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„Die
Linke“:
Der
neue Arzt am Krankenbett des Kapitals?
Ein
Kommentar von KI-Vorsitzendem Otto Bruckner zum Fusionsparteitag von WASG
und PDS.
Quelle: Kommunistische
Initiative Wien vom 17.06.2007
Sein
Freund Fausto Bertinotti hätte ihm gesagt, die Linke in Europa befinde
sich in einer Krise, sagte Oskar Lafontaine auf dem Fusionsparteitag von
WASG und PDS zur neuen Partei Die Linke. Wer den Architekten der
Unterordnung der italienischen und europäischen Linken unter die Ziele
des Monopolkapitals zum Freund hat, dem ist die Krise gewiss, könnte man
erwidern. Trotzdem: Lafontaine als Wortführer des westdeutschen
Reformismus klingt um vieles radikaler als seine Partner aus der
SED-Nachfolgepartei PDS. Diese haben in einem Prozess von fast zwei
Jahrzehnten nahezu alles Kommunistische aus ihren Reihen vertrieben, und
sich vor allem mit ihrer Berliner Regierungsbeteiligung als Erfüllungsgehilfen
des Kapitals profiliert, während der Ex-SPD-Vorsitzende zumindest den
Versuch unternimmt, die neue Partei als gemäßigt antikapitalistische
Kraft zu positionieren.
Die
Erwartungshaltung vieler Linker in- und außerhalb der Bundesrepublik
Deutschland an diese neue Partei mit über 70.000 Mitgliedern ist groß.
Unübersehbar ist damit der Wunsch verbunden, sie möge „die“
Alternative zu Sozialabbau, Aufrüstung und blanker Arroganz der Mächtigen
sein. Wie weit sie das überhaupt sein will und kann, darf bezweifelt
werden. Denn vor allem der aus der PDS stammende Teil der Führungsriege
ist längst im System angekommen und weiß die damit verbundenen
Annehmlichkeiten zu schätzen. Wer sich aber im Kapitalismus häuslich
einrichtet und ihn nur ein wenig sozialer verwalten möchte ist schnell
dort, wo die Berliner PDS bereits steht. Sie spielt gemeinsam mit der
dortigen SPD eine Vorreiterrolle im Sozialabbau. Auch den „elder
statesmen“ in der PDS, die jeden Rechtsschwenk der Partei mit mahnendem
Zeigefinger, aber grollender Zustimmung begleitet haben, dürfte am
vergangenen Wochenende nicht ganz wohl bei der Sache gewesen sein. In
seiner letzten Eröffnungsansprache auf einem PDS-Parteitag beklagte sich
Ehrenvorsitzender Hans Modrow bitter über die Anpassung an den
westdeutschen und antikommunistischen Zeitgeist in seinen Reihen.
Zu
Recht weisen Vertreter kommunistischer Parteien und Gruppierungen auf die
Notwendigkeit hin, einerseits mit klassenorientierten und antagonistischen
Kräften in der neuen Partei die Zusammenarbeit zu suchen, jedoch am Ziel
der Schaffung einer starken kommunistischen Partei der deutschen
ArbeiterInnenklasse festzuhalten.
Oskar
Lafontaine hat den Einsatz deutscher Kampfflugzeuge in Afghanistan heftig
kritisiert. Ob er seinem Freund Bertinotti auch seine Meinung zur
Zustimmung der italienischen Ex-Kommunisten zur Verlängerung des Mandats
in Afghanistan gesagt hat, ist nicht überliefert. Es kann aber auch sein,
daß die Haltung der beiden sich nur dadurch unterscheidet, daß der eine
in Opposition und der andere in der Regierung ist. Dass Lafontaine drei
historische Gestalten der deutschen ArbeiterInnenbewegung besonders
hervorhob, ist schon ein deutlicher Hinweis auf sein Programm: In eine
Reihe mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die für einen energischen
Bruch sowohl mit dem Imperialismus als auch mit seinen Apologeten in der
Sozialdemokratie eintraten, stellte er Willy Brandt. Jenen Mann, der zu
den gewieftesten Antikommunisten und begnadetsten sozialdemokratischen Ärzten
am Krankenbett des Kapitalismus zählte. Diese perfide Art von
Revisionismus setzt auf Unwissenheit oder Opportunismus. Beides ist
hoffentlich noch nicht so weit fortgeschritten, daß diesen Schmarren
allzu viele Leute glauben. Auch in der österreichischen Sozialdemokratie
wird die Ära-Kreisky heute gerne verherrlicht. Doch bei allen
Unterschieden zur SPD und SPÖ von heute: Brandt und Kreisky waren ganz
banale rechte Sozialdemokraten und Antikommunisten, wenn auch um vieles
charismatischere als ihre heutigen Nachlassverwalter. |