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„Globalisierung“
Achim
Churs, Kommunistische Partei Deutschlands
Internationales
Kommunistisches Seminar Brüssel, Mai 2001
Liebe
Genossinnen und Genossen der Partei der Arbeit Belgiens!
Liebe
Genossinnen und Genossen der teilnehmenden internationalen Delegationen!
Werte
Gäste!
In
den elf Jahre nach der Konterrevolution in den sozialistischen Staaten
Europas hat sich das Internationale Kommunistische Seminar in Brüssel
zu einem Forum des politisch-ideologischen Meinungs- und
Erfahrungsaustausches zwischen mehr als 60 linken und kommunistischen
Parteien und Organisationen der Welt entwickelt.
Interessante
Fragen und Themen wurden diskutiert und besprochen. Vor allem die
Hauptresolutionen der Jahre 1999 und 2000, die von der Mehrheit der
teilnehmenden Parteien unterzeichnet wurden, zeugen davon, daß in
vielen Fragen durchaus übereinstimmende Standpunkte erzielt werden können.
Das ist zweifellos eine positive Entwicklung – auch wenn wir wissen,
daß mit den Delegationen ein weites politisch-ideologisches Spektrum
vertreten ist.
Das
Hauptthema des Internationalen Kommunistischen Seminars Brüssel 2001
steht unter dem Motto der „Globalisierung“. Ich muß hinzufügen, daß
ich diese politökonomische Kategorie Globalisierung in Anführungszeichen
setze, denn es ist ein Termini der bürgerlichen Ideologie und Ökonomie,
keinesfalls ein Begriff aus der Politischen Ökonomie des
Marxismus-Leninismus. Mehr noch, er ist ein Modebegriff geworden, den
sich nicht wenige, auch sich marxistisch nennende Theoretiker zu eigen
gemacht und in ihren pseudowissenschaftlichen Sprachgebrauch übernommen
haben. Diesen Theoretikern ist nicht bewußt, wie sehr sie sich mit
ihren Abhandlungen zu Werkzeugen des Klassengegners deklassifiziert
haben.
Wir,
die Kommunistische Partei Deutschlands, erklären deshalb mit Nachdruck,
daß sich hinter dem Begriff „Globalisierung“ versteckten
gesellschaftlichen Prozesse gegenwärtig und auch in Zukunft nichts
anderes verbirgt, wie es bereits Wladimir Iljitsch Lenin in seinem Werk
„Imperialismus – das höchste Stadium des Kapitalismus“
wissenschaftlich nachgewiesen hat. Schon im Jahre 1967 erschien in der
DDR die Publikation „Imperialismus heute“, das diese
Entwicklungstendenzen des gegenwärtigen Imperialismus bereits tiefgründig
analysierte. Genosse Harpal Brar hat in den letzten Jahren an der ökonomischen
Entwicklung des Imperialismus ebenfalls nachgewiesen, daß Lenins
Imperialismustheorie nach wie vor aktuell ist. Auch die kubanischen
Autoren Martinez, Chamizo, Alvarez und Loureda kommen zu diesem Schluß.
Andere, ebenfalls sich auf den Marxismus-Leninismus berufende Ökonomen
gelangten zu analogen Aussagen. Es gibt daher keinen Anlaß, den
Marxismus-Leninismus zu negieren oder als überholt darzustellen. Der
Marxismus-Leninismus – von Karl Marx begründet und von Lenin
weiterentwickelt - ist aktueller mehr denn je!
Ich
möchte aber dennoch auf einen für unsere politische Arbeit nicht
unwichtigen Aspekt der gegenwärtigen Entwicklung des Imperialismus
eingehen. Eingehen deshalb, weil sich daraus wesentliche Schlußfolgerungen
für die zukünftige politische Arbeit der kommunistischen, der
marxistisch-leninistischen Parteien ergeben, die es zu berücksichtigen
und durchzusetzen gilt.
Es
ist der wichtige und für uns Kommunisten niemals zu vernachlässigende
Aspekt: das Subjekt der Gesellschaft, der Mensch!
Deshalb
einige Ausführungen dazu.
Die
Arbeiterklasse – das haben bereits vor mehr als 150 Jahren Karl Marx
und Friedrich Engels wissenschaftlich begründet – ist die einzige
gesellschaftliche Kraft, die eine Wende vom Kapitalismus zum
Sozialismus/Kommunismus herbeiführen kann. Die hoch konzentrierte,
disziplinierte und gut organisierte Arbeiterklasse alten Stils
verringert sich scheinbar zunehmend. Es scheint, als stimme die
Feststellung von Marx und Engels im „Manifest der Kommunistischen
Partei“ nicht mehr, daß die Bourgeoisie auch ihre Totengräber
gezeugt hat. Heute diskutieren auch marxistische Politologen, inwieweit
noch von einer Arbeiterklasse gesprochen werden kann. Nach ihren
Aussagen verringert sich nicht nur die zahlenmäßige Stärke und die
Organisiertheit, sondern auch der Charakter der Arbeit im unmittelbaren
Produktionsprozeß. Aus dem handwerklich Tätigen wird der ganze
Produktionskomplexe überwachende Techniker und Ingenieur. Die Arbeiter
in den Dienstleistungen nehmen zu. Der hoch organisierte Massencharakter
geht darin verloren. Der Trend zur Scheinselbständigkeit nimmt zu. Die
im Handwerk Beschäftigten haben vielfach die Illusion, sich selbständig
zu machen, obwohl sie sehen, wie das Handwerk um seine Existenz kämpft.
Noch
gibt es Konzerne mit hunderttausenden Beschäftigten, aber nicht mehr in
einem örtlich begrenzten großen Betrieb, sondern in verschiedenen
Zweigbetrieben, in sogenannten Profitcenter. Die wachsende Selbständigkeit
der Tochtergesellschaften führt auch zur Verringerung des
Massencharakters der Angestellten und zu ihrer Entsolidarisierung vom
Mutterbetrieb. Nicht wenige Ausgestoßene träumen von einer eigenen
Selbständigkeit, bestärkt durch kleinbürgerliche Ideologien, trotz
weiterer Verringerung der kleinen privaten Betriebe. Aus dem
gesellschaftlichen Arbeitsprozeß werden immer mehr ausgestoßen, die
isoliert nicht in der Lage sind, sich politisch zu organisieren. Bei
wachsender Internationalisierung von Produktion und Handel nimmt die
Zersplitterung der revolutionären Kräfte zu. Ihre notwendige
Vereinigung erschweren die tatsächlichen Verhältnisse und die
subjektiven Vorstellungen sowohl der Masse als auch ihrer Führungen.
Die
Werktätigen in der Produktion, in deren vor- und nachbereitenden
Bereichen sowie nicht wenige im Dienstleistungssektor benötigen eine
Hochschul- oder Universitätsbildung. Sie werden folglich nach der bürgerlichen
Sozialstruktur zur Intelligenz oder zu den gehobenen Schichten gezählt.
Verringert sich dadurch die Arbeiterklasse zusätzlich? Nein! In meiner
Schrift „Proletariat“ und weiteren Aufsätzen zu dieser Thematik,
die in unserem wissenschaftlichen Organ „Trotz alledem“ erschienen
sind, habe ich auf der wissenschaftlichen Grundlage des
Marxismus-Leninismus nachgewiesen, daß entgegen der seit Jahrzehnten
erhobenen Behauptung, die anzahlmäßige Größe des Proletariats
verringere sich, das Gegenteil der Fall ist.
Bisher
wurde nur jener als Arbeiter betrachtet, der im Produktionsprozeß im
weitesten Sinne handwerkliche Tätigkeit verrichtete. Aber Lenin
formuliert die Wesensmerkmale einer Klasse in seiner Schrift „Die große
Initiative“ exakt. „Als Klassen bezeichnet man große
Menschengruppen, die sich voneinander unterscheiden nach ihrem Platz in
einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion,
nach ihrem (größtenteils in Gesetzen fixierten und formulierten) Verhältnis
zu den Produktionsmitteln, nach ihrer Rolle in der gesellschaftlichen
Organisation der Arbeit und folglich nach der Art der Erlangung und der
Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen.“
Dabei ist bei dieser Herangehensweise unwichtig, ob der Werktätige
„Kopf- oder Handarbeit“ leistet.
Das
Proletariat ist auch heute jene Kraft, die ganze Produktionsprozesse in
Gang setzt und kontrolliert, wenn es auch eine höhere Bildung besitzt.
Gerade, weil das Proletariat unmittelbar in der modernsten Produktion tätig
ist, ist es der modernste Teil, der progressivste Teil der
gesellschaftlichen Kräfte, der unmittelbar mit den modernsten
Erfordernissen der gesellschaftlichen Entwicklung verbunden ist, auch
wenn sich so manche Angehörige der Arbeiterklasse mit Krawatte, weißem
Hemd und Anzug bewegen. Wenn die Arbeiter auch immer mehr vereinzelt und
isoliert arbeiten, sie haben den Vorteil hoher Bildung. Die Produktion
diszipliniert und organisiert sie, zwingt sie, kollektiv tätig zu sein.
Zusammen mit den unmittelbar handwerklich Tätigen und den
Produktionsprozeß Organisierenden bilden sie somit nach wie vor eine mächtige
Kraft, die mit anderen Kräften in der Lage ist, die Menschheit zu einer
gerechten, zur sozialistischen und kommunistischen Gesellschaftsordnung
zu führen. Die Arbeiterklasse besitzt heute den Vorteil, daß sie
selbst schon an der Organisation der Produktion beteiligt ist und daher
den Übergang zur nächsthöheren Gesellschaftsordnung reibungsloser
vollziehen kann.
Durch
die gesellschaftliche Entwicklung wird eine revolutionäre Umwandlung
der Gesellschaft immer dringender. Sich zuspitzende Widersprüche und über
die Gesellschaft hinausweisende Erscheinungen drängen direkt danach.
Durch die gegenwärtige Entwicklung des Imperialismus und die Schwäche
der nationalen Organisation der revolutionären Kräfte wird es immer
schwieriger, einen grundlegenden Wandel der Gesellschaft herbeizuführen.
Die Möglichkeit der Organisation einer revolutionären Bewegung wird
durch die wachsende Vereinzelung der Menschen in der
wissenschaftlich-technischen Revolution immer komplizierter. Hinzukommt
die Zersplitterung der linken Kräfte, die sich gegenseitig Vorwürfe
machen und gegenseitig das Trennende hervorheben, statt zu überlegen,
wo das Gemeinsame im Kampf ist, das uns zu einer großen Kraft werden läßt.
Die sich zuspitzenden gewerkschaftlichen Kämpfe, nicht mehr nur um
Lohnforderungen, sondern auch um die Erhaltung des Sozialstaates gegen
die Versuche der bürgerlichen Regierungen oder ihrer
sozialdemokratischen Handlanger, ihn restlos abzubauen und amerikanische
Verhältnisse zu schaffen, erfordern ein neues Herangehen an aktuelle
Fragen. Die Gewerkschaftsführungen lehnen eine Politisierung des
Kampfes ab. Noch haben sie große Teile der Werktätigen hinter sich,
wenn auch schon dezimiert. Bei einer weiteren Zuspitzung erheben die
Streikenden ab einem bestimmten Punkt auch politische Forderungen, die
schon in den sozialen Forderungen angelegt sind. Das Kapital wird alles
versuchen, die Massenkämpfe abzuwürgen und in genehme Bahnen zu
lenken. Wichtig in dieser Bewegung ist die rechtzeitige Klärung der
ideologischen und politischen Fragen unter den revolutionären Kräften.
Wenn sie erst im Umwälzungsprozeß erfolgt, besteht die große Gefahr,
den Kampf zu verlieren.
Noch
glaubt das europäische Kapital und seine Politiker Zeit zu besitzen,
die durch in über einem Jahrhundert währenden Kampf der Arbeiterklasse
errungenen politischen und sozialen Rechte allmählich abzubauen und vor
allem die Jugend auf ein Verhalten zu trimmen, daß der amerikanischen
Bevölkerung gleicht, die persönliche Freiheit über alles zu huldigen,
sprich, in den Tag hineinzuleben ohne soziale Sicherheit, bei größter
Sorglosigkeit. Starke Anzeichen unter der europäischen Jugend, in diese
Richtung hineinzuleben, sind mehr als genug vorhanden. Die bürgerlichen
Medien unterstützen diese Haltung durch die Propagierung des
amerikanischen „way of life“.
Die
kommunistischen, auf den Marxismus-Leninismus basierende und agitierende
Kräfte sind – bedingt durch die sich verschärfte
Klassenauseinandersetzung und die Zersplitterung als Folge der Spaltung
der kommunistischen Weltbewegung nach dem XX. Parteitag der KPdSU und in
Fortführung durch den zeitweiligen Sieg der Konterevolution von 1989
bis 1991 – zahlenmäßig zu schwach, entgegenzuhalten und die
Arbeiterklasse und auch die Jugend gegen diesen verderblichen Trend zu
mobilisieren. Ihre Stärke jedoch ist die konsequente Anwendung des
Marxismus-Leninismus – und hier in der Einheit und Reinheit seiner
drei Bestandteile - in ihrer tagtäglichen politischen Arbeit, die sie
beharrlich, oftmals mit geringen finanziellen Mitteln gegen den unüberwindbar
scheinenden, die politische und ökonomische Macht besitzenden,
finanziell und organisatorisch bestens ausgestatteten Klassengegner
Bourgeoisie führen.
Andere
linke Kräfte, die sich links wähnen oder so nennen, gleiten mehr und
mehr in die neoliberale Auffassung ab, in dem sie die Aushöhlungsmaßnahmen
des Kapitals nicht konsequent bekämpfen und die Arbeiterklasse und die
Jugend nicht für einen kämpferischen Weg der sozialen und politischen
Sicherheit gewinnen. Gefährlich ist die Rechtsradikalisierung der
Jugend, geduldet von schwarzen bis rosaroten Politikern und unterstützt
von den Monopolen.
Mit
der weiteren Entlassung aus dem Arbeitsprozeß immer größerer Teile
der Werktätigen, ihrer Verdrängung an den Rand der Gesellschaft, der
immer geringeren Möglichkeit der Jugend, einen gesicherten
Ausbildungsplatz zu erhalten, läßt das Interesse nach, allen
Gesellschaftsmitgliedern eine hohe Bildung zukommen zu lassen. Zwangsläufig
wächst das Analphabetentum – in Deutschland sind allein ca. 4
Millionen Menschen davon betroffen -, werden die hohen kulturellen Werte
des Humanismus für die Masse nicht mehr erreichbar sein. Sie wird mit
billigen und demoralisierenden Manipulationserzeugnissen abgespeist als
eine Art Ersatz zur Unterordnung unter die gesellschaftlichen Verhältnisse
der gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung des Imperialismus. Es
tritt eine Phase verstärkter Entkultivierung ein, die für viele in
Obdachlosigkeit und Slums enden. Diese Menschen resignieren und sind für
einen revolutionären Prozeß weitgehend verloren, wenn es nicht
gelingt, entsprechende Organisationsformen unter ihnen zu bilden und die
Solidarität untereinander zu stärken. Dieser Notwendigkeit steht das
Abgleiten in Resignation und Verbrechen entgegen. Das Kapital schreibt
die Ärmsten der Armen als Gesellschaftsmitglieder ab, läßt sie
dahinvegetieren und erhofft so eine übermächtige Bewegung gegen sich
zu verhindern. Aus der sogenannten Zweidrittelgesellschaft strebt es
eine 20:80 % Gesellschaft an.
Es
besteht der Versuch sozialer Angleichung der reichen Länder an die Verhältnisse
der ärmsten. Während die Lohn- und Lohnnebenkosten
im Westteil Deutschlands 100 % betragen, kommen südostasiatische Länder
wie Thailand, Malaysia, Indonesien und Südkorea auf 3 %. Westeuropäisches
Kapital investiert in den ehemaligen sozialistischen Ländern Europas
wie in Polen, in der Tschechoslowakei, in Bulgarien, Rumänien und in
der ehemaligen Sowjetunion, wo die Lohn- und Lohnnebenkosten
nicht einmal 25 % betragen. Gleichzeitig beginnen die Völker in den
rasch sich entfaltenden Ländern immer stärker die Forderung nach einem
höheren Lebensstandard zu erheben. Der Trend einer allmählichen
sozialen Angleichung aller Länder auf niedrigstem Niveau wird sichtbar.
Es muß damit gerechnet werden, wie gegenwärtig im Südteil der
koreanischen Halbinsel, daß die Auseinandersetzung zwischen
transnationalem und nationalem Kapital einerseits und der Bevölkerung
andererseits beginnen und sich verschärfen. Der Druck der Multis auf
die sich Erhebenden ist mit Hilfe der Staaten so groß, daß allmählich
die Kämpfe durch geeignete Mittel erlahmen, zumal sie gegenwärtig nur
auf den Erhalt des vorhandenen Lebensniveaus gerichtet sind. Aus Angst
vor der Arbeitslosigkeit, wie in den Volkswagenwerken, verzichten die
Beschäftigten auf gewisse errungene soziale Rechte und Leistungen. Der
Bertelsmann-Konzern, der größte Medien-Multi der Welt, beschäftigt in
Deutschland bereits mehr als ein Drittel seiner Arbeitskräfte zu
schlechteren Konditionen als die anderen zwei Drittel – und das sogar
innerhalb gleicher Arbeitsstätten. Auch hier haben die Arbeiter und
Angestellten in den zurückliegenden zwei Tarifrunden auf soziale Rechte
und Leistungen verzichtet, sind dem Druck der Konzernleitung gewichen,
aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren. Das Gespenst der
Arbeitslosigkeit ist ein vom Kapital geschickt und bewußt genutztes
Druckmittel im Arbeits- und Sozialkampf.
Noch
besitzen die Werktätigen in vielen Ländern mächtige
Abwehrorganisationen in den Gewerkschaften. Allerdings bröckeln diese
Abwehrorganisationen. Solange die Gewerkschaften nur im Rahmen der
gegenwärtigen Verhältnisse kämpfen, diese gesellschaftlichen Verhältnisse
nur verbessern oder gar erhalten wollen und ihr Kampf nicht über die
gegenwärtige Gesellschaftsordnung hinausweist, solange wird sie unter
den gegenwärtigen Bedingungen nicht die sozialen Errungenschaften
verteidigen und ausbauen können. Mit ihrer Politik eines Bündnisses für
Arbeit in Deutschland hilft sie letztlich, die Entwicklung und die Ziele
des Kapitals weiter durchzusetzen. Die Werktätigen in ihrer Enttäuschung
verlassen diese Organisationen, statt sie durch klare Forderungen und
Positionen zu stärken. Andererseits erhöht sich der Druck des Kapitals
auf die Werktätigen, nicht einer solchen Organisation anzugehören.
Den
Angriff des französischen Kapitals mit Hilfe seiner bürgerlichen
Regierung beantworteten die Werktätigen Ende des Jahres 1995 mit einem
Generalstreik und 1997 mit der Wahl einer linken Regierung, wenngleich
die gegenwärtige französische Regierung aus Sozialisten und
Kommunisten auch nur ein ausführender Arm des Kapitals ist. In
Deutschland wehren sich die Gewerkschaften gegen den Sozialabbau mit
Warnstreiks. Noch stehen in Deutschland keine revolutionären Ziele
dahinter, aber der totgesagte Klassenkampf lebt wieder auf und kann
schnell in Forderungen weitergehender politischer Ziele übergreifen.
Auch in Asien, wie in Südkorea, kämpfen die Werktätigen in großen
Massenstreiks gegen den weiteren sozialen Abbau. In Indonesien wurde
eine Regierung durch die Massenaktionen in Frage gestellt.
Die
hoch entwickelte automatisierte Produktion gestattet eine individuelle,
auf den Kunden spezifisch zugeschnittene Produktion. Die neuen
Produktionsstrukturen erfordern eine größere Flexibilität der
Wandlungen in der Arbeitsteilung und der Arbeitskräfte sowohl im
Berufsbild als auch im Arbeitstag. Die Intemationalisierung der
Produktion und der Dienstleistung erfordern zugleich eine stärkere
Individualisierung in Form kleinerer Zubringer mit hoher Exaktheit,
genauer Zeiteinhaltung. Das Management vollzieht sich immer mehr
international über die Informationstechnik flexibler, wie auch viele
Forschungen und Handelsabläufe. Diese Individualisierung bei
gleichzeitiger notwendiger Zusammenarbeit führt zu neuartigen
Erscheinungen der Individualisierung der Arbeitnehmer
und des Überflüssigwerdens ganzer Managerbereiche. Der Individualismus
prägt sich zunehmend immer extremer aus und hilft, die Solidarität
innerhalb der Arbeiterklasse zu zerstören. Dieser Prozeß führt zur
Zerstörung der alten Organisationsstrukturen des Proletariats, die überflüssig
werden.
Ein
anderes, markantes Beispiel sind Zeitarbeitsfirmen, die ihre Arbeitskräfte,
die in keinen Gewerkschaften organisiert sind, oftmals nicht die anderen
Mitarbeiter der Zeitarbeitsfirma kennen, jeweils nur für kurze Zeiten
durch ihren Disponenten in die bedarfanmeldenden Firmen schicken, in
denen sie kaum Möglichkeiten haben, sich in die dort existierenden
Arbeitskollektive einzuleben und auch von den dort agierenden
Gewerkschaften und Betriebsräten nicht vertreten werden. Diese
Arbeitskräfte der Zeitarbeitsfirmen sind bereits heute im wahrsten
Sinne des Wortes einer doppelten Ausbeutung unterworfen.
Die
traditionellen Produktionszweige werden mit Computer- und
Informationstechnik in immer höherem Grade ausgestattet. Aus den
Werkhallen verschwindet der Mensch, es waltet darin der
wissenschaftlich-technische Geist, gleichbleibend mit einer sehr hohen
und nicht erlahmenden Präzision. Er ist dem Menschen mit seinem
biologischen Rhythmus weit überlegen. Dem Menschen bleibt die Überwachung
und die Reparatur bei Havarien. Zunehmend übernehmen die
Informationssysteme auch diese Arbeit. Der Mensch bleibt in der
Vorbereitung und Nachbereitung mit wachsendem Anteil an
Informationstechnik, die Arbeiten in kürzester Zeit erledigen, wofür
Monate und Jahre gebraucht wurden. Die intelligenten Systeme können so
programmiert werden, daß sie Vorschläge für die weitere Entwicklung
der Produkte und der Produktionsprozesse machen können. So werden
Vorbereitung und Nachbereitung automatisiert mit dem Ziel, die
Produktion zu profitabler zu machen, eine geringere Zahl von Arbeitskräften
einzusetzen, trotz erhöhter wissenschaftlicher und wissenschaftlich
organisatorischer Arbeit. Der Dienstleistungssektor auf dem Gebiete der
Informationstechnik nimmt gewaltig zu. In den USA waren 75 % und in
Deutschland 60 % im Jahre 2000 im Dienstleistungssektor beschäftigt.
Deutschland, wie auch die anderen westeuropäischen Staaten haben einen
großen Nachholbedarf gegenüber den USA. Der Drang nach Profit und der
sich verschärfende Konkurrenzkampf zwingt sie dazu.
Die
Produktionsstätten und große Dienstleistungskonzerne entleeren sich
von Menschen durch die Automatisierung, Elektronisierung,
Informationstechnik, Biologisierung und Chemisierung immer stärker. Auf
den Arbeitsstellen werden neue Formen der Arbeitsorganisation und der
Arbeitszeit diskutiert. Es geht um die Verkürzung der Arbeitszeit, um
Teilarbeitszeit, um eine flexiblere Arbeitszeit und um verstärkte
Arbeitstätigkeit in der Wohnung. Die Möglichkeiten dazu sind gegeben.
Die wachsende Vernetzung der Computer ermöglicht die erforderliche
Kommunikation mit beliebigen Stellen und dem eignen Betrieb. Die zu
Hause arbeitenden Konstrukteure, Designer, Verwaltungskräfte und
Berater werden allmählich aus dem Betrieb ausgegliedert und machen sich
selbständig. Dadurch verringern sich beim Kapital die Lohnnebenkosten
in bedeutendem Maße, während der selbständig Arbeitende seine soziale
Absicherung nach dem Schlagwort der persönlichen Verantwortung voll
selbst tragen muß. So werden die durch die starke Arbeiterbewegung seit
über einem Jahrhundert errungenen sozialen Sicherungen rigoros
abgebaut.
Die
Bezahlung erfolgt immer weniger nach Lohn und Gehalt mit Leistungsprämien,
sondern immer mehr über die Leistungsprovision. Der Einzelne kann immer
weniger Zeit für seine individuelle Erholung aufbringen, er ist
gefordert, die bisher errungene Freizeit für die Arbeit zu opfern und
sich gesundheitlich zu ruinieren. Der Auftraggeber wird die Termine für
die vertragsgebundenen Arbeiten sehr kurz halten, damit er weiter
konkurrenzfähig bleibt. Er versucht, die Entgelte so niedrig als möglich
zu bestimmen. Er kann es, weil auf dem Arbeitsmarkt die Konkurrenz sehr
groß ist, die Existenzunsicherheit wächst, weil die Anbieter geneigt
sind, die Preise zu unterbieten. Der Kapitalist windet sich aus seiner
Verpflichtung, mit für die soziale Sicherheit des Arbeitnehmers
aufzukommen. Mehr und mehr trägt der Arbeitnehmer
die Kosten für die soziale Sicherheit selbst, bei im allgemeinen
weniger Möglichkeiten. Den abhängigen Beschäftigten wird dieses
Dilemma erst in seiner vollen Größe bewußt, wenn er krank, arbeitslos
oder Rentner wird, wenn er immer höhere Beiträge für die Renten-,
Kranken- und Arbeitslosenversicherung bezahlen muß. Die
Individualisierung der Menschen ist somit ein vielfältiger
gesellschaftlicher Prozeß. Die Solidarität der Werktätigen in der früheren
Massenkonzentration war ihre große Stärke. Die Gewerkschaften,
einstmals starke Organisationen im Kampf um die Erweiterung der
Lebensqualität der Angestellten, verkommen zu unbedeutenden
Vereinigungen – auch wenn sich in Deutschland Ende März diesen Jahres
die Dienstleistungsgewerkschaft Ver-di gebildet hat. Das Kapital findet
immer neue Quellen der Bereicherung auf Kosten von Millionen werktätiger
Menschen. Sie werden erst mit der weiteren Entwicklung des
kapitalistischen Systems sichtbar werden. Noch zeichnen sich kaum neue
Formen und Methoden des Massenprotestes ab.
Die
Konzerne haben es nicht mehr nötig, flächendeckende Arbeitsverträge
mit den Arbeitnehmerorganisationen
abzuschließen. Sie gehen immer mehr dazu über, für Gruppen und
Einzelne schlechtere Bedingungen auszuhandeln. In den USA gelang es
unter verheerenden Bedingungen, die Arbeitslosigkeit auf ca. 5 % zu
senken. 20 % der Arbeitenden sind unter das Existenzminimum gerutscht
bei gleichzeitiger Verschlechterung der sozialen Sicherheit bei
Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter. Gleiche Bestrebungen finden
auch in Europa statt.
Es
gibt heute keine Gewähr, den erlernten Beruf bis zum Rentenalter auszuüben.
Die Berufsbilder verändern sich derart rasch in der Gesellschaft, daß
der Werktätige sich ständig weiterbilden oder umschulen muß. Viele
aus dem Arbeitsprozeß Gestoßene sehen als die einzige Hoffnung, wieder
eine Arbeit durch eine Umschulung zu erhalten. Dabei geht der Trend in
der Politik dahin, Staat und Unternehmer von diesen Ausgaben zu befreien
und die Kosten für die Umschulung dem Betroffenen aufzubürden, der
kaum dazu in der Lage ist die erhöhten Aufwendungen zu bestreiten. Er
soll sich nach den Vorstellungen gegenwärtiger Politiker und der
Konzerne verschulden, damit er ein besseres Ausplünderungsobjekt wird.
Nach der beendeten Qualifikation müssen die Umschüler erleben, daß
sie entweder zu alt sind oder nicht die genügende Erfahrung in dem
neuen Beruf besitzen. Der weitere gesellschaftliche Abstieg führt
unvermeidlich zu einem niedrigen Sozialstatus, und wenn im bürgerlichen
Staat der soziale Abstieg nicht abgefedert wird, zur Obdachlosigkeit und
bis zum Wohlfahrtsgeldempfänger. Arbeitslosengeld und Sozialhilfe
werden immer mehr an kaum erfüllbare Auflagen geknüpft und
beschleunigen den Prozeß des sozialen Abstiegs. Diese Menschen
resignieren, finden sich mit ihrem Schicksal ab und sind nicht mehr in
der Lage, für eine bessere Zukunft zu kämpfen. Nur, wenn sie in den
großen Strom einbezogen werden, finden viele noch die Kraft, sich zu
erheben. Die Arbeitskräfte, früher im Berufsleben in einem Beruf tätig,
müssen in ihrem Leben mehrmals umlernen, und sie müssen, was die
Arbeitsstelle betrifft, flexibel und mobil um national oder
international vorhandene Arbeitsplätze anzunehmen, wenn das noch möglich
ist. Dauerarbeitslose mit fortschreitender Arbeitslosigkeit brauchen die
Bildung nicht mehr oder vergessen sie. Für Jugendliche, nicht benötigt
im Arbeitsprozeß, scheint in der gegenwärtigen Entwicklung des
Imperialismus eine hohe Bildung sinnlos.
Die
zunehmende Rationalisierung, die Umkehrung in dem Verhältnis der
Steigerung von Produktion und Produktivität, die Zerschlagung der
kleinen und sogar großen durch die ganz großen Betriebe, die
Verringerung des Reallohnes breiter Teile der Arbeitnehmer,
der sich erschöpfende internationale Markt, der Abfluß des Kapitals in
Billiglohnländer und an die Börsen, eine falsche Arbeitsmarktpolitik
und die flexible Arbeitszeitpolitik führen dazu, daß auch in
Konjunkturzeiten die Arbeitslosigkeit einen hohen Stand einnimmt und
weiter steigt. Die Dauerarbeitslosigkeit mit ihren verheerenden sozialen
Folgen für die Betroffenen erhöht sich ständig und wird zur Geißel
der Völker.
Die
Arbeitslosenquote der G7-Länder beträgt zur Zeit zwischen 12 und 3,5
Prozent. In Deutschland liegt sie gegenwärtig bei ca. 10 Prozent, davon
im Durchschnitt auf dem Gebiet der DDR bei ca. 18 Prozent, in manchen
Gebieten der DDR sogar bei 40 Prozent.
So
lauten die offiziellen Zahlen. Dahinter stecken noch Millionen in jedem
Land, die aus der Arbeitslosenstatistik herausfallen, wie Frührentner,
Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfeempfänger und die sich in der
Weiterbildung oder Umschulung befinden sowie die nicht berufstätigen
Hausfrauen. In Deutschland muß mit mindestens 15 % aus dem Arbeitsleben
Ausgeschiedener gerechnet werden. Über das persönliche Leid der
Betroffenen bis zum Suizid spricht keine bürgerliche Statistik.
Und
die Arbeitslosenquoten erhöhen sich ständig. Die flexible Arbeitszeit
mit weitgehend sozial ungesicherten Arbeitsverträgen schafft neue
Billiglohnstellen, wie in den USA, England und den Entwicklungsländern.
In Deutschland sind gegenwärtig über 4,1 Millionen Menschen im
arbeitsfähigen Alter offiziell arbeitslos. Die tatsächliche Zahl beläuft
jedoch auf über 10 Millionen, wenn die Umschüler, die ABM-Kräfte, die
in die Arbeitslosenhilfe Gefallenen, die Frührentner u.a. dazugerechnet
werden.
Nicht
viel anders sieht es in den anderen hochentwickelten Industrienationen
aus. Und die Zahl der Arbeitslosen wächst auch in Zeiten der
Konjunktur. Als vor einem Jahr in Deutschland die Arbeitslosenquote von
über 4 Millionen auf 3,7 Millionen fiel, jubelten nicht nur die bürgerlichen
Medien. Die Arbeitslosenstatistik von März 2001 wies dann jedoch erneut
über 4,1 Millionen Arbeitslose aus. Mitte März 2001 verkündete der
deutsche Bundeskanzler Schröder, daß die Arbeitslosigkeit bis Mitte
2002 unter 3,6 Millionen fallen wird. Heute wird hinter verschlossenen Türen
bereits darüber diskutiert, ob man nicht einen generellen Arbeitsdienst
einführen sollte, bei dem die auf diese Weise in Beschäftigung
gebrachten Arbeitskräfte einen Lohn erhalten, der gleich der Höhe des
Arbeitslosengeldes ist. Die Senkung der Arbeitslosigkeit in einzelnen Länder,
USA, Niederlande, Deutschland u. a. geschieht auf Kosten der sozialen
Sicherheit und des Abbaues des Lebensstandards der Werktätigen.
Das
Bestreben des Kapitals ist es, weltweit die Werktätigen auf ein immer
niedrigeres Lebensniveau und nicht mehr benötigte Arbeitskräfte an den
Rand der Gesellschaft zu drücken.
Genossen,
das sind Fakten, vor denen wir Kommunisten uns nicht verstecken können
und auch nicht verstecken dürfen! Sie liefern den Beweis, daß die
Verelendungstheorie, die einst von Karl Marx auf der Grundlage seiner
wissenschaftlichen Analyse der kapitalistischen Entwicklung begründet,
heute unter den Bedingungen der Entwicklung des Imperialismus nach wie
vor gültig ist, auch wenn der Lebensstandard der Arbeiterklasse – vor
allem in den hochentwickelten kapitalistischen Industrienationen –
gegenüber der Zeit, in der Marx vor 150 Jahren lebte, gestiegen ist.
Genossen,
am 24. März 2001 hatte unsere Kommunistische Partei Deutschlands ihren
21. Parteitag. In dem auf dem Parteitag vorgelegten und zuvor in allen
Parteiorganisationen diskutierten Dokument „Sozialismus/Kommunismus
– Zukunft der Menschheit - Politische Grundsätze für die weitere
Entwicklung der Strategie und Taktik der Kommunistischen Partei
Deutschlands“ heißt es: „In den Mitgliederversammlungen unserer
Partei zur Diskussion um den Entwurf dieses Dokuments wurde mehrfach auf
die Worte Rosa Luxemburgs: „Sozialismus oder Barbarei“ aufmerksam
gemacht und gefolgert, daß es also nur um eine Alternative für das Überleben
der Menschheit geben könne, nämlich die Errichtung der sozialistischen
Gesellschaft. Für Kommunisten ist es undenkbar, sich blind gegenüber
dem Imperialismus zu verhalten und widerstandslos hinzunehmen, daß sich
das barbarische Naturell des Kapitalismus/Imperialismus, sogar den
ganzen Planeten gefährdend, ungehemmt entfalten könne.“
In
der Begründung zum Dokument führte der Vorsitzende der KPD, Genosse
Werner Schleese aus: „Es ist die Wahrheit, die das Proletariat
braucht, um in Übereinstimmung mit dem Charakter unserer Epoche des Übergangs
vom Kapitalismus zum Sozialismus seinen historischen Auftrag zur Rettung
der Menschheit von allen Erscheinungen der Barbarei des Imperialismus
gerecht zu werden. Damit ausgerüstet, wird es einst, geführt von
bolschewistischen Parteien, in der Lage sein, die eigene Lage im System
der Ausbeutung zu begreifen und in notwendigen Klassenkämpfen die
wirtschaftliche und politische Macht zu erkämpfen.“ Das ist eine
richtige und wichtige Erkenntnis! Aber es ist nur eine der notwendigen
Schlußfolgerungen.
Natürlich
ist es die Aufgabe einer jeden kommunistischen Partei, die Wahrheit über
das kapitalistische und imperialistische System im Proletariat zu
verbreiten. Es ist die Aufgabe einer jeden kommunistischen Partei, auf
diese Weise dazu beizutragen, daß Bewußtsein der Klasse zurückzubringen,
das sich durch den jahrzehntelangen bürgerlichen, sozialdemokratischen,
revisionistischen und reformistischen Einfluß sowie durch die gegenwärtige
ökonomische, ideologische und soziale Entwicklung des imperialistischen
Systems zu einem gewissen Unbewußtsein entwickelt hat. Das, so denke
ich, hat sich jede kommunistische Partei, seit es den Wissenschaftlichen
Kommunismus gibt, auf die Fahnen geheftet. Zu beachten ist hierbei, daß
wir Kommunisten im langwierigen Prozeß der Bewußtseinsbildung der
Arbeiterklasse niemals außer Acht lassen dürfen, daß das Objekt der
imperialistischen Ausbeutung von heute, die Arbeiterklasse, morgen das
Subjekt der proletarischen Revolution und des Aufbaus der
sozialistischen Gesellschaft ist. Diese Erkenntnis ist wichtig, denn
ohne Proletariat, ohne die Mehrheit der Gesellschaft läßt sich weder
das eine noch das andere verwirklichen.
Wichtig
ist auch, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis den
Marxismus-Leninismus in seiner Reinheit und Einheit seiner drei
Bestandteile – der dialektisch-historischer Materialismus, die
politische Ökonomie und dem wissenschaftlichen Kommunismus – im
derzeitigen Klassenkampf wie auch während der proletarischen Revolution
und im anschließenden Aufbau der sozialistischen Gesellschaft
anzuwenden.
Wichtig
ist die Anwendung der Erkenntnisse und Erfahrungen der
marxistisch-leninistischen Philosophie, daß wir Kommunisten begreifen,
daß der Mensch das entscheidendste Element für den Übergang vom
Kapitalismus zum Sozialismus/Kommunismus und den Aufbau der neuen,
besseren Gesellschaft war, ist und bleibt. Ohne den Menschen, das
Proletariat sind diese Ziele niemals zu erreichen.
Für
uns Kommunisten bleibt, welche Strategie und Taktik die
marxistisch-leninistischen Parteien hierzu anwenden.
Angesichts
der Tatsache, daß der Imperialismus ein weltweit agierender und gut
organisierter Klassengegner ist, erfordert dies die Notwendigkeit, daß
sich die kommunistischen, die marxistisch-leninistischen Parteien in
gleicher Weise organisieren. Es geht nicht mehr an, daß der
Klassenkampf des Proletariats des einen Landes an den nationalen Grenzen
aufhört, nach dem Motto: Was in einem anderen Land passiert, davon
nehme ich Kenntnis, aber das eigene Hemd ist mir näher! Eine solche
begrenzte Denkweise begrenzt die Handlungsweise, schränkt ihren
Handlungsspielraum auf nationaler Ebene ein, auch wenn so manche
kommunistische Partei in ihrem Land einen mehr oder weniger
erfolgreichen Kampf gegen Imperialismus führt.
Genossen,
heute kommt es darauf an, vom sporadisch und oftmals einseitig ausgeübten
proletarischen Internationalismus wegzukommen, auf der Grundlage einer
gemeinsam ausgearbeiteten Strategie und Taktik, den politischen,
sozialen und ideologischen Kampf des Proletariats und ihrer
marxistisch-leninistischen Parteien gegen den Imperialismus zu führen,
die Massenbasis im Proletariat auszudehnen, die Arbeiterklasse und vor
allem die Jugend zu mobilisieren und auf die immer notwendig werdende
gesellschaftliche Änderung vom Kapitalismus/Imperialismus zum
Sozialismus/Kommunismus auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus
vorzubereiten. Die internationale Zusammenarbeit der
marxistisch-leninistischen Parteien muß weg von der Unverbindlichkeit
gemeinsam, oftmals noch halbherzig erarbeiteter politisch-ideologischer
Standpunkte, hin zur Verbindlichkeit einer gemeinsam erarbeiteten
Strategie und Taktik unter Anwendung der von Lenin ausgearbeiteten und
praktizierten Prinzipien des proletarischen Internationalismus im
politischen, ökonomischen und sozialen Kampf gegen den Imperialismus.
Unter den gegenwärtigen Bedingungen der auf die Menschheit zukommenden
katastrophalen gesellschaftlichen Entwicklung des Imperialismus ist es
heute nicht mehr ausreichend, jährlich hier und da – verteilt über
den gesamten Erdball – Konferenzen, Seminare und Tagungen für den
Meinungs- und Erfahrungsaustausch der marxistisch-leninistischen
Parteien abzuhalten. Sie sind nach wie vor wichtig und erforderlich, um
ideologische Klarheit im Klassenkampf gegen den Imperialismus, aber auch
im Kampf gegen rechte und linke Tendenzen, die auf das Proletariat noch
immer, ja sogar zunehmend wirken. Dieser nicht unwichtige Teil unserer
politischen Arbeit ist und bleibt eben nur ein Teil, wenn es uns nicht
gelingt, eine weltweite Organisiertheit und Zusammenarbeit der
marxistisch-leninistischen Parteien zu entwickeln.
Ziel
dieser Organisiertheit und Zusammenarbeit der marxistisch-leninistischen
Parteien muß es sein:
den
Marxismus-Leninismus erneut im internationalen Maßstab mit der
Arbeiterbewegung zu verbinden;
den
Kommunisten vieler Länder eine unersetzliche Hilfe bei der Schaffung
marxistisch-leninistischer proletarischer Parteien, Parteien Leninschen
Typs zu sein;
eine
wissenschaftlich begründete Generallinie der Politik der
internationalen kommunistischen Bewegung auszuarbeiten, die den gegenwärtigen
und zukünftigen Bedingungen der imperialistischen Entwicklung und den
sich daraus ergebenden Notwendigkeiten des Übergangs der Menschheit vom
Kapitalismus/Imperialismus zum Sozialismus/Kommunismus entspricht;
den
unversöhnlichen Kampf gegenüber Revisionismus und Sektierertum zu führen
sowie dem rechten und „linken“ Opportunismus und Nationalismus in
der kommunistischen Bewegung eine klare und eindeutige Abfuhr zu
erteilen;
die
Prinzipien des proletarischen Internationalismus konsequent und
zielstrebig für alle Formen des von den marxistisch-leninistischen
Parteien geführten Klassenkampfes durchzusetzen.
den
marxistisch-leninistischen Parteien theoretische und praktische
Werkzeuge zur Überwindung der vom Imperialismus, Sozialdemokratismus
und Revisionismus herbeigeführten Spaltung der Arbeiterbewegung zu
geben.
Es
gibt heute eine Vielzahl marxistisch-leninistischer Parteien. Einige von
ihnen haben viele Mitglieder, andere verfügen über eine Unmenge
wissenschaftlich-theoretischer Kenntnisse, wieder andere haben
Erfahrungen in der tagtäglichen Klassenauseinandersetzung, noch andere
haben Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit dem Faschismus und der
Konterrevolution. Nicht wenige marxistisch-leninistische Parteien
besitzen theoretische und praktische Erfahrungen beim Aufbau der
sozialistischen Gesellschaft. Oftmals existieren noch ideologische
Differenzen in der Frage der Strategie und Taktik des zu führenden
Klassenkampfes.
Aber:
Das ist ein theoretisches und praktisches Potential, daß gemeinsam
organisiert neue Möglichkeiten für die Ausdehnung des
Marxismus-Leninismus im internationalen Maßstab für die
Arbeiterbewegung bietet.
Es
ist die Zeit herangereift, die richtigen Schlußfolgerungen für die
gemeinsame Strategie und Taktik der marxistisch-leninistischen Parteien
zu ziehen.
Das
Ziel, wie es der Vorsitzender der KPD Genosse Werner Schleese auf
unserem 21. Parteitag ausführte, ist dem Imperialismus „...eine
weltweite Bewegung gegen Ausbeutung und Krieg, eine weitere Vereinigung
der bereits bestehenden Formen, Mittel, Methoden und Organisationen und
die Mobilisierung des Proletariats unter Führung der kommunistischen
Parteien“ entgegenzustellen.
Es
besteht die dringende Notwendigkeit zur Schaffung der kommunistischen
Weltbewegung auf der Grundlage der Einheit und Reinheit des
Marxismus-Leninismus.
In
diesem Sinne: Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!
Achim
Churs, Sekretär für Agitation, Propaganda und Bildung beim ZK der KPD
Internationales
Kommunistisches Seminar
Brüssel,
Mai 2001
Kritische Anmerkung
Redaktion Kommunisten-online:
Die
Bezeichnung „Arbeitnehmer“ ist irreführend und ein Produkt der
bürgerlichen Verschleierung der Realität.
Friedrich
Engels schreibt dazu: „Es
ist also in dieser dritten Auflage kein Wort geändert, von dem ich
nicht bestimmt weiß, daß der Verfasser selbst es geändert hätte.
Es konnte mir nicht in den Sinn kommen, in das „Kapital“ den
landläufigen Jargon einzuführen, in welchem deutsche Ökonomen
sich auszudrücken pflegen, jenes Kauderwelsch, worin z.B.
derjenige, der sich für bare Zahlung von andern ihre Arbeit geben läßt,
der Arbeitgeber heißt,
und Arbeitnehmer
derjenige, dessen Arbeit ihm für Lohn abgenommen wird. Auch im
Französischen wird travail im gewöhnlichen Leben im Sinn von
„Beschäftigung“ gebraucht. Mit Recht aber würden die Franzosen
den Ökonomen für verrückt halten, der den Kapitalisten donneur de
travail, und den Arbeiter receveur de travail nennen wollte.“
Das Kapital, Band 1, MEW 23, Seite 34
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