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Es gibt keine Einheit
durch faule Kompromisse
mit dem modernen Revisionismus und dessen Befürwortern
Offener
Brief an Hans Heinz Holz zum Text „Richtungskämpfe
müssen ausgefochten werden“
von
Günter Ackermann
16.01.2005
Lieber
Genosse Hans Heinz Holz,
zu
deinem Text in der jungenWelt (siehe
auch):
1.
Richtungskämpfe innerhalb der Kommunisten
Du
schreibst richtig: „Richtungskämpfe
müssen ausgefochten werden“.
Das galt und gilt seit Marx und Engels. Ich verrate Dir kein Geheimnis,
was ich da meine. Nur zwei Beispiele: Kritik des Gothaer Programms und „Herrn
Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft
(Anti-Dühring").
Marx und Engels, nicht minder Lenin, hatten das begriffen
und geißelten gnadenlos bourgeoise und kleinbürgerliche Linien innerhalb der Arbeiterbewegung. So sollten wir es auch heute noch halten.
Deshalb stimme ich Deiner These „Richtungskämpfe
müssen ausgefochten werden“
auch vorbehaltlos zu. Richtungskämpfe ist ja vor allem – wie der Name
zeigt – der Kampf um die richtige Richtung, gegen die in die Verirrung, den
Sumpf oder in die Richtung des Versöhnlertums mit dem Klassenfeind
geratenen Teile unserer Bewegung.
Diese Kämpfe zu unterdrücken – schlimmer noch – sie zu meiden –
begünstigt auf jeden Fall die Gegner des Kommunismus innerhalb und außerhalb
unserer Reihen.
Aber, lieber Genosse Holz,
wie war es, als vor einigen Wochen der Vorsitzende Deiner Partei,
der DKP, Heinz Stehr, seine unsäglichen Äußerungen zur Haltung
der IKP getan hat? Wo war da Dein Ausfechten des Richtungskampfes, als
er auf dem Höhepunkt des USA-Massenmords von Faludscha die IKP für
ihre Kollaboration mit den USA rechtfertigte, ja sogar deren Verhalten
als nicht zu kritisieren einstufte? Wo war da Deine Stimme? Ich habe
nichts gelesen. Wenn doch, dann bitte ich um Entschuldigung.
2. Einheit um jeden Preis?
Lenin schreibt: "Die Einheit ist eine grosse Sache und
eine große Losung! Doch die Arbeitersache braucht die Einheit unter den
Marxisten, nicht aber die Einheit der Marxisten mit den Gegnern und Verfälschern
des Marxismus."
Du, Genosse Holz, zeigst in
einem Text einige Punkte auf, die zwar so in ihrer Allgemeinheit nicht
falsch sind, betrachtet man sie jedoch genauer, liegen sie haarscharf
daneben.
So schreibst du:
„Die
außenpolitische Stärke des sozialistischen Gesellschaftssystems hatte
manche innere Schwächen verdeckt. Mängel und Stagnationserscheinungen
waren als nebensächlich abgetan worden oder verschwanden in der großen
welthistorischen Perspektive. Daß mit der sozialistischen
Produktionsweise die sich viel langsamer vollziehende Entwicklung
sozialistischen Bewußtseins nicht Schritt hielt, blieb in einer
technizistisch-ökonomistischen Fortschrittskonzeption oft unbeachtet;
der ideologische Klassenkampf erlahmte oder nahm rituelle Formen an, die
der Differenziertheit der Probleme nicht gerecht wurden. Das Verändern
der Eigentumsverhältnisse hat nicht gleichzeitig den Wandel der
Klassenverhältnisse zur Folge, zu denen eben auch das Bewußtsein gehört;
beide verlaufen als ungleichmäßiger Prozeß.“
Wie wahr! Jedoch: Das Ergebnis des XX. Parteitags der KPdSU
war die offene Abkehr von den revolutionären Zielen des Kommunismus.
Indem die revisionistische Führung unter Chruschtschow Stalin
verteufelte, versteckte sie ihren Verrat hinter den unvermeidbaren
Fehlern eines neuen Gesellschaftssystems, das ohne historisches Beispiel
in einem rückständigen Land gegen eine Welt von Feinden aufgebaut
wurde, usurpierte aber die Erfolge dieser Zeit an um sie gleichzeitig dazu zu
benutzen, den Sozialismus von Innen her zu zerstören.
Stalins These, dass im
Sozialismus die Klassenkämpfe nicht nur nicht verschwinden, sondern
sich sogar verschärfen können, wurde von Chruschtschow aufgeben. Aus
der Partei der Arbeiterklasse wurde eine Partei des ganzen Volkes –
was immer das auch sein mag.
Stalin warnte vor dem
Irrglauben, alles ginge nach der Revolution wie ein Uhrwerk seinen Gang:
„Es
ist notwendig, die faule Theorie zu zerschlagen und beiseite zu werfen,
dass der Klassenkampf bei uns mit jedem Schritt unseres Vormarsches mehr
und mehr erlöschen müsse, dass der Klassenfeind in dem Maße, wie wir
Erfolge erzielen, immer zahmer werde. Im Gegenteil, je weiter wir vorwärts
schreiten, je mehr Erfolge wir erzielen werden, um so größer wird die
Wut der Überreste der zerschlagenen Ausbeuterklassen werden, um so mehr
Niederträchtigkeiten werden sie gegen den Sowjetstaat begehen, um so
mehr werden sie zu den verzweifeltsten Kampfmitteln greifen, als den
letzten Mitteln zum Untergang Verurteilter. Man muß im Auge behalten,
dass die Reste der zerschlagenen Klassen in der UdSSR nicht alleine
dastehen. Sie genießen die direkte Unterstützung unserer Feinde
jenseits der Grenzen der UdSSR.”
(In: J.W. Stalin: Über die Mängel der Parteiarbeit und die Maßnahmen
zur Liquidierung der trotzkistischen und sonstigen Doppelzüngler,
Berlin 1954, S.22 f.)“
Es
ist nicht nur eine Frage, dass das Bewusstsein nicht Schritt hält mit
der gesellschaftlichen Realität, es ist vor allem die Frage, dass das
Bewusstsein sich sogar zurück entwickeln kann und die geschaffenen
sozialistischen Errungenschaften damit zu beseitigen hilft. Die führende
Rolle der marxistisch-leninistischen Partei darf sich nicht auf eine
formale politische Vorherrschaft beschränken, es ist unbedingt
notwendig, dass „durch die Richtigkeit der politischen Führung,
die von dieser Avantgarde verwirklicht wird, durch die Richtigkeit ihrer
politischen Strategie und Taktik, unter der Bedingung, daß sich die
breitesten Massen durch eigene Erfahrung von dieser Richtigkeit überzeugen“
können. (W.I- Lenin: Der
"Linke Radikalismus", die Kinderkrankheit im Kommunismus
(1920)
Es ist aber vor allem eine
Frage der kommunistischen Führung, ob sie in der Lage ist, dieses rückständige
Bewusstsein zu erkennen, den Klassenkampf in die richtige Richtung zu
lenken und somit das rückständige Bewusstsein breiter Teile der Massen
zu Gunsten eines höheren Bewusstsein aufzuheben.
Die KPdSU – und mit ihr
fast alle regierenden kommunistischen Parteien – waren dazu nicht in
der Lage. Im Gegenteil. Sie schufen sogar noch falsches Bewusstsein.
Ein Beispiel sei nur in der sog. ökonomischen Hauptaufgabe der DDR
genannt. Walter Ulbricht erklärte, es sei „ökonomische
Hauptaufgabe" und beweise die Überlegenheit über das
kapitalistische System, wenn man die Bundesrepublik im
Pro-Kopf-Verbrauch an Konsumgütern der Bevölkerung einhole und zu überhole.
Also
die SED-Führung begab sich selbst auf den Weg, die konsumorientierte
westliche Marktwirtschaft nachzuahmen. Die Folge war ein enormes
Anschwellen derer, die die DDR gen Westen verließen.
Sicher,
es gab in den sozialistischen Ländern Versorgungsengpässe, die es zu
überwinden galt. Aber es konnte nicht darum gehen, ob in der DDR mehr
Bananen, mehr Kaffee und mehr Schokolade verzehrt werden als in der BRD
und mehr Autos die Straßen verstopfen.
Indem
die SED diese Richtung einschlug, verließ sie den revolutionären Weg.
Richtungskämpfe, lieber Genosse Holz, wurden administrativ
ausgefochten, indem die diversen „parteifeindlichen“ Gruppen hinaus
„gesäubert“ wurden. In der Sowjetunion ermordetet man – es wird
behauptet, Chruschtschow persönlich – Lawrenti Pawlowitsch Berija. Später wurde die „parteifeindliche
Gruppe“ Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow, Georgi Malenkow und Lazar Kaganowitsch aus der Partei geworfen. Alles Anhänger
der Politik Stalins – und überzeugte Bolschewiki. In der DDR waren es
Wilhelm Zaisser, Ernst Wollweber, Karl Schirdewan, Anton
Ackermann, Franz
Dahlem, Elli Schmidt und andere.
Diese
Art des Richtungskampfes aber, lieber Genosse Holz, war der Kampf um die
Hinwendung der kommunistischen Parteien zum Kapitalismus, weg von den
sozialistischen Zielen.
Du
hast wieder einmal Recht, wenn du schreibst: „Damit begab sich auch
die Partei ihrer Avantgarderolle, die ja im Aufbau des Sozialismus darin
zu bestehen hätte, sowohl einerseits die Stabilität der bestehenden
sozialistischen Gesellschaft zu verteidigen, als auch andererseits
kritisch über den jeweils erreichten Zustand hinaus auf die nächsten
Schritte zum Kommunismus zu drängen.“
Allerdings
hat man bei dir den Eindruck, das sei quasi automatisch vor sich
gegangen. Dass hier Verräter am Werk waren, benennst du nicht.
3.
Friedenskampf
Du
schreibst: „Umringt von den durch permanente Hochrüstung immer
bedrohlicher werdenden imperialistischen Mächten unter der Führung der
USA war die Politik der sozialistischen Länder vordringlich auf die
Erhaltung des Friedens und die Stärkung der Friedenskräfte
ausgerichtet. Das bedeutete auf allen Ebenen die Herstellung breiter Bündnisse
über die Klassenfronten hinweg, unter Zurückstellung revolutionärer
Ziele der kommunistischen Parteien.“
Auch
hier liegst du haarscharf daneben. Friedenskampf und breite Bündnisse
gegen den Krieg sind keineswegs die Ursache der „Zurückstellung
revolutionärer Ziele der kommunistischen Parteien“.
Im
Gegenteil!
Sie eröffnen Möglichkeiten, kommunistische Ideen auch „über die
Klassenfronten“ hinweg zu verbreiten. Erinnert sei nur den breiten
Bündnissen gegen den Krieg in der Zeit vor dem XX. Parteitag. Weite
Teile der Bevölkerung in vielen Ländern, auch bürgerlicher Kreise,
bezogen sich positiv zur Sowjetunion. Erinnert sei nur an den
Weltfriedensrat unter seinem Präsidenten dem Nobelpreisträger Jean Frédéric
Joliot-Curie und dessen Frau Irène Joliot-Curie, Schwiegersohn und
Tochter der berühmten zweifachen Nobelpreisträgerin
Marie Sklodowska-Curie
Oder
der Kommunist und USA-Menschenrechtler Paul Robeson, zu dessen Konzerten
– obwohl sie massiv von FBI und Polizei behindert wurden –
Zehntausende Menschen strömten. Die weltweite Aktionen gegen die
Ermordung von Edel und Julius Rosenberg in den USA sind ein weiteres
Beispiel. (siehe)
Hier
in Deutschland startete die SED und die KPD Aktionen gegen die
Bombardierung Helgolands durch die britische Luftwaffe. Die Briten
mussten schließlich nachgeben und versuchten, den Großen Knechtsand in
der Elbmündung als Bombenziel zu benutzen.
Die
Folge für sie: Gemeinsam mit der KPD demonstrierten Bauern und Fischer
der Elbmündung und mit ihnen ganz normale bürgerliche Vogel- und
Tierschützer. Ebenso gab es große Aktionen gegen die Demontage des
Stahlwerks in Salzgitterdurch die britische Besatzungsmaccht. Und das, ohne dass die „revolutionären
Ziele der kommunistischen Parteien“ zurück gestellt worden wären.
Das
alles wurde dann in der 60er Jahren „vergessen“. Die revolutionären
Ziele der Kommunisten spielten keine Rolle mehr.
Man
mag sagen, dass unter dem Verbot der KPD in der BRD und der Verfolgung der Kommunisten durch
die Adenauer-Justiz revolutionäre Arbeit sehr erschwert war. Das ist
richtig, aber es erklärt nicht das Aufgeben der kommunistischen
revolutionären Ziele.
Ein
Beispiel: Ich
habe Ende der 60er Jahre in Köln gewohnt. Der dortige DFG/VK-Chef Dr.
Gruhl war ein alter Nazi, dessen Dissertation von 1938 sich mit der
Notwendigkeit der Verschärfung des Strafrechts im Kriege beschäftigte.
Der war auch als Kriegsverbrecher in der Sowjetunion inhaftiert worden.
Dieser Mensch war ein Antikommunist durch und durch.
In
seinem Verein aber gab es durch junge Leute eine Rebellion. Im Zuge der
68er-Bewegung fegte auch hier ein linker Wind. Gruhl stemmte sich
vehement gegen die jungen linken Friedenskämpfer. Diese hatten die
Doktorarbeit des DFG/VK-Chefs ausgegraben und, weil sie in der Mehrheit
waren, Gruhl abgesetzt. DFG/VK spaltete sich in Köln in eine linke
Gruppe und eine antikommunistische, letztere waren klar in der
Minderheit, hatte aber Büro und Kasse, denn Gruhl betrieb eine gut
gehende Anwaltskanzlei und finanzierte alles. Die DKP in Köln hielt
in Nibelungentreue fest am vom Kriegsjuristen zum Friedensengel
Mutierten.
"Vergessen"
wurde von den Revisionisten ferne, dass die beste Friedenssicherung nicht der
Pazifismus ist, sondern der offensive Klassenkampf um die revolutionären
Ziele. Stattdessen wurde der Friedenskampf zu einem elenden Gelatsche
mit „Frieden, Frieden“-Rufen. „Wir marscchieren nicht gegen den
Osten, nein, wir marschieren nicht gegen den Westen, nein“ sangen
selbst Kommunisten mit lauter Stimme und die DDR finanzierte alles. Und
wehe, es gab „Störer“ die das kritisierten, die bekamen eine aufs
Maul – von KPD/DKP-Genossen, die stellten die Ordner.
Dabei
waren die hofierten Adligen, Pfarrer, bürgerlichen Friedensfreunde oft
gar nicht mal so weit zurück, dass sie gegen revolutionäre Positionen
eines Teil der Friedensbewegung etwas gehabt hätten. Es waren die, die
innerhalb der damaligen Friedensbewegung als Kommunisten bekannt waren,
die dieses lahme Gesinge und Gelatsche durchsetzten und jegliche Kritik
unterdrückten.
Alle,
die die Ostermärsche der 60er Jahr mitmachten, werden mich bestätigen.
Friedenskampf wurde vom Kampf gegen den Kapitalismus abgekoppelt und das
wurde von oben vorgeschrieben. Das war die Linie der Parteispitze der
SED, der KPD und später der DKP.
Es
ist falsch, was Du schreibst:
„Es
gibt keinen Zweifel, daß diese strategische Orientierung richtig war.
Angesichts der Gefahr eines Krieges mit atomaren und anderen
Massenvernichtungswaffen hatte die Friedenssicherung höchste Priorität.“
Das
Hintenanstellen des Klassenkampfes, begünstigte revisionistische
Positionen und war gleichzeitig Ausdruck der Selben. Es begünstigte diese, sie bis an
die Basis der kommunistischen Parteien, oft gegen heftigen Widerstand
vieler Mitglieder, durchzusetzen, aber des Hintenanstellen
des Klassenkampfes war nur durch eine revisionistischen Führung
möglich.
Du
weißt so wie ich, dass wirkliche Kriegsverhinderung nur in der
Mobilisierung der Massen, in erster Linie der Arbeiterklasse, gegen das
kapitalistische System ist, dass das nachhaltige Verhindern von Kriegen
die Beseitigung der Ursachen der Kriege ist, also der revolutionäre
Kampf für die Diktatur des Proletariats.
Weiter
schreibst Du:
„Statt
dessen wurde die Politik der friedlichen Koexistenz mehr und mehr zu
einem Prozeß der Öffnung für kapitalistische Einflüsse – ökonomische
und ideologische.“
Auch
hier liegst Du haarscharf daneben, lieber Genosse Holz.
Im
Juni 1963 schrieb die damalige Führung der Kommunistischen Partei
Chinas an das ZK der KPdSU:
„Daß
sozialistische Staaten mit kapitalistischen Ländern friedlich
koexistieren können, wurde zuerst von Lenin herausgestellt. Es ist
allgemein bekannt, daß, nachdem das große Sowjetvolk die ausländische
Intervention zerschlagen hatte, die KPdSU und die Sowjetregierung, unter
der Führung von Lenin und später von Stalin, eine konsequente Politik
der friedlichen Koexistenz verfolgten und erst nach dem Überfall der
deutschen Imperialisten gezwungen waren, einen Verteidigungskrieg zu führen.“
und
weiter
„Das
von Lenin aufgestellte Prinzip der friedlichen Koexistenz ist sehr klar
und kann auch von einfachen Menschen sehr leicht verstanden werden. Die
friedliche Koexistenz bezieht sich nur auf die Beziehungen zwischen
Staaten mit verschiedener Gesellschaftsordnung und darf nicht nach
Belieben ausgelegt werden. Friedliche Koexistenz darf niemals auf die
Beziehungen zwischen unterdrückten und unterdrückenden Nationen,
zwischen unterdrückten und unterdrückenden Staat en, zwischen unterdrückten
und unterdrückenden Klassen ausgedehnt werden. Die friedliche
Koexistenz darf nie als Hauptinhalt des Übergangs vom Kapitalismus zum
Sozialismus beschrieben werden. Noch weniger darf die friedliche
Koexistenz zum Weg, der die ganze Menschheit zum Sozialismus führt,
gemacht werden. Der Grund ist, daß friedliche Koexistenz zwischen
Staaten mit verschiedener Gesellschaftsordnung eine Sache für sich ist.
Es ist absolut unzulässig und unmöglich, daß Länder, die miteinander
in friedlicher Koexistenz leben, sich gegenseitig auch nur ein Härchen
ihres gesellschaftlichen Systems antasten. Der Klassenkampf, der Nation
Befreiungskampf und der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus in
den verschiedenen Ländern jedoch sind ein völlig andere Sache. Alle
diese Kämpfe sind erbitterte revolutionäre Kämpfe auf Leben und Tod,
um die Gesellschaftsordnung zu verändern. Die friedliche Koexistenz
kann den revolutionären Kampf der Völker in keiner Hinsicht ersetzt.
Der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus kann in jedem Staat nur
durch die proletarische Revolution und die proletarische Diktatur im
eigenen Land erfolgen.“ (Ein
Vorschlag zur Generallinie der Internationalen kommunistischen Bewegung:
An das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion vom 14.
Juni 1963)
Zumindest
von der KPCh. und der Partei der Arbeit Albaniens, aber auch von
Mitgliedern und Funktionären der anderen KP’s – regierenden und
nicht regierenden – gab es Kritik an der falschen Art der Auslegung
der friedlichen Koexistenz durch die Führung der KPdSU.
Deiner
Behauptung, „daß diese strategische Orientierung richtig“ war,
widerspreche ich entschieden. Indem auf den revolutionären Kampf und
die revolutionären Ziele verzichtet wurde, dokumentiert sich der Verrat
der modernen Revisionisten am Sozialismus.
Sie
haben die berechtigte Angst der Menschen vor einen 3. Weltkrieg,
insbesondere vor einem Atomkrieg auf das schändlichste für ihre
konterrevolutionären Ziele ausgenutzt.
„So
verblaßte das Bewußtsein von der Universalität des Klassenkampfs und
der Einschätzung seiner verschiedenen Fronten und Kampfformen und des
Zusammenhangs zwischen ihnen.“
O,
Genosse Holz, so quasi von allein? Niemand war Schuld, niemand hat das
alles angefangen, durchgesetzt und fortgeführt bis zur endgültigen
Durchsetzung der Konterrevolution mittels des Agenten Gorbatschow?
„Es“ verblasste nicht, es wurde von den Führungen der
revisionistischen , sich immer noch als kommunistisch bezeichnenden
Parteien, zur Generallinie erklärt und mittels des Totschlagarguments:
„Wer gegen unsere Auslegung der friedlichen Koexistenz ist, will den
Atomkrieg“ durchgesetzt.
Statt
antiimperialistischen und antikapitalistischen Kampf gab es Friedensgesäusel,
Friedensgelatsche und Verwischung antagonistischer Klassenwidersprüche.
4.
Kommunismus vs. Reformismus
Du
schreibst, Genosse Holz:
„Wo
kommunistische Parteien stark waren und parlamentarische Mehrheiten in
Provinzen und Kommunen erringen konnten (wie z.B. in Italien und
Frankreich), wurden sie mehr und mehr in die bürgerliche Staatlichkeit
eingebunden; sie waren genötigt, praktische politische Verantwortung im
Rahmen eines gesamthaft hochkapitalistischen Systems zu übernehmen und
wurden damit praktisch auf die Möglichkeit systeminterner Reformen
beschränkt.“
Auch
hier widerspreche ich Dir. Natürlich begünstigt der Parlamentarismus
reformistische Tendenzen. Aber weder die Bolschewiki vor dem 1.
Weltkrieg, noch die meisten kommunistischen Parteien in kapitalistischen
Ländern in der Zwischenkriegszeit und vor dem XX. Parteitag verkamen zu
reformistischen Wahlvereinen.
Selbst
die Regierungsbeteiligung der KP Frankreichs und der KP Spaniens in der
Volksfront ließen sie nicht zum Reformismus und Revisionismus
verkommen. Sie blieben revolutionäre Parteien des Proletariats. Es sei
auch an die wohl größte kommunistische Partei außerhalb der
Sowjetunion, der KPD, erinnert. Auch sie blieb die revolutionäre Partei
des Proletariats, trotz Parlamentsmandate.
Ein
Automatismus ist es keineswegs, dass Parlamentarismus zum Reformismus führt.
Wie gesagt, Parlamentarismus begünstigt es, jedenfalls dann, wenn sich
die Partei in bestimmte Sachzwänge hinein begibt. Natürlich könnte
ein kommunistischer Polizeipräsident im kapitalistischem System aus der
Polizei keinen revolutionären Stoßtrupp machen und ein kommunistischer
Landesminister für Arbeit und Soziales heute die Hartz-Gesetze nicht außer
Kraft setzen. Die Lösung ist einfach: Kommunisten begeben sich erst gar
nicht in diese Sachzwänge.
Die
starken KP’s in Italien
und Frankreich wurden als revolutionäre Parteien stark. Als
reformistische Parteien verloren sie an Boden. Das gilt insbesondere für
die KPF, die heute nur noch ein Schatten dessen ist, was sie in vorher
unter der Führung von Maurice Thorez war.
Das gilt aber auch für die KPI, die sich ja inzwischen auch PDS nennt.
Ich
will sagen: Die Parteien, die sich strickt an die Moskauer Linie
hielten, verkamen zu reformistischen und revisionistischen Wahlvereinen oder da, wo sie
regierten, dienten sie Karrieristen als Sprungbrett. Das war leider die
überwiegende Mehrzahl der kommunistischen Parteien.
Keine
kommunistische Partei in einen kapitalistischen Staat muss sich „mehr
und mehr in die bürgerliche Staatlichkeit“ einbinden lassen, sie
darf sich nicht nötigen lassen, „praktische politische
Verantwortung im Rahmen eines gesamthaft hochkapitalistischen Systems zu
übernehmen“ und sich „damit praktisch auf die Möglichkeit
systeminterner Reformen“ beschränken lassen.
Die
Sache ist also sehr einfach. Aber bekanntlich ist der Kommunismus „das
Einfache, das schwer zu machen ist“ (Brecht). Es ist eben wirklich
so, wie du schreibst: „Richtungskämpfe
müssen ausgefochten werden“.
Diese Kämpfe gab es zu
allen Zeiten in der Arbeiterbewegung, aber mit der Durchsetzung des
modernen Revisionismus unter Chruschtschow und seinen Nachfolgern
erstarrte das zum Ritual und führte dann in die Gerontokratie und
endete bei Gorbatschow.
Du schreibst: „Die Niederlage des Sozialismus in
Osteuropa und der vorläufige Sieg des Kapitalismus hatten mit der Schwächung
der Arbeiterbewegung einen immensen Restaurationsschub zur Folge.
Ausgerichtet auf die bürgerliche Gesellschaft und in ihrer
Mitgliederzahl stark geschrumpft, sehen die kommunistischen Parteien
heute ihre Aufgabe in der Verteidigung der in den vergangenen Jahren
erreichten Reformen zur Verbesserung der Lage der Arbeiterklasse.
Widerstand gegen den rücksichtslosen Sozialabbau, gegen die
Weltherrschaftsansprüche des US-Imperialismus, gegen die
Formierungsideologie des Neoliberalismus sind die Kampfziele, die die
gebliebene Anhängerschaft mobilisieren.“
Ich
würde das etwas anders sehen: Die durch den Verrat des modernen
Revisionismus hervorgerufene Niederlage des Sozialismus hat die
Arbeiterbewegung schon lange vor Gorbatschow geschwächt. Die
Mitgliederzahlen aller KP’s in westlichen Ländern nahmen stetig ab.
Weil diese Parteien „ausgerichtet auf die bürgerliche
Gesellschaft“ waren „schrumpfte die Mitgliederzahl“
(Anmerkung: Nicht nur die Mitgliederzahl, auch die Zahl der Anhänger).
Da jetzt wieder die ganz
normalen Gesetze des Kapitalismus zur Geltung gebracht werden können,
kann der Kapitalismus die Reformen, die er unter dem Druck der
Konkurrenz der Systeme zugestanden wurden, beseitigen. Das kann er
insbesondere auch deshalb, weil es weder eine wirkliche und starke
kommunistische Partei gibt, noch wirkliche Gewerkschaften. Warum sollten
die Konzerne für etwas ihre Gewinne schmälern, was ihnen nicht mehr nützt?
Zum Widerstand gegen den rücksichtslosen Sozialabbau ist eine
entwaffnete Arbeiterklasse, ohne Klassenorganisationen, nicht fähig.
Wie wir im eigenem Land sehen, wird der Sozialabbau von
Gewerkschaftsführern nicht nur gebilligt, sie sind auch oft die
Ideengeber der Schweinereien im Auftrag der Konzerne (Peter Hartz ist als Arbeitsdirektor bei VW ein Mann der IG-Metall oder
NRW-Sozialminister Harald
Schartau, der die Tarifverträge in bisheriger Form ganz abschaffen
will, war bis vor ein paar Jahren IG-Metall-Bezirksleiter in NRW).
Und die Kommunisten in
diesem Zusammenhang? Die DKP-Genossen beteiligten sich wacker an den
Aktionen gegen Agenda 2010 und Hartz IV, aber meinst du, Genosse Holz,
die DKP hätte in diesem Zusammenhang auch nur den geringsten
politischen Einfluss gehabt?
Das ist kein Vorwurf, das
ist nur eine Feststellung. Die DKP ist selbst in den Städten des
Ruhrgebiets kaum noch politikfähig, kampagnenfähig ist sie noch
weniger. Ich höre hier immer „Überalterung“. Ja ja, stimmt schon,
aber warum ist die DKP überaltert?
Eine lahme Partei, die am
Tropf der DDR hing, die kritiklos alles mitmachte, was dort und in
Moskau ausgeheckt wurde, ist nicht sehr überzeugend. Für jüngere
Menschen schon gar nicht.
Und was den Kampf der DKP
gegen den USA-Imperialismus betrifft, habe ich bereits einiges auf der
Homepage Kommunisten-online gebracht. Es sei nur an die Unsäglichkeiten
Eures Vorsitzenden Stehr zur „Kommunistischen“ Partei des Irak und
derer Kollaboration mit den USA-Besatzern
erinnert. Ebenso die diversen Äußerungen seiner Stellvertreterin Nina
Hager, mit der du ja am Wochenende 15. und 16, Januar 2005 in Wien
aufgetreten bist. Erinnert sei auch an Ulrich Sander, dem Ex-Redakteur
der UZ mit seinen prozionistischen und proimperialistischen
Äußerungen.
Ich sage nicht, dass die Linie des Stehr, Sander und Hager die Meinung
der kommunistischen DKP-Genossen ist. Aber es erhebt sich keine offene
Stimme gegen sie – auch die Deine nicht. Stattdessen kosmetische Veränderungen
am Programmentwurf. Die Politik wird Stehr, Hager und Mayer
überlassen. Revolutionär und kommunistisch ist das nicht, lieber
Genosse Holz.
Zu bekämpfen ist
der Sozialabbau nur durch Mobilisierung der Arbeiterklasse, die von
einer revolutionären Partei geführt wird. Die gibt es aber nicht, also
machen wir das, was wir können, mobilisieren uns selbst. Das ist wenig,
aber besser als gar nichts.
Es kann diese
Partei nicht einfach gegründet werden, sie muss aus den Kämpfen
entstehen. Was wir tun können, damit sie entstehen kann ist, den Kampf
gegen die modernen Revisionisten führen, sowwie aktiv an den
Klassenkämpfen uns beteiligen. Wir dürfen den Revisionisten nicht gestatten, ihre konterrevolutionäre Fratze hinter der roten
Fahne der Arbeiterklasse zu verstecken, sondern sie als das vorführen,
was sie sind: Verräter am Kommunismus.
5. Strategie und
Taktik
Ja
du hast recht, wenn du schreibst:
„Jede
kommunistische Bewegung bedarf dieses revolutionären, klassenbewußten,
theoriegeschulten Kerns, der sie davor bewahrt, sich in den Opportunitäten
der täglich notwendigen Entscheidungen und Kompromisse zu verlieren.“
Wie
schnell man „sich in den Opportunitäten der täglich notwendigen
Entscheidungen und Kompromisse“ verlieren kann. lieber Genosse
Holz, führst Du uns in Deinem hier kritisierten Text. Aber dazu später.
Was
aber ist revolutionäre kommunistische Strategie und Taktik?
„Die
politische Strategie befasst sich, ebenso wie die Taktik auch, mit der
Arbeiterbewegung. Aber die Arbeiterbewegung selbst besteht aus zwei
Elementen: dem objektiven oder spontanen Element und dem subjektiven
oder bewussten Element. Das objektive, spontane Element bildet diejenige
Gruppe von Prozessen, die unabhängig vom bewussten und regulierenden
Willen des Proletariats vor sich gehen. Die ökonomische Entwicklung des
Landes, die Entwicklung des Kapitalismus, der Zerfall der alten
Staatsmacht, die spontanen Bewegungen des Proletariats und der Klassen,
die es umgeben, die Zusammenstöße der Klassen und anderes - das alles
sind Erscheinungen, deren Entwicklung nicht vom Willen des Proletariats
abhängt, das bildet die objektive Seite der Bewegung. Die Strategie hat
mit diesen Prozessen nichts zu tun, denn sie kann sie weder aufheben
noch ändern, sie kann nur mit ihnen rechnen und von ihnen ausgehen.
Dies ist ein Gebiet, das durch die Theorie des Marxismus und das
Programm des Marxismus erforscht wird.“
Gefordert
wird also nichts mehr und nichts weniger die Entwicklungsgesetze des
Kapitalismus zu erforschen, die Partei in die Lage zu versetzen richtig
und effektiv einzugreifen um aus diesen Kämpfen gewonnenen Erfahrungen
der gesellschaftlichen Realität wiederum verallgemeinernd als Wissen
praktisch umzusetzen.
Weiter:
„Die
Theorie des Marxismus, die die objektiven Prozesse des Kapitalismus in
ihrer Entwicklung und ihrem Absterben erforscht, gelangt zu dem Schluss,
dass der Sturz der Bourgeoisie und die Ergreifung der Macht durch das
Proletariat unvermeidlich sind, dass der Kapitalismus unweigerlich durch
den Sozialismus abgelöst wird. Die proletarische Strategie kann nur
dann als wirklich marxistisch bezeichnet werden, wenn diese wichtigste
Schlussfolgerung der Theorie des Marxismus ihrer Arbeit zugrunde gelegt
wird.“
Es
ist klar: Eine kommunistische Strategie ohne das Ziel des Sturzes des
Kapitalismus ist nicht kommunistisch.
Ich
will dich weiter mit Zitaten aus Stalins Schriften nerven, Das mag nicht
en vogue sein, ich zitiere Stalin trotzdem:
„Die
wichtigste Aufgabe der Strategie ist die Festlegung der Grundrichtung,
in der die Bewegung der Arbeiterklasse verlaufen soll und in der es für
das Proletariat am vorteilhaftesten ist, zur Erreichung der im Programm
gestellten Ziele den Hauptschlag gegen den Gegner zu führe Der Plan der
Strategie ist der Plan der Organisierung des entscheidenden Schlages in
der Richtung, in der dieser Schlag am schnellsten ein Höchstmaß von
Resultaten ergeben kann.“
Und
die Taktik:
„Die
wichtigste Aufgabe der Taktik ist die Festlegung der Mittel und Wege,
der Formen und Methoden des Kampfes, die der konkreten Situation im
gegebenen Augenblick am besten entsprechen und den strategischen Erfolg
am sichersten vorbereiten. Deshalb dürfen die taktischen Aktionen, ihre
Resultate nicht an und für sich, nicht vom Standpunkt des unmittelbaren
Effekts gewertet werden, sondern vom Standpunkt der Aufgaben und Möglichkeiten
der Strategie.“
Das,
lieber Genosse Holz, ist revolutionäre Strategie und Taktik. Das hat
nichts mit Taktierei zu tun, wie in den meisten KP’s heute üblich. So
z.B. vermeidet die DKP wie der Teufel das Weihwasser jegliche, auch nur
leiseste, Kritik an der sozialdemokratischen Gewerkschaftsführung. Das
dient auch nicht der Bildung von antikapitalistischem Bewusstsein im
Proletariat, es demobilisiert die Arbeiterklasse im Klassenkampf.
6.
Richtungskampf als persönliche Streiterei abtun?
Otto
Bruckner, der Sprecher der marxistischen Opposition in der KPÖ,
hat mit dem Klüngel um Walter
Baier, der sich der KPÖ bemächtigt hat, gebrochen. Diesem Bruch ist
eine lange und sehr intensive Auseinandersetzung voraus gegangen. Otto
Bruckner hat nun die Konsequenzen gezogen.
Du aber schreibst abwertend:
„Die
Erklärung Otto Bruckners zu seinem Austritt aus der KPÖ ist ein Indiz
für die tiefen persönlichen Zerwürfnisse, die sich aus dem Kampf um
eine Rekonsolidierung kommunistischer Identität ergeben haben.
Richtungskämpfe werden als Machtkämpfe ausgetragen.“
Persönliches
Zerwürfnis zwischen Genossen Otto Bruckner und Walter Baier, lieber
Genosse Holz? Machst Du es Dir da nicht doch zu einfach? Was schreibt Genosse Otto
Bruckner so persönliches gegen KPÖ-Chef Baier? Z.B.:
„Es
ist heute möglich, in der KPÖ für und gegen den imperialistischen
Krieg im Irak zu sein, es ist möglich für und gegen die israelische
Okkupation und Repression in Palästina einzutreten, für und gegen die
Formierung der Supermacht Europa.“
Anmerkung:
Du
brauchst da nicht einmal nach Österreich zu blicken. Stehr hat sich in
seinen Irak-Äußerungen faktisch für den Irak-Krieg ausgesprochen und
die unsäglichen Äußerungen eines Ulrich Sander dazu und zur
zionistischen Aggression in Palästina, sind geradezu Paradebeispiele
hierfür. Ende der Anmerkung
Und wirst du noch klarer, wenn auch etwas dozierend:
„Richtungskämpfe
werden als Machtkämpfe ausgetragen. Machtkämpfe machen sich an
Personen fest. Das ist ein organisationssoziologischer Mechanismus, der
durchbrochen werden muß. Es geht darum, daß kommunistischen Parteien
die Klarheit ihrer revolutionären Programmatik, ihres
marxistisch-leninistischen Geschichtsverständnisses in einer defätistischen
Reaktion auf die Niederlage abhanden zu kommen droht.“
Zunächst
einmal: Den meisten kommunistischen Parteien ist seit dem Verrat nach
dem XX. Parteitag der KPdSU „die Klarheit ihrer revolutionären
Programmatik, ihres marxistisch-leninistischen Geschichtsverständnisses“
längst abhanden gekommen. Es gilt aber genau das wieder zu
gewinnen.
Ob
das aber unter der Führung eines Walter
Baier oder eines Heinz Stehr möglich ist? Diese Revisionisten stehen
bekanntlich für etwas, nämlich für die Fortsetzung der ideologischen
Entwaffnung der Arbeiterklasse gegenüber der Bourgeoisie. Sie und ihre
Vordenker bis zurück zum XX. Parteitag haben die kommunistische
Bewegung in die Krise geführt, haben die unter der Führung Lenins
geschaffene und unter der Führung von Stalin erstarkte und der
Aggression durch die Hitler-Faschisten siegreich hervor gegangene große
Sowjetunion in den Ruin geführt, haben das unter Stalins Führung
gewachsene und erstarkte sozialistische Weltsystem in die Niederlage geführt,
haben die kommunistischen Parteien in den kapitalistischen Ländern zu
bedeutungslosen sozialdemokratischen Wahlvereinen werden lassen.
Das gilt nicht nur für die europäischen KP’s. Das ist die Folge des
Krebsgeschwulstes moderner Revisionismus. Sie haben gute Arbeit im
Dienst des Imperialismus geleistet.
Es gibt zwei Möglichkeiten
sich der Revisionisten zu entledigen – und entledigen muss man sich
ihrer:
1. Sie aus der Partei werfen
oder
2. sie von ihnen zu trennen,
indem man die vom Krebsgeschwulst des Revisionismus zerfressenen Partei
verlässt und neue organisatorische Strukturen schafft mit dem schließlichen
Ziel der Rekonstruktion der Partei der Arbeiterklasse.
Um sie rauszuwerfen dürfte
es zu spät sein, sie sitzen fest im Sattel und bedienen sich virtuos
des verbliebenen Restes der Partei. Wobei sie die Treue v.a. älterer
Genossen zur Partei für ihre Zwecke schamlos ausnutzen.
Das ist keineswegs „ein Indiz für die tiefen persönlichen
Zerwürfnisse“, sondern ein Symptom für den vom Revisionismus
ausgehenden Fäulnisprozess. Das Geschwulst muss auf jedem Fall
herausgeschnitten werden, sollen nicht die verbliebenen gesunden Reste
befallen werden.
In
dieser Situation, Genosse Holz, wertest du die Reaktion des Genossen
Bruckner als persönliche Befindlichkeit. Unpolitischer hätte es nicht
gesagt werden können.
7.
Es gibt keine Einheit aufgrund fauler Kompromisse
Die
revolutionäre Einheit und Geschlossenheit der kommunistischen Partei
ist ein hohes Gut. Ohne eine starke Partei der Arbeiterklasse kann der
Klassenkampf nicht in revolutionäre Bahnen gelenkt und schließlich das
kapitalistische System zerschlagen werden.
Aber
Einheit um jeden Preis kann es nicht geben. Es muss die revolutionäre
Einheit einer revolutionären marxistisch-leninistischen Partei des
Proletariats sein, nicht die eines lahmen
reformistisch-revisionistischen Wahlvereins.
Die
Klassiker haben des genau so gesehen. Karl Marx schreibt an Bracke 1875
zum Gothaer Vereinigungsparteitag mit den Lassalleanern:
„Die
Chefs der Lassalleaner kamen, weil die Verhältnisse sie dazu zwangen. Hätte
man ihnen von vornherein erklärt, man lasse sich auf keinen
Prinzipienschacher ein, so hätten sie sich mit einem Aktionsprogramm
oder Organisationsplan zu gemeinschaftlicher Aktion begnügen müssen.
Statt dessen erlaubt man ihnen, sich mit Mandaten bewaffnet
einzustellen, und erkennt diese Mandate seinerseits als bindend an,
ergibt sich also den Hülfsbedürftigen auf Gnade und Ungnade. Um der
Sache die Krone aufzusetzen, halten sie wieder einen Kongreß vor dem Kompromißkongreß, während die eigne Partei ihren
Kongreß post festum
hält. <Man wollte offenbar alle Kritik eskamotieren und die eigne
Partei nicht zum Nachdenken kommen lassen.gt; Man weiß, wie die bloße
Tatsache der Vereinigung die Arbeiter befriedigt, aber man irrt sich,
wenn man glaubt, dieser augenblickliche Erfolg sei nicht zu teuer
erkauft. Übrigens taugt das Programm nichts, auch abgesehn von der
Heiligsprechung der Lassalleschen Glaubensartikel.“
Marx
sah diese Art von Einheit mit Prinzipienschacher also recht skeptisch.
Wir wissen, dass diese Einheit der Arbeiterbewegung mehr geschadet als
genützt hat.
Lenin
handelte ähnlich den Menschewiki gegenüber. Seine bolschewistische
Fraktion der SDAPR war faktisch bereits 1905 eine von den Menschewiki
getrennte Partei. Mit der Herausgabe der Iskra distanzierte er sich von
den Versöhnlern mit dem Kapitalismus.
Lenin
schreit quasi diesen Subjekten schon 1905 ins Gesicht:
„O
ja, meine Herren, ihr habt die Freiheit, nicht nur zu rufen, sondern
auch zu gehen, wohin ihr wollt, selbst in den Sumpf; wir sind sogar der
Meinung, daß euer wahrer Platz gerade im Sumpf ist, und wir sind
bereit, euch nach Kräften bei eurer Übersiedlung dorthin zu helfen.
Aber laßt unsere Hände los, klammert euch nicht an uns und besudelt
nicht das große Wort Freiheit, denn wir haben ja ebenfalls die
"Freiheit", zu gehen, wohin wir wollen, die Freiheit, nicht
nur gegen den Sumpf zu kämpfen, sondern auch gegen diejenigen, die sich
dem Sumpfe zuwenden“! W.I. Lenin: Was tun?
War
das auch der Ausdruck von „tiefen persönlichen
Zerwürfnissen“? Oder, in der heutigen Jugendsprache geschrieben:
War das der Ausdruck davon, dass Lenin schlechten Shit geraucht hatte?
Oder ging es Lenin doch um mehr – ging es Lenin um die revolutionäre
Reinheit und Einheit der Bewegung?
Ein
weiteres Bespiel: Karl Liebknecht zögerte zunächst, als es um den
Bruch mit der rechten sozialdemokratischen Führung ging und stimmte zunächst
1914 sogar dem ersten Kriegskrediten im Reichstag zu. Er erkannte aber
bald den Fehler und stimmte fortan gegen die Kriegskredite. Aber er zögerte
mit dem organisatorischen Bruch. Seine Spartacus-Gruppe schloss sich
erst der linksreformistischen USPD an, zu der auch der Stammvater des
Revisionismus, Eduard Bernstein, gehörte. Erst als die
Novemberrevolution schon gescheitert war, gründen er, Rosa Luxemburg,
Leo Jogiches, Wilhelm Pieck, Franz Mehring, Klara Zetkin und andere die
Kommunistische Partei Deutschlands. Zu spät, wie wir heute wissen, denn
die Spartacus-Gruppe war aufgrund ihrer Schwäche nicht in der Lage, die
organisatorische und politische Führung der November-Revolution zu übernehmen.
Waren
die Gründer der KPD, lieber Genosse Holz, nur persönlich sauer auf
Ebert, Noske und Scheidemann? Mochten sie gar den Zwicker des Gustav
Noske oder den Schnäuzer und die Stoppelfrisur des Friedrich Ebert
nicht? Das wirst Du ja wohl nicht ernsthaft behaupten wollen.
8.
Fazit
Ich
zweifle nicht an Deinem subjektiv guten Willen, lieber Genosse Hans
Heinz Holz. Ich bin auch davon überzeugt, dass auch Du letztlich die
marxistisch-leninistische Partei der Arbeiterklasse willst. Aber
offensichtlich hegst Du die Illusion, dass dies die DKP sei, die man nur
etwas auf Trab bringen müsse.
Wir
wären ja auch schon mal zufrieden, wenn Du das auf-Trab-bringen –
mit den anderen kommunistischen Genossen in der DKP – schon mal
offensiv angehen würdet. Aber ihr kuscht vor den Herrschaften Stehr,
Hager, Mayer und Konsorten.
Ich
finde das wenig Erfolg versprechend, kann es aber menschlich verstehen.
Der Bruch mit dem, was man für die Partei hält, für die man seit
Jahrzehnten kämpft, sogar in den Knast ging oder sich Berufsverbot
einhandelte, ist nicht leicht.
Aber
bitte Genosse Holz, stellt dann aber bitte nicht solche Genossen, die
diesen Schritt getan haben, so dar, als lieferten sie sich persönliches
Gezänk mit der revisionistischen Parteispitze. Die marxistischen
Genossen in der KPÖ um die NVS (siehe) sind da Euch in der DKP einen
Riesenschritt voraus. Der Genosse Bruckner hat jetzt nur den
organisatorischen Bruch offen vollzogen.
Den
österreichischen Genossen gebührt für ihre Haltung Anerkennung und
Achtung. Ihre Auseinandersetzung
mit Baier ist keineswegs persönlicher Art. Es
geht ihnen um die kommunistischen Ideale. Auch ich, lieber Genosse Holz,
bin nicht in allen Punkten der Meinung der Genossen der NVS. Warum
sollte ich auch?
Trotzdem
verfolge ich seit Jahren voll Bewunderung ihren Kampf. Ich erhoffe und wünsche
ihnen Erfolg.
Das
erwarte ich auch von anderen Kommunisten. Kämpft wenigstens offensiv für
den Marxismus-Leninismus in der DKP, kuscht nicht länger vor den
Revisionisten und entfacht Bewegung für die kommunistische Sache. Ich
bezweifle zwar, dass das in der DKP zum Erfolg führen wird, aber es wäre
den Versuch wert.
Wir
von der Redaktion K-online meinen nicht, man könne die
marxistisch-leninistische Partei der Arbeiterklasse im Hinterzimmer
einfach gründen und aus dem Boden stampfen. Sie muss aus den Klassenkämpfen
hervor gehen. Damit dies aber möglich werden wird, dafür sollten wir
alle etwas tun. Machen wie es!
Trotz
alledem!
Rotfront
Günter Ackermann
siehe Es ist an der Zeit,
mit dieser „K“PÖ zu brechen! Für einen kommunistischen
Neubeginn!, Offener
Brief von Otto Bruckner an KommunistInnen in- und außerhalb der KPÖ
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