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Zeitschrift „Rotfuchs“ auf Abwegen: Rechtfertigung neoliberaler Politik

oder Was ist an China noch sozialistisch?

Von Gerd Höhne/4. Juni 2007

Um die Frage oben gleich zu beantworten: Der Farbanstrich ist rot und die regierende Partei nennt sich kommunistisch. Das war’s denn auch schon – sieht man von einigen anderen kleineren unwesendlichen sozialistischen Überresten mal ab.

Umso mehr wundert es mich, dass in der Zeitschrift „Rotfuch“, die sich im politischen Spektrum links von der DKP angesiedelt einschätzt, jetzt ein Jubelartikel zu den Erfolgen des Übergangs von Sozialismus zum Kapitalismus erschienen ist, den ich einfach nur als widerlich einschätzen kann.

So werden die Schritte in Richtung Kapitalismus nach Maos Tod unter der Führung von Deng Xiaoping wie folgt beschrieben:

„Die Volksrepublik hat auch in den letzten Jahren weiterhin ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von etwa 10 % jährlich zu verzeichnen und damit den seit 1979, dem Beginn der Politik der Reformen und der Öffnung nach außen, erreichten Zuwachs von durchschnittlich 9 % fortgesetzt. Heute verfügt China über die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, in absehbarer Zeit, wohl noch in diesem Jahr, wird es den bisherigen Platz 3 der BRD einnehmen. Im Weltaußenhandel steht China bereits an dritter Stelle. Trotz aller noch verbliebenen sozialen Probleme hat sich das Lebensniveau des chinesischen Volkes, das über Jahrtausende von Hunger, Armut und Rückständigkeit geprägt war, sichtbar verbessert.“

Bild:Nixon Mao 1972-02-29.pngWas ist die eigenartige, von den kapitalistischen Medien übernommene, Bezeichnung „Öffnung nach außen“? Damit kann ja nur gemeint sein, dass die VR-China, noch zu Mao Tse-tungs Lebzeiten, dem  Westen in der Pingpong-Diplomatie ihren Kotau machte. 1972 schüttelt Mao dem US-Präsidenten und eindeutigen Gangster Nixon die Hände, während in Vietnam die USA und ihre Speichellecker, die südvietnamesische Marionettenregierung, ihren Krieg gegen das vietnamesische Volk mit äußerster Brutalität fortsetzten. Dass der Vietnamkrieg am 1. Mai 1975 zu Ende ging, war nicht das Verdienst von Nixon und Mao Tse-tung, hatte auch nichts mit der Pingpong-Diplomatie zu tun, sondern war einzig und allein dem heldenhaften Kampf des vietnamesischen Volkes zu verdanken, das die USA  und ihre Verbündeten in die Flucht schlug. Als dann das geeinigte Vietnam 1978 das Verbrecherregime Pol Pot entmachtete, grifft China im Februar 1979 Vietnam militärisch an.

Das ist die vom „Rotfuchs“ bewunderte Reform und die „Öffnung nach außen“ von 1979. Damit hatte, seit der Oktoberrevolution 1917, das erste Mal ein sich sozialistisch nennendes Land einen Aggressionskrieg begonnen – eine wahre Reform! Ich empfand es damals als eine Schande und das auch noch heute.

Der Autor Rolf Berthold, vormals DDR-Botschafter in Peking und Hanoi, sieht das offenbar nicht so. Dass er das nicht wusste, muss bezweifelt werden.

Jedenfalls „öffneten“ Pekings Machthaber im Februar 1979 die Grenzen Chinas und ließen 200.000 Mann und ein Fünftel der Luftstreitkräfte nach Vietnam einmarschieren. Aber obwohl Vietnam nur eben zwei Divisionen zur Verteidigung zur Verfügung hatte, waren die militärischen Erfolge der Chinesen bescheiden und die Verluste hoch.

Der Rotfuchs schreibt weiter:

Trotz aller noch verbliebenen sozialen Probleme hat sich das Lebensniveau des chinesischen Volkes, das über Jahrtausende von Hunger, Armut und Rückständigkeit geprägt war, sichtbar verbessert. Gerade in einem solchen Prozeß werden die Probleme, deren Lösung in Angriff genommen wurde, besonders deutlich.“

Sehn wir uns doch mal die realen Zahlen an:

Einkommen der Stadtbevölkerung: monatlich 87,50 € durchschnittliche Einkommen pro Kopf, wobei aber auch die Einkommen der Manager bei 5.400 € pro Monat liegt (also ein Verhältnis 1:60 zu den Arbeitern), mit erfasst ist. Die Millionen US-$ reichen Geschäftemacher tauchen gar nicht erst in diesen Zahlen auf. Es gibt bereits 300.000 Millionäre und Multimillionäre (in US-$) in China – aber zig Millionen Verarmter.

Setzt man die Einkommen der einfachen Landbevölkerung in Relation zu den Manegereinkommen, ergibt sich sogar dein Verhältnis von 1:200[1].

Dagegen schreibt der „Rotfuchs“: Die Schere zwischen Stadt und Land vergrößerte sich. Aber daraus eine „Verarmung“ der Dorfbevölkerung abzuleiten, wie das zuweilen erfolgt, ist schlicht unwahr.“

Wenn da keine „Verarmung“ der Dorfbevölkerung abzuleiten“ ist, dann weiß ich nicht, wie man das nennen soll.

Da klingt es fast schon beruhigend, wenn das ZK einer sich kommunistisch nennenden Partei, nach einem Viertel Jahrhundert der Einführung dieser Art von Reformen, sich 2006, lt. „Rotfuchs“ erstmalig mit den sozialen Problemen ihrer Politik als Mittelpunktthema beschäftigte.

„Noch nicht überwundene Arbeitslosigkeit, Probleme der Kranken- und Rentenversicherung, des Bildungs- und Gesundheitswesens standen zur Debatte. Als übergreifende Aufgabe wurde die Schaffung einer sozialistischen harmonischen Gesellschaft formuliert.“

Die Arbeitslosigkeit z.B. ist noch nicht „überwunden“. Klar doch, ist doch Arbeitslosigkeit eines der untrüglichsten Anzeichen kapitalistischer Verhältnisse. Die Parteiführung der KP Chinas, die in grauer Vorzeit sicher auch mal Marx gelesen hat,  sollte sich erinnern:

„„Es ist, wie wir gesehen, Gesetz des Kapitals Mehrarbeit ... zu schaffen; es kann dies nur, indem es notwendige Arbeit in Bewegung setzt - d.h. Tausch mit dem Arbeiter eingeht. Es ist daher seine Tendenz möglichst viel Arbeit zu schaffen; wie es ebenso sehr seine Tendenz ist, die notwendige Arbeit auf ein Minimum zu reduzieren.
Es ist daher ebenso sehr Tendenz des Kapitals die arbeitende Bevölkerung zu vermehren, wie einen Teil derselben beständig als Überschussbevölkerung - Bevölkerung, die zunächst nutzlos ist, bis das Kapital sie verwerten kann - zu setzen....
Es ist ebenso sehr Tendenz des Kapitals, menschliche Arbeit überflüssig zu machen (relativ), als menschliche Arbeit ins Maßlose zu treiben.“ K. Marx, Grundrisse, 302f.

„... Das Kapital (hat) ... ebenso sehr die Tendenz diese Armutsbevölkerung zu schaffen als aufzuheben. Es wirkt in entgegengesetzter Richtung, wo in der Zeit bald das eine, bald das andere das Übergewicht hat.“ K. Marx, Grundrisse, 503.

Und

„Wenn aber eine überschüssige Arbeiterbevölkerung notwendiges Produkt der Akkumulation oder der Entwicklung des Reichtums auf kapitalistischer Grundlage ist, wird diese Überbevölkerung umgekehrt zum Hebel der kapitalistischen Akkumulation, ja zu einer Existenzbedingung der kapitalistischen Produktionsweise.
Sie bildet eine frei verfügbare industrielle Reservearmee, die dem Kapital ganz so absolut gehört, also ob es sie auf seine eigenen Kosten großgezüchtet hätte. Sie schafft für seine wechselnden Verwertungsbedürfnisse das stets bereite ausbeutbare Menschenmaterial, unabhängig von den Schranken der wirklichen Bevölkerungszunahme. ...

Die technischen Bedingungen des Produktionsprozesses selbst, Maschinerie, Transportmittel usw., ermöglichen, auf größter Stufenleiter, die rascheste Verwandlung von Mehrprodukt in zuschüssige Produktionsmittel. Die mit dem Fortschritt der Akkumulation überschwellende und in Zusatzkapital verwandelbare Masse des gesellschaftlichen Reichtums drängt sich mit Wildheit in alte Produktionszweige, deren Markt plötzlich erweitert ist, oder in neu eröffnete ..., deren Bedürfnis aus der Entwicklung der alten Produktionszweige entspringt. In allen solchen Fällen müssen große Menschenmassen plötzlich und ohne Abbruch der Produktionsleiter in anderen Sphären auf die entscheidenden Punkte werfbar sein. Die Überbevölkerung (der Arbeitslosen) liefert sie.“ K. Marx, Kapital I,  661.

Die „Genossen“ des ZK der KP Chinas werden vergeblich etwas gegen die Arbeitslosigkeit unternehmen können, sie werden das auch nicht wollen.

Was ihnen vorschwebt, ist die Schaffung einer „einer sozialistischen harmonischen Gesellschaft.“ Was das ist?

„Die sozialistische harmonische Gesellschaft, für die China eintritt, soll eine stabile und ordentliche Gemeinschaft voller Vitalität sein, in der Mensch und Natur im Geist des demokratischen Regierens durch das Gesetz, in Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit und Freundschaft harmonisch miteinander existieren sollen. Hauptziel ist, die mittleren Gesellschaftsschichten zu vergrößern, die armen Schichten mit niedrigem Einkommen zu verringern, die Einkommens- und Verteilungsstruktur zu rationalisieren, streng die Korruption und die illegale Bereicherung zu bekämpfen, das System der Transferzahlung durch die Regierung zu verstärken, die Erweiterung der Beschäftigung als ein wichtiges Entwicklungsziel zu verwirklichen, intensiv die sozialen und Arbeitsbeziehungen zu verbessern, die Widersprüche, die unter den neuen Umständen auftauchen, richtig zu behandeln und eine glücklichere, gerechtere, harmonischere, sparsamere und vitalere Gesellschaft mit bescheidenem Wohlstand aufzubauen, in der alle ein relativ wohlhabendes Leben führen können.“[2]

Ich lese hier nur die Ankündigung von paradiesischen Zuständen in der Fantasie, ich lese leere Verssprechungen ohne konkrete Inhalte, ich lese leere Absichtserklärung und letztlich blabla.“

Hu Jintao[3] sagte lt. Botschaft der VR China in Berlin dazu: „…die Bildung einer sozialistischen harmonischen Gesellschaft sei ein langwieriges und kompliziertes Projekt. Nur wenn die ganze Bevölkerung daran teilnehmen werde, könne das Ziel erreicht werden. Die Bildung einer sozialistischen harmonischen Gesellschaft sei in jedem Fall hervorragend für die ganze Bevölkerung. Wenn die ganze Bevölkerung vom Aufbau der harmonischen Gesellschaft Vorteile genießen könne, werde sie freiwillig am Aufbau einer harmonischen Gesellschaft teilnehmen.“[4]

Blablabla oder was sonst? Das ist weniger wie Chruschtschows Goulsch-Kommunismus der 60er Jahre, das sind nur Knochen ohne Fleisch dran.

Der „Rotfuchs“ schreibt weiter:

„Diese Aufgabenstellung ist eine der Schlußfolgerungen aus der Niederlage des Sozialismus in der UdSSR und den osteuropäischen Staaten wie auch der inneren Ereignisse in China im Jahre 1989.“

Wenn das so ist, dann ist diese Antwort der KP-Chinas auf die „Niederlage des Sozialismus in der UdSSR“ nur so zu verstehen:

Dort wurde der Fehler nach dem 20. Parteitag der KPdSU gemacht, es mit einer schrittweisen Einführung des Kapitalismus in der Sowjetunion zu versuchen, in China wird aber nicht gekleckert, sondern geklotzt. Nicht etwas Kapitalismus scheibchenweise, wie damals in der UdSSR und den anderen sozialistischen Ländern, sondern wenn, dann richtig.

Die Herren Chinas haben insofern sogar Recht: Ebenso wenig wie eine Frau ein Bisschen schwanger sein kann, kann ein Land nicht ein Bisschen kapitalistisch sein. Entweder ganz oder gar nicht. 

Damit die Herren in Peking aber nicht so schnell beim Verrat erwischt werden, färben sie alles rot ein und nennen es „sozialistisch harmonische Gesellschaft“ – der „Rotfuchs“ macht sich dann auch noch zum Propagandisten dieses Schwindels..

Dass auch alles harmonisch zugeht, die unterbezahlten Arbeiter nicht zu kämpfen wagen, die Arbeitslosen schon gar nicht, die verelendeten Massen sich fügen, dass also alles harmonisch bleibt und die Profite üppig fließen, dafür sorgen die Organe der Staatsmacht, siehe 1989 am Platz des himmlischen Friedens. Nach dem Militäreinsatz mit Maschinengewehren und Panzern gegen das Volk, ist bekanntlich die Harmonie wieder hergesellt worden.

Der „Rotfuchs“ schreibt weiter unkritisch über die Politik der Pekinger Regierung:

„Der Nationale Volkskongreß beschloß das Gesetz über die Körperschaftssteuer und das Gesetz über Eigentumsrechte. Das erste legt einen einheitlichen Steuersatz für chinesische und für Unternehmen mit ausländischem Kapital in Höhe von 25 % fest (bisher 33 % bzw. 14 % bis 24 %). Das zweite sieht den gleichen juristischen Schutz für staatliches, kollektives und privates Eigentum vor.“

Auf Deutsch: Die Reichen, v.a. die Niederlassungen westlicher Konzerne, haben nicht nur den Vorteil der Billiglöhne, wenn sie in China produzieren, sondern sie werden nun auch noch steuerlich entlastet. Das kennen wir doch auch von hier.

Und: Das privatkapitalistische Kapital wird geschützt, indem sie den staatlichen Betrieben gleichgestellt werden.

Weiter hierzu „Rotfuchs“: „daß das Nebeneinanderbestehen von staatlichem, kollektivem und Privateigentum (welches auch die Existenz von Ausbeutung beinhaltet) eine Erscheinung der Anfangsphase des Sozialismus ist.“

Habe ich da bisher Lenin und Stalin falsch verstanden? In der UdSSR ließ man in der Phase nach den Interventionskriegen bestimmte privaten Kleinproduzenten zu. Die NEP war die Phase der Überwindung der Folgen des Krieges, den Weißgardisten und westliche imperialistische Mächte nach Sowjetrussland getragen hatten, ein Mittel zur Überwindung des Hungers als Folge des Krieges und, das war von Anfang an klar, auch nur eine Übergangserscheinung.

Aber niemals ist daran gedacht gewesen, dass westliche Großkonzerne in der Sowjetunion sowjetische Menschen ausbeuten konnten, niemals ist daran gedacht worden, Sowjetmenschen imperialistischen Konzernen als Arbeitssklaven ohne Rechte anzubieten und ausbeuten zu lassen. Aber genau das alles ist in China Normalität.

Und es erhebt sich die Frage: Warum beschließt der Nationale Volkskongress Chinas ein Gesetz, dass er im Zweifelsfall zu brechen gedenkt, wenn man die „Erscheinung der Anfangsphase des Sozialismus“ (Rotfuchs) überwunden hat? Wahrscheinlicher scheint mir zu sein, dass dieser Schutz des Eigentums westlicher Konzerne ein weiterer Schritt in Richtung vollständiger Einführung des Kapitalismus ist.

Ich fasse zusammen: Dieser Artikel von Rolf Berthold im „Rotfuchs“ darf nicht unwidersprochen bleiben, denn wir würden unglaubwürdig im Kampf gegen Neoliberalismus und Globalisierung.

Der Autor vollbringt auch noch das Kunststück zur Entschuldigung dieser Politik zu schreiben: „Das sozialistische Eigentum bleibt dabei der führende Bestandteil der sozialistischen Marktwirtschaft.“

Bisher bin ich davon ausgegangen, dass Markt und Marktwirtschaft wesentliche Bestandteile einer kapitalistischen Wirtschaft sind. Daran ändert auch nichts, wenn man das Prädikat „sozialistisch“ davor setzt. Der Ex-Botschafter der DDR in Peking und Autor dieses Artikels, hat offenbar den Marxismus weiter entwickelt. Oder nur schlichtweg revidiert? Das scheint mir wahrscheinlicher zu sein.

Das, was sich in China abspielt, ist realisierter Neoliberalismus. Auf der einen Seite zügellose Ausbeutung und Spekulation, auf der anderen Seite steigende Verelendung der Bevölkerung. Und, wenn die Werktätigen und Opfer dieser Politik aufbegehren, werden sie brutal nieder gemacht.

Wir Kommunisten dürfen nicht ein Ausdeuter- und Unterdrückersystem nur deshalb entschuldigen oder deren Maßnahmen gegen ihr Volk rechtfertigen, weil sich die regierende Partei kommunistisch nennt und weil die Staatsfahne rot ist. Im Gegenteil: Wir müssen das richtig stellen und aufzeigen, was sich da abspielt: Unterdrückung und brutale Ausbeutung der Werktätigen zum Nutzen einiger Reicher und internationaler Konzerne. Wir sind es auch unserer Glaubwürdigkeit schuldig.

Daran erinnern wir auch die Redaktion des „Rotfuchs“.

Gerd Höhne


[1]  Angaben nach OECD

[2]  Siehe China Internet Information Center (CIIC).

[3]  Hu Jintao  Staatspräsident der Volksrepublik China, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas und Vorsitzender der Zentralen Militärkommission der Volksbefreiungsarmee.

[4]  Botschaft der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland siehe  

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Leserbriefe zum Artikel: 

Zeitschrift „Rotfuchs“ auf Abwegen als Rechtfertiger neoliberaler Politik oder Was ist an China noch sozialistisch? Von Gerd Höhne/4. Juni 2007

Warum macht sich der Rotfuchs zum Propagandisten des Schwindels?

Leserbrief zu Eurem Artikel vom 27. Juni 2007l von Jacob Müller:

Zeitschrift „Rotfuchs“ auf Abwegen: Rechtfertigung neoliberaler Politik oder Was ist an China noch sozialistisch? Von Gerd Höhne/4. Juni 2007 (siehe)

 

Hallo Genossen,

die junge Welt vom 26. Juni 2007 enthält einen Bericht über Arbeitssklaven in China.[1] Der Bericht bestätigt Darstellung und Schlussfolgerungen in Eurem Artikel.

Die Parteiführung der KP Chinas öffnete dem Kapitalismus alle Tore. Er hat die gesellschaftlichen und ökonomischen Strukturen Chinas bereits sehr weitgehend untergraben. Korruption und Profitgier durchdringen den gesamten Regierungsapparat. Eure Feststellung: „Damit die Herren in Peking aber nicht so schnell beim Verrat erwischt werden, färben sie alles rot ein und nennen es „sozialistisch harmonische Gesellschaft“ – der „Rotfuchs“ macht sich dann auch noch zum Propagandisten dieses Schwindels.“, ist völlig zutreffend.   

Für mich stellt sich die Frage: Warum macht sich der Rotfuchs zum Propagandisten des Schwindels? Dumm oder „Blauäugig“ sind ja weder der Autor noch der Chefredakteur. Möglicherweise trifft für den Rotfuchs das Gleiche zu wie für China. Ist nur noch die Fassade mit roter Tünche verziert?

Jakob Müller

"Prima Artikel, danke! E."

Offizieller Delegierter der Korean Friendship Association-Germany

Lieber Genosse Günter,

lieber Genosse Klaus Steiniger, lieber Genosse Rolf Bertolt,

als Offizieller Delegierter der Korean Friendship Association-Germany möchte ich mich der Kritik in komministen-online anschließen. Die Entwicklungen in der VR China geben Anlaß zur Sorge und die Klassengegensätze zwischen arm und reich sowie zwischen Stadt und Land haben sich verschärft. Die chinesische Partei spricht heute auch nicht mehr vom Imperialismus und vom Klassenkampf sondern von einer nebulösen „harmonischen Gesellschaft“. Ich verfolge die chinesische Politik täglich auf dem englischsprachigen chinesischen TV-Satelliten CCTV 9.

Die Beziehungen zwischen der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik und der VR China waren immer sehr gut; es gibt einen militärischen Beistandspakt und gute wirschaftliche Beziehungen. Im Korea-Krieg ist ein Sohn des Genossen Mao Tse Tung als Freiwilliger gefallen. Die Genossen Mao Tse Tung und Chou En-Lai waren sehr viele Male in Pyongyang; ebenso die Genossen Kim Il Sung und Kim Jong Il. Es besteht eine All-Wetter-Freundschaft zwischen den beiden Ländern. Ich hoffe deshalb, dass sich die marxistisch-leninistischen Kräfte in der Tradition der großen Genossen Mao Tse Tung und Chou En-Lai in Zukunft durchsetzen können.

Es ist ein Fehler, allein auf Wirtschaftswachstum zu setzen und die Ideale der Revolution preiszugeben.

Die Imperialisten versuchen seit Jahren mit voller Kraft, China durch die Hintertür mittels Kulturimperialismus zu schädigen; z.B. durch westliche Lebensweise, Fastfoodketten, westliche Musik und kapitalsitischen „Lifestyle“.

Ich bin deshalb stolz auf die Koreanische DVR, die niemals ihre hohen moralischen Prinzipien preisgeben wird und das Rote Banner der Songun-Politik stolz aufrecht hält.Die KDVR hat deshalb in vielen Entwicklungsländern ein hohes moralisches Ansehen und gilt neben Kuba als die Avantgarde in der kommunistischen Weltbewegung.

M. M. W.

Official Delegate

KFA-Germany

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04.06.2007

Bezug: VR China

Hier: Dezidierter Kampf der Korruption 

von Reinhold Schramm

"We´ll hit corruption at its roots, says Hu" titelte die große englischsprachige Tageszeitung Shanghai Daily im Oktober, als Präsident Hu Jintao bei der Bekämpfung der Korruption ausgerechnet in Shanghai, der unabhängig scheinenden "Tor zur Welt"-Metropole, ein Exempel statuierte. Shanghais mächtigster Politiker, Parteisekretär und Mitglied von ZK und Politbüro Chen Liangyu, wurde am 25. September wegen einer seit Juli schwelenden Korruptionsaffäre aller Ämter enthoben. Seither ermittelt eine Disziplinarkommission gegen Chen, was die Vorstufe für strafrechtliche Verfolgung ist. Ihm wird zur Last gelegt, sich am Sozialversicherungsfonds der Stadt vergriffen zu haben. Angeblich wurden über 3,2 Mrd. Renminbi (320 Mio. EUR) in risikoreiche Immobilien- und Hochstraßen-Investitionsprojekte gesteckt – laut Gesetz darf der Sozialfonds jedoch nur in staatlichen Wertpapieren risikofrei angelegt werden.

Die Entlassung und disziplinarische Verfolgung Chens als einem der prominentesten Politiker Ostchinas hat die politische Landschaft erschüttert. Die Biographie des knapp 60jährigen liest sich wie aus dem Bilderbuch der Parteikader; während seiner Amtszeit als Bürgermeister bis 2003 wuchs die  Wirtschaft Shanghais in traumhafter Dynamik. Chen wird der "Shanghai Clique" zugerechnet, dem Zöglings-Club des früheren Shanghaier Bürgermeisters, Staats- und Parteichefs Jiang Zemin. Chen Liangyu ist in der Shanghaier Bevölkerung stets gut angesehen gewesen; über seine schuldhaften persönlichen Verwicklungen in den Pensionsfondsskandal scheiden sich die Geister. (...) Seit 2003 sind nach offiziellen Zahlen 67.500 Regierungsmitglieder wegen Korruption bestraft worden. Auch der Beijinger Vize-Bürgermeister Liu Zhihua sowie hochrangige Kader in diversen Provinzen wurden in diesem Jahr entlassen. Zwischen August 2005 und Juni 2006 wurden über 3.100 Bestechungsfälle (i.d.R. von Unternehmern gegenüber staatlichen Behörden) aufgedeckt.

Quelle (und Übernahme):

FES - Jahresbericht 2006, Beijing und Shanghai/VR China, Januar 2007

Reinhold Schramm

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