|
„Es hat keinen Zweck...“
Eine
kommunistische Kritik am MLPD-Song bei den Montagsdemos
von Günter Ackermann
„Es
hat keinen Zweck,
Hartz IV das muss weg.
Und mit ihm das Berliner Kabinett...!“
Vier MLPD-Aktivisten singen
diesen Song, unterstützt durch einen Stehgeiger. Bei den Montagsdemos
in Duisburg und anderswo erklingt dieses Epos aus der Musikküche der
MLPD in Gelsenkirchen.
Die
MLPD-Mitglieder, sonst an ihrem schwäbischen Idiom erkennbar, outen
sich hier nonverbal durch Hüftenwackeln, begleitet durch Mitsingen des
Songs. Einige halten Spickzettel mit dem Text in den Händen.
Die
übrigen Protestierer der Montagsdemos lassen die MLPD-Singegruppe über
sich ergehen, sollen sie doch, meinen sie und hören weg.
Dass der MLPD-Goethe, der den Text dichtete, nach der Devise
vorging: „Reim dich oder ich fresse dich!“, mag noch angehen,
die Melodie stammt vom jiddischen Liebeslied "Bei mir bist du
scheen", aber die Interpreten... Naja, Schweigen wir besser darüber. Die
MLPD-Singegruppen sind alle nicht fastivalverdächtig. Wenn es
nur das wäre...
Es ist der Text, der grundlegend
falsch ist. Es ist die rechtsopportunistischen Linie der MLPD, die
meint, „neue Politiker“ brauche das Land. die würden alles richten.
Was ist denn nach Meinung der
MLPD mit Hartz IV? Eine persönliche Gemeinheit eines gewissen Herrn
Schröder? Falsche Einsichten eines Herrn Müntefering, der meint, er könne
damit den Menschen geregelte Arbeit verschaffen? Die Dummheit eines
Wolfgang Clement, der nicht weiß wovon er redet? Oder die knappen
Kassen eines Herrn Eichel? Keineswegs!
Vor Jahren, unter Kohl, kam die
Parole auf: „Kohl muss weg!“. Ich warnte damals vor der Parole, sie
erwecke falsche Hoffnungen. Kohl ging - es kam Schröder. Was haben die
Menschen gewonnen?
Was sich hier abspielt ist, dass
das Großkapital sich fragt, wenn es ein Reserveheer von 6 Millionen
registrierten Arbeitslosen in Deutschland gibt, warum die sozialen
Wohltaten weiter ausgeschüttet werden sollen? Das Geld, finden sie, ist
besser in Steuergeschenken bei den Reichen und Superreichen angelegt.
Begründet wird das immer mit den gleichen Argumenten: Standort
Deutschland ist mies, „Lohnnebenkosten“ zu hoch und Steuern auch.
Folglich versuchen sie durch
ihre politischen Interessenvertreter diese Interessen durchzusetzen. Da
ist natürlich zuerst mal die CDU und die FDP, die mit offenen Ohren auf
die Forderungen aus den Vorstandsetagen lauschen. Aber auch die andere
Partei der Besserverdienenden, die Grünen, sind da offen. Man gebe
ihnen nur das Steuergeschenk des hohen Treibstoffpreises und sie stimmen
für jede Schweinerei. Man braucht es nur Ökosteuer zu nennen.
Und nicht zu vergessen ist die
SPD. Im Chor der Speichellecker und Spendenempfänger aus den
Vorstandsetagen der Konzerne und Banken spielt diese Partei eine
besondere Rolle: Aus ihrer Tradition heraus spielen die Gewerkschaften
eine besondere Rolle in der Sozialdemokratie. Und diese werden
gebraucht, wenn der Prozess des Sozialkahlschlags erfolgreich sein soll.
Wenn die nämlich zum entschiedenen Protest blasen, wenn sie ihre Waffe
des Streiks einsetzen, dann ade die schönen Steuergeschenke.
Der
Protest der Montagsdemos darf sich nicht nur gegen Hartz IV richten.
Noch nicht einmal nur gegen die Schweinereien der Agenda 2010. Indem man
die unterschiedlichen Maßnahmen des Zerschlagens der von der
Arbeiterklasse erkämpften sozialen Sicherungen unterteilte, spaltete
man die Opfer. Wer redet heute noch von Rürup und der Zerschlagung der
Absicherung im Gesundheitssystem? Die Betroffenen verzichten entweder
auf medizinisch notwendige Behandlungen und gleichzeitig sinkt das
Niveau der Kliniken.
Nun aber folgt der
Generalangriff: Zeitlich gleich mit Hartz IV gehen die Konzerne dazu über,
den Tariflohn zu senken. Die Reallöhne senkten sie bereits in der jüngsten
Vergangenheit.
Dazu brauchen sie die
Gewerkschaften. Begonnen mit Siemens, gefolgt von DaimlerCrysler und nun
ist der Herr Hartz von VW an der Reihe. Die Gewerkschaften zogen bisher
brav mit - nur etwas Theaterdonner gab es.
Diese Angriffe der Konzerne
gehören dazu, wie auch Hartz und die Gesundheitsreform, dahin muss die
die Stoßrichtung der Politik der Proteste gehen. Es muss den Menschen
im Lande klar gemacht werden, dass es darum geht, die Profit so zu
maximieren, dass die arbeitenden Menschen ebenso, wie die Arbeitslosen
dabei zunehmend verelenden. Stattdessen bringt die MLPD dieses
Illusionen verbreitende lächerliche Liedchen.
Es hat einen Zweck, dass sich
die Arbeiterklasse gegen die Politik der Konzerne wehrt!
Nicht das Auswechseln von
Figuren schafft Änderungen in der Politik, nicht neue Politiker braucht
das Land – auch keine mit MLPD-Parteibuch.
Das
Land braucht eine kommunistische Partei, die dem Kampf der
Arbeiterklasse gegen ihre Lebensinteressen durch das Kapital Ziel und
Richtung gibt. Die opportunistischen und reformistischen Positionen der
MLPD führen nur noch tiefer ins Dilemma. |