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Kritische Stellungnahmen zum Entwurf des Aufrufs aus der Redaktion von K-online

Klarheit vor Einheit  

Der moderne Revisionismus ist ein  Krebsgeschwulst in der internationalen revolutionären Arbeiterbewegung. Schneiden wir es heraus oder wir sind zum Scheitern verurteilt.  

8. September 2008

Anmerkung Redaktion Kommunisten-online

Diese Kritik von uns gilt noch immer. Der beschlossene Aufruf für eine KI ist in allen Punkten mit dem von uns kritisierten identisch. (siehe)

Kritische Anmerkungen zum Text „Aufruf zur Bildung einer Kommunistischen Initiative in Deutschland – Zweiter Vorschlag – Aufruf an alle Kommunisten! Schafft die Kommunistische Initiative in Deutschland!“

Persönliche Vorbemerkung

Da es sich nur um organisatorische Details handelt, die nichts mit der Sache zu tun gaben, haben wir diesen Teil weg gelassen.

Brief von J.T. Bohlke an Günter Ackermann

Hallo lieber Günter,

die Einleitung zum Aufruf soll anscheinend eine Analyse des weltweiten Kräfteverhältnisses sein. Wenn sie ein Linksliberaler so formuliert, könnte ich auch gut mit ihm ins Gespräch kommen. Unter Kommunisten kann dieses Papier aber keiner Prüfung standhalten.

1.  Pauschal schreibt der Verfasser von nationalen und revolutionäre Befreiungsbewegungen (Lenin formulierte "nationale und soziale Befreiungsbewegungen"! "National-revolutionäre" Kräfte sind bei Lenin was ganz anderes und unbedingt dem ausschließlich bürgerlichen Spektrum zuzuordnen, man denke dabei an die Baath-Partei und ähnliche durchaus "national-revolutionär" sich gebende und letztlich Kommunisten abschlachtende bürgerliche Parteien!). Sie sollen sich entweder aufgelöst haben oder durch Existenz bedrohende Kompromisse mit dem imperialistischen Feind (als Antiimperialisten wären sie "nationale und soziale Befreiungsbewegungen") paralysiert worden sein. So der Textwortlaut.

Einwand: Nicht nur die Terminologie ist fernab von ML-Grundlagen, auch die Aussage ist falsch. K-Online hat der Verfasser nie gelesen, denn eine seit nahezu 40 Jahren erfolgreich sich entwickelnde und mittlerweile über alle Landesteile der Philippinen ausgeweitete NPA nimmt er nicht zur Kenntnis. Auch die Entwicklungen der Sandinistas, der Bolivarianer, der Anhänger von Evo Morales in Bolivien ... auf nichts davon treffen diese falsch pauschalisierten Aussagen zu,

2. Zwischen kommunistischer Bewegung und der nationalen und sozialen (antiimperialistischen) Befreiungsbewegung hat nicht nur lapidar ein Komma zu stehen, sondern ein abgrenzender Punkt. Die NDFP der Philippinen als antiimperialistisches Kräftebündnis für nationale und soziale Befreiung des Landes ist doch wohl was anderes als die KP der Philippinen. Die Nationale Front der DDR war doch wohl nicht gleichsetzbar mit der KPD, selbst die SED war nicht gleichsetzbar mit der KPD.

Der Entwurf schmeißt das alles in einen Topf. Guten Appetit beim "Leipziger Allerlei" oder "Kesselbuntes"! Damit negiert der Entwurf die konkreten Leninschen Trennungslinien zwischen Kommunisten, revolutionären Demokraten, radikalen Demokraten, großbürgerlichen Reformern. Dies nenne ich klar revisionistisch.

3. Die Widerspruchsanalyse fußt nur auf oberflächlich Erscheinungen und Eindrücke wiedergebenden Überbau-Einblicken. Da ist von Ländern und Organisationen die Rede. Kein Wort zum Grundwiderspruch der Epoche und der bürgerlichen Gesellschaft, dem Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit. Von ihm abgeleitet nehmen wir als Kommunisten Klassenkämpfe wahr. Die Geschichte ist eine Geschichte von Klassenkämpfen.

Ich habe den Eindruck, dass der Verfasser jenes kommunistisch sich nennen wollenden Unfugs nicht mal das "Manifest der Kommunistischen Partei" von Karl Marx jemals gelesen und begriffen haben kann, wie seine kleinbürgerlich-verbalradikale Analyse belegt.

4. Ich könnte noch mehr zu diesem Papier schreiben. Klaus hat sich auch sehr ablehnend dazu geäußert. Ich schließe mich ihm an. Mein Name wird nicht unter diesem Eklektizismus erscheinen, bitte. Das ist kein kommunistisches Papier, das ist Verarsche gegenüber uns Kommunisten!

Und wer Dir so einen Schwachsinn zuleitet, der verarscht Dich und die ganze Redaktion von K-Online.

Rote Grüsse,

Jens

Kritik von Günter Ackermann

Klarheit oder Profillosigkeit

Ich schließe mich im Wesendlichen der Kritik von Jens Bohlke an. Der Textentwurf ist wüste theorielose Handwerkelei und nicht geeignet, Kommunisten aus den revisionistischen Gruppierungen und Parteien zum Mitmachen in der KI zu gewinnen und sie ist nicht geeignet, eine umfassende Diskussion über die Rolle des modernen Revisionismus anzuregen. Kaum einer der „Heimatlosen“ Genossen, die in diversen Friedens- oder Gruppen der sozialen Bewegungen aktiv ist, wird durch diesen Text die zu bildende KI nun als seine Heimat ansehen.

Mein Kritik in Einzelnen, wobei ich mich auf die drei Thesen beschränken werde:

Zur ersten These:

„Das Anerkennen ALLER wissenschaftlichen Grundlagen des Marxismus-Leninismus, so besonders der Gültigkeit der Leninschen Imperialismus, Staats-, Revolutions- und Parteitheorie, des proletarischen Internationalismus sowie auch der heroischen Geschichte der kommunistischen Bewegung als notwendige Antwort auf die reformistische Versumpfung und den Klassenverrat der Sozialdemokratie.“

Das ist so allgemein, dass es fast auch Heinz Stehr und Robert Steigerwald unterschreiben können. Nach deren Auslegung des Marxismus-Leninismus sind sie doch die wirklichen Erhalter der Lehren von Marx, Engels und Lenin.

Und hier wäre ich bei der eigentlich nötigen Sollbruchstelle zum modernen Revisionismus. Wo wird hier die Gültigkeit der „heroischen Geschichte der kommunistischen Bewegung“ unter der marxistisch-leninistischen Führung des Genossen Stalin hervor gehoben, wo die Führung unter Chruschtschow und seinen Nachfolgern kritisiert? Fehlanzeige. Oder ist gar unter „heroischer Geschichte der kommunistischen Bewegung“ auch die nach dem 20. Parteitag gemeint? Jedenfalls wird dazu nichts gesagt. Also Fehlanzeige!

Der „Klassenverrat der Sozialdemokratie“ wird aufgeführt – aber der war schon 1914 –  vor beinahe 100 Jahren, also olle Kamellen. Die SPD ist inzwischen weder reformistisch noch revisionistisch, sie ist eine liberale bürgerliche Partei mit Einfluss auf die Arbeiterklasse. Wo aber bleibt der Klassenverrat der KPDSU, der SED, DKP und der PDS/Linke? Fehlanzeige!

Zur zweiten These:

„Das Anerkennen der Rolle der sozialistischen Länder, insbesondere der Sowjetunion und der DDR, als größte Errungenschaft der deutschen Arbeiterbewegung. Der Sozialismus, für den wir im imperialistischen Deutschland kämpfen, wird vom revolutionären Erbe der DDR, des ersten Arbeiter und Bauernstaats auf deutschem Boden geprägt sein. Damit wird das klare und eindeutige Verhalten zur DDR zum Prüfstein für jeden deutschen Kommunisten, gerade und insbesondere auch für heute!“

Ja, einverstanden. Dennoch ist das schwammig und damit falsch. Kann ich mich als Kommunist zur DDR bekennen? Ja, das kann ich! Die DDR war die einzig richtige Antwort der Sowjetregierung unter Genossen Stalin auf die Spaltung Deutschlands durch die Westalliierten. Und, machen wir uns da nichts vor, diese Errungenschaft der deutschen Arbeiterklasse wäre ohne die Hilfe der UdSSR nicht möglich gewesen.

Aber das Bekenntnis zur DDR, wie es hier erwartet wird, ist ein kritikloses. Ich bekenne mich zur DDR, indem ich auch aus ihren Fehlern lerne. Vergessen wir doch nicht, was sich 1989/1990 in der DDR ereignete. Warum liefen die Massen den westlichen Rattenfängern nach? Das lag wohl nicht daran, dass Kohl und Kumpane die besseren Argumente hatten.

Das lag vor allem daran, dass die SED sich bereits seit Jahrzehnten von der Arbeiterklasse der DDR gelöst hatte und sie somit keine wirkliche Klassenbasis in der Arbeiterklasse mehr hatte.

Hat die SED Führung keine schweren Fehler gemacht? Ist die Annektierung der DDR durch die BRD solch ein Handstreich gewesen, dass die SED die Massen nicht mehr dagegen mobilisieren konnte? Natürlich nicht. Die SED hat noch nicht einmal den Versuch gemacht, sich gegen die Einvernahme durch die BRD zu wehren. Die zaghaften Versuche Modrows, Anfang 1990, zu einer Konföderation mit der BRD zu kommen, waren eher hilflos.

Ja, man gab sich sogar der Illusion hin, Kohl würde mit Geld und anderer materieller Unterstützung die DDR wirtschaftlich und politisch stärken. Als Modrow nach Bonn reiste, war der Misserfolg vorprogrammiert.

Aber schon lange vorher war die Politik der SED-Führung sehr zwiespältig.

Bereits 1958 beschloss der SED-Parteitag die „Ökonomische Hauptaufgabe“. Walter Ulbricht erklärte am 5. Parteitag der SED:

„Unser V. Parteitag hat die ökonomische Hauptaufgabe für den nächsten Abschnitt unseres Weges zu beraten, und ich schlage daher im Auftrag des Zentralkomitees vor, als ökonomische Hauptaufgabe zu beschließen:
Die Volkswirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik ist innerhalb weniger Jahre so zu entwickeln, daß die Überlegenheit der sozialistischen Gesellschaftsordnung der DDR gegenüber der Herrschaft der imperialistischen Kräfte im Bonner Staat eindeutig bewiesen wird und infolgedessen der Pro-Kopf-Verbrauch unserer werktätigen Bevölkerung mit allen wichtigen Lebensmitteln und Konsumgütern den Pro-Kopf-Verbrauch der Gesamtbevölkerung in Westdeutschland erreicht und übertrifft.“

Und

„Die Lösung dieser ökonomischen Hauptaufgabe wird der Anteil unserer Republik sein am weltweiten Kampf für die friedliche Koexistenz und für den friedlichen Wettkampf zwischen der sozialistischen und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, in der die Überlegenheit des Sozialismus zu beweisen ist. Die ökonomische Hauptaufgabe hat einen tiefen politischen Inhalt; ihre Lösung dient der Festigung der Arbeiter-und-Bauern-Macht in der DDR und des sozialistischen Lagers überhaupt, und sie wird zweifellos dem Volkskampf gegen die Bonner Atomrüstungspolitiker Aufschwung geben. Diese Aufgabenstellung entspricht daher voll den politischen und wirtschaftlichen Interessen der Arbeiterklasse und der gesamten werktätigen Bevölkerung unseres Landes.“

Dies war die DDR-Entsprechung der Linie Chruschtschows, der in der Sowjetunion einen Pro-Kopf-Verbrauch an Konsumgütern der Bevölkerung über das Niveau der USA erreichen wollte.

Das, was Walter Ulbricht hier postulierte, kam bei der Bevölkerung jedoch ganz anders an. Die sahen nämlich die Konsumtempel in Westberlin, sie hörten die westlichen Radiosendungen (private Fernsehgeräte waren damals in der DDR wenig verbreitet) und wollten diesen Pro-Kopf-Verbrauch jetzt und heute haben. Sie gingen in den Westen. Willy Brandt schrie damals die Parole von „Abstimmung mit den Füßen“. Die DDR-Bürger sahen darin eine Bankrotterklärung der SED und eine Bestätigung dessen, was die westlichen Medien auf sie einredeten: Der Kapitalismus ist die bessere Gesellschaftsordnung, dessen Konsummöglichkeiten jetzt sogar von Walter Ulbricht anerkannten werden, immerhin strebt es das auch an. Dass es überhaupt nicht Sinne einer sozialistischen Wirtschaft sein kann, einen Massenkonsum zu erreichen, wie im Kapitalismus, sei ergänzend noch angemerkt.

Für mich ist das die erste offenkundige revisionistische Abweichung vom Marxismus-Leninismus. Zu erwähnen sei noch, dass die SED-Führung sich nicht gegen die „Entstalinisierung“ Chruschtschows stellte, sie zwar zögerlich, doch eindeutig forcierte. Es verschwanden im Land die Straßen und Plätze, die nach Stalin benannt waren, Stalinstadt wurde zu Eisenhüttenstadt, auch die Stalindenkmäler verschwanden. Die DDR aberkannte Stalin nur den Staus eines Klassikers, er blieb vorerst ein großer Kommunist.

Und schließlich, 1966, schrieb das ZK der SED an die Delegierten des SPD-Parteitages einen „Offenen Brief“ der mit den Worten begann: „Wir beiden großen deutschen Arbeiterparteien:“

Von einer Arbeiterpartei hatte sich die SPD bereits 1958 offiziell mit dem „Godesberger Programm“ verabschiedet. Während wir im Westen genau das den Arbeitern klarmachen wollten, also dass die SPD keine Arbeiterpartei mehr ist, fiel uns die SED mit diesem Brief in den Rücken.

Das, bitte schon, gehört alles nicht zu den Ruhmestaten der DDR-Führung, das gehört unter die Erkenntnisse, warum die DDR 1999 so widerstandslos von der BRD einverleibt werden konnte.

Zur dritten These:

„Das Verständnis für die Notwendigkeit des Kampfes gegen jede Form des Revisionismus und Reformismus für die Kommunistische Partei, denn der Revisionismus  war und ist die Hauptbasis für den zeitweiligen Sieg der Konterrevolution in Europa, die Spaltung, Zersplitterung und Schwächung der Kommunistischen Bewegung“

Das Verständnis für die Notwendigkeit“ – das bitte sehr kann jeder Antikommunist haben. Man kann’s ja verstehen, könnten die meinen, dass sich Kommunisten von diesen „Realpolitikern“ distanzieren wollen, Kommunisten sind ja eh Linksradikale. So, oder so ähnlich, kann das Lafontaine, Müntefering und Beck formulieren.

Der Kampf gegen jede Form des Revisionismus und Reformismus ist die Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Aufbau der KPD. Ob man dafür Verständnis hat oder nicht ist, offen gesagt, mir wurscht. Die Lehren aus der Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung haben gezeigt, dass eine KP, die sich rechtzeitig von den revisionistischen Feinden des Marxismus-Leninismus trennte, erfolgreich waren.

Denken wir nur an die Partei der Bolschewiki. Sie trennten sich faktisch bereits 1905 von den Menschewiki. Als dann, 1917, eine revolutionäre Situation heran reifte, hatten sie eine schlagkräftige Organisation und konnten den Aufstand am 7. November planen, anleiten und in die richtige politische Richtung lenken.

Ganz anderes die kommunistischen Kräfte in Deutschland. Die beugten sich zunächst der Parteidisziplin. So stimmte selbst Karl Liebknecht, gegen seine Überzeugung, 1914 für des Kaisers Kriegskredite. Erst als die verlängert werden sollten, stimmte er dagegen. Auch ging die Trennung von den Revisionisten und Reformisten schleppend und sehr langsam vonstatten. In der USPD war Liebknecht sogar gemeinsam mit dem Vater des Revisionismus, Eduard Bernstein.

Die KPD wurde erst gegründet, als die Revolution bereits im Gange war: am 31. Dezember 1918. Diese Partei musste sich erst mühsam ihre Massenbasis erkämpfen. Sie erreichte das erst, als sie, bolschewisiert, zu einer Partei neuen Typs heran gereift war – unter dem Vorsitz von Ernst Thälmann.

Ich bin  gebeten worden, meine Meinung zum Entwurf „Aufruf zur Bildung einer kommunistischen Initiative“ zu schreiben. Ich habe das hiermit getan, auch in der Erkenntnis, dass der moderne Revisionismus  ein  Krebsgeschwulst in der internationalen revolutionären Arbeiterbewegung war und ist. Dieser „Aufruf“ zeigt mir, dass die Krebsgeschwulst des modernen Revisionismus Metastasen gebildet hat. Schneiden wir sie heraus, sonst wird dieses Geschwulst uns umbringen und ein weiterer Versuch, eine KP aufzubauen, ist bereits jetzt zum Scheitern verurteilt.

Wenn wir einen Text bekommen hätten, bei dem nur einige Sätze zu kritisieren wären, wäre es gut gewesen, die falschen Stellen wären leicht zu korrigieren gewesen. Der Aufruftext in dieser Form, aber ist nicht diskutabel und abzulehnen.

Rotfront

Günter Ackermann

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Unten könnt Ihr die Antworten auf unsere Kritik lesen:

Hier trennen sich unsere Wege“ Frank Flegel, Herausgeber von Offen-siv zu Günter Ackermanns Kritik am Aufruf. 

Wir entgegnen: Wir haben jetzt Klarheit vor einer falschen und revisionistischen Einheit.

Wir möchten die Flegel-Auslassungene nicht weiter kommentieren, da wir meinen, das niedrige Niveau, das Nicht-Eingehen auf unsere Argumente und die Beschimpfungen und Unterstellungen zeigen das Niveau der Zentristen um Flegel, Opperskalski und Co. ausreichend und umfassend.

Lieber Genosse Ackermann,

sowohl Inhalt als auch Form der Kritiken am Aufruf für eine KI in Deutschland haben mich sehr befremdet.

I. Bohlke

Zu Punkt 1, erster Teil,  bei Bohlke: Aus nationalen und revolutionären Befreiungsbewegungen macht Herr Bohlke „national-revolutionäre“. Was soll das? Nationale und revolutionäre Befreiungsbewegungen sind zwei im Charakter völlig unterschiedliche Befreiungsbewegungen, nämlich „nationale“, also im Charakter bürgerlich-nationalrevolutionäre und „revolutionäre“, also sozialistische – oder was meint Herr Bohlke, welche Revolution im Spätkapitalismus wohl ansteht?

Wieso produziert man hier - da so an den Haaren herbeigezogen offensichtlich bewusst - ein solches Missverständnis?

Zu Punkt 1, zweiter Teil, bei Bohlke: Den Niedergang der vor der Konterrevolution vorhanden Widerstandskräfte gegen den Imperialismus zu benennen zeigt die Haupttendenz der jetzigen konterrevolutionären Epoche. Was soll es, dagegen - völlig idiotisch - mit einzelnen gegenläufigen Beispielen zu polemisieren? Seid Ihr der Auffassung, dass wir in Mitteleuropa in der Phase revolutionärer Aufschwünge leben, oder wie soll ich das verstehen?

Zu Punkt 2 bei Bohlke: Dass es eine Frage des Kommas oder des Punktes ist, ob man konkrete Analysen darstellt oder alles wie „Leipziger Allerlei“ oder „Kesselbuntes“ mischt, war mir bisher nicht klar. Ich dachte immer, es ginge um Inhalte. Wieso benutzt man hier dermaßen abwegige Analogien für vernichtende Urteile?

Zu Punkt 3 bei Bohlke: Ein „kommunistisch sich nennen wollender Unfug“ sind, wie die kurz erwähnten Beispiele der „Kritikpunkte“ des Herrn Bohlke zeigen, nicht der Entwurf, sondern seine Einlassungen dazu.

Zu Punkt 4 bei Bohlke: „Schwachsinn“ und „Verarsche“ (Zitate Bohlke).

II. Ackermann

Ich nehme hier den zentralen Punkt heraus: „Wo aber bleibt der Klassenverrat der KPdSU, der SED, DKP und der PDS/Linke? Fehlanzeige!“ Das klagst Du fragend an.

Hier trennen sich unsere Wege. Wir werden die KPdSU und die SED niemals als Parteien des „Klassenverrats“ bezeichnen. Die alten Hüte der alten so genannten „ML“ in Westdeutschland von der „neuen herrschenden Klasse“ in den sozialistischen Ländern, von der „sozialimperialistischen Sowjetunion“ usw. kannst Du getrost für Dich behalten. Du wirst die Sozialimperialismus- bzw. Sozialfaschismusthese bei uns auch nicht über die Hintertür einführen können, das kann ich Dir versichern.

Ansonsten ist dies das einzig erwähnenswerte Inhaltliche an Deinen Ausführungen, der Rest bewegt sich auf einem Niveau ähnlich der Kritik an der Formulierung „Das Verständnis für die Notwendigkeit…“. Darauf einzugehen lohnt die Mühe nicht.

Bleibt zum Schluss nur die Frage, warum Leute, die eine Kooperation mit uns angestrebt haben, in der jetzigen Situation so voller Schaum vor dem Mund und wild um sich schlagend reagieren und wie mit der Lupe im vorgelegten Text nach möglichst großartig aufblasbaren Kritikpunkten suchen, und seien es auch nur Punkt und Komma. Die Antwort wisst nur Ihr, ich nicht.

Gruß, Frank Flegel

Lieber Genosse Ackermann, 

ich habe Deine Mail samt der angehängten Texte gelesen. Deshalb erlaube ich mir hierzu einige, kurze Kommentare: 

1)      Der ENTWURF (ich betone dieses Wort, weil es noch kein endgültiger Text sein soll) war in DIESER Phase für die zunächst interne Diskussion innerhalb des Herausgeberkreises bestimmt; das schließt eine Öffentlichkeit der Diskussion (noch) aus. Du hast sie dennoch öffentlich gemacht, indem Du sie an Nicht-Mitglieder des Herausgeberkreises geschickt hast. Dies stellt aus meiner Sicht Deine Organisationsdisziplin hinsichtlich des Herausgeberkreises in Frage;

2)      Pauschalkritik hilft nicht weiter. Konkrete Veränderungsvorschläge hätten weitergeholfen. Zudem: es handelt sich dabei um einen Aufruf, der vom Charakter her zusammenfassend und damit auch verkürzend sein muss, und NICHT um ein Programm, dass natürlich wesentlich analytischer sein muss. Außerdem: eine Pauschalkritik ohne jegliche Veränderungsvorschläge, die einzelne Passagen oder Formulierungen herausgreift, um den Text insgesamt als revisionistisch einzustufen, disqualifiziert sich aus meiner Sicht selber;

3)      Was die Kritik des Herrn Bohlke betrifft, so möchte ich tatsächlich NICHT mit so einer Person eine Kommunistische Initiative aufbauen. Schon die Sprache (Beispiel: Verarschung ) charakterisiert den Schreiber, der zudem dummdreist Behauptungen aufstellt, die der Text nicht hergibt (und auch nicht hergeben soll!). Und weiter: er schreibt etwas zur Baath-Partei ; der Mann weiß offensichtlich nicht, worüber er schreibt (die Baath-Partei ist in ihrer Geschichte und Entwicklung wesentlich komplizierter, als dieser Herr mit seinem Bücherschrank offensichtlich voller vieler Klassiker, die er allerdings einmal entstauben und erneut lesen sollte, den Leser wahr haben lassen möchte). Jedenfalls manövriert er sich mit seiner Einschätzung in den Kandidatenstatus zur Mitgliedschaft in der so genannten Irakischen Kommunistischen Partei , die zur Marionettenorganisation der Yankee-Besatzer verkommen ist. Nein, danke: dieses Geschreibsel erinnerst mich fatal an Erfahrungen mit linkssektiererischen Kräften, die ich auch persönlich in den 70er und 80er Jahren nicht nur (!) in der BRD machen musste: diese Kräfte waren schon damals vielfach objektiv an der Seite des Feindes, manchmal sogar Agenten des Feindes.  

Kurzum: so geht man nicht unter Genossen miteinander um (wobei ich Herrn Bohlke aus oben genannten Gründen als solchen nicht akzeptieren wurde)! 

Mit kommunistischen Grüßen 

Michael Opperskalski

 

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