Der
moderne Revisionismus - das Krebsgeschwulst der kommunistischen Bewegung
Teil
1:
Der
Untergang des sozialistischen Lagers als Folge der ideologischen
Entwaffnung durch den modernen Revisionismus
von
Günter Ackermann
/Sommer 2005
1.
Russland und Deutschland vor der Revolution 1917/1918
von
Günter Ackermann
Bis
zum Beginn des 1. Weltkrieges degenerierten die sozialistischen Parteien
immer mehr. In Deutschland geriet die SPD nach dem Tod August Bebels
1912 immer mehr auf den Kurs der Anpassung an den deutschen
Imperialismus, was 1914 dann dazu führte, dass die
Reichstagsabgeordneten der Partei – mit Ausnahme Karl Liebknechts –
den Kriegskrediten und damit dem Krieg zustimmten. Kaiser Wilhelm II.
erkläre damals in seiner Thronrede am 4. August 1914 vor dem Reichstag:
„Ich kenne keine Parteien
mehr, ich kenne nur noch Deutsche!“
Anders
in Russland. Zwar gab es auch dort die Opportunisten der 2.
Internationale, die Menschewiki, Aber dort hatte die Auseinandersetzung
bereits lange vor Beginn des 1. Weltkrieges begonnen. Lenins Schrift
„Was tun?“ ist das herausragende Beispiel hierfür.
Bereits
1905 kam es zu faktischen Spaltung der SDAPR in eine revisionistisch-reformistische,
die Menschewiki und eine revolutionäre und kommunistische Organisation,
die Bolschewiki. Dazwischen gab es einen zentristischen Block um
Trotzki, der aber unbedeutend blieb und sich kurz vor der
Oktoberrevolution auflöste. Trotzki selbst schloss sich den Bolschewiki
an.
Als
es 1905 zum bewaffneten Aufstand gegen den Zaren kam, waren es die
Bolschewiki, die diesen Kampf maßgebend beeinflussten. Aber noch war
das zaristische Regime nicht so morsch, dass die proletarische
Revolution siegreich sein konnte.
Mit
der Stolypinschen Reaktion, nach der Niederlage der Revolution von 1905,
setzte zunächst Verfolgung und Repression gegen jegliche Opposition
gegen den Zarismus ein. Teile der bolschewistischen Partei gaben dem
Druck nach und gingen ins opportunistische Lager, viele wurden verbannt
und inhaftiert (z.B. Stalin) und andere mussten ins Exil gehen (z.B.
Lenin).
Aber
die Partei lebte und arbeitete. Wer hier einen lebendigen Bericht von
der illegalen politischen Arbeit der Bolschewiki verschaffen will,
empfehle ich das Buch von Sergej
Mstislawski„Die Krähe ist ein Frühlingsvogel“.
Es
gab rege Kontakte von im Exil lebenden Bolschewiki zu den illegal oder
halblegal in Russland tätigen. Die innerrussische Organisation gab
sogar eine Zeitung heraus, die Prawda. Diese erschient in St. Petersburg
und war für damalige Verhältnisse ein Massenblatt: bis zu 40.000
Exemplare Auflage erreichte sie – mehr als die entsprechende Zeitung
der Menschewiki.
Auch bei den Wahlen waren die
Bolschewiki präsent und hatten Erfolge: Bei den Wahlen zur IV.
Reichsduma 1912 errangen die Bolschewiki in der Arbeiterkurie 6 von 9
Sitzen.
Mit den Menschewiki bildeten sie aber noch eine gemeinsame
sozialdemokratische Fraktion. 1915 beschloss das Zentralkomitee der
Bolschewiki diese gemeinsame Fraktion zu verlassen und eine selbständige
bolschewistische Fraktion zu bilden.
Ich will keine weiteren Details der Arbeit der Bolschewiki von damals bringen. Ich wollte
nur darstellen, dass sich die russischen revolutionären Sozialisten
rechtzeitig von den revisionistisch-reformistischen Teilen der
Sozialdemokratie trennten. Die Bolschewistische Partei hielt sich an die
von Lenin entwickelten Grundsätze von legalen und illegalen Arbeitens: „Die
Organisation der Arbeiter muß erstens eine gewerkschaftliche sein;
zweitens muß sie möglichst umfassend sein; drittens muß sie möglichst
wenig konspirativ sein (ich spreche natürlich hier und weiter unten nur
vom autokratischen Rußland). Die Organisation der Revolutionäre
dagegen muß vor allem und hauptsächlich Leute erfassen, deren Beruf
die revolutionäre Tätigkeit ist (darum spreche ich auch von der
Organisation der Revolutionäre,
wobei ich die revolutionären Sozialdemokraten im Auge habe). Hinter
dieses allgemeine Merkmal der Mitglieder einer solchen Organisation muß
jeder Unterschied zwischen Arbeitern und Intellektuellen, von
den beruflichen Unterschieden der einen wie der anderen ganz zu
schweigen, völlig zurücktreten. Diese Organisation muß
notwendigerweise nicht sehr umfassend und möglichst konspirativ
sein.“
Also: Auf der einen Seite der
legale Arm der Partei, hierzu gehören die Parlamentsfraktionen, legale
Presse, aber auch die in legalen Organisationen arbeitenden Bolschewiki,
wie z.B. in Gewerkschaften usw. und auf der anderen Seite die
eigentliche Parteiorganisation, deren Strukturen dem Klassenfeind
unbekannt bleiben.
Dies war das Erfolgsrezept der
bolschewistischen Partei und führt dazu, dass die Partei, trotz
Verfolgungen durch die zaristische Geheimpolizei, immer effektiver
arbeiten konnte. Die Hauptvoraussetzung war jedoch, dass sich die
Bolschewiki rechtzeitig von Verrätern und Opportunisten trennten.
Ganz anders in Deutschland.
Zwar spaltete sich auch hier während des 1. Weltkrieges, 1915, die
Sozialdemokratie, aber nicht in einen reformistisch-revisionistischen
und revolutionären Teil, sondern in eine „rechts“revisionistische-reformistische
und einen „links“revisionistische-reformistische Partei. Die alte,
rechte, SPD nannte sich nun MSPD (M für Mehrheit), die linken nannten
sich USPD (U für Unabhängig). Erst innerhalb der USPD entstand der zunächst
schwache Kern der zukünftigen KPD, der Spartacusbund.
Als dann 1918 die revolutionäre
Situation heranreifte, hatten die Opportunisten über ihre Parteien den
größeren Einfluss auf die Massen als der Spartacusbund, der ja immer
noch ein Teil der USPD war. Erst im Feuer der Konterrevolution trennten
sich die Wege der Revolutionäre und Reformisten, die KPD wurde am 31.
Dezember des Revolutionsjahres 1918 gegründet – viel zu spät.
2.
Oktoberrevolution in Russland – Novemberrevolution in Deutschland
Nach
Abdanken des Zaren übernahmen die Menschewiki und rechten
Sozialrevolutionäre die russische Regierung. Die neue Regierung, durch
die Februarrevolution 1917 ans Ruder gekommen, tat so, als sei nichts
gewesen. Weder gaben sie den Bauern Land, noch machte sie den Versuch
den Krieg zu beenden. Das Elend in den Städten, der durch den Krieg
bedingte Hunger, hatte sich nicht verändert, die Kämpfe gingen weiter.
Aber
im Laufe des Jahres verstärkten die Bolschewiki ihre Arbeit, unter den
Soldaten an der Front und im Hinterland und unter der Arbeiterklasse. Es
kam an der Front daher immer häufiger vor, dass sich russische und
deutsche Soldaten verbrüderten, Soldaten verweigerten den Befehl zum Kämpfen
oder verließen ganz einfach die Schützengräben und gingen nach Hause.
In
der Hauptstadt Petrograd (St. Petersburg) gelang es den Bolschewiki z.B.
den Soldatenrat der Garnision der Peter-Pauls-Festung zu gewinnen,
ebenso den des Panzerkreuzers Aurora. Der Arbeiterrat des größten
Betriebes der Hauptstadt, die Puntilow-Werke, war ebenfalls
bolschewistisch.
Während
die provisorische Regierung unter Kerenski auf das Parlament setzte,
forderten die Bolschewiki „Alle Macht den Sowjets“
Ferner forderten sie sofortigen Frieden und Land für die Bauern.
Am
25. Oktober 1917 alter Rechnung
frühmorgens eröffneten die Geschütze
des Panzerkreuzers Aurora und der Peter-Pauls-Festung die Revolútion.
Arbeiter der Puntilow-Werke stürmten den Sitz der provisorischen
Regierung um diese zu verhaften. Ministerpräsident Kerenski konnte als
Frau verkleidet entkommen. Die Oktoberrevolution hatte gesiegt.
In
Deutschland stand die Revolution zu keiner Zeit unter der Führung einer
revolutionären Partei – sie gab es zu diesem Zeitpunkt überhaupt
nicht.
Ausgelöst
wurde sie durch den Befehl des Kaisers an die Flotte zu einer
Seeschlacht auszulaufen. Die Mannschaften der Schiffe verweigerten den
Befehl. Die Mannschaften der Schiffe, die vor Wilhelmshaven lagen,
verweigerten den Befehl. Zunächst wurden sie unter Einsatz von
Marineinfanterie nochmals niedergeschlagen und mehrere tauschend wurden
eingesperrt. Am 3. November 1918 jedoch begann der bewaffnete Aufstand
der Matrosen und Arbeiter in Kiel. 40.000 bewaffnete Matrosen
beteiligten sich am Aufstand. Dieser griff schnell um sich und
verbreitete sich über das ganze Deutsche Reich.
Nachdem
sie gesiegt hatten, zogen die revolutionären Matrosen in andere Städte,
z.B. nach Berlin und schlossen sich dort der revolutionären Bewegung
an. Der Kaiser, der diese Bewegung noch abzuwenden versuchte, ernannte
den Sozialdemokraten Friedrich Ebert zum Reichskanzler. Aber das
Kaiserreich war nicht zu erhalten und als die sozialdemokratische Führung
davon erfuhr, dass Karl Liebknecht die Räterepublik ausrufen wollte,
proklamierte Philipp Scheidemann die bürgerliche Republik. Er begründete
sein Tun später, er hätte nicht zulassen können, dass Deutschland
eine Sowjetfiliale werden würde.
Als
Karl Liebknecht vom Balkon des Berliner Schlosses die „freie
sozialistische Republik“ ausrief, war ihm Scheidemann um zwei Stunden
zuvor gekommen.
Die
sozialdemokratische Reichsregierung konnte sich nicht nur auf die
reaktionären Teile des Heeres stützen, sie hatte auch nicht
undeutenden Einfluss auf die Arbeiterklasse, selbst die bewaffneten
revolutionären Teile. So tagte Anfang 16. bis 21. Dezember 1918 in
Berlin mit rund 500 Delegierte aller deutschen Arbeiter- und Soldatenräte
der Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte im Zirkus Busch-Bau
in Berlin. Zwei Drittel, also rund 330 bekannten sich zur alten SPD und
100 zur USPD, der Rest diverse, u.a. auch der Spartakusbund.
Hier
rächte es sich, dass die revolutionären Sozialisten in Deutschland
nicht rechtzeitig das Tischtuch zu der rechtssozialdemokratischen SPD-Führung
zerschnitten hatten. Sie hatten damit wichtige Positionen den Verrätern
überlassen.
Bis
die KPD auch nur annähernd den Einfluss der Sozialdemokratie auf die
Arbeiterklasse erreichen sollte, dauerte es viele Jahre und wurde erst
kurz vor der Machtergreifung des Faschismus annähernd erreicht –
eigentlich da auch noch nicht. Denn die Gewerkschaften blieben SPD-hörig
und spielten bis zur Auflösung durch die Nazis am 2. Mai 1933 eine
recht zwielichtige Rolle gegenüber den neuen Nazi-Machthabern.
3.
Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen
Diese
Losung, in der DDR auf Transparenten oft verwendet, fanden viele etwas
unsinnig. Und doch war sie richtig. Die Sowjetunion, die es in den 70er
und 80er Jahren gab, war wahrlich kein Siegessymbol.
aber es gibt noch eine andere Sowjetunion, die UdSSR der
Oktoberrevolution, die UdSSR Lenins - und Stalins.
Direkt
nach dem Oktoberumsturz regte sich die Konterrevolution. Es begann mit
dem Streik im Petrograder Telegrafenamt. Damit war die Sowjetregierung
von allen Außenkontakten abgeschnitten. Puntilow-Arbeiter zwangen die
Beamten zu Arbeiten und kontrollierten sie oder übernahmen die
Aufgaben. Das war nur der Anfang. Zarentreue Truppenteile erhoben sich
gegen die Arbeiter- und Bauernregierung und ausländische Truppen
drangen ins Land ein. Es gelang den Feinden der Sowjetmacht zeitweise
fast das gesamte Land – einige Industriestädte ausgenommen – zu
erobern. Aber die Bolschewistische Partei -Kommunistische Partei
Russlands, wie sie sich jetzt nannte – organisierte den Widerstand
gegen die Weißgardisten und Okkupanten. Das russische Volk siegte
schließlich gegen die Reaktionäre.
Die
Folge des Krieges waren Zerstörungen und Hunger. Menschen verhungerten,
nur leicht gemildert durch solidarische Hilfe aus dem Ausland. Hier
wurden Arbeitergroschen gesammelt um den hungernden Kindern in
Sowjetrussland zu helfen. Auch die Krise nach dem Interventionskrieg
meisterte die Sowjetmacht.
Der
nächste Schritt war die Rückständigkeit Russlands überwinden und das
Land mit elektrischem Strom versorgen, die
Infrastruktur und die Kommunikationswege auszubauen. Grandiose
Kanalprojekte entstanden und der Aufbau von gigantischen
Wasserkraftwerken versorgten bald das Land mit Strom.
Lenins
Tod 1924 warf das Land nicht zurück in die Zerrissenheit. Zwar
versuchte Trotzki sich als den wahren Nachfolger Lenins aufzuspielen,
doch seine Machenschaften war zu durchsichtig. So spielte er ausländischen
Journalisten Teile von Lenins Brief an den Parteitag zu, nämlich jenen
Teil, der sich gegen Stalin richtete und ließ behaupten, Stalin habe
diesen Brief den Delegierten vorenthalten – was nachweislich gelogen
war.
Aber
auch politisch wäre der Sieg Trotzkis einem Sieg der Konterrevolution
gleich gekommen. Trotzkis Linie, der Export der Revolution, hätte für
die Sowjetmacht bedeutet, sich in einen Krieg der imperialistischen Mächte
einzulassen, also einen Weltkrieg vom Zaun zu brechen.
Die
Sowjetmacht hatte aber eben die schlimmsten Folgen des 1. Weltkrieges
und des Okkupationskrieges überwunden – und Trotzki wollte sie in
einen verheerenden Krieg mit allen imperialistischen Mächten schicken.
Allein das zeigt die konterrevolutionäre Linie, die Trotzki vertrat.
Stalin
hingegen vertrat die Leninsche Position des Aufbau des Sozialismus in
einem Lande. Es gab hierzu keine Alternative, es sei denn, man wollte
Russland den imperialistischen Mächten zum Fraß vorwerfen.
Trotzki
und seine Anhänger verstärkten in den kommenden Jahre ihr Diversantentätigkeit
gegen die Sowjetmacht. V.a. als Trotzki die Sowjetunion verlassen hatte
und vom Ausland aus agierte, versuchte er mit seiner IV. Internationale
die kommunistische Bewegung zu spalten. Die Erfolge waren eher
bescheiden.
Stattdessen
erstarkte die kommunistische Weltbewegung. Die Komintern, die
Kommunistische Internationale, wurde vom den imperialistischen Mächten
als Hauptfeind ausgemacht. Das führte später sogar dazu, dass der wohl
aggressivste Pakt der damaligen Zeit, der zwischen Nazideutschland, dem
faschistischen Italien, Japan und einigen anderen faschistischen
Staaten, sich „Antikominternpakt“ nannte. Die führende Kraft in der
Komintern aber war die von Stalin geführte KPdSU (Bolschewiki). Stalins
Führung war allgemein anerkannt, von ihm gingen wichtige Impulse aus für
den Kampf gegen Imperialismus und Krieg – für den Kampf für die
proletarische Revolution.
4.
Klassenkämpfe in der UdSSR
„Es
ist notwendig, die faule Theorie zu zerschlagen und beiseite zu werfen,
dass der Klassenkampf bei uns mit jedem Schritt unseres Vormarsches mehr
und mehr erlöschen müsse, dass der Klassenfeind in dem Maße, wie wir
Erfolge erzielen, immer zahmer werde. Im
Gegenteil, je weiter wir vorwärts schreiten, je mehr Erfolge wir
erzielen werden, um so größer wird die Wut der Überreste der
zerschlagenen Ausbeuterklassen werden, um so mehr Niederträchtigkeiten
werden sie gegen den Sowjetstaat begehen, um so mehr werden sie zu den
verzweifeltsten Kampfmitteln greifen, als den letzten Mitteln zum
Untergang Verurteilter. Man muss im Auge behalten, dass die Reste
der zerschlagenen Klassen in der UdSSR nicht alleine dastehen. Sie genießen
die direkte Unterstützung unserer Feinde jenseits der Grenzen der
UdSSR.”
(In: J.W. Stalin, Über die Mängel der Parteiarbeit und die Maßnahmen
zur Liquidierung der trotzkistischen und sonstigen Doppelzüngler,
Berlin 1954, S.22 f.)
Die
geschichtlichen Ereignisse sollten Stalin recht geben. Die
imperialistischen Mächte versuchten die Sowjetmacht mit
Wirtschaftblockaden, deren Folge Hunger und Not waren, in die Knie zu
zwingen. Im Inneren bedienten sie sich dabei Saboteuren und Verrätern.
Vergeblich, die Sowjetmacht erstarkte!
Die
Verräter bedienten sich dabei des mittels der gemeinsten Verleumdung.
So schrieb Trotzki persönlich vom „Zwillingsgestirn Hitler-Stalin“.
Dem ist nichts hinzu zufügen.
1939
versuchten sie dann, die UdSSR in einen Krieg mit der damals höchstgerüsteten
Europas, Hitlerdeutschland, zu hetzen. England und Frankreich hatten die
Tschechoslowakei mit dem Münchner Abkommen verraten, jetzt stand Polen
auf der Speisekarte Hitlers. England und Frankreich waren mittels eines
Beistandspaktes zur Hilfe für Polen verpflichtet. Die polnische Schwäche
war offenkundig: Pilsucki und seine Nachfolger legten mehr Wert auf eine
Armee, die bei Paraden schön aussah, weniger auf die Kampfkraft. Als
aber die Bedrohung aus Berlin offenkundig wurde, entschloss sich die
Warschauer Regierung die Armee zu modernisieren und orderte in England
Waffen. Die englische Regierung aber verlangte als Sicherheit die
polnischen Goldreserven. Als sie das bekamen, lieferten sie immer noch
nicht die bestellten Waffen. Und so war Polen dem Angriff
Hitlerdeutschlands ausgeliefert.
Die
Idee war, wie Churchill es formulierte, dass die „beiden tollen
Hunde“ – also Hitler und Stalin – sich gegenseitig umbringen und
England als der Sieger dastehen wird.
Aber
sie hatten die Rechnung ohne die UdSSR gemacht. Mit dem sog.
„Hitler-Stalin-Pakt“, also den Nichtangriffspakt zwischen der
Sowjetunion und Deutschland, war der Schwarze Peter in Paris und London.
Das Ergebnis: England und Frankreich eröffneten keinerlei
Kampfhandlungen sondern gaben Polen den Nazis preis.
Um
so lauter ihr Geschrei bis heute. Stalin habe Hitler Vorschub geleistet
und den Angriff auf Polen erst ermöglicht.
Wie
bitte? Wer hat zugelassen, dass die gewaltige Militärmaschinerie der
Nazis entstehen konnte? Was die Nazis nach ihrer Machtergreifung an Aufrüstung
vollzogen, widersprach dem Buchstaben der Versailler Vertrags und auch
der Verträge danach.
-
Besetzung der entmilitarisierten Zone am Rhein durch die
Wehrmacht;
-
Allgemeine Wehrpflicht und damit Verletzen der Bestimmung, dass
Deutschland nur ein Heer von 100.000 Mann haben durfte;
-
Aufrüstung der Luftwaffe;
-
Aufrüstung der Marine.
Dieses
neu aufgerüstete Militär war mit den damals modernsten Waffen aufgerüstet,
z.T. wurde stillschweigend hingenommen, dass die Wehrmacht Waffen bekam,
die sie nach den Verträgen nach dem 1. Weltkrieg nicht haben durfte.
Hätten
England und Frankreich rechtzeitig interveniert, dann wäre der Nazispuk
spätestens 1936 zu Ende gewesen. Aber sie sahen tatenlos zu, hofften
sie doch, dass Deutschland, wenn es seinen „Lebensraum im Osten“
erobern wird, die Speerspitze gegen den Kommunismus sein werde.
Mit
dem Deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag durchkreuzte die
Sowjetregierung die Pläne der Imperialisten. Die Kastanien mussten wohl
oder übel die Westmächte selbst aus dem Feuer holen. Stalin war klar,
dass Hitler diesen Vertrag brechen wird – die Frage war nur, wann?
Jedenfalls ging er davon aus, dass die Westmächte dem Sowjetvolk die
Last der Zerschlagung der deutschen Faschisten allein überlassen
wollten.
Bereits
im Vorfeld dieser Ereignisse musste die UdSSR und die KPdSU (B) sich von
der Diversantentätigkeit der Trotzkisten und anderer Opportunisten säubern.
Die Partei, die 1917 die Oktoberrevolution siegreich führte und danach
in Russland die Weißgardisten und die Interventionstruppen besiegte,
Die Sowjetmacht, die den Hunger, als Folge dieses Krieges, überwand und
daran ging, das Land zu industrialisieren, war im Laufe der Zeit zum
Tummelplatz von Opportunisten und Karrieristen geworden. Es galt dem ein
Riegel vorzuschieben. Die Moskauer Prozesse waren der Versuch, dies zu
leisten.
Hier
ist noch einiges an Forschungsarbeit zu leisten. Ob diese Prozesse immer
die Richtigen oder auch gute Kommunisten trafen, vermag ich nicht
einzuschätzen. Die Alternative wäre aber gewesen, den Dingen ihren
Lauf nehmen zu lassen, was die ideologische Aushöhlung der KPdSU (B)
bedeutet hätte. Es hätte den Sieg des Revisionismus bedeutet – und
das nicht nur in der KPdSU, sondern auch der Komintern und damit die
Sozialdemokratisierung der Kommunistischen Weltbewegung.
Wie
sehr Stalin recht hatte, als er erklärte: „Man muss im Auge behalten, dass die Reste der zerschlagenen Klassen in
der UdSSR nicht alleine dastehen. Sie genießen die direkte Unterstützung
unserer Feinde jenseits der Grenzen der UdSSR.”
zeigte sich dann mit dem Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion
1941.
Bürgerliche
Historiker behaupten, Stalin sei kurz vor dem Überfalls gewarnt worden
und habe tatenlos zugesehen. Das mag sein, dass er Warnungen aus zuverlässiger
Quelle erhalten hat (z.B. von Richard Sorge, sowie der Widerstandsgruppe
um Harro Schulze-Boysen). Molotow hat beim Auswärtigen Amt in Berlin
auch gegen den Truppenaufmarsch protestiert, aber die UdSSR-Regierung
musste alles vermeiden, was die Nazis als Provokation auffassen konnten
um das als Anlass zu nehmen, die Kämpfe zu eröffnen.
Offensichtlich war
die Rote Armee zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf einen Krieg
eingestellt. Aber mit vereinten Kräften schaffte es das Sowjetvolk
seine Armee kriegsreif zu machen und bereits im Winter scheiterte die
Wehrmacht vor Moskau. Die Schlacht um Stalingrad (August 1942 bis
Februar 1943) war dann die Wende des Krieges.
Mit dem Ruf „Es
lebe Genosse Stalin“ gingen die Rotarmisten in die Schlacht. Stalin
blieb auch in Moskau, als die Nazi-Wehrmacht vor Moskau lag, ja es gab
sogar eine Truppenparade zum Tag der Oktoberrevolution sowie auch die
traditionelle Festsitzung zum Feiertag des Sowjetvolkes. Da der Oberste
Sowjet nicht einberufen werden konnte, traf sich der Moskauer
Stadtsowjet. Zum Schutz vor Flieger- und Artillerieangriffen
versammelten sie sich in einer U-Bahn Station und Stalins Rede feuerte
die Menschen zum Kampf gegen Hitlerdeutschland an. Die Rede Stalins, von
Radio Moskau ausgestrahlt (auch in deutsch) erreichte selbst die Häftlinge
in den faschistischen Konzentrationslagern und spornte sie an, den Mut
nicht zu verlieren.
Stalin sagte: „Die
deutschen Landräuber wollen den Vernichtungskrieg gegen die Völker der
Sowjetunion. Nun wohl, wenn die Deutschen einen Vernichtungskrieg
wollen, so werden sie ihn bekommen!”
Und zu den Truppen,
der Parade zum Tag der Oktoberrevolution Stalin abnahm, sagte er:
„Unsere
Sache ist gerecht – der Sieg wird unser sein!”
Es
war klar, das Sowjetvolk wird sich nicht in die faschistische Sklaverei
begeben, es wird kämpfen und, wie wir wissen, siegte es.
Wir
hören das Märchen, dass die UdSSR dem Angriff der Wehrmacht nur
mittels amerikanischer Hilfe widerstehen konnte. Sicher hat die
Wirtschaftshilfe zum Sieg beigetragen, aber den Sieg erfochten
sowjetische Waffen. Der legendäre Panzer T34 ist aus einem Traktor
entwickelt worden. Dieser Panzer schlug den
deutschen Tiger-Panzer, den
feuerstärksten im 2. Weltkrieg. So war es auch mit den anderen Waffen.
Und
die Menschen, die diese Waffen trugen, mit deren Hilfe den Faschisten
Niederlage auf Niederlage zufügten, vertrauten der Führung durch
Stalin.
5.
Fazit
Solange
die KPdSU unter der Führung Stalins stand, führte sie einen
kompromisslosen Kampf um die Reinheit der marxistisch-leninistischen
Lehre, solange diese Lehre die Partei stärkte, wurde auch die
Sowjetunion stärker.
-
Sieg im Interventions- und Bürgerkrieg:
-
Aufbau der Industrie;
-
der Kampf gegen die Kulaken und die Kollektivierung der
Landwirtschaft verbesserte die Versorgungslage und machte die
Sowjetunion von Import von Nahrungsmitteln weitgehend unabhängig;
-
Sieg im Großen Vaterländischen Krieg;
-
Wiederaufbau der zerstörten Gebiete und
-
Entstehen und Erstarken des sozialistischen Lagers.
1953
hinterließ Stalin eine starke kommunistische Bewegung. Mit Volkschina
war das menschenreichste Land der Welt sozialistisch geworden und in Südostasien
zeichnete sich bereits das Ende des Kolonialismus ab: in Indochina kämpften
die Völker gegen die französische Kolonialmacht.
6.
Der XX. Parteitag der KPdSU und der Moderne Revisionismus
Chruschtschow
wusste sehr wohl, dass er seine Entstalinisierung nicht ohne Probleme über
die Bühne bringen kann. Stalin stand für den Sieg im Großen Vaterländischen
Krieg, Stalin stand für den sozialistischen Aufbau der Sowjetunion,
unter Stalins Führung entstand das sozialistische Lager und wurde zur
ernsthaften Kraft im Kampf gegen den Imperialismus.
Seine
Geheimrede am XX. Parteitag der KPdSU war nicht nur nach außen geheim.
Er wich bei dieser Rede auch von bis dahin bindenden Regeln ab, nämlich,
dass der Generalsekretär seine Reden, umso mehr wenn sie grundlegende
Positionen betreffen, immer mit dem Zentralkomitee abstimmen muss und im
Namen des ZK redet. Hier jedoch wich er von dieser Gepflogenheit ab.
Lasar Kaganowitsch, Teilnehmer an der
Oktoberrevolution und Mitglied der Partei- und Staatsführung bis 1957
schreibt in seinen Erinnerungen hierzu:
„Der
XX. Parteitag ging seinem Ende entgegen. Plötzlich wird eine Pause
eingelegt.
Die
Mitglieder des Präsidiums werden in den hinteren Raum, der zum Ausruhen
bestimmt ist, zusammengerufen. Chruschtschow stellt die Frage, auf dem
Parteitag seinen Vortrag über den Persönlichkeitskult Stalins und
dessen Auswirkungen anzuhören. Gleichzeitig wurde uns der Entwurf des
Vortrages in einem rotgebundenen maschinenschriftlichen Büchlein
verteilt. Die Sitzung ging unter anormalen Bedingungen vor sich – in
einer Enge, manche saßen, andere standen. Es war schwierig, in kurzer
Zeit dieses umfangreiche Heft durchzulesen und seinen Inhalt zu
durchdenken, um entsprechend den Normen der innerparteilichen Demokratie
einen Beschluss zu fassen. Alles das in einer halben Stunde, denn die
Delegierten saßen im Saal und erwarteten etwas für sie Unbekanntes, da
die Tagesordnung des Parteitages bereits erledigt war....“
Der
XX. Parteitag der KPdSU wurde überrumpelt, niemand war in der Lage den
Inhalt der Rede zu durchdenken und/oder kritisch zu hinterfragen. Selbst
die Parteiführung war nicht informiert. Später – nach dem XX.
Parteitag – wurden dann die Mitglieder der Partei- und Staatsführung,
die den Kurs Chruschtschows nicht mitmachten, wegen Fraktionismus aus
der Partei ausgeschlossen. Beria war bereits 1953 von Chruschtschow persönlich
ermordet worden, Molotow, Malenkow und Kaganowitsch wurden als
„parteifeindliche Gruppe“ ausgeschlossen.
Chruschtschow
stützte seine Vorwürfe gegen Stalin mit dessen Position, dass mit
Fortschreiten des sozialistischen Aufbaus keineswegs die Klassenkämpfe
verschwinden, sondern sich sogar verschärfen. Stalin sagte:
„Es
ist notwendig, die faule Theorie zu zerschlagen und beiseite zu werfen,
dass der Klassenkampf bei uns mit jedem Schritt unseres Vormarsches mehr
und mehr erlöschen müsse, dass der Klassenfeind in dem Maße, wie wir
Erfolge erzielen, immer zahmer werde. Im Gegenteil, je weiter wir vorwärts
schreiten, je mehr Erfolge wir erzielen werden, um so größer wird die
Wut der Überreste der zerschlagenen Ausbeuterklassen werden, um so mehr
Niederträchtigkeiten werden sie gegen den Sowjetstaat begehen, um so
mehr werden sie zu den verzweifeltsten Kampfmitteln greifen, als den
letzten Mitteln zum Untergang Verurteilter. Man muß im Auge behalten,
dass die Reste der zerschlagenen Klassen in der UdSSR nicht alleine
dastehen. Sie genießen die direkte Unterstützung unserer Feinde
jenseits der Grenzen der UdSSR.”
(In: J.W. Stalin, Über die Mängel der Parteiarbeit und die Maßnahmen
zur Liquidierung der trotzkistischen und sonstigen Doppelzüngler,
Berlin 1954, S.22 f.)
Es
ist klar, wenn Chruschtschow die Partei in revisionistische Fahrwasser
steuern wollte, musste er diese These in Verruf bringen. Sie
verpflichtete die Partei zur Wachsamkeit opportunistischen Strömungen
gegenüber, sie verpflichtete die Partei sich ihrer Avantgarde-Funktion
bewusst zu bleiben.
Aber
er wusste, wie tief Stalin in der Partei und dem Volk der UdSSR
verwurzelt war. Wäre seine Parteitagsrede, wie eigentlich notwendig
gewesen, vorher in den Führungsgremien der Partei diskutiert worden, hätte
es womöglich für Chruschtschow verhängnisvoll werden können. Deshalb
die Überrumpelung des Parteitags, deshalb Chruschtschows Putsch gegen
die marxistisch-leninistische Führung der Partei.
Die
Moskauer Prozesse Ende der 30er Jahre waren ihm nur Anlass, Stalin die
Verletzung der Prinzipien der sozialistischen Demokratie vorzuwerfen.
Stalin hat nie ein Mitglied der Partei, dass er als innerparteilichen
Gegner betrachtete, während der Sitzung persönlich erschossen, Stalin
hat nie unautorisierte Reden vor Partei- und Staatsgremien gehalten.
Es
ging Chruschtschow nicht um die angeblichen Verfehlungen Stalins, diese
waren nur der Vorwand, Chruschtschow wollte den Verzicht der Partei auf
ihre marxistisch-leninistische Führung. Und dafür stand der Name
Stalin. Die „Entstalinisierung“ ist in Wirklichkeit die Hinwendung
zum Modernen Revisionismus. Das Ziel war die Zerschlagung der UdSSR als
sozialistisches Land und die Zerschlagung des sozialistischen Lagers.
Dazu aber musste die Partei ideologisch entwaffnet werden.
Eine
„Partei des ganzen Volkes“ sollte sie werden. So nett sich das
liest, ist es doch nichts anderes, als aus der Partei bestenfalls einen
Debattierclub zu machen, es wurde aber ein Karrieristenverein. Aus der
Partei der Arbeiterklasse wurde via „Partei des ganzen Volkes“ ein
Instrument gegen die Arbeiterklasse. Unter Chruschtschow und seinen
Nachfolgern entartete die Partei immer mehr, bis kaum noch ein
kommunistischer Kern übrig blieb. Der Untergang der UdSSR 1991 unter
Gorbatschow ist nur das Ende einer Entwicklung, die 1956 beim XX.
Parteitag begann.
Eine
kommunistische Partei, die es aufgibt den ideologischen Kampf gegen
Abweichungen zu führen, gibt sich selbst auf. Das umso mehr, wenn sie
an der Macht ist.
Dieser
Prozess des Kampfes gegen bourgeoise Abweichungen endet erst mit dem
Absterben des Staates im Kommunismus, also in der klassenlosen
Gesellschaft. Solange aber der Staat noch notwendig ist, ist er ein
Klassenstaat – hier die Diktatur des Proletariats und die
Kommunistische Partei muss die Partei der Arbeiterklasse sein. Dieser
proletarische Klassenstaat unterdrückt die ehemaligen Ausbeuterklassen.
Es ist das Wesen eines Staates, dass er die Diktatur der herrschenden
Klasse ist, die die anderen Klassen im Interesse der herrschenden Klasse
unterdrückt. Im Kapitalismus ist die Bourgeoisie die herrschende Klasse
und unterdrückt v.a. die Arbeiterklasse,
im sozialistischem Staat herrscht das Proletariat. Einen
sozialistischer Staat des ganzen Volkes kann es nicht geben.
Die
UdSSR als Diktatur des Proletariats, wandelte sich in eine Diktatur über
das Proletariat. Die Angriffe
des Imperialismus auf den Sozialismus wären am Wall des
Marxismus-Leninismus verpufft. Die Festung Sozialismus wurde nicht
sturmreif geschossen, wie uns die kapitalistischen Ideologen, aber auch
die modernen Revisionisten, die bis 1990 regierten, weiszumachen
versuchen. Die UdSSR und das sozialistische Lager sie wurden von innen
aufgeweicht und waren somit schutzlos dem Imperialismus preisgegeben.
Dass 1989/90 fast alle sozialistischen Länder kampflos den
Imperialisten in den Schoß fielen, ist die Folge dieses Aufweichens.
Die
Arbeiterklasse, die ein Interesse an dem Erhalt seiner
Herrschaft gehabt hätte, empfand das, was sich noch als „Diktatur des
Proletariats“ bezeichnete, zu Recht als Herrschaftsinstrument über
die Arbeiterklasse. Wenn schon eine Herrschaft über die Arbeiterklasse,
dann bitte das Original, nämlich den Kapitalismus und nicht dieses
Gebilde aus Günstlingswirtschaft, Karrieristen, Schwätzern, Bürokraten
und gar kleinbürgerlichen Spießern.
Chruschtschow
verkündete 1958, die Sowjetunion wolle innerhalb von 10 Jahren die USA
im pro-Kopfverbrauch an Konsumgütern einholen und überholen - der im
Westen als Gulaschkommunismus bezeichnet wurde. Nicht nur, das dies beim
enormen Verbrauch von Ressourcen
in den USA vollkommen illusorisch war, es war auch ökonomischer
Wahnsinn es zu versuchen.
Die
SED zog dann 1958 mit dem 5. Parteitag nach und verkündete die „Ökonomische
Hauptaufgabe“, nämlich „Westdeutschland im Pro-Kopf-Verbrauch“ in
10 Jahren von Konsumgütern einholen und zu überholen. Viele DDR-Bürger
meinten, diese 10 Jahre nicht warten zu wollen und zogen es vor in den
Westen zu gehen, damit sie diese Segnungen sofort haben könnten.
Der
chruschtschowsche ideologische Kampf erschöpfte sich in der Diskussion
um den Zuckerrüben- und Maisanbau sowie Rinderoffenställe. Letzteres führte
in der DDR zum Massensterben der Rinder, denn sie wurden Sommers wie
Winter der Witterung ausgesetzt.
Weder
in der Sowjetunion noch in anderen sozialistischen Ländern kam man der
„Ökonomischen Hauptaufgabe“ auch nur einen Schritt näher. Wohl
aber wurde wieder Privatwirtschaft zugelassen, was Schritt um Schritt
das Angebot an bezahlbaren Nahrungsmitteln reduzierte und in den 80er
Jahren z.B. in Polen zur allgemeinen Verknappung von preiswerten Waren
in staatlichen Läden führte, während man so gut wie alles auf den
privaten Märkten zum oft zehnfachen Preis bekommen konnte.
Eine
ähnliche Entwicklung gab es auch in der Sowjetunion und den anderen
sozialistischen Staaten Osteuropas. Das Volk, auch die Arbeiterklasse,
wandte sich ab vom sozialistischen System, und so fielen die meisten
entarteten ehemaligen sozialistischen Staaten wie reife Früchte in den
Schoß des Imperialismus – der natürlich gierig zugriff.
Ich
habe die dramatischen Jahre 1990/1981 in Polen erlebt. Ich wohnte in der
ehemaligen Hochburg der polnischen Arbeiterbewegung, in Lódz. Am 1. Mai
fanden in Polens zweitgrößter Stadt zwei Kundgebungen zum 1. Mai
statt. Die eine, von der PVAP
veranstaltete, war am Denkmal der Opfer der Revolution von 1905, die
andere vor der Kathedrale, Veranstalter war Lech Walesas Solidarnosc und
war tatsächlich eine Messe unter freien Himmel. An der der PVAP nahmen
einige hundert, meist Parteifunktionäre, teil, an der von Solidarnosc
an die zehntausend, v.a. Arbeiter.
Dabei
wollten die Arbeiter keineswegs die Abschaffung des Sozialismus, nur
eben so, wie er sich ihnen darstellte,
wollten sie ihn nicht. Die Folge des modernen Revisionismus und der
ideologischen Entwaffnung der Partei!
7.
Ausblick
Noch
immer sind die Kommunisten sich selbst die ärgsten Feinde. Tief sitzt
noch immer die revisionistische Krankheit in der kommunistischen
Bewegung. Wenn heute mehr Kommunisten parteilos sind als Mitglied einer
Partei, so ist dies paradox. Jeder Kommunist muss einfach Mitglied der
kommunistischen Partei sein wollen. Die Frage ist nur in welcher?
Der
DKP? Sie ist in weiten Teilen behäbig und träumt von vergangener
Herrlichkeit, als es die DDR noch gab. Die DKP-Führung vermeidet alles,
was sie in den Verdacht bringen könnte, sie sei eine revolutionäre
marxistisch-leninistische Partei.
Die
MLPD ist dagegen eher eine Karikatur einer marxistisch-leninistischen
Partei: spießig, kleinbürgerlich, borniert. Ihre Parole vom „wahren
Sozialismus“ erinnert mehr an eine Religionssekte als an
kommunistische Partei. Da, wo sie z.B. bei Kommunalwahlen antritt, tarnt
sie sich so perfekt, dass niemand vermutet, hier agiere eine Partei, die
sich zu Marx, Engels, Lenin und Stalin bekennt. Man nehme sich ihre Rote
Fahne mal vor. Langeweile oder oberlehrerhaftes Gehabe schlägt dem
geneigten Leser entgegen.
Es
gibt einige zaghafte Ansätze überall, auch in der DKP. Aber auch die
Gruppe Neue Einheit, die KPD/ML und auch in der Ost-KPD. Die größte
kommunistische Partei ist aber die der nicht parteigebunden Kommunisten.
Von ihnen verspreche ich mir die Hauptimpulse. All die gilt es zu
vereinigen und Zurücklassung der Opportunisten und des Revisionismus in
Theorie und Praxis. Ein schwieriges Unterfangen, aber nicht unmöglich.
In
einer Zeit, wo der Imperialismus, auch der deutsche, sich erneut
anschickt, die Welt zu unterjochen, ist eine Kommunistische Partei
unverzichtbar. Die Vereinigung der Kommunisten, der Aufbau der KP wird
zur Tagesaufgabe. Lasst uns also realistisch sein und das unmögliche
wagen und die Spaltung und das Sektenwesen überwinden!
Es
lebe die Kommunistische Partei Deutschlands!
Proletarier
aller Länder vereinigt Euch!
W.I.
Lenin: Was tun? Kap. IV Die Handwerklerei der Ökonomisten und die
Organisation der Revolutionäre, c) Die Organisation der Arbeiter
und die Organisation der Revolutionäre
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