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"Grundpositionen
der Kommunisten" - eine kritische Stellungnahme
von
Jens Ollesch
Bevor
wir uns vereinigen und um uns zu vereinigen, müssen wir uns zuerst
entschieden und bestimmt voneinander abgrenzen. Sonst wäre unsere
Einigung lediglich eine Fiktion, die die vorhandene Zerfahrenheit
verhüllt und ihre radikale Beseitigung verhindert."
[Lenin:
Ankündigung der Redaktion der "Iskra"; vgl. LW Bd. 4, S.
351f.]
"Die
Unwissenheit ist ein Dämon, wir fürchten, sie wird noch manche
Trauerspiele aufführen;"
[Marx:
Der leitende Artikel in Nr. 179 der »Kölnischen Zeitung«, vgl.
MEW Bd. 1, S. 104]
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Hamburg,
14.01.2003
Mit
großem Interesse habe ich die beiden Entwürfe von Konrad Hannemann und Erwin
Erfurth zu den "Grundpositionen der Kommunisten" in der "offen-siv"
10/2002 gelesen. Da ich selbst mich kurz zuvor intensiv mit der "Kritik des
Gothaer Programms" von Marx und Engels beschäftigt habe und auch Lenins
"Staat und Revolution" in diesem Zusammenhang neu las, hatte ich recht
hohe Erwartungen an die beiden Texte. In der "Gemeinsamen Erklärung"
wie auch in den "Vorbemerkungen" von Konrad Hannemann wird schließlich
auch darauf verwiesen, daß im Jahre 2000 eine Konferenz anläßlich des 125.
Jahrestages des Gothaer Parteitages stattfand. Um so enttäuschter war ich, als
ich die beiden Entwürfe las. Es fällt mir schwer, den beiden Autoren der Entwürfe
als auch den Unterzeichnern der "Gemeinsamen Erklärung" nicht
vorsätzlichen Reformismus und Opportunismus zu unterstellen. Zu eindeutig sind
die Signale, die von ihren "Grundpositionen" ausgehen. Angesichts des
aktuellen Appells der DKP Brandenburg für einen neuen "Roten Tisch"
in Brandenburg (siehe http://www.dkpbrandenburg.de/appell.htm)
muß ich annehmen, daß sich an den Sichtweisen aller Beteiligten seitdem nicht
viel geändert hat, was in meinen Augen die Notwendigkeit einer äußerst
kritischen Auseinandersetzung unterstreicht.
Ziele
der Kommunisten
Konrad
Hannemann schreibt gleich zu Beginn zu den Zielen der Kommunisten:
Als
Kommunisten eint uns das Ziel einer sozialistischen Gesellschaftsordnung,
die den marxistischen Grundgedanken besser entspricht, als der sog.
"real existierende Sozialismus". (1. Satz seines Entwurfes)
Und
Erwin Erfurth sekundiert:
Unser
Ziel ist der Sozialismus. (Ende des 8. Paragraphen)
Mit
diesen Feststellungen bleiben sie beide auf halber Strecke stehen. Das Ziel der
Kommunisten ist nämlich nicht der Sozialismus - sprich: erste/niedere bzw. Übergangsphase
zum Kommunismus -, sondern der Kommunismus selbst, die klassenlose Gesellschaft,
in der auch die Staaten abgestorben sind. Der Sozialismus ist lediglich eine
Etappe auf dem Weg dorthin, ist - wie gesagt - die Übergangsphase. Stattdessen
verfahren beide offenbar nach dem Prinzip: "Der Weg ist das Ziel",
was in meinen Augen selbst eines politischen Anfängers unwürdig ist.
Laut
Erwin Erfurth
"...
bekennen wir uns zur Marxschen wissenschaftlichen Theorie, Methode und
Methodologie der gesellschaftlichen Analyse, zum historischen und
dialektischen Materialismus, der politischen Ökonomie und des
wissenschaftlichen Sozialismus/Kommunismus. Wir bekennen uns zum Endziel der
kommunistischen Bewegung - der klassenlosen kommunistischen
Gesellschaft". (E.E.; Paragraph 4)
Jede
Menge Bekenntnisse - schöne Worte. Und wie sieht es mit Taten aus?
Konrad
Hannemann will
"öffentlich
kundtun, wie wir die Probleme der Gegenwart lösen würden." (K.H.;
"Veranlassung", 4. Absatz)
und
dazu
"unsere
Kräfte im Kampf um den Frieden, um soziale Gerechtigkeit und die Erhaltung
der Natur, gegen die Globalisierungspolitik des Großkapitals und den
zusehends erstarkenden Neonazismus vereinen". (ebenda)
Dazu
zählt er eine ganze Menge von Zielen auf, zu deren Erreichung gemeinsame
Anstrengungen notwendig seien. Liest man sich die Liste dieser Ziele durch, so
erscheinen sie ganz ordentlich und unterstützenswert.
Erwin
Erfurth fordert - wenn ich ihn recht verstehe -:
"Revolutionär-demokratische
Reformen" die "den Übergang zum Sozialismus vor(bereiten)"
(E.E.; Paragraph 9)
und
"die
Errichtung einer revolutionär-demokratischen Staatsmacht" (E.E.;
Paragraph 5)
ermöglichen,
in der
"das
Volk die Demokratie erkämpft und in Besitz nimmt" (ebenda)
Zu
diesem Zweck wird von Konrad Hannemann weiterhin angestrebt,
"dass
in den Parlamenten bzw. Volksvertretungen" (des bürgerlichen
Staates; J.O.) "künftig nicht nur Parteien, sondern auch
Gewerkschaften, Frauen-, Jugend-, soziale und andere Organisationen
vertreten sind, die die ganze Interessenbreite des Volkes wahrnehmen."
(K.H.; "Langfristige Ziele unserer Bewegung", 3. Absatz)
Schließlich
kann der Sozialismus ja nur funktionieren, wenn er "mehrheitsfähig"
(ebenda) ist. Anschließend dann noch die Feststellung:
"Mit
der Forderung nach einer Demokratie als wahre Volksherrschaft befinden wir
uns im Einklang mit dem Wesen des Grundgesetzes der BRD. Das Grundgesetz
steht nicht im Widerspruch zum Sozialismus, zumal darin keine bestimmte
Gesellschaftsordnung festgeschrieben ist." (K.H.; "4. Wege zum
Erreichen unserer Ziele", 2. Absatz)
Reform
oder Revolution?
Was
wollen uns die beiden damit nun sagen? Wenn ich das so lese, so erscheint es
mir, als wären alle diese Kämpfe um Verbesserungen des täglichen Lebens ganz
demokratisch und innerhalb dieses Systems möglich. Das wäre natürlich eine
wunderbare Sache - würde sie so funktionieren. Tut sie jedoch nicht! Denn
weshalb sonst haben Marx, Engels und Lenin immer und immer wieder auf die
Notwendigkeit einer proletarischen Revolution - eines gewaltsamen Umbruchs, bei
dem das alte System hinweggefegt und durch ein neues ersetzt wird - hingewiesen?
Und warum sonst gab es immer wieder in der Geschichte des Kapitalismus
Arbeiteraufstände und Revolutionen? "Reform oder Revolution?"
lautet die Gretchenfrage für Kommunisten. Und es kann nur eine Antwort geben.
Um in der Welt Frieden und soziale Gerechtigkeit zu schaffen, die Natur für den
Menschen als lebenswert zu erhalten und Nazis jeder Schattierung ein für
allemal den Garaus zu machen, muß zuallererst mit diesem System und diesem
Staat gebrochen werden. Ohne einen primären Kampf gegen das kapitalistische und
imperialistische System und seine politischen Verwalter ist ein Kampf gegen alle
seine Folgen - und nichts anderes sind diese Erscheinungen, als Folgen des
Systems - unmöglich! Natürlich darf der tagtägliche Kampf gegen diese
Erscheinungen des Imperialismus nicht einfach in den Hintergrund treten. Er muß
ununterbrochen weitergeführt werden, ohne jedoch irgendwelche Illusionen zu schüren,
daß eine Lösung innerhalb dieses Systems möglich wäre. Dringend notwendig
ist daher eine offensive Aufklärung der Massen über die wahren Hintergründe
z.B. der gegenwärtigen Krise des Arbeitsmarkt- und Sozialsystems. Warum ist die
Zahl der Arbeitslosen seit der Wende so stark gestiegen? Warum können seitdem
nur noch minimale Lohnerhöhungen durchgesetzt werden? Warum sinken die Steuern
für große Firmen, während der kleine Mann immer mehr zahlen muß? Derartige
Fragen müssen öffentlich und aus Sicht der Kommunisten beantwortet werden.
Dann kommen die Menschen auch schon von selbst darauf, was geändert werden muß.
Nur das "Wie?" müssen wir ihnen dann noch erläutern.
Im
Raum steht dabei auch die Frage nach Demokratie und Parlamentarismus. Auch dies
sind Folgen des Systems, wie schon bei den Klassikern mehrfach nachgewiesen. So
schreibt Lenin in "Staat und Revolution":
"Einmal
in mehreren Jahren zu entscheiden, welches Mitglied der herrschenden Klasse
das Volk im Parlament niederhalten und zertreten soll - das ist das wirkliche
Wesen des bürgerlichen Parlamentarismus, nicht nur in den
parlamentarisch-konstitutionellen Monarchien, sondern auch in den
allerdemokratischsten Republiken.
...
die eigentlichen »Staats«geschäfte werden hinter den Kulissen abgewickelt
und von den Departements, Kanzleien und Stäben verrichtet. In den Parlamenten
wird nur geschwatzt, speziell zu dem Zweck, das »niedere Volk« hinters Licht
zu führen."
[Lenin:
Staat und Revolution, III. Kapitel, 3. Aufhebung des Parlamentarismus]
Die
Demokratie wird aber von Konrad Hannemann und Erwin Erfurth offenbar als
Allheilmittel verstanden, um "revolutionäre-demokratische
Reformen" (E.E.; Paragraph 9) zur "demokratischen
Umgestaltung" des (bürgerlichen) Staatsapparates (K.H.; "4. Wege
zum Erreichen unserer Ziele") einzuleiten. Also mit bürgerlichen Methoden
gegen den bürgerlichen Staat. Da die Demokratie aber etwas ist, das der
Legitimation der politischen Macht der herrschenden - bürgerlichen - Klasse
dienen soll, kann sie nur so lange funktionieren, wie die herrschende Klasse
sich nicht in ihrer Macht bedroht fühlt. Die Geschichte hält zahlreiche
Beispiele bereit, wie grausam die Bourgeoisie ihre Macht verteidigt. Erinnert
sei nur an den Putsch anno 1973 in Chile, nachdem Salvador Allende ganz
demokratisch zum Ministerpräsidenten gewählt worden war. Die Bourgeoisie brach
einen Bürgerkrieg vom Zaun, bei dem Allende und zahllose andere Sozialisten und
Arbeiter ermordet wurden. In den Jahren darauf wütete unter Pinochet ein
Schreckensregime, das Tausende verschwinden und ermorden ließ. Das wohl
wichtigste Beispiel aber ist die französische Revolution von 1870/71 mit der
Pariser Kommune und die vorangegangenen Klassenkämpfe in Frankreich. Engels
schreibt in der Einleitung zu Marx' "Der Bürgerkrieg in Frankreich"
anno 1891:
"Dank
der ökonomischen und politischen Entwicklung Frankreichs seit 1789 ist Paris
seit fünfzig Jahren in die Lage versetzt, daß dort keine Revolution
ausbrechen konnte, die nicht einen proletarischen Charakter annahm, derart, daß
das Proletariat, das den Sieg mit seinem Blut erkauft, mit eignen Forderungen
nach dem Sieg auftrat. Diese Forderungen waren mehr oder weniger unklar und
selbst verworren, je nach dem jedesmaligen Entwicklungsstand der Pariser
Arbeiter; aber schließlich liefen sie alle hinaus auf Beseitigung des
Klassengegensatzes zwischen Kapitalisten und Arbeitern. Wie das geschehn
sollte, das wußte man freilich nicht. Aber die Forderung selbst, so
unbestimmt sie auch noch gehalten war, enthielt eine Gefahr für die
bestehende Gesellschaftsordnung; die Arbeiter, die sie stellten, waren noch
bewaffnet; für die am Staatsruder befindlichen Bourgeois war daher
Entwaffnung der Arbeiter erstes Gebot. Daher nach jeder durch die Arbeiter erkämpften
Revolution ein neuer Kampf, der mit der Niederlage der Arbeiter endigt.
Das
geschah zum erstenmal 1848. Die liberalen Bourgeois der parlamentarischen
Opposition hielten Reformbankette ab zur Durchsetzung der Wahlreform, die
ihrer Partei die Herrschaft sichern sollte. Im Kampf mit der Regierung mehr
und mehr gezwungen, ans Volk zu appellieren, mußten sie den radikalen und
republikanischen Schichten der Bourgeoisie und des Kleinbürgertums allmählich
den Vortritt gestatten. Aber hinter diesen standen die revolutionären
Arbeiter, und diese hatten seit 1830 weit mehr politische Selbständigkeit
sich angeeignet, als die Bourgeois und selbst die Republikaner ahnten. Im
Moment der Krisis zwischen Regierung und Opposition eröffneten die Arbeiter
den Straßenkampf; Louis-Philippe verschwand, die Wahlreform mit ihm, an ihrer
Stelle erstand die Republik, und zwar eine von den siegreichen Arbeitern
selbst als »soziale« bezeichnete Republik. Was unter dieser sozialen
Republik zu verstehn sei, darüber war aber niemand im klaren, auch die
Arbeiter selbst nicht. Aber sie hatten jetzt Waffen und waren eine Macht im
Staat. Sobald daher die am Ruder befindlichen Bourgeoisrepublikaner einigermaßen
festen Boden unter den Füßen spürten, war ihr erstes Ziel, die Arbeiter zu
entwaffnen. Dies geschah, indem man sie durch direkten Wortbruch, durch offnen
Hohn und den Versuch, die Unbeschäftigten in eine entlegne Provinz zu
verbannen, in den Aufstand vom Juni 1848 hineinjagte. Die Regierung hatte für
eine erdrückende Übermacht gesorgt. Nach fünftägigem heroischem Kampf
erlagen die Arbeiter. Und jetzt folgte ein Blutbad unter den wehrlosen
Gefangnen, wie ein gleiches nicht gesehen worden seit den Tagen der Bürgerkriege,
die den Untergang der römischen Republik einleiteten. Es war das erste Mal,
daß die Bourgeoisie zeigte, zu welcher wahnsinnigen Grausamkeit der Rache sie
aufgestachelt wird, sobald das Proletariat es wagt, ihr gegenüber als aparte
Klasse mit eignen Interessen und Forderungen aufzutreten. Und doch war 1848
noch ein Kinderspiel gegen ihr Wüten von 1871."
[Marx:
Der Bürgerkrieg in Frankreich, vgl. MEW Bd. 17, S. 616-617]
Es
sollte meines Erachtens eigentlich für jeden Kommunisten selbstverständlich
sein, daß der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus nicht auf dem Wege der
Reformen - geschweige denn demokratisch - möglich ist; daß der bürgerliche
Staatsapparat - ein Werkzeug der Bourgeoisie - sich nicht einfach
"umgestalten" läßt. Diese Erkenntnis hat schon die Pariser Kommune
gemacht. In Marx' "Der Bürgerkrieg in Frankreich" (MEW Band 17, S.
3-365) ist nachzulesen, vor welchen Problemen und Herausforderungen die Pariser
Kommune 1870/71 stand, und wie sie mit relativ einfachen Maßnahmen für eine
wahre Herrschaft der arbeitenden Klasse sorgte. Marx schreibt dort
beispielsweise über den ersten Versuch der Diktatur des Proletariats:
"Die
Kommune bildete sich aus den durch allgemeines Stimmrecht in den verschiedenen
Bezirken von Paris gewählten Stadträten. Sie waren verantwortlich und
jederzeit absetzbar. Ihre Mehrzahl bestand selbstredend aus Arbeitern oder
anerkannten Vertretern der Arbeiterklasse. Die Kommune sollte nicht eine
parlamentarische, sondern eine arbeitende Körperschaft sein, vollziehend und
gesetzgebend zu gleicher Zeit." [Marx: Der Bürgerkrieg in Frankreich,
MEW Bd. 17, S. 339]
"...
Von den Mitgliedern der Kommune an abwärts, mußte der öffentliche Dienst für
Arbeiterlohn besorgt werden. Die erworbnen Anrechte und die Repräsentationsgelder
der hohen Staatswürdenträger verschwanden mit diesen Würdenträgern
selbst." [ebenda]
"...;
die Abgeordneten sollten jederzeit absetzbar und an die bestimmten
Instruktionen ihrer Wähler gebunden sein." [ebenda, S. 340]
Nicht
parlamentarisch, sondern arbeitend. Nicht Berufspolitiker, sondern Arbeiter.
Wie anders kann die Selbstverwaltung der Arbeiter funktionieren? Wo in der
Vergangenheit, einschließlich der jüngsten, - selbsternannte -
parlamentarische Vertreter der Arbeiterklasse gelandet sind, kann man
wunderbar am Beispiel Gregor Gysi's sehen. Mit der "Teile-und-herrsche"-Politik
wurden schon oft Opponennten gefügig gemacht und letztlich zu Verrätern an
denen, die sie eigentlich vertreten sollen.
Zur
Demokratie schrieb Lenin anno 1917 im Angesicht der Nachwehen der
Februarrevolution und des Verrats der Menschewiki und Sozialrevolutionäre am
Volk:
"Die
demokratische Republik ist die denkbar beste politische Hülle des
Kapitalismus, und daher begründet das Kapital nachdem es [...] von dieser
besten Hülle Besitz ergriffen hat, seine Macht derart zuverlässig, derart
sicher, daß kein Wechsel, weder der Personen, noch der Institutionen
noch der Parteien der bürgerlich-demokratischen Republik diese Macht erschüttern
kann.
Es
muß noch hervorgehoben werden, daß Engels mit größter Entschiedenheit
das allgemeine Stimmrecht als Werkzeug der Herrschaft der Bourgeoisie
bezeichnet. Das allgemeine Stimmrecht, sagt er unter offensichtlicher Berücksichtigung
der langjährigen Erfahrungen der deutschen Sozialdemokratie, ist
"...
der Gradmesser der Reife der Arbeiterklasse. Mehr kann und wird es nie
sein im heutigen Staat ..." [vgl. MEW Bd. 21, S. 168; J.O.]
Die
kleinbürgerlichen Demokraten vom Schlage unserer Sozialrevolutionäre und
Menschewiki sowie ihre leiblichen Brüder, alle Sozialchauvinisten und
Opportunisten Westeuropas, erwarten eben vom allgemeinen Stimmrecht »mehr«.
Sie sind in dem falschen Gedanken befangen und suggerieren ihn dem Volke,
das allgemeine Stimmrecht sei »im heutigen Staat« imstande, den
Willen der Mehrheit der Werktätigen wirklich zum Ausdruck zu bringen und
seine Realisierung zu sichern."
[Lenin:
Staat und Revolution, vgl. LW, Bd. 25, S. 393ff., Kapitel 1, Abschnitt 3]
Das
bürgerliche Parlament hat - in der Zeit vor einer proletarischen
Revolution - für Kommunisten nur einen Zweck, den auch schon die damals
noch junge KPD sich anno 1919 auf ihre Fahnen geschrieben hatte: die Entlarvung
der Funktionsweise des bürgerlichen Staates und seiner Helfershelfer zum Zwecke
der Aufklärung und Radikalisierung der Massen. In den KPD-"Leitsätzen über
den Parlamentarismus" heißt es:
"2.
Wie alle anderen Mittel der Bourgeoisie zur Ausübung und Aufrechterhaltung
der politischen Macht mit der Eroberung der politischen Macht zerstört werden
müssen - Bürokratie, Gerichtsorganisation, weiße Garden usw. -, so wird
auch das Parlament mit diesem Zeitpunkt zerstört werden. Während andere
Organisationen nach Ergreifung der Macht durch das Proletariat in neuer Form
und neuem Geist werden ausgebaut werden müssen - so Gerichtsorganisation,
militärische Macht usw. -, wird das Parlament dauernd zerstört bleiben.
Seine Funktionen im Stadium nach der Eroberung der politischen Macht werden
durch die Arbeiterräte völlig ersetzt. Denn in der ersten Epoche nach der
Machtergreifung, der Epoche der proletarischen Diktatur, bedarf das
Proletariat der schärfsten und konzentriertesten Willensanspannung zur
Aufrechterhaltung seiner Macht. - Die Räteorganisation ist dann der klarste
Ausdruck des Willens des Proletariats zur Macht, wie die Macht selbst. Ein
Parlament, das lediglich ein Mittel einer herrschenden Minderheit ist, einer
beherrschten Minderheit die Demokratie vorzuspiegeln, ist in dieser Epoche, in
der die herrschende Mehrheit, das Proletariat, der beherrschten Minderheit von
Kapitalisten, Spekulanten und Gegenrevolutionären gegenübersteht, nicht mehr
vonnöten
...
4.
In keinem Falle kann durch das Parlament und durch die parlamentarische
Aktion, durch parlamentarische Abstimmungen und Mehrheitsbeschlüsse die
politische Macht errungen werden. Wie die Bourgeoisie im Falle ungünstiger
parlamentarischer Beschlüsse zu anderen Mittel greifen würde, um die
politische Macht sich zu erhalten, so muß auch das Proletariat sich gegenwärtig
sein, daß es andere Mittel ergreifen muß, um sich die politische Gewalt zu
holen. Nur die große Aktion der Massendemonstrationen, Massenstreiks,
Aufstand - bringen die Entscheidung. Die Teilnahme an parlamentarischer Wahl
und Tätigkeit dienst allein dem Ziel, jene Aktionen agitatorisch und
organisatorisch vorzubereiten."
(Leitsätze
über den Parlamentarismus, angenommen am 23. Oktober 1919 auf dem Dillsberg
am Neckar; Aus: Bericht über den 2. Parteitag der Kommunistischen Partei
Deutschlands (Spartakusbund) vom 20. bis 24. Oktober 1919)
Damit
dürfte auch Konrad Hannemanns Forderung nach der "Mehrheitsfähigkeit"
des Sozialismus beantwortet sein. Bereits Marx stellte im "Bürgerkrieg"
dazu fest:
"Die
Arbeiterklasse verlangte keine Wunder von der Kommune. Sie hat keine fix und
fertigen Utopien durch Volksbeschluß einzuführen. Sie weiß, daß, um ihre
eigne Befreiung und mit ihr jene höhre Lebensform hervorzuarbeiten, der die
gegenwärtige Gesellschaft durch ihre eigne ökonomische Entwicklung
unwiderstehlich entgegenstrebt, daß sie, die Arbeiterklasse, lange Kämpfe,
eine ganze Reihe geschichtlicher Prozesse durchzumachen hat, durch welche die
Menschen wie die Umstände gänzlich umgewandelt werden. Sie hat keine Ideale
zu verwirklichen; sie hat nur die Elemente der neuen Gesellschaft in Freiheit
zu setzen, die sich bereits im Schoß der zusammenbrechenden
Bourgeoisgesellschaft entwickelt haben. Im vollen Bewußtsein ihrer
geschichtlichen Sendung und mit dem Heldenentschluß, ihrer würdig zu
handeln, kann die Arbeiterklasse sich begnügen, zu lächeln gegenüber den
plumpen Schimpfereien der Lakaien von der Presse wie gegenüber der lehrhaften
Protektion wohlmeinender Bourgeoisdoktrinäre, die ihre unwissenden Gemeinplätze
und Sektierermarotten im Orakelton wissenschaftlicher Unfehlbarkeit
abpredigen."
[Marx:
Der Bürgerkrieg in Frankreich, MEW Bd. 17, S. 343]
Demokratie
und Parlamentarismus sind also etwas, das mit Einsetzen der Diktatur des
Proletariats verschwindet - verschwinden muß, wie die Erfahrungen der
Pariser Kommune mit der Versailler Bourgeois-Regierung zeigen. Es gilt nicht,
den Arbeitern "öffentlich kund(zu)tun", wie man "die
Probleme der Gegenwart lösen würde", sondern sie durch Taten zu überzeugen
und zu gewinnen.
Sozialismus
und das Grundgesetz
Was
das Wesen des Grundgesetzes und seine Vereinbarkeit mit dem Sozialismus
betrifft, so würde ich Konrad Hannemann empfehlen, es sich einmal gründlich
durchzulesen. Schon in der Präambel ist von der Verantwortung zuerst vor Gott
und dann dem Menschen die Rede. Die Freiheit der Religion wird ab Artikel 4
mehrfach gepredigt und die Verbindung von Religion und Schule in Form des
Religionsunterrichtes festgeschrieben. Nun sind aber weder der Sozialismus noch
der Kommunismus religiöse Gesellschaftsformen. Im Gegenteil beruhen sie u.a.
auf der entschiedenen Bekämpfung der Religion als "Opium des Volks"
(vgl. z.B. Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, MEW Bd. 1, S. 378)
Das
Schulwesen wird unter Kontrolle des Staates gestellt (GG, Art. 7, Abs. 1). Marx
forderte aber in der "Kritik des Gothaer Programms":
"Vielmehr
sind Regierung und Kirche gleichmäßig von jedem Einfluß auf die Schule
auszuschließen." [Marx: Kritik des Gothaer Programms, MEW Bd. 19, S. 30]
Und
um auf die Parlamente zurückzukommen, heißt es im GG:
"Sie"
(die Abgeordneten des Deutschen Bundestages; J.O.) "sind
Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und
nur ihrem Gewissen unterworfen." (GG, Art. 38, Abs. 1)
Wozu
werden sie dann gewählt? Und wodurch wird ihr Gewissen bestimmt? Dagegen
schreibt Marx im "Bürgerkrieg" über die Pariser Kommune und ihre
leider unvollendeten Konzepte:
"die
Abgeordneten sollten ... an die bestimmten Instruktionen ihrer Wähler
gebunden sein." [Marx: Der Bürgerkrieg in Frankreich, MEW Bd. 17, S.
340]
Ähnlich
steht es um die durchgehend öffentliche Arbeit der Kommune und der öffentlichen
Protokollierung derselben, während im Grundgesetz die Möglichkeit
festgeschrieben ist, die Öffentlichkeit auszuschließen. Und:
"Wahrheitsgetreue
Berichte über die öffentlichen Sitzungen des Bundestages und seiner Ausschüsse
bleiben von jeder Verantwortlichkeit frei." (GG. Art. 42, Abs. 3)
All
diese Beispiele zeigen in meinen Augen recht deutlich, daß das deutsche
Grundgesetz keinesfalls als Basis für eine sozialistische Gesellschaft dienen
kann - geschweige denn für eine kommunistische.
Hinzu
kommt, daß das deutsche Rechtswesen - gleich dem in zahlreichen anderen Staaten
in Europa und Amerika - in weiten Teilen auf dem "Code Napoleon" von
1804 beruht. Diese Tatsache wurde gerade anläßlich des ZDF-Vierteilers
"Napoleon" in zahlreichen Medien ganz nebenbei erwähnt und hoch
gelobt. Auf der ZDF-Homepage selbst kann man dazu lesen:
"Der
Code als Herrschaftssicherung
Das
umfangreiche Gesetzeswerk Napoleons ist aufgeteilt in den Code civil
(Zivilrecht) und den Code pénal (Strafrecht). Voraussetzung für die
Umsetzbarkeit des neuen Rechts war die Abschaffung der Grundherrschaft und die
rechtliche Absicherung von Eigentum und Besitz, was den Forderungen des Bürgertums
entsprach und damit wiederum die Herrschaft Napoleons sicherte, da er nun mit
der Unterstützung des Bürgertum rechnen konnte.
Die
Ehe wird zur Geldangelegenheit
Im
Dienste der Interessen des Bürgertums konzipiert, befasste sich der Code
Napoleon daher vor allem mit der Sanktionierung des Eigentumsrechts, das als
"natürlich" angesehen wurde, "absolut" war,
"individualistisch" und alle Titel aufwog. Die Verträge, die der
Code regelte zielten fast alle ausschließlich auf den Besitz ab. Selbst die
genaue Regelung des Ehekontrakts machte aus der Ehe eine Geldangelegenheit.
Das
gesamte Werk trug einen doppelten Charakter:
1.
Der Code nahm das Verschwinden der feudalen Aristokratie und die sozialen
Prinzipien von 1789 auf: persönliche Freiheit, Gleichheit vor dem Gesetz,
Laizitiät des Staates, Gewissensfreiheit und Arbeitsfreiheit. In dieser
Eigenschaft erschien der Code in Europa als das Symbol der Revolution und
hat überall, wo er eingeführt wurde, die wesentlichen Regeln der modernen
Gesellschaft bestimmt.
2.
Das Staatsinteresse war der zweite Leitstern des Werkes, welches zuweilen
sogar die Eigentumsrechte einschränken konnte. Dies galt vor allem bei der
Nutzung von Bodenschätzen. Aber auch die Familie selbst wurde zum
Staatsinteresse. Sie war für den Staat wertvoll, da sie die sozialen Körperschaften
bildete, welche die Tätigkeit von Einzelnen kontrollieren konnte.
Dementsprechend
wurde die Autorität des Vaters im Code gestärkt. Er konnte seine Kinder
beispielsweise für sechs Monate ohne Kontrolle der Justizbehörde
einsperren lassen und ist Herr über ihren Besitz, wie auch über den
Besitz seiner Frau. Um jedoch zu starke Familienbande und eine neue
Aristokratie zu verhindern wurde das Pflichtteil beim Erbe wieder eingeführt
und damit eine Teilung des Erbgutes erreicht.
Das
Gesetzeswerk machte auch in der europäischen Rechtsgeschichte Epoche und
beeinflusste sowohl in den besetzten als auch in den unbesetzten Gebieten
Europas das Rechtswesen im bürgerlich-modernen Sinn."
(http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/0,1872,2025460,FF.html)
Sicherung
des "natürlichen" Eigentumsrechtes. Vorrang des Staatsinteresses,
welches sich selbst auf die Familie als soziale Kontrollinstanz erstreckt. In
diesen wenigen Worten steckt doch recht eindeutig die Festschreibung der
Gesellschaftsordnung, die wir als Kapitalismus bzw. Imperialismus kennen. Dazu
noch die Verdummung der Menschen durch die Religion, die staatliche Bevormundung
bei der allgemeinen Bildung in der Schule. Weshalb ist wohl seit Jahren für
Schulen und Lehrer immer weniger Geld vorhanden? Weshalb hat Deutschland bei der
PISA-Studie so miserabel abgeschnitten? Und schließlich die bürgerliche
Demokratie, die ein einziges Puppentheater ist. Wie kann all das im Einklang mit
dem Sozialismus oder gar Kommunismus stehen? Nein, dieses Grundgesetz und alle
damit verbundenen Rechtsvorschriften gehören nach einer proletarischen
Revolution auf den Scheiterhaufen der Geschichte. An ihre Stelle muß und werden
eine neue Verfassung und ein neues Rechtssystem treten, die auf den Prinzipien
des Sozialismus fußen.
Sozialismus
und soziale Gerechtigkeit
Einen
weiteren Fehler macht Konrad Hannemann als er schreibt:
"Er"
(der Sozialismus; J.O.) "ist eine Gesellschaft sozialer Gerechtigkeit,
in der der Grundsatz gilt: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner
Leistung." (K.H.; 3. ..., 4. Absatz)
Auch
hier steht er im krassen Gegensatz zu Marx' Kritik am Gothaer Programm, wo jener
schreibt:
"Das
gleiche Recht ist hier daher immer noch - dem Prinzip nach - das bürgerliche
Recht, obgleich Prinzip und Praxis sich nicht mehr in den Haaren liegen, während
der Austausch von Äquivalenten beim Warenaustausch nur im Durchschnitt,
nicht für den einzelnen Fall existiert.
Trotz
dieses Fortschritts ist dieses gleiche Recht stets noch mit einer bürgerlichen
Schranke behaftet. Das Recht der Produzenten ist ihren Arbeitslieferungen proportionell;
die Gleichheit besteht darin, daß an gleichem Maßstab, der Arbeit,
gemessen wird. Der eine ist aber physisch oder geistig dem andern überlegen,
liefert also in derselben Zeit mehr Arbeit oder kann während mehr Zeit
arbeiten; und die Arbeit, um als Maß zu dienen, muß der Ausdehnung oder der
Intensität nach bestimmt werden, sonst hörte sie auf, Maßstab zu sein. Dies
gleiche Recht ist ungleiches Recht für ungleiche Arbeit. Es erkennt
keine Klassenunterschiede an, weil jeder nur Arbeiter ist wie der andre; aber
es erkennt stillschweigend die ungleiche individuelle Begabung und daher
Leistungsfähigkeit der Arbeiter als natürliche Privilegien an. Es ist
daher ein Recht der Ungleichheit, seinem Inhalt nach, wie alles Recht. Das
Recht kann seiner Natur nach nur in Anwendung von gleichem Maßstab bestehn;
aber die ungleichen Individuen (und sie wären nicht verschiedne Individuen,
wenn sie nicht ungleiche wären) sind nur an gleichem Maßstab meßbar, soweit
man sie unter einen gleichen Gesichtspunkt bringt, sie nur von einer bestimmten
Seite faßt, z.B. im gegebnen Fall sie nur als Arbeiter betrachtet und weiter
nichts in ihnen sieht, von allem andern absieht. Ferner: Ein Arbeiter ist
verheiratet, der andre nicht; einer hat mehr Kinder als der andre etc. etc.
Bei gleicher Arbeitsleistung und daher gleichem Anteil an dem
gesellschaftlichen Konsumtionsfonds erhält also der eine faktisch mehr als
der andre, ist der eine reicher als der andre etc. Um alle diese Mißstände
zu vermelden, müßte das Recht, statt gleich, vielmehr ungleich sein.
Aber
diese Mißstände sind unvermeidbar in der ersten Phase der kommunistischen
Gesellschaft, wie sie eben aus der kapitalistischen Gesellschaft nach langen
Geburtswehen hervorgegangen ist. Das Recht kann nie höher sein als die ökonomische
Gestaltung und dadurch bedingte Kulturentwicklung der Gesellschaft.
In
einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende
Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der
Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die
Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis
geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre
Produktivkräfte gewachsen und alle Springquellen des genossenschaftlichen
Reichtums voller fließen - erst dann kann der enge bürgerliche
Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne
schreiben: jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!"
[Marx:
Kritik des Gothaer Programms, vgl. MEW Bd. 19, S. 20f.]
Deutsches
Sozialismuskonzept?
Was
bei mir noch Fragezeichen aufwirft, ist Erwin Erfurths Forderung nach einem
"deutschen Sozialismuskonzept" (Paragraph 6 und 11). Was meint er
damit? Nach meinem Verständnis versucht er hier eine Nationalisierung des
Klassenkampfes, wo gerade dessen Internationalisierung angebracht ist. Es kann
in meinen Augen nur ein Konzept des Sozialismus und auch des Kommunismus
geben. Lediglich die Formen der Ausgestaltung können je nach regionalen oder
lokalen Bedingungen variieren.
Ausgehend
von den Entwürfen Konrad Hannemanns und Erwin Erfurths müßte die Kritik an
ihnen und ihren "Grundpositionen" eigentlich noch viel umfassender um
schärfer ausfallen. Dies würde aber den Rahmen der "offen-siv"
eindeutig sprengen. Letzten Endes bleibt mir nur, alle Kommunisten in
Brandenburg und darüber hinaus zu warnen, die von Erwin Erfurth und Konrad
Hannemann vorgebrachten Positionen als die ihren zu verinnerlichen. Lest selbst
bei Marx, Engels und Lenin nach, wie sie die "Grundpositionen der
Kommunisten" formulierten. Gebt Reformisten und Opportunisten keine Chance,
Euch den Blick auf die wahren Zusammenhänge und Aufgaben zu vernebeln.
Jens
Ollesch
Jeder
Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend
Programme. Konnte man also nicht - und die Zeitumstände ließen
das nicht zu - über das Eisenacher Programm hinausgehn, so hätte
man einfach eine Übereinkunft für Aktion gegen den gemeinsamen
Feind abschließen sollen. Macht man aber Prinzipienprogramme
(statt diese bis zur Zeit aufzuschieben, wo dergleichen durch längere
gemeinsame Tätigkeit vorbereitet war), so errichtet man vor aller
Welt Marksteine, an denen sie die Höhe der Parteibewegung mißt.
[Marx:
Kritik des Gothaer Programms, MEW Bd. 19, S. 13-14]
Der heute herrschende Opportunismus dagegen erzieht in der
Arbeiterpartei die Vertreter der besser bezahlten Arbeiter, die
sich den Massen entfremden und sich unter dem Kapitalismus
leidlich "einzurichten" wissen, die ihr Erstgeburtsrecht
für ein Linsengericht verkaufen, d.h. auf die Rolle revolutionärer
Führer des Volkes gegen die Bourgeoisie verzichten.
[Lenin: Staat und Revolution, II. Kapitel, Abschnitt 1]
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