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Antwort Roter Webmaster

1. Zuschrift MLPD-Mitglied Dominik B.

8. Juni 2005

Hinweis:

Die Redaktion Kommunisten-online bat den Autor der Zuschriften, die "Hieroglyphen", die anstelle der deutschen Sonderzeichen durch technische Übertragungsprobleme in den Text kamen, zu beseitigen. Das geschah leider nicht. Da wir nicht die Zeit haben, den Text zu korrigieren, mussten sie drin bleiben. Wir bitten um Entschuldigung.

Lieber Genosse Dominik B.,

ich habe sehr wohl wahrgenommen, dass du die Anrede „Genosse“ vermieden hast. Na und? Ich mache diesen Quatsch aber nicht.

Ich kann dir leider nicht ausführlich antworten, will aber dennoch einige Sätze an dich schreiben.

1. Ihre Polemik gegen den Brief von Genosse Stefan Engel an Lafontaine, Bisky und Troost ist doch absolut lächerlich!“ Das, lieber Dominik B., ist reine Ansichtssache.

2. Die MLPD will nicht ihre revolutionären Ziele zurückstellen“

Stefan Engel schreibt selbst: Zwischen den Parteien gibt es selbstverständlich auch wesentliche strategische Unterschiede, die allerdings in der jetzigen Situation zur Schaffung einer neuen linken Opposition zurückgestellt werden müssten.“

Redet der nur so daher oder meint er, was er sagt? Man muss doch, wenn man mit diesen halblinken Leuten zusammengeht, nicht nur das revolutionäre Ziel der proletarischen Revolution aufgeben, sondern auch Positionen weit davor. So z.B. dass nur de Massenkampf und Massenwiderstand dem Angriff des Kapitals auf die politischen und sozialen Rechte der Arbeiterklasse Einhalt gebieten kann.

Diese Leute streben genau das nicht nur nicht an, wirklicher Massenkampf und –widerstand fürchten sie wie der Teufel das Weihwasser. Weiß das euer Vorsitzender nicht?

3. Dein Zitat aus dem Programm hat mich auflachen lassen. Diese „Zusammenschlüsse“ wie Courage, SI, AUF usw. sind doch nur schlecht getarnte Formen der Arbeit der MLPD.

Wenn Stefan Engel glaubt, er könne Oskar Lafontaine, die PDS und WASG oder gar die DKP zu sowas machen, dann jagt ihn zum Teufel, dann hat er nämlich nicht alle Tassen im Schrank.

Wenn ihr überhaupt in Lafontaines Verein mitmischen dürft – ich glaubs nichtmal – dann höchstens als Plakatkleber und Flugblattverteiler, aber nicht „ganz oben“. Aber wie gesagt, die werden Engels Brief in den Papierkorb werfen.

Was mich aber dazu brachte, die Polemik zu schreiben, war die leichtfertige Bereitschaft Engels und der MLPD revolutionäre Prinzipien zu opfern. Zu opfern noch nicht einmal für ein Linsengericht, sondern fürs Ignorieren.

Wer aber sowas macht, hat schon lange die Prinzipien aufgegeben und verdient es nicht anders, als ignoriert zu werden.

Ich bin Marxist-Leninist der ersten Stunde. Unsere Ausgangsposition war, dass wir den Verrat der modernen Revisionisten kritisierten und uns deshalb organisierten. Die MLPD aber kriecht sehr viel schlimmerer Typen in den Arsch, wie Chruschtschow es war, und bettelt um Akzeptanz.

Sektierertum ist es nicht, wenn man sich von Reformisten und Revisionisten distanziert. Der Knüppel des Sektierertums erhob man gegen uns von der ersten Ausgabe „Roter Morgen“ durch Ernst Aust. Sektierertum ist, wenn man alles allein machen will und sich in ultralinke Abenteuer stürzt. Die Folgen sind oft verheerend.

Aber gegen rechtsopportunistische Politik aufzutreten ist nicht sektiererisch, sondern unbedingte Notwendigkeit für Kommunisten.

Rotfront

Der Rote Webmaster

Günter Ackermann

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An Günter Ackermann,

Ihre Polemik gegen den Brief von Genosse Stefan Engel an Lafontaine, Bisky und Troost ist doch absolut lächerlich!

Die MLPD will nicht ihre revolutionären Ziele zurückstellen, sondern sie will gemeinsam mit anderen linken Kräften eine fortschrittliche Tagespolitik machen - dabei stehen natürlich die Gemeinsamkeiten im Vordergrund - alles andere wäre Sektierertum, denn das was Genosse Stefan Engel angeboten hat, das bietet er ja nur unter bestimmten Voraussetzungen an. Gegen eine Einheit auf Grundlage der Prinzipien der Gleichberechtigung und der Demokratie ist vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus überhaupt gar nichts einzuwenden!

Dass mit den Reformisten keine Revolution zu machen ist, ist uns schon klar - nur leben wir auch nicht in einer revolutionären Situation ;-)

Hier ein kleiner Auszug aus dem Programm der MLPD:

Abschnitt über "die Politik des gemeinsamen Kampfs, Formen und Prinzipien" Gemeinsame Organisationsformen zur Verwirklichung konkreter, zeitlich begrenzter Kampfaufgaben (Wahlbündnisse, Pfingstjugendtreffen, 1. Mai, Internationaler Frauentag usw.) Diese Zusammenschlüsse werden in der Regel durch eine gemeinsame Plattform und Prinzipien der Zusammenarbeit bestimmt. In diesem Sinne versteht die MLPD auch ihre Beteiligung an Wahlen als Beitrag zum eigenständigen Zusammenschluss der Massen." (S. 82)

Und wenn Sie schon auf die Klassiker des Marxismus-Leninismus verweisen, dann sollten Sie sich auch mit ihnen auskennen!

Die dritte Klasse endlich besteht aus demokratischen Sozialisten, welche auf demselben Wege wie die Kommunisten einen Teil der in Frage (18) angegebenen Maßregeln wollen, aber nicht als Übergangsmittel zum Kommunismus, sondern als Maßregeln, welche hinreichend sind, um das Elend aufzuheben und die Übel der jetzigen Gesellschaft verschwinden zu machen. Diese demokratischen Sozialisten sind entweder Proletarier, die über die Bedingungen der Befreiung ihrer Klasse noch nicht hinreichend aufgeklärt sind, oder sie sind Repräsentanten der Kleinbürger, einer Klasse, welche bis zur Erringung der Demokratie und der aus ihr hervorgehenden sozialistischen Maßregeln in vieler Beziehung dasselbe Interesse haben wie die Proletarier. Die Kommunisten werden deshalb in den Momenten der Handlung sich mit diesen demokratischen Sozialisten zu verständigen und überhaupt mit ihnen für den Augenblick möglichst gemeinsame Politik zu befolgen haben, sofern diese Sozialisten nicht in den Dienst der herrschenden Bourgeoisie treten und die Kommunisten angreifen. Daß diese gemeinsame Handlungsweise die Diskussion der Differenzen mit ihnen nicht ausschließt, ist klar.

(Friedrich Engels: Grundsätze des Kommunismus)

Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind - und genau diese hat auch Genosse Stefan Engel in seinem Brief (wenn auch mit anderen Worten) benannt - dann kann man sehr wohl mit PDS, WASG, DKP, aber auch Trotzkisten, Antifaschisten, Feministen, Ökologisten etc. zusammenarbeiten - eben um ein bestimmtes Ziel zu erreichen - das heißt nicht, dass man nicht auch ohne diese Kräfter weiter zur sozialistischen Revolution maschiert!

Ich lade Sie herzlich ein an der Diskussion um die Wahlbeteiligung der MLPD in ihrem neuen Forum alleinig zu diesem Thema teilzunehmen.

Mit sozialistischen Grüßen:

D.

Antwort auf die 2. Zuschrift aus der MLPD

2. Zuschrift aus der MLPD

Lieber Genosse Dominik B.,

Vorweg: Ich bat dich, die Hieroglyphen, die anstelle der deutschen Sonderzeichen in den Text kamen, zu beseitigen. Das geschah leider nicht. Da ich nicht die Zeit habe, den Text zu korrigieren, bleiben sie drin.

1. Polemik

Du schreibst:

„Ich habe dich bewusst nicht mit "Genosse" angeschrieben, da ich deine Polemik gegen den Genossen Stefan Engel für einen Kommunisten unwürdig und nicht vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus geführt befunden habe. Du hast den Genossen Stefan verhöhnt, anstatt ihn konstruktiv zu kritisieren und dich auf eine weitere fundiert-wissenschaftliche Diskussion einzulassen.“

Ob die Polemik „für einen Kommunisten unwürdig“ ist, ist reine Ansichtssache. Ich kenne eine sehr giftige Polemik, die, was den Angegriffenen betrifft, ihn „verhöhnt, anstatt ihn konstruktiv zu kritisieren“ Sie endete mit dem politischen Tod des Angegriffenen.

Lese sie mal, sie ist schon vom Sprachlichen her eine Meisterleistung einer bitterbösen Polemik, Ihr Titel: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft“ und stammt von Friedrich Engels. Was von Herrn Dühring übrig blieb, war null. Allein die Tatsache, dass Engels seine Polemik gegen ihn verfasste, bewahrt das Andenken. Erst das Neue Deutschland der PDS holte in den 90er Jahren Dühring aus der Mottenkiste und stilisierte ihn hoch.

Also bitte, komme mir nicht mit dem Bannstrahl, ich polemisiere. Auch Lenins Was tun? und „Der „linke Radikalismus“ und andere Schriften sind sehr polemisch. Mit diesem Stilmittel führt man sicher den Angegriffenen vor und macht ihn lächerlich, aber was soll man mit einen machen, der sich als „Führer“ eine „Partei der Arbeiterklasse“ solch eine Blöße gibt, wie hier Stefan Engel?

2. Verwischung von Klassengegensätzen im Programm der MLPD

Offen gesagt, es ist mir eigentlich schnuppe, die politische Praxis der Partei ist wichtiger. Das Programm aber hat, legt man mal die Nagelprobe an, stark revisionistische Fehler – trotz des revolutionären Getöses.

So z.B.: Die proletarische Einheitsfront wird zustande kommen, wenn in der Wechselbeziehung von Partei und kämpferischer Frauenbewegung, aktivem Volkswiderstand und Rebellion der Jugend gleichberechtigte und gemeinsame Kampf- und Organisationsformen geschaffen werden.“

Wie bitte? Frauen und Jugend stehen einfach als Teil einer Wechselbeziehung da? Ich habe aus dem Marxismus-Leninismus gelernt, dass allein das Proletariat das revolutionäre Subjekt ist, dass proletarische Jugend und proletarische Frauen ein Teil dieser Bewegung sind.

Klara Zetkin schreibt:

„Wir erkennen gar keine besondere Frauenfrage an - wir erkennen keine besondere Arbeiterinnenfrage an!“[1]

Und

Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein. Nur in der sozialistischen Gesellschaft werden die Frauen wie die Arbeiter in den Vollbesitz ihrer Rechte gelangen.“[2]

Das steht nichts von dieser ominösen „Wechselbeziehung von Partei und kämpferischer Frauenbewegung“

Es gibt keine „Einheitsfront“ von Jugend- und Frauenbewegung, beide sind ein integraler Bestandteil der Kommunistischen Partei und decken dabei je einen Teilbereich ab. Der Kampf der proletarischen Frau und der proletarischen Jugend ist ein Teil des Kampfes des Proletariats.

Ist das nur eine krumme Formulierung? Das MLPD-Programm ist voll davon. Allein an dieser Stelle habt ihr den Marxismus-Leninismus revidiert. Und sage nicht, das sei unwichtig. Das, genau das, unterscheidet die proletarische Frauenbewegung von der bürgerlichen, das unterscheidet die revolutionäre proletarische Jugendbewegung von den Wandervögeln und anderen bürgerlichen und kleinbürgerlichen Strömungen in der Jugendbewegung.

Erich Weinert, Kommunist und Dichter, spottete über die Wandervögel in seinem  

GESANG DER EDELLATSCHER:

Der Frühling braust; wir ziehen fürbaß

und zupfen unsere Geigen.

Wir hüpfen froh ins nasse Gras

und tanzen unsre Reigen.

Die Klampfe klirrt im Schritt und Tritt.

Die Kochgeschirre klirren mit.

Der Wald ist voll Akustik.

Wir sind so schrecklich lustig.

 

Und sitzen wir am Waldesrand,

dann schweigen unsre Klampfen,

dann lassen wir durchs stille Land

die Hafergrütze dampfen.

Die Maggisuppe duftet weit

in Wald und Bergeseinsamkeit.

Wie lustig schmort die Soße

in der Konservendose!

 

Und ist die Grütze aufgekaut,

dann wird in blau und rosa,

das Seelenleben aufgebaut,

teils lyrisch, teils in Prosa.

Hoch in den Wolken flieht der Blick.

Wir ziehen uns aus der Welt zurück

 

Wir fühlen uns nicht bürgerlich

und auch nicht proletarisch.

Wir wandeln auf dem Himmelsstrich

und leben literarisch.

Die schnöde Welt, wir hassen sie.

Nur abgeklärte Poesie

ist unsre Seelenspeise.

Wir sind so schrecklich weise.

 

Pfui Klassenkampf! Wie ordinär!

Wir kennen nicht Tarife.

Der Reichtum kommt von innen her

aus unsrer Seelentiefe.

Wer sich von innen her beschaut

und Nietzsche liest und Rüben kaut,

was kümmern den die andern?

Juchhu! Wir müssen wandern!  

Die „Rebellion“ der Wandervögel gegen den Kapitalismus bestand eben in Betrachtungen von Reichtum in der Seelentiefe und Rüben kauen. Das war vorgestern, aber denke mal an die Grünen: Biogemüse fressen, „alternativer“ Anbau, „alternativ“ leben, Körnerfressen, sehr linksradikal usw. Oder die Veganer, die schon wieder was Faschistisches an sich haben, Da hast du es wieder. Was draus geworden ist, setze ich als bekannt voraus.

Oder die „Rebellion der Jugend“ bei den Punks ist: grüne, blaue und gelbe Haare, saufen und Drogen. Tolle Rebellion, allerdings keine proletarische, noch nicht einmal fortschrittlich, sondern kleinbürgerliche Verweigerung.

Damit wollt ihr „gleichberechtigte und gemeinsame Kampf- und Organisationsformen“ bilden? Gleichberechtigung von proletarischer Bewegung und bürgerlicher/kleinbürgerlicher in der KP, eine „Partei des ganzen Volkes“ etwa? Es lebe der XX. Parteitag!

Da hast du die revisionistischen Pferdefüße im MLPD-Programm. Hier wurde klar der Klassenstandpunkt verlassen und die Klassenunterschiede im Sinne einer Klassenversöhnung, zumindest eine Verwischung, postuliert. Du musst nur alles mal zu Ende denken.

Was dabei herauskommt, lieber Genosse Dominik B., ist klar: Die MLPD!

3. Euer Konstrukt „Selbstorganisation“

Ich las einen Text der MLPD im Internet. Das steht: Die Stunde der Flut ist die Stunde der Selbstorganisation der Massen! Lange bevor noch irgendein offizieller Vertreter aus Berlin zur Stippvisite an die Elbe kam, handelten die Massen im Vertrauen auf die eigene Kraft.“

A ja. Zu was dann noch die Kommunistische Partei? Wenn die „Selbstorganisationen“ so perfekt funktionieren, wird es sicher dadurch eine friedliche Überwindung des Kapitalismus geben. Eduard Bernstein lässt grüßen: „Die Bewegung ist alles, das Ziel nichts!“

Ich halte mich da lieber an Lenin:

„Die Geschichte aller Länder zeugt davon, daß die Arbeiterklasse ausschließlich aus eigener Kraft. nur ein trade-unionistisches Bewußtsein hervorzubringen vermag, d.h. die Überzeugung von der Notwendigkeit, sich in Verbänden zusammenzuschließen, einen Kampf gegen die Unternehmer zu führen, der Regierung diese oder jene für die Arbeitet notwendigen Gesetze abzutrotzen u.a.m. Die Lehre des Sozialismus ist hingegen aus den philosophischen, historischen und ökonomischen Theorien hervorgegangen, die von den gebildeten Vertretern der besitzenden Klassen, der Intelligenz, ausgearbeitet wurden.“[3]

Liest sich das nicht marxistisch-leninistischer, als euer ganzes Bejubeln der Selbstorganisation, dieses Konstrukt aus Anbetung der Spontaneität, kleinbürgerlicher Nachbarschaftshilfe und – mit Verlaub – hinterwäldlerischer, teils faschistoider Elemente. Jedenfalls die „Selbstorganisation der Massen“ während der Überschwemmungen im Osten. Und prompt bejubelte man die Bundeswehr, Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck usw. Wollt ihr da nicht auch mitmachen?

Ist das euer Rezept? Dann allerdings wird mir einiges klar am Brief von Stefan Engel an den lieben Oskar von der Saar.

4. Linksbündnis

Du schreibst:

„In der PDS und der WASG gibt es durchaus engagierte KollgenInnen mit denen man gleichberechtigt, solidarisch und konstruktiv zusammenarbeiten kann - ich weis das von den Montagsdemonstrationen.“

WASG kenne ich nicht von innen, die PDS umso mehr, war ich doch einige Jahre Kreisvorsitzender des erfolgreichsten Kreisverbands der PDS im Westen. Es mag diese „engagierten KollgenInnen“ in der PDS noch geben, m.E. haben die meisten aber die Partei längst verlassen. Es blieb - wenn überhaupt - nur ein Bodensatz davon übrig.

Aber das ist auch nicht die Frage. Ich bin dafür, bestimmte Aktionen auf eine sehr breite Basis zu stellen. Ich bezweifle allerdings, ob aus einer Vermischung von PDS, WASG, Attac, DKP und womöglich MLPD unter Oskar Lafontaines Führung was Linkes entstehen kann. 

Auf dem Altar der Duldung durch Oskar Lafontaine, Bisky, Gysi und Klaus Ernst die grundlegenden Widersprüche zu vergessen und zu sagen, „die allerdings in der jetzigen Situation zur Schaffung einer neuen linken Opposition zurückgestellt werden müssten.“ halte ich für einen tiefen rechtsopportunistischen Sündenfall.

Vor diesem Zusammenschluss auch noch von einer „neuen linken Opposition“ zu reden, zeugt nicht nur von Dummheit, sondern nährt Illusionen über das Wesen dieses Zusammenschlusses.

Das Gebilde aus Lafontaine, PDS und WASG hat wichtige Aufgaben für die Politik des Kapitals. 

Die SPD ist durch das willige Vollstrecken der Forderungen des Kapitals nach Beseitigung der sozialen Rechte der Arbeiterklasse, bei dieser schwer in Misskredit geraten. Die SPD kann ihre Aufgabe im kapitalistischen Staat als Paktiererpartei für das Kapital nur sehr geschwächt erfüllen. 

Es ist ein Vakuum entstanden, das aufgefüllt werden muss.

Eigentlich wäre es unsere Aufgabe hier reinzustoßen und den Unmut der Klasse gegen ihre soziale Entrechtung in Klassenkampf gegen den Kapitalismus zu verwandeln.

Damit aber das nicht passiert, wird das Vakuum mit einer scheinlinken Partei aufgefüllt. Die hat nicht die Absicht die Massen für den Kampf gegen die jetzigen und zukünftigen antisozialen Maßnahmen zu mobilisieren, sondern die Unzufriedenen zu binden und sie von Aktionen abzuhalten. Vor allem aber, um sie vor dem Schritt nach links zu bewahren.

Wenn sich dann in einigen Jahren die SPD erholt hat, kann man alles wieder auflösen und die SPD nimmt diese Stelle wieder ein.

Engel aber findet das gar nicht so und nennt das ganze eine neue linke Opposition. Wenn das kein Revisionismus ist, dann weiß ich nicht, was dann.

Es ist absolut unerheblich, dass wir keine revolutionäre Situation haben. Es kommt darauf an, dass wir Kommunisten in diese Richtung arbeiten und nicht Illusionen über Paktiererparteien schüren, wie es der Genosse Engel macht.

5. Schlussbetrachtung

Eine Anmerkung über die Richtigkeit der KABD/MLPD-Analyse des Chruschtschowschen Revisionismus erlasse ich mir. Dazu kannte ich euren Säulenheiligen aus Solingen zu gut, auch seine Rolle in der KPD/ML und seine inhaltlichen Positionen. Und ich kenne die Linie der KPD/ML  noch besser, habe ich sie doch bis 1972 in führender Funktion mitgestaltet. Ich sehe keinen Sinn, mich hier und heute darüber zu äußern. Bei passender Gelegenheit werde ich mich mal über diese Fragen auslassen.

Ich meine, die MLPD ist eine Partei, die sich marxistisch-leninistisch gibt, tatsächlich aber bereits von wesendlichen Positionen des Marxismus-Leninismus abgeschworen hat. Ihre praktische Politik ist rechtsopportunistisch und, wie ich an einigen Beispielen aufgezeigt habe, ihre Programmatik hat den Marxismus-Leninismus in wichtigen Fragen revidiert.

Mit kommunistischen Grüßen

Rotfront

Günter Ackermann


[1]  CLARA ZETKIN: Für die Befreiung der Frau!  Rede auf dem Internationalen Arbeiterkongress zu Paris (19. Juli 1889)

[2]  ebenda

[3]  W.I. Lenin: Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung, (1902) II Spontaneität der Massen und Bewußtheit der Sozialdemokratie

Lieber Genosse Günter,

Ich habe dich bewusst nicht mit "Genosse" angeschrieben, da ich deine Polemik gegen den Genossen Stefan Engel für einen Kommunisten unwürdig und nicht vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus geführt befunden habe. Du hast den Genossen Stefan verhöhnt, anstatt ihn konstruktiv zu kritisieren und dich auf eine weitere fundiert-wissenschaftliche Diskussion einzulassen. Deine Schlüsse halte ich für undialektisch.

Redet der nur so daher oder meint er, was er sagt? Man muss doch, wenn man mit diesen halblinken Leuten zusammengeht, nicht nur das revolutionäre Ziel der proletarischen Revolution aufgeben, sondern auch Positionen weit davor. So z.B. dass nur de Massenkampf und Massenwiderstand dem Angriff des Kapitals auf die politischen und sozialen Rechte der Arbeiterklasse Einhalt gebieten könn.

Der Genosse Stefan spricht doch explizit von "strategischen Differenzen" - was bedeutet das? Das bedeutet, dass die MLPD die Strategie der sozialistischen Revolution verfolgt, wend die PDS und die WASG, als so genannte "demokratische Sozialisten", den reformistischen Weg gehen. Da wir momentan aber keine revolutionäre Situation haben, kämpfen auch die Kommunisten mit den Massen um Reformen. Das ist doch die Praxis des Tageskampfes wie sie von allen Revolutionären seit jeher angewendet wurde. Die MLPD verbreitet doch keinesfalls die Illusion, diese Reformen bzw. Zugeständnisse in den Arbeitskämpfen seien eine Selbstverständlichkeit für das Kapital - ganz im Gegenteil ruft sie doch die KollegenInnen dazu auf sich betrieblich, überbetrieblich, ja konzernweit über die Grenzen der Nationen hinweg zusammenzuschließen und den Kapitalisten die Stirn zu bieten - das ist noch nicht gleichbedeutet mit Revolution, sondern eben 'nur' der Tageskampf in Form von Streiks, Demonstrationen etc. Das ist die korrekte marxistisch-leninistische Position, wie sie sich als roter Faden durch die Theorie und Praxis der MLPD und zuvor des KABD zieht!

Aus dem Programm der MLPD:

Kapitel F

Der Weg der Befreiung der Arbeiterklasse

in Deutschland  (Auszge)

1.Die Eroberung der politischen Macht ist das strategische Ziel des Klassenkampfs der Arbeiterklasse. Die MLPD hat die Aufgabe, die entscheidende Mehrheit der Arbeiterklasse für den Sozialismus zu gewinnen und ihre Kfe zu einem umfassenden, gegen das Monopolkapital und seinen Staat als politisches Herrschaftsinstrument gerichteten Kampf h��zuentwickeln. Dazu macht die Partei eine systematische und beharrliche Kleinarbeit mit dem Ziel, die Arbeiterklasse ber die Aktionseinheit in kleinen Fragen zur Einheitsfront in allen wesentlichen Fragen zusammenzuschlieߥn.

2.Es ist Pflicht eines jeden Marxisten-Leninisten, in Betrieb und Gewerkschaft aktiv fr die Vorbereitung und Entfaltung der Kfe der Arbeiterklasse um Tagesforderungen zu wirken und sich fr ihre Weiterentwicklung zum Klassenkampf einzusetzen.

3.Der Kern der revolutionn Taktik der MLPD besteht darin, den wirtschaftlichen mit dem politischen Kampf zu verbinden bzw. den wirtschaftlichen in den politischen Kampf umzuwandeln und den Klassenkampf auf das sozialistische Ziel hin auszurichten. Dazu muss die Arbeiterklasse den Weg der Arbeiteroffensive gehen.

4. Mit der Schaffung der proletarischen Einheitsfront als Kern organisiert die MLPD den Kampf zum Schutz der natrlichen Umwelt, um die Befreiung der Frau, um die Verteidigung und Erweiterung der sozialen Errungenschaften, der brgerlich-demokratischen Rechte und Freiheiten, gegen die Faschisierung des Staatsapparats und gegen die Militarisierung von Staat und Gesellschaft. Ebenso muss sie im Kampf breiter Schichten des Volkes gegen Faschismus, imperialistischen Krieg und Kriegsgefahr die Fhrung durch die Arbeiterklasse verwirklichen. Die proletarische Einheitsfront wird zustandekommen, wenn in der Wechselbeziehung von Partei und kferischer Frauenbewegung, aktivem Volkswiderstand und Rebellion der Jugend gleichberechtigte und gemeinsame Kampf- und Organisationsformen geschaffen werden.

5.Die MLPD fhrt einen entschiedenen Kampf gegen Reformismus und Revisionismus und erzieht die Arbeiterklasse und die anderen werktgen Schichten im Geist des wissenschaftlichen Sozialismus.        Insbesondere muss die Partei die Massen systematisch begleiten, damit sie in jeder wirtschaftlichen und politischen Situation,  bei jeder konkreten Wendung des Klassenkampfs und in allen Lebensfragen mit den verschiedenen Formen der kleinbrgerlichen Denkweise fertig werden. Nur so kann die MLPD die Gefahr des ultralinken Sektierertums oder des Opportunismus in ihrer Kleinarbeit bannen. Die H��entwicklung des proletarischen Klassenbewusstseins der Arbeiterklasse bis zum sozialistischen Bewusstsein ist das Ergebnis der bewussten Organisierung der ܢerlegenheit der proletarischen Denkweise im Kampf gegen die kleinbrgerliche Denkweise. 

In Kapitel Kapitel H: Kampfprogramm und Prinzipien der Kleinarbeit der MLPD findest du die Methoden und Losungen der Tageskampfpolitik der MLPD - nachfolgend nur die Losungen einer positiven Gewerkschaftsarbeit:

Fr die Gewerkschaften als Kampforganisationen zur Verteidigung und Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen!  Fr eine starke Einheitsgewerkschaft!  Fr die Arbeitereinheit in Ost und West, für die Einheit von deutschen und auslischen Arbeitern!  Fr eine gewerkschaftliche Jugendarbeit zur F��rung der Einheit von Jung und Alt!  Fr die F��rung der käferischen Frauenbewegung gegen alle Formen der besonderen Ausbeutung und Unterdrckung von Frauen!  Fr die ܢerparteilichkeit der Gewerkschaften, fr demokratische, selbst organisierte Strukturen!  Weg mit den Unvereinbarkeitsbeschlssen gegen Antifaschisten und Marxisten-Leninisten in den Gewerkschaften!  Fr die Verbindung gewerkschaftlicher und selbstiger Kfe!  Fr die Erweiterung der gewerkschaftlichen und politischen Rechte und Freiheiten!  Fr internationale Arbeitersolidaritund die Einheit der internationalen Gewerkschaftsbewegung!  Fr die Perspektive des Sozialismus als fester Bestandteil der Gewerkschaften!

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, inwieweit dies dem Marxismus-Leninismus zuwiderlaufen soll.

Diese Leute streben genau das nicht nur nicht an, wirklicher Massenkampf und widerstand fürchten sie wie der Teufel das Weihwasser. Weiß das euer Vorsitzender nicht?

In der PDS und der WASG gibt es durchaus engagierte KollgenInnen mit denen man gleichberechtig, solidarisch und konstruktiv zusammenarbeiten kann - ich weis das von den Montagsdemonstrationen. Was die Fhrungen dieser beiden reformistischen Parteien (die wir auch stets als solche entlarvt und kritisiert haben - siehe zuletzt die Frage der Wahlempfehlung für beide in der Roten Fahne vor der Landtagswahl in NRW) angeht, so hat die MLPD sicher keine Illusionen gehabt. Nur musste man diesen Damen und Herren, die immer so "links" daherreden, die Chance geben, ihren Worten Taten folgen zu lassen - dazu he es natlich auch des Druckes der jeweiligen Basis bedurft. Ich m��e es mit folgenden Sachverhalt vergleichen: Die DKP veranstaltet ja alle 2 Jahre oder so ihr UZ-Pressefest. Dort drfen Parteien und Gruppen wie etwa der Rote Morgen ihre Ste aufbauen - nur der MLPD wird das seit jeher versagt. Also schreibt die MLPD-Fhrung einen Brief an die DKP-Fhrung und fordert sie auf, sich mit uns wissenschaftlich zu streiten, anstatt uns lediglich zu verleumden bzw. zu zensieren. Dies wurde um das ein oder andere Mal von DKP-Genossen, die sich ebenfalls fr eine solidarische, wissenschaftliche Streitkultur einsetzen und die Auseinandersetzung mit der MLPD nicht scheuen, untersttzt. Sollte die MLPD auf diese Untersttzung verzichten, nur weil die Genossen Revisionisten sind? Weil sie theoretische und praktische Fehler haben? Wie sollten sie sich denn jemals zu wirklichen Kommunisten umerziehen, wenn wir ihnen unsere Hilfe dazu verwehren? Mit jemanden diskutieren heiߴ ja gerade alles andere, als seine eigenen Positionen aufgeben und deswegen ist es die korrekte marxistisch-leninistische Linie immer und berall prinzipielle Auseinandersetzungen zu fhren - diese hat es auch schon immer mit der DKP, der PDS, den Trotzkisten, den Anarchisten und den Sozialdemokraten gegeben - nur darf man nicht jeden, der anders denkt gleich als Feind behandeln - und so arbeite ich auch mit Sozialdemokraten, DKPlern, PDSlern, Trotzkisten und Anarchisten im Tageskampf (Beispiel: Montagsdemos oder antifaschistische Kfe) zusammen - und sage natrlich wie ich die Sache sehe und kann dadurch unter den Massen fr den M.L. werben - das ist doch Sinn und Zweck der Sache, neben der Erringung praktischer Ergebnisse im gemeinsamen Kampf natrlich. Nun haben wir Herrn Bisky die M��chkeit eingert endlich konsequent Partei fr die Opfer von Hartz IV zu ergreifen und er hat sie ausgeschlagen - ist das schlecht? nein, ich finde das ist gar nicht schlecht, weil es ihn entlarvt - gerade auch vor der PDS-Basis, wo es aktive Montagsdemonstranten gibt.

Dein Zitat aus dem Programm hat mich auflachen lassen. Diese Zusammenschlsse wie Courage, SI, AUF usw. sind doch nur schlecht getarnte Formen der Arbeit der MLPD.

Dass du diesen altbackenen antikommunistischen Vorwurf der brgerlichen Medien aufgreifst, enttcht mich sehr - es zeigt dein Unverstnis der Taktik selbststiger, berparteilicher Bndnisse und Organisationen als Selbstorganisationen der Massen, in denen Genossinnen und Genossen gleichberechtigt mitarbeiten und die sozialistische Perspektive ausziegen, ohne sie den Bndnispartnern aufzuzeigen - das ist Erziehung zum Klassenbewusstsein und damit vollkommen konform mit dem M.L.

Wenn Stefan Engel glaubt, er kann Oskar Lafontaine, die PDS und WASG oder gar die DKP zu sowas machen, dann jagt ihn zum Teufel, dann hat er  nicht alle Tassen im Schrank

Die PDS als Selbstorganisation der Massen? - das ist doch absurd - solche Aussagen sind an den Haaren herbeigezogen. Der Genosse Stefan Engel ist nur kein Sektierer, das macht ihn nicht gleich zu einem Opportunisten - als "Marxist-Leninist der ersten Stunde" solltest du das wissen ;)

Unsere Ausgangsposition war, dass wir den Verrat der modernen Revisionisten kritisierten und uns deshalb organisierten. Die MLPD aber kriecht sehr viel schlimmerer Typen in den Arsch, wie Chruschtschow es war, und bettelt um Akzeptanz.

Ich kenne die Linien von KPD/ML (ZK sowie ZB), KPD/AO, KBW und wie sie alle hieߥn - ich glaube, niemand hat den Chruschtschow-Revisionismus so tiefgehend und richtig analysiert und kritisiert wie der KABD bzw. die MLPD! Und ich sehe nicht, wo wir Lafontaine und Co. in den Arsch kriechen - wir haben ihm angeboten, uns an einem Linksbndnis zu beteiligen - zu unseren Konditionen sozusagen. Dazu geh�� die geforderte Konsequenz in der HartzIV-Frage und die Aufgabe der antikommunistischen Hetze gegen die MLPD - das nenn ich prinzipienfeste Einheit - eine Einheit von Gegensen, die ohnehin nur taktischer und nicht strategischer Natur gewesen w, aber da unterscheidest du ja nicht.

Rotfront!

Mit sozialistischen Grüßen:

Dominik B.

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