| Haben
diese, oft mit harten Bandagen geführten, Auseinandersetzungen
die Bewegung lächerlich gemacht? Die, die auf der anderen Seite
der Barrikade darüber gelacht haben, denen blieb das Lachen im
Halse stecken, denn die revolutionäre Arbeiterbewegung grenzte
sich hiermit klar von Abweichlern, Versöhnlern mit dem
Kapitalismus und Verrätern ab. Ohne diese Auseinandersetzungen
hätte es nie eine Oktoberrevolution gegeben. |
Th.
V.
Solange
die kommunistischen Kräfte in Deutschland die Diskussion führen wer
wohl die Wahren oder die einzig Richtigen sind, wird der Kommunismus
sich der Lächerlichkeit preisgeben.“
Sozialdemokratischen
Arbeiterpartei (SDAP) unter August Bebel und Wilhelm Liebknecht mit dem
Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV)
(von Ferdinand Lassalle) auf dem Gothaer Parteitag zur Sozialistischen
Arbeiterpartei Deutschland (ab 1890 Sozialdemokratische Partei
Deutschlands, SPD). Marx und Engels standen dieser Vereinigung sehr
skeptisch gegenüber und kritisierten es auch in ihrer „Kritik des
Gothaer Programms“ von 1875 (Karl Marx/Friedrich Engels -
Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 19, Berlin/DDR 1962 . S.
13-32.).
Oder:
In den Gründerjahren der
SAD (SPD) tauchte ein gewisser Eugen Dühring auf und gewann rasch Anhängern
am rechten und auch am ultralinken Rand der Arbeiterbewegung
(Anarchisten). Dühring war bekennender Judenhasser. Er gewann sogar
Eduard Bernsstein, einer der wichtigsten Funktionäre der
Sozialdemokratie, für sich. Das ging sogar soweit, dass Dührigs Anhäger,
die Kritiken, die Friedrich Engels gegen Dühring schrieb, nicht mehr in
der Parteipresse erscheinen ließen. Engels schrieb darauf das sehr
polemische Werk „Herrn Eugen Dühring's Umwälzung der Wissenschaft“
(bekannter als „Antidühring“) (geschrieben September 1876 bis Juni
1878.) Die Schrift fegte Dühring und dessen Einfluss auf die
Arbeiterbewegung weg, er spielte fortan keine Rolle mehr in der
Arbeiterbewegung. Es blieb der „linken“ Zeitung „Neues
Deutschland“ der PDS überlassen, in den 90er Jahren einen lobenden
Gedenkartikel auf Dühring zu schreiben. Aber Engels Schrift „Antidühring“
hatte Eugen Dührings Einfluss auf die Arbeiterbewegung beendet.
Und
dann Lenins Schrift „Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung“ von
1902. Man kann wohl zu Recht sagen, dass es die Schrift war, die zur
Herausbildung der Partei der Bolschewiki führte und damit auch der
kommunistischen Bewegung nach 1917.
Haben
diese, oft mit harten Bandagen geführten, Auseinandersetzungen die
Bewegung lächerlich gemacht? Die, die auf der anderen Seite der
Barrikade darüber gelacht haben, denen blieb das Lachen im Halse
stecken, denn die revolutionäre Arbeiterbewegung grenzte sich hiermit
klar von Abweichlern, Versöhnlern mit dem Kapitalismus und Verrätern
ab. Ohne diese Auseinandersetzungen hätte es nie eine Oktoberrevolution
gegeben.
In
Russland, unter der Führung Lenins, gab es rechtzeitig diese
Auseinandersetzug, die schließlich auch zur Spaltung der SDAPR führte.
Die Menschewiki paktierten dann mit dem Zarismus und dem Krieg, die
Bolschewiki kämpften für die Revolution. Nur, indem die Bolschewiki
auch den Kampf gegen die Menschewiki führten, war die Oktoberrevolution
überhaupt möglich.
Ganz
anders in Deutschland. Im Interesse der Einheit ordneten sich auch die
Revolutionäre in der SPD, z.B. Karl Liebknecht, den „Menschewisten“
unter. Karl Liebknecht, als SPD-Reichstagsabgeordneter, wagte er es
nicht, am 14. August 1914, als die gesamte SPD-Fraktion für die
Kriegskredite stimmte, sich der Parteidisziplin zu widersetzen und blieb
der Abstimmung fern, stimmte also nicht dagegen. Allerdings bei einer
Verlängerung der Bewilligung von Geldern für den Krieg, am 2. Dezember
1914, stimmte Karl Liebknacht dagegen. Aber zu einer Organisierung der
revolutionären Kräfte kam es noch lange nicht. Erst mit Gründung der
KPD, Ende Dezember 1918, gab es eine eigenständige revolutionäre
Partei der Arbeiterklasse. Viel zu spät, um die rechten
Sozialdemokraten um Ebert, Noske und Scheidemann, die sich verräterisch
an die Spitze der Arbeiter- und Soldatenräte gestellt hatten, zu verdrängen.
Wäre eine rechtzeitige Trennung von der SPD und die Gründung einer
Kommunistischen Partei nicht der richtige Weg gewesen? Ich denke schon.
Eine
kommunistische Führung muss in der Auseinandersetzung mit den
Abweichlern und den Versöhnlern mit dem Kapital im Feuer des
Klassenkampfes aufgebaut werden. Es ist ein Irrtum anzunehmen, mit
wachsender Verschärfung der Widersprüche des Kapitalismus wachse auch
das linke Bewusstsein. Das Gegenteil ist der Fall. Die Abeiterklasse
wird spontan nicht den Weg der Revolution und der Diktatur des
Proletariats gehen können, dazu bedarf es eine kommunistischen Führung,
die, wie du richtig geschrieben hast, den richtigen Weg weist. Es muss
aber auch der richtige Weg sein und kein erneuter Weg zur Versöhnung
mit em Klassenfeind.
Du
schreibst:
„Deshalb
muss man alle kommunistischen Kräfte bündeln um gemeinsam eine klare
Richtung Vorzugeben um zusammen mit vereinten Kräften gegen den real
existierenden Imperialismus und den immer zügelloser agierenden
Kapitalismus vorzugehen.“
Sozialismus (…)
auf Grund menschlichen Versagens gescheitert ist.“ Er scheiterte
am Verrat der modernen Revisionisten, beginnend mit Chruschtschow über
Breschnew, Andropow, Tschernenko
und schließlich Gorbatschow. Letzterer vollendet das, was die anderen
Zug um Zug vorbereiteten. Haben die alle „menschlich versagt“ und
mit ihnen die anderen Spitzenfunktionäre der KPDSU und der weiteren
Parteien in Ost und West? Grassierte in den 80er Jahren ein Bazillus
unter Kommunisten, der zur epidemischen Ausbreitung des menschlichen
Versagens führte? Wohl kaum.
Enrico
Berlinguer
„Demokratische Partei der Linken“
(italienisch: Partito Democratico della Sinistra (PDS)) umbenannt
und entspricht in Italien in etwas dem, was hier die SPD ist.
Und
bei uns die DKP und davor die verbotene KPD? Es wurde, mit Unterstützung
durch die DDR, in den 60er Jahren eine Deutsche Friedensunion gegründet.
Eine pazifistische Honoratiorenpartei in der auch KPD-Mitglieder –
erfolglos – bei Wahlen kandidierten. Nach der DKP-Gründung trat die
DKP erstmal auch nicht selbst bei Wahlen an, sondern mittels einer
„Aktion Demokratischer Fortschritt“ (ADF) – auch eine Totgeburt.
Die DKP hat Zeit ihres Bestehens noch niemals Verrätereien der
sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer kritisiert, geschweige denn,
dass sie etwas dagegen machte.
Nach
1990 versuchte die DKP-Spitze krampfhaft sich der PDS anzubiedern –
vergeblich, Bisky und Gysi hatten kein Interesse. Hatte die DKP noch in
den 70er Jahren in einigen Großbetrieben Parteimitglieder in Betriebsräten,
so spielt die DKP heute in den Betrieben keine Rolle mehr. Das gilt auch
für die anderen Politikbereiche. Die DKP ist weitgehend politikunfähig
und hechelt nur immer hinter den aktuellen Bewegungen hinterher.
Richtungweisende Impulse kommen aus der DKP jedenfalls nicht. Ganz im
Gegenteil. Derzeit schleimt sich DKP-Chef Stehr wieder einmal an „Die
Linke“ an.
Vor
ein paar Jahren erdreistete sich der DKP-Vorsitzende Heinz Stehr gar
damit, dass er die irakische KP, die mit den USA-Besatzern zusammen
arbeitet, dafür lobte, dass sie mit den Imperialisten kollaborierte. Zu
gleicher Zeit mordeten die USA-Besatzer die Bevölkerung der Stadt
Faludscha.
Wenn
du also kommunistische Kräfte vereinigen willst, musst du erstmal
wissen, wer Kommunist ist. Nicht jede Gruppe oder Partei, die sich
kommunistisch nennt, ist eine. Wie aber, lieber Genosse, soll man die
Spreu vom Weizen trennen?
Das
geht nur durch inhaltliche Auseinandersetzung, also durch kontroverse
Diskussionen, wie wir sie führten und führen.
Du
schreibst:
„Wenn
es uns gelingt, die Bevölkerung für unsere Ziele zu gewinnen und die
Maxime der Kommunistischen Ideologie in die Parlamente unseres Landes zu
tragen, haben wir eine reale Chance etwas zu bewirken.“
Warum
sollten wir nicht das schaffen was eine NPD geschafft hat?“
Lieber
Genosse. Zwischen uns und den Faschisten gibt es hier (und nicht nur
hier) einen gewaltigen Unterschied. Faschisten brauchen nur die
niedrigen Instinkte der Menschen zu nutzen – mehr nicht. Sie bewegen
sich auf dem Boden der Ideologie des Kapitalismus.
Wir
aber müssen an die Vernunftfähigkeit der Menschen appellieren, wir müssen
ihnen klar machen, dass es so, wie es ist, nicht bleiben muss und
bleiben kann, wir müssen die tief in den Köpfen steckende
Beeinflussung durch die kapitalistische Manipulationen zurück drängen
und das Bewusstsein verändern. Das ist entschieden schwerer, als an
dumpfen Hass auf Ausländer, Juden und andere auszunutzen.
Wir
müssen Überzeugungsarbeit leisten und das gelingt uns nur, indem wir
eine Partei schaffen, deren Mitglieder genau wissen, wie die Gesetze der
kapitalistischen Ausbeutung funktionieren, wie man dagegen kämpft und
wie man den Kapitalismus beseitigen kann.
Eine
faschistische Partei bau auf die Lüge, eine kommunistische auf Wahrheit
und Vernunft.
Ich
will es dabei erstmal belassen. Ich habe dich mit der Antwort auf deinen
Text etwas warten lassen müssen. Schneller ging es aber nicht.
Mit
kommunistischen Grüßen
Rotfront
Günter Ackermann
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