilung der
Menschheit in Klassen, nach Beseitigung jeder Ausbeutung des Menschen
durch den Menschen und einer Nation durch andere Nationen unbedingt jede
Möglichkeit von Kriegen überhaupt beseitigen wird.“[5]
Auch
in der Erklärung von 1960 wird sehr deutlich festgestellt: „Der Sieg
des Sozialismus in der ganzen Welt wird die sozialen und nationalen
Ursachen für die Entstehung jeglicher Kriege endgültig beseitigen.“
Trotzdem
sind gewisse Leute heute der Ansicht, daß man, obwohl das
imperialistische System und die Ausbeutung des Menschen durch den
Menschen noch fortbestehen, durch allgemeine, vollständige Abrüstung
„eine Welt ohne Waffen, ohne Armeen, ohne Kriege“ herbeiführen
kann. Das ist eine reine Illusion.
Die
elementarsten Begriffe des Marxismus-Leninismus sagen uns, daß Armeen
ein wichtiger Bestandteil der Staatsmaschinerie sind. Die sogenannte
Welt ohne Waffen und ohne Armeen kann deshalb nur eine Welt ohne Staaten
sein. Lenin hat gesagt: „Nur nachdem das Proletariat die Bourgeoisie
entwaffnet hat, kann es, ohne an seiner weltgeschichtlichen Aufgabe
Verrat zu üben, die Waffen zum alten Eisen werfen, was es auch ganz
sicher dann - aber nicht früher - tun wird.“[6]
Wie
sieht es nun mit den Realitäten in der Welt von heute aus? Gibt es auch
nur den Schatten eines Beweises, daß die imperialistischen Staaten mit
den USA an der Spitze zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung
bereit sind? Sind nicht alle und ausnahmslos mit der allgemeinen und
vollständigen Aufrüstung beschäftigt?
Wir
waren stets der Meinung, daß es, um die Aufrüstung und die
Kriegsvorbereitungen des Imperialismus zu entlarven und zu bekämpfen,
notwendig ist, Vorschläge zur allgemeinen Abrüstung zu unterbreiten.
Ja, es ist möglich, durch den gemeinsamen Kampf der Staaten des
sozialistischen Lagers und der Völker der ganzen Welt, den
Imperialismus zu zwingen, gewisse Abrüstungsabkommen anzunehmen.
Wenn
aber die allgemeine und vollständige Abrüstung als der grundlegendste
Weg zum Weltfrieden betrachtet wird, wenn die Illusion verbreitet wird,
daß der Imperialismus automatisch die Waffen niederlegen wird, und wenn
unter dem Vorwand der Abrüstung versucht wird, den revolutionären
Kampf der geknechteten Massen und unterdrückten Nationen zu
liquidieren, dann ist das ein wissentlicher Betrug an den Völkern der
ganzen Welt und Schützenhilfe für die imperialistische Aggressions-
und Kriegspolitik.
Um
die gegenwärtige ideologische Verwirrung in den Fragen von Krieg und
Frieden in der internationalen Arbeiterbewegung aus der Welt zu
schaffen, ist es, unserer Meinung nach, im Interesse des Kampfes gegen
die Aggressions- und Kriegspolitik des Imperialismus und für die
Wahrung des Weltfriedens, unumgänglich notwendig, die von den modernen
Revisionisten verworfenen Thesen Lenins wiederaufzunehmen.
Einen
neuen Weltkrieg zu verhüten ist die allgemeine Forderung der Völker
der ganzen Welt. Und es ist möglich, einen neuen Weltkrieg zu verhüten.
Die
Frage ist nun, was ist denn eigentlich der Weg, um den Weltfrieden zu
erringen? Vom Standpunkt des Leninismus kann der Weltfrieden nur durch
den Kampf der Völker aller Länder errungen, niemals aber vom
Imperialismus erbettelt werden. Der Weltfrieden kann mit Sicherheit nur
dann wirkungsvoll verteidigt werden, wenn wir uns auf die steigende
Macht des sozialistischen Lagers, die revolutionären Kämpfe des
Proletariats und der Werktätigen aller Länder, auf den Befreiungskampf
der unterjochten Nationen und den Kampf aller friedliebenden Völker und
Länder stützen.
Ebendas
ist leninistische Politik. Eine dem entgegenlaufende Politik kann
niemals zum Weltfrieden führen und wird nur die Raubgier des
Imperialismus reizen, die Gefahr eines Weltkrieges noch vergrößern.
In
den letzten Jahren bringen gewisse Leute das Argument vor, daß ein
winziger Funke von einem nationalen Befreiungs- oder revolutionären
Volkskrieg zu einem die ganze Menschheit vernichtenden Weltbrand führen
kann. Was sind die Tatsachen? Gerade im Gegenteil zu dem, was diese
Leute sagen, haben die zahlreichen nationalen Befreiungs- und revolutionären
Volkskriege seit dem zweiten Weltkrieg zu keinem Weltkrieg geführt. Die
in diesen revolutionären Kriegen errungenen Siege haben die Macht des
Imperialismus direkt geschwächt und die Kräfte, die den Imperialismus
an der Entfesselung eines neuen Weltkriegs hindern und den Weltfrieden
verteidigen können, beträchtlich verstärkt. Beweisen diese Tatsachen
nicht die Absurdität eines solchen Arguments?
15.
Das allseitige Verbot und die völlige Vernichtung der Kernwaffen ist
eine der wichtigen Aufgaben im Kampf zur Verteidigung des Weltfriedens.
Wir müssen dafür die größten Anstrengungen machen.
Kernwaffen
besitzen eine ungeheure Zerstörungskraft. Deshalb betreiben die
USA-Imperialisten seit über 10 Jahren ihre nukleare Erpressungspolitik
und suchen, ihre raubgierigen Pläne zur Versklavung der Völker der
ganzen Welt und Errichtung ihrer Weltherrschaft zu verwirklichen.
Aber
wenn die Imperialisten andere Länder mit Kernwaffen bedrohen, bedrohen
sie damit auch die Bevölkerung ihres eigenen Landes. So bringen sie ihr
eigenes Volk dazu, gegen Kernwaffen und die imperialistische
Aggressions- und Kriegspolitik anzukämpfen. Tatsächlich bringen sich
die Imperialisten auch mit ihren eitlen Hoffnungen auf Vernichtung ihrer
Gegner durch Kernwaffen selbst in Gefahr, vernichtet zu werden.
Die
Möglichkeit, Kernwaffen zu verbieten, besteht tatsächlich. Wenn sich
die Imperialisten gezwungen sehen sollten, ein Abkommen zum Verbot der
Kernwaffen anzunehmen, wird das auf keinen Fall ein Resultat ihrer
„Liebe zur Menschheit sein, sondern ein Resultat des Drucks, den die Völker
aller Länder auf sie ausüben, und weil es ihren eigenen Vorteil
bedeutet.
Im
Gegensatz zu den Imperialisten, stützen sich die sozialistischen Länder
auf die gerechte Kraft des Volkes und auf ihre eigene richtige Politik,
sie haben es durchaus nicht nötig, mit Kernwaffen in der Welt zu
hasardieren. Kernwaffen im Besitz der sozialistischen Staaten dienen
einzig und allein Zwecken der Verteidigung und um die Imperialisten
davon abzuhalten, einen Kernkrieg zu entfesseln.
Nach
Ansicht der Marxisten-Leninisten macht das Volk die Geschichte. In der
Gegenwart wie in der Vergangenheit ist der Mensch der entscheidende
Faktor. Marxisten-Leninisten billigen technischen Umgestaltungen eine
wichtige Rolle zu, es ist aber falsch, die Rolle des Menschen
herabzusetzen und die Rolle der Technik zu übertreiben.
Das
Erscheinen von Kernwaffen kann weder den Fortgang der
Menschheitsgeschichte aufhalten noch das imperialistische System vor
seinem Untergang retten, ebensowenig wie in der Vergangenheit neue
technische Erfindungen die alten, dem Untergang geweihten Systeme retten
konnten.
Das
Erscheinen von Kernwaffen hat die grundlegenden Widersprüche in der
heutigen Welt nicht gelöst und kann sie auch nicht lösen. Damit
haben sich auch nicht die Gesetzmäßigkeiten des Klassenkampfes geändert
und können sich auch nicht ändern, ebensowenig wie sich das Wesen des
Imperialismus und aller Reaktionäre geändert hat oder ändern kann.
Man
kann daher nicht sagen, daß durch das Erscheinen von Kernwaffen die Möglichkeit
und Notwendigkeit sozialer und nationaler Revolutionen bereits
verschwunden ist, daß die grundlegenden Theorien des
Marxismus-Leninismus, besonders die Theorien über die proletarische
Revolution und die proletarische Diktatur, über Krieg und Frieden
bereits überholt und zu abgestandenen „Dogmen“ geworden sind.
16.
Daß sozialistische Staaten mit kapitalistischen Ländern friedlich
koexistieren können, wurde zuerst von Lenin herausgestellt. Es ist
allgemein bekannt, daß, nachdem das große Sowjetvolk die ausländische
Intervention zerschlagen hatte, die KPdSU und die Sowjetregierung, unter
der Führung von Lenin und später von Stalin, eine konsequente Politik
der friedlichen Koexistenz verfolgten und erst nach dem Überfall der
deutschen Imperialisten gezwungen waren, einen Verteidigungskrieg zu führen.
Auch
die Volksrepublik China führt seit ihrer Gründung konsequent eine
Politik friedlicher Koexistenz mit Staaten unterschiedlicher
Gesellschaftsordnung durch und war auch der Initiator der Fünf
Prinzipien der friedlichen Koexistenz.
Seit
einigen Jahren aber rechnen plötzlich gewisse Leute die von Lenin
aufgestellte Politik der friedlichen Koexistenz zu ihren eigenen „großen
Entdeckungen“ und bilden sich ein, sie besäßen das Monopol auf die
Auslegung dieser Politik. Sie behandeln die „friedliche Koexistenz“,
als wäre sie ein allumfassendes, vom Himmel stammendes Buch mit sieben
Siegeln, dem alle Erfolge, alle Verdienste, die die Völker aller Länder
durch ihren Kampf errungen haben, zuzuschreiben sind. Alle, die mit
ihrer Verdrehung von Lenins Ideen nicht einverstanden sind, bezeichnen
sie als Gegner der friedlichen Koexistenz, als Menschen, die Lenin und
den Leninismus überhaupt nicht verstanden haben, als Ketzer, die auf
dem Scheiterhaufen verbrannt werden sollten.
Wie
können die chinesischen Kommunisten sich mit einem solchen Standpunkt
und einer solchen Handlungsweise einverstanden erklären? Nein, das ist
unmöglich!
Das
von Lenin aufgestellte Prinzip der friedlichen Koexistenz ist sehr klar
und kann auch von einfachen Menschen sehr leicht verstanden werden. Die
friedliche Koexistenz bezieht sich nur auf die Beziehungen zwischen
Staaten mit verschiedener Gesellschaftsordnung und darf nicht nach
Belieben ausgelegt werden. Friedliche Koexistenz darf niemals auf die
Beziehungen zwischen unterdrückten und unterdrückenden Nationen,
zwischen unterdrückten und unterdrückenden Staaten, zwischen unterdrückten
und unterdrückenden Klassen ausgedehnt werden. Die friedliche
Koexistenz darf nie als Hauptinhalt des Übergangs vom Kapitalismus zum
Sozialismus beschrieben werden. Noch weniger darf die friedliche
Koexistenz zum Weg, der die ganze Menschheit zum Sozialismus führt,
gemacht werden. Der Grund ist, daß friedliche Koexistenz zwischen
Staaten mit verschiedener Gesellschaftsordnung eine Sache für sich ist.
Es ist absolut unzulässig und unmöglich, daß Länder, die miteinander
in friedlicher Koexistenz leben, sich gegenseitig auch nur ein Härchen
ihres gesellschaftlichen Systems antasten. Der Klassenkampf, der
nationale Befreiungskampf und der Übergang vom Kapitalismus zum
Sozialismus in den verschiedenen Ländern jedoch sind eine völlig
andere Sache. Alle diese Kämpfe sind erbitterte revolutionäre Kämpf e
auf Leben und Tod, um die Gesellschaftsordnung zu verändern. Die
friedliche Koexistenz kann den revolutionären Kampf der Völker in
keiner Hinsicht ersetzen. Der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus
kann in jedem Staat nur durch die proletarische Revolution und die
proletarische Diktatur im eigenen Land erfolgen.
Bei
der Anwendung der Politik der friedlichen Koexistenz sind Kämpfe auf
politischem, wirtschaftlichem und ideologischem Gebiet zwischen den
sozialistischen und imperialistischen Staaten unvermeidlich, und eine
„allseitige Zusammenarbeit“ ist absolut unmöglich.
Daß
die sozialistischen Länder mit den imperialistischen Staaten über dies
und jenes verhandeln, ist notwendig. Auf die richtige Politik der
sozialistischen Länder und auf den Druck der Volksmassen aller Länder
gestützt, können auf dem Verhandlungswege gewisse Abkommen erreicht
werden. Aber gewisse notwendige Kompromisse zwischen den sozialistischen
und imperialistischen Staaten erfordern nicht, daß die unterdrückten Völker
und Nationen deshalb dem Imperialismus und seinen Lakaien auch Zugeständnisse
machen. Niemand kann jemals im Namen der friedlichen Koexistenz von den
unterdrückten Völkern und Nationen verlangen, ihren revolutionären
Kampf aufzugeben.
Die
von den sozialistischen Ländern verfolgte Politik der friedlichen
Koexistenz begünstigt die Schaffung einer friedlichen internationalen
Umwelt für den sozialistischen Aufbau, ist günstig, um die
imperialistische Aggressions- und Kriegspolitik aufzudecken und die
imperialistischen Angreifer und Kriegstreiber zu isolieren. Wenn aber
die Generallinie der Außenpolitik sozialistischer Staaten auf die
friedliche Koexistenz beschränkt wird, ist die richtige Behandlung der
Beziehungen zwischen sozialistischen Staaten ebenso unmöglich wie die
richtige Behandlung der Beziehungen der sozialistischen Staaten mit den
unterdrückten Völkern und Nationen. Deshalb ist es falsch, die
friedliche Koexistenz zur Generallinie der Außenpolitik sozialistischer
Staaten zu machen.
Unserer
Ansicht nach muß die Generallinie der Außenpolitik sozialistischer
Staaten folgende Punkte zum Inhalt haben: In Übereinstimmung mit den
Prinzipien des proletarischen Internationalismus, Beziehungen der
Freundschaft, gegenseitigen Hilfe und Zusammenarbeit mit den Ländern
des sozialistischen Lagers entwickeln; auf Grundlage der Fünf
Prinzipien die friedliche Koexistenz mit Ländern unterschiedlicher
Gesellschaftsordnung anstreben und die imperialistische Aggressions- und
Kriegspolitik bekämpfen; alle unterdrückten Völker und Nationen in
ihrem revolutionären Kampf unterstützen. Diese drei Dinge sind
miteinander untrennbar verbunden und kein einziges darf ausgelassen
werden.
17.
Auch nach der Machtergreifung durch das Proletariat ist Fortsetzung des
Klassenkampfs eine lange historische Zeitspanne hindurch immer noch eine
objektive, vom menschlichen Willen unabhängige Gesetzmäßigkeit. Nur
die Form des Klassenkampfes ist von der vor der Machtergreifung durch
das Proletariat verschieden.
Nach
der Oktoberrevolution hat Lenin wiederholt darauf hingewiesen:
a)
daß gestürzte Ausbeuter mit allen Mitteln versuchen, das ihnen
geraubte Paradies' wieder an sich zu reißen;
b)
daß die spontanen kleinbürgerlichen Kräfte ständig neue
kapitalistische Elemente hervorbringen;
c)
daß in den Reihen der Arbeiterklasse und unter den Funktionären des
Staatsapparates infolge des Einflusses der Bourgeoisie sowie
infolge der Einkreisung durch die spontanen
kleinbürgerlichen Kräfte und deren korrumpierende Wirkung entartete
Elemente und neue bürgerliche Elemente auftreten;
d)
daß die Einkreisung durch den Weltkapitalismus, die Drohung bewaffneter
Interventionen von seiten der Imperialisten und ihre Komplotte zur
friedlichen Zersetzung die äußeren Bedingungen für den Fortgang des
Klassenkampfes im sozialistischen Staat bilden.
Das
Leben hat diese Thesen Lenins als wahr erwiesen.
Jahrzehntelang
oder sogar eine noch längere Zeitspanne nach der sozialistischen
Industrialisierung und landwirtschaftlichen Kollektivierung wird es,
gleich in welchem sozialistischen Staat, unmöglich sein zu sagen, daß
die von Lenin wiederholt denunzierten Trabanten der Bourgeoisie,
Schmarotzer, Spekulanten, Hochstapler, Faulenzer, Banditen und
Staatskassenplünderer völlig verschwunden sind. Ebensowenig kann man
sagen, daß der sozialistische Staat die von Lenin gestellte Aufgabe,
„diese vom Kapitalismus dem Sozialismus hinterlassene Ansteckung,
diese Pest, dieses Geschwür“ zu beseitigen, bereits bewältigt oder
zu bewältigen nicht länger nötig hätte.
In
einem sozialistischen Staat kann die Frage, wer - der Sozialismus oder
der Kapitalismus - Sieger bleibt, erst über einen langen Zeitabschnitt
hinaus allmählich gelöst werden. Der Kampf zwischen dem
sozialistischen und dem kapitalistischen Weg zieht sich durch diese
ganze geschichtliche Periode hindurch. Dieser Kampf schwillt an und ebbt
ab wie die Gezeiten, manchmal wird er sogar sehr erbittert. Dieser Kampf
nimmt viele Formen an.
In
der Deklaration von 1957 wird treffend festgestellt, daß „die
Machtergreifung für die Arbeiterklasse erst der Beginn der Revolution
und nicht deren Vollendung ist.
Den
Klassenkampf in der Periode der proletarischen Diktatur und die
Notwendigkeit der gründlichen Durchführung der sozialistischen
Revolution auf wirtschaftlichem, politischem und ideologischem Gebiet zu
verneinen, ist falsch, steht mit den objektiven Tatsachen in Widerspruch
und verstößt gegen den Marxismus-Leninismus.
18.
Sowohl Marx wie auch Lenin waren der Meinung, daß die Zeitspanne vor
der höheren Stufe der kommunistischen Gesellschaft dem Übergang vom
Kapitalismus zum Kommunismus angehört, daß sie die Periode der
proletarischen Diktatur ist. In dieser Übergangsperiode macht die
proletarische Diktatur, das heißt der proletarische Staat, einen
dialektischen Prozeß der Errichtung, Festigung, des Starkwerdens und
allmählichen Absterbens durch.
Karl
Marx hat in seiner „Kritik des Gothaer Programms“ die Sache so
dargestellt: „Zwischen der kapitalistischen und der kommunistischen
Gesellschaft liegt die Periode der revolutionären Umwandlung der einen
in die andre. Der entspricht auch eine politische Übergangsperiode,
deren Staat nichts andres sein kann als die revolutionäre Diktatur des
Proletariats.“ [7]
Lenin
wies immer wieder auf die geniale Marxsche Theorie von der
proletarischen Diktatur hin. Vor allem in seinem hervorragenden Werk
„Staat und Revolution“ hat Lenin die Entwicklung der Marxschen
Theorie von der Diktatur des Proletariats analysiert. Er schrieb dort:
„Der Übergang von der kapitalistischen Gesellschaft, die sich zum
Kommunismus hin entwickelt, zur kommunistischen Gesellschaft ist unmöglich
ohne eine politische Übergangsperiode', und der Staat dieser Periode
kann nur die revolutionäre Diktatur des Proletariats sein.“ [8]
Lenin
sagte weiter: „Das Wesen der Marxschen Lehre vom Staat hat nur erfaßt,
wer begriffen hat, daß die Diktatur einer Klasse nicht nur schlechthin
für jede Klassengesellschaft notwendig ist, nicht nur für das
Proletariat, das die Bourgeoisie gestürzt hat, sondern auch für die
ganze historische Periode, die den Kapitalismus von der klassenlosen
Gesellschaft', vom Kommunismus, trennt.“ [9]
Diese
Zitate zeigen, daß die Grundidee von Marx und Lenin darin besteht, daß
in der ganzen historischen Periode vom Kapitalismus zum Kommunismus, das
heißt während der ganzen Zeit vor der Beseitigung aller
Klassenunterschiede und dem Eintritt in die höhere Phase der
kommunistischen Gesellschaft, die klassenlose Gesellschaft, die Diktatur
des Proletariats unvermeidlich weiter bestehen bleibt.
Was
geschieht, wenn auf halbem Weg die proletarische Diktatur als bereits
unnötig erklärt wird?
Steht
das nicht grundsätzlich in Widerspruch zu den Lehren von Marx und Lenin
über die Diktatur des Proletariats?
Wird
dadurch nicht die Ausbreitung jener „vom Kapitalismus dem Sozialismus
hinterlassenen Ansteckung, dieser Pest, dieses Geschwürs“ zugelassen?
Mit
anderen Worten, das würde die schwersten Folgen haben, und von einem Übergang
zum Kommunismus könnte überhaupt nicht mehr die Rede sein.
Kann
es einen „Staat des ganzen Volkes“ geben? Ist es möglich, den Staat
der Diktatur des Proletariats durch einen „Staat des ganzen Volkes“
zu ersetzen?
Diese
Frage ist keine Frage der Innenpolitik irgendeines Staats, sondern eine
Grundfrage, die die allgemeingültige Wahrheit des Marxismus-Leninismus
betrifft.
Für
Marxisten-Leninisten gibt es keinen klassenlosen oder über den Klassen
stehenden Staat. Der Staat, solange er Staat bleibt, muß
Klassencharakter tragen. Solange er als Staat besteht, kann er kein
„Staat des ganzen Volkes“ sein. Sobald es in einer Gesellschaft
keine Klassen gibt, wird es auch keinen Staat mehr geben.
Was
für ein Ding soll also der sogenannte „Staat des ganzen Volkes“
sein?
|Jeder
Mensch, der nur die geringsten Kenntnisse vom Marxismus-Leninismus hat,
weiß, daß der sogenannte „Staat des ganzen Volkes“ nichts Neues
ist. Repräsentanten der Bourgeoisie haben seit jeher den bürgerlichen
Staat als „Volksstaat“ oder als „Staat der Volksmacht“
bezeichnet.
Gewisse
Leute könnten behaupten, daß es bei ihnen bereits eine klassenlose
Gesellschaft gäbe. Wir antworten: Nein, in allen sozialistischen
Staaten ohne jede Ausnahme gibt es noch Klassen und Klassenkampf.
Da
es in diesen Staaten noch Reste der alten Ausbeuterklasse gibt, die ihr
Regime wiederherzustellen versuchen, da dort noch ständig neue bürgerliche
Elemente entstehen und da es dort noch immer Schmarotzer, Spekulanten,
Faulenzer, Gangster, Staatskassenplünderer und dergleichen gibt, wie
kann man da sagen, daß die Klassen und der Klassenkampf verschwunden
sind und die Diktatur des Proletariats bereits nicht mehr nötig ist?
Der
Marxismus-Leninismus lehrt uns: Neben der Unterdrückung der feindlichen
Klassen besteht die historische Aufgabe der proletarischen Diktatur während
des sozialistischen Aufbaus darin, die Beziehungen zwischen
Arbeiterklasse und Bauern richtig zu behandeln, das Bündnis der
Arbeiterklasse mit der Bauernschaft auf politischem und wirtschaftlichem
Gebiet zu festigen und die Vorbedingungen für die schrittweise
Beseitigung der Klassenunterschiede zwischen Arbeitern und Bauern zu
schaffen.
Von
der wirtschaftlichen Basis der sozialistischen Gesellschaft aus gesehen,
gibt es in allen sozialistischen Staaten ohne Ausnahme den Unterschied
zwischen Volkseigentum und Kollektiveigentum und auch noch
Einzelwirtschaft. Volkseigentum und Kollektiveigentum sind die beiden
Arten von Eigentum, die beiden Arten von Produktionsverhältnissen der
sozialistischen Gesellschaft. Die Arbeiter in den volkseigenen Betrieben
und die Bauern in den kollektiven Wirtschaften sind zwei verschiedene
Kategorien der Werktätigen in der sozialistischen Gesellschaft. Deshalb
gibt es in allen sozialistischen Staaten ohne Ausnahme
Klassenunterschiede zwischen Arbeitern und Bauern. Diese Unterschiede können
nur nach dem Übergang zur höheren Stufe des Kommunismus verschwinden.
In allen sozialistischen Staaten liegt das heutige Niveau der
wirtschaftlichen Entwicklung weit, weit unter dem der höheren Stufe des
Kommunismus mit deren Prinzip: Jeder nach seinen Fähigkeiten-jedem nach
seinen Bedürfnissen.“ Daher wird es noch sehr, sehr lange Zeit
dauern, bis die Klassenunterschiede zwischen Arbeitern und Bauern
beseitigt werden können. Solange diese Klassenunterschiede noch nicht
verschwunden sind, kann man von keiner klassenlosen Gesellschaft
sprechen und auch nicht davon, daß die Diktatur des Proletariats
bereits nicht mehr nötig wäre.
Wenn
man den sozialistischen Staat als „Staat des ganzen Volkes“
bezeichnet, bedeutet das nicht, daß man die bürgerlichen Theorien über
den Staat anstelle der marxistisch-leninistischen Theorie über den
Staat setzt? Bedeutet das nicht, einen Staat anderen Charakters anstelle
des Staats der Diktatur des Proletariats setzen?
Wenn
ja, dann ist das nichts anderes als ein großer geschichtlicher Rückschritt.
Die Entartung des gesellschaftlichen Systems in Jugoslawien stellt eine
ernste Lehre dar.
19.
Der Leninismus lehrt, daß in den sozialistischen Ländern die
proletarische Partei zusammen mit der Diktatur des Proletariats bestehen
muß. Die proletarische Partei ist für die gesamte historische Epoche
der Diktatur des Proletariats unentbehrlich, denn die Diktatur des
Proletariats muß die Feinde des Proletariats und des Volkes bekämpfen,
muß die Bauern und anderen Kleinproduzenten umerziehen und , die Reihen
des Proletariats ständig konsolidieren. Sie muß den Sozialismus
aufbauen und den Übergang zum Kommunismus bewerkstelligen. Ohne die Führung
der proletarischen Partei kann nichts von diesen Dingen erreicht werden.
Kann
es eine „Partei des ganzen Volkes“ geben? Ist es möglich, die
Partei der Avantgarde des Proletariats durch eine „Partei des ganzen
Volkes“ zu ersetzen? Auch das ist keine Frage, die die inneren
Angelegenheiten irgendeiner Partei betrifft, sondern eine Grundfrage,
die ebenfalls auf die allgemeingültige Wahrheit des
Marxismus-Leninismus Bezug hat.
Für
Marxisten-Leninisten gibt es keine klassenlose, keine über den Klassen
stehende Partei. Alle Parteien haben Klassencharakter. Parteilichkeit
ist der konzentrierte Ausdruck des Klassencharakters.
Die
proletarische Partei ist als einzige imstande, die Interessen des ganzen
Volkes zu vertreten. Und dieses eben aus dem Grund, daß sie die
Interessen des Proletariats vertritt, dessen Ideen und dessen Willen
sich in ihr kristallisiert haben. Diese Partei ist imstande, das ganze
Volk zu führen, weil das Proletariat sich letztlich nur dann befreien
kann, wenn es die gesamte Menschheit befreit hat; weil sie ihrer
proletarischen Natur gemäß an alle Probleme vom Standpunkt der gegenwärtigen
und künftigen Interessen des Proletariats herangeht; weil sie dem Volk
gegenüber unbegrenzte Treue und größten Aufopferungsgeist zeigt und
aus ebendiesem Grund ihr System des demokratischen Zentralismus und ihre
eiserne Disziplin aufgerichtet hat. Ohne eine solche Partei ist es unmöglich,
die Diktatur des Proletariats aufrechtzuerhalten und die Interessen des
ganzen Volks zu vertreten.
Was
wird geschehen, wenn noch vor dem Eintritt in die höhere Phase des
Kommunismus auf halbem Weg die Partei des Proletariats bereits als
„Partei des ganzen Volkes“ erklärt und ihr proletarischer
Klassencharakter geleugnet wird?
Ist
das nicht ein grundlegender Verstoß gegen die Lehren von Marx und Lenin
über die Partei des Proletariats?
Werden
dadurch nicht das Proletariat und alle Werktätigen organisatorisch und
ideologisch entwaffnet, und ist das nicht das gleiche, wie bei der
Wiederherstellung des Kapitalismus Hilfe zu leisten?
Bedeutet
nicht unter diesen Umständen das Gerede vom Übergang zum Kommunismus
soviel wie „nach Süden zu fahren, während der Wagen nach Norden
gerichtet ist“?
In
den letzten Jahren haben gewisse Leute gegen die in sich geschlossene
Lehre Lenins über die Wechselbeziehungen zwischen Führer, Partei,
Klasse und Masse verstoßen und die Frage vom „Kampf gegen den
Personenkult“ aufgeworfen, was falsch und schädlich ist.
In
dieser Frage stellte Lenin die Lehre auf:
a)
Die Massen teilen sich in Klassen;
b)
Die Klassen werden gewöhnlich von politischen Parteien geführt;
c)
Die politischen Parteien werden in der Regel von mehr oder minder
stabilen Gruppen der autoritativsten, einflußreichsten, erfahrensten,
auf die verantwortungsvollsten Posten gestellten
Personen geleitet, die man Führer nennt.
Lenin
sagte: „Das alles sind Binsenwahrheiten.“
Die
Partei des Proletariats stellt das Hauptquartier in der Revolution und
im Kampf des Proletariats dar. Jede proletarische Partei muß sich eines
auf Demokratie gegründeten Zentralismus befleißigen und eine starke
marxistisch-leninistische Führung aufbauen, ehe sie zur organisierten
und kampffähigen Vorhut wird. Die Frage vom „Kampf gegen den
Personenkult“ aufzuwerfen führt in Wirklichkeit dazu, die Führer zu
den Massen in Opposition zu bringen, die auf dem System des
demokratischen Zentralismus basierende einheitliche Führung der Partei
zu untergraben, die Kampfkraft der Partei zu lähmen und ihre Reihen zu
zersetzen.
Die
Führer zu den Massen in Opposition zu bringen, diese falsche Anschauung
kritisierte Lenin als „lächerlichen Unsinn und dummes Zeug“.
Die
Kommunistische Partei Chinas ist seit jeher dagegen, die Rolle des
Einzelnen zu übertreiben. Sie befürwortet den demokratischen
Zentralismus in der Partei und hält sich daran. Sie befürwortet die
Verbindung der Führer mit den Massen und ist der Ansicht, daß die Führung
nur dann korrekt ist, wenn sie es versteht, die Anschauungen der Massen
zu konzentrieren.
Mit
ihrem lauten Geschrei über „Kampf gegen den Personenkult“
verunglimpfen gewisse Leute in Wirklichkeit mit allen Mitteln die
proletarische Partei und die Diktatur des Proletariats. Zugleich übertreiben
sie bei weitem die Rolle, die gewisse Personen spielen, schieben anderen
alle Fehler zu und rechnen sich selbst alle Verdienste an.
Noch
schlimmer ist, daß gewisse Leute unter dein Vorwand, „den
Personenkult zu bekämpfen“, sich auf plumpste Weise in die inneren
Angelegenheiten von Bruderparteien und -ländern einmischen, bei
Bruderparteien einen Wechsel in der Führung mit Gewalt durchsetzen, um
ihre eigene falsche Linie den Bruderparteien aufzuzwingen. Was ist das
alles, wenn nicht Großmacht-Chauvinismus, Sektierertum und Spaltertum?
Was ist es, wenn nicht Umstürzlertum?
Es
ist höchste, Zeit, daß man die vollständige Lehre Lenins über die
Wechselbeziehungen zwischen Führer, Partei, Klasse und Masse
gewissenhaft und umfassend unter die Leute bringt.
21.
Die Beziehungen zwischen den sozialistischen Ländern sind
internationale Beziehungen neuer Art. Diese Beziehungen zwischen den
sozialistischen Ländern, ganz gleich, ob zwischen großen oder kleinen,
zwischen wirtschaftlich hochentwickelten oder minderentwickelten, müssen
auf den Prinzipien der völligen Gleichberechtigung, Achtung der
territorialen Integrität, Souveränität und Unabhängigkeit und der
gegenseitigen Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten beruhen.
Sie müssen auch, entsprechend den Prinzipien des proletarischen
Internationalismus, auf gegenseitiger Unterstützung und Hilfe basieren.
Jedes
sozialistische Land muß sich beim Aufbau hauptsächlich auf seine
eigenen Kräfte stützen.
Jedes
sozialistische Land muß in erster Linie, den konkreten Bedingungen
seines eigenen Landes entsprechend und gestützt auf die fleißige
Arbeit und die Begabung seines Volkes, alle vorhandenen Ressourcen voll
und planmäßig aus nutzen und sein ganzes Potential in den Dienst des
sozialistischen Aufbaus stellen. Nur so kann der Aufbau des Sozialismus
wirksam vorangetrieben werden und die Wirtschaft sich schnell
entwickeln.
Das
ist der einzige Weg, auf dem jedes sozialistische Land die Macht des
gesamten sozialistischen Lagers stärken und die revolutionäre Sache
des internationalen Proletariats in größerem Maß unterstützen kann.
Die Richtlinie beim Aufbau, sich hauptsächlich auf die eigenen Kräfte
zu stützen, ist daher ein konkreter Ausdruck des proletarischen
Internationalismus.
Wenn
ein sozialistischer Staat nur von seinen eigenen Teilinteressen ausgeht
und einseitig von anderen Bruderländern fordert, sich seinen Bedürfnissen
zu fügen; wenn er Worte wie Kampf gegen „Einzelgängertum“ und
gegen „Nationalismus“ zum Vorwand nimmt, um andere Bruderländer
davon abzuhalten, die Richtlinie, sich beim Aufbau hauptsächlich auf
die eigenen Kräfte zu stützen, zu befolgen; wenn er dagegen ist, daß
Bruderländer auf der Grundlage der Selbständigkeit ihre Wirtschaft
entwickeln oder wenn er anderen Bruderländern gegenüber sogar
wirtschaftlichen Druck anwendet, so ist das alles der reine Ausdruck von
nationalem Egoismus.
Für
sozialistische Länder ist es eine absolute Notwendigkeit, sich auf
wirtschaftlichem Gebiet gegenseitig zu helfen, zusammenzuarbeiten und
Waren auszutauschen. Eine solche wirtschaftliche Zusammenarbeit muß die
Prinzipien der völligen Gleichberechtigung, des gegenseitigen Nutzens
und der gegenseitigen kameradschaftlichen Hilfe zur Grundlage haben.
Diese
Grundprinzipien abzuleugnen und unter dem Vorwand einer
„internationalen Arbeitsteilung“ und „Spezialisierung“ anderen
den eigenen Willen aufzuzwingen, die Selbständigkeit und Souveränität
von Bruderländern zu verletzen und den Interessen ihrer Völker zu
schaden, das ist Großmacht-Chauvinismus.
Noch
unsinniger wäre es, wenn sozialistische Länder in ihren gegenseitigen
Beziehungen genau so wie die kapitalistischen Länder verfahren -
Profite auf Kosten anderer zu ziehen, oder wenn man sogar soweit ginge,
die von den monopolkapitalistischen Gruppen im Kampf um Absatzmärkte
und zur Teilung von Profiten eingeführte „wirtschaftliche
Integration“ und den „Gemeinsamen Markt“ als Vorbilder für die
sozialistischen Länder in ihrer wirtschaftlichen Zusammenarbeit und
gegenseitigen Hilfe zu nehmen.
22.
In der Moskauer Deklaration von 1957 und in der Moskauer Erklärung von
1960 sind die Prinzipien für die Beziehungen zwischen Bruderparteien
und Bruderländern festgelegt, nämlich: das Prinzip der Solidarität;
das Prinzip des gegenseitigen Beistands und der gegenseitigen Hilfe; das
Prinzip der Selbständigkeit und Gleichberechtigung; und das Prinzip,
Einmütigkeit durch Beratungen zu erreichen-all das auf der Grundlage
des Marxismus-Leninismus und des proletarischen Internationalismus.
Wir
bemerken, daß es im Brief des ZK der KPdSU vom 30. März heißt, daß
es in der kommunistischen Bewegung keine „höher stehenden“ und
„untergeordneten“ Parteien gibt, daß alle kommunistischen Parteien
selbständig und gleichberechtigt sind und daß alle ihre Beziehungen
auf der Grundlage des proletarischen Internationalismus und des
gegenseitigen Beistands aufgebaut sein müssen.
Es
ist eine schätzenswerte Eigenschaft der Kommunisten, daß bei ihnen
Wort und Tat eins sind. Der einzig richtige Weg zur Wahrung und Stärkung
der Geschlossenheit unter den Bruderparteien ist, daß man nicht nur in
Worten, sondern, was noch viel wichtiger ist, in Taten an den Prinzipien
des proletarischen Internationalismus festhält, anstatt gegen sie zu
verstoßen, daß man wirklich an den Grundsätzen für die gegenseitigen
Beziehungen zwischen den Bruderparteien festhält, anstatt sie zu
verletzen.
Werden
die Prinzipien der Selbständigkeit und Gleichberechtigung in den
Beziehungen zwischen Bruderparteien anerkannt, dann kann es keiner
Bruderpartei erlaubt sein, sich über andere zu erheben, sich in die
Angelegenheiten anderer einzumischen und in den Beziehungen zwischen
Bruderparteien patriarchalische Methoden anzuwenden.
Wenn
zugegeben wird, daß es in den Beziehungen zwischen Bruderparteien keine
„höher stehenden“ und „untergeordneten“ Parteien gibt, dann ist
es nicht zulässig, daß eine Partei ihr eigenes Programm, ihre eigenen
Beschlüsse, ihre eigene Linie als „gemeinsames Programm“ der
internationalen kommunistischen Bewegung ausgibt und den anderen
Bruderparteien aufzwingt.
Wenn
für die Beziehungen von Bruderparteien das Prinzip der Einmütigkeit
durch Beratungen angenommen wird, dann darf nicht darauf gepocht werden,
„wer in der Mehrheit ist“, oder „wer in der Minderheit ist“,
dann darf man nicht, mit Berufung auf die sogenannte Mehrheit, seine
eigene falsche Linie durchdrücken und eine Politik des Sektierer- und
Spaltertums verfolgen.
Wenn
akzeptiert wird, Differenzen zwischen Bruderparteien durch interne
Konsultationen zu klären, dann darf man nicht den eigenen Parteitag
oder den Parteitag anderer Parteien, die Reden von Parteiführern,
Beschlüsse, Erklärungen usw. dazu benutzen, um Bruderparteien öffentlich
und mit Namen anzugreifen. Erst recht dürfen ideologische Differenzen
zwischen Bruderparteien nicht auf staatliche Beziehungen ausgedehnt
werden.
Heute,
da in der internationalen kommunistischen Bewegung Differenzen bestehen,
halten wir es für besonders wichtig, die Notwendigkeit einer strikten
Befolgung der in den beiden Moskauer Erklärungen festgelegten
Prinzipien für die Beziehungen zwischen Bruderparteien zu betonen.
In
den Beziehungen zwischen Bruderparteien und -ländern sticht die Frage
der Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Albanien im Augenblick
besonders hervor. Hier geht es um die Frage, was ist die richtige Art,
eine Bruderpartei, ein Bruderland zu behandeln, und ob die Prinzipien für
die Beziehungen zwischen Bruderparteien und -ländern, wie sie in den
beiden Moskauer Erklärungen festgelegt sind, befolgt werden sollen oder
nicht. Die richtige Lösung dieser Frage ist für die Wahrung der
Einheit des sozialistischen Lagers, der Einheit der internationalen
kommunistischen Bewegung von prinzipieller Bedeutung.
Wie
man eine marxistisch-leninistische Bruderpartei, die Partei der Arbeit
Albaniens, behandelt, ist eine Sache. Wie man sich der jugoslawischen
revisionistischen Clique, den Verrätern am Marxismus-Leninismus, gegenüber
verhält, ist eine völlig andere Sache. Diese zwei ihrem Wesen nach völlig
verschiedenen Fragen dürfen auf keinen Fall einander gleichgesetzt
werden.
Einerseits
schreibt Ihr in Eurem Brief, daß Ihr „nicht von dem Gedanken abgeht,
daß die Beziehungen zwischen der KPdSU und der PAA verbessert werden können“;
andererseits greift Ihr die albanischen Genossen von neuem wegen ihrer
angeblichen „Spaltertätigkeit“ an. Das ist offensichtlich ein
Widerspruch in sich selbst und trägt in keiner Weise zur Lösung der
Frage der Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Albanien bei.
Wer
ist es denn eigentlich, der in den Beziehungen zwischen der Sowjetunion
und Albanien Spaltertätigkeit unternommen hat?
Wer
ist es denn, der die ideologischen Differenzen zwischen der sowjetischen
und der albanischen Partei auf die staatlichen Beziehungen übertragen
hat?
Wer
ist es denn, der Differenzen zwischen den beiden Parteien und den beiden
Staaten, Sowjetunion und Albanien, in die Öffentlichkeit gebracht und
den Augen des Feindes preisgegeben hat?
Wer
ist es denn, der offen zu Änderungen in der Führung der Partei und in
der Führung des Staates von Albanien aufgerufen hat?
All
das liegt klar und deutlich vor der ganzen Welt.
Fühlen
sich die führenden Genossen der KPdSU wirklich nicht dafür
verantwortlich, daß sich die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und
Albanien bislang so sehr verschlechtert haben?
Wir
mochten erneut unsere aufrichtige Hoffnung zum Ausdruck bringen, daß
die leitenden Genossen der KPdSU die Prinzipien für die Beziehungen
zwischen Bruderparteien und -ländern befolgen, die Initiative ergreifen
und nach einem wirksamen Mittel zur Verbesserung der Beziehungen
zwischen der Sowjetunion und Albanien suchen werden.
Auf
jeden Fall, wie die Beziehungen zwischen Bruderparteien und -ländern
behandelt werden, ist eine ernst zu nehmende Frage. Die Prinzipien für
die Beziehungen zwischen Bruderparteien und -ländern genau zu befolgen,
das ist die einzige Antwort auf die Verleumdungen, die Imperialisten und
Reaktionäre über die „Hand Moskaus“ u. dgl. ausstreuen.
Proletarischer
Internationalismus muß von jeder Partei verlangt werden, von jeder
Partei ohne Ausnahme ob sie groß oder klein, ob sie an der Macht ist
oder nicht. Aber große Parteien und Parteien an der Macht tragen dabei
eine besonders schwere Verantwortung. Die schmerzlichen Ereignisse in
letzter Zeit im sozialistischen Lager haben nicht nur die Interessen der
betreffenden Bruderparteien, sondern auch die der Volksmassen in diesen
Ländern geschädigt. Diese Tatsache ist ein schlagender Beweis dafür,
daß die großen Staaten und Parteien das Vermächtnis Lenins ständig
im Auge halten müssen, unter keinen Umständen den Fehler des Großmacht-Chauvinismus
zu begehen.
Die
Genossen der KPdSU erklären in ihrem Brief, daß „die KPdSU niemals
auch nur einen einzigen Schritt getan hat oder tun wird, der bei den Völkern
unseres Landes feindselige Gefühle gegen das chinesische Brudervolk
oder andere Völker hervorrufen könnte“. Wir möchten hier nicht auf
viele unerfreuliche Vorkommnisse der vergangenen Periode zurückkommen
und diese aufzählen. Wir hoffen nur, daß die Genossen der KPdSU in
ihren künftigen Handlungen diese Erklärung streng befolgen werden.
Angesichts
einer Reihe von schwerwiegenden Vorkommnissen, die Verstöße gegen die
Prinzipien für die Beziehungen zwischen Bruderparteien und -ländern
darstellten, und trotz den vielen Schwierigkeiten und Verlusten, die uns
aufgezwungen wurden, haben sich unsere Parteigenossen und unser Volk in
den letzten Jahren äußerste Zurückhaltung auferlegt. Der Geist des
proletarischen Internationalismus der chinesischen Kommunisten und des
chinesischen Volkes hat eine schwere Prüfung bestanden.
Die
Kommunistische Partei Chinas bleibt dem proletarischen
Internationalismus unabänderlich treu, befolgt und verteidigt die in
der Deklaration von 1957 und in der Erklärung von 1960 festgelegten
Prinzipien für die Beziehungen zwischen Bruderparteien und Bruderländern,
sie wahrt und stärkt die Einheit des sozialistischen Lagers und der
internationalen kommunistischen Bewegung.
23.
Um das von den Bruderparteien einhellig vereinbarte gemeinsame Programm
der internationalen kommunistischen Bewegung zu verwirklichen, muß ein
kompromißloser Kampf gegen den Opportunismus jeder Art, diese
Abweichung vom Marxismus-Leninismus, geführt werden.
In
der Deklaration und der Erklärung wird darauf hingewiesen, daß die
Hauptgefahr in der internationalen kommunistischen Bewegung der
Revisionismus, mit anderen Worten, der Rechtsopportunismus bleibt. Der
jugoslawische Revisionismus ist ein typisches Beispiel des modernen
Revisionismus.
In
der Erklärung wird betont:
“Die
kommunistischen Parteien haben die jugoslawische Spielart des
internationalen Opportunismus, die einen konzentrierten Ausdruck
der Theorien' der modernen Revisionisten
darstellt, einmütig verurteilt.“
In
der Erklärung heißt es weiter:
“Die
Führer des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens, die den
Marxismus-Leninismus verrieten, indem sie ihn für veraltet erklärten,
haben der Erklärung von 1957 ihr antileninistisches revisionistisches
Programm entgegengestellt. Sie haben den BdKJ der gesamten
kommunistischen Weltbewegung entgegengestellt, ihr Land vom
sozialistischen Lager losgerissen, es von der sogenannten Hilfe der
amerikanischen und anderen Imperialisten abhängig gemacht
Und
weiter:
„Die
jugoslawischen Revisionisten betreiben eine Wühlarbeit gegen das
sozialistische Lager und die kommunistische Weltbewegung. Unter dem
Vorwand einer blockfreien Politik entfalten sie eine Tätigkeit, die der
Einheit aller friedliebenden Kräfte und Staaten Abbruch tut.“
Daher
wird in der Erklärung die Schlußfolgerung gezogen:
„Die
weitere Entlarvung der Führer der jugoslawischen Revisionisten und der
aktive Kampf dafür, die kommunistische Bewegung wie auch die
Arbeiterbewegung gegen die antileninistischen Ideen der jugoslawischen
Revisionisten abzuschirmen, ist nach wie vor eine unerläßliche Aufgabe
der marxistisch-leninistischen Parteien.“
Die
hier aufgeworfene Frage ist eine wichtige prinzipielle Frage für die
internationale kommunistische Bewegung.
Erst
vor kurzem noch hat die Tito-Clique öffentlich erklärt, daß sie ihr
revisionistisches Programm und ihren antimarxistisch-antileninistischen
Standpunkt den beiden Moskauer Erklärungen entgegen beibehält.
Über
lange Zeit hinaus haben die USA-Imperialisten und ihre NATO-Partner
einige Milliarden US-Dollar ausgegeben, um die Tito-Clique großzuziehen.
Mit dem Mantel des „Marxismus-Leninismus“ angetan und unter dem
Banner eines „sozialistischen Staats“, unterminiert die Tito-Clique
als Sondertrupp des USA-Imperialismus die internationale kommunistische
Bewegung und die revolutionäre Sache der Völker der ganzen Welt.
Behauptungen,
daß sich „gewisse positive Tendenzen“ in Jugoslawien bemerkbar
machten, daß Jugoslawien „ein sozialistischer Staat“ sei und daß
die Tito-Clique „eine antiimperialistische Kraft“ darstelle, stehen
mit den Tatsachen völlig in Widerspruch, für solche Behauptungen gibt
es nicht die geringste Begründung.
Heute
versuchen gewisse Leute, die jugoslawische revisionistische Clique in
die sozialistische Gemeinschaft und in die Reihen der internationalen
kommunistischen Bewegung einzuführen. Das heißt, die auf der Beratung
der Bruderparteien von 1960 einmütig erreichte Vereinbarung offen zu
zerreißen. Das ist absolut unstatthaft.
In
den letzten Jahren haben die revisionistischen Gedankenströmungen, die
die internationale Arbeiterbewegung überfluteten, haben die vielen
Erfahrungen und zahlreichen Lehren der internationalen kommunistischen
Bewegung die Richtigkeit der Feststellung in den beiden Moskauer Erklärungen,
daß der Revisionismus die Hauptgefahr in der gegenwärtigen
internationalen kommunistischen Bewegung bildet, voll und ganz bewiesen.
Es
gibt jedoch Leute, die offen behaupten, die Hauptgefahr sei nicht der
Revisionismus, sondern der Dogmatismus, oder die sagen, der Dogmatismus
bilde keine geringere Gefahr als der Revisionismus, usw., usf. Auf
welchen Grundsätzen baut sich all das auf?
Ein
standhafter Marxist-Leninist, eine echte marxistisch-leninistische
Partei muß Prinzipien den ersten Platz einräumen. Mit Prinzipien darf
nicht Schacher getrie4en werden, man darf nicht bald diesem, bald jenem
zustimmen, bald für diese und bald für jene Meinung eintreten.
Um
die Reinheit des Marxismus-Leninismus und den prinzipiellen Standpunkt
der beiden Moskauer Erklärungen zu verteidigen, werden die chinesischen
Kommunisten, zusammen mit allen Marxisten-Leninisten, ihren unversöhnlichen
Kampf gegen den modernen Revisionismus fortsetzen.
Gleichzeitig
mit der Bekämpfung des Revisionismus, der Hauptgefahr in der
internationalen kommunischen Bewegung, müssen die Kommunisten auch
gegen den Dogmatismus ankämpfen.
In
der Deklaration von 1957 wird festgestellt, die proletarischen Parteien
„müssen strikt am Prinzip der Verbindung der allgemeingültigen
Wahrheit des Marxismus-Leninismus mit der konkreten Praxis der
Revolution und des Aufbaus in ihren Ländern festhalten“.
Das
heißt:
Einerseits
muß man zu jeder Zeit an der allgemeingültigen Wahrheit des
Marxismus-Leninismus festhalten. Tut man das nicht, dann wird man in den
Fehler des Rechtsopportunismus oder des Revisionismus verfallen.
Andererseits
muß man ständig von der Praxis des Lebens ausgehen, mit den Massen
engen Kontakt halten, die Erfahrungen aus dem Kampf der Volksmassen ständig
zusammenfassen und selbständig politische und taktische Richtlinien
festlegen und befolgen, die den Umständen des eigenen Landes
entsprechen. Tut man das nicht, sondern schreibt die politischen und
taktischen Richtlinien von anderen kommunistischen Parteien ab, folgt
blindlings den Diktaten anderer und nimmt, ohne sie zu prüfen, das
Programm und die Beschlüsse einer anderen kommunistischen Partei als
die eigenen Richtlinien an, dann wird man in den Fehler des Dogmatismus
verfallen.
Heute
haben gewisse Leute diesem bereits in der Deklaration von 1957
festgelegten elementaren Prinzip den Rücken gekehrt. Unter dem Vorwand
einer „schöpferischen Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus“
werfen sie die allgemeingültigen Wahrheiten des Marxismus-Leninismus über
Bord. Ihre eigenen Rezepte, die auf nichts als ihren eigenen subjektiven
Mutmaßungen beruhen, die nichts mit der Wirklichkeit und den Massen zu
tun haben, beschreiben sie als „universale marxistisch-leninistische
Wahrheiten“, und zwingen andere, diese Rezepte bedingungslos
anzunehmen.
Die
vielen schwerwiegenden Erscheinungen in der heutigen internationalen
kommunistischen Bewegung sind auf ebendiese Weise entstanden.
24.
Eine der wichtigsten Erfahrungen in der internationalen kommunistischen
Bewegung ist, daß die Entwicklung und der Sieg einer Revolution vom
Bestehen einer proletarischen revolutionären Partei abhängen.
Es
muß eine revolutionäre Partei geben. Es muß eine revolutionäre
Partei geben, die den revolutionären Theorien und dem revolutionären
Arbeitsstil des Marxismus-Leninismus entsprechend aufgebaut ist.
Es
muß eine revolutionäre Partei geben, die es versteht, die allgemeingültige
Wahrheit des Marxismus-Leninismus mit der konkreten Praxis der
Revolution im eigenen Land zu verbinden.
Es
muß eine revolutionäre Partei geben, die es versteht, enge Bindungen
der Führung mit den Volksmassen herzustellen.
Es
muß eine revolutionäre Partei geben, die der Wahrheit die Treue hält,
die ihre Fehler korrigiert, die Kritik und Selbstkritik zu üben
versteht.
Nur
eine solche revolutionäre Partei kann das Proletariat und die
Volksmassen zum Sieg über den Imperialismus und seine Lakaien führen,
den endgültigen Sieg in der nationaldemokratischen Revolution, den Sieg
in der sozialistischen Revolution erringen.
Wenn
eine Partei keine proletarisch-revolutionäre, sondern eine bürgerlich-reformistische
Partei ist,
wenn
sie keine marxistisch-leninistische Partei, sondern eine
revisionistische Partei ist,
wenn
sie nicht der Vortrupp des Proletariats ist, sondern eine Partei, die
hinter der Bourgeoisie herhinkt,
wenn
sie keine Partei ist, die die Interessen des Proletariats und der Massen
der Werktätigen, sondern eine Partei, die die Interessen der
Arbeiteraristokratie vertritt,
wenn
sie keine internationalistische Partei, sondern eine nationalistische
Partei ist,
wenn
eine Partei nicht imstande ist, selbständig zu denken, ihren eigenen
Kopf zu benutzen, nach gewissenhafter Untersuchung undAnalyse die
exakten Tendenzen aller Klassen im eigenen Land genau zu erkennen, die
allgemeingültige Wahrheit des Marxismus-Leninismus richtig anzuwenden
und diese Wahrheit mit der konkreten Praxis im eigenen Land zu
verbinden, sondern wenn sie eine Partei ist, die alles anderen
nachplappert, ohne irgendwelche Überprüfung ausländische Erfahrungen
abschreibt, nach dem Befehlsstab gewisser Leute im Ausland tanzt und zu
einem Gemisch von Revisionismus und Dogmatismus und allem anderen außer
marxistisch-leninistischen Prinzipien geworden ist,dann ist eine solche
Partei absolut unfähig, das Proletariat und die Volksmassen im
revolutionären Kampf zu führen, absolut unfähig, den Sieg in der
Revolution zu erringen, absolut unfähig, die große historische Aufgabe
des Proletariats zu erfüllen.
Das
ist eine Frage, die sich Marxisten-Leninisten, klassenbewußte Arbeiter
und fortschrittliche Menschen in allen Ländern gründlich überlegen müssen.
25.
Es ist die Pflicht aller Marxisten-Leninisten, angesichts der
Differenzen innerhalb der internationalen kommunistischen Bewegung
zwischen Richtigem und Falschem zu unterscheiden. Im gemeinsamen
Interesse der Geschlossenheit im Kampf gegen den Feind treten wir stets
dafür ein, auf dem Weg interner Konsultationen Probleme zu lösen, wir
sind dagegen, Meinungsverschiedenheiten vor den Augen der Feinde
aufzudecken.
Den
Genossen der KPdSU ist bekannt, daß die gegenwärtige offene Polemik in
der internationalen kommunistischen Bewegung von den Führern gewisser
Bruderparteien provoziert, daß sie uns aufgezwungen wurde.
Da
eine offene Debatte provoziert wurde, kann sie nur auf der Grundlage der
Gleichberechtigung aller Bruderparteien, in demokratischer Weise, an
Hand von Tatsachen und Begründungen geführt werden.
Wir
sind der Meinung, daß gewisse Parteiführer, die andere Bruderparteien
offen angegriffen und die Differenzen in die Öffentlichkeit getragen
haben, weder Grund noch Recht haben, den angegriffenen Bruderparteien zu
verbieten, ihnen eine öffentliche Antwort zu geben.
Da
gewisse Parteiführer zahlreiche Artikel veröffentlicht haben, in denen
sie andere Bruderparteien angreifen, warum veröffentlichen sie dann
nicht die Antworten dieser Bruderparteien in ihrer Presse?
In
der letzten Zeit sah sich die Kommunistische Partei Chinas den lächerlichsten
Angriffen ausgesetzt. Diese Angreifer machen das größte Geschrei,
verdrehen die Tatsachen und überschütten uns mit den phantastischsten
Anschuldigungen. Wir haben diese Artikel und Reden mit Angriffen gegen
uns in unserer Presse veröffentlicht.
Auch
das Referat des Regierungschefs der Sowjetunion auf der Tagung des
Obersten Sowjets vom 12. Dezember 1962, der redaktionelle Artikel der
„Prawda“ vom 7. Januar 1963, die Rede des Delegationsleiters der
KPdSU auf dem VI. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei
Deutschlands vom 16. Januar 1963 und der redaktionelle Artikel der „Prawda“-
vom 10. Februar 1963 wurden im vollen Wortlaut in unseren Zeitungen veröffentlicht.
Die
beiden Briefe des ZK der KPdSU vom 21. Februar bzw. 30. März 1963 haben
wir ebenfalls im vollen Wortlaut veröffentlicht.
Auf
manche der uns angreifenden Artikel und Reden gewisser Bruderparteien
haben wir bereits geantwortet, auf manche noch nicht. Zum Beispiel haben
wir auf viele Artikel und Reden von Genossen der KPdSU noch keine
direkte Antwort gegeben.
Vom
15. Dezember 1962 bis zum 8. März 1963 haben wir in sieben Artikeln
unseren Angreifern geantwortet. Diese Artikel tragen folgende Überschriften:
“Proletarier
aller Länder, vereinigt euch gegen den gemeinsamen Feind!“
“Die
Differenzen zwischen Genossen Togliatti und uns“
“Leninismus
und moderner Revisionismus“
“Schließen
wir uns auf der Grundlage der beiden Moskauer Erklärungen zusammen!“
“Woher
die Differenzen? -Antwort an Maurice Thorez und andere Genossen“
„Mehr über die Differenzen zwischen Genossen Togliatti und uns - zu
einigen wichtigen Problemen des Leninismus in der Gegenwart“
“Ein
Kommentar zur Erklärung der Kommunistischen Partei der USA“.
Ihr
meint wohl diese Artikel, wenn Ihr am Schluß Eures Briefes vom 30. März
die chinesische Presse beschuldigt, „unbegründete Angriffe“ auf die
KPdSU gemacht zu haben. Unsere Antwort an die Angreifer in diesen
Artikeln nennt Ihr „Angriffe“. Das ist eine völlige Verdrehung der
Tatsachen.
Da
Ihr unsere Artikel für „unbegründet“ und so schlecht haltet, warum
veröffentlicht Ihr nicht alle diese sieben „unbegründeten
Angriffe“, ebenso wie wir Eure Artikel veröffentlicht haben, damit
alle sowjetischen Genossen und das gesamte Sowjetvolk selber darüber
nachdenken und urteilen können, wer recht und wer unrecht hat?
Selbstverständlich steht es Euch frei, die Artikel, in denen Eurer
Meinung nach „unbegründete Angriffe“ enthalten sind, Punkt für
Punkt zu widerlegen.
Ihr
sagt, unsere Artikel seien „unbegründet“, unsere Argumente falsch.
Was wirklich unsere Argumente sind, sagt Ihr jedoch dem Sowjetvolk
nicht. So etwas kann man nicht als ernstzunehmende Haltung zu den
Fragen, die zwischen den Bruderparteien zur Diskussion stehen, als eine
ernstzunehmende Haltung der Wahrheit und den Massen gegenüber
bezeichnen.
Wir
hoffen, daß die offene Polemik zwischen den Bruderparteien eingestellt
werden kann. Das ist eine Frage, die entsprechend den Prinzipien der
Selbständigkeit, Gleichberechtigung und Einmütigkeit durch
Konsultationen zwischen den Bruderparteien behandelt werden muß. In der
internationalen kommunistischen Bewegung hat niemand das Recht, willkürlich,
wenn es ihm grade beliebt, einen Angriff zu beginnen, oder den Befehl
„Einstellung der offenen Polemik“ zu erteilen, wenn er der anderen
Seite verbieten will, zu antworten.
Es
ist den Genossen der KPdSU bekannt, daß wir, um für die Einberufung
einer Beratung der Bruderparteien eine günstige Atmosphäre zu
schaffen, beschlossen haben, ab 9. März 1963 vorläufig davon
abzusehen, auf die offenen Angriffe von Genossen anderer Bruderparteien,
die uns direkt beim Namen nennen, öffentlich zu antworten. Wir behalten
uns jedoch das Recht zu öffentlicher Antwort vor.
Wir
schrieben Euch in unserem Brief vom 9. März zur Frage der Einstellung
der offenen Polemik: „Es ist notwendig, daß unsere beiden Parteien
und die betreffenden Bruderparteien sich darüber aussprechen und zu
einem für alle annehmbaren und gerechten Übereinkommen gelangen.“
*
* *
Das
Vorangegangene gibt unsere Ansichten zur Generallinie der
internationalen kommunistischen Bewegung und einigen diesbezüglichen
prinzipiellen Fragen wieder. Wir hoffen, wie wir zu Beginn unseres
Briefes sagten, daß eine solch offene Meinungsäußerung zum
gegenseitigen Verständnis beitragen wird. Natürlich können Genossen
mit diesen Ansichten einverstanden oder nicht einverstanden sein. Aber
all die hier von uns vorgebrachten Fragen sind, unserer Meinung nach,
Kernfragen der internationalen kommunistischen Bewegung, die die größte
Beachtung verdienen und gelöst werden müssen. Wir hoffen, daß all
diese wie auch die in Eurem Brief erwähnten Fragen bei den
Besprechungen unserer beiden Parteien und auf der Beratung von
Vertretern aller Bruderparteien der Welt voll und erschöpfend
diskutiert werden.
Außerdem
gibt es noch einige Fragen von gemeinsamem Interesse, so z. B. die
Kritik an Stalin und gewisse wichtige, die internationale kommunistische
Bewegung betreffende prinzipielle Fragen, die auf dem XX. und XXII.
Parteitag der KPdSU aufgeworfen wurden. Wir hoffen, daß während der
Besprechungen ein freier Meinungsaustausch auch in diesen Fragen möglich
sein wird.
|Was
die Besprechungen zwischen unseren beiden Parteien betrifft, haben wir
in unserem Brief an Euch vom 9. März vorgeschlagen, daß Genosse N. S.
Chruschtschow nach Peking kommt. Sollte das nicht genehm sein, schlugen
wir vor, daß wir eine von anderen verantwortlichen Genossen des ZK der
KPdSU geleitete Delegation nach Peking einladen oder eine Delegation
nach Moskau entsenden.
Da
Ihr in Eurem Brief vom 30. März schreibt, Genosse Chruschtschow könne
nicht nach China kommen, und da Ihr nicht den Wunsch äußert, eine
Delegation nach China zu entsenden, hat das ZK der KP Chinas
beschlossen, eine Delegation nach Moskau zu schicken.
In
Eurem Brief vom 30. März ludet Ihr Genossen Mao Tse-tung ein, die
Sowjetunion zu besuchen. Bereits am 23. Februar hatte Genosse Mao
Tse-tung in einem Gespräch mit dem Botschafter der Sowjetunion in China
deutlich die Gründe, weshalb er die Sowjetunion jetzt nicht zu besuchen
gedenkt, dargelegt. Ihr wußtet darüber also sehr gut Bescheid.
Als
ein verantwortlicher Genosse des ZK der KPCh am 9. Mai den Botschafter
der Sowjetunion in China empfing, informierte er Euch darüber, daß das
ZK der KPCh Mitte Juni eine Delegation nach Moskau senden würde. Später,
auf Wunsch des ZK der KPdSU, erklärten wir uns damit einverstanden, den
Beginn der Besprechungen zwischen unseren beiden Parteien auf den 5.
Juli zu verschieben.
Wir
hegen die aufrichtige Hoffnung, daß die Besprechungen zwischen der KPCh
und der KPdSU zu positiven Resultaten führen und einen Beitrag zur
Vorbereitung der Einberufung einer Beratung von Vertretern der
kommunistischen und Arbeiterparteien aller Länder leisten werden.
Heute
ist es nötiger denn je, daß die Kommunisten aller Länder auf der
Grundlage des Marxismus-Leninismus und des proletarischen
Internationalismus, auf der Grundlage der von den Bruderparteien einmütig
angenommenen beiden Moskauer Erklärungen einig zusammenzustehen
Die
Kommunistische Partei Chinas ist bereit, sich mit allen
marxistisch-leninistischen Parteien und den revolutionären Völkern der
ganzen Welt zusammen weiterhin beharrlich für die Wahrung der
Interessen des sozialistischen Lagers und der internationalen
kommunistischen Bewegung, der Befreiung der unterdrückten Nationen und
geknechteten Massen wie des Kampfes gegen den Imperialismus und für die
Erringung des Weltfriedens einzusetzen.
Wir
hoffen, daß sich in den internationalen kommunistischen Reihen in
Zukunft Erscheinungen, die bei unseren Freunden nur Besorgnis, bei
unseren Feinden Schadenfreude hervorrufen können, nicht wiederholen
werden.
Die
chinesischen Kommunisten sind fest davon überzeugt, daß sich die
Marxisten-Leninisten, das Proletariat und die revolutionären Völker
der ganzen Welt im Kampf gegen den Imperialismus und zur Wahrung des
Weltfriedens, im Kampf für die revolutionäre Sache der Völker der
Welt und für den internationalen Kommunismus noch enger zusammenschließen
werden, daß sie alle Schwierigkeiten und Hindernisse überwinden und
noch größere Siege erringen werden.
Proletarier
aller Länder, vereinigt euch!
Proletarier
und unterdrückte Volksmassen und Nationen der Welt, vereinigt euch!
Kämpft
gegen den gemeinsamen Feind!
Mit
kommunistischem Gruß!
Das
Zentralkomitee der
Kommunistischen
Partei Chinas
ANMERKUNGEN:
1
Lenin, „
Der II. Kongreß der Kommunistischen Internationale“, Werke, Bd. 31
2
Lenin, „Ein neues Blutbad“, Werke, Bd. 5
3
Lenin, „Die Außenpolitik der russischen Revolution“, Werke, Bd. 25
4
Lenin, „Krieg und Revolution“, Werke, Bd. 24
5
Lenin, „Krieg und Revolution“, Werke, Bd. 24
6
Lenin, „Das Militärprogramm der proletarischen Revolution“, Werke,
Bd. 23
7
Marx/Engels, Ausgewählte Schriften, Bd. II, S. 25, Verlag für
fremdsprachige Literatur, Moskau 1950
8
Lenin, „Staat und Revolution“ (V, 2), Werke, Bd. 25
9
Lenin, „Staat und Revolution“ (11. 3), Werke, Bd. 2 |