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Jeder Kampf der Arbeiter gegen die Bourgeoisie ist Klassenkampf. Da muss nichts „zusammengefasst und weiterentwickelt“ werden. Auch wenn nur einzelne Arbeiter gegen die Bourgeoisie antreten, ist das Klassenkampf. Aber wenn die MLPD meint, nur Massenkämpfe können gewonnen werden, so hat sie auch hier nicht Recht. Es können sowohl Einzelkämpfe gewonnen werden als auch Massenkämpfe verloren werden.“

Das Programm der MLPD versus wissenschaftlicher Kommunismus

Von Werner Schmidt

Kommunisten-online vom 31. März 2011 – Bereits im Vorwort wird die „proletarische Denkweise“ erwähnt, der im Folgenden dann auch die „kleinbürgerliche Denkweise“ entgegengestellt wird. Nun weiß ich nicht, was ich mir darunter vorzustellen habe, zumal die MLPD darauf verzichtet, den Begriff näher zu erläutern. Habe ich mir darunter „Bewusstsein“ vorzustellen? Sicher nicht. Denn einige Zeilen weiter heißt es: „Mit einem umfassenden System der Selbstkontrolle hat die Partei vor allem aus der ausschlaggebenden Rolle der Denkweise in der Entwicklung des Parteiaufbaus, des  Klassenkampfes und des sozialistischen Aufbaus Schlussfolgerungen gezogen.“ [1]

Nähme man dies ernst, hieße das, dem Bewusstsein käme das Primat vor der Materie zu. Das kann aber bei einer marxistisch-leninistischen Partei nicht sein. Deshalb habe ich nur die Möglichkeit zu spekulieren. Und dann kommt der  nächste Satz: „Das neue Parteiprogramm legt allseitig dar, was die MLPD unter einer Arbeit auf der Grundlage der proletarischen Denkweise versteht und weist zugleich die Perspektive eines neuen Aufschwungs des Kampfs für den echten Sozialismus.“ [1]

Noch immer bin ich nicht schlauer, habe nun aber schon den „neuen“ Sozialismus am Halse. Niemand erklärt mir, worin der Unterschied zum „alten“ Sozialismus besteht, geschweige denn, was eigentlich „alter“ und „neuer“ Sozialismus überhaupt für Dinge sind.

Einen Absatz weiter heißt es: „Es ist ein Programm, das sich erstmals auf das wiedervereinigte Deutschland bezieht. Es stellt sich entsprechend die Aufgabe, die jahrzehntelange Wirkung der Spaltung der Arbeiterklasse in Deutschland zu überwinden als ein wichtiger Beitrag für die Vorbereitung einer internationalen sozialistischen Revolution.“ [1]

Nach dem Programm der MLPD ist also die Spaltung der Arbeiterklasse in Deutschland nicht auf das revisionistische Wirken der SPD zurück zu führen, sondern auf die Gründung der DDR. Nicht die SPD ist der Verräter, nein das war die SED. Glücklicherweise hat Kohl mit seiner CDU für eine Vereinigung der gespaltenen Arbeiterklasse gesorgt. Ja geht´s noch? Ist das ein Programm einer Arbeiterpartei oder ein Kohl-Verherrlichungspamphlet?

Kapitel A

5.

„Konzentration und Zentralisation des Kapitals führten nach 1871 zur Bildung von Industrie- und Bankmonopolen und zu deren Verschmelzung zum herrschenden Finanzkapital.“ [1]

Nun, nach allgemeiner Anschauung fand dieser Prozess mit dem Ende des I. Weltkrieges seinen Anfang. Aber gestehen wir der MLPD hier eine etwas eigene Sichtweise zu.

6.

„Das wesentlich auf Vorschlägen der Sowjetunion beruhende, zwischen den Siegermächten UdSSR, USA und Großbritannien ausgehandelte Potsdamer Abkommen sah die Entmachtung des deutschen Imperialismus bei Wahrung der Einheit der deutschen Nation vor.“ [1]

Nun, ein solcher Wortlaut findet sich nirgends im Potsdamer Abkommen. Zwar wurde die Entflechtung von Betrieben, die für die Wehrmacht arbeiteten, gefordert, aber nirgends steht auch nur ein Satz, dass die Bourgeoisie entmachtet werden sollte.

„Zunächst wurden die deutschen Imperialisten entmachtet und die Monopolherren gezwungen, sich aus der Leitung der Konzerne zurückzuziehen.“ [1]

Meint die MLPD die paar Hanseln, die in Nürnberg auf der Anklagebank saßen? Und was ist mit den anderen Monopolisten? Niemand hatte sie gezwungen zurück zu treten. Im Gegenteil, die Verurteilten wurden entlassen und in ihre alten Rechte wieder eingesetzt.

8.

„Im Gefolge der Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion nach dem XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 verwandelte sich auch die DDR in eine bürokratisch-kapitalistische Gesellschaft. Das Ziel der Wiedervereinigung wurde aufgegeben. Viele sozialistische Errungenschaften im Leben der Massen blieben zwar der Form nach erhalten.“

Auf diesen Anwurf hat Genosse Kurt Gossweiler geantwortet: Kurt Gossweiler „Zu den Positionen der MLPD“ [2] Dem steht aber auch gegenüber, dass Ulbricht noch in den 60-er Jahren Wiedervereinigungsangebote an die BRD machte. Nun noch eine Frage, was ist eigentlich eine „Errungenschaft … der Form nach … ?“ Waren die Mieten jetzt nur noch pro forma niedrig?

10.

„Der wachsende technologische und wirtschaftliche Rückfall gegenüber dem Westen geriet in der DDR in den achtziger Jahren in immer heftigeren Widerspruch zur Aufrechterhaltung der sozialen Errungenschaften.“ [1]

Welcher Errungenschaften? Der Errungenschaften der Form nach? Oder der wirklichen Errungenschaften? Hat nun Genosse Gossweiler Recht oder das Programm der MLPD?

„… entwickelte sich 1989 eine breite demokratische Volksbewegung.“ [1]

Ja, dahin gelangt man, wenn man nicht klar ist. Die Konterrevolution in der DDR wird von der MLPD gefeiert. Und damit ist klar, wo die MLPD steht, auf der Seite der Bourgeoisie. Damit niemand denkt, das sei ein Ausrutscher wird gleich hinzugefügt: „So konnte die nationale Frage in Deutschland auf friedliche Weise gelöst werden.“ [1]

Die Beseitigung des ersten sozialistischen deutschen Staates wird von der MLPD als „friedliche Lösung der nationalen Frage“ betrachtet. Diese „friedliche Lösung“ fand im Interesse der nationalen und internationalen Finanzoligarchie statt. Das aber stört die MLPD nicht im Geringsten. Die „Lösung der nationalen Frage“ ist wichtiger. Aber dann die Krokodilstränen unter 11.

11.

„Da die Wiedervereinigung nicht unter sozialistischem Vorzeichen stattfand, wurde es möglich, die DDR der wirtschaftlichen und politischen Macht des westdeutschen Monopolkapitals einzuverleiben.“ [1]

Hier fehlt eigentlich nur noch die blauäugige Frage der MLPD: „Ja dürfen die denn das?“ Wie hätte denn nach Meinung der MLPD die „Wiedervereinigung“, die „friedliche Lösung der nationalen Frage“ eigentlich sonst stattfinden sollen? Unter Führung der MLPD? Als sozialistische Revolution?

12.

„Das wiedervereinigte Deutschland bildet das wirtschaftlich stärkste und an Einwohnern größte Land der Europäischen Union. Befreit von einigen politischen Beschränkungen, die ihm die Alliierten nach dem II. Weltkrieg auferlegt hatten, strebt der neudeutsche Imperialismus im Bündnis mit anderen europäischen Großmächten heute wieder verstärkt nach Vorherrschaft in der Welt.“

Man könnte meinen, die MLPD hat die Zeit seit dem Ende des II. Weltkrieges bis heute verschlafen. Außerdem, was ist „neudeutsch“ schon wieder? Hat der jetzige Imperialismus mit dem früheren nichts mehr zu tun? Will die MLPD jetzt auch noch die Waschmaschine für die weiße Weste des „neudeutschen“ Imperialismus sein?

Die „politischen Beschränkungen“ fielen recht schnell. Der deutsche Imperialismus drängt nicht erst seit der Wiedervereinigung nach seiner Rolle in der Welt. Nur angesichts starker sozialistischer Kräfte konnten sie nicht, wie sie gerne wollten. Diese „Beschränkungen“ sind jetzt allerdings weg gefallen.

Tja, MLPD, in “ Kapitel A  Die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland“ ist nicht viel Marxismus-Leninismus, dafür umso mehr Wortschöpfungen, mit denen niemand etwas anzufangen weiß und die irreführen. Ist das gewollt? Dann hat das nichts mit ideologischer Klarheit zu tun. Mit Reinheit sowieso nicht.

Kapitel B  Die Allgemeine Krise der kapitalistischen Gesellschaft

1.

„Es mehren sich die Faktoren für eine neue historische Umbruchphase.“ [1]

Warum sagt niemand dazu, welche Faktoren das sind? Oder gibt es gar keine weiteren Faktoren als die bisherigen. Leider schweigt sich die MLPD dazu aus. So kann der geneigte Leser nur mutmaßen und sich das hineinlesen, was er gern in diesem Programm haben möchte.

2.

„Mit der Arbeiterklasse als Trägerin der fortgeschrittensten Produktionsweise hat der Kapitalismus die gesellschaftsverändernde Kraft zu seiner Überwindung hervorgebracht.“ Die Produktionsweise ergibt sich aus dem Entwicklungsstand der Produktivkräfte, deren wesentlichste der Mensch ist, und den Produktionsverhältnissen. Im Kapitalismus ergibt sich also die Produktionsweise als gesellschaftliche Produktion und privatkapitalistischer Aneignung ihres Ergebnisses. Diese privatkapitalistische Aneignung wiederum ergibt sich aus den privatkapitalistischen Eigentumsverhältnissen an Produktionsmitteln. Dieses privatkapitalistische Eigentum an Pm bestimmt seinerseits wieder die Verteilungsverhältnisse und die Konsumtionsverhältnisse. Inwiefern die Arbeiterklasse hier als Träger der Produktionsweise in Erscheinung tritt, erschließt sich mir nicht. Offensichtlich ist die MLPD bestrebt, den bisher gültigen Leitsatz, dass die Eigentumsverhältnisse die bestimmenden Elemente der Produktionsverhältnisse und damit der Produktionsweise sind, zu revidieren. Und so etwas nennt man eigentlich Revisionismus.

Bei MARX und ENGELS hört sich dies folgendermaßen an: „Aber die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden - die modernen Arbeiter, die Proletarier.“ [3] Und weiter heißt es bei ihnen: „In demselben Maße, worin sich die Bourgeoisie, d.h. das Kapital, entwickelt, in demselben Maße entwickelt sich das Proletariat, die Klasse der modernen Arbeiter, die nur so lange leben, als sie Arbeit finden, und die nur so lange Arbeit finden, als ihre Arbeit das Kapital vermehrt. Diese Arbeiter, die sich stückweis verkaufen müssen, sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel und daher gleichmäßig allen Wechselfällen der Konkurrenz, allen Schwankungen des Marktes ausgesetzt.“ [3]

Nichts von „Trägerin  der Produktionsweise“ sondern Abhängigkeit vom Kapital. Aber die MLPD kann noch einen draufsetzen: „Dieser (der Produktionsprozess) funktioniert längst nicht mehr ohne die Ausbeutung der Schöpferkraft und Initiative der Arbeiterklasse.“ [1]

Hat die MLPD schon wieder irgendetwas verschlafen? Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist eigentlich klar, dass mit dem Übergang von der Urgemeinschaft zur Sklaverei bzw. zum Feudalismus die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen der Wesenszug der auf Privateigentum an Produktionsmitteln basierenden Gesellschaftsordnungen ist. Der Kapitalismus gehört zweifellos dazu, wie ja auch die MLPD schon mehrfach festgestellt hat. Wieso ist sie dann der Meinung, die Ausbeutung der Arbeiterklasse sei neueren Datums? Anders lässt sich obiger Satz nicht verstehen.

„Im Prozess der Internationalisierung der kapitalistischen Produktionsweise … ist eine internationale Arbeiterklasse entstanden.“ Das ist ganz einfach eine Lüge. Die Arbeiterklasse war schon immer international, eher als der Kapitalismus. Bester Beleg ist der Bund der Kommunisten, der als europaweite (eigentlich weltweite, da ja auch die USA eine Sektion hatten) Organisation der Arbeiterklasse gegründet wurde und lediglich nationale Sektionen enthielt. Erst später, mit der ungleichmäßigen Entwicklung des Kapitalismus organisierte sich die Arbeiterklasse ebenfalls auf nationaler Ebene. Aber auch dann gab es vielfältige internationale Beziehungen der Arbeiterklasse der verschiedenen Länder. Bestes Beispiel dafür ist der Kampf der internationalen Arbeiterbewegung für die Pariser Kommune.

5.

„Die Internationalisierung der kapitalistischen Produktionsweise internationalisiert auch die Krisen. … Das hat die Staatsfinanzen in eine Krise gestürzt und zieht den schrittweisen Abbau des staatlichen Sozialwesens nach sich.“ Ja dahin kommt man, wenn man sich in der Einschätzung der internationalen Lage vertut. Wer die Existenz des sozialistischen Lagers beharrlich leugnet, muss zu Kunstkonstruktionen greifen, um seine Einschätzung zu erläutern.

Die MLPD tut gerade so, als wären erst in den letzten Jahren Staatsschulden gemacht worden. Es ist aber mittlerweile bekannt, dass die Schuldenmacherei schon begann, als vom „Abbau der Sozialsysteme“ überhaupt keine Rede sein konnte. Da war nämlich die Vorbildwirkung des Sozialismus, der trotz aller Verräterei der Chruschtschow-Clique immer noch über genügend Ausstrahlungskraft verfügte. Die Sozialsysteme wurden erst massiv abgebaut, als die Bourgeoisie mithilfe ihrer Fünften Kolonne den Sozialismus in Europa erfolgreich beseitigt hatte.

Zur Internationalisierung der Krisen noch ein Wort. Bereits die Krise 1929/30 war international. Damals gab es erst wenige internationale Monopole. Aber die Verflechtung war bereits so weit fortgeschritten, dass kein Land dieser Krise entgehen konnte.

Auch in Kapitel B nur Kaffeesatzleserei. Auf die Analyse wartet der, inzwischen etwas genervte, Leser weiter.

Kapitel C  Die Arbeiterbewegung in Deutschland

3.

„Als Folge der zwölfjährigen faschistischen Hitlerdiktatur und der Zerschlagung der deutschen Arbeiterbewegung war in den ersten Nachkriegsjahren das Klassenbewusstsein schwach entwickelt. Die Teilung Deutschlands spaltete auch die Arbeiterbewegung. Der Kampf für die Einheit Deutschlands, gegen den Wiederaufstieg des deutschen Imperialismus und gegen die Remilitarisierung war bis zur Wiedervereinigung die letzte gemeinsame Aktion der Arbeiterklasse in Ost und West.“ [1]

Auch hier wird von der MLPD falsch analysiert. Wenn das Klassenbewusstsein dermaßen darnieder lag, warum musste dann damals sogar die CDU den Sozialismus ins Parteiprogramm schreiben? Außerdem war die Sache genau anders herum. Nicht die Teilung Deutschlands war die Ursache für die Spaltung der Arbeiterklasse. Der Verrat der West-SPD unter Kurt Schumacher war die Voraussetzung für die Spaltung der Arbeiterklasse und der nachfolgenden Spaltung Deutschlands. Die deutschen Faschisten konnten zwar unter der deutschen Arbeiterklasse ein Blutbad anrichten, aber das Klassenbewusstsein der Arbeiterklasse nicht beseitigen. Die MLPD widerspricht sich im nachfolgenden Satz gleich selbst, denn der Kampf um die Einheit, gegen Wiederbewaffnung dauerte bis in die sechziger Jahre. Davon bekam die MLPD aber anscheinend nichts mit.

4.

„Begünstigt durch die  Abhängigkeit von der SED, entartete auch die KPD zu einer revisionistischen Partei, was zusätzlich durch das 1956 verhängte Verbot der Partei begünstigt wurde.“ [1]

Die KPD der BRD war nie von der SED „abhängig“. Wer dies behauptet, lügt. Dass KPD und SED zusammenarbeiteten war wohl normal unter Genossen. Wenn die MLPD lieber gegen andere kommunistische Parteien schießt, ist das ihr Problem. Was ein Verbot mit zunehmendem Revisionismus zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht. Offensichtlich hat auch hier die MLPD eine andere Sichtweise. Auch nach ihrem Verbot trat die KPD mit verschiedenen Initiativen aus der Illegalität auf, die nicht revisionistisch waren. In dem Zusammenhang verweise ich erneut auf den Brief des Genossen Gossweiler. [2]

„Die Neugründung einer marxistisch-leninistischen Partei 1982 war eine notwendige Voraussetzung für einen neuen Aufschwung des Kampfs um den Sozialismus.“ [1]

War das wirklich notwendig? Wäre es  nicht besser gewesen, für die Wiederzulassung der alten, kampferprobten KPD zu kämpfen? In der Folge gründeten sich etliche „neue“ kommunistische Parteien, die nur zu einem führten, zur weiteren Zersplitterung der kommunistischen Bewegung. Welchen Einfluss hat eigentlich die MLPD? Wenn ich alles so richtig beobachte, wenig bis keinen. Das Klassenbewusstsein der Arbeiterklasse ist trotz Existenz der MLPD und anderer kommunistischer Splitterparteien weiter am Boden.

5.

„Der modere Revisionismus tarnt sich marxistisch, verleugnet und verfälscht aber in Wahrheit die Grundprinzipien des wissenschaftlichen Sozialismus. Er ist eine Form der bürgerlichen Ideologie in der Arbeiterbewegung.“ [1]

Richtig. Der Revisionismus verfälscht aber auch die geschichtliche Wahrheit, genau, wie die MLPD dies tut. Niemand ist gegen Revisionismus gefeit, weil Fehleinschätzungen immer passieren können. Aber man kann immer Fehleinschätzungen berichtigen. In der Beziehung ist die MLPD allerdings ziemlich beratungsresistent. Daher, liebe Genossen, müsst Ihr Euch leider den Vorwurf des Revisionismus gefallen lassen.

„Mit seinem Zusammenbruch in der Sowjetunion, in Osteuropa und in der DDR ist der moderne Revisionismus in eine offene Krise geraten.“ [1]

Der Wunsch als Vater des Gedankens? Ziel des Revisionismus ist die Beseitigung des sozialistischen Systems gewesen. Dieses Ziel hat er vollinhaltlich erreicht. Inwiefern, meine liebe MLPD, ist dies eine Krise der Revisionismus? Im Gegenteil, mit der Beseitigung des Sozialismus als System konnte er die Idee des Sozialismus langfristig diskreditieren. Da ist weit und breit nichts von einer Krise zu sehen. Er feiert frohe Auferstehung.

7.

„Der Reformismus gelangte auf Grundlage einer lang anhaltenden Reformpolitik von oben und der Herausbildung kleinbürgerlicher Lebensverhältnisse unter einer Masse von Arbeitern in Westdeutschland zu einer einzigartigen Blüte. Statt Klassenkampf zum Sturz der kapitalistischen Herrschaft betreibt er Klassenversöhnung zur Rettung des Kapitalismus und lähmt so den Kampfwillen der Arbeiterklasse.“ [1]

Die „Reformpolitik von oben“ war den sozialpolitischen Maßnahmen in den sozialistischen Ländern geschuldet. Wollten die Kapitalisten ihr System als das bessere darstellen, mussten sie etwas tun, und sie taten es. Natürlich versucht der Revisionismus ein bürgerliches Bewusstsein in die Arbeiterklasse hineinzutragen, schließlich ist er eine bürgerliche Ideologie. Warum sollte die Bourgeoisie dafür sorgen, dass die Arbeiterklasse gegen sie kämpft?

Aber auch hier geht die MLPD nicht historisch heran und nicht wissenschaftlich. Die SPD hatte sich schon seit den zwanziger Jahren als Arzt am Krankenbett des Kapitalismus eingerichtet. Diese Rolle spielte sie nach der Verhinderung der Einheit der Arbeiterklasse im Westen Deutschlands natürlich weiterhin. Hinzu kam das Verbot der KPD (durch die SPD mitgetragen) und damit die politische Enthauptung der deutschen Arbeiterklasse in der BRD. Aber davon will ja die MLPD nichts wissen, sie stempelt die KPD einfach als „reformistisch“ ab und ist fertig mit ihr. Wie gesagt, wissenschaftliches Herangehen sieht anders aus.

„Die Verarbeitung der auf Verschlechterung ausgerichteten Klassenzusammenarbeitspolitik bereitet den Weg für die Entwicklung des proletarischen Klassenbewusstseins.“ [1]

Ja, wenn das nur so einfach wäre. Seit zwanzig Jahren verschlechtert sich das Leben der proletarischen Mehrheit in Deutschland. Nach wie vor ist die CDU stärkste Partei in Deutschland. Wo ist die MLPD? Was hat die MLPD getan, um das Klassenbewusstsein zu wecken? Genau so viel wie alle anderen Splitterparteien: nichts. Ansonsten müsste ihr Wahlergebnis anders aussehen.

9.

„Das Klassenbewusstsein erwachte, …“ [1]

Wo denn??? In der MLPD? Auch da sah ich nichts erwachen!

10.

„Deren (der kleinbürgerlichen Denkweise) bewusste Verdrängung durch die proletarische Denkweise bedeutet in der Praxis den Übergang zur Arbeiteroffensive und ist eine grundlegende Voraussetzung für das Heranreifen der sozialistischen Revolution.“ [1]

Nun hat mir immer noch niemand erklärt, was eigentlich eine „kleinbürgerliche Denkweise“ und eine „proletarische Denkweise“ ist. Meint die MLPD damit etwa das Klassenbewusstsein? Wenn ja, warum sagt sie es dann nicht? Warum muss um den Brei unbedingt herum geredet werden? Um die Leute zu verunsichern? Manchmal kommt es mir so vor.

Dann gibt es auch noch zwei verschieden „kleinbürgerliche Denkweisen“, nämlich die revisionistische und die reformistische. Komplizierter kann man´s kaum noch machen.

12.

„Die revolutionäre Partei muss sich auf der Grundlage der proletarischen Denkweise zu einer wirklichen Partei der Massen entwickeln, die allseitige Wechselbeziehungen mit den verschiedenen Selbstorganisationen der Massen auf den unterschiedlichsten Gebieten hat.“ [1]

Die „Denkweise“ verlässt uns nicht. In mir verfestigt sich immer mehr der Eindruck, dass die MLPD damit den Begriff „Ideologie“ meint, sich aber scheut, ihn auszusprechen.

Was meint die MLPD nun wieder mit dem Begriff „Selbstorganisationen“? Sind damit etwa die Gewerkschaften angesprochen? Oder ist es der Skatklub? Tut mir leid, Genossen, ich kann mit dem Kauderwelsch nichts anfangen. Aber etwas möchte ich doch wissen, versteht sich die MLPD als Massenpartei? Wenn ja, warum, wenn nein, warum nicht.

Auch im Kapitel C viel Herumgerede, weinig Analyse, noch weniger Synthese und schon gar keine Anleitung zum Kampf.

Kapitel D  Der Sozialismus als gesellschaftliches Ziel

5.

„… und die privaten Einzelfamilien von den gesellschaftlichen Aufgaben wie Kindererziehung und Hauhaltführung entlastet werden.“ [1]

Gut gebrüllt, Löwe, aber was soll der Gag? Will die MLPD alle Kinder in Heime pferchen und die Menschen über Großküchen und Wohnsilos mit Essen und Wohnraum versorgen? Natürlich ist Kindererziehung nicht nur eine familiäre Angelegenheit. Aber zuallererst erziehe ich meine Kinder selbst, gemeinsam mit meiner Frau. Und dann führe ich meinen Haushalt selbst, gemeinsam mit meiner Frau und meinen Kindern. Da soll mir die MLPD mal hinein pfuschen, dann gibt´s aber Stunk!

6.

„… einen neuartigen Verwaltungsapparat mit einer entsprechenden Bürokratie zu schaffen.“ [1]

Wenn jemand für Wortwahl verurteilt werden müsste, wäre es die MLPD. Andere schaffen ab, zumindest den Worten nach, die MLPD will neue Bürokratie schaffen. Die Bürokraten wird´s freuen, mich weniger.

„Der Klassenkampf der Arbeiterklasse muss sich auf die Kontrolle der Denkweise der Verantwortlichen in der Leitung der Wirtschaft, des Staates und der Partei beziehen.“ [1]

Das ist zu deutsch Käse. Klassenkampf ist Kampf zwischen verfeindeten Klassen, hier zwischen Arbeiterklasse auf der einen und der Bourgeoisie auf der anderen Seite. Dass die Bourgeoisie auch ideologisch Einfluss nehmen wird, ist normal und durch den Untergang der bestehenden sozialistischen Staaten nach 1989 nachgewiesen. Dass es auch darauf ankommt, die Funktionäre in Partei, Staat und Wirtschaft ideologisch zu schulen, ist unbestritten. Aber der Klassenkampf wird gegen die Bourgeoisie (Die Reste der eigenen im Innern und die Bourgeoisie im Ausland) geführt, nicht gegen die eigenen Funktionäre.

Es sei denn man ist in der MLPD und macht alles kaputt, was andere aufbauten.

7.

„Auch im Kommunismus, nach dem Sieg der Weltrevolution, bleibt die Diktatur des Proletariats vorerst bestehen. Ihre Hauptaufgabe besteht in der allmählichen Aufhebung der Klassen überhaupt. Noch lange wirkt die Tradition der bürgerlichen Ideologie nach. Erst wenn die bürgerliche Ideologie endgültig besiegt ist, sterben Klassen und Staat ab und die klassenlose Gesellschaft beginnt.“ [1]

Im „Manifest der Kommunistischen Partei“ heißt es dazu: „Sind im Laufe der Entwicklung die Klassenunterschiede verschwunden und ist alle Produktion in den Händen der assoziierten Individuen konzentriert, so verliert die öffentliche Gewalt den politischen Charakter. Die politische Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung einer andern. Wenn das Proletariat im Kampfe gegen die Bourgeoisie sich notwendig zur Klasse vereint, durch eine Revolution sich zur herrschenden Klasse macht und als herrschende Klasse gewaltsam die alten Produktionsverhältnisse aufhebt, so hebt es mit diesen Produktionsverhältnissen die Existenzbedingungen des Klassengegensatzes, die Klassen überhaupt, und damit seine eigene Herrschaft als Klasse auf. An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die freie Entwicklung aller ist.“ [4]

Daraus folgt, dass bereits mit der sozialistischen Revolution der Staat beginnt abzusterben, obwohl seine Rolle zur Sicherung der Macht der Arbeiterklasse wächst. Dieses dialektische Verhältnis will verstanden sein. Der sozialistische Staat unterdrückt nicht mehr die Mehrheit im Interesse einer Minderheit, sondern die Minderheit (Bourgeoisie) im Interesse der Mehrheit (werktätige Klassen und Schichten).

Aus diesem Grunde beginnen Klassen und Schichten und auch der Staat bereits nach der sozialistischen Revolution abzusterben. Es ist keineswegs so, dass dazu erst die bürgerliche Ideologie vollständig besiegt werden muss. Bei allem Absterben bleiben die Funktionen des Staates erhalten, die notwendig sind. Solange irgendwo auf der Erde noch eine Bourgeoisie existiert werden Unterdrückungsfunktionen des Staates erhalten bleiben, auch wenn andere bereits abgestorben sind. Des Weiteren werden keine Klassen „aufgehoben“. Das würde bedeuten, dass sie erstens beseitigt werden, aber zweitens ihre positiven Seiten in die neue Gesellschaft transferiert werden. Welche positiven Seiten einer Klasse haben aber etwas in der klassenlosen Gesellschaft verloren? Also werden sie nicht aufgehoben, sie sterben mit dem Staat ab.

Auch in Kapitel D beweist die MLPD fundamentales Nichtwissen im Marxismus-Leninismus. Langsam sollte sie das „ML“ aus dem Parteinamen streichen und nur noch als „PD“ fungieren.

Kapitel E  Die Lehren aus der Restauration des Kapitalismus in den ehemals sozialistischen Ländern

1.

Auf dem XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 ergriff eine neue Bourgeoisie die politische Macht in der Sowjetunion. Sie propagierte offen den modernen Revisionismus und restaurierte schrittweise den Kapitalismus.“ [1]

Dazu verweise ich wiederum auf den Brief des Genossen Gossweiler [2]. Hier nur so viel: Wo soll die Bourgeoisie so schnell hergekommen sein? Außerdem wurde nicht offen der Revisionismus propagiert. Im Gegenteil, Chruschtschow versuchte immer, den Eindruck eines Marxisten-Leninisten zu erzeugen. Nur so konnte er als trojanisches Pferd wirken.

„Der sowjetische Sozialimperialismus dagegen wurde neben den der USA zu einer Brutstätte der weltweiten Reaktion, Ausbeutung und imperialistischen Kriegsvorbereitung.“ [1] Auch dazu verweise ich auf Genossen Gossweiler. [2]

4.

„Die revisionistische SED stellte sich als marxistisch-leninistische Partei der Arbeiterklasse dar und drängte den Volksmassen eine pseudo-marxistisch-leninistische Ideologie auf, verbunden mit einigen sozialen Verbesserungen.“ [1]

Gerade in der Darstellung der SED und auch der KPC hätte ich mir etwas mehr Tiefgang gewünscht. Grundsätzlich ist die Einschätzung der MLPD richtig, aber eben nur grundsätzlich. Die Entwicklung verläuft aber vielschichtig. Gerade die SED und auch die KPC haben sich am längsten dem Revisionismus entgegen gestemmt. Erich Honecker und Egon Krenz standen der Perestroika und der Glasnost des Verräters Gorbatschow sehr distanziert gegenüber, konnten aber aufgrund der ökonomischen Abhängigkeit keine großen Alleingänge wagen. „Einige soziale Verbesserungen“, da stapelt die MLPD aber ziemlich tief. Überprüft mal, welche Kampferfolge der Arbeiterklasse seit der Wende in der BRD beseitigt wurden. Die waren alle dem real existierenden Sozialismus geschuldet, so sehr man ihn auch kritisieren muss.

5.

„Der wirtschaftliche und politische Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion …“ [1] Seit wann bedient sich eine marxistisch-leninistische Partei des Vokabulars des Klassenfeindes?

„Gorbatschows Politik der „Perestroika“ zielte darauf ab, den wirtschaftlichen Nachtrab durch eine schrittweise Annäherung und Durchdringung der beiden kapitalistischen Systeme zu überwinden.“ [1]

Wie jetzt, gibt es verschiedene kapitalistische Systeme? Eine neue Erfindung der MLPD? Gorbatschow hat keineswegs angenähert und durchdrungen, er hat den 1956 von Chruschtschow eingeleiteten Vorgang der Beseitigung des Sozialismus zu Ende geführt und tatsächlich die Macht der Arbeiterklasse an die Bourgeoisie zurückgegeben. Das war sein „Verdienst“ und deswegen wird er auch von der Bourgeoisie hofiert.

8.

„Die Führung der SED war weder willens noch in der Lage, aus dieser  berechtigten Massenkritik (17. Juni 1953) wirkliche Lehren zu ziehen. … Die hoffnungsvollen Ansätze des sozialistischen Aufbaus wurden so erstickt.“ [1]

Ob die SED nicht in der Lage war, wage ich zu bezweifeln. Dass sie nicht willens war, steht fest. Ulbrichts berühmter Ausspruch: „Keine Fehlerdiskussion.“ ist belegt. In meinen Augen ein Riesenfehler, den sich ZK und Politbüro damals leisteten. Aber: Der Aufstand war von westberliner und bundesdeutscher Seite mit geschürt worden. Daran kommt niemand vorbei, auch, wenn die Journaille der Bourgeoisie in dieser Sache Sperrfeuer schießt. Darauf aber geht die MLPD mit keinem Wort ein, wider besseren Wissens. Und so etwas nennt der Volksmund Lüge.

10.

„Mao Tsetung entwickelte 1966 die Idee der Großen Proletarischen Kulturrevolution als der höchsten Form des Klassenkampfs im Sozialismus.“ [1]

Und damit entwickelte er die chinesische Lösung der Revision des sozialistischen Systems. Wenn die MLPD meint, dass das Zitieren aus der Mao-Bibel die höchste Form des Klassenkampfes im Sozialismus sei, so ist das ihre Sache. Sie sollte sich dann aber nicht als marxistisch-leninistisch sondern als maoistisch bezeichnen.

Mit der Großen Proletarischen Kulturrevolution wurde China seiner Intelligenz beraubt und um Jahre in der Entwicklung zurück geworfen. Dies als großen proletarischen Erfolg zu werten, ist in meinen Augen nur zynisch.

11.

„Der Sozialismus kann nur siegen, wenn die proletarische, sozialistische Denkweise vorherrscht.“ [1]

Wenn die MLPD damit meint, dass die sozialistische Revolution nur erfolgreich sein kann, wenn die Ideologie der Arbeiterklasse in eben dieser Klasse verankert ist, dann hat sie recht. Warum aber, um alles in der Welt, sagt sie es dann nicht?

In Kapitel D setzt die MLPD ihre diffuse Darstellungsweise fort. Ein klare Analyse einer Arbeiterpartei sieht anders aus.

Kapitel F  Der Weg der Befreiung der Arbeiterklasse in Deutschland

3.

„Der Kern der revolutionären Taktik besteht darin, den wirtschaftlichen mit dem politischen Kampf zu verbinden bzw. den wirtschaftlichen in den politischen Kampf umzuwandeln und den Klassenkampf auf das politische Ziel hin auszurichten. Dazu muss die Arbeiterklasse den Weg der Arbeiteroffensive gehen.“ [1]

Was ist nun wieder eine Arbeiteroffensive? Es ist schon ein Kreuz! Aber so viel ist immerhin klar. Die Partei muss die Ideologie des M/L in die Arbeiterklasse tragen, die aus sich heraus nur zu einem trade-unionistischen Kampf, oder (wie die MLPD schreibt) wirtschaftlichen Kampf fähig ist. Allerdings ist auch dies nicht neu. Schon 1848 bemerkten Karl MARX und Friedrich ENGELS: „  Die Kommunisten unterscheiden sich von den übrigen proletarischen Parteien nur dadurch, daß sie einerseits in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen, andrerseits dadurch, daß sie in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie durchläuft, stets das Interesse der Gesamtbewegung vertreten.

Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.

Der nächste Zweck der Kommunisten ist derselbe wie aller übrigen proletarischen Parteien: Bildung des Proletariats zur Klasse, Sturz der Bourgeoisieherrschaft, Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat.“ [5] Und weiter unten heißt es: „Sie unterläßt aber keinen Augenblick, bei den Arbeitern ein möglichst klares Bewußtsein über den feindlichen Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat herauszuarbeiten, damit die deutschen Arbeiter sogleich die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen, welche die Bourgeoisie mit ihrer Herrschaft herbeiführen muß, als ebenso viele Waffen gegen die Bourgeoisie kehren können, damit, nach dem Sturz der reaktionären Klassen in Deutschland, sofort der Kampf gegen die Bourgeoisie selbst beginnt.“ [6]

Diese Worte von MARX und ENGELS unterscheiden sich in aller Deutlichkeit vom Wischiwaschi im Programm der MLPD. Wer um alles in der Welt verbot es aber der MLPD, diese Zitate aus dem Manifest in das Programm zu übernehmen? Niemand anders als die Leitung der MLPD, denn die hat das Programm ausgearbeitet.

5.

„Insbesondere muss die Partei die Massen systematisch begleiten, damit sie in jeder wirtschaftlichen und politischen Situation, bei jeder konkreten Wendung des Klassenkampfs und in allen Lebensfragen mit den verschiedenen Formen der kleinbürgerlichen Denkweise fertig werden. Nur so kann die MLPD die Gefahr des ultralinken Sektierertums oder des Opportunismus in ihrer Kleinarbeit bannen.“ [1]

Und was machen wir mit der großbürgerlichen Denkweise? Lassen wir die außen vor? Interessiert das eine kommunistische Partei nicht? Wer hat heute eigentlich die Macht in den Händen, das Kleinbürgertum oder die Finanzoligarchie? Kein Wort dazu von der MLPD. Aber die „Denkweise“, vor allem die „kleinbürgerliche“. Die MLPD scheint vor dem Kleinbürgertum einen wahren Horror zu haben.

Es ist ja auch nicht einfach. Die unteren bourgeoisen Schichten werden zunehmend ins Proletariat gestürzt. Demzufolge erlebt das Proletariat einen Zustrom kleinbürgerlicher Ideologie, mit dem es fertig werden muss. Aber ein wohl geschultes Proletariat, das Millionen Menschen umfasst, sollte dies wohl verkraften. Natürlich muss auf Gefahren durch diesen Zustrom aufmerksam gemacht werden. Aber der Kampf gegen die Machthaber, die Finanzoligarchie ist doch wichtiger, als diese Kleinbürger ständig zu triezen.

9.

„Die MLPD verpflichtet sich im Sinne des proletarischen Internationalismus, den Befreiungskampf des Proletariats und der unterdrückten Völker anderer Länder gegen den Imperialismus moralisch, politisch und materiell zu unterstützen.“ [1]

Ach ja? Das hatte ich bei einer kommunistischen Partei eigentlich vorausgesetzt. Allerdings nicht nur, dass sie sich unterstützend verhält, sondern dass sie diesen Kampf ANFÜHRT UND AKTIVE Unterstützung gibt. Aber auch hier kann die MLPD offensichtlich nicht über ihren Schatten springen.

Im Kapitel F auch nichts Neues.

Kapitel G  Die Gewinnung der breiten Massen für den Kampf um den Sozialismus

2.

„Die kleinbürgerlichen Schichten gründen ihre Existenz auf die kapitalistischen Produktionsverhältnisse und stellen deshalb die hauptsächliche Massenbasis für die Diktatur der Monopole dar.“ [1]

Worauf wohl sollten die kleinbürgerliche Schichten (Handwerker und Gewerbetreibende) ihre Existenz wohl sonst gründen? Sie sind die Überbleibsel (zusammen mit einem Großteil der kleinen und mittleren Unternehmen) des Kapitalismus der freien Konkurrenz. Ihr Denken ist rückwärts gerichtet. Sie möchten nichts lieber, als den Kapitalismus der freien Konkurrenz zurück, um dann durch Konzentration und Zentralisation des Kapitals selbst Monopolisten zu werden. Denn dieser Weg wird ihnen durch die jetzt bestehenden Monopolverbände verwehrt. Aus diesem Grunde bilden sie auch keine Massenbasis für die Monopole. Was sollten die auch mit so einer „Basis“ anfangen?

Viele dieser „Mittelschicht“ werden durch die Monopole expropriiert und in das Proletariat hinabgestoßen. Einige von ihnen steigen selbst in die Schicht der Großbourgeoisie auf.

3.

„Die kleinbürgerliche Intelligenz ist zur dominierenden kleinbürgerlichen Schicht aufgestiegen.“ [1]

Wie das? Die Intelligenz ist in der Regel lohnabhängig und hat selbst keine Produktionsmitte in ihrem Eigentum. Das hat nichts damit zu tun, dass viele Kinder von Handwerkern und Gewerbetreibenden Intellektuelle werden, weil erstens die Eltern wollen, dass es „ihren Kindern mal besser geht“ als ihnen selbst, und zweitens, weil die Eltern die Bildung finanzieren können. Dadurch ist die Intelligenz durchsetzt mit kleinbürgerlicher Weltanschauung,. Aber selbst nicht mehr kleinbürgerlich. Es ist nicht wichtig, was sie zu sein scheint, es ist wichtig, was sie ist.

4.

Die Arbeiterklasse muss es verstehen, mit dem Anwachsen des Klassenkampfs und der Entwicklung der MLPD zur revolutionären Partei der Massen den führenden Einfluss der proletarischen Denkweise unter den Zwischenschichten durchzusetzen.“ [1]

Aha, also nicht die MLPD führt die Arbeiterklasse, sondern die Arbeiterklasse führt die „MLPD“ als „revolutionäre Partei der Massen“. Die MLPD versteht sich auch nicht mehr als Avantgarde des Proletariats sondern ist den „Massen“ verpflichtet.

So begann die revisionistische Zersetzung der KPdSU unter Chruschtschow. Sie war nicht mehr die Partei der Arbeiterklasse sondern die Partei „des Volkes“. Der sowjetische Staat war keine Diktatur des Proletariats mehr, sondern der „Staat des Volkes“. Und schon feiern Revisionismus und Opportunismus fröhliche Urständ. Dazu brauchen wir aber keine MLPD, das haben wir schon hinter uns.

5.

„Die zukünftigen Interessen der kleinbürgerlichen Zwischenschichten liegen beim Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft, den sie mit allen ihren Kräften und Fähigkeiten unterstützen müssen. Das Wesen der Bündnisvorbereitung ist eine systematisch Umerziehung zu einer proletarischen Denkweise auf der Basis einer tief empfundenen Freiwilligkeit.“ [1]

Ist das nicht ein bisschen viel verlangt? Ist es tatsächlich Sache einer Arbeiterpartei, Handwerker und Gewerbetreibende zu proletarisieren, also das zu tun, was wir der Bourgeoise vorwerfen? Wäre es nicht angebrachter, ihnen die Vorteile in einem sozialistischen Gemeinwesen für ihre Arbeit aufzuzeigen?

Kapitel H  Kampfprogramm und Prinzipien der Kleinarbeit der MLPD

1.

„Das strategische  Ziel der Etappe ohne  akut revolutionäre Situation  ist  die  Gewinnung der entscheidenden Mehrheit der Arbeiterklasse für den Kampf um den Sozialismus. Der Klassenkampf findet in dieser Situation in  erster Linie auf ideologischem Gebiet statt. In der  Arbeiterbewegung spiegelt er sich  als Kamp zwischen der proletarischen und  der kleinbürgerlichen Denkweise wider.

Die MLPD muss es verstehen, die Überlegenheit der proletarischen Denkweise im Kampf gegen die kleinbürgerliche Denkweise zu organisieren. Das gilt für den marxistisch-leninistischen Parteiaufbau ebenso wie für den Kampf um die Denkweise der Massen und die Vorbereitung der internationalen Revolution.“ [1]

Je nun, ohne akut revolutionäre Situation  den Kampf um die Vorbereitung der Revolution zu führen, ist schon etwas verwegen, zumal, wenn es um die internationale Revolution geht. Warum, um alles  in der Welt, will sich die MLPD nicht mit der Gewinnung der Arbeiterklasse begnügen, wenn sie sich in dieser Zeit für die Durchsetzung ihrer legitimen ökonomischen Interessen einsetzt? Ist das etwa zu wenig verlangt von den Berufsrevolutionären der MLPD?

„Die MLPD muss die Überlegenheit … organisieren …“ Das klingt gerade so, als sei die Überlegenheit der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse etwas, dass man „organisieren“ könne.

2.

„Sie (die Mitglieder der MLPD) streben eine enge Bindung  der revolutionären Partei der Arbeiterklasse an, ohne allerdings deren Überparteilichkeit zu verletzen.“ [1]

Gewerkschaften sind also „“überparteilich“? Hat das die MLPD  direkt von der CDU übernommen oder ist ihr das selbst eingefallen?

Gewerkschaften haben die Interessen der Arbeiterklasse zu vertreten, sie sind mitnichten „überparteilich“. Sie  haben  die Partei der Arbeiter zu ergreifen und für ihre Interessen zu kämpfen. Wenn sie dies  nicht tun, wie die Gewerkschaften dieser Republik zur Zeit, dann sind sie wahrlich überparteilich  und  haben mit der Arbeiterklasse nichts mehr zu tun.

„Neben gewerkschaftlichen Streiks unterstützen die Marxisten-Leninisten gegebenenfalls das Durchbrechen des gewerkschaftlichen Rahmens und die Durchführung von selbständigen Streiks.“ [1]

Erstens, wem will die MLPD jetzt drohen,, mit dem „gegebenenfalls“? Zweitens, was sind „selbständige“ Streiks? Da fällt mir nun leider nichts  dazu ein. Deshalb hätte ich gerne mal bei der MLPD nachgefragt.

Die „Marxisten-Leninisten“ unterstützen also „selbständige“ Streiks? Mir fällt dazu nur ein, dass die Marxisten-Leninisten, also die Kommunisten den Kopf hinhalten sollen, wenn  einem Schwachkopf einfällt, aus irgendeinem Grund einen Streik auszurufen. Leider ist die MMLPD nicht geneigt, denn verstörten Leser ihres Programms über  diesen Sachverhalt aufzuklären.

Im Weiteren erklärt die MLPD, dass sie „für eine starke Einheitsgewerkschaft“ ist. Für  eine überparteiliche? Sie betonnt dann nochmals: „Für die Überparteilichkeit der Gewerkschaften, für demokratische, selbst organisierte Strukturen!“

Damit stellt sich die MLPD neben alle Leitsätze des Marxismus-Leninismus. Die m/l Partei hat sich an die  Spitze der Gewerkschaftsarbeit  zu stellen. „Überparteiliche“ Gewerkschaften sind  das größte Gräuel, das einer wahrlichen Avantgardepartei des Proletariats passieren kann. Die MLPD aber stellt sich hin und fordert  lauthals die Überparteilichkeit der ökonomischen Kampforganisation der Arbeiterklasse. Aber stets betonen, dass  man marxistisch-leninistisch ist.

3.

„Die Marxisten-Leninisten treten  für ein enges Vertrauensverhältnis der überparteilichen Selbstorganisationen der Frauen  mit der MMLPD ein.“ [1]

Die „Marxisten-Leninisten“ der MLPD treten dafür ein. Allen  anderen Marxisten-Leninisten sträuben  sich derweil die Haare ob solchen Blödsinns in einem Programm einer Partei, die eine Avantgardepartei zu sein beansprucht.

Wenn die MLPD meint, dass die Organisationen der Frauen und der Jugend deren Interessen in der Gesellschaft zur Sprache bringen und durchsetzen sollen, würde sich der ganze Popanz in Wohlgefallen auflösen. Aber nein, damit wäre ja die besondere Rolle der MLPD nicht gehörig gewürdigt. Also wird Schmalz hinzugefügt. So viel Schmalz, dass das eigentliche Anliegen darunter verschwindet. Und so leid es mir tut, dies sagen zu müssen, unter diesem Schmalz leidet auch die praktische Arbeit der MLPD. Zumindest in meinem Umkreis, hat es die MLPD fertig gebracht, jedes Anliegen an sich zu reißen und tot zu kurieren.

5.

„Der Kampf um  Tagesforderungen und Teillösungen muss auf offensive Art geführt werden, um ihn höherentwickeln zu können.“ [1]

Wie will die MLPD einen Kampf denn sonst führen, um ihn zu gewinnen? Auf defensive Art? Und wohin möchte die MLPD den „Kampf um Tagesforderungen und Teillösungen“ denn hin wickeln?

“Der ökonomische muss mit dem politischen Kampf verbunden bzw. in den politischen Kampf übergeleitet werden.“ [1]

Aha, aus dem ökonomischen Kampf muss also ein politischer Kampf werden. Aus der Führung des Proletariats durch die Gewerkschaften muss also eine Führung des Proletariats durch die Partei der Arbeiterklasse werden. Nur, so frage ich mich, warum sagt uns das die MLPD nicht klipp und klar? Weil sie es nicht weiß? Das halte ich für ein Gerücht. Denn schon im Manifest steht das alles drin.

„Die Kommunisten unterscheiden sich von den übrigen proletarischen Parteien nur dadurch, daß sie einerseits {35} in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen, andrerseits dadurch, daß sie in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie durchläuft, stets das Interesse der Gesamtbewegung vertreten.

Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.

Der nächste Zweck der Kommunisten ist derselbe wie der aller übrigen proletarischen Parteien: Bildung des Proletariats zur Klasse, Sturz der Bourgeoisherrschaft, Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat. Die theoretischen Sätze der Kommunisten beruhen keineswegs auf Ideen, auf Prinzipien, die von diesem oder jenem Weltverbesserer erfunden oder entdeckt sind.“ [7]

„Damit der Kampf der Arbeiter zum Klassekampf werden kann, müssen die Einzelkämpfe zu Massenkämpfen zusammengefasst und weiterentwickelt werden.“ [1]

Die MLPD „wickelt“ halt gern. Insgesamt ist dieser Satz aber ein einiger Schmarrn. Jeder Kampf der Arbeiter gegen die Bourgeoisie ist Klassenkampf. Da muss nichts „zusammengefasst und weiterentwickelt“ werden. Auch wenn nur einzelne Arbeiter gegen die Bourgeoisie antreten, ist das Klassenkampf. Aber wenn die MLPD meint, nur Massenkämpfe können gewonnen werden, so hat sie auch hier nicht Recht. Es können sowohl Einzelkämpfe gewonnen werden als auch Massenkämpfe verloren werden.

„Gegebenenfalls muss der gewerkschaftliche Rahmen durchbrochen werden und die Arbeiterklasse muss zu selbständigen Kämpfen übergehen.“ [1]

Dieser Satz ist eine einzige politische Fehlleistung der MLPD. Er kann nur dann zutreffen, wenn die Arbeiterklasse gezwungen ist, die Oberhoheit über ihre eigene Klassenorganisation, die sich da Gewerkschaft nennt, wieder her zustellen. Hat die Arbeiterklasse hingegen die Hoheit in den Gewerkschaften, so ist dieser Satz Blödsinn. Denn er kann dann nur bedeuten, die Gewerkschaften aus politischen Kämpfen heraus zu halten. Wer aber, außer der Bourgeoisie, kann dies wollen? Das Proletariat gewiss nicht, denn die Gewerkschaften bieten ein beachtliches Reservoir an Kampferfahrung.

„Nicht zuletzt muss die Arbeiterklasse das gesellschaftlich organisierte System der kleinbürgerlichen Denkweise angreifen, damit sie ihr Klassenbewusstsein entfalten kann und damit der Klassenkampf im eigentlichen Sinne entwickelt werden kann.“ [1]

Ach ja. Langsam verstehe ich die Gegner der Verschwörungstheorien. Das Klassenbewusstsein der Arbeiterklasse muss ihr von außen gebracht werden. Das haben MARX, ENGELS und LENIN umfänglich nachgewiesen. Das aber ist Geschichte. Nunmehr ist das Klassenbewusstsein auch in der Arbeiterklasse verankert, aber in eben nur einem sehr kleinen Teil dieser Klasse. Dass die Arbeiterklasse ihren Kampf gegen die bürgerliche Weltanschauung zu führen hat, ist nunmehr auch durch. Warum dann aber diese Weltanschauung als „das gesellschaftlich organisierte System der kleinbürgerlichen Denkweise“ bezeichnen muss, kann wahrscheinlich nicht mal die MLPD so richtig erklären.

Und was ist eigentlich „Klassenkampf im eigentlichen Sinne“? Gibt es auch welchen im „uneigentlichen Sinn“?

10.

„Karl Marx und Friedrich Engels entwickelten im Kampf gegen die bürgerliche Ideologie die proletarische Ideologie, die Weltanschauung der Arbeiterklasse. Der Marxismus-Leninismus ist kein Dogma, sondern eine lebendige Anleitung zum Handeln. Die Grundlage für seinen schöpferischen Charakter liegt in der materialistischen Dialektik.“ [1]

Das alles ist richtig. Warum nur merkt man im Programm der MLPD so wenig davon?

11.

„Es gibt keine Revolution ohne oder gegen die Volksmassen.“ [1]

Was ist dann, bitte schön, eine Konterrevolution?

MLPD und Marxismus-Leninismus? Ja und Nein. Ja, denn die wichtigsten Grundsätze sind auch zur MLPD durchgedrungen. Um das Manifest, im die Randglossen zum Gothaer Parteitag um „Staat und Revolution“ kommt eben niemand mehr herum, wenn er sich Kommunist nennen will. Sobald es aber konkret wird, scheidet sich die Spreu vom Weizen. Und in dieser Hinsicht kann ich mich nur der Meinung des Genossen Kurt Gossweiler anschließen, den ich in dieser Schrift einige Male zitierte. Leider ist auch in dem Programm sechs Jahre nach dem Brief des Gen. Gossweiler noch keine Änderung eingetreten. Die alten Fehler werden wiederholt und dazu noch neue gemacht.  Wenn das die MLPD unter „dialektischer Methode“ versteht, können einem die Genossinnen und Genossen dieser Partei eigentlich nur noch leid tun. Aber das Problem zieht ja Kreise, dadurch bleibt es kein Problem der MLPD, sondern es wird zu Problem der Arbeiterklasse.

Zur Zeit sehe ich zwei Möglichkeiten. Erstens kann die MLPD die Rückkehr zum Marxismus-Leninismus wagen und ihr gesamtes theoretisches Material überarbeiten, mitsamt der Parteistruktur. Oder zweitens, sie bleibt bei dem eingeschlagenen Kurs und entwickelt sich wie die SPD, Die Linke, die Spitze der DKP zum Steigbügelhalter des Kapitals (objektiv, d.h. ob sie will oder nicht).

Rot Front

Werner Schmidt

[1] Programm der MLPD  vom 01. Januar 2000 ISBN: 3-88021-280-5

[2] http://www.kurt-gossweiler.de/artikel/mlpd94.htm

[3] Karl MARX / Friedrich ENGELS „Manifest der Kommunistischen Partei“ Kapitel I     „Bourgeois und Proletarier“ London 1848

[4] ebenda Kapitel II „Proletarier und Kommunisten“

[5] ebenda Kapitel II „Proletarier und Kommunisten“

[6] ebenda Kapitel IV „Stellung der Kommunisten zu den verschiedenen oppositionellen Parteien“

[]7] ebenda Kapitel II „Proletarier und Kommunisten“

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Kommunistisch ist nicht der, der das von sich behauptet, sondern der es ist

Ist die MLPD kommunistisch?

Antwort Roter Webmaster an G.W. vom 13. August 2009 –

Lieber G.W.

Ich habe an einigen Montagsdemos teilgenommen und auch Berichte aus anderen Städten bekommen, habe den Niedergang dieser Aktionen miterlebt. Es war ein schleichender, langsamer Tod. Anfangs haben recht viele Menschen teilgenommen. Auch „normale“ Menschen, aber dann, nach einigen Monaten, waren die üblichen Teilnehmer an linken Aktionen unter sich.

Was die MLPD vorführte, war für jeden erkennbar, Etikettenschwindel! Da war eine Singegruppe, die eher schlecht als recht ein Liedlein trällerte – immer das gleiche: „Es hat keinen Zweck, Hartz vier das muss weg. Und mit ihm das Berliner Kabinett“

Jetzt kann man sich ja über den agitatorischen Sinn dieses Liedchens streiten, man kann sogar sagen – fliegt man ganz hoch – es war erfolgreich: Das damalige Berliner Kabinett ist ja weg: Statt Schröder die Dame Merkel im Kanzleramt. Aber Hartz vier gibt es in ungeschmälerter Schönheit weiter und wurde sogar verschärft.

Das Lied, in die Welt gesetzt von einer Partei, die Marx und Lenin sogar im Namen führt, hat dieses unpolitische und falsche Liedlein zur Hymne ihrer Montagsdemos erkoren. Wer, als an der Montagsdemo beteiligter Beobachter dabei stand, konnte drei Gruppen von Teilnehmern ausmachen:

- die, welche das Liedlein sangen/ mitsangen und dabei mit den Hüften wackelten:

- die, welche nur mit den Hüften wackelten und

- die entsetzten  übrigen Teilnehmer.

Die das Liedlein trällerten und zusätzlich mit den Hüften wackelten, das waren die Mitglieder der MLPD, die, welche nur mit den Hüften wackelten, das waren die Symps der MLPD, die letzteren – wir – die entsetzten bis amüsierten übrigen Teilnehmer.

Ferner wurden Berichte verlesen von angeblichen Auseinandersetuzungen in den Betrieben oder beim Arbeitsamt. Natürlich von einfachen Menschen aus dem Volke. Bei genauerem Hinsehen waren das MLPD-Mitglieder (oder einer ihrer „Massen“organisationen). Eigentlich brauchte man so genau nicht hinsehen, als einer, der die Szene kannte, kannte auch diese „normalen“ Menschen. Sie spielten diese Rolle schon oft, also die des normalen Menschen aus dem einfachen Volk.

Diese wurden dann zu irgendetwas gewählt. Wahlberechtigt war jeder, der mehr oder weniger zufällig vorbei kam. Gewählt wurde so: „Wer ist dafür, dass Klaus/Bettina, Fritz usw. aller Vertreter von Duisburg zur Konferenz gegen  Hartz IV nach irgendwo fährt?“

Die MLPD-Leute hoben die Hand, manchmal auch der mehr oder weniger zufällig Passant.

„Wer ist dagegen?“ keiner hob die Hand.

„Gewählt! Herzlichen Glückwunsch!“

Für uns war das eine Farce, daher beteiligten wir uns an dem Unsinn nicht. Hätten wir dafür oder dagegen gestimmt, hätten wir diese eigenartige Wahl auch noch den Segen der Legalität vermittelt. In anderen Städten, so berichtete man mir, ging es ganz genau so zu.

Und mit dem so „Gewählten“ erschien dann z.B. Frau Gärtner-Engel in Leipzig und erdreistete sich dann zu behaupten, ihre Mägdelein und Jungen seien von den Bürgern in freier Wahl delegiert worden und hätten damit inhaltlich auch mehr zu sagen, als jene aus dem Osten und denen, die ohne dieses Mandat des Volkes erschienen waren.

Als das nicht anerkannt wurde und sogar dem widersprochen wurde, klagte dann Frau Engel mit Hilfe der Staatsanwaltschaft.[1]

Dabei wäre es Aufgabe der MLPD gewesen, wäre sie denn kommunistisch, der spontanen Bewegung politische Inhalte zu geben, also politische Vorhut zu sein.

Stattdessen latschte sie inhaltlich-politisch der Spontaneität hinterher und gab keine kommunistische Richtung vor. Es ging ihr nur um die organisatorische Führung – mehr nicht. Als sie die in den Fingern hatte, weil sich alle anderen zurück zogen, stand sie allerdings allein, die Montagsdemos aber waren kaputt.

Du schreibst: „Bei den gemeinsamen Aktionen konnte ich feststellen, dass es unter vielen Mitgliedern der MLPD klare Positionen zum Marxismus-Leninismus gibt.“

Aber genau das ist es, was sie oben versäumte: eine klare marxistisch-leninistisch Position zu entwickeln. Sie machten stattdessen auf Ökonomismus und Reformismus. Wenn ihre Mitglieder „klare Positionen zum Marxismus-Leninismus“ einnehmen, wie können sie die dann einfach mal ab- oder anlegen? In der Diskussion mit dir sind sie Kommunisten, handeln aber dann genau entgegen gesetzt? Ist das nicht eine unerklärliche Metamorphose?

Und wieso sind sie von der „Einschätzungen ihrer Führung bezüglich der DDR und der sozialistischen Staaten total überzeugt. Wenn dann eingeschätzt wird, dass die polnische "Solidarnosc" ein Zeichen errungener Freiheit in den sozialistischen Staaten war,“?

Da kann doch nur das eine, sie sind ML oder das andere, sie sind es nicht, stimmen. Oder irre ich mich da?

Ob der eine oder andere in der MLPD gutwillig ist und Kommunist sein möchte, aber den falschen Weg der MLPD nicht durchschaut, kann ja sein und ist es auch wohl. Objektiv aber vertreten sie konterrevolutionäre Positionen und keine marxistisch-leninistischen. Oder was ist das, was die MLPD – genauer ihr kommunalpolitischer Ableger AUF  in Dresden da vor Jahren a, 17. Juni machte? Am Denkmal für den 17. Juni 1953 legten sie einen Kranz nieder mit der Aufschrift: „Nie wieder Hammer und Zirkel“. Lupenreiner Antikommunismus.

Wobei man sicher auch die Führungen der DDR und des sozialistischen Lagers kritisch betrachten muss. Wir sehen bekanntlich den 20, Parteitag der KPdSU und die Rolle Chruschtschows sehr negativ, Chruschtschows ist ein Verräter gewesen. Dann aber waren es seine Nachfolger auch – zumindest objektiv, denn sie haben die falsche Politik fortgesetzt und sogar noch verstärkt.

Und: In keinen der sozialistischen Länder verteidigte das Volk den Sozialismus, ja, wie ich damals in der späten DDR feststellen musste, die Mehrheit wollte den Kapitalismus – wenn auch in der irrigen Annahme, sie könnten die Vorteile des Sozialismus behalten. Also die niedrigen Mieten, das Fehlen von Arbeitslosigkeit und Armut, stabile und niedrige Verbraucherpreise usw. gepaart mit kapitalistischem Privatbesitz und Konsum. Ich habe meinen Verwandten in der DDR gesagt, dass sie, wenn sie schon den Kapitalismus wollen, sie auch das Negative in Kauf nehmen müssten. Ich wurde von einigen als rote Socke beschimpft,

Und Solidarnosc in Polen. Ich studierte von 1979 bis 1981 in Polen und bekam alles hautnah mit. Solidarnosc bestand sicher nicht nur aus Antikommunisten, aber die Linie war es. Die Arbeiter hatten einfach die Schnauze voll von den Gierek-Revisionisten mit ihrer Vetternwirtschaft und Korruption. Die Hauptparole der Streikenden polnischen Arbeiter war: „Teraz dosc!“ („es reicht“, „es ist genug“ oder einfach: „Wir haben die Schnauze voll.“) Die Schnauze voll davon, dass ein ehrlicher Arbeiter nicht ausreichend mit Produkten versorgt wurde, während Geschäftemacher sich Häuser bauen konnten und alles hatten. Wer Kierownik (Leiter) eines staatlichen Geschäfts war, hatte ausgesorgt. Der verkaufte einfach die Mangelwaren heimlich und zu überhöhten Preisen.

Im Laufe des Jahres 1980 verschärfte sich die Lage so, dass es eigentlich kaum noch etwas gab, was keine Mangelware war. In dem Supermarkt in der Siedlung, in der ich wohnte, gab es im Herbst 1980 nur Essig und ungarischen Wein – sonst nichts.

Schuld daran, so suggerierte die Kleriker – oft auch im staatlichen Fernsehen – sei der Kommunismus – und das wurde geglaubt. Solidarnosc war das Ergebnis einer gescheiterten revisionistischen Politik, sie war die Fortsetzung des Revisionismus, also der Übergang der Arbeiterklasse zur Konterrevolution.

Sie war das Ergebnis der ideologischen Entwaffnung der Partei und der Arbeiterklasse ach dem Tod von Boleslaw Bierut, also seit Władysław Gomułka in den 50er Jahren.

Damit aber ist Solidarnosc noch immer nicht ein „Zeichen errungener Freiheit“, sondern das Ergebnis ideologischer Entwaffnung durch die Revisionisten und das Erstarken der Konterrevolution. Wie gesagt, ich hab’s erlebt und im Studentenheim nächtelang mit Kommilitonen darüber diskutiert.

Will sagen, wenn eine sich marxistisch-leninistisch nennende Gruppe  diesen objektiven Charakter dieser Solidarnosc-Bewegung nicht erkennt, stimmt doch etwas mit ihr nicht. Wo ist ihre marxistisch-leninistische Wissenschaftlichkeit?

Vor allem hat sie ja auch das Ergebnis vor Augen: Alle heutigen polnischen Spitzenpolitiker – außer die der „Linken“ – stammen aus Solidarnosc, alle nicht-sozialdemokratischen Parteien, gingen aus Solidarnosc hervor. Alle – ohne Ausnahme. Die Linke – die sich Sozialdemokratie nennt – ging aus der revisionistischen PVAP hervor. Gleich ob Mazowiecki, Walesa, die Brüder Kaczynski, Donald Tusk usw., sie alle waren Mitglieder und Funktionäre der Solidarnosc. Ist denn der Kapitalismus für die MLPD die Freiheit, die alternativ zum Sozialismus steht? Offenbar!

Ich will es damit bewenden lassen. Die MLPD führt ML im Munde, behauptet den „echten Sozialismus“ anzustreben. Was ist das für ein Sozialismus? Wenn der das ist, was die MLPD schon jetzt praktiziert – nein Danke. Die MLPD ist nicht kommunistisch – sie ist antikommunistisch bis ins Mark.

Ich hoffe, dir da einige Denkanstöße gegeben zu haben.

Rotfront

Der Rote Webmaster

Günter Ackermann

Siehe auch: Auseinandersetzung von Kommunisten-online mit der rechtsopportunistischen  MLPD und die Reaktionen der MLPD mehr

Nur in der Auseinandersetzung kann Klarheit und Überzeugung errungen werden

Leserbrief von  G. W, vom  10. August 2009 – Genau das ist das Problem – ein Problem, welches ich innerhalb der DKP angesprochen habe. Wie kann ich mich hinstellen und sagen, zu der Montagsdemo gehe ich nicht hin, weil dort Leute der MLPD sind. Wenn ich  selbst nicht aktiv bin, kann ich den Anderen nicht vorwerfen, dass sie  aktiv sind. Wenn ich keine Aktivität, keine Führung übernehme tun es andere – das ist im  politischen Kampf nun mal so.

Auf der anderen Seite habe ich über ein Jahr an den Montagsdemos in Böblingen/Sindelfingen, die durch Mitglieder der MLPD organisiert wurden, teilgenommen. Dort habe ich meine politischen Positionen eingebracht und klar kommunistische Positionen vertreten. Natürlich hat es dazu auch  Diskussionen und Auseinandersetzungen gegeben – aber die sollte kein Kommunist scheuen. Nur in der Auseinandersetzung kann Klarheit und Überzeugung errungen werden. Trotz, oder eventuell gerade wegen der klaren Positionierung, gab es eine gute und kameradschaftliche Zusammenarbeit und die guten Kontakte bestehen heute noch immer

Bei den gemeinsamen Aktionen konnte ich feststellen, dass es unter vielen Mitgliedern der MLPD klare Positionen zum Marxismus-Leninismus gibt. Auf der anderen Seite sind fast alle von den Einschätzungen ihrer Führung bezüglich der DDR und der sozialistischen Staaten total überzeugt. Wenn dann eingeschätzt wird, dass die polnische "Solidarnosc" ein Zeichen errungener Freiheit in den sozialistischen Staaten war, ist klar erkennbar, dass diese Einschätzungen der politischen Situationen von den Lehren von Marx, Engels und Lenin weit entfernt sind.

Gruß

G. W.

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