(zu
UZ-Zeitung der DKP, vom 5.
September 2003)
Nur
ja keinen Klartext reden
DKP-Vorständlerin
Nina Hager zum PDS-Programmentwurf
(siehe:
Abschied von den Gespenstern)
Von
Gerd Höhne
Kommunisten-online
äußert sich nur noch sehr selten über die PDS und wenn, dann reden
wir Klartext. Von den drei Mitgliedern der Redaktion waren zwei
PDS-Mitglieder. Wir haben mit dieser Partei gebrochen und das nicht aus
persönlicher Enttäuschung, sondern aus inhaltlich-politischen Gründen.
Uns war klar geworden, in dieser Partei können Kommunisten nicht
arbeiten. Das Ansehen, das Kommunisten haben, wird von der PDS benutzt
und sich im linken Licht erscheinen zu lassen, denn nur so sind Wähler
zu gewinnen. Die Grundlagen der Politik der Partei sind
antikommunistisch.
Nina
Hager sieht das nicht so. Sie hebt sogar hervor, bei der PDS im
Programmentwurf die „Die Kapitalismuskritik (...) präzisiert“
(wurde). Und „Man bekennt sich mit Worten wieder zum
Antikapitalismus.“ Vo allem aber: „Es gibt auch eine Reihe
von Forderungen und Reformvorschlägen, die mit denen anderer Linker in
der Bundesrepublik übereinstimmen und darauf verweisen, dass es nach
wie vor vielfältige Möglichkeiten für gemeinsames Handeln gibt - über
den Rahmen von Friedens- und antifaschistischen Bündnissen hinaus.“
Da
ist ja alles in Butter. Aber das Größte kommt jetzt. Nina Hager
schreibt: „Man lehnt nunmehr auch Antikommunismus ab.“ Das
ist doch großartig! Es wird positiv hervorgehoben: „An Letzterem
sowie an der Antikriegshaltung und dem Antifaschismus der PDS wird sich
wahrscheinlich mancher Leser des Programmentwurfs vorrangig
orientieren.“
Genau.
Nina Hager hat es – ohne es zu wollen – auf dem Punkt gebracht. Die
PDS redet von Frieden, schwätzt von sozialer Gerechtigkeit und – o
wie schön – die postkommunistische PDS ist auch noch gegen
Antikommunismus. Wenn das keine gutes Zeichen ist!
Natürlich
hebt die bürgerliche Presse das alles nicht hervor, sie sieht, dass die
PDS „die soziale Marktwirtschaft akzeptiert“ (sprich: den
Kapitalismus). Positiv ist für die bürgerliche Presse auch, dass die
PDS unter bestimmten Voraussetzungen z.B. auch einen imperialistischen
Raubkrieg unterstützen werde. Das liest sich dann so: „In der
internationalen Politik verurteilt die Partei
Nichtachtung und Missbrauch des internationalen Gewaltmonopols
des Sicherheitsrates.“ Die PDS würde also z.B. den Koreakrieg
mittragen und wenn demnächst die UNO den USA-Raubkrieg gegen den Irak
absegnet, trägt das die PDS auch mi.
Nina
Hager ficht das aber kaum an. Auch nicht, dass die bürgerliche Presse
klar erkannt hat, dass sie PDS nun im Kapitalismus erkennbar angekommen
ist. Man fragt sich, wo Genossin Hager hier ihren Verstand gelassen hat?
Dass
die angeblich nicht antikommunistische PDS die DDR mit Hitler in einem
Atemzug nennt, der Berliner Wirtschaftssenator die Hitlergegner des 20.
Juli 1944 mit dem 17. Juni 1953 gleichsetzte, wo DDR-Bürger (aber auch
denen, die den Unmut ausnutzten und ihn schürten, vom RIAS und der CIA)
streikten und demonstrierten, ist ebenso PDS-Politik, wie die PDS-Bürgermeister
während des Metallarbeiterstreiks im Osten zum Streikbruch aufriefen.
(siehe: http://www.kommunisten-online.de/BetrGwer/pds_verrat.htm).
Natürlich
sieht Nina Hager auch Negatives: „Dies ist anmerkenswert, denn
diese Einschätzung taucht in der Präambel auf, die ja die wesentliche
Orientierung für den folgenden Text geben soll. Hier sucht man
andererseits vergeblich nach einer vergleichbaren kritischen
Auseinandersetzung mit der bundesdeutschen Gesellschaft in Vergangenheit
und Gegenwart. An anderer Stelle gibt es eine weitergehende Kritik. Aber
auch diese ist in keiner Weise radikal.“
Man
wird den Eindruck nicht los, dass Genossin Hager krampfhaft nach Gründen
sucht, was sie an der PDS entschuldigen kann. Einen findet sie dann
auch: In der Kommunistischen Plattform und Winfried Wolf. Jene
kommunistische Plattform, die in vorauseilender Unterwerfung alles und
jeden Tritt in den Arsch von Vorsitzer Bisky mit Demut und Dank aufnimmt
und jenem Winfried Wolf, der vor 2 Jahren die Forderung der
Redaktionsgruppe den damaligen Programmentwurf 2 marxistisch zu überarbeiten,
nicht nur ablehnte, sondern versprach, die marxistischen Forderungen
einzubauen und dann das aber hintertrieb. Stattdessen diesen Entwurf auch
noch verschlimmbesserte.
Ich
werde ferner den Eindruck nicht los, Nina Hager versucht krampfhaft die
DKP an die PDS zu binden. 2002 machte der DKP-Vorsitzende Stehr den
Berliner Bezirksverband Druck, dass sie nicht mit einer Landesliste
antraten – Nina Hager gehörte zu den Stehr-Gefolgsleuten. Bei den
damaligen Wahlen als Parteitagsdelegiert fiel sich dann auch durch und
konnte nur über die Quote Delegierte werden. Sie soll damals darüber
geweint haben.
Das
Schlimmste, was der PDS passieren kann ist, dass komplett der linke Flügel
wegbricht. Zwar bröckelt er schon seit Jahren ab, aber noch gibt es
ihn. Dass er nicht wegbricht ist einigen Prominenten aus dem Linken Flügel
zu verdanken, die immer und immer wieder die Politik der Partei zwar
andeutungsweise kritisieren, aber dann doch zum Verbleiben aufrufen. Ja,
sogar offenkundige Misserfolge als Erfolge ausgeben. So sollte ein
Erfolg von 80% des Parteivorstands beim Parteitag in Dresden 2001 schon ein Erfolg der
Linken sein, verkündete Wolf damals.
Wolf
und die Kommunistische Plattform rufen zur Nibelungentreue zum
Parteivorstand auf. Das Marxistische Forum, ein Zusammenschluss integrer
Wissenschaftler aus DDR-Tagen, studiert und diskutiert im Elfenbeinturm.
All
das bemerkt Nina Hager nicht. Auch nicht die fatale Rolle dieser Partei,
nämlich linkes Image zu haben, aber knallharte Politik im Sinne der
Bourgeoisie, der Konzerne und des kapitalistischen Staats zu betreiben.
Eine Partei mit linkem Image, mit einer Reihe Vorzeigelinker als Mitglieder und
linken Wählern, bindet Menschen, verkleistert ihnen den Verstand,
hindert sie daran, sich wirklich links zu orientieren.
Dazu
ist der linke PDS-Flügel erforderlich. Dieser machen nach außen linke
Politik, im kleinerem Maße sogar wirkliche. Eine Politik allerdings,
die die Gesamtpartei nicht daran hindert, bürgerliche Politik zu
betreiben. Im Gegenteil, sie sind die Voraussetzung dafür, dass die
Partei diese bürgerliche Politik machen kann, denn keiner traut dieser
angeblich linken und sozialen Partei solche Machenschaften zu.
Diese
linken Genossen setzen sich ein, reiben sich auf, aber rennen einem
Phantom nach, das sie nie erreichen können. Aber indem sie in der PDS
Politik machen, nützen sie dieser Partei linke Kräfte zu binden und
hindern daran, sich antikapitalistisch zu orientieren.
Im
Grunde ist die PDS eine Partei, die sich einer kommunistischen Partei in
den Weg stellt. Ob sie nun den Antikommunismus verdammt oder nicht, ist
gleichgültig. Sie ist dem Wesen nach antikommunistisch.
Davon
aber bei Nina Hager kein Wort. Liest man ihren Artikel, so ist die PDS
nur eine linke Partei, die Mängel und Fehler hat, die es zu beseitigen
gilt. Vor allem aber gibt es mit der PDS „nach wie vor vielfältige
Möglichkeiten für gemeinsames Handeln“
Was
damit gemeint ist, ist klar: Keine Wahllisten, die der PDS schaden, die
PDS soll für Kommunisten satisfaktionsfähig bleiben. Sie ist links und in den
wichtigsten Fragen, also in „ eine(r) Reihe von Forderungen und
Reformvorschlägen, die mit denen anderer Linker in der Bundesrepublik
übereinstimmen“ ist die PDS – laut Nina Hager – nicht im
anderen Lager.
Deshalb
auch das Verbot des Parteivorstand an die Bezirksverbände 2002 keine
eigenen Landeslisten gegen die PDS
aufzustellen. Nina Hagers Bezirksverband, der von Berlin, hatte eine eigene
Landesliste aufgestellt. Das wurde vom Parteivorsitzenden Stehr und auch
Nina Hager, hintertrieben.
Bei
kommunistischen Organisationen ist die DKP da weitaus strenger. Es ist
östlichen Verbänden verbroten, gemeinsam mit der KPD (Rote Fahne) bei
Wahlen anzutreten. Warum das? Na ja, warum wohl!? |