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Entwurf  für die Diskussion des Parteiprogramms der DKP in der Programmkommission

(Autorengruppe: Peter Dürrbeck, Hans Heinz Holz, Werner Seppmann)

4. Mai 2003

I     Die Welt am Beginn des 21. Jahrhunderts

 Durch den in den letzten Jahrzehnten erfolgten Entwicklungsschub der Produktivkräfte sind die Voraussetzungen für eine globale Wohlstands- und zivilisatorische Höherentwicklung geschaffen worden. Eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Gewalt, ein Leben ohne Mangel und Unterdrückung zeichnet sich aufgrund der objektiven Möglichkeiten als Entwicklungshorizont ab.

Doch statt der Visionen einer friedfertigen und gerechteren Welt stehen die Phantasien des Kapitals von der Entfesselung der Marktkräfte und der Intensivierung der Ausbeutung auf der politischen Tagesordnung. Die herrschenden Klassen sind bestrebt, das Leben in seiner Gesamtheit dem Rhythmus ihrer Ausbeutungsbedürfnisse zu unterwerfen. Eine eskalierende Widerspruchsentwicklung, eine destruktive Dynamik von Spaltung und Ausgrenzung, Privilegierung und Benachteiligung prägt das soziale Geschehen und hinterlässt ihre Spuren in vielen Lebensbereichen. Es breiten sich Armuts- und Ausbeutungsformen auch in den kapitalistischen Metropolen aus, die bis vor wenigen Jahren nur in den abhängigen Ländern der "Peripherie" bekannt waren. Die Mehrheit der Menschen erlebt die ganz gewöhnliche Entwicklung des Kapitalismus als eine ihre Lebensgrundlagen und ihre Persönlichkeit bedrohendes Gewaltverhältnis: Sozial erzeugte Angst ist zur Jahrhundertwende zur Grunderfahrung geworden. Die Versuche einer  "Domestizierung des Kapitalismus" durch Reformen müssen als gescheitert angesehen werden.

Die Propagandisten der "Marktwirtschaft" behaupten, dass Konkurrenz und Profitorientierung der Motor für Innovation und Fortschritt, allgemeine Wohlstandsmehrung und effektive Bedürfnisbefriedigung seien. Der Preis dieser kapitalistischen "Leistungsfähigkeit" besteht in zunehmender Rücksichtslosigkeit gegenüber den Menschen und der Natur. Seinen Fortbestand kann der Kapitalismus nur durch die Forcierung seiner aggressiven Strategien nach Innen und nach Außen sichern. Weil wirtschaftliche Hegemonie auch in Zeiten der globalen Ökonomisierung militärisch flankiert werden muss, sind Kriege wieder zu einem "selbstverständlichen" Mittel der Politik geworden. Aber auch jenseits unmittelbarer Gewaltanwendung, nimmt die globale Widerspruchsentwicklung immer krassere Formen an: Ein Abgrund trennt die kapitalistischen Kernländer vom Rest der Welt. Eingebettet in ein System imperialer Ausbeutung bleiben für drei Fünftel der Weltbevölkerung menschenwürdige Lebensverhältnisse auf unabsehbare Zeit ein realitätsferner Traum.

Die kapitalistische Gesellschaft entlarvt sich jedoch nicht nur durch ihren nach Außen gerichteten Aggressions- und Ausbeutungsdrang als ein System der Barbarei. Auch in ihrem "Inneren" wirken die selbstzerstörerischen und anti-zivilisatorischen Tendenzen: Sozio-kulturelle Deformationen und geistige Desorientierungen sind die Kehrseite einer universal gewordenen Konkurrenzorientierung und der Institutionalisierung der sozialen Unsicherheit. Es ist ein Zustand erreicht, der nicht nur an den gesellschaftlichen "Rändern" den Charakter einer Verfallskrise angenommen hat, deren Symptome eine zunehmende Verrohung und ausufernde Gewalt, aber auch die Erosion des sozialen Zusammenhalts und die kollektive Perspektivlosigkeit sind.

Die von Rosa Luxemburg formulierte Alternative "Sozialismus oder Barbarei" ist von dramatischer Aktualität.

1    Die politische Weltlage

(1)           Das 21. Jahrhundert hat mit Krieg begonnen und weitere Kriege sind angekündigt. In triumphalem Ton hat der Präsident der USA die Absicht proklamiert, gewaltsam eine "neue Weltordnung" zu errichten. Widerstand gegen sie soll mit allen Mitteln gebrochen werden.

(2)           Wie soll diese "neue Weltordnung" aussehen? Die USA erheben einen uneingeschränkten Führungsanspruch und bedrohen jeden mit ihrer militärischen Übermacht, der sich den Interessen des US-Kapitals nicht unterwerfen will. An die Stelle eines vom Völkerrecht geregelten Zusammenlebens der Staaten und Nationen, die sich in der Organisation der UN ein Organ der Kooperation und Friedenserhaltung geschaffen hatten, tritt der Versuch, brutal das "Recht des Stärkeren" durchzusetzen. Völkerrechtswidrige Vernichtungswaffen in der Hand der wenigen Großmächte bedrohen die Menschheit. Waffengewalt ist zur Normalität geworden, um die Interessen der Herrschenden durchzusetzen und eine Ordnung aufrecht zu erhalten, die den Profit der Wenigen garantiert und die Mehrheit der Menschen ins Elend stürzt. Der Klassengegensatz der kapitalistischen Gesellschaft tritt unverhüllt zutage.

(3)             Ein ökonomisch und politisch rivalisierender Machtkomplex hat sich um Deutschland und Frankreich in der EU gebildet und stellt zunehmend den Führungsanspruch der USA in Frage. Auch Japan baut an einem ostasiatischen Imperium. Jede dieser drei Metropolen ist auf Expansion im Weltmarkt angewiesen. Sie führen einen Konkurrenzkampf auf Leben und Tod um Marktanteile und um den Zugriff auf die natürlichen Ressourcen. Weder die EU noch Japan sind bereit, den Führungsanspruch der USA hinzunehmen. Sie reklamieren ihren gleichberechtigten Anteil am Profit, der aus der Ausbeutung der Welt zu ziehen ist. Lokale Kriege und Bürgerkriege sind Ausdruck dieses Konkurrenzkampfs. Letzten Endes geht es jedem der drei Grossen um die Sicherung einer Vorrangstellung in der Auseinandersetzung um die Weltherrschaft.

(4)              Zugleich haben die Kapitalgruppen aller Metropolen ein gemeinsames Interesse daran, die übrigen Länder der Welt dem Ausbeutungssystem unterworfen zu halten. Die Instrumente der Weltwirtschaftspolitik werden eingesetzt, um kapitalistische Produktionsverhältnisse zu Lasten der wirtschaftlich Schwächeren zu festigen und den Mechanismus der Kapitalakkumulation aufrecht zu erhalten. Aber die imperialistische  Mächte setzen auch  physische Gewalt ein, um ihre Vorherrschaft zu sichern und die Bedingungen zu zementieren,  unter denen sie die Abhängigen rücksichtslos ausbeuten können. Und sie stärken diese neue Form von Kolonialismus, indem sie die Vielfalt und den Reichtum eigenständiger kultureller Formen von Lebensweisen, Recht und Bildung zerstören.

(5)            Die Welt zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist eine Welt voll Ausbeutung und Unterdrückung, voll Krieg und Massenelend. Die Menschheit befindet sich in der schwersten Krise ihrer Geschichte. Ihre Existenz als Ganzes ist zum ersten Mal real bedroht. Milliarden Menschen leben im Elend. Millionen verhungern, unter ihnen täglich Zehntausende von Kindern. Die natürlichen Ressourcen werden ohne Rücksicht auf biologische Regenerationszyklen aufgebraucht. Damit werden Lebensbedingungen künftiger Generationen vernichtet. Wasser und Luft werden vergiftet, die klimastabilisierenden Wälder abgeholzt, Hunderttausende von Tier- und Pflanzenarten ausgerottet, die zum biologischen Gleichgewicht der Umwelt beitragen. Selbst in den hochentwickelten Ländern, die einen großen gesellschaftlichen Reichtum produzieren, leben beträchtliche Teile der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Die Unsicherheit der Lebensverhältnisse durch Arbeitslosigkeit und Abwertung beruflicher Qualifikationen sind zu einer prägenden Lebenserfahrung geworden.

2     Die ökonomischen Ursachen

(6)        Der Kapitalismus ist nicht in der Lage die ökonomischen, sozialen, ökologischen, kulturellen und politischen Probleme der Gesellschaft zu lösen. Ein System, in dem die Ergebnisse menschlicher Arbeit nur zum Teil den Arbeitenden zugute kommen, während ein anderer Teil, der Mehrwert, von den kapitalistischen Eigentümern der Produktionsmittel angeeignet und immer wieder zur Schaffung weiteren Kapitals und zur verstärkten Ausbeutung der arbeitenden Menschen eingesetzt wird, bringt unausweichlich den Widerspruch zwischen den wirklichen Bedürfnissen der Menschheit insgesamt und den Interessen der Kapitalverwertung hervor. Der Gegensatz  zwischen Lohnarbeit und Kapital, zwischen der Arbeiterklasse und der Kapitalistenklasse ist der unaufhebbare Grundwiderspruch dieser Gesellschaftsformation.

(7)        Das Strukturgesetz der Kapitalismus, die Akkumulation des Kapitals, führt einerseits zu einer Beschleunigung der technischen Entwicklung als Folge des Reinvestitionszwangs, anderseits zu einer zunehmenden Verlagerung der Produktion von lebendiger menschlicher Arbeit auf technische Geräte und Verfahren. Die gleiche Entwicklung, durch die Produktivität und der Profit gesteigert werden, hat die Entlassung der Menschen aus dem Arbeitsprozess und damit eine Verminderung der gesamtgesellschaftlich verfügbaren Kaufkraft zur Folge. Es entsteht  eine Überakkumulation von Kapital.

(8)        Die Expansion des Kapitals kann sich nun nicht mehr vorwiegend auf die Ausweitung der Konsumsphäre richten.  Überschüssige Profite werden mehr und mehr im Erwerb schon bestehender Betriebe angelegt. Die großen Kapitalisten  "fressen" die kleinen. Diese schon von Marx analysierte Tendenz zur Konzentration und Zentralisation des Kapitals hat sich im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts verstärkt und beschleunigt. Sie sprengt mehr und mehr die Grenzen der nationalen Volkswirtschaften. Multinationale Unternehmen bilden sich,  in wirtschaftlichen Großräumen vernetzen sich die Kapitalgruppen und die Stärksten dominieren in den grenzüberschreitend zusammengefassten Regionen.

(9)            Weltweit betätigen sich die multinationalen Konzerne. Sie gehen fortschreitend dazu über, ihren gesamten Produktionsprozess zu internationalisieren und in einem globalen Produktionsnetz zu integrieren. Regionale Vorteile werden bestmöglichst genutzt. Einkauf, Zulieferersystem, Forschung und  Entwicklung, Produktion, Marketing, Absatz - all dies wird über Telekommunikationssysteme und Datennetze gesteuert und über Transportsysteme verbunden. Über die Welt verstreut verbinden die multinationalen Konzerne konzernintern die technologischen Vorteile mit Niedriglohn an auswärtigen Standorten und organisieren Zulieferung und Produktion über verschiedene Unternehmen in der ganzen Welt.

(10)            Zwischen den multinationalen Konzernen herrscht ein gnadenloser Konkurrenz- und Verdrängungskampf um Marktanteile. Die Konzerne mit den kürzesten Entwicklungszeiten, den fortgeschrittensten Technologien, den niedrigsten Produktionskosten und Preisen und den größten Kapitalreserven, verdrängen ihre Konkurrenten vom Markt. Diese Jagd nach internationaler Konkurrenzfähigkeit und Profit ist mit einem verheerenden Raubbau an Menschen, Rohstoffen, an Wäldern, Wasser und Böden verbunden. Auch Verschleiß und Zerstörung sind die (ein immer größres Ausmaß annehmenden) Bedingungen des Wachstums und ökonomischen Erfolgs; in diesem Selbstwiderspruch drückt sich die der kapitalistischen Produktionsweise innewohnende Irrationalität aus.

(11)      Der Konkurrenzkampf wird nicht nur mit ökonomischen Mitteln geführt. Die Konzerne nutzen auch das nationalstaatliche bzw. Blockpotential für ihre Expansionsziele und die Stärkung internationaler Konkurrenzfähigkeit. Dies führt zu Widersprüchen zwischen den imperialistischen Staaten bzw. Blöcken, aber auch zur Herausbildung neuer internationaler Koalitionen. Beide gegenläufige Tendenzen, die Konkurrenz und die Zentralisation der Kapitalien, entspringen der gleichen Ursache und sind die widersprüchliche Form, der gemäß sich das System entwickelt und in die Krise gerät

(12)      Es sind indessen nicht mehr vorwiegend nationalstaatliche Bindungen, in denen die transnationalen und multinationalen Konzerne verankert sind. Sie instrumentalisieren die politischen Institutionen auf allen Ebenen, national, regional, global, wo sie den jeweils größten Einfluss besitzen und die größten Standortvorteile zu erwarten haben. Jedoch sind alle Multis in wirtschaftliche Zusammenhänge, besonders im Hinblick auf ihre Produktionsstätten eingebettet. Dieses Umfeld ist die materielle Bedingung für die Orientierung ihrer politischen Einflussnahme.

(13)      Die Konkurrenz zwischen den Konzernen findet ihren Ausdruck in zunehmender Konfrontation zwischen den Wirtschaftsblöcken. So werden auch kriegerische Auseinandersetzungen der imperialistischen Metropolen wieder denkbar. Zum ersten mal seit dem zweiten Weltkrieg betreiben die Metropolen eine blockeigene Aufrüstung, nicht nur gegen Dritte, sondern auch gegen einander.

(14)      Die ungleiche Entwicklung der imperialistischen Staaten und Blöcke ist sowohl eine Folge als auch wieder eine Ursache der ungleichen Entwicklung der transnationalen Kapitalgruppen. Nachteile  aus der Ungleichheit der Gleichgewichte auf dem Weltmarkt werden durch den Einsatz von staatlichen Machtmitteln ausgeglichen. Es gibt einen Protektionismus der Metropolmächte. Es gibt einseitige Förderungsmassnahmen. Es gibt politisch-militärische Einflussnahme zugunsten der Konzerne aus dem eigenen Bereich und vieles andere mehr.

(15)      Dies ist die eine Seite der sich in Konfrontationen vollziehenden Kapitalexpansion. Gleichzeitig bestehen auch  nach dem Wegfall der Systemkonkurrenz mit dem real existierenden Sozialismus übereinstimmende Interessen des großen Kapitals, die von den transnationalen und multinationalen Konzernen am nachdrücklichsten vertreten und durchgesetzt werden können:  -weltweite Vereinheitlichung des Expansionsrahmens   - globales Lohn- und Sozialdumping  - ungehinderter Zugriff auf strategische Ressourcen (Erdöl)  - Absicherung des störanfälligen transnationalen Produktions- und Finanznetzwerkes sowie der Transport - und Kommunikationswege  - Beseitigung der letzten roten und weißen Flecken für die ungehinderte Herrschaft des transnationalen Kapitals -  von Jugoslawien über Cuba bis zu China;  - Öffnung noch abgeschlossener nationaler Kapitalismusmodelle für das transnationale Kapital     

(16)      Der Durchsetzung dieser Interessen dient ein globales System von Herrschaftsinstitutionen, in denen die Mächtigsten das entscheidende Wort führen: Weltbank, IWF, WTO,UNCTAD, OECD, NAFTA, die Brüsseler Behörden des europäischen Binnenmarkts, Währungsverbunde; aber auch private Organisationen wie die Internationale Handelskammer oder das Weltwirtschaftsforum oder im politischen Bereich die G7. Mit Hilfe dieser Einrichtungen  festigen die imperialistischen Hauptländer ihre Hegemonie. Die wirtschaftlichen, politischen, militärischen und ideologischen Elemente des neuen Systems der Weltherrschaft sind eng miteinander verzahnt. Aber auch diese Institutionen der gemeinsamen Herrschaftspolitik der imperialistischen Staaten schwanken zwischen Konsens und Streit

3.     Die Doppelrolle des Staates

(17)      Trotz aller Bedeutung der supranationalen Institutionen bilden die Nationalstaaten, bzw. Staatenverbindungen (wie die EU) das Hauptinstrument der Kapitalmacht. Sie schaffen die gesetzlichen Voraussetzungen für die Öffnung der Märkte, die Privatisierung des öffentlichen Eigentums und der sozialen Sicherung zu Gunsten privater Monopole. Sie  vollziehen die Integration der nationalen Ökonomie in die Weltwirtschaft, entfesseln den Markt und fördern die Konkurrenzfähigkeit der im eigenen Bereich angesiedelten Unternehmen. Durch sie sichern sich die Konzerne die Kontrolle über Einflusszonen und Handelswege und den Schutz von Kapitalinvestitionen. Kraft ihrer Finanzstärke und beschäftigungspolitischen Bedeutung können die Konzerne Privilegien, Subventionen, Investitionen, öffentliche Aufträge erpressen. Die staatlichen Institutionen schränken demokratische Rechte ein, bekämpfen die Gewerkschaften, deregulieren die Arbeitsbeziehungen und privatisieren die Medien, damit diese in einem noch nie da gewesenen Ausmaß zur Manipulation und zur Vereinzelung der Menschen eingesetzt werden können.

(18)      Dieser Prozess ist mit Auseinandersetzungen innerhalb der herrschenden Klasse und mit einer Krise der Nationalstaaten verbunden. Denn der Staat  wird zum Verwalter einer Politik, die materiell weitgehend außerhalb seiner Souveränität beschlossen wird. Auf diese Weise verliert der bürgerliche Staat tendenziell seine Funktion der sozialen und politischen Vermittlung; die bürgerliche Demokratie verliert ihren Inhalt. Unter Beibehaltung formal demokratischer Verfahren wird der Übergang vom "Sozialstaat" zum autoritären "Sicherheitsstaat" vollzogen. Verbunden ist dies mit einer Krise und einem Umwandlungsprozess der bürgerlichen Parteien und der Sozialdemokratie.

(19)      Aus dem widerspruchsvollen Doppelaspekt des Imperialismus heute folgen die unterschiedlichen Richtungen seiner Aggressivität. Einmal wendet sich das Gewalt- und Unterdrückungspotential der Metropolen in gemeinsamer Aktion gegen alle, die sich der Unterwerfung unter die Vorherrschaft der Kapitalmächte widersetzen. Die Intervention gegen Jugoslawien ist ein Musterfall für diese koordinierte Aktion konkurrierender Metropolen. Im Rahmen dieser Intervention wurden dann auch noch die gegensätzlichen Interessen der beteiligten Staaten ausgetragen, ungeachtet der gemeinsamen übergeordneten Interessen.

(20)            Andererseits bauen die Metropolen unabhängig voneinander Instrumente militärischer Pressionen auf, die konkurrierend eingesetzt werden können. Das deutsch-französische Drängen auf eine von der NATO abgekoppelten Streitmacht der EU und der Widerstand der USA dagegen machen diese Reibungsfläche deutlich. Die Rüstungs- und Umrüstungsprogramme der Großmächte bereiten ein Waffenarsenal vor, dessen Reichweite und Größenordnung nicht auf die Funktion von Polizeiaktionen zur Sicherung der bestehenden Weltordnung gegen die Insubordination kleinerer Länder oder gegen Terrorismus oder Kriminalität ausgelegt ist, sondern als Drohmaterial zwischen den Metropolen selbst zur Verfügung steht.

(21)      Die Aggressivität nach außen gegen die ausgebeuteten und verelendeten Länder und gegen die konkurrierenden Metropolen verbindet sich mit der Erhöhung der Ausbeutung und der Unterdrückung demokratischer Strukturen nach innen. Wo sich Widerstand gegen die herrschende Klasse regt, setzen die Machthaber brutale Gewalt ein. Gefängnis. Folter und Tod drohen denen, die für ihre Rechte kämpfen. Unvorstellbarer Terror wird gegen die Landlosen in Südamerika, gegen die Kurden in der Türkei, gegen die Palästinenser in Israel ausgeübt. Das sind extreme Beispiele, aber es gibt kaum ein Land, gegen das nicht Klage wegen Verletzung der Menschenrechte geführt wird - die USA voran und auch die BRD nicht ausgenommen. Der Imperialismus zeigt überall mehr oder weniger deutlich sein unmenschliches Gesicht.

Der deutsche Imperialismus

(22)      Fast 60 Jahre nach der Niederlage im faschistischen Eroberungskrieg wagen  deutschen Imperialisten zum dritten male den Griff nach der Weltmacht. Die erste Etappe auf diesem Weg ist das Streben nach der politischen Organisation Europas unter deutscher Hegemonie, was wiederum zu internen Spannungen innerhalb der EU führt. Mit Deutschland als Führungsmacht der EU möchte das deutsche Kapital als Teilhaber an der imperialistischen Unterdrückung und Ausbeutung der Welt auftreten. Mit dieser Vorgehensweise fordert es die anderen imperialistischen Mächte heraus.

(23)      Diese politische Linie zeichnet sich seit dem letzten Jahrzehnt des 20.Jahrhunderts deutlich ab. Mit der Annexion der DDR wurden wesentliche Ergebnisse des 2. Weltkriegs bereits revidiert. Der deutsche Imperialismus spielte eine entscheidende Rolle bei der separatistischen Loslösung der baltischen Staaten von der Sowjetunion. Mit Slowenien und Kroatien wurden künstliche Satellitenstaaten geschaffen und Jugoslawien zerschlagen, als nächstes dann die deutsche Dominanz  durch militärische Präsenz in Bosnien und die Provokation des Kosovokrieges ausgedehnt. In  kürzester Zeit konnte Deutschland sich politischen und ökonomischen Einfluss in Russland, der Ukraine und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion sichern,  in einigen von ihnen die DM und nun den Euro als Leitwährung durchsetzen. Diese deutsche Expansionsstrategie provozierte eine entgegengesetzte Strategie des US-Imperialismus.

(24)      Der von Kohl-Genscher bis zu Schröder-Fischer offen erhobene deutsche Großmachtanspruch  wird nicht nur wirtschaftlich  sondern auch militärisch geltend gemacht. Kein Land bedroht Deutschland. Aber die Herrschenden haben die größten Rüstungsprojekte in der jüngsten Geschichte aufgelegt. Diese verschlingen die Gelder für soziale Aufgaben, sind eine Gefahr für die Demokratie und bedrohen den Weltfrieden.

(25)      Die neue militärische Rolle Deutschlands soll nicht zuletzt das Gewicht des deutschen Imperialismus in der internationalen Arena auch gegenüber den anderen imperialistischen Konkurrenten erhöhen. In der Logik dieser Zielsetzung, Deutschland einen Platz in der imperialistischen neuen Weltordnung zu schaffen, liegen aggressive, ökonomische, politische, kulturelle und auch militärische Aktivitäten gegenüber andern  Völkern und Staaten.

(26)            Aggression nach außen und innen ergänzen sich. Die Herausforderung des realen Sozialismus hat den Imperialismus in den 40 Jahren nach dem 2. Weltkrieg zu beträchtlichen materiellen und sozialen Zugeständnissen an die Arbeiterklasse gezwungen, um von einer Systemalternative abzulenken und dem Kapitalismus ein attraktives Gesicht wenigstens in seinen Schaufenstern zu geben. Diese Zugeständnisse haben nun ihren Zweck erfüllt und nach dem Willen der Herrschenden keine Existenzberechtigung mehr. Der Abbau ökonomischer, sozialer, politischer und kultureller Errungenschaften und Rechte hat in den "neuen Bundesländern" einen gesellschaftlichen Rückschritt eingeleitet, der inzwischen längst nicht mehr auf das Gebiet der DDR beschränkt ist. -auch in den "alten" Bundesländern schreitet für viele Menschen der soziale Niedergang rapide voran. Steigende Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und echte Armut für immer größere Teile der Bevölkerung werden wieder zu einer alltäglichen Erfahrung. Von den Gewerkschaften in vier Jahrzehnten  erkämpfte Positionen werden nach und nach liquidiert. Tiefgreifende Veränderungen des Grundgesetzes sollen einen Strich unter die antifaschistischen Ergebnisse des 2.Weltkriegs ziehen, um dem deutsche Imperialismus nach innen und außen neuerlich freie Hand zu geben.

II    Die Zukunftsalternative zum Kapitalismus - Der Sozialismus  

 1.   Die Barbarei des Kapitalismus

(27)      Die Grundgebrechen des Kapitalismus sind unheilbar. Sie treiben die Menschheit in Katastrophen, die schließlich ihre Existenz als ganzes bedrohen. Die Alternative zur Krise des Kapitalismus ist nicht eine Verbesserung des Kapitalismus, sondern eine neue Gesellschaftsordnung: der Sozialismus als Zwischenstufe zu einer kommunistischen Gesellschaft.

(28)      Die Lage der Menschheit zu Beginn des 21.Jahrhunderts ist die notwendige Konsequenz der kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Die existenzielle Bedrohung der Menschheit folgt aus der Organisation hoch entwickelter Produktivkräfte in kapitalistischer Form. Dagegen hat die wissenschaftlich-technische Revolution sich ständig erweiternde Möglichkeiten geschaffen, sinnvoll planend in die natürliche Welt einzugreifen,  um menschliches Leben zu verbessern. Noch nie hatten die Menschen so viele Chancen, ihre Produktivität  und Kreativität zu entfalten und zugleich physische Belastungen zu verringern. Es wäre heute möglich, Hunger und Elend weltweit, zu überwinden, den Menschen ein würdiges Leben ohne Armut zu ermöglichen und gleichzeitig die Erde künftigen Generationen als lebensfähiges Ökosystem zu übergeben.  

(29)       Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Das gewaltige Wachstum der Produktivkräfte und die Zunahme gesellschaftlichen Reichtums vollzogen sich unter der Vorherrschaft kapitalistischer Produktionsverhältnisse. Diese förderten zwar zunächst den wissenschaftlich-technischen Fortschritt und ermöglichten  der Arbeiterklasse, den Befreiungs-  und anderen Bewegungen auch den erfolgreichen Kampf um sozialen Fortschritt. Doch die Entwicklung der Produktivkräfte dient im Kapitalismus allein der Kapitalverwertung. Das tote Prinzip der kapitalistischen "Verwertung des Werts" dominiert über die konkreten Lebensinteressen. So wird sie zur Gefahr für das menschliche Lebens überhaupt.

(30)      Der wissenschaftliche Sozialismus zeigt uns, wie die  Produktivkräfte entsprechend ihrem jeweiligen historischen Entwicklungsstand in unterschiedlichen Produktionsverhältnissen organisiert werden, die den Typus einer Gesellschaftsformation bestimmen. Im Laufe der Entwicklung aller bisherigen Gesellschaftsformationen entstanden Widersprüche, die zu ihrem Untergang führen. Immer gibt es Menschen, die nicht bereit sind diese Widersprüche zu ertragen. Im revolutionären Bruch mit der alten Gesellschaft, schaffen sie die neue, in der der Grundwiderspruch der alten beseitigt wird. Sie können dies tun, wenn in der alten Gesellschaft diejenigen Produktivkräfte herangereift sind, die eine neue Gesellschaft ermöglichen. Dies ist in unserer Zeit der Fall. Der Imperialismus hat einerseits alle materiellen Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen. Andererseits hat sich der Grundwiderspruch des Kapitalismus, der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung der Arbeitsergebnisse durch die Kapitaleigner, im gegenwärtigen Stadium des Kapitalismus soweit zugespitzt, dass er die zivilisierte Gesellschaft und damit auch die fortschrittlichen Errungenschaften der bürgerlichen Epoche zu zerstören droht. 

(31)      Nur eine Gesellschaft in der durch die Überwindung des Profitprinzips eine Wende der Produktivkraftentwicklung ermöglicht wird und in der die Ergebnisse der Produktion zur Befriedigung der gesamtgesellschaftlich geregelten menschlichen Bedürfnisse dienen, kann der Spirale von gleichzeitiger Erzeugung von Reichtum und Elend, Naturbeherrschung und Naturzerstörung ein Ende setzen. An die Stelle konkurrierender Einzelinteressen treten dann globale Verantwortung, internationale Solidarität, Achtung der unveräußerlichen Menschenrechte, Demokratie und ein rationeller, planmäßiger Einsatz aller Produktivkräfte. Diese Gesellschaftsform ist der Sozialismus.

2. Mit dem Kapitalismus  brechen

(32)      Wer  die Ursachen von Ausbeutung und Entfremdung, von Krieg und Hunger, von Armut und Verzweiflung, von Arbeitshetze und Arbeitslosigkeit, von Umweltzerstörung, Diskriminierung, Rassismus, Chauvinismus und Unterdrückung  beseitigen will, der muss mit dem Kapitalismus brechen. Notwendig für die Erschaffung einer von Ausbeutung freien Gesellschaft ist die Sozialisierung der hauptsächlichen Produktionsmitteln, die Orientierung der Produktion an den Bedürfnissen der Menschen nach einem gemeinschaftlich erarbeiteten Plan. Nur dann kann der gesellschaftliche Reichtum der ganzen Gesellschaft zugute kommen.

(33)      Die Perspektive einer sozialistischer Gesellschaft ist kein frommer Wunsch. Sie erwächst aus den Widersprüchen der heutigen kapitalistischen Gesellschaft selbst: Sie lassen den Kapitalismus an die Grenzen stoßen, an denen als Alternative die Umrisse einer anderen Ordnung erkennbar werden. Die Verwirklichung dieser anderen Ordnung erfordert den kämpferischen Einsatz der Menschen.

(34)      Wir erfinden jedoch den Sozialismus nicht neu. Unsere Ziele erwachsen aus der Erkenntnis, dass der Kapitalismus überwunden werden muss, aus den Hoffnungen, aus der Wut und aus den Sehnsüchten des überwiegenden Teils der Menschheit; sie wurden im Laufe des Geschichte immer wieder formuliert, für sie wurde gekämpft und gelitten. Die Menschen wünschen sich ein Leben ohne existentielle Sorgen, ohne Hunger und Not, ohne Ausbeutung und Krieg, ohne Gewalt und Unterdrückung. Unsere Ziele gründen sich auf die Erkenntnis der gesellschaftlichen und historischen Zusammenhänge, für die Marx, Engels und Lenin das Fundament gelegt haben. Unsere Ziele verarbeiten die Erfahrungen des  Aufbaus des Sozialismus von 1917-89 aber auch schon der Pariser Commune von 1871.

3.   Grundlagen für den Aufbau des Sozialismus

(35)        Am Anfang des Übergangs zum Sozialismus steht die Veränderung der Eigentumsverhältnisse. Ohne die Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien und Finanzinstitute kann es keinen Sozialismus geben; so wie die Akkumulation des Kapitals für den Kapitalismus, ist die Gesellschaftlichkeit der die Produktionsweise bestimmenden Produktionsmittel für den Sozialismus das Grundgesetz. Das ist die grundlegende Wesensbestimmung der revolutionären Umgestaltung der Produktionsverhältnisse. Davon muss der Sozialismus ausgehen.

(36)      Die  neue Gesellschaftsordnung entsteht jedoch nicht mit einem Schlage. Die Kommunisten betrachten es als ihre Aufgabe, diese historische Entwicklung gemeinsam mit Angehörigen verschiedener weltanschaulicher und politischer Richtungen aus allen Bevölkerungsschichten auf der Basis einer breiten Mehrheit zu vollziehen und voranzutreiben. Sind die bestimmenden Eigentums- und Herrschaftsverhältnisse verändert, so folgt darauf ein allmählicher Umbau der Institutionen, der öffentlichen Dienste, der Kultur.

(37)      Solange der Aufbau des Sozialismus sich nicht gleichzeitig weltweit vollzieht, sondern im Gegensatz zu imperialistischen Mächten, bedarf eine sozialistische Ordnung eines Schutzes nach außen. Dem Sozialismus ist die Aufstellung von militärischen Streitkräften zwar systemfremd, aber durch aggressive Gegnerschaft in weltpolitischer Systemkonkurrenz kann sie ihm aufgenötigt werden. Wehrlosigkeit würde die Kapitulation vor der Konterrevolution bedeuten.

(38)        Im Inneren existieren über längere Zeit noch Klassen, auch die Reste der ehemals herrschenden Klassen. Gegen Widersprüche, die unter Nutzung dieser Gruppen und im Bündnis mit der äußeren Bedrohung den Kapitalismus und also Ausbeutung und Kriegsgefahr wiederherstellen wollen, muss der Sozialismus sich auch nach innen verteidigen.

(39)      Die Verfassung eines sozialistischen Staates wird zu berücksichtigen haben, dass es auch im Sozialismus Gruppeninteressen gibt, die miteinander in Einklang gebracht werden können und müssen. Ob diese Interessen durch politische Parteien oder andere gesellschaftliche Organisationen vertreten werden, ist von geringerer Bedeutung als die Sicherstellung, dass Interessen ausgesprochen und diskutiert und in den gesellschaftlichen Gestaltungsprozess eingebunden werden können. Nur im vernünftigen Abwägen zwischen besonderen Interessen und allgemeinem Wohl kann die unterdrückende Rolle des Staates aufgehoben werden.

(40)      Der sozialistische Staat vollzieht den Übergang zur kommunistisch assoziierten Gesellschaft. Eine seiner Hauptfunktionen ist daher, die Voraussetzungen für die politische Mündigkeit der Bürger zu schaffen. Der Förderung und Entfaltung der Kultur gilt daher ein Schwerpunkt der Staatstätigkeit. Schule und Erwachsenenbildung, Literatur, bildende Kunst und Musik, kreative Tätigkeiten, Muße, Sport und Naturerfahrung sind Bereiche, in denen der Mensch sich als weltverstehendes und emanzipiertes Glied der Gesellschaft erlebt. Den von der Erwerbsarbeit zum Teil entlasteten Menschen hat der Staat die Möglichkeiten bereitzustellen, sich in diesen Bereichen nach ihren Wünschen und Bedürfnissen zu betätigen. Sich in ihrer Lebensweise selbst bestimmend, werden sie auch politisch entscheidungsfähige Bürger sein.

(41)       Der Staat hat nicht nur die Aufgabe, die Entwicklung seiner Bürger zu freien Menschen zu gewährleisten; nicht nur die Pflicht, für ihre soziale Sicherheit Sorge zu tragen; er hat auch den Auftrag, sie gegen die Feinde der Ordnung, die sie sich gegeben haben, zu schützen. In jeder Gesellschaft wird es Konflikte zwischen gegensätzlichen Interessen von Individuen und Gruppen geben, die durch eine Rechtsordnung geregelt und zu friedlichem Ausgleich gebracht werden; eine solche Rechtsordnung braucht Organe ihrer Durchsetzung - das ist ein Rest vom Staat, der auch in einer freien Assoziation erhalten bleibt. Der Staat wird also nicht abgeschafft, sondern es müssen die Voraussetzungen für seine Auflösung, auch mit Hilfe staatlicher Tätigkeit, geschaffen werden.  

4.     Grundbedingungen des Sozialismus

(42)       Die Vielfalt der Kulturen gibt die Grundlage ab für eine Mannigfaltigkeit der Ausprägungen sozialistischen Alltags. Entscheidend ist, dass die ökonomische Basis der Macht der privaten Interessen entzogen wird. Jedoch sind die konkreten Schritte auf dem Weg des Befreiungsprozesses so sehr von den jeweiligen historischen Vorgegebenheiten abhängig, dass es kaum möglich ist, vorrevolutionär schon das Aussehen der Gesellschaft zu beschreiben, die die sozialistische Revolution herstellen wird.

(43)      Der Kern des Sozialismus wird es sein, die ökonomischen und politischen Voraussetzungen eines menschenwürdigen Lebens zu schaffen. Die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und Finanzinstitute stellt die materiellen Bedingungen bereit, um die gesellschaftlichen Grundaufgaben des Staates zu erfüllen. Dazu gehören vordringlich:

·         Das Recht auf Arbeit

·         Das Recht auf Wohnung

·         Sicherstellung der anderen materiellen     Grundlagen (Nahrung, Kleidung etc.)

·         Das Recht auf Gesundheitsvorsorge, Krankheits- und Altersversorgung

·         Ein breites Bildungsangebot mit Zugang für alle und die Förderung der kulturellen Bedürfnisse                     jedes Einzelnen.

·         Die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Geschlechter.

(44)      Der Staat wird im Sozialismus zum Träger eines ausgebreiteten Systems von Dienstleistungen für jeden Einzelnen und für die Allgemeinheit. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, muss die Produktion von Werten und deren Einsatz gesamtgesellschaftlich geplant sein und in den Händen der Organe der Gesellschaft liegen. Das bedeutet eine breite Beteiligung der Menschen an den Entscheidungsprozessen, die institutionell verankert sein muss; und es bedeutet eine gestaffelte Delegation von Verantwortlichkeit für den Vollzug der Entscheidungen. Um Bürokratisierung zu vermeiden, muss das Erfordernis einer zentralen Planung mit einer Dezentralisierung der Willensbildungsprozesse und der Durchführung verbunden werden.

(45)     Im Zentrum der staatlichen Lenkungsaufgaben stehen im Bereich der Ökonomie:

·         Regelung der Produktions- und der Wachstumsstrategien und der Bedürfnisbefriedigung aller Glieder der Gesellschaft mit Rücksicht auf die Erhaltung der natürlichen Lebensbedingungen

·         Planung einer den menschlichen Lebens- und Kulturbedürfnissen adäquaten Form der Produktivkraftentwicklung

·         Schutz der Natur und Ressourcenplanung

·         Bereitstellung von Verkehrs- und Kommunikationsmitteln

·         Arbeitsorganisation

·         Regelung des Außenhandels mit Staaten anderer Produktionsverhältnisse

·         Wissenschaftsförderung

·         Sicherstellung der genannten gesellschaftlichen Grundaufgaben (Recht   auf Arbeit Wohnung etc.)                  

(46)      An die Stelle der chaotischen, auf Profitinteressen ausgerichteten, von Krisen geschüttelten kapitalistischen Konkurrenzwirtschaft tritt eine nach wissenschaftlichen Kriterien geplante, vernünftige, von der Solidarität der Produzenten getragene und von ihnen in gesellschaftlicher Organisation selbst bestimmte Produktionsweise. Der Sozialismus wird auf dieser Grundlage die Voraussetzungen schaffen, dass die Menschheit künftig in Frieden, Solidarität und Verantwortung für die Zukunft leben kann. Er wird die sich ständig weiter entwickelnden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Menschheit durch eine hohe Produktivität der gesellschaftlichen Arbeit befriedigen. Schutz und Erhalt der Natur müssen dabei höchste  Priorität erhalten. Die Entwicklung der Produktivkräfte in den letzten Jahrzehnten schafft für die Verwirklichung dieser Zielstellungen neue Voraussetzungen.

(47)       Ziel des Sozialismus ist es, erstmals in der Geschichte die Einheit sozialer und politischer Menschenrechte als wesentliche Grundlage für das freie, selbstbestimmte, d.h. kompetente und verantwortungsvolle Wirken des Einzelnen in der Gesellschaft als Bedingung für die freie Entwicklung Aller zu garantieren. Der Sozialismus wird eine historische neue Form der Demokratie entwickeln, die tatsächliche "Volksherrschaft", die gleiche Freiheiten und Rechte für alle Menschen unabhängig von nationaler Zugehörigkeit, religiösen und weltanschaulichen Bekenntnissen sichert und umfassende Möglichkeiten für jeden Einzelnen bietet, seine Vorstellungen und Wünsche in die Gestaltung der Gesellschaft einzubringen. Schon in der Anfangsphase müssen Voraussetzungen geschaffen werden, dass sozialistische Demokratie zur dauerhaften Grundlage der neuen Gesellschaft wird.

5.     Geschichtliche Erfahrungen

(48)     Die Oktoberrevolution war das welthistorische Ereignis, das die Profitlogik des Kapitalismus durchbrochen hat. Damit wurde die Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus eingeleitet. Jahrzehntelang wurde in der Sowjetunion und in den anderen sozialistischen Ländern eine Alternative zum Kapitalismus geschaffen und der Aufbau des Sozialismus in Angriff genommen.

(49)      Diese Tatsache wird durch die Niederlage des Sozialismus in Europa  nicht aus der Welt geschafft. Es ist die Aufgabe der Kommunisten, das Bewusstsein davon nicht verloren gehen zu lassen, wenn sie nun unter neuen Bedingungen sich aufs neue das Ziel setzen, gegen die Barbarei des Kapitalismus eine sozialistische Gesellschaft zu errichten. Es ist die Aufgabe der Kommunisten, überall und immer die Solidarität mit den existierenden sozialistischen Ländern zu organisieren.

(50)      Die sozialistischen Gesellschaften haben über Jahrzehnte hinweg den Beweis erbracht, dass die Entwicklung der Produktivkräfte und eine Produktion jenseits des Profitprinzips nach einem gesellschaftlichen Plan möglich ist. Sie haben der Aggressivität des Imperialismus Fesseln angelegt. Vom ersten Dekret der Sowjetmacht 1917, das Frieden verkündete und  für Russland den ersten Weltkrieg beendete , vom Sieg über den Hitlerfaschismus bis zu den Abrüstungsinitiativen der Warschauer Vertragsstaaten reicht die lange Kette der Friedenspolitik des Sozialismus. Der Sozialismus hat sich ökonomisch entwickelt, ohne an der Ausbeutung der Entwicklungsländer beteiligt zu sein. Zu seinen historischen Leistungen gehört die solidarische Unterstützung der Völker dieser Länder im Kampf um ihre nationale Unabhängigkeit, gegen Kolonialismus und Neokolonialismus. Der Sozialismus hat soziale Errungenschaften durchgesetzt, die weder in den reichen imperialistischen Zentren und erst recht nicht in den Ländern der Peripherie erreicht wurden: Obdach- und Arbeitslosigkeit wurden überwunden, es gab gleiche Bildungsmöglichkeiten für alle, eine entwickelte Erwerbstätigkeit der Frauen, kostenlose Gesundheitsversorgung und eine hoch entwickelte Massenkultur.  

(51)             Die Existenz des Sozialismus und seine' Errungenschaften haben die Bedingungen für den Kampf um soziale und demokratische Reformen in den entwickelten kapitalistischen Ländern wesentlich verbessert. Die Bourgeoisie und ihre Regierungen waren zu bedeutenden Zugeständnissen gezwungen.

(52)            Neben dem Kampf der Arbeiterklasse in den kapitalistischen Ländern, dem Kampf fortschrittlicher Befreiungsbewegungen richtete die DKP als  Teil der internationalistischen kommunistischen Bewegung daher ihre  Hoffnungen auf den Erfolg der sozialistischen Staaten. Die DDR verkörperte als die sozialistische Alternative zum Imperialismus der BRD die neue historische Epoche. Ungeachtet ihrer Mängel war sie der erste sozialistische Staat auf deutschem Boden, indem die Ausbeuterklassen entmachtet wurden; sie war die größte Errungenschaft im Kampf der deutschen Arbeiterklasse. Aus dem Aufstieg der Sowjetunion zur zweiten Weltmacht und aus der Entwicklung der sozialistischen Staaten nach 1945 gewannen wir die Überzeugung von der Morgenröte eines neuen Zeitalters. Verbunden mit dieser Einschätzung waren Illusionen über das Verschwinden innerer Widersprüche in den sozialistischen Länder und über die Unumkehrbarkeit ihrer Entwicklungsweges.

(53)       Trotz seiner Leistungen hat der Sozialismus in der UdSSR und in den sozialistischen Staaten Europas eine schwere Niederlage erlitten. Dafür gibt es innere und äußere, ökonomische und politische, objektive und subjektive Ursachen, aus denen wir lernen müssen. Ohne hier eine erschöpfende Analyse geben zu wollen, nennen wir einige dieser Ursachen:

(54)       Die sozialistischen Staaten hatten mit äußerst schwierigen Ausgangsbedingungen zu ringen. In Russland siegte die Revolution zunächst in einem wirtschaftlich schwach entwickelten Land ohne bürgerlich-demokratische Traditionen, mit einer überwiegend bäuerlichen, in ihrer großen Mehrheit aus Analphabeten bestehenden Bevölkerung. Diese Rückständigkeit sowie die dauernde äußere Bedrohung durch die imperialistischen Mächte machten es unerlässlich, in kurzer Frist durch die Zentralisierung aller Kräfte eine moderne Industrie aus dem Boden zu stampfen und eine kulturelle Revolution in Angriff zu nehmen. Die führende Rolle der Arbeiterklasse musste unter diesen Bedingungen zunächst stellvertretend weitgehend durch die kommunistische Partei übernommen werden. Die sozialistische Demokratie blieb nicht nur unterentwickelt, sie wurde durch die Missachtung sozialistischer Rechtsstaatlichkeit auch massiv verletzt. Die extreme äußere Bedrohung der Sowjetunion verstärkte die Tendenz zu Repression nach innen. Es gibt für uns keinen Grund uns der Geschichte des realen Sozialismus und der kommunistischen Weltbewegung in all ihren Erscheinungsformen nicht zu stellen und der Auseinandersetzung auszuweichen.

(55)      Obwohl die Verfassungen der Sowjetunion seit 1936 programmatisch eine Demokratisierung des Gesellschaftsaufbaus vorzeichneten, wurden die Mängel der Aufbauphase auch dann nicht überwunden, als sich im Ergebnis der Industrialisierung und der Kulturrevolution die Bedingungen geändert hatten. Partei und Staat verschmolzen mehr und mehr zu einem bürokratisch-administrativen Apparat. Das führte zu einer Lähmung der durch den Aufbau des Sozialismus zunächst frei gesetzten Energien und Initiativen der Menschen.

(Vorschlag, folgende Formulierungen ev. in den Programmentwurf aufzunehmen:

 Die Lenkungsmethoden des quantitativen Aufbaus verloren aber ihre Effektivität, als die Arbeitsteilung voranschritt und die Bedeutung technologisch hochentwickelter Produktionsbereiche zunahm: Die Vorteile der administrativen Lenkungsmethoden aus der Industrialisierungsphase wirkten sich unter den veränderten gesellschaftlichen Produktions- und Reproduktionsbedingungen hemmend aus.)

Die anfänglichen Erfolge des Planwirtschaftsmodells ließen sich nicht fortsetzen. Die Folge war, dass die sozialistischen Länder in der Entwicklung der Arbeitsproduktivität und des materiellen Lebensstandards hinter den entwickelten kapitalistischen Ländern zurückblieben, , zumal der von den aggressiven NATO-Staaten aufgezwungene Rüstungswettlauf kostbare Kräfte verschlang. Unter diesen Umständen konnten sich sozialistische Wertvorstellungen nicht durchgehend an die     Stelle bürgerlicher Einstellungen setzen.

(56)      Die innere Hauptursache für die Niederlage des Sozialismus sehen wir darin, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse mehr und mehr erstarrten und es nicht gelungen ist, die Aufgabe zu bewältigen, dem Sozialismus, bei Verteidigung  seiner  Grundlagen,  immer neue revolutionäre  Schübe, entsprechend dem erreichten Entwicklungsstande, zu geben.

(Vorschlag, folgende Formulierungen ev. in den Programmentwurf aufzunehmen: Bloße Verstaatlichung trat an die Stelle wirklicher Vergesellschaftung. Die Menschen haben deshalb die sozialen Beziehungen und die Arbeitsverhältnisse in wesentlichen Punkten als fremdbestimmt erlebt.)

(56)      Dazu beigetragen haben auch dogmatische Erstarrungen der Gesellschaftstheorie, die damit mehr und mehr ihrer Kraft beraubt wurde, gestützt auf die reale Analyse der konkreten Situation und wissenschaftlich begründete Prognosen fundierte Handlungsorientierungen für die Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft zu erarbeiten. Hier liegt ein wesentlicher Grund für ökonomische und politische Fehlentscheidungen. Ebenso dazu beigetragen hat die These der Unumkehrbarkeit des Sozialismus, die die Arbeiterklasse in Sicherheit gewiegt und dadurch entwaffnet  und damit ihre notwendige Aktivität zur ständigen Erneuerung des sozialistischen Weges eingeschränkt hat.

(58)     Die Niederlage des Sozialismus ist zugleich das Ergebnis der äußeren und inneren Konterrevolution. Von der Intervention der 14 imperialistischen Staaten gegen die junge Sowjetmacht und die Wirtschaftsblockaden in den zwanziger Jahren über den Antikominternpakt zur Einkreisung der Sowjetunion und die Aggression Hitler-Deutschlands bis zur Embargopolitik und zum kräftezehrenden Wettrüsten nach dem zweiten Weltkrieg haben die imperialistischen Mächte nichts unversucht gelassen, um den Sozialismus zu destabilisieren und zu zerstören.

Unter inneren und äußeren Einflüssen gewannen schließlich opportunistische Einstellungen die Oberhand, die mehr und mehr zum Zerfall des revolutionären Charakters der sozialistischen Gesellschaft und der Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus führten, die das Eindringen der bürgerlichen Ideologie begünstigten und schließlich den Zusammenbruch des Sowjetsystems und anderer sozialistischer Staaten bewirkten.

(59)      Deformationen in Theorie und Praxis, die im Rahmen der gleichzeitigen großen Leistung des Aufbaus einer solidarischen, sozial gesicherten, friedlichen, bildungsorientierten Gesellschaft auftraten, sind keine unvermeidlichen Mängel des sozialistischen Systems, sondern den besonderen Entstehungs- und Entwicklungsbedingungen geschuldet. Wir werden daraus die Konsequenzen und Lehren ziehen: Eine Theorie des Übergangs zum Sozialismus wird auf der Basis der historischen Erfahrungen, der Erfolge und des Scheiterns zu entwickeln sein. Dabei bleibt uns bewusst: Frieden mit dem Kapitalismus/Imperialismus kann es nicht geben. Denn die ihm innewohnenden Widersprüche drängen zur Lösung.

III     Kräfte des Widerstands und der Veränderung

1.     Chancen des Widerstands

(60)            Widerstand ist erforderlich um die gegenwärtige Situation zu verändern und die Voraussetzungen für die zukünftige Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft zu schaffen: Widerstand gegen die Zerschlagung sozialer Errungenschaften; Widerstand gegen den Krieg, gegen die ausbeuterische und völkerunterdrückende Großmachtpolitik des Imperialismus; Widerstand gegen den Abbau demokratischer Rechte. Dem reaktionären Umbau der Gesellschaft muss eine Alternative entgegengesetzt werden.  So mächtig der Imperialismus auch scheint, so ist seine zunehmende Aggressivität  auch Ausdruck seiner Instabilität und Perspektivlosigkeit. Sein eigener ökonomischer und politischer Mechanismus bringt Widerstandspotentiale gegen ihn sowohl in den hochentwickelten kapitalistischen Ländern als auch in den Ländern der sogenannten dritten Welt hervor. Aufgabe kommunistischer Kräfte ist es, einen Beitrag zu leisten, diese Potentiale zu organisieren und zu entfalten. Es geht darum, jenen die Macht zu entreißen, die sie um der Steigerung des Profits willen zum Schaden der Menschheit gebrauchen.

(61)      Von gewerkschaftlichem Kampf um Lohn und Arbeitssicherheit über die Initiativen zum Schutz von Bürgerinteressen bis zum Kampf um Demokratie und Veränderung der Eigentumsverhältnisse gibt es eine breite Skala von Aktivitäten, die zur Veränderung des Kräfteverhältnisses in unserer Gesellschaft führen können. Ein verändertes Kräfteverhältnis ist nötig, um dem Imperialismus Fesseln anzulegen, ihn zurück zu drängen und schließlich zu Fall zu bringen.

(62)      Eine Aufgabe von Kommunistinnen und Kommunisten ist es, in allen Bewegungen und Aktivitäten des Protests und des Widerstands die objektiven ökonomischen und gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten zu verdeutlichen, die die Unmenschlichkeiten des Imperialismus hervorrufen, und allen Illusionen entgegenzuwirken, das Wesen des Imperialismus könne geändert werden, indem man ihm soziale und humanitäre Reformen abringe. Der Kampf um die Emanzipation der Menschen, um soziale Gerechtigkeit und ein menschenwürdiges Leben für alle kann nicht in eine bloße Reform des kapitalistischen Systems einmünden. Sein Ziel ist aus objektiven Gründen der Sozialismus.

(63)      Um gegen die geballte Macht des Kapitals einen anderen Entwicklungsweg durchzusetzen, bedarf es eines revolutionären Prozesses. Hauptkraft, Subjekt dieser Umgestaltung sind aus ihrer gesellschaftlichen Stellung heraus jene, die keinen Besitz an Produktionsmitteln haben, jedoch den Reichtum im Kapitalismus schaffen: die Arbeiterklasse. Ihr entgegengesetzt sind die Besitzer der Produktionsmittel, die sich den durch Arbeitskraft geschaffenen Reichtum aneignen: die Bourgeoisie. Nur im Bündnis mit anderen ausgebeuteten und unterdrückten Schichten und Klassen wird die Arbeiterklasse die gesellschaftliche Umgestaltung vollziehen können und den Weg zum Sozialismus öffnen. Umfassende Massenkämpfe sind notwendig. Der Beginn des sozialistischen Wegs ist nur als Ergebnis des Handelns von Millionen denkbar;  also als Ausdruck wirklicher Demokratie. Dazu bedarf es bei den Ausgebeuteten und Unterdrückten des Bewusstseins ihrer Klassenlage und der Bereitschaft zum Klassenkampf. Darum sieht die DKP eine ihrer wichtigsten Aufgaben in der politischen und weltanschaulichen Bildung, in der Entfaltung einer Gegenkultur

zur Kultur der Herrschenden.

2.    Die Arbeiterklasse

(64)     Die DKP definiert sich als Partei der Arbeiterklasse. Im Kampf für ihr Ziel,  den Sozialismus als erste Stufe auf dem Weg zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft orientiert sie auf die Arbeiterklasse als entscheidende gesellschaftsverändernde Kraft, die den grundlegenden Bruch mit den kapitalistischen Eigentums- und Machtverhältnissen vollziehen muss.

(65)      Es wird behauptet, die Arbeiterklasse sei im Verschwinden begriffen. Diese Behauptung scheint dadurch bestätigt, dass den Lohnabhängigen heute weitgehend ein deutliches Bewusstsein ihrer Klassenlage fehlt. Hier werden Oberflächenerscheinungen und das Wesen der Sache verwechselt.

(66)      Für den Klassenbegriff des wissenschaftlichen Sozialismus sind entscheidend die Eigentumsverhältnisse und der dadurch bestimmte Platz in einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion, sowie die Art der Erlangung und der Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum.

(67)            Bedeutende Veränderungen vollziehen sich gegenwärtig in der Klassenstruktur. Es gibt eine Umschichtung in der Zusammensetzung der Arbeiterklasse. Ihren Kern bilden heute noch die Arbeiter und Angestellten in der Industrie, in der Energiewirtschaft, im Transport- und Bauwesen. Von zunehmender Bedeutung sind die Beschäftigten in den informations- und kommunikationstechnologischen Bereichen. Dieser Kern umfasst hierzulande mindesten 5 Millionen Menschen. Er ist am stärksten von  Strukturveränderungen betroffen, steht dem Monopolkapital unmittelbar gegenüber, hat den höchsten Organisationsgrad und zum Teil große Kampferfahrung.

(68)      Mit dem Fortschreiten der wissenschaftlich technischen Revolution gewinnen aber Berufszweige immer mehr an Bedeutung,  deren Angehörige sich zumeist nicht  zur Arbeiterklasse rechnen, ihr jedoch als Lohnabhängige objektiv angehören. Die moderne Technik erfordert hochqualifizierte und spezialisierte Leistungen für die Bedienung komplizierter Geräte und Verfahren. Der Dienstleistungssektor wird größer und differenzierter. Die Verwaltungsaufgaben im privaten  und öffentlichen Bereich nehmen zu. Es bildet sich eine immer größer werdende Schicht der aus Technik, Wissenschaft und Bürokratie stammenden Intelligenz. Viele der Lohnabhängigen in diesen Berufen kommen mit der unmittelbaren Produktion gar nicht mehr in Berührung. In ihrer sozialen Stellung unterscheiden sie sich von den Industriearbeitern aber vielfach nur durch ihre konkrete Tätigkeit. Auch ihr Arbeitsplatz ist unsicher. Viele müssen unwürdige Arbeitsverhältnisse eingehen.

(69)        Zunehmende Konkurrenz und eine fortschreitende Entsolidarisierung werden durch neue Produktions- und Beschäftigungsformen hervorgerufen. Die Arbeitswelt zergliedert sich immer stärker, und die gemeinsamen Interessen  werden den Arbeitenden immer seltener unmittelbar erfahrbar. Viele Produzenten arbeiten isoliert, und sind von kollektiven Kommunikationsstrukturen abgeschnitten. Immer größer wird auch die Zahl der "prekär" Beschäftigten. Viele Belegschaften sind tief gespalten: Um einen "hochentlohnten" Kern von Qualifizierten dehnt sich eine immer breitere Zone mit zum Teil extrem belastenden und fast immer niedrig entlohnten und sozial unsicheren Arbeitsplätzen aus. Das "Normalarbeitsverhältnis" wird durch befristete Verträge, Leiharbeit, erzwungene Teilzeitarbeit, Werkverträge und Formen der Scheinselbstständigkeit zurückgedrängt. Mit der wachsenden Zahl von Beschäftigten, die eine betriebliche Randposition einnehmen und die oft trotz eines festen Arbeitsverhältnisses ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, wächst auch das Armutspotential. Von diesen Entwicklung sind zu einem großen Teil Frauen betroffen.

(70)            Zunehmend werden Arbeitsplätze abgebaut. Die im  Beschäftigungsverhältnis Verbleibenden werden mit Überstunden und Mehrarbeit belastet. Der Anteil der Arbeitslosen und der vergeblich eine Beschäftigung suchenden Jugendlichen an der Bevölkerung der Bundesrepublik wird immer größer. Dieser Prozess hat sich mit der Einverleibung der DDR weiter beschleunigt. Ein Grossteil der Migrantinnen und Migranten leben und arbeiten unter diskriminieren Bedingungen. Sie alle gehören zur Arbeiterklasse.

(71)      Ihnen ihre Lage in Theorie und politischen Aktionen bewusst zu machen,   sie    zum eigenen Handeln zu befähigen, ist Ziel der DKP als Partei der Arbeiterklasse.

3.    Protestbewegungen

(72)            Ausgebeutete und Unterdrückte  aller Schichten befinden sich objektiv in der gleichen Lage wie die Arbeiterklasse, selbst wenn dies in ihrem subjektiven Selbstbewusstsein verschleiert bleibt. Die Missstände des Kapitalismus erlebt auch, wer sich nicht bewusst ist, dass sie der Ausdruck von Klassenverhältnissen sind. Aus diesem Erlebnis formieren sich Protesthaltungen gegen die Zustände, deren Ursachen noch keineswegs klar erkannt sind. Moralische Empörung gegen Ungerechtigkeit, Verzweiflung über Not oder Machtlosigkeit, Angst vor Krieg und vor sozialem Abstieg, sind starke Motive politischen Protests. Sie können immer wieder zur Mobilisierung von Massen führen. In der Vergangenheit haben solche Bewegungen Erfolge in Einzelfragen errungen: Die Einstellung der Atomwaffen-Versuche und die Beendigung des Vietnam-Krieges waren zu einem wesentlichen Teil das Ergebnis eines weltweiten, lang anhaltenden demokratischen Kampfs auf Massenbasis.

(73)        Aber  gerade diese Beispiele zeigen, dass auch  Wirkungen von Massenaktivitäten nicht von Dauer sind, wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht insgesamt umgewälzt werden. Das Wettrüsten ist auf anderen Gebieten mit ebenso schrecklichen Massenvernichtungswaffen weiter gegangen. Der Imperialismus hat sich nach dem Rückzug aus Vietnam neue Felder der aggressiven Machtausübung gesucht.

(74)            Reformkonzepten sind enge Grenzen gesetzt.  Nicht die Erscheinungsformen,  sondern ihre Wesensgründe müssen beseitigt werden, um wirklich  Frieden und Wohlstandsentwicklung in der ganzen Welt zu verbürgen.

(75)      Um die Wirklichkeit nachhaltig zu verändern, bedarf es eines theoretischen Fundaments der wissenschaftlichen Analyse der Gesellschaft, ihrer Strukturen und Prozesse. Auf dieser Grundlage können Bewegungen zur revolutionären Kraft werden und ihr Ziel,  eine bessere Gesellschaft, nicht nur wünschen und erstreben, sondern auch erreichen. Der wissenschaftliche Sozialismus ist eine theoretische Grundlage,  auf der geschichtliche Prozesse und politische Vorgänge begriffen werden können. Die Erkenntnisse und Methoden des wissenschaftlichen Sozialismus in die Massen zu tragen und ihnen dadurch das Rüstzeug für ein effektiv gesellschaftsveränderndes Handeln zu vermitteln,  ist eine Aufgabe, die sich die DKP gestellt hat. Sie hat diese Aufgabe in der Zusammenarbeit mit allen zu lösen, die sich den bestehenden Verhältnissen entgegensetzen. Es geht nicht um die Predigt einer Lehre, sondern um die Entwicklung der Theorie aus der alltäglich zu machenden Erfahrungen. Dass sie über dieses geistige Instrumentarium verfügen, ist eine Stärke der Kommunisten, die von den Protestbewegungen benutzt werden kann.

4.    Internationaler Klassenkampf

(76)      Die Strategien des Kapitals sind international angelegt. Sie greifen sowohl in der Politik der großen Unternehmen wie in der Organisationsform der multinationalen Konzerne über Ländergrenzen hinaus und machen den Globus zum vereinheitlichten Feld kapitalistischer Ausbeutung und imperialistischer Machtkämpfe.

(77)            Ungeachtet der ungleichmäßigen Entwicklung der hochentwickelten kapitalistischen Staaten und ungeachtet des gewaltigen Gefälles zwischen den reichen und den armen Ländern gibt es ein gleiches Interesse der Ausgebeuteten und Unterdrückten weltweit. Der Widerstand gegen die globale Machtausübung des Kapitals erfordert den internationalistischen Zusammenschluss der Arbeiterklasse und ihrer politischen und gewerkschaftlichen Organisationen. Darauf hinzuwirken ist eine vordringliche Aufgabe von Kommunistinnen und Kommunisten. Sie bewähren dies durch materielle und ideelle Solidarität mit allen, die unter der Herrschaft des Kapitals leiden, und die für ihre Befreiung kämpfen. Das gilt vor allem auch für jene, die den Repressionen des Neokolonialismus ausgesetzt sind.

(78)      Global wird sich diese Auseinandersetzung auf verschiedenen Ebenen vollziehen:  als Kampf um nationale Befreiung aus neokolonialer Abhängigkeit; als Kampf um die bürgerliche Demokratie und die Sicherung der Menschenrechte; als gewerkschaftlicher Kampf um Arbeiterinteressen; als Kampf um politische Macht zur Durchsetzung gesellschaftlichen Fortschritts. Letzten Endes werden alle Anstrengungen nur dann zum Erfolg führen, wenn sie zu Momenten eines bewussten internationalen Klassenkampfs um die Entmachtung der Kapitalisten werden. Die Ziele derer, die sich  für die Sicherung des Friedens einsetzen, die dem Elend der kapitalistischen Globalisierung entgegenwirken, und die eine sozialistische Gesellschaft errichten wollen, liegen in der selben Richtung. Die Kräfte, die hierfür einstehen, müssen zusammengeführt werden, um gebündelt zu erreichen, was getrennt nicht erreicht werden kann.

5.       Aktuelle Aufgaben in der BRD

 (79)         Heute geht es in der  Bundesrepublik ebenso  wie in den anderen Ländern der EU zunächst um die Verteidigung der bedrohten sozialen und demokratischen, in harten Klassenkämpfen erstrittenen Errungenschaften. Nur über erfolgreiche Abwehrkämpfe können Bedingungen geschaffen werden,  unter denen gesellschaftlicher Fortschritt möglich wird.

(80)      Die DKP kämpft für:

·         Die Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch Investitionskontrolle und Verkürzung der Arbeitszeit;

·         Die Gestaltung der sozialen Sicherungssysteme im Interesse der arbeitenden Frauen und Männer;

·         Die Sicherung der Rentensysteme durch die Nutzung der Produktivitätsfortschritte;

·         Gleiche Bildungschancen und das Recht auf Ausbildung;

·         Die Gleichberechtigung der Geschlechter;

·         Die Erhaltung demokratischer Rechte für alle in der Bundesrepublik lebenden Menschen;

·         Die qualitative Mitbestimmung in Betrieb und Staat, den Ausbau bestehender Regelungen zugunsten der abhängig Beschäftigten;

·         Den Ausbau der Formen direkter Demokratie;

·         Eine Politik der Friedenssicherung und Entmilitarisierung der Gesellschaft;

·         Das Verbot aller faschistischen Organisationen und Parteien;

·         Die Durchsetzung von Bildungsinhalten im Erziehungswesen, die der Heranbildung kritisch denkender, mündiger Menschen dienen;

·         Förderung ökologischer Reformen und Sanierung der Umwelt;

·         Qualitatives Wachstums durch öffentliche Investitionen, wie z.B. öffentlichen Wohnungsbau, Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, neue Bildungs- und Kultureinrichtungen, die Bereitstellung von kostenlosen Kindergärten und Ganztagsschulen für alle Kinder.

(81)            Entscheidende Bedeutung kommt den betrieblichen und gewerkschaftlichen Kämpfen zu. Es ist zu verhindern, dass nach der Zerschlagung der Organisationen der deutschen Arbeiterbewegung durch die Faschisten erneut vom herrschenden Block zu einem Grossangriff auf die Gewerkschaften geblasen wird.

(82)            Erforderlich sind vielfältige gewerkschaftliche Aktionen,  sind breite außerparlamentarische Bewegungen, in die sich jene sozialen Kräfte einbringen, die von den Auswirkungen des Sozial- und Demokratieabbaus betroffen sind. In deren Entfaltung sieht die DKP  zugleich die wichtigste Voraussetzung für die Veränderung der parlamentarischen Kräfteverhältnisse. Druck von der Strasse ist notwendig. Eine außerparlamentarische Opposition, die aus breiten Bündnissen hervorgeht, kann zum Motor gesellschaftlicher Umgestaltung werden. In diese Front reiht sich die DKP ein.

(83)      Das hauptsächliche Hindernis für den gesellschaftlichen Fortschritt stellt die ökonomische und politische Macht der Monopolbourgeoisie dar. Deren Zurückdrängung und schließliche Überwindung ist deshalb die entscheidende Voraussetzung für die Öffnung des Weges zum Sozialismus. Die DKP bemüht sich dazu beizutragen, dass möglichst viele gesellschaftliche Kräfte, deren Interessen im Widerspruch zur Politik der herrschenden Monopolbourgeoisie stehen, in der BRD sowie im internationalen Rahmen, in Bündnissen und Bewegungen, für die Verteidigung demokratischen und sozialer Errungenschaften und die Veränderung des politischen Kräfteverhältnisses zugunsten der Arbeiterklasse zusammenwirken. Im gemeinsamen Handeln für punktuelle Ziele können sich die Kräfte für weitergehende Bündnisse formieren, die auf grundlegende gesellschaftliche Veränderungen gerichtet sind.

(84)      Nur als Ergebnis der Kämpfe breiter Massenbewegungen können die bestehenden Macht- und Eigentumsverhältnisse überwunden werden. Nur dann gelingt es, eine neue Gesellschaft aufzubauen, in der die Wünsche und Hoffnungen der Menschen auf eine sozial gerechte, friedliche, solidarische Welt Wirklichkeit werden.

IV      Die DKP

1        Die Tradition der DKP.

(85)      Die DKP steht in der Tradition der kommunistischen Bewegung, sie ist hervorgegangen aus dem mehr als 150jährigen Kampf der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung gegen kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung, gegen Militarismus und Krieg.

(86)      Die DKP ist ein Teil der internationalen kommunistischen Bewegung und den kommunistischen Parteien aller Länder solidarisch verbunden. Der Klassenkampf ist längst kein nationaler und regionaler mehr, die allgemeine Krise des Kapitalismus trifft alle Länder der Erde, wenn auch in unterschiedlicher Härte. Gegen die multinational verflochtenen Kräfte des Kapitals muss auch die Arbeiterklasse sich als internationale Kampfgemeinschaft organisieren. Den  kommunistischen Parteien , die in den Zentren des kapitalistischen Systems kämpfen, fällt dabei ein hohes Maß an Verantwortung zu.

(87)      Seit ihren Anfängen kämpfen Kommunisten für die Emanzipation der Menschen, für sozialen Fortschritt, für eine Welt des Friedens, für die Teilhabe aller am kulturellen Reichtum der Geschichte und Gegenwart. Sie kämpfen gegen Privilegien der Herrschenden und Verelendung der Massen, gegen Kriege und geistige Manipulation und Verdummung. Sie wahren die Traditionen progressiver Bewegungen der Vergangenheit, und knüpfen an die Ideen des Humanismus und der Aufklärung an.

(88)      Im Kampf um soziale und demokratische Grundrechte, um eine sozialistische Alternative zur kapitalistischen Gesellschaft standen die Kommunisten auch in Deutschland in vorderster Front gegen die Kriege der Imperialisten, gegen den Faschismus, gegen die koloniale Unterjochung, für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse, für soziale Sicherheit,  für allgemeine Bildung, für politische Grund- und Bürgerrechte.

(89)      Die DKP setzte und setzt sich für die Gegenwarts- und Zukunftsinteressen der Arbeiterklasse ein, die mit dem  objektiven Interessen der überwiegenden Mehrheit der Menschen zusammenfallen und also keine Sonderinteressen einer Klasse sind. Damit unterscheidet sie sich von allen bürgerlichen Parteien, die die besonderen Interessen von Teilgruppen der Bevölkerung vertreten und - sei es durch Erringung parlamentarischer Mehrheiten, sei es durch Kompromisse mit anderen Interessengruppen - durchzusetzen streben. Die DKP dagegen setzt sich zum Ziel, mit den besonderen Interessen der Arbeiterklasse auch das Allgemeininteresse, gegenüber jedem Sonderinteresse, zur Geltung zu bringen.

2.      Weltanschauliche Grundlagen der DKP

(90)      Die DKP leitet ihre Strategie aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen ab, die ihre Grundlage in den Werken von Marx, Engels und Lenin haben und von zahlreichen Theoretikern des wissenschaftlichen Sozialismus weitegeführt und ausgearbeitet wurden. Unsere wissenschaftliche Weltanschauung, die materialistische Dialektik als allgemeine Theorie des Zusammenhangs und der Entwicklung, sowie als allgemeine Methode des Denkens und der aktiven Veränderung der Welt, ist kein Dogma. Die Einsichten der Dialektik führt unter anderem zu der Erkenntnis, dass es unter bestimmten historischen Bedingungen für die Entscheidungen und das Handeln der Menschen immer mehrere verschiedene Möglichkeiten zukünftiger Entwicklungen gibt. Welche Möglichkeit realisiert wird, hängt von objektiven und subjektiven Bedingungen , also auch von den Erkenntnissen,  von den Entscheidungen und vom Handeln der Menschen ab. Einmal eingeleitete gesellschaftliche Entwicklungen sind nicht automatisch  gesichert. Der gesellschaftliche Fortschritt kann nur im Klassenkampf durchgesetzt werden. Die Erfahrung zeigt, dass Entwicklungen jedoch durch Tendenzwenden und Tendenzbrüche abgebrochen werden können. Dies muss dialektisches Denken ebenso berücksichtigen wie die Tatsache, dass auch im Rahmen einer sozialistischen Gesellschaft sich Widersprüche so zuspitzen können, dass sie systemzerstörend wirken.

(91)      Die DKP entwickelt die Analysen der gegenwärtigen Gesellschaft auf marxistischer Grundlage weiter. Bei allen Überlegungen über eine mögliche Alternative zur gegenwärtigen Gesellschaft bleibt für die DKP die von Marx und Engels gestellte Frage nach den Eigentums- und Machtverhältnissen zentral.

3. Der Platz der DKP

(92)      Die DKP ist Teil der fortschrittlichen Bewegung in der BRD. In diesem Rahmen entwickelt sie ihre politische Strategie gemäss den Analysen der Situation auf der Grundlage ihrer weltanschaulich- theoretischen Erkenntnisse. Sie bringt diese Erkenntnisse in die Diskussion mit den verbündeten politischen Kräften und Bewegungen ein.

(93)      Die wichtigste gesellschaftliche Kraft sind für die DKP nach wie vor die Gewerkschaften. Der Einsatz in den Gewerkschaften für die Rechte und Interessen der Arbeiterklasse war immer und bleibt ein Schwerpunkt kommunistischer  Politik. Es besteht indessen  die Gefahr einer neoliberalen Instrumentalisierung der Gewerkschaften. Sie sollen für eine Modernisierungskoalition missbraucht werden, bei der es darum geht, die heimischen Investitions- und Produktionsbedingungen für in- und ausländisches Kapital attraktiv zu machen.

(94)      Es gibt jedoch im gewerkschaftlich organisierten Teil der Arbeiterklasse Widerstand gegen eine solche Vereinnahmung. Das ist eine neue Chance, Klassenbewusstsein zu entwickeln und in soziale Auseinandersetzungen klassenkämpferische Positionen einzubringen. Innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft ist dies das wichtigste Feld politische Aktivitäten. Hier muss sich die DKP unmittelbar als Partei der Arbeiterklasse erweisen.

(95)      Darüber hinaus sind Bündnisse und Bewegungen verschiedener sozialer und gesellschaftlicher Kräfte, die sich mit der Zuspitzung gesellschaftlicher Gegensätze immer wieder neu bilden, wesentliche Voraussetzung zur Veränderung von Politik - heute und in  Zukunftsperspektive. Es kommt darauf an, Kräfte zusammenzuführen, die sich der Entwicklung nach rechts widersetzen und bereit sind, sich im Widerstand zu vereinigen.  Die DKP sieht ihre Aufgabe darin, in solche Bündnisse zu leisten Klassenpositionen einzubringen.

(96)      Dabei gibt es Schwerpunkte: Die imperialistische Kriegspolitik macht das Engagement für ein breites Bündnis in der Friedensbewegung zu einer vordringlichen Aufgabe. Dabei muss von der neuen Lage ausgegangen werden, dass nach dem Zerfall der Sowjetunion den imperialistischen Metropolen keine gleichrangige Friedensmacht mehr entgegen steht, dagegen ein Konfliktpotential zwischen  den Metropolen existiert, das mit dem Kampf um die Beherrschung der Märkte weiter anwächst. Die Kommunisten suchen die Gemeinsamkeit mit all jenen Kräften, die sich gegen Faschismus und Rassismus, für die Rechte der Migrantinnen und Migranten, der Asylsuchenden und gegen die weitere Einschränkung demokratischer Grundrechte einsetzen. Mit der Ökobewegung teilen die Kommunisten die Sorge um die Erhaltung der natürlichen Umwelt. Die Umweltzerstörung als Folge des profitorientierten Missbrauchs des wissenschaftlich-technischen Fortschritts ist ein unvermeidliches Übel des Kapitalismus. Auch punktuelle Abhilfen und selbst allgemeine gesetzliche Regelungen können daran grundsätzlich nichts ändern. Erst eine Gesellschaft, deren Entwicklung nicht mehr durch die Zwänge der Kapitalverwertung gesteuert wird, kann und muss den technischen Fortschritt auf die Bewahrung der natürlichen Lebensbedingungen abstimmen.

(97)      Die zunehmende Verunsicherung der Massen durch Kriegspolitik, Arbeitslosigkeit, Sozialabbau,  Umweltschädigung und Beschneidung demokratischer Rechte hat eine vielfältige Protestbewegung anschwellen lassen, die ein hohes Potential an politischer Kraft für gesellschaftliche Veränderungen in sich trägt. Kommunisten können  in solchen Initiativen wertvolle, weil aktionserfahrene Bündnispartner sein und dazu beitragen, die verschiedenen Motivationen auf der Grundlage gemeinsam zu gewinnender Erkenntnisse in einer gesellschaftlichen Alternativperspektive zu integrieren. Allerdings sind sich Kommunisten darüber im klaren, dass anzustrebende notwendige Reformen im kapitalistischen System nur Symptome bekämpfen, aber nicht die Ursachen der vielfältigen Übel beseitigen. Letzten Endes wird nur der revolutionäre Übergang zum Sozialismus zur Verwirklichung der Ziele führen auf die die leidenden Menschen ihre Hoffnung setzen.

(98)      So sehr einzelne Reformen, sosehr auch die Herstellung breiter  antimonopolistischer und antiimperialistischer Bündnisse einen nationalen Charakter haben werden - der Durchbruch zu ökonomischer Umwälzung,  der revolutionäre Bruch mit dem kapitalistischen Profitsystem wird dauerhaft nur dann gelingen, wenn er international koordiniert wird und zumindest einige der imperialistischen Hauptländer einbezieht.

4.    Blick nach vorn

(99)      Die kommunistische Partei sieht ihre Aufgabe in ihrer Weiterentwicklung auf der Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus und der Verbreitung seiner Erkenntnisse. Sie organisiert ihre weltanschaulich-theoretische und praktisch-politische Einheit durch das Zusammenwirken einer starken, handlungsfähigen Führung und einer aktiven, willensbildenden Basis. Sie ist nicht bereit,  fadenscheinige Kurzzeiterfolge durch opportunistisches Abweichen von den als richtig erkannten Prinzipien anzustreben. Die Erfahrungen des Kampfes der deutschen und internationalen kommunistischen Arbeiterbewegung lehren, dass wir unsere prinzipielle Haltung zu den Lehren des wissenschaftlichen Sozialismus bewahren müssen. Nur so wird es gelingen die Interessen der Arbeiterklasse und der Mehrheit des Volkes nachhaltig durchzusetzen. Nur in der unbeirrbaren Konsequenz  unseres Handelns liegt die Chance, die menschenverachtende Gesellschaftsordnung des Kapitalismus zu überwinden.

(100)    Wer die Welt verändern will, muss sie erkennen. Wer sich befreien will, braucht Genossinnen und Genossen. Wer Kraft entfalten will, muss sich organisieren. Wer ein freies menschliches Leben will, muss kämpfen. Die Deutsche Kommunistische Partei hat sich nicht um ihrer selbst willen gebildet. Sie wirkt mit den Arbeitern für die Arbeiter, mit der Jugend für die Jugend, mit den Frauen für die Gleichberechtigung der Frau. Wir sind Teil des Volkes und kämpfen für die Interessen der Mehrheit des Volkes. Soziale Sicherheit und Gerechtigkeit, Demokratie und Freiheit, Frieden und Sozialismus - dafür kämpft die Deutsche Kommunistische Partei.

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Anmerkung: Zur Erleichterung der Diskussion wurden die Abschnitte nummeriert. Die beiden kursiv gesetzten Vorschläge waren strittig und stehen zur Diskussion

 

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