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Illusionen schaden.

Von Klaus Müller/7. April 2007

Im Rotfuchs April 2007 fragt Chefredakteur Klaus Steiniger danach, ob es Grund zur Euphorie gibt.[1] Anlässlich eines Gesprächs mit zwei Berliner PDS-Genossen, in dem allerlei Überlegungen über Geschichte, Inhalt, Formierung zur Linkspartei, Ideologie und Bewegungsrichtung der PDS usw. ausgetauscht werden, kommen die beiden Genossen zu der Feststellung, dass ihre Einschätzungen übereinstimmen. Allerdings kommen sie nicht zu einem übereinstimmenden Fazit. Während der eine erwägt, die PDS zu verlassen, will der andere dabei bleiben.

Durch nachdenkliches Zuhören kommt der Chefredakteur Steiniger zu dem Fazit, dass jeder der Beiden der Sache treu bleibt. Das sei zwar kein Grund zur Euphorie aber Entscheidend.

Nachdenklich lese ich Steiniger´s Fazit und frage mich, was er denn mit der Sache meint, wie die Beiden dieser Sache treu bleiben und was entscheidend ist?

Mit der Sache spekuliert er offensichtlich auf die marxistisch-leninistischen Inhalte der SED-Praxis. Da die SED nicht mehr existiert, können auch beide Genossen weder praktisch noch theoretisch dieser historisch existenten SED-Praxis treu sein. Sie können es nur noch in Gedanken, in Erinnerung, im Gedenken an diese Praxis. Und dieses Gedenken ist nach Steiniger entscheidend.

Das ganze geschilderte Gespräch geht bereits von Annahmen aus, die nie existierten. Es wird unterstellt, dass die marxistisch-leninistischen Inhalte der SED vor der Konterrevolution gerettet wurden und in der neuen PDS wieder vorhanden sind. Die PDS war aber zu keinem Zeitpunkt weder in der Erscheinung, noch im Wesen identisch mit der SED. Sie war von Beginn an gegen Marxismus-Leninismus gerichtet.  Seit ihrem Beginn wird nur verbal, noch eine in Teilen marxistisch-leninistische Erscheinung vorgetäuscht, um Kommunisten einzubinden und an die Illusion zu fesseln.[2]

Wenn Steinigers Herbert sagt: „Inzwischen befinde ich mich auf einer Scholle, die in Richtung Sozialdemokratie treibt.“, so sind auch hier wieder die stillschweigenden Voraussetzungen und eingeschlossenen Illusionen zu finden, die Scholle bestehe aus marxistisch-leninistischem Material und sie würde in Richtung Sozialdemokratie treiben, um dort anzulanden.

Bei der WASG kann diese Unklarheit über das Material gar nicht erst aufkommen. Sie ist eindeutig von sozialdemokratischem Material und mit diesem verbunden. Sie erscheint nur als losgelöste Insel von der Sozialdemokratie. Dafür sorgen die imperialistischen Flutwellen und Beben, die breite Schneisen in die gewohnte Sozialstruktur der westdeutschen Arbeiterklasse schlagen, und deren Wasser immer neue Flüsse bilden. Sie erscheint auf sozialem Feld heute weiter links als die PDS, tatsächlich ist sie fest verbunden mit dem sozialdemokratischen Festlandsockel.

Die PDS ist ein Produkt der Konterrevolution. Sie ist nicht aus marxistisch-leninistischem Material. Sie ist von Beginn an sozialdemokratisch.

In der Linkspartei schließen sich nicht zwei Schollen (um bei dem Bild zu bleiben, obwohl es nicht passt) von verschiedenem Material zusammen. Beide sind sie sozialdemokratisches Land und fest mit dem sozialdemokratischen Festlandsockel verbunden.

Der Schein von Marxismus-Leninismus für die PDS konnte entstehen, weil heimatlos gewordene SED-Kommunisten sich auf dieses sozialdemokratische Land retteten.

Die PDS treibt nirgendwo herum und nirgendwo hin. Sie ist genau da, wo sie immer war. Das was den Marxisten-Leninisten in der PDS als Bewegung der PDS erscheint (treibende Scholle) ist nichts weiter als die Bewegung ihrer Illusionen von der PDS, die sich eine nach der anderen lösen und entfernen.

Ihre falsche Analyse führt dazu, dass ihnen in Bewegung scheint, was feststeht. In Berlin können sie eine genaue Verortung vornehmen. Dort sind die Nebel aus Propaganda und Geschwätz schon sehr durchsichtig.

Es ist verständlich, dass die vorerst geschlagenen Marxisten-Leninisten sich nach der Konterrevolution erstmal die Wunden lecken. Es ist ein Verdienst, das sie Erinnerung an und Lehren aus dieser ersten sozialistischen Republik in Deutschland pflegen und weiter geben. Sie ist das bisher Beste, was die deutsche Arbeiterklasse geschaffen hat.

In Klaus Steinigers Artikel wird es jedoch zu einer reinen Erinnerungspflege und verkommt zu einer leeren Gedenk-Lobhudelei. Er sagt: „Entscheidend ist, dass jeder auf seine Weise der Sache treu bleibt.“ Da ist keine Bewegung, Entwicklung mehr vorhanden. Marxismus-Leninismus aber ist zielgerichtete Bewegung, Entwicklung. Steinigers Fazit ist so statisch, feststehend wie die PDS, die sich nirgendwo hin bewegt. Sie richtet  sich im Kapitalismus ein. In dieser Ideologie bewegt und entwickelt sich nur der Kapitalismus. Der bewegt die Eingerichteten, die sich nur einbilden sie würden etwas bewegen.

Steinigers Fazit bedient nur das Bedürfnis von marxistisch-leninistischen Genossen nach Erinnerung, Bekenntnis und Bestätigung des Vergangenen an dem diese Genossen häufig sehr verdienstvoll mitwirkten. Erinnerung, Gedenken und Bekenntnis sind entscheidend (das genügt! K.M.), sagt er diesen Genossen.

Was sollen Erinnerungen, Gedenken und Bekenntnisse denn entscheiden, wenn sie isoliert im Raum stehen. Das sagt Steiniger weder uns noch den Genossen. Das kann sich dann jeder nach seinen Launen und Stimmungen ausmalen. Daran, dass sich aus dem Boden der sozialdemokratischen PDS bzw. Linkspartei Klassenkämpfe entwickeln, die die Arbeiterklasse stählen und nach vorne bringen, glaubt auch Steiniger nicht. Warum also schleimt er um die PDS herum?

Steiniger bedient ausschließlich emotionale Bedürfnisse der Genossen, die zwar berechtigt sind, aber nicht genügen. Die marxistisch-leninistischen Genossen haben Besseres verdient!    

Sie verfügen über einen riesigen theoretischen und praktischen Erfahrungsschatz, den es gilt zugänglich zu machen, weiterzugeben und vor allem zu nutzen für die derzeitigen und zukünftigen Klassenkämpfe.

Es ist nicht gleichgültig, ob dieser Samen (Schatz) auf unfruchtbarem, sozialdemokratisch vergiftetem Boden verrottet, verfault und verdirbt oder auf einem fruchtbaren Boden ausgebracht wird, damit er Früchte trägt.    

Der Imperialismus steigert sehr schnell die Klassenkämpfe in entscheidende Phasen. Die Arbeiterklasse braucht eine wirklich marxistisch-leninistische Partei, die ihr Führung geben kann.

Ausgehend von einer falschen Analyse kommt Klaus Steiniger zu falschen Schlussfolgerungen und pflegt im Ergebnis nur Illusionen. Die Arbeiterklasse benötigt keine Illusionenpflege, sondern Perspektiven und Klarheiten, die der Entwicklung einer marxistisch-leninistischen Partei dienen.

Klaus Müller


[1] Rotfuchs, linke Monatszeitschrift. siehe  

[2] Die Spekulation, dass die zweite Vereinigungspartei WASG, möglicherweise „eigens deshalb geschaffen worden, um auf diese Weise die alte PDS gänzlich loszuwerden?“, verfälscht die wirklichen Bewegungen, die der Imperialismus in der Parteienstruktur des Übernahmegebiets und im Stammgebiet erzeugte und weiterhin erzeugt. Sie dient hier lediglich dazu die Illusion vom Fortbestand des Marxismus-Leninismus in der PDS aufrechterhalten zu können. Der Schmerz darüber, die Wahrheit zur Kenntnis zu nehmen, wäre wohl zu groß. Darum trennt sich die Mehrheit von der Illusion zuletzt.

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