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„Was
wäre die Folge, wenn es dem Kapital gelänge, die Republik der
Sowjets zu zerschlagen? Eine Epoche der schwärzesten Reaktion würde
über alle kapitalistischen und kolonialen Länder hereinbrechen
man würde die Arbeiterklasse und die unterdrückten Völker
vollends knebeln, die Positionen des internationalen Kommunismus
würden liquidiert!” (In:
Stalin, Werke, Bd. 9, S.29)
Auch das eine prophetische
Voraussage, deren Wahrheit wir heute schmerzlich erleben! (Kurt
Gossweiler) |
Kurt
Gossweiler
Zur
Rolle Stalins und zum Anteil des Chruschtschow-Revisionismus an der
Zerstörung der Sowjetunion
Seit ich politisch zu denken
angefangen hatte – dank meiner Mutter und ihres zweiten Mannes, beide
waren Mitglied der KPD seit 1927 - , also seit meinem zehnten
Lebensjahr, war die Sowjetunion für mich das Land meiner Bewunderung
und das Heimatland aller Kommunisten.
Aber es war keineswegs so, dass im
Laufe der Zeit das Vertrauen in die Sowjetunion und ihre Führung nicht
auch Belastungsproben unterworfen gewesen wäre.
Die erste waren für mich wie für
meine Genossen aus dem illegalen KJVD die Moskauer Prozesse. Wir hatten
damals auch eine Diskussion mit einem Jugendgenossen, der zu den
Trotzkisten abgedriftet war und über die Prozesse schon damals alles
das von sich gab, was seit den Chruschtschowschen und Gorbatschowschen
Rehabilitierungen der damals Verurteilten nun auch zum
Standardrepertoire aller „Erneuerer” und „Reformer” in
verschiedenen kommunistischen und ehemals kommunistischen, inzwischen
umbenannten Parteien gehört: dass alle Verurteilten natürlich
unschuldig seien und nur sterben mussten, weil sie Stalins
Allmachtstreben im Wege standen.
Auch das heute immer wieder ins Feld
geführte angebliche „Testament” Lenins, in dem er vor Stalin
gewarnt habe, brachte dieser junge Trotzkist schon damals vor.
Natürlich hatten wir damals keine Möglichkeit,
all dies zu überprüfen. Aber dafür, zu überprüfen, ob unser
Vertrauen zur Sowjetunion und zu Stalin gerechtfertigt war, gab es ein
sehr einfaches und zugleich überzeugendes Mittel: die Prüfung der
Taten der Sowjetunion und Stalins in der Auseinandersetzung mit dem
Faschismus!
Im Sommer 1936 hatte Franco seinen
Putsch gegen die Spanische Volksfrontregierung unternommen und damit das
Startzeichen für die Intervention des faschistischen Deutschland und
Mussolini-Italiens zugunsten der Errichtung eines faschistischen Regimes
in Spanien gegeben, als Vorspiel zum geplanten großen Krieg. Damit
wurde die Stellung zum Krieg in Spanien zum Prüfstein für die Stellung
aller Staaten, Parteien und Einzelpersönlichkeiten zum Faschismus. Wie
allen bekannt, gab es nur einen Staat in der ganzen Welt, der die
Spanische Republik verteidigen half gegen die Hitler- und Mussolini-
Aggressoren, und dieser Staat war nicht etwa das benachbarte Frankreich
mit seiner Volksfrontregierung, es war auch nicht England und es waren
auch nicht die USA – sie alle halfen vielmehr durch ihre heuchlerische
Nichteinmischungspolitik Franco, Hitler und Mussolini bei der Erwürgung
der Spanischen Republik.
Allein die Sowjetunion kam dem
spanischen Volk und den Freiwilligen in den Interbrigaden mit Waffen und
Soldaten zu Hilfe. Sie tat also genau das, was wir von ihr erwarteten.
Sie hat unser Vertrauen nicht enttäuscht.
Eine zweite Belastungsprobe stellte
im August 1939 der Abschluss des Nichtangriffsvertrages der Sowjetunion
mit Hitlerdeutschland dar. Ich war damals zum Arbeitsdienst eingezogen
und in ein RAD-Lager in Pommern verbracht worden. Die meisten der
anderen „Arbeitsmänner” stammten aus Pommern und waren, wenn nicht
Nazis, so doch auf keinen Fall bewusste Nazigegner. Aber mit mir war
noch einer aus Berlin in meinem „Trupp”, und nicht nur das – auch
er kam aus einem kommunistischen Elternhaus, und wir fanden schnell
heraus, dass wir beide von der gleichen Farbe waren. Eines Tages im
August erzählte er mir, sein Vater sei am Wochenende zu Besuch hier
gewesen und habe ihm eine ganz unwahrscheinliche Ankündigung gemacht.
Es werde – so habe er gesagt – in nächster Zeit zwischen
Deutschland und der Sowjetunion ein Vertrag geschlossen werden, er solle
sich schon darauf einstellen. Woher sein Vater das hatte, habe er ihm
nicht gesagt.
Ich hielt das dennoch für eine
ausgesprochene Latrinenparole und sagte das meinem Kumpel auch. Aber
dann kam der 23. August, und da gab es keinen Zweifel mehr: Die
Sowjetunion hatte mit Hitlerdeutschland einen Nichtangriffs-Vertrag
geschlossen! Und die Nazipresse berichtete so darüber, als handelte es
sich dabei um ein gegen die Westmächte gerichtetes Bündnis. Was
sollten wir davon halten?
Das Wichtigste für uns beide war,
den veröffentlichten Wortlaut des Vertrages daraufhin zu untersuchen,
ob in ihm irgend eine Passage enthalten war, die über ein Abkommen zum
gegenseitigen Nichtangriff hinausging und dem Ganzen Bündnischarakter
verliehen hätte. Es gab zu unserer großen Beruhigung keine einzige
solche Passage. Bei der Suche nach Gründen, welche die Sowjetunion zu
diesem Schritt veranlasst haben könnten, waren wir uns einig, dass die
Sowjetunion damit sicher der ja offenkundigen Gefahr vorbeugen wollte,
dass die Westmächte etwa mit Hitlerdeutschland ein neues Münchener
Abkommen, diesmal aber auf Kosten der Sowjetunion, schließen würden;
wir wussten beide sehr gut, dass sie die Aufrüstung Nazideutschlands
nicht nur geduldet, sondern gefördert hatten in der Hoffnung, die
deutsche Aggression gegen die Sowjetunion lenken zu können. Wenn es der
Sowjetunion mit diesem Abkommen gelang, Zeit zu gewinnen, dann konnte
uns das nur recht sein. Dass es nur um Zeitgewinn gehen konnte, dessen
waren wir uns gewiss; denn soviel wussten wir: das wichtigste Kriegsziel
Hitlers und seiner finanzkapitalistischen Hintermänner war die
Vernichtung der „bolschewistischen Gefahr”, der Sowjetunion. Wenn
sich Deutschland zunächst gegen den Westen wenden würde, dann auch mit
der Absicht, sich den Rücken frei zu machen für einen späteren Krieg
gegen die SU.
Auch die Besetzung der ostpolnischen
Gebiete durch die Rote Armee am 17.September, die noch heutzutage von so
genannten „demokratischen Sozialisten” in höchsten Tönen
moralischer Entrüstung als grobe Verletzung des Völkerrechts
verurteilt wird , - von den gleichen Leuten also, die heute, sobald sie
in die so heiß begehrten Regierungsämter gelangt sind, sich zu Bütteln
der Durchsetzung der Programme des Kapitals zur Ausplünderung der Wähler
hergeben, denen sie vorher die Vertretung ihrer Interessen versprachen,
- diese Besetzung zu bejahen und zu begrüßen machte uns überhaupt
keine Schwierigkeiten. Zum einen deshalb, weil, wo die Rote Armee Wache
hielt, die Wehrmacht nicht weiter vorrücken konnte, die Bevölkerung
also davor bewahrt blieb, unter den Stiefel der Faschisten getreten zu
werden.
Aber noch viel wichtiger: wir wussten
doch, dass dies Gebiete waren, die zu Weißrussland und zur Ukraine gehört
hatten und 1920 vom Pilsudski-Regime gewaltsam und völkerrechtswidrig
annektiert worden waren. Wir empfanden es als einen Geniestreich
Stalins, die gegenwärtigen Verstrickungen der imperialistischen Mächte
dazu auszunutzen, friedlich das zurückzuholen, was Sowjetrussland
seinerzeit gewaltsam entrissen worden war.
Als ich im Oktober 1940 - jetzt schon
als Angehöriger der Wehrmacht – für drei Monate Studienurlaub
erhielt, nahm ich natürlich wieder die Verbindung zu den Genossen
unserer KJVD-Gruppe auf. Auch sie hatten die genannten Ereignisse genau
so beurteilt wie ich und mein Genosse im RAD-Trupp.
Im übrigen war unsere Haltung zur
Sowjetunion in dieser komplizierten Zeit, und so abgesperrt, wie wir
seit 1933 von Informationen waren, bestimmt von einem durch lange Jahre
nie enttäuschten Vertrauen zur sowjetischen Führung. Wir waren auch
ganz sicher, dass früher oder später die Wehrmacht den Befehl zum Überfall
auf die Sowjetunion erhalten würde, und genau so sicher waren wir auch,
dass dies dann der Anfang vom Ende des Hitlerregimes in Deutschland sein
würde.
Auch darin sollte unser Vertrauen in
die Sowjetunion und ihre Führung nicht enttäuscht werden.
Am 21. Juni 1941 war es dann so weit,
dass Hitler den Befehl zur Verwirklichung des „Planes Barbarossa” ,
zum Beginn des Überfalles auf die Sowjetunion gab. Vom ersten Tage an
bis zum 14. März 1943, dem Tag meines Übertritts auf die Seite der
Roten Armee, war ich gezwungenermaßen Teilnehmer des
„Ostfeldzuges”. Natürlich war ich nach meinem Übertritt für die
sowjetische Seite ein Kriegsgefangener und kam in ein Arbeitslager. Das
Leben dort war hart, Arbeit im Torfmoor zur Torfgewinnung als
Brennmaterial für ein nahe gelegenes Kraftwerk, mit nur zu oft kaputten
Schuhen im Wasser der Entwässerungsgräben. Aber ich wusste, wie
sowjetische Kriegsgefangene durch die Deutschen behandelt wurden, hatte
selbst erlebt, wie Verwundete einfach abgeknallt wurden, wusste, dass in
den „Stalags” in Deutschland sowjetische Kriegsgefangene in Massen
durch Arbeit, Hunger und Krankheit vorsätzlich umgebracht wurden. Wir
dagegen erlebten, wie sich sowjetische Ärzte bemühten, das Leben
verwundeter deutscher Kriegsgefangener zu retten.
Die Verpflegung bei uns im Lager war
so, dass der Hunger zwar nie völlig gestillt wurde, aber wir wussten
auch: der Bevölkerung im nächsten Dorf ging es nicht besser. Wir haben
erlebt, dass in einem besonders strengen Winter - ich glaube, das war
1945 auf 1946 – die Leute im Dorf ihren Mahlzeiten Baumrinde beigaben,
während wir selbst in den schlechtesten Zeiten in unserem Essen Büchsenfleisch
aus den US-Lieferungen fanden.
Kurzum, ich erlebte auch als
Kriegsgefangener, dass man sich auf Stalins Wort verlassen konnte:
„Wenn sich der deutsche Soldat ergibt, wird er entsprechend den
internationalen Abmachungen behandelt!” Das ging – zum großen Ärger
vieler „Landser” - so weit, dass auch die Vorschriften eingehalten
wurden, die den Offizieren eine Vorzugsbehandlung einräumten.
Nach einigen Monaten wurde ich
zusammen mit anderen Kameraden als Kursant auf die zentrale
Antifa-Schule in Taliza geschickt, auf der wir – insgesamt zehn
Kursanten - nach Absolvierung des Lehrgangs als Assistenten der dort als
Lehrer wirkenden Emigranten-Genossen arbeiteten. Ich blieb dort bis zu
meiner Entlassung nach Deutschland im Sommer 1947. Das waren Jahre
angespanntesten Studiums, denn wir mussten uns die Kenntnisse aneignen,
die nötig waren, um Vorlesungen zu halten und Seminare durchzuführen
auf den Gebieten: Deutsche Geschichte, Geschichte Russlands und der
Sowjetunion, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Politische Ökonomie
und marxistisch-leninistische Philosophie.
Diese Jahre an der Antifa-Schule –
sie waren meine eigentliche Universität; und ich übertreibe nicht,
wenn ich sage: von dem dort Gelernten zehre ich noch heute, denn ohnedem
wäre es mir nicht möglich gewesen, die Chruschtschowerei als Verrat am
Marxismus-Leninismus und als feindliche Diversion zu erkennen.
Das, was uns dort der stärkste
Ansporn war und auch die größte Befriedigung gewährte, war das
Bewusstsein, dazu beizutragen, dass Landser, die Hitler dazu missbraucht
hatte, die Sowjetunion zu zerstören, als Antifaschisten in die Heimat
zurückkehrten um zu helfen, das schwere geistige und materielle Erbe
des Faschismus zu überwinden und eine neue, antifaschistische Ordnung
in ganz Deutschland zu errichten.
Nach meiner Rückkehr in die Heimat
im Sommer 1947 arbeitete ich bis zum Jahre 1955 in der Bezirksleitung
der SED, um dann 1955 eine Doktor-Aspirantur an der Humboldt-Universität
zu beginnen.
Am 5. März 1953, also noch in der
Zeit meiner Arbeit im Parteiapparat, starb Stalin. Während der
gewaltigen Trauerdemonstration, die in Berlin wie in der ganzen Welt
stattfand, hörte ich nicht nur einmal die fast verzweifelte Frage:
„Was soll denn nun werden? Wie wird es weitergehen?” Ich habe damals
gedacht und wohl auch diesem und jenem gesagt: „Wie kann ein Marxist
nur so fragen? Es werden andere an seine Stelle treten und seine Sache,
die Sache Lenins, weiterführen!”
Nur zu bald sollte ich feststellen,
dass ich unrecht, dass ich die Rolle der Persönlichkeit doch unterschätzt
hatte.
Woher kam das? Mir war noch nicht
klar, was ich erst langsam hinzulernte: dass nämlich die Rolle der Persönlichkeit
in der sozialistischen Gesellschaft um vieles bedeutsamer ist, als im
Kapitalismus. Im Kapitalismus wäre ganz unmöglich, dass ein Partei-
oder Staatsführer durch eine Politik des Verrates an seiner Klasse die
kapitalistische Ordnung unterminieren und Schritt für Schritt und Stück
für Stück in eine nicht mehr kapitalistische, in eine sozialistische
überführen könnte.
Im Sozialismus aber ist ein solcher
Weg der Unterminierung der sozialistischen Ordnung und ihre Perestroika
in eine kapitalistische mittels einer Politik des Klassenverrates durch
die Partei- und Staatsführung nicht nur möglich, sondern von
Chruschtschow begonnen und von Gorbatschow zum Erfolg geführt worden.
Woran liegt das?
Die Erklärung kennen wir eigentlich
alle, aber wir machen sie uns nicht bewusst: Der Kapitalismus ist ein
sich selbst regulierendes System, dessen Gesetzen die Menschen
unterworfen sind. Der Sozialismus ist in Theorie und Praxis eine
Wissenschaft. Der sozialistische Aufbau muss also auch wissenschaftlich
betrieben werden, d.h., der sozialistische Politiker und Ökonom muss
die Gesetze der Entwicklung der Gesellschaft und die ökonomischen
Gesetze des Sozialismus kennen und darauf seine Politik aufbauen.
Oder anders gesagt: Während der
Prozess der Entstehung und Entwicklung des Kapitalismus ein spontaner
Prozess ist, ist der Prozess der Errichtung und Entwicklung des
Sozialismus ein bewusster, organisierter Prozess.
Das aber bedeutet, dass die Führungsqualitäten
der führenden Persönlichkeiten im Sozialismus eine für das Schicksal
des Sozialismus, für das Gelingen oder das Scheitern des
sozialistischen Aufbaus, entscheidende Rolle spielen.
Das bedeutet aber auch, dass die
imperialistischen Politiker über ganz andere und wirkungsvollere Mittel
der Einflussnahme auf die politische Entwicklung in den Ländern des
Sozialismus verfügen, als umgekehrt. Das sozialistische System kann
durch Einschleusung von Agenten des Imperialismus in seinen
Herrschaftsapparat oder durch Korrumpierung von Führungskräften
paralysiert und sogar zerstört werden, das kapitalistische System nur
durch den Kampf der Massen.
Die Bourgeoisie weiß um diese
besonders große Bedeutung revolutionärer Persönlichkeiten für den
Sieg des Sozialismus offenkundig besser Bescheid, als wir. Daher gehört
die Planung von Morden an besonders fähigen, populären und
unbestechlichen Führern der kommunistischen Parteien und der
antiimperialistischen Bewegungen ebenso zum Alltagsgeschäft der
imperialistischen Geheimdienste wie die Zersetzung revolutionärer
Bewegungen und der kommunistischen Parteien von innen.
Und daher auch ihre besonders großen
Hoffnungen auf das Ableben von besonders populären und hervorragenden
revolutionären Führern, und die besonders intensiven Bemühungen, nach
deren Tod auf die Wahl des Nachfolgers Einfluss zu nehmen. Dazu gab es
die Einteilung der Führer der kommunistischen Parteien in die
„Tauben” die zu fördern und die „Falken”, die zu bekämpfen
waren; später taufte man dann die zu Fördernden in die
„Antistalinisten” und „Reformer” um, und die zu Bekämpfenden
und zu Eliminierenden in „Stalinisten” und „Betonköpfe.”
Schon in den letzten Wochen und Tagen
Lenins hoffte man im Westen auf die Schwächung und Zersetzung der
Sowjetmacht durch Machtkämpfe um die Nachfolge Lenins nach dessen Tod.
Und sie hatten Grund zu solchen Hoffnungen, denn der jahrzehntelange
Gegner Lenins, der erst in den letzten Monaten vor der
Oktoberrevolution, auf dem VI. Parteitag der Bolschewiki im August 1917,
durch Eintritt in die Partei Lenins auf den Zug der von den Bolschewiki
vorbereiteten und geführten Revolution aufgesprungen war, Trotzki,
setzte alles daran, sich als Nachfolger Lenins an die Spitze der Partei
zu setzen.
Wäre ihm das gelungen, wäre das
gleichbedeutend gewesen mit dem Ende der Partei als
marxistisch-leninistischer Partei, und damit gleichbedeutend mit dem
Ende der Sowjetmacht. Denn im Gegensatz zu Lenin und der Mehrheit der führenden
Genossen vertrat Trotzki vehement die These, dass der Sieg und der
Aufbau des Sozialismus in einem Lande unmöglich sei.
Lenin hatte 1915 in einem Aufsatz in
der Schweizer Zeitung „Sozialdemokrat” erstmals davon gesprochen,
dass der Sieg des Sozialismus in einem einzeln genommenen Lande möglich
sei. Er schrieb in dem Artikel „Die Vereinigten Staaten von Europa”:
Als selbständige Losung wäre „...
die Losung Vereinigte Staaten der Welt wohl kaum richtig, denn erstens fällt
sie mit dem Sozialismus zusammen, und zweitens könnte sie die falsche
Auffassung von der Unmöglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem
Lande und eine falsche Auffassung von den Beziehungen eines solchen
Landes zu den übrigen entstehen lassen. Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen
und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus.
Hieraus folgt, dass der Sieg des Sozialismus zunächst in wenigen
kapitalistischen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich
ist.” (Nachzulesen ist das in Bd.21, S.345 der Werke Lenins,
Berlin 1960).
Sofort meldete sich Trotzki mit einem
Gegenartikel zu Wort, in dem er schrieb: „Das einzige einigermaßen
konkrete historische Argument gegen die Losung der Vereinigten Staaten
wurde im schweizerischen ‚Sozialdemokrat’ in folgendem Satz
formuliert: ‚Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen
Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus.’ Daraus zog
der ‚Sozialdemokrat’ den Schluss, dass der Sieg des Sozialismus in
einem Lande möglich sei.” Dem widersprach Trotzki mit der
Feststellung, es wäre aussichtslos, zu glauben, „dass zum Beispiel
ein revolutionäres Russland einem konservativen Europa gegenüber sich
behaupten ... könnte.”
(In: Trotzki, Schriften, Bd. III, Teil I, S.89).
Nach dem Sieg der Oktoberrevolution
hofften natürlich alle Revolutionäre in Russland, dass ihrem Beispiel
die Arbeiter in anderen Ländern, vor allem in Deutschland folgen würden.
Als sich dann nach dem Abklingen der revolutionären Welle
herausstellte, dass Sowjetrussland zunächst allein in einer
kapitalistischen Umkreisung leben müsse, waren Lenins Worte von 1915
von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande, noch
dazu einem Lande wie Russland, das gewissermaßen einen eigenen
Kontinent darstellte, der Leitfaden für das Handeln der wirklichen
Bolschewiki.
Trotzki dagegen hielt an seiner These
von der Unmöglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande fest
und verkündete, ohne den Sieg der Weltrevolution sei die Sowjetunion
zum Untergang verurteilt. Die Revolution müsse deshalb „permanent”
gemacht werden und nötigenfalls mit den Bajonetten der Roten Armee nach
Westen getragen werden – oder sie werde „auf dem Halm verfaulen”.
Trotzkis
„Theorie der permanenten Revolution” verbarg in Wahrheit unter
„revolutionärem” Etikett eine Theorie der Kapitulation für den
Fall, dass die „Weltrevolution” nicht baldigst die russischen
Revolution aus der Isolierung befreien würde. Diese Theorie war
zugleich abenteuerlich und defätistisch, und auf jeden Fall
konterrevolutionär. Der Kampf gegen sie war deshalb ein Kampf, von
dessen Ausgang die Existenz der Sowjetmacht abhing.
Weil Stalin am entschiedensten gegen
Trotzkis Untergangsthese von der „Unmöglichkeit des Sieges des
Sozialismus in einem Lande” Lenins These von der Möglichkeit des
Sieges des Sozialismus in einem Lande, in der Sowjetunion, verteidigte,
konzentrierten Trotzki und die Seinen das Hauptfeuer auf Stalin. Sie
haben immerhin erreicht, dass die meisten Leute heute glauben, Stalin
sei der „Erfinder der Theorie von der Möglichkeit des Sozialismus in
einem Lande” gewesen und keine Ahnung davon haben, dass diese Theorie
von Lenin stammt, noch davon, mit welchen Argumenten Stalin diese
Leninsche Theorie verteidigte und begründete. Deshalb sei hier
vorgetragen, was Stalin dazu in seiner Arbeit „Zu den Fragen des
Leninismus” 1926 geschrieben hat:
„Was
bedeutet die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande?
Das
bedeutet die Möglichkeit, die Gegensätze zwischen Proletariat und
Bauernschaft mit den inneren Kräften unseres Landes zu überwinden, die
Möglichkeit, dass das Proletariat die Macht ergreifen und diese Macht
zur Errichtung der vollendeten sozialistischen Gesellschaft in unserem
Lande ausnutzen kann, gestützt auf die Sympathien und die Unterstützung
der Proletarier der anderen Länder, aber ohne vorherigen Sieg der
proletarischen Revolution in anderen Ländern.
Was
bedeutet die Unmöglichkeit des vollen, endgültigen Sieges des
Sozialismus in einem Lande ohne den Sieg der Revolution in anderen Ländern?
Das bedeutet die Unmöglichkeit einer vollständigen Garantie gegen die
Intervention und folglich gegen die Restauration der bürgerlichen
Ordnung, wenn die Revolution nicht wenigstens in einer Reihe von Ländern
gesiegt hat.”
(Nachzulesen in Band 8, S.58 der Stalin-Werke.)
Nicht wenige Leute meinen heute, der
Untergang der Sowjetunion beweise, dass Trotzki mit seiner These von der
Unmöglichkeit des Sozialismus in einem Lande doch gegen Stalin recht
behalten habe. Sie
übersehen dabei jedoch erstens, dass die Sowjetunion nicht unterging,
als sie noch der einzige sozialistische Staat der Erde war, sondern
nachdem es sozialistische Staaten und Staaten sozialistischer
Orientierung schon in allen Erdteilen außer Australien gab, die in den
Jahren von 1948/49 an bis 1960, bis zum von Chruschtschow
bewerkstelligten Bruch mit der Volksrepublik China und Albanien, eine
sozialistische Staatengemeinschaft gebildet hatten, die bereits ein
Drittel des Erdballs ausmachte. Das Problem des Sozialismus in einem
Lande war damit gegen Trotzki im Sinne Lenins und Stalins gelöst.
Und diese Leute vergessen nun ganz und gar, dass allein das bisherige Überleben
des sozialistischen Winzlings Kuba im Würgegriff seines übermächtigen
Nachbarn USA nach dem Untergang seiner wichtigsten Unterstützer die
Trotzki-Theorie von der Unmöglichkeit des Sieges des Sozialismus in
einem Lande der Lächerlichkeit preisgibt und beweist, dass Trotzki nie
begriffen hat, wo die Wurzeln der Überlebenskraft der proletarischen
Revolution liegen.
Noch vor Lenins Tod begann er den
Kampf um die Macht. Selbst in der nach dem XX. Parteitag
„entstalinisierten” „ Geschichte der Kommunistischen Partei der
Sowjetunion” aus dem Jahre 1970 (erschienen in Berlin 1971), wurde
dies noch wahrheitsgemäß berichtet: „Trotzki machte sich den
Umstand zunutze, dass der Führer der Partei, W.I. Lenin, infolge seiner
schweren Erkrankung aus der Arbeit ausgeschieden war, und nahm den Kampf
gegen die Partei erneut auf. Er hoffte, dass die Schwierigkeiten im
Lande seine Pläne begünstigen würden, die Führung der Partei an sich
zu reißen und eine Linie durchzusetzen, die letztlich zur Restauration
des Kapitalismus geführt hätte.” (S.423).
Dabei setzte er vor allem auf Lenins
Aufzeichnungen vom 23./24./25. Dezember 1922 und 4. Januar 1923, die als
Brief an den bevorstehenden XIII Parteitag gedacht waren. Aus diesen
Aufzeichnungen spricht die große Sorge Lenins, die Auseinandersetzungen
in der Partei, vor allem zwischen Trotzki und Stalin, könnten zur
Spaltung der Partei führen. Er gab in diesen Aufzeichnungen auch eine
kurze Charakteristik der wichtigsten Genossen der Führung der Partei, -
Trotzki, Stalin, Sinowjew, Kamenjew, Bucharin und Pjatakow, wobei er
deren Vorzüge und Mängel benannte.
Dabei
war Stalin der einzige, bei dem er an seiner politischen Haltung nichts
auszusetzen hatte, wohl aber an, wie er sie nannte, Stalins Grobheit in
den innerparteilichen Auseinandersetzungen.
„Stalin ist zu grob”, schrieb er am 4. Januar 1924, „und
dieser Mangel, der in unserer Mitte und im Verkehr zwischen Kommunisten
durchaus erträglich ist, kann in der Funktion des Generalsekretärs
nicht geduldet werden. Deshalb schlage ich den Genossen vor, sich zu überlegen,
wie man Stalin ablösen könnte, und jemand anderen an diese Stelle zu
setzen, der sich in jeder Hinsicht von Gen. Stalin nur durch einen
Vorzug unterscheidet, nämlich dadurch, dass er toleranter, loyaler, höflicher
und den Genossen gegenüber aufmerksamer, weniger launenhaft usw. ist.
Es könnte so scheinen, als sei dieser Umstand eine winzige Kleinigkeit.
Ich glaube jedoch, unter dem Gesichtspunkt der Vermeidung einer Spaltung
und unter dem Gesichtspunkt der von mir oben geschilderten Beziehungen
zwischen Stalin und Trotzki ist das keine Kleinigkeit, oder eine solche
Kleinigkeit, die entscheidende Bedeutung erlangen kann.” (Die
genannten Aufzeichnungen vom 22. 12. 1923 bis zum 4. 1. 1924 sind
nachzulesen in Band 36, S.577-580, Berlin 1964 der Lenin-Werke).
Die trotzkistische Propaganda
behauptet bis zum heutigen Tage, Stalin habe diese Kritik Lenins vor der
Partei verheimlicht. Wie es sich wirklich verhielt, das wird in einem
1995 in Moskau erschienenen und natürlich antikommunistischen Buch mit
dem Titel: Stalin. Briefe an Molotow 1925-1936, in Deutschland 1996 im
Siedler Verlag herausgebracht, von einem der Herausgeber wie folgt
beschrieben:
„
Nur Nadeschda Krupskaja, Lenins Frau, kannte den vollen Inhalt des
Dokuments, das sie nach Lenins Tod Anfang 1924 zusammen mit anderen
Papieren dem Zentralkomitee übergab. Die Parteiführung entschied,
Lenins Brief nicht in das offizielle Protokoll des bevorstehenden XIII.
Parteitages aufzunehmen, sondern es den einzelnen Delegationen
vertraulich zu verlesen. Stalin bot seinen Rücktritt als Generalsekretär
an, dies wurde aber nicht akzeptiert. Der Brief selbst wurde nicht veröffentlicht.”
(S.33 des angegebenen Buches).
Veröffentlicht wurde jedoch Stalins
Rede über „Die trotzkistische Opposition früher und jetzt” vom 23.
Oktober 1927, in der Stalin auf die so genannte „Eastman-Affäre”
einging und dann ausführte:
„Man
sagt, Genosse Lenin habe in diesem „Testament” dem Parteitag
vorgeschlagen, man solle sich im Hinblick auf Stalins ‚Grobheit’ überlegen,
ob man nicht Stalin als Generalsekretär durch einen anderen Genossen
ersetzen solle. Das stimmt durchaus. Ja, Genossen, ich bin grob gegen
diejenigen, die grob und verräterisch die Partei zersetzen und spalten.
Ich habe das nicht verheimlicht und verheimliche es nicht. Möglich,
dass hier eine gewisse Milde gegenüber den Spaltern erforderlich ist.
Aber das bringe ich nicht fertig. Gleich in der ersten Sitzung des
ZK-Plenums nach dem XIII. Parteitag ersuchte ich das Plenum des ZK, mich
von der Funktion des Generalsekretärs zu entbinden. Der Parteitag
selbst behandelte diese Frage. Jede Delegation behandelte diese Frage,
und alle Delegationen, unter ihnen auch Trotzki, Kamenew, Sinowew,
verpflichteten Stalin einstimmig, auf seinem Posten zu bleiben.
Was
konnte ich tun? Von meinem Posten davonlaufen? Das ist nicht meine Art,
ich bin niemals von irgendeinem Posten davongelaufen, und ich habe kein
Recht, davonzulaufen, denn das wäre Desertion... Ein Jahr danach
richtete ich erneut einen Antrag an das Plenum, mich von meiner Funktion
zu entbinden, aber man verpflichtete mich erneut, auf meinem Posten zu
bleiben. Was konnte ich weiter tun?
Was
die Veröffentlichung des ‚Testaments’ angeht, so beschloss der
Parteitag, es nicht zu veröffentlichen, da es an den Parteitag
gerichtet und nicht für die Presse bestimmt war.” (Zu
finden in: Stalin, Werke, Bd. 10, S.153, Berlin 1953).
In der Tat hatte nicht Stalin,
sondern hatten andere eine Veröffentlichung zu fürchten, hatte Lenin
doch Trotzki „Nichtbolschewismus” bescheinigt, von Kamenew und
Sinowjew gesagt, „dass die Episode im Oktober natürlich kein Zufall
war” – (im Oktober 1917 hatten die beiden der bürgerlichen Presse
den in der Parteiführung beschlossenen Termin für den Beginn des
bewaffneten Aufstandes zugespielt, weshalb Lenin damals für diesen
Verrat ihren Ausschluss aus der Partei verlangt hatte); und hatte Lenin
doch von Bucharin gesagt, „
er gilt mit Recht als Liebling der ganzen Partei, aber seine
theoretischen Anschauungen können nur mit sehr großen Bedenken zu den
völlig marxistischen gerechnet werden”.
Trotzki aber benutzte das
„Testament” mit der Empfehlung , Stalin als Generalsekretär durch
einen anderen zu ersetzen, dazu, der Parteiöffentlichkeit zu
suggerieren, Lenin habe als seinen Nachfolger an der Spitze der Partei
ihn, Trotzki, im Auge gehabt. Dabei gab ihm das 1925 herausgebrachte
Buch eines amerikanischen Journalisten und Trotzki-Sympathisanten, Max
Eastman, mit dem Titel: „Since Lenin Died”, kräftige Hilfestellung.
Zu diesem Eastman und seinem Buch hatte Stalin in der erwähnten Rede
ausgeführt:
„Es
gibt da einen gewissen Eastman, einen ehemaligen amerikanischen
Kommunisten, der dann aus der Partei hinausgeworfen wurde. Nachdem sich
dieser Herr eine Zeitlang in Moskau unter Trotzkisten herumgetrieben und
verschiedene Gerüchte und Verleumdungen in Bezug auf Lenins
‚Testament’ gesammelt hatte, fuhr er ins Ausland und gab unter dem
Titel ‚Nach Lenins Tod’ ein Buch heraus, in dem er nicht an Farben
spart, um die Partei, das Zentralkomitee und die Sowjetmacht zu
verleumden, und in dem alles darauf aufgebaut ist, dass das ZK unserer
Partei angeblich das ‚Testament’ Lenins ‚verheimlicht’. Da
dieser Eastman eine Zeitlang mit Trotzki in Verbindung stand, forderten
wir, die Mitglieder des Politbüros, Trotzki auf, sich von Eastman
abzugrenzen, der dadurch, dass er sich an Trotzki klammert und sich auf
die Opposition beruft, Trotzki für die Verleumdungen unserer Partei
hinsichtlich des ‚Testaments’ verantwortlich macht. Da die Frage so
offenkundig war, grenzte sich Trotzki wirklich von Eastman ab und gab
eine entsprechende Erklärung an die Presse. Sie wurde im September 1925
in Nummer 16 des ‚Bolschewik’ veröffentlicht..”
Dieses Buch war eine unverhohlene
Hilfestellung für Trotzki in dessen Kampf um die Nachfolge Lenins. Was
von Eastmans „Enthüllungen” zu halten ist, schildert der
Mitherausgeber der oben erwähnten Dokumentation der Stalin-Briefe an
Molotow aus dem Jahre 1995 wie folgt:
„Frühere
westliche Interpretationen sind stets davon ausgegangen, dass Eastmans
Buch ‚lange Auszüge’ des Testaments ‚korrekt wiedergibt.’ Als
ich ‚Since Lenin Died’ las, stellte ich zu meiner Überraschung
fest, dass dies weit von der Wahrheit entfernt ist. Eastman gibt das
Testament nicht nur stark entstellt wieder. Vielmehr dienen seine
Entstellungen alle ganz offensichtlich einem politischen Zweck, der im
Schlusssatz des Buches unzweideutig formuliert ist: Die Revolutionäre
anderer Länder sollten sich daran erinnern, dass ‚sie nicht gelobt
haben, im Namen des ‚Leninismus’ die internationale Autorität einer
Gruppe zu akzeptieren, vor der Lenin in seinen letzten Worten warnt und
die wesentlichen Texte Lenins unterschlagen hat, um diese Autorität
aufrechtzuerhalten”.
Eastman interpretiert das Testament
als eine ‚direkte Bestätigung von Trotzkis Ansehen’. Um zu dieser
Schlussfolgerung zu kommen, musste er die positiven Äußerungen über
andere Führungspersönlichkeiten und die negativen Bemerkungen über
Trotzki weglassen. Die Schuld für diese Fehler ist nicht in erster
Linie Eastman anzulasten, der sich auf ‚drei verantwortliche
hochgestellte Kommunisten in Russland’ berief, die das Testament
gelesen und ‚sich seine wichtigsten Sätze eingeprägt’ hatten. In
seinen Memoiren, die 1964 erschienen, erinnert sich Eastman, dass
Trotzki auf dem XIII. Parteitag im Jahre 1924 ‚mich in eine verborgene
Ecke des Palastes zog und mir dort die wichtigsten Sätze aus Lenins
‚Testament’ mitteilte. (In einem Memorandum an Stalin,... deutet
Trotzki an, er habe Eastman während dieser Zeit nicht getroffen.) Vor
der Veröffentlichung zeigte Eastman sein Manuskript Christian Rakowski,
einem Gefolgsmann Trotzkis, der damals in Frankreich tätig war.
Rakowski stimmte der Veröffentlichung zu. Die Verantwortung für die
Entstellungen scheint deshalb bei der Trotzki-Gruppe selbst zu
liegen.” (S.34/35)
Damit hatte Trotzki eine Grube
gegraben, in die Stalin stürzen sollte, in die er aber nun selber fiel.
Er konnte nicht anders, als der Forderung des Politbüros nachzukommen
und sich von den Lügen und Verleumdungen Eastmans in dem von Stalin erwähnten
Artikel zu distanzieren.
In seiner Rede über die
trotzkistische Opposition zitierte Stalin eine lange Passage aus diesem
Artikel Trotzkis. Trotzki hatte darin festgestellt:
„Es
versteht sich von selbst, dass alle diese Briefe und Vorschläge
(Lenins) stets bestimmungsgemäß weitergeleitet, den Delegierten des
XII. und XIII. Parteitags zur Kenntnis gebracht wurden und selbstverständlich
immer entsprechenden Einfluss auf die Beschlüsse der Partei ausübten,
und wenn nicht alle diese Briefe veröffentlicht wurden, so deshalb,
weil sie von ihrem Verfasser nicht für die Presse bestimmt waren....
Alle Redereien über ein verheimlichtes oder verletztes ‚Testament’
sind böswillige Erfindungen und sind ganz und gar gegen den faktischen
Willen Wladimir Jljitschs sowie gegen die Interessen der von ihm
geschaffenen Partei gerichtet.”
Das kam einer Selbstentlarvung
gleich, denn jedem musste klar sein, dass die Quelle für Eastmans
„Enthüllungen” nur Trotzki selbst und seine Gruppe sein konnte. Die
„Eastman-Affäre” dürfte daher mit dazu beigetragen haben, dass der
Versuch, Lenins Tod dazu auszunutzen, durch Entfesselung eines
Machtkampfes die KPdSU zu schwächen und führungsunfähig und dadurch
den Weg für eine kapitalistische Restauration frei zu machen, kläglich
scheiterte. Das Hauptverdienst dafür kam Stalin zu. Es war ein Glücksfall
für die KPdSU und für die Sowjetunion, dass nach Lenins Tod ein Mann
wie Stalin bereitstand, der Lenins Ideen wie kein zweiter sich zu eigen
gemacht hatte und die notwendige Elastizität und Härte besaß, die
notwendig war im Überlebenskampf der Sowjetunion gegen die feindlichen
Umkreisung, besonders, nachdem der Imperialismus die Sowjetunion mit dem
Überfall des faschistischen Deutschland bedrohte.
Ich habe diese weit zurückliegende
Geschichte so ausführlich erzählt, weil sie nach Stalins Tod - 5.März
1953 - wieder hervorgeholt wurde, um zu dem gleichen Zweck eingesetzt zu
werden, zu dem sie damals von Trotzki und den Seinen eingesetzt worden
war: wieder erhofften sich die Imperialisten vom Tode des verhassten und
gefürchteten Bolschewikenführers eine Chance, in die unvermeidliche
Situation der Unsicherheit während der Herausbildung der neuen Führung
zu ihren Gunsten eingreifen und Leute ihrer Wahl an die Spitze bringen
zu können.
Hätte ich damals, 1953, schon das
westdeutsche „Keesings Archiv der Gegenwart” gekannt und dessen Veröffentlichungen
verfolgt, es wäre mir schneller gelungen, dahinter zu kommen, dass man
in London und Washington mit der neuen Moskauer Führung sehr zufrieden
war und große Hoffnungen auf sie setzte. Ich hätte dann nämlich
folgende Berichte lesen können:
Der neue USA-Präsident Eisenhower
hielt am 16.April 1953 eine Rede, in der er sagte:
„Die
Welt weiß, dass mit dem Tode Stalins eine Epoche zu Ende ging... Jetzt
ist eine neue Führergeneration in der Sowjetunion an die Macht
gekommen. Die sie mit der Vergangenheit verknüpfenden Bande mögen auch
noch so stark sein, sie bedeuten jedoch keine feste Bindung für sie.”
(Zwischenfrage: Woher wussten die das?) Eisenhower fuhr fort: „Die
Gestaltung der Zukunft hängt weitgehend von ihrem Willen ab... Die
neuen sowjetischen Führer haben somit eine einmalige Gelegenheit, sich
... darüber klar zu werden, welchen Grad der allgemeinen Gefährdung
wir erreicht haben, und dass sie das ihre tun müssen, den Lauf der
Geschichte zu wenden.”
Churchill am 11. Mai 1953 im
Unterhaus:
„Das
wichtigste Ereignis ist natürlich die Änderung der Haltung und, wie
wir alle hoffen, des Geistes, die im Sowjetbereich und insbesondere im
Kreml seit dem Tode Stalins stattgefunden hat.... Es ist die Politik der
(britischen) Regierung, es durch jedes Mittel in ihrer Macht zu
vermeiden, etwas zu tun oder zu sagen, das irgendeine günstige Reaktion
hemmen könnte, die sich ergeben könnte, sowie jedes Zeichen einer
Verbesserung in unseren Beziehungen zu Russland zu begrüßen.”
Hätte ich das damals schon zu lesen
bekommen, ich hätte mich bestimmt gefragt: Was ist denn da los? Woher
auf einmal soviel Hoffnung auf und Wohlwollen gegenüber dieser neuen
Kreml-Führung? Haben die da etwa einen Vertrauensmann drin?
Ich hatte es aber nicht gelesen und
brauchte deshalb viel länger, bis ich wegen einer Abfolge von
Ereignissen zwischen 1953 und 1956 schließlich doch auch auf die
gleiche Frage gestoßen wurde. Die Ereignisse, die das waren, kann ich
aus Zeitmangel hier nur benennen. Was es war, das mich stutzig und
misstrauisch machte, habe ich in der Einleitung meines Buches (Die
Taubenfußchronik) einigermaßen ausführlich genannt, und vielleicht
haben wir in der Diskussion noch Zeit, darauf zurückzukommen.
Der erste Anlass dafür, dass ich
mich fragte, warum die Freunde in Karlshorst so etwas zuließen oder
vielleicht sogar die Anweisung dafür gegeben haben, war das Kommuniqué
der SED-Parteiführung über den „Neuen Kurs” , das am 11. Juni 1953
veröffentlicht wurde. (Ausführliches kann man dazu in meinem Buch
„Wider den Revisionismus” in dem Artikel über den 17. Juni 1953
nachlesen.)
Das zweite Ereignis, das mich überraschte
und mir den Eindruck vermittelte, dass da drüben in der SU etwas nicht
mehr ganz rund lief, war die Mitteilung im Dezember 1953 über die
Erschießung Berijas, - nach Stalins Tod zusammen mit Malenkow, Molotow
und Chruschtschow prominentes Mitglied der neuen „kollektiven Führung”
der KPdSU, nun zum Tode verurteilt mit der Beschuldigung, seit dem Bürgerkrieg
schon ein imperialistischer Agent gewesen zu sein.
Als Drittes dann im Mai 1955
Chruschtschows Totalrehabilitierung Titos mit der Erklärung, alle 1948
und danach gegen ihn erhobenen Vorwürfe seien Erfindungen von
Staatsfeinden und imperialistischen Agenten gewesen, - eine Behauptung,
die ganz offenkundig falsch war und die Frage aufwarf, was eigentlich
mit dieser Geschichtslüge bezweckt wurde. Schließlich wusste ja alle
Welt, dass Tito Jugoslawien in den Balkanpakt geführt hatte, dessen
weitere Mitglieder die NATO-Staaten Türkei und Griechenland waren und
der zum USA-geführten, gegen die Sowjetunion gerichteten Bündnissystem
gehörte. Nicht weniger bekannt war, dass die USA, die ein striktes
Waffenausfuhrverbot in die sozialistischen Staaten erlassen hatten,
keinerlei Bedenken trugen, Tito-Jugoslawiens Armee mit Waffen auszurüsten.
Als Viertes und bislang
Verwirrendstes – Chruschtschows Stalin-Verdammungsrede auf dem XX.
Parteitag im Februar 1956. Sie schlug nicht nur allem ins Gesicht, was
wir bisher aus der Sowjetunion über Stalin gehört, gelesen und in
Filmen gesehen hatten, und es war das auch so sehr das Gegenteil dessen,
was bisher Chruschtschow selbst über Stalin gesagt hatte, vor allem
aber enthielt diese Rede nicht wenige ganz offenkundige Unwahrheiten,
dass ich mich nunmehr ernsthaft fragte: Wer ist denn dieser
Chruschtschow wirklich? Kann man ihm tatsächlich weiterhin voll
vertrauen?
Und dann geschah schließlich im
Herbst des Jahres 1956, in den Tagen der Konterrevolution in Ungarn, das
absolut Unbegreifliche und Unverzeihliche: Die Rote Armee stand mit
ihren Panzern im Lande und griff tagelang nicht ein, als das ungarische
Faschistengesindel wie in den Tagen der Liquidierung der Räterepublik
in Ungarn im Jahre 1919 die Kommunisten jagte und an den Bäumen aufknüpfte.
Die Verantwortung dafür konnte nur bei der Spitze, bei Chruschtschow
liegen.
Was aber sollte man von einem Manne
halten, der einen Liebling des Imperialismus, wie Tito, trotz erwiesener
Feindschaft gegen die Sowjetunion und ebenso erwiesener Mitgliedschaft
im USA-geführten Paktsystem rehabilitierte und einen „Teuren
Genossen” nannte – gleichzeitig aber den Rotarmisten in Ungarn den
Befehl gab, tagelang tatenlos zuzusehen, wie die ungarischen Genossen
ermordet wurden?
In meinem Buche – (Die Taubenfußchronik)
- schildere ich, wie ich schließlich zu der Gewissheit gelangte, dass
mit Chruschtschow als Generalsekretär der KPdSU das Undenkbare
Wirklichkeit geworden war – dass nämlich ein als Marxist-Leninist
getarnter Feind an die Spitze der Partei Lenins gelangt war.
Diese Feststellung klingt manchem
noch heute ungeheuerlich, aber nach den Erfahrungen mit einem
Gorbatschow als KPdSU-Chef wohl doch nicht mehr so ganz unwahrscheinlich
und abenteuerlich, weil sich das Undenkbare nun doch vor aller Augen als
nicht nur denkbar, sondern als traurige Wirklichkeit erwiesen hat.
Umso dringlicher aber stellt sich die
Frage: Wie war das möglich?
Bis wir imstande sein werden, darauf
eine umfasssende Antwort zu geben, wird noch viel Zeit vergehen, weil es
noch lange dauern wird, bis wir Zugang auch zu den Archiven bekommen, in
denen ein Teil der Antwort verborgen ist. Aber Wesentliches zum
Aufkommen und Wuchern des Revisionismus können wir doch schon heute
sagen.
Opportunisms
und Revisionismus – stete Begleiter der marxistischen Arbeiterbewegung
1.Stalins
Kampf gegen trotzkistische und opportunistische Abweichungen von der
Linie Lenins
(Aus Zeitmangel nur in Stichpunkten)
Proletarischer Klassenkampf – unerhört
hart.
Stetige kleinbürgerliche Einflüsse
in Richtung: Schwierigkeiten ausweichen, Gegensätze abmildern,
Schwierigkeiten aus dem Wege gehen.
Beispiel II. Internationale: als
revolutionäre Bewegung daran zugrunde gegangen.
Der Kampf um Errichtung der
sozialistischen Gesellschaft inmitten feindlicher imperialistischer
Umkreisung: noch um vieles schwieriger.
Kann erfolgreich nur sein und
bleiben, wenn harter und konsequenter Kampf nicht nur gegen den
Klassenfeind, sondern auch gegen Opportunismus und Revisionismus in den
eigenen Reihen.
In Sowjetrussland musste dieser Kampf
von Anfang an geführt werden:
1917: Beschluss zum Bewaffneter
Aufstand : dagegen Sinowjew und Kamenjew! Sie verraten diesen Beschluss
an den Gegner durch Bekanntgabe in der bürgerlichen Presse. Lenin
forderte dafür ihren Ausschluss, findet dafür aber keine Mehrheit.
1918: Brester Frieden: Dagegen:
Trotzki. Seine verräterische Erklärung:“Weder Krieg noch Frieden”.
1920: Lenin : Übergang vom
Kriegskommunismus zu einer neuen ökonomischen Politik (NÖP) Die einen:
(z.B. Bucharin) „Die NÖP ist die Wirtschaftspolitik des
sozialistischen Staates auf Dauer.” (s. Huar, Stalins
Beiträge zur Ökonomie des Sozialismus, Offensiv 8/02, S41 f.)
Dagegen Lenin und Stalin“Die NÖP ist die Politik der proletarischen
Diktatur, die gerichtet
ist auf die Überwindung der kapitalistischen Elemente und den
Aufbau des Sozialismus
durch Ausnutzung des Marktes, vermittels des Marktes.”
(Stalin, Werke, Bd.11, S.128 .)
1922: Bucharin fordert die Aufhebung
des Außenhandelsmonopols des Staates. Lenin wendet sich entschieden und
scharf gegen Bucharin: „Praktisch stellt sich Bucharin auf den
Standpunkt der Verteidigung des Spekulanten, des Kleinbürgers und der bäuerlichen
Oberschicht gegen das Industrieproletariat, das absolut nicht in der
Lage ist, seine Industrie wiederherzustellen und Russland zu einem
Industrieland zu machen, wenn das Land nicht ausschließlich durch das
Außenhandelsmonopol, sondern nur irgendwie durch die Zollpolitik geschützt
ist.” (Lenin, Werke. Bd. 33, S. 444)
1928-31: Sozialistische
Industrialisierung: Stalin im Februar 1931: (Kurzer Lehrgang, S.425)
„Wir sind hinter den fortgeschrittenen Ländern um 50 bis 100
Jahre zurückgeblieben. Wir müssen diese Distanz in zehn Jahren
durchlaufen. Entweder bringen wir das zuwege, oder wir werden
zermalmt.” Zehn Jahre später – das war das Jahr 1941! Dagegen:
Trotzki, Sinowjew, Kamenjew: „Keine forcierte Industrialisierung,
nicht nötig und nicht möglich. Statt dessen: verstärkt ausländische
Konzessionsbetriebe ins Land holen.” (Kurzer Lehrgang, Kap.X,1,2.)
1928/29: Kollektivierung, Übergang
von der Politik der Einschränkung der Kulakenelemente zur Politik der
Liquidierung des Kulakentums als Klasse. Ganz im Sinne Rosa Luxemburgs:
aus ihrer Rede auf dem Gründungsparteitag der KPD: „Es wäre ein
Wahn, den Sozialismus ohne Landwirtshaft zu verwirklichen. Vom
Standpunkt der sozialistischen Wirtschaft läßt sich überhaupt die
Industrie gar nicht umgestalten ohne die unmittelbare Verquickung mit
einer sozialistische umorganisierten Landwirtschaft.” (In: Rosa
Luxemburg: Ich war, ich bin, ich werde sein, Berlin 1958, S.126 f.).
Gegen die durchgängige Kollektivierung und gegen Liquidierung des
Kulakentums als Klasse trat vor allem Bucharin auf. Das sei nicht nötig,
denn die Kulaken würden friedlich in den Sozialismus hineinwachsen.”
(Kurzer Lehrgang, Kap.XI,2) Die Wahrheit über die Schärfe des
Klassenkampfes auf dem Lande und den erbitterten Kampf der Kulaken gegen
die Sowjetmacht – nachzulesen nicht nur im „Kurzen Lehrgang”,
sondern auch bei Scholochow, Neuland unterm Pflug.
1933: Der Machtantritt des Faschismus
in Deutschland bedeutet eine Verschärfung des Klassenkampfes sowohl
international als auch innerhalb der Sowjetunion. Deutschland wird zum
Stoßtrupp des Weltimperialismus gegen die Sowjetunion.
1936: Deutsch-italienische
Intervention in Spanien.
1938: Münchener Abkommen.
Widersprüchlichliche
Entwicklung in der Sowjetunion:
Zum einen: Die wirtschaftliche und
politische Stabilisierung macht große Fortschritte. Zum anderen:
wachsende Gefahr eines imperialistischen Überfalles auf die SU . Und:
die geschlagene trotzkistische und Bucharin-Opposition vereinigt sich
und geht vom offenen Kampf zu konspirativen Verschwörungen über.
Den Fortschritten entsprach der
Beschluss v. Februar 1935,die alte Verfassung aus dem Jahre 1924 durch
eine neue abzulösen. Die dazu gebildete Komission legte den Entwurf im
November 1936 dem VIII. Sowjetkongress vor, der die Annahme beschloss.
(Kurzer Lehrgang,Kap.XII,3. Stalin, Werke, Rede über den Entwurf der
Verfassung, Bd. 14, S.57 ff.) H. H. Holz: Diese Verfassung – Vorbild für
die Verfassung einer sozialistischen Gesellschaft.
In der Außenpolitik: SU tritt 1934
dem Völkerbund bei, schließt 1935 Militärbündnis mit Frankreich und
Tschechoslowakei. Kämpft für kollektive Sicherheitsabkommen gegen
einen Angriff von Seiten des faschistischen Deutschland. Kommt als
einzige Macht dem republikanischen Spanien zu Hilfe, auch militärisch.
Die andere Seite: Verschärfung des
Kampfes der Opposition: Dezember 1934: Mord am 1.Sekretär KPdSU
Leningrad, Sergei Kirow. Die Suche nach den Hintermännern führte 1936
zum 1. Moskauer Prozess. Angeklagte: Trotzki (im Ausland), Sinowjew,
Kamenjew und andere. (Über diesen und die folgenden Prozesse: Kurzer
Lehrgang, Kap. XII,4. Ludo Martens, Stalin anders betrachtet, ab S.166.,
A.J Wyschinski, Gerichtsreden, Berlin 1951, ab S.491)
Stalin auf dem Plenum des ZK der
KPdSU am 3. März 1937:
„Es
ist notwendig, die faule Theorie zu zerschlagen und beiseite zu werfen,
dass der Klassenkampf bei uns mit jedem Schritt unseres Vormarsches mehr
und mehr erlöschen müsse, dass der Klassenfeind in dem Maße, wie wir
Erfolge erzielen, immer zahmer werde. Im Gegenteil, je weiter wir vorwärts
schreiten, je mehr Erfolge wir erzielen werden, um so größer wird die
Wut der Überreste der zerschlagenen Ausbeuterklassen werden, um so mehr
Niederträchtigkeiten werden sie gegen den Sowjetstaat begehen, um so
mehr werden sie zu den verzweifeltsten Kampfmitteln greifen, als den
letzten Mitteln zum Untergang Verurteilter. Man muß im Auge behalten,
dass die Reste der zerschlagenen Klassen in der UdSSR nicht alleine
dastehen. Sie genießen die direkte Unterstützung unserer Feinde
jenseits der Grenzen der UdSSR.”
(In: J.W. Stalin, Über die Mängel der Parteiarbeit und die Maßnahmen
zur Liquidierung der trotzkistischen und sonstigen Doppelzüngler,
Berlin 1954, S.22 f.)
Das war eine absolut zutreffende
Einschätzung und Mahnung.
Chruschtschow machte aus ihr jedoch
in seiner Geheimrede auf dem XX. Parteitag einen weiteren Anklagepunkt :
Stalin habe diese Feststellung nur gebraucht, als Rechtfertigung für
die unberechtigten Massenrepressalien.
Stalins Hauptsorge war es jedoch: Das
Werk Lenins, das erste sozialistische Land so stark zu machen, dass es
jedem imperialistischen Invasoren nicht nur standhalten, sondern ihn
auch schlagen konnte. Und ferner, dafür zu sorgen, dass dem äußeren
Feind keine Hilfe von inneren Feinden, von einer „Fünften Kolonne”,
wie sie Franco in Spanien gegen die Verteidiger der Republik zu Hilfe
kam, geleistet werden konnte. Denn er wusste, wie furchtbar die Folgen
des Unterganges der Sowjetmacht nicht nur für das eigene Land und das
eigene Volk, sondern für alle unterdrückten Völker, ja, für die
ganze Menschheit sein würden. Stalin am 7. Dezember 1926 auf dem VII.
erweiterten Plenum des EKKI (Exekutivkomitee der Kommunistischen
Internationale):
„Was
wäre die Folge, wenn es dem Kapital gelänge, die Republik der Sowjets
zu zerschlagen? Eine Epoche der schwärzesten Reaktion würde über alle
kapitalistischen und kolonialen Länder hereinbrechen man würde die
Arbeiterklasse und die unterdrückten Völker vollends knebeln, die
Positionen des internationalen Kommunismus würden liquidiert!” (In:
Stalin, Werke, Bd. 9, S.29) Auch das eine prophetische Voraussage, deren
Wahrheit wir heute schmerzlich erleben!
1939: von Anfang bis August 39 bemüht
sich SU, mit England und Frankreich zu einem gegenseitigen Beistandspakt
gegen Nazideutschland.zu kommen. Westmächte ignorieren aber Stalins
Warnung an ihre Adresse (10. März 1939 auf dem 18. Parteitag):
„Der
Gedanke liegt nahe, man habe den Deutschen Gebiete der Tschechoslowakei
als Kaufpreis für die Verpflichtung gegeben, den Krieg gegen die
Sowjetunion zu beginnen...Es ist jedoch notwendig zu bemerken, dass das
große und gefährliche politische Spiel, das die Anhänger der
Nichteinmischungspolitik begonnen haben, für sie mit einem ersten
Fiasko enden kann....
Die
Aufgaben der Partei auf dem Gebiet der Außenpolitik bestehen in
folgendem:
...2.
Vorsicht zu beobachten und den Kriegsprovokateuren, die es gewohnt sind,
sich von anderen die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen, nicht die
Möglichkeit zu geben, unser Land in Konflikte hineinzuziehen.” (Rechenschaftsbericht an den XVIII. Parteitag..., Berlin1949, S.15,18.)
Das war deutlich, aber die Westmächte,
die schon in Geheimverhandlungen mit Nazideutschland getreten waren,
unterschätzten, wie immer, die Sowjetunion und ihre Führung. Die
Strafe folgte auf dem Fuße. Am 23.August erfuhren sie die für sie
niederschmetternde Nachricht, die Sowjetunion habe mit Deutschland einen
Nichtangriffssvertrag unterzeichnet. Stalin und seine Genossen handelten
damit ganz im Sinne Lenins, der im November 1920 in einer Rede ausgeführt
hatte:
„Vorläufig
sitzen die Imperialisten da und warten auf einen günstigen Augenblick,
um die Bolschewiki zu vernichten. Wir aber schieben diesen Augenblick
hinaus... Noch mehr würde uns der Umstand retten, wenn die
imperialistischen Mächte sich in einen Krieg verwickelten. Wenn wir
gezwungen sind, solche Lumpen wie die kapitalistischen Diebe zu dulden,
von denen jeder das Messer gegen uns wetzt, so ist es unsere direkte
Pflicht, diese Messer gegeneinander zu richten.”
(In: W.I.Lenin, Sämtliche Werke, Bd. XXV, Wien-Berlin, 1930, S.633 f.)
Der Nichtangriffsvertrag war der
genialste Schachzug weitsichtiger sozialistischer Außenpolitik: Die
Sowjetführung nahm die zeitweilige Verwirrung, die in den
kommunistischen Parteien entstehen konnten, in Kauf, weil sie wusste,
dass das wichtigste Kriegsziel Hitlerdeutschlands die Vernichtung der
Sowjetunion war und blieb, der Überfall also früher oder später
kommen würde. Dann aber würden die bisher von Hitler überfallenen Länder
– ob ihre Regierungen wollten oder nicht – zu Verbündeten der
Sowjetunion.
Der Nichtangriffsvertrag verhinderte
das Schlimmste – eine Antisowjetische Koalition der Westmächte mit
Hitlerdeutschland – und legte den Grund für die Anti-Hitlerkoalition.
Ohne Nichtangriffsvertrag – keine
Anti-Hitlerkoalition!
Hat
Stalin leichtfertig Hitler vertraut, wie Chruschtschow behauptete?
Urteilt selbst!
Über die Hauptpunkte einer Rede
Stalins vor Absolventen der Militärakademie am 5. Mai 1941 wurde im ND
vom 8./9. Juni 96 berichtet (Artikel: Fakten wider Behauptungen):
„Die
Situation ist äußerst ernst. Mit einem deutschen Angriff in naher
Zukunft muss man rechnen. Die Rote Armee ist noch nicht stark genug, die
Deutschen ohne weiteres schlagen zu können. ... Die
Verteidigungsanlagen in den neuen Grenzen sind unzulänglich. Die
Sowjetregierung will mit allen ihr zur Verfügung stehenden
diplomatischen Mitteln versuchen, einen bewaffneten Konflikt mit
Deutschland zumindest bis zum Herbst hinauszuzögern, weil es um diese
Jahreszeit für einen deutschen Angriff zu spät sein wird. Dieser
Versuch kann gelingen, er kann aber auch fehlschlagen. Wenn er gelingt,
wird der Krieg mit Deutschland fast unvermeidlich im Jahre 1942
stattfinden, und zwar unter viel günstigeren Bedingungen, da die Rote
Armee dann besser ausgebildet und besser ausgerüstet sein wird.”
Die aus den Fingern gesaugten
Behauptungen Chruschtschows über Stalins angeblichen Zusammenbruch am
Tage des Überfalles hat schon Shukow in seinen Erinnerungen als Lügen
entlarvt. Über Stalin am Tage des Überfalls ist die Wahrheit auch in
Dimitroffs Tagebuch nachzulesen. (Von mir zitiert in: „Die Ursprünge
des modernen Revisionismus, S.17.)
Außerdem ausführlich bei U. Huar:
Stalins Beiträge zur marxistisch-leninistischen Militärtheorie und –politik
1941-1942/43, in: Offensiv 14/03, S.24 ff, und Schriftenreihe der KPD,
Heft 150.
Stalins Reden während des Großen
Vaterländischen Krieges – (Sammelband „Über den Großen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion) - großartige Analysen der jeweiligen Situation,
erstaunlich genaue Voraussagen und eine mächtige Quelle der Kraft und
der Siegeszuversicht für das ganze Volk und die Rote Armee.
In der Rede vom 3. Juli 41 finden wir
auch dies:
„In
diesem Befreiungskrieg werden wir nicht alleine dastehen. In diesem großen
Krieg werden wir treue Verbündete an den Völkern Europas und Amerikas
haben, darunter auch am deutschen Volk... Unser Krieg für die Freiheit
unseres Vaterlandes wird verschmelzen mit dem Kampf der Völker Europas
und Amerikas für ihre Unabhängigkeit, für die demokratischen
Freiheiten.”
In dieser Voraussage hat er sich nur
im Hinblick auf den Beitrag des deutschen Volkes geirrt. Aber welcher
Hitlergegner hat sich in diesem Punkte nicht geirrt?
Zugleich finden wir aber auch solche
Worte, mit denen Stalin eindringlich klar machte, dass dies ein Kampf
auf Leben und Tod der Sowjetmacht war, der mit äußerster
Entschlossenheit und Härte geführt werden musste:
„Wir
müssen einen schonungslosen Kampf organisieren gegen alle
Desorganisatoren des Hinterlandes, gegen Deserteure, Panikmacher,
Verbreiter von Gerüchten... Man muss sich vor Augen halten, dass der
Feind heimtückisch und hinterlistig ist, erfahren im Betrug und in der
Verbreitung falscher Gerüchte... Alle, die durch ihre Panikmacherei und
Feigheit die Landesverteidigung behindern, müssen ohne Ansehen der
Person sofort dem Kriegsgericht übergeben werden.”
Unvergesslich und wahrhaft von
historischer Bedeutung ist Stalins Rede am 6. November 1941, zum
Jahrestag der Oktoberrevolution: Die Deutschen Truppen standen vor
Moskau, Hitler hatte schon lange geprahlt, an diesem Tage werde die
Hakenkreuzfahne über dem Kreml wehen. Würde Stalin wie in jedem Jahr
seine Ansprache halten? War er überhaupt noch in Moskau, oder nicht
schon wie ein Großteil der Regierung in Kuibyschew? Stalin war in
Moskau, und in Moskau fand am 6. November wie in jedem Jahr eine
Festsitzung, diesmal des Moskauer Sowjets, zum Jahrestag der Großen
Sozialistischen Oktoberrevolution statt, und am 7. November die
traditionelle Truppenparade auf dem Roten Platz. In seiner Rede auf der
Festsitzung, die wegen der Gefahr eines Fliegerangriffes in der
Metrostation Majakowskaja stattfand, sprach Stalin auch über die
Ursachen der zeitweiligen Misserfolge der Sowjetarmee, konnte aber schon
feststellen , dass der Blitzkrieg der deutschen Armeen gescheitert und
ihre Niederlage unvermeidlich ist. „Die deutschen Landräuber
wollen den Vernichtungskrieg gegen die Völker der Sowjetunion. Nun
wohl, wenn die Deutschen einen Vernichtungskrieg wollen, so werden sie
ihn bekommen!” Stalin sprach auch zu den Truppen, die von der
Parade auf dem Roten Platz sofort in den Kampf gegen die deutschen
Truppen am Stadtrand von Moskau zogen. Er schloss seine Reden mit der
Losung, die zur Losung des Vaterländischen Krieges wurde:
„Unsere Sache ist gerecht
– der Sieg wird unser sein!”
Stalins Reden an diesem Tage waren für
das Sowjetvolk, für seine Armee und weit darüber hinaus für die gegen
Hitler kämpfenden Völker eine Quelle ungeheurer Kraft und
Siegeszuversicht. Die sowjetische Schriftstellerin Vera Inber schrieb
darüber in ihrem Tagebuch über die Belagerung Leningrads, das unter
dem Titel „Fast drei Jahre” veröffentlicht wurde:
„Von
Stalins Rundfunkrede hörte ich nur die zweite Hälfte... Die
Vernehmlichkeit war ganz erstaunlich gut. Es war, als ob Stalin im
gleichen Gebäude, im gleichen Saal...spräche. Unsagbar bezwingend ist
Stalins Stimme. Man spürt – es spricht der, der alles weiß und der
niemals etwas wider sein Gewissen sagen wird. Über unsere Beziehungen
zu den Verbündeten sprach er in dieser Rede ruhig und sicher. Über den
Sieg – mit unumstößlicher Gewissheit. Am Sieg zweifelt ja auch
niemand. Es fragt sich nur, wann er kommen wird. Aber nach dieser Rede
ist selbst dieses „wann” näher gerückt.
(SWA-Verlag, 1947, S.51 f.)
Sogar von Kommunisten in Deutschland
wurde diese Rede gehört. Ein Illegaler der Berliner KPD-Organisation
berichtete darüber:
„Plötzlich
haben unsere Genossen, die ausländische Radiostationen abhörten, die
freudige Nachricht vom 7. November erlauscht, über die ich heute nur
mit größter innerer Erregung schreiben kann. Auf dem Roten Platz in
Moskau fand die Parade der Roten Armee statt, und an sie, wie an das
ganze Sowjetvolk, wandte sich Genosse Stalin mit einer Rede. Unseren
Genossen ist es gelungen, fast den vollen Wortlaut seiner Rede auf dem
Roten Platz festzuhalten, wie auch die wichtigsten Teile seines
Referates in der Sitzung des Moskauer Stadtsowjets am 6. November... Das
war der glücklichste Tag im Leben unserer Organisation seit Beginn des
verfluchten Krieges. Jeder von uns fühlte sich neu gestärkt. Alles,
was uns bisher quälte, wurde verständlich und klar.”
(Deutschland im Zweiten Weltkrieg, Bd. 2, Akademie-Verlag Berlin, 1976,
S.63.)
Rede Stalins am 9. Februar 1946, Wählerversammlung:
Darin u.a. zwei wichtige Feststellungen:
Erstens über den Charakter des II.
Weltkrieges:
Der
Zweite Weltkrieg gegen die Achsenmächte „nahm, zum Unterschied vom
ersten Weltkrieg, gleich von Anfang an den Charakter eines
antifaschistischen, eines Befreiungskrieges an... Der Eintritt der
Sowjetunion in den Krieg gegen die Achsenmächte konnte den
antifaschistischen und Befreiungscharakter des zweiten Weltkrieges
lediglich verstärken und hat ihn tatsächlich verstärkt.”
Zweitens über die Sowjetunion:
„Der
Krieg brachte eine Art Examen für unsere Sowjetordnung, unseren Staat
unsere Regierung, unsere Kommunistische Partei und zog das Fazit ihrer
Arbeit, als wollte er uns sagen: da sind sie, eure Menschen und
Organisationen, ihre Taten und ihr Leben – schaut sie euch aufmerksam
an und würdigt sie nach ihren Werken....
Welches
sind also die Ergebnisse des Krieges?...
Unser
Sieg bedeutet vor allem, dass unsere sowjetische Gesellschaftsordnung
gesiegt hat, dass die sowjetische Gesellschaftsordnung die Feuerprobe
des Krieges mit Erfolg bestanden und ihre volle Lebensfähigkeit
bewiesen hat. ...Die sowjetische Gesellschaftsordnung ist erwiesenermaßen
lebensfähiger und stabiler, als die nichtsowjetische
Gesellschaftsordnung, (ist) eine bessere Form der
Gesellschaftsorganisation als jede nichtsowjetische
Gesellschaftsordnung.
Unser
Sieg bedeutet zweitens, dass unsere sowjetische Staatsordnung gesiegt
hat, dass unser sowjetischer Nationalitätenstaat alle Prüfungen des
Krieges bestanden und seine Lebensfähigkeit bewiesen hat...Die
sowjetische Staatsordnung hat sich als Vorbild eines Nationalitätenstaates
erwiesen, die sowjetische Staatsordnung stellt ein System der
Staatsordnung dar, worin die nationale Frage und das Problem der
Zusammenarbeit der Nationen besser gelöst ist ,als in irgendeinem
anderen Nationalitätenstaat.
So
verstehen wir konkret den Sieg unseres Landes über seine Feinde.”
In der Tat: 1945 konnten nicht einmal
die Feinde der Sowjetunion die Wahrheit dieser Feststellungen
bestreiten. Und erst recht wäre kein Kommunist auf die Idee gekommen,
solch merkwürdige Feststellungen zu treffen, wie sie heute leider in
Veröffentlichungen auch der DKP zu lesen sind, wie dies: die Geschichte
habe bewiesen, dass „das sowjetische Modell” ein unbrauchbares
Modell für den Aufbau des Sozialismus gewesen sei.
Man
kann sich nur wundern darüber, dass es Kommunisten gibt, die nicht
erkennen können, dass die Sowjetunion der Chruschtschow, Breshnew und
Gorbatschow, die wie ein morsches Haus zusammenbrach, eine ganz andere
Sowjetunion war als jene, die die allerhärteste Prüfung, die es je in
der Geschichte für einen Staat und eine Gesellschaftsordnung gab,
siegreich bestand.
Was aber kann man von
Sozialismusvorstellungen solch urteilsschwacher Leute erwarten?
Stalins
Rolle bei der Neugestaltung der Welt nach dem Sieg über den Faschismus
1. Hilfe beim Sieg der Volkskräfte
in Jugoslawien, Polen, CSR, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Albanien. Dazu
lesen: Dokumentensammlung „Teheran- Jalta- Potsdam. Und:
„Briefwechsel Stalins mit Churchill, Attlee Roosevelt und Truman,
1941-1945”.
2. Ganz wichtig Stalins Rolle bei der
Ausarbeitung der Charta der Vereinten Nationen. Nur weil bei der
Ausarbeitung der Charta der Vereinten Nationen die sozialistische
Sowjetunion und Stalin persönlich um deren demokratische
Gestaltung mit Erfolg hartnäckig gerungen haben, konnte die UNO bis
heute eine viel positivere Rolle spielen als der frühere Völkerbund.
Die
neuen Waffen des Imperialismus im Kampf gegen die SU und den
Sozialismus. (Ausführliches dazu in „Die Ursprünge des modernen
Revisionismus”, in: Offensiv 10/03, S. 80 ff.) Erstens: Die Atomwaffe.
Zweitens: den neuen Revisionismus. Browder, Field, Tito.
Die
Entschärfung dieser neuen Waffen durch Stalin
Zur Bombe: Truman und Stalin
auf Potsdamer Konferenz (Ursprünge, S.82). Hiroshima und Nagasaki. (6.
u. 9. August 45). (Ursprünge, S. 81).Die sowjetische Atombombe : 25.
September 49! Das USA-Monopol gebrochen! Atomerpressung unmöglich
gemacht!
Zum „modernen Revisionismus”: (Ursprünge,
S. 82 ff). Tito-Jugoslawien als „Gegenzentrum” gegen SU installiert.
Durch Beschluss des Informbüros vom Juni 1948 durchkreuzt.
„Schutzimpfung” für alle Kommunistischen Parteien und
sozialistischen Länder. (Ursprünge, S.84 f).
Chruschtschow kommt mit seiner
Verleumdung Stalins dem Imperialismus zu Hilfe. Die kommunistische
Bewegung mit dem Antistalinismus zu verseuchen gelingt Chruschtschow vor
allem mit der verleumderischen Behauptung willkürlicher massenweiser
Liquidierung Unschuldiger durch Stalin. (Gegen diese Verleumdungen mit
vielem Tatsachenmaterial: Ludo Martens: „Stalin anders betrachtet”,
Kapitel „Die große Säuberung”. Ferner: Gossweiler, Wider den
Revisionismus”, München 1997, und Artikel „Der Revisionismus –
Totengräber des Sozialismus”, in: Offensiv 2/04)
Chruschtschows
„Geheimrede” – eine Vergewaltigung des XX.Parteitages.
Nicht nur der Inhalt, auch die Umstände,
unter denen diese Rede gehalten wurde und wie sie verbreitet wurde,
lassen erkennen: diese Rede war ein feindlicher Angriff auf die Partei,
auf die Sowjetmacht! Wieso?
1.Chruschtschow hat diese Rede dem
schon an seinem Ende angelangten Parteitag putschartig aufgezwungen.
Lasar Kaganowitsch, Teilnehmer an der Oktoberrevolution und Mitglied der
Partei- und Staatsführung bis 1957, berichtet in seinen Erinnerungen,
wie Chruschtschow den Parteitag überrumpelte:
„Der
XX. Parteitag ging seinem Ende entgegen. Plötzlich wird eine Pause
eingelegt.
Die
Mitglieder des Präsidiums werden in den hinteren Raum, der zum Ausruhen
bestimmt ist, zusammengerufen. Chruschtschow stellt die Frage, auf dem
Parteitag seinen Vortrag über den Persönlichkeitskult Stalins und
dessen Auswirkungen anzuhören. Gleichzeitig wurde uns der Entwurf des
Vortrages in einem rotgebundenen maschinenschriftlichen Büchlein
verteilt. Die Sitzung ging unter anormalen Bedingungen vor sich – in
einer Enge, manche saßen, andere standen. Es war schwierig, in kurzer
Zeit dieses umfangreiche Heft durchzulesen und seinen Inhalt zu
durchdenken, um entsprechend den Normen der innerparteilichen Demokratie
einen Beschluss zu fassen. Alles das in einer halben Stunde, denn die
Delegierten saßen im Saal und erwarteten etwas für sie Unbekanntes, da
die Tagesordnung des Parteitages bereits erledigt war. ...
Schon
vor dem XX. Parteitag hatte das Präsidium die Frage ungesetzlicher
Repressalien und begangener Fehler behandelt. Das Präsidium des ZK
hatte eine Kommission gebildet, die beauftragt worden war, die
Angelegenheiten von Repressierten an Ort und Stelle zu untersuchen...
und konkrete Vorschläge zu formulieren. Nach der Beratung dieser Fragen
im Präsidium war vorgesehen, nach dem XX. Parteitag ein ZK-Plenum
einzuberufen, um den Vortrag der Kommission mit entsprechenden Vorschlägen
anzuhören. Genau dazu sprachen die Genossen Kaganowitsch, Molotow,
Woroschilow und andere zur Begründung ihrer Einwände. Außerdem sagten
die Genossen, dass wir einfach außerstande seien, den Vortrag
(Chruschtschows) redaktionell zu bearbeiten und Korrekturen anzubringen,
die unbedingt nötig seien. Wir sagten, dass selbst ein flüchtiges
Bekanntmachen zeigt, dass das Dokument einseitig und falsch ist. Die Tätigkeit
Stalins könne auf keinen Fall nur von einer Seite beleuchtet werden,
notwendig sei eine objektive Beleuchtung aller seiner positiven Seiten,
damit die Werktätigen verstehen und allen Spekulationen der Feinde
unserer Partei und unseres Landes eine Abfuhr erteilen.
Die
Sitzung zog sich hin, die Delegierten (im Saal) erregten sich, und
deshalb wurde ohne jede Abstimmung die Sitzung beendet und wir begaben
uns in den Saal. Dort wurde die Ergänzung der Tagesordnung verkündet:
den Vortrag Chruschtschows über den Persönlichkeitskult Stalins anzuhören.
Nach dem Vortrag fand keinerlei Aussprache statt, der Parteitag beendete
seine Arbeit.”
2. Chruschtschows
Rede zur Verteufelung Stalins war also kein Parteidokument, sondern die
Arbeit einer parteifeindlichen Gruppe, die – wie der schon zur
Verteilung vorbereitete Druck der in der Tagesordnung überhaupt nicht
vorgesehenen Rede belegt - die Vergewaltigung des Parteitages sorgfältig
in allen Einzelheiten vorbereitet hatte. Weil sie kein Dokument des
Parteitages war, wurde die Rede in der Sowjetunion bis Gorbatschows
Machtantritt auch nicht veröffentlicht.
3. Aber Chruschtschow und seine
Komplizen hatten schon dafür Sorge getragen, dass diese
„Geheimrede” in kürzester Zeit in der ganzen Welt verbreitet wurde,
als erstes durch die „New York Times”.
4. Die nächste Merkwürdigkeit: als
ein Korrespondent dieser Zeitung, Turner Catledge, Chruschtschow in
einem Interview, das der ihm am 14. Mai 1957 gab, fragte, ob der in der
New York Times veröffentlichte Text mit dem seiner Rede übereinstimme,
verleugnete Chruschtschow seine Rede, indem er die Veröffentlichung in
der New York Times als ein Fabrikat der CIA bezeichnete – (womit er möglicherweise
sogar die Wahrheit sprach und ganz gegen seine Absicht einen Hinweis gab
auf die Stelle, die an der Vorbereitung dieses Putsches gegen die Partei
ratgebend beteiligt gewesen war). Wörtlich sagte Chruschtschow:
„Ich
weiß nicht, von welchem Text die Rede ist. Ich hörte davon, dass in
den USA irgendein Text veröffentlicht wurde, der vom amerikanischen
Geheimdienst fabriziert worden ist und dieser Text als Text meines
Vortrages auf dem XX. Parteitag ausgegeben wurde. Aber die Veröffentlichungen
von Allan Dulles erfreuen sich keiner Autorität in der SU. Ich habe
keinerlei Wunsch, Literatur zu lesen, die von Allan Dulles fabriziert
wird.” (Aus:
Dokumentation der Zeit, Heft 144, 20. Juni 1957. Zitiert in der Taubenfußchronik,
Bd.1, S.299).
Wäre Chruschtschows Ziel nicht
gewesen, mit seiner „Geheimrede” Stalins Autorität ein für allemal
zu zertrümmern, um nicht ständig an ihm gemessen zu werden, und um für
seine konterrevolutionäre Kursänderung freien Bahn zu haben; und hätte
zu seinen Absichten nicht auch gehört, der Überzeugung der Sowjetbürger
in die Gerechtigkeit ihrer Sache und dem Stolz auf ihre Sowjetmacht
einen tödlichen Schlag zu versetzen; hätte er wirklich nur im Sinn
gehabt, den unschuldigen Opfern der „Säuberungen” Gerechtigkeit
widerfahren zu lassen und die geschichtliche Wahrheit über die Zeit der
Repressionen darzulegen, dann hätte in seinem Bericht etwa das Folgende
gesagt werden müssen:
„1936, nach der Errichtung der
faschistischen Diktatur in Deutschland, nach der Aufrüstung des
faschistischen Deutschland unter Duldung und sogar Mithilfe der Westmächte,
nach dem Verrat der Westmächte an der spanischen Republik, standen wir
vor der Gefahr, vom faschistischen Deutschland – möglicherweise sogar
im Einvernehmen mit den Westmächten-, überfallen zu werden und uns
allein der stärksten Militärmacht der ganzen Kriegsgeschichte gegenübergestellt
zu sehen, von der wir aus dem Spanienkrieg schon wussten, was sich dann
in Norwegen und Frankreich später wiederholte, nämlich, dass der
faschistischen Wehrmacht im Hinterland der überfallenen Länder „fünfte
Kolonnen” von Quislingen und Verrätern zu Hilfe kamen.
Wie groß die Gefahr des Überfalles
war, zeigte sich noch viel deutlicher mit dem Münchener Abkommen der
Westmächte mit Hitler und der Auslieferung der Tschechoslowakei an ihn,
mit der Weigerung der Westmächte, mit uns einen Vertrag über
kollektive Sicherheit und gegenseitigen Beistand zur Bändigung
Hitlerdeutschlands abzuschließen.
Unsere Vorbereitungen auf den
faschistischen Überfall mussten also auch der Verhinderung der Bildung
einer 5. Kolonne in unserem Hinterland gelten. Noch gab und gibt es bei
uns Feinde der Sowjetmacht, einst von uns enteignete Kulaken und ihre
Nachkommen, Reste der zerschlagenen Gruppen der Trotzkisten und anderer
Oppositionsgruppen – hatte doch Trotzki mehrfach in seinen Veröffentlichungen
dazu aufgerufen, im Kriegsfalle den Aufstand gegen den „Stalinismus”
zu beginnen; ferner Leute, die mit den Deutschen sympathisierten, z.B.
unter den Wolgadeutschen oder bei bestimmten Nationalitäten, wie den
Krimtataren und den Tschetschenen.
Also mussten wir angesichts der tödlichen
Bedrohung alles tun, um es möglichen Feinden der Sowjetmacht unmöglich
zu machen, im Hinterland mit Fünften Kolonnen den faschistischen Überfall
zu unterstützen.
Dabei mussten wir in Rechnung stellen
und in Kauf nehmen, dass es bei Säuberungen so großen Ausmaßes, wie
wir sie für notwendig erachteten, nicht auszuschließen war, dass auch
Unschuldige,- sei es wegen absichtlicher Falschbeschuldigungen durch
feindliche Elemente, sei es aus Übereifer örtlicher Organe, sei es
durch Anlegen eine zu pauschalen Rasters -, in erheblichem Umfange von
den Maßnahmen betroffen sein würden, wie es dann auch der Fall war.
Aber wir hatten damals abzuwägen,
was schwerer wog: wenn wegen ungenügender Sicherungsmaßnahmen die
Sowjetmacht zugrunde ging – oder wenn bei unseren Sicherungsmaßnahmen
nicht nur echte Feinde, sondern auch unschuldige und sogar eigene Leute
getroffen würden.
Die Partei hat sich für die
Sicherung der Sowjetmacht als der allem anderen übergeordneten Pflicht
entschieden.
Jetzt aber ist es an der Zeit, dabei
begangenes Unrecht aufzuklären und wiedergutzumachen.”
So oder so ähnlich hätte eine
ehrliche, kommunistische Stellungnahme zu der für jeden Kommunisten
schmerzlichsten Seite der Geschichte der Sowjetunion lauten müssen.
Eine kommunistische, das heißt wahrheitsgemäße Schuldzuweisung auch für
diese Opfer hätte darüber hinaus klar aussprechen müssen, dass auch
ihre Leiden und ihr Tod wie der von 25 Millionen Sowjetsoldaten und –bürgern
und der von 50 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges auf das Konto
derer geht, die die Führung der Sowjetunion vor eine solch grausame
Entscheidung stellten – auf das Konto Hitlers und des deutschen
Imperialismus in erster Linie, in zweiter aber auch auf das Konto derer,
die Hitlerdeutschland aufrüsteten, um es als Stoßkeil gegen die
Sowjetunion zu lenken und seine Bändigung durch ein kollektives
Sicherheitsbündnis sabotierten.
Indem er statt dessen Stalin als
Massenmörder hinstellte, übernahm nun der Führer der KPdSU die bisher
nur über die westlichen Medien verbreiteten antisowjetischen Hetz-Lügen
aus den Küchen der imperialistischen Spezialisten für psychologische
Kriegsführung und verkündete sie als Wahrheit.
Von daher kommt es, dass ehrliche und
überzeugte Kommunisten auch heute noch bedenkenlos die giftige
Verleumdung weitergeben, Stalin habe mehr Kommunisten umgebracht , als
Hitler.
Die Wahrheit ist, dass alle
Kommunisten, alle Kämpfer gegen den Faschismus und alle Juden, die im
vom Faschismus besetzten Europa überlebt haben, dies vor allem der
Sowjetunion, der Roten Armee und damit auch Stalin verdanken.
Dessen waren sich damals die Menschen
weltweit bewusst. Und selbst seine imperialistischen Gegenspieler vom
Format eines Churchill
konnten nicht umhin, Stalins historische Größe anzuerkennen. Er würdigte
Stalin nach dessen Tod mit folgenden Worten
„Er
war eine herausragende Persönlichkeit, die in unserer rauhen Zeit, in
der Periode, in der sein Leben verlief, imponierte. Stalin war ein außergewöhnlich
energischer, belesener und äußerst willensstarker Mann, heftig,
schroff, schonungslos in der Sache wie im Gespräch, dem selbst ich, der
ich im englischen Parlament groß geworden bin, nichts entgegenzusetzen
vermochte...
In
seinen Werken spürt man eine hünenhafte Kraft. Stalins Kraft war so
groß, dass er unter den Führern aller Völker und Zeiten nicht
seinesgleichen kennt... Die Menschen konnten seinem Einfluss nicht
widerstehen. Als er den Raum der Konferenz von Jalta betrat, erhoben wir
uns alle, buchstäblich wie auf Kommando. Und , so seltsam es ist, wir
legten die Hände an die Hosennaht. Stalin besaß einen tief schürfenden,
gründlichen und logischen Verstand. Er war ein unübertroffener Meister
darin, in schweren Momenten einen Ausweg aus der auswegslosen Lage zu
finden.... Er war ein Mann, der seinen Feind mit den Händen seiner
Feinde vernichtete, der uns, die er offen Imperialisten nannte, zwang,
gegen Imperialisten zu kämpfen. Er übernahm das Russland des
Hakenpflugs und hinterließ es im Besitz der Atomwaffe.”
(Zitiert von Nina Andrejewa in ihrem Artikel „Ich kann meine
Prinzipien nicht preisgeben”. ND v. 2./3. 4. 1988 )
Warum
konnten die Revisionisten in der Sowjetunion über die Leninisten
siegen?
Auf diese Zentralfrage soll und kann
hier keine umfassende Antwort gegeben werde. Ich will jedoch auf einige
mir wichtig erscheinende Gesichtpunkte hinweisen.
Auf den Beratungen der
Kommunistischen und Arbeiterparteien Parteien 1957 und 1960 wurde der
moderne Revisionismus zur Hauptgefahr erklärt und wurden seine
Hauptbestandteile aufgezählt. So lesen wir in der Erklärung der
Beratung von 1957:
„Der
moderne Revisionismus ist bemüht, die große Lehre des
Marxismus-Leninismus in Verruf zu bringen, er erklärt sie für
‚veraltet’, behauptet, sie habe heute ihre Bedeutung für die
gesellschaftliche Entwicklung verloren.
Die
Revisionisten sind bestrebt, die revolutionäre Seele des Marxismus
auszumerzen und den Glauben der Arbeiterklasse und des schaffenden
Volkes an den Sozialismus zu erschüttern. Sie wenden sich gegen die
historische Notwendigkeit der proletarischen Revolution und der Diktatur
des Proletariats beim Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus, sie
leugnen die führende Rolle der marxistisch-leninistischen Partei, sie
lehnen die Prinzipien des proletarischen Internationalismus ab, sie
fordern Verzicht auf die grundlegenden Leninschen Prinzipien des
Parteiaufbaus und vor allem auf den demokratischen Zentralismus, sie
fordern, dass die kommunistische Partei aus einer revolutionären
Kampforganisation in eine Art Diskutierklub verwandelt wird.”
Diese Aufzählung ist sehr nützlich,
hat aber auch zwei große Mängel.
Der erste: das ist zwar ein sehr
hilfreicher Katalog der Kennzeichen des modernen Revisionismus. Es fehlt
aber ein ganz wichtiges Merkmal des Revisionismus: die
Verschleierung des unheilbar friedensfeindlichen Charakters des
Imperialismus und seiner unversöhnlichen Feindschaft gegenüber dem
Sozialismus, die Verbreitung der Illusion, der Imperialismus könne dazu
gebracht werden, auf Dauer mit dem Sozialismus friedlich zusammenzuleben
und zusammenzuarbeiten.
Diese Illusion ist lebensgefährlich
für den Sozialismus, weil sie zur duldenden Hinnahme einer Politik der
freiwilligen Entwaffnung und schließlichen Selbstauslieferung an den
Todfeind führen kann und tatsächlich ja auch geführt hat.
Die Verbreitung einer solchen
Illusion auch in der kommunistischen Bewegung und in der Sowjetunion
fand nach dem Ende des zweiten Weltkrieges einige günstige Bedingungen
vor:
Solche waren z.B.
1. Die Anti-Hitler-Koalition
erleichterte Illusionen über eine Wandlung des Imperialismus und über
das Verschwinden des antagonistischen Gegensatzes zwischen Imperialismus
und Sozialismus.
2. Kriegsmüdigkeit,
Friedenssehnsucht der Menschen.
3. Die Existenz der Atomwaffen: das
revisionistische Argument erschien jetzt besonders einleuchtend: der
Frieden kann nicht gegen, sondern nur zusammen mit dem Imperialismus
gesichert werden.
Der
zweite große Mangel: Es fehlt in diesem Katalog die klare Aussage darüber,
wer die Träger dieser Auffassungen sind. Es werden zwar die
inhaltlichen Merkmale des Revisionismus beim Namen genannt; aber über
Namen und Adressen der führenden Revisionisten wurde geschwiegen.
Hätte man diese benannt, dann hätte
zusammen mit Tito Chruschtschows Name an erster Stelle genannt werden müssen.
Er hat auf dem XX. Parteitag den
Marxismus-Leninismus für veraltet erklärt, indem er verkündete, jetzt
sei auch der parlamentarische Weg zum Sozialismus möglich!
Er hat den Glauben an die
Gerechtigkeit des Sozialismus, des eigenen Werkes erschüttert, indem er
auf dem XX. Parteitag der KPdSU die Geschichte der Sowjetunion als die
Geschichte eines Landes darstellte, das seit 1924 von einem Verbrecher
und Massenmörder geleitet wurde.
Er hat für die Gegenwart die
proletarische Revolution und in der Sowjetunion die Diktatur des
Proletariats für entbehrlich erklärt, als er verkündete, sie sei in
der Sowjetunion von der „Herrschaft des Volkes” abgelöst worden.
Er erklärte solche Revisionisten,
wie Tito und Gomulka, die die Notwendigkeit der führenden Rolle der
Kommunistischen Partei beim Aufbau des Sozialismus leugneten, zu zuverlässigen
Marxisten-Leninisten.
Er erklärte den Verzicht auf die
Prinzipien des proletarischen Internationalismus, als er 1955 zusammen
mit Tito die jugoslawisch-sowjetische Belgrader Deklaration
unterzeichnete, in der es u.a. heisst: „die Fragen der inneren
Ordnung, des Unterschieds zwischen den konkreten Formen der Entwicklung
des Sozialismus sind ausschließlich Sache der einzelnen Länder”. Das
war Chruschtschows Segen zum Tito-revisionistischen sog.
„Nationalkommunismus!”
Aber er blieb ungenannt, konnte sich
vielmehr auf beiden Tagungen als Vorkämpfer gegen den Revisionismus
aufspielen.
Auf der Moskauer Beratung der
kommunistischen und Arbeiterparteien von 1960 wurde die Anonymität des
Revisionismusvorwurfes durchbrochen, indem eine scharfe Kennzeichnung
und Verurteilung des Tito-Revisionismus in die Abschlusserklärung
aufgenommen wurde; aber wiederum blieb der gefährlichste aller
Revisionisten, Chruschtschow, ungenannt:
„Die
kommunistischen Parteien haben die jugoslawische Spielart des
internationalen Opportunismus, die einen konzentrierten Ausdruck der
‚Theorien’ der modernen Revisionisten darstellt, einmütig
verurteilt. Die Führer des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens, die den
Marxismus-Leninismus verrieten, indem sie ihn für veraltet erklärten,
haben der Erklärung von 1957 ihr antileninistisches revisionistisches
Programm - (das „Laibacher Programm” von 1958,K.G.) –
entgegengestellt. Sie haben den BdKJ der gesamten kommunistischen
Weltbewegung entgegengestellt, ihr Land vom sozialistischen Lager
losgerissen, es von der so genannten Hilfe der amerikanischen und
anderen Imperialisten abhängig gemacht und damit die Gefahr
heraufbeschworen, dass das jugoslawische Volk seiner im heroischen Kampf
erzielten revolutionären Errungenschaften verlustig geht. Die
jugoslawischen Revisionisten betreiben eine Wühlarbeit gegen das
sozialistische Lager und die kommunistische Weltbewegung. Unter dem
Vorwand einer blockfreien Politik entfalten sie eine Tätigkeit, die der
Einheit aller friedliebenden Kräfte und Staaten Abbruch tut. Die
weitere Entlarvung der Führer der jugoslawischen Revisionisten und der
aktive Kampf dafür, die kommunistische Bewegung wie auch die
Arbeiterbewegung gegen die antileninistischen Ideen der jugoslawischen
Revisionisten abzuschirmen, ist nach wie vor eine unerlässliche Aufgabe
der marxistisch-leninistischen Parteien.”
Diese Forderung war nur zu sehr
berechtigt, aber sie kam viel zu spät.
Was hier verlangt wurde –
Entlarvung Titos als Revisionist, und Abschirmung der kommunistischen
Bewegung gegen die antileninistischen Ideen der jugoslawischen
Revisionisten – das hatten die Parteien des Kommunistischen
Informationsbüros – KPdSU, Polnische Arbeiterpartei, Ungarische
Partei der Werktätigen, KP der CSR, Bulgarische Arbeiterpartei, KP
Frankreichs und KP Italiens – schon 12 Jahre vorher mit ihrer
Resolution vom Juni 1948 „Über die Lage in der kommunistischen Partei
Jugoslawiens” getan.
Aber wir hatten ja schon gesehen,
dass Chruschtschow 1955 mit seiner Totalrehabilitierung Titos diese –
wie von der Beratung 1960 so nachdrücklich bestätigt – notwendige
Schutzimpfung der ganzen kommunistischen Bewegung unwirksam gemacht
hatte. Tito wurde von Chruschtschow zum Opfer von Verleumdungen von
Parteifeinden und imperialistischen Agenten, fast zu einem unschuldig
verfolgten Heiligen erklärt. Stalin aber, der genau das getan hatte,
was in der Erklärung von 1960 verlangt wurde, - Stalin wurde auch dafür
von Chruschtschow auf dem XX. Parteitag als Verfolger des unschuldigen
Tito verdammt. Und wie erfüllte Chruschtschow nun, 196o, die Forderung
der Beratung der kommunistischen und Arbeiterparteien? Überhaupt nicht!
Er tat das genaue Gegenteil! Er führte
den Bruch mit den konsequentesten Kämpfern gegen des
Tito-Revisionismus, mit China und Albanien, herbei und entfesselte ein
beispiellose Hetzkampagne gegen diese beiden sozialistischen Bruderländer!
Bereits auf dem Kongress von 1960
griff er Albanien und China massiv an. Von ihm war der Verlauf
des Kongresses von 1960 ganz anders geplant gewesen: er hatte eine
Anklageschrift gegen die KP Chinas verfasst, die vor Beginn des
Kongresses an alle Delegationen verteilt wurde. Er
wollte einen Kongress, der Jugoslawien erneut volle Rehabilitation gewährte
und dafür Volkschina auf die Anklagebank setzte. Das ist ihm
damals gründlich misslungen! Statt dessen wurde daraus ein Kongress,
der seinen Schützling Tito verurteilte. Das war für ihn ein
Betriebsunfall, der schnellstens korrigiert werden musste: Keine
weiteren Entlarvungen der Tito-Revisionisten, sondern volles Feuer gegen
Mao und Enver Hodscha, gegen Volks-China und Albanien!
Warum
kam er damit durch?
Ein wesentlicher Grund war:
Chruschtschow gelang es, wie schon auf der Beratung von 1957,
durchzusetzen, dass in dem Dokument der Beratung der XX. Parteitag und
seine Festlegungen als richtig bestätigt wurden.
Dazu schrieb die KP Chinas in ihrem
Dokument vom 14. Juni 1963 ”Ein Vorschlag zur Generallinie der
internationalen kommunistischen Bewegung” : „Viele der falschen
Ansichten im Erklärungsentwurf der Führung der KPdSU wurden
abgelehnt... Auch die Delegation der KP Chinas und die Delegationen
einiger anderer Parteien machten gewisse Zugeständnisse, nachdem die Führer
der KPdSU damit einverstanden waren, ihre falschen Ansichten fallen zu
lassen und die richtigen Ansichten der Bruderparteien anzunehmen. So zum
Beispiel gingen unsere Meinungen über die Frage des XX. Parteitages der
KPdSU... auseinander, aber mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der KPdSU
und einiger anderer Bruderparteien gaben wir unsere Zustimmung, in
diesen ...Fragen die gleiche Formulierung wie in der Deklaration von
1957 zu gebrauchen.” (In: Die Polemik über die Generallinie der
internationalen kommunistischen Bewegung, hgg.von der KAZ 1993,
Nachdruck der Ausgabe des Oberbaumverlages, Berlin 1971). (siehe
auch)
Diese Formulierung lautete: „Die
historischen Beschlüsse des XX. Parteitages der KPdSU haben nicht nur für
die KPdSU und den kommunistischen Aufbau in der UdSSR große Bedeutung,
sondern leiteten auch in der internationalen kommunistischen Bewegung
eine neue Etappe ein und trugen zu deren weiterer Entwicklung auf der
Grundlage des Marxismus-Leninismus bei.”
Um der Erhaltung der Einheit willen
gingen damals die Parteien, die auf unterschiedlichen, ja gegensätzlichen
Standpunkten standen, eine Art Handel ein: Lässt Du meine Formulierung
an dieser Stelle zu, dann lasse ich auch Deine an jener Stelle zu. In
Wahrheit wurde damit aber nicht die Einheit erhalten, sondern eine nicht
vorhandene Einheit nach außen hin vorgezeigt – ein Vorgehen, dass der
Forderung Lenins nicht gerecht wurde, sondern sie missachtete:
vorhandene Gegensätze in grundsätzlichen Fragen müssen ausgetragen
und dürfen nicht verkleistert werden!
Chruschtschow hatte - nach dem
Zeugnis von Enver
Hoxha in seinem Buch ”Die Chruschtschowianer” (S.502) –
erklärt: „Das Dokument war ein Kompromiss, und Kompromisse haben
ein kurzes Leben.”
Er hat damit zum Ausdruck gebracht, dass er nicht im mindesten
daran dachte, sich an das zu halten, was ihm an diesem Dokument nicht
passte. Er wollte, was er 1953 begonnen und 1956 zu einem ersten Höhepunkt
geführt hatte, siegreich zu Ende führen. Sein Sturz im Oktober 1964
verhinderte dies zunächst. Aber er hatte für Fortsetzer seines Zerstörungswerkes
gesorgt. Es waren das solche wie Gorbatschow, die einer der
Redenschreiber und Bewunderer Chruschtschows, Fjodor Burlatzki, als
„Generation des XX. Parteitages” bezeichnete, ( in seinem Buch
„Chruschtschow. Ein politisches Porträt” , Düsseldorf 1990, S.13).
Gorbatschow war der Chruschtschow der 80er und 90er Jahre, so wie
Chruschtschow der Gorbatschow der 50er und 60er Jahre war.
Einige
Schlußbemerkungen
1. Der Sieg des Revisionismus über
den Marxismus-Leninismus in der KPdSU und anderen kommunistischen
Parteien war die Voraussetzung für den zeitweiligen Sieg des
Imperialismus und die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion
und den sozialistischen Staaten in Europa.
Die Überwindung des Revisionismus in
der gesamten kommunistischen Bewegung ist die Voraussetzung für ihren
neuen Aufschwung und für neue Siege des Sozialismus über den
Imperialismus
2. Der Anti-Stalinismus der
revisionistischen Unterminierer und Zerstörer des Staat-gewordenen
Sozialismus, von Tito über Chruschtschow bis zu Gorbatschow, ist das stärkste
Zeugnis für Stalin:
Es
gibt keinen stärkeren Beweis für die positive Rolle Stalins als die
Tatsache, dass die Zerstörung seiner Autorität in der Sowjetunion und
in der kommunistischen Bewegung die Voraussetzung war für die
Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion. Ohne
„Entstalinisierung” keine Restauration des Kapitalismus!
3. Der Anti-Stalinimus ist
komprimierter Revisionismus, also Anti-Leninismus, jedoch in der
Maskerade eines Verteidigers des Leninismus. Der Angriff auf Stalin ist
für die Revisionisten vom Schlage Tito-Chruschtschow-Gorbatschow nur
der Beginn. Er zielt von Anfang an auf Lenin. Es ist deshalb nur
folgerichtig, wenn der Chruschtschow-Zögling und Gorbatshow-Berater
Jakowlew in seiner Autobiografie seine Hassorgien mehr noch als auf
Stalin gegen Lenin richtet. Die FAZ v. 26. Januar 2004 zitiert aus
seinem Buche („Die Abgründe meines Jahrhunderts”) : „In der
Geschichte hat es keinen Menschen gegeben, der Russland mehr hasste als
Uljanow-Lenin. Was immer er anfasste, verwandelte sich in einen
Totenacker, in ein Riesenfeld mit menschlichen, sozialen und ökonomischen
Gräben. Alle wurden ausgeraubt – die Lebenden und die Toten.” Mit
einigem Erstaunen stellt die FAZ fest, dass Jakowlew alle, die der
Meinung seien, Stalin, nicht Lenin sei der wahre Unhold der Sowjetmacht
gewesen, darüber belehrt, „die Geschiche des Stalinismus weise im
Grunde nichts Neues auf”. In der Rezension des Jakowlew-Buches im
„Neuen Deutschland” (29.1.04) wird der gleiche Tatbestand so
beschrieben: „Nach Jakowlew gab es keinen strategischen Bruch zwischen
der Periode des weltrevolutionär-internationalistisch begründeten
Revolutionskonzepts W. I. Lenins und der Stalinschen Praxis eines
nationalen Sozialismus.”
Die
konsequentesten Anti-Stalinisten bestätigen damit auf ihre entstellende
und verleumderische Weise die Richtigkeit der Feststellung des großartigen
französischen Schriftstellers und Kommunisten Henri Barbusse:
„Stalin – das ist der Lenin unserer Tage!” (Henri Barbusse:
Stalin – eine neue Welt. Rotfront Reprint, Berlin 1996, S.279).
4. Den fünfzigsten Jahrestag des
Todes Stalins (5. März 2003) begingen die imperialistischen Medien mit
geballten Ladungen von Artikeln und Serien über den
„Jahrhundertverbrecher” Stalin, die – was man kaum für möglich
halten konnte – noch alles übertrafen, was in den letzten fünfzig
Jahren seit Stalins Tod an Hetze gegen ihn „geleistet” wurde.
Wie soll man sich diese alles bisher
auf diesem Gebiet Gebotene weit in den Schatten stellende Orgie der
Anti-Stalin-Hetze erklären?
Es gibt darauf nur eine Antwort: Die
Sieger von gestern sind sich der Dauerhaftigkeit ihres Sieges nicht
sicher, sie haben Furcht! Ja, sie fürchten den Einfluss des vor einem
halben Jahrhundert verstorbenen Stalin auf die heute Lebenden! Sie
erschrecken davor, dass noch immer und sogar immer mehr Menschen in
Russland und den übrigen Staaten der früheren Sowjetunion bei ihren
Demonstrationen Stalin-Bilder mit sich führen. Sie fürchten, dass die
Verlierer von Gestern die Sieger von morgen oder übermorgen sein könnten.
Diese Furcht sitzt offenbar auch Jakowlew im Nacken. Weshalb sonst
sollte er – wie im „Neuen Deutschland” zu lesen, „das Erhalten
von Lenin-Denkmälern” beklagen und – wie die FAZ aus seinem Buche
zitiert – höchst beunruhigt und empört feststellen: „Und heute
wohnen wir seelenruhig der Reinwaschung Stalins durch einige Behörden
und Massenmedien bei!” ?
Stalins Weitblick hat sowohl seine
Verteufelung als auch deren schließliche Überwindung vorausgesehen. Während
des Krieges hatte er zu Molotow geäußert: „Ich weiß, nach meinem
Tode wird man mein Grab mit Haufen von Schmutz bedecken. Aber der Wind
der Geschichte wird ihn schonungslos hinwegfegen.” Wir aber dürfen
nicht auf den Wind der Geschichte warten – wir müssen selbst dieser
reinigende Wind sein, der die Lügen vertreibt und die geschichtliche
Wahrheit wieder in ihr Recht setzt.
Die Sieger von gestern haben allen
Grund zur Furcht. Fünfzehn Jahre nach ihrem Triumph über den
Sozialismus stecken sie in der tiefsten Krise ihres Systems: ökonomisch,
politisch, sozial, kulturell, und nicht zuletzt: ideologisch. Immer
deutlicher wird: die allgemeine Krise des Kapitalismus ist trotz der
Niederlage des Sozialismus in Europa nicht überwunden, sondern dauert
fort und vertieft sich. Und es wächst der Widerstand.
5. Ein Grund für die Furcht der
Sieger von gestern ist mit Sicherheit auch die Erfahrung, dass es ihnen
nicht gelungen ist, die Mehrheit der Jugend der ehemals sozialistischen
Länder für sich zu gewinnen.
Das folgende Beispiel aus
Ostdeutschland kann durchaus Gültigkeit auch für andere ehemals
sozialistische Länder beanspruchen. Eine an der Leipziger Universität
angefertigte und am 19. September 2002 auszugsweise im „Neuen
Deutschland” veröffentlichte Studie macht deutlich: nachdem die DDR-Bürger
12 Jahre lang die Segnungen des realen, unverfälschten Kapitalismus über
sich ergehen lassen mussten, haben selbst Jugendliche, die nur wenige
Jahre noch als Bürger der DDR erlebt haben, die Erfahrung gemacht, dass
die in der DDR herrschende sozialistische Gesellschaftsordnung – trotz
ihrer fortgeschrittenen Deformation – menschenfreundlich war, die der
Bundesrepublik dagegen dies ganz und gar nicht ist. In der Studie ist über
die Ansichten der befragten Jugendlichen zu lesen:
„Für 91 Prozent der Befragten gab
es vor der Wende mehr Sicherheit, nur 1 Prozent ist der Meinung, dies
sei heutzutage besser. ...Die Zukunftsfähigkeit des jetzigen
Gesellschaftssystems schätzen sie als ziemlich gering ein, nur ein
kleiner Teil hofft, dass dieses System für immer erhalten bleibt. ...
Die Distanz gegenüber dem kapitalistischen System geht mit einer
zunehmenden Identifikation mit sozialistischen Idealen einher. ...
Sozialistisches Gedankengut sei nicht aus den Köpfen der jungen
Ostdeutschen verschwunden.”
(Entnommen meinem Aufsatz: „Der unsterbliche Frühsozialismus,
in: „In den Trümmern ohne Gnade. Festschrift für Peter Hacks”,
Eulenspiegel-Verlag, Berlin 2003, S.225)
6. Die Anti-Stalinisten haben
bewirkt, dass seit einem halben Jahrhundert die wichtigsten
marxistischen Werke nach denen von Marx, Engels und Lenin, die Werke
Stalins, als Werke gelten, von denen ein anständiger Kommunist sich
trennt und sie nie wieder in die Hand nimmt. Wie die Päpste die
Schriften von „Ketzern” auf den Index setzten, so wurden die
Schriften Stalins von den Führern der Parteien des „demokratischen”
und „pluralistischen” Sozialismus und Kommunismus moralisch geächtet
und also auf den Index gesetzt. (Mit den Werken Stalins, die durch diese
Ächtung nach Chruschtschows Stalin-Verdammung auf dem Müll landeten, könnte
man viele Bibliotheken füllen.).
Genau mit dem Beginn dieser
Index-Zeit begann auch der Niedergang des Sozialismus und der
kommunistischen Bewegung.
Zu den unabdingbaren Voraussetzungen
für ihren neuerlichen Aufschwung gehört deshalb auch die massenhafte
Hinwendung zum erneuten Studium der Werke Stalins, in denen der ganze
Reichtum der Erfahrungen des erfolgreichen Aufbaus des Sozialismus auf
den von Lenin gewiesenen Bahnen enthalten ist.
Vortrag, gehalten am 27. März 2004
in Bernburg
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