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Dummheit
oder bewusste Täuschung?
Appell
ans Kapital: Seid bitte nicht kapitalistisch!
Anmerkung
zur Standardrede eines Erzrevisionisten
Von
Gerd Höhne/ 4. Juli 2006
1.
Kann das Kapital überhaupt antikapitalistisch sein?
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Eine
Fabel von B. Brecht:
„Der
Skorpion.
Der
Skorpion trifft einen Frosch, er fragt den Frosch: Kannst Du
mich auf deinen Rücken nehmen und über den Fluss tragen?
Der
Frosch sagt: Nein, das tu ich nicht, den dann wirst du mich in
der Mitte des Flusses stechen, und wir ertrinken beide.
Aber
das ist doch nicht vernünftig, antwortet der Skorpion, dann würde
ich ja auch sterben. Ja, antwortet der Frosch, also gut, ich
werde ich dich über den Fluss tragen.
Als
der Frosch mit dem Skorpion auf dem Rücken in der Mitte des
Flusses schwimmt, sticht der Skorpion den Frosch in den Rücken.
Bevor
beide ertrinken, spricht der Frosch: Warum hast du das getan?
das ist doch nicht vernünftig, jetzt ertrinkst du auch!
Und
der Skorpion antwortet ihm, weißt Du, ich bin halt ein
Skorpion, das ist mein Charakter, und das hat nichts mit
Vernunft zu tun.“ |
Vom
Kapital zu erwarten, dass es nicht kapitalistisch sei, ist ebenso
töricht,
wie von Skorpion zu verlangen, sich nicht skorpionisch zu verhalten. Das
kapitalistische System mit seiner Ausbeutung des Menschen durch den
Menschen ist an sich unvernünftig. Das Kapital will Profit machen –
egal wie.
Es
wird, wie Lenin es mal feststellte, selbst den Strick verkaufen, mit dem
es aufgehängt wird.
Die
Illusion zu verbreiten, durch Appelle, Beschwörungen oder Bitten an die
Adresse des Kapitals oder dessen Regierung, sie möge die Verfassung
nicht zu ihrem Nutzen ändern oder sie einzuhalten, ist töricht.
Nur
Dummköpfe oder Naive machen das, nicht aber Kommunisten. Die enthüllen
die gesellschaftlichen Zusammenhänge mit dem Ziel, die Massen zum
Widerstand gegen das Kapital zu mobilisieren, gegen die Machenschaften
des Kapitals, wie Lohndrückerei, Abbau erkämpfter demokratischer und
sozialer Rechte und – übergeordnet – mit dem Ziel der Beseitigung
der kapitalistischen Herrschaft.
Dem
giftigen Skorpion Kapitalismus kann nicht mit Geschmuse sein Gift in
Milch und Honig verwandelt werden, sondern er muss von den
Arbeitermassen zertreten werden. Nur so sind letztlich
Massenverelendung, Unterdrückung, Faschismus und Kriege dauerhaft zu
bekämpfen.
2.
Die unkritische Veröffentlichung eines Textes eines Erzrevisionisten in
„Offen-siv“
Ich
meine, als Macher einer Publikation hat man Verantwortung dafür, was
und wen man bringt. So halte ich es für sehr problematisch, wenn eine
kommunistische Zeitschrift einen Erzrevisionisten unkommentiert
abdruckt, denn sie adelt den Autor schon allein damit, dass sie ihn
unkritisch bringt.
In
der Nummer 5 der Zeitschrift Offensiv, die wir im Allgemeinen sehr hoch
schätzen, finden wir den Text der Rede eines Ulrich Sander mit dem
Titel: „Endlich das Grundgesetz einhalten.“ (siehe)
Kommunisten-online
setzte sich schon mehrfach mit Ulrich Sander auseinander. 2002 z,B.
denunzierte er den jungeWelt-Redakteur und österreichischen Kommunisten
Werner Pirker beim DKP-Chef Stehr, weil in den Marxistischen Blättern
ein Pirker-Artikel mit dem Titel „Einen
anderen Zionismus gibt es nicht, Je
rabiater Scharon vorgeht, desto stärker wird linker Bekenntnisdrang zu
Israel“
veröffentlicht worden war.
Sander
verstieg sich sogar in der Behauptung, Pirker sei, weil er Österreicher
ist, unkritisch den Nazis gegenüber.
Und
noch ein Zitat von Sander:
„Wer
immer noch in vielen Konflikten den Muslimen einredet, ihre Gewalttaten
seien gerechtfertigt und werden „belohnt“ im Paradies, wenn sie an
„Gottes Gebote glauben“ (Bin Laden laut Frankfurter Rundschau vom
12.9.01), der ist ein verbrecherischer Kriegshetzer. Und wer zu solchen
Theorien schweigt, ist es auch, oder er wird zumindest mitschuldig.
Insofern ist auch Präsident Bushs Aufruf: „Gott segne die Opfer, ihre
Familien und Amerika“ höchst fragwürdig“
Unsere
Antwort dazu:
„Der
umzingelte Stammeskrieger im Hochgebirge Bin
Laden ist „verbrecherischer Kriegshetzer“ - der Staatschef der
aggressivsten und waffenstarrensten Macht der Erde ist nur „fragwürdig“.
Alles ist eben relativ.“ siehe
auch
Stander
war mal Redakteur der DKP-Zeitung UZ. Was er schrieb, will ich im
Einzelnen nicht beurteilen. Jetzt ist er bei der VVN, immer noch in
der DKP und auch in der Friedensbewegung tätig. Da ist er hoch
geachtet, seine Reden seien sehr gut, sagen einige Friedensfreunde (die
offenbar seine Kriegsreden nicht genau gelesen haben und die für
Friedensreden halten). Seine Partei machte ihn 2004 sogar zum Kandidaten
für das Amt des Oberbürgermeisters in Dortmund.
Als
DKP- Vorsitzender
Heinz Stehr vor knapp 2 Jahren auf dem Höhepunkt
des Massenmordes der USA-Besatzer in Faludscha, die Kollaboration der
Irakischen Kommunistischen Partei rechtfertigte, sekundierte ihm Sander:
„Wieder
kämpfen heute islamische Revolutionäre um die Macht im Staate, diesmal
im Nachbarland Irak. Sie verbünden sich zu grausamen Feldzügen und
Anschlägen mit den Vertretern des alten Regimes des Saddam Hussein, mit
Kriminellen und Terroristen gegen die USA und gegen alle, die sie für
Handlanger der USA halten. Ihre Opfer sind vor allem irakische Mitbürger.
Ich erkenne heute im Irak die Kräfte wieder, die im Iran der
Achtzigerjahre der Revolution die furchtbare Wende bereiteten.“
Siehe
auch
Sander unterstützte Stehr mit einem blumigen Text in der
UZ bei dessen Unterstützung für Kollaboration der IKP mit den
Besatzern, in dem er
Vergleiche zum Iran und der Tudeh-Partei herstellte.
Die
Tudeh-Partei ist allerdings den Verfolgern und Killern des Regimes
des Ayatollah Ruhollah Khomeini zum Opfer gefallen. Ehe dies aber möglich war, erlag
diese Partei in den Jahrzehnten davor immer mehr dem modernen
Revisionismus. Anstelle im Iran die Massen zu organisieren, anstelle sie
auf den gewaltsamen Sturz des Schah-Regimes vorzubereiten, anstelle sich
selbst einen bewaffneten Arm zu schaffen, unterstützte sie vorbehaltlos
Khomeni. Der aber, an die Macht im Iran gekommen, duldete keine Partei,
die sich nicht seinen religiösen Vorstellung unterordnete und ließ die
Tudeh-Partei blutig verfolgen. Die Partei war schutzlos den religiösen
Fanatikern ausgeliefert.
Die vorbehaltlose Unterstützung, ja die
Unterwerfung unter Khomeini, ließ in der iranischen – aber auch in
der internationalen – Öffentlichkeit das Bild entstehen, als seien es
nur die Ayatollahs, die dem Schah Widerstand leisteten und
diesen schließlich stürzten. Alle anderen Widerstandsbewegungen gegen
das Schah-Regime standen im Hintergrund, auch die Tudeh-Partei.
Es wäre
Aufgabe der Kommunisten in der Tudeh-Partei gewesen, sich an die Spitze
des Widerstands zu setzen, zumindest unabhängig von der Religiösen
bewaffnete Strukturen aufzubauen.
Die
Irakische Kommunistische Partei verhielt sich ähnlich und nun ist sie
Verbündete und Quizling der USA-Besatzer. Es handelt sich aber beim
irakischen Widerstand nicht um moslemische Fundamentalisten – von
denen sind auch einige dabei – sondern um ein Bündnis der
unterschiedlichsten nationalen und weltanschaulich ausgerichteten
Gruppen – auch von Kommunisten, die die Politik der IKP nicht
mittragen wollen. Die Unterstützung der IKP für die USA-Besatzer
richtet sich gegen die Interessen des irakischen Volkes. Die IKP muss
wissen, dass es den USA nicht um Befreiung des irakischen Volkes von der
blutigen Herrschaft des Sadam Hussein geht, sondern um den Zugriff auf
das Erdöl.
Die
vorherrschenden Kräfte des irakischen Widerstands sind nicht religiös
ausgerichtet. Sander betreibt hier nichts anderes als die Geschäfte der
kapitalistischen Propaganda und somit, wie diese auch, Hetze
gegen antiimperialistische Kräfte.
Es
ist selbstverständlich, dass auch ein blindes Huhn mal ein Korn findet
und ein Erzrevisionist kann mal was Richtiges schreiben. Als Redakteur
einer kommunistischen Zeitung schaue ich mir von solchen Leuten die
Artikel besonders genau an: Wo
sind die inhaltlich revisionistischen Stellen und beleuchte sie kritisch
– oder ich ignoriere deren Texte.
Wenn
die Redaktion von Offensiv meinte, diesen Artikel unbedingt bringen zu müssen, musste
sie zumindest einige kritische Anmerkungen hinzufügen. Offensiv bringt
Sanders Ostermarsch-Rede aus Duisburg unkommentiert und unkritisiert.
Der Inhalt aber ist – bei Sander kann man das fast ungeprüft
voraussetzen – blabla, Gewäsch, Halbrichtiges und total Falsches,
vermischt mit einigen radikalen Worthülsen. Die Redaktion von
„Offensiv“ hat
offensichtlich das von ihr übernommenes nicht kritisch durchleuchtet.
Das
holen wir, an deren Stelle, hiermit, nach.
3.
„Weil der Iran nach Atomwaffen strebt…“ oder
Verfassung
und Verfassungsrealität in Deutschland
Flott
ist er ja, der Ulrich Sander. Er beeilt sich immer ganz schnell, die
kriegsvorbereitenden Lügen der Imperialisten mit linkem Gerede zu
untermauern und tut dann so, als sei er der wahre Friedensbringer. So
auch hier. Sander behauptet doch ganz frech, der Iran strebe nach
Atomwaffen. Woher hat er das denn? Kann er sich auf Informationen stützen,
die wir nicht haben? Aber warum nennt er nicht seine Quellen?
Oder
übernimmt er nur devot die Argumente des Klassenfeindes zur
Kriegsvorbereitung und will damit ihre Glaubwürdigkeit erhöhen, indem
ein waschechter Friedensfreund, hochgeachtet und VVN-Sprecher, sie
imperialistischen Lügen nachplappert? Das
wird es wohl sein. Denn Sander weiß ebenso viel wie wir alle und
seine Informationsquellen sind die Medien des Klassenfeindes, die nur
Sprachrohr der Kriegshetzer sind. Wer das einfach unkritisch
nachplappert, wird ganz schnell selbst zum Kriegshetzer.
Sander
appelliert doch ganz ernsthaft an den sprechenden Hosenanzug, Frau
Merkel: „…die deutsche
Kanzlerin findet kein Wort der Kritik, sondern trieft vor Verständnis.“
Was
erwartet Sander von der Kanzlerin? Dass sie sich an die Spitze der
Friedensbewegung stellt, den USA-Imperialismus geißelt und sich für
die Rechte der Völker einsetzt? Das kann doch selbst Sander nicht
ernsthaft meinen.
Manchmal
ist Sander nahe am Problem, aber eben nur nahe:
„Wir
werden mit Lügen überschüttet, um Kriege zu begründen. Das allgemein
anerkannte „Nie wieder Krieg - nie wieder Faschismus“ wurde zu
„Nie wieder Auschwitz“ verkürzt…“
Die
überschütteten Lügen übernimmt Sander oft gern selbst, sogar, indem
er sie in Denunziatiönchen gegen Kommunisten packt (siehe Sanders Brief
an Heinz Steht im Jahre 2002, betr. Werner Pirker)
oder dem irakischen Widerstand anlastet, er führe Krieg gegen die
USA-Besatzer.
Aber
Sander verschweigt auch wissentlich, was die wahren Ursachen der
Verbrechen der Faschisten, in Auschwitz und anderswo, sind. Es ist
richtig, ohne den Krieg wäre Auschwitz unmöglich gewesen. Hat aber ein
gewisser Herr Hitler einfach mal so einen Krieg vom Zaun gebrochen oder
steckten da nicht die Welteroberungs- und Profitinteressen der Krupp,
Thyssen, Klöckner, Siemens , IG-Farben, der Großbanken usw. dahinter?
Davon aber kein Wort im Text des Herrn
Sander.
Weiter:
Um aber den Krieg beginnen und führen zu können, mussten die deutschen
Konzernherren sich der Arbeiterbewegung – vor allem der Kommunisten –
entledigen. Deshalb begannen sie bereits kurz nach der
Machtergreifung die Kommunisten blutig systematisch zu
verfolgen. Die Nazis zündeten den Reichstag an und behaupteten, das
seien die Kommunisten gewesen. Zehntausende Kommunisten wurden in Konzentrationslager verschleppt und
gefoltert und ermordet. Bald folgte, am 2, Mai 1933, die Zerschlagung der
Gewerkschaften und im Juni 1933 wurden auch die Sozialdemokraten
verboten.
Die
Vernichtung der Organisationen der Arbeiterbewegung war für die
Kriegsvorbereitung von elementarer Bedeutung. Nur die Arbeiterklasse wäre
in der Lage gewesen, den Kriegsplänen der Konzerne Widerstand entgegen zu
setzen. Deshalb wandte sich die erste faschistische Terrorwelle gegen
die KPD, deren Organisationen und deren Presse.
Das übersieht Sander geflissentlich.
Zufall? Immerhin war Sander stellv. Chefredakteur der UZ.
Sander
lamentiert an die Adresse der Herrschenden gerichtet, über deren
Verfassungsbrüche. Hat Sander denn noch nichts über den
Klassencharakter des Staates und dessen Gesetze und Justiz gehört? Oder
lässt er das bewusst außen vor?
Kennt
er denn nicht die wahre Bedeutung der bewaffneten Organe des
kapitalistischen Staates, der Armee und Polizei?
Wenn das
Kapital die Massen des Proletariats nicht mehr „friedlich“
beherrschen kann, ist man gewillt und in der Lage, auch das Militär
einzusetzen. Und sie pfeifen da auf Verbote durch das Grundgesetz.
Was
nützt da lamentieren? Wir müssen uns in die Lage versetzen, dagegen zu
wirken. Wir müssen bereit sein, uns gegen solche Übergriffe zu wehren.
Kommunisten sind keine Pazifisten, sie müssen bereit sein, ggf. auch
bewaffnet Widerstand zu leisten. Und wir müssen uns in jeder Phase
unseres Parteiaufbaus auf diese Notwendigkeit einzustellen:
Die
Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu
verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht
werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen
Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer
kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr
zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.
Aber
dagegen Sander:
„Das
Grundgesetz schreibt die Parlamentsarmee vor, doch immer obenan beim
Kommando über die Frage von Krieg oder Frieden sind die Generäle des
neuen deutschen Generalstabs.“
Sander
verschweigt, zu was die Bundeswehr geschaffen wurde: Sie sollte als
Speerspitze der imperialistischen Mächte gegen das sozialistische Lager
eingesetzt werden. Sie war also von Anfang an eine Angriffsarmee. Was
war mit der „Vorwärtsverteidigung“ der Nato? Das war ein anderes
Wort für Angriffskrieg.
Oder
unterstellt Sander dem sozialistischen Lager, es habe einen
Angriffskrieg gegen Westeuropa führen wollen, damit die Nato
Deutschland verteidigen gekonnt hätte?
Parlamentsarmee! Dass ich nicht lache!
Weiter
Sander:
„Und
die wollen die Fortsetzung und Steigerung der Rüstung auf hohem
Niveau.“
Die
Generäle, auf das bezieht sich das, wollen sie das ohne Zweifel.
Die Bundeswehr bekäme jedoch keine einzige Patrone mehr, wenn das nicht
im Interesse der wirklichen Herrn dieses Staates läge: den
Konzernherren.
Und
die wollen nun, nachdem sie ein Drittel mehr Land und 17 Millionen mehr
Menschen unter ihre Herrschaft gebracht haben, wieder einmal ihre Rolle
in der Welt spielen. Wieder einmal wollen sie mitmischen im weltweiten Poker um
mehr Öl, Rohstoffe und Absatzmärkte. Das sind die Gründe der Hochrüstung
und nicht das, was ein paar Lamettaträger der Bundeswehr haben wollen.
Jedoch
hierzu kein Wort bei Sander.
Wenn
Ex-Minister Struck treuherzig zugibt, das würden die Massen durch
Sozialraub finanzieren, so ist ungewöhnlich daran nur, dass er es
gesagt hat. Hätte er das nicht, wäre es auch nicht anders gewesen. Die
Massen müssen immer die Kriege, die gegen sie und gegen ihre Klassenbrüder
geführt werden, bezahlen. Das war in den beiden Weltkriegen des 20.
Jahrhunderts auch nicht
anders gewesen.
Gegen
die Kriegstreiber hilft nur entschiedener antikapitalistischer Kampf,
also Klassenkampf des Proletariats. Solches Gewäsch á la Sander hilft
da überhaupt nicht weiter, im Gegenteil. Es bremst nur.
Das
Kapital hat ein großes Interesse daran, den Menschen im Lande den
Klassencharakter des bürgerlichen Staates zu verschweigen. Sie haben
Interesse daran, dass der Krieghetzerei kein organisierter Widerstand
entgegen gesetzt wird. Dazu bedienen sich die Herrschenden ihrer
Politiker und Medien. Als sehr wirkungsvoll haben sich jene heraus
gestellt, die nach außen vorgeben, gegen den Kapitalismus zu sein, tatsächlich
aber deren Geschäfte besorgen. Sander ist einer von ihnen.
Weiter
bei Sander:
„Es
kann keine Rede davon sein, dass wir mit der neuen Regierung der
Abschaffung der Wehrpflicht näher gekommen sind. Entscheidend sind die
Anforderungen des Militärs. Sie benötigen die Wehrpflicht, um der
Bundeswehr das geeignete Menschenmaterial zu beschaffen, das schnell
auch zum Kanonenfutter werden kann.“
Kann
das alles denn eine Berufsarmee nicht? Die BRD ist meines Wissens das
einzige größere Nato-Land mit einer Wehrpflichtigenarmee. Die
USA, Frankreich und England haben eine Berufsarmee. Sind sie aber damit
ein Hort des Friedens? Natürlich nicht. Alle drei Länder führen seit
vielen Jahren offene und versteckte Kriege in aller Welt. Zuletzt die
USA und England im Irak. Was soll dann das Gewäsch von Abschaffung der
Wehrpflicht? Eine Berufsarmee ist ebenso eine Armee eines
imperialistischen Landes, sie ist sogar noch wirkungsvoller. Eine Söldnertruppe
kennt keine Skrupel und schießt ggf. auch auf die eigenen Verwandten im
eigenen Land. Eine Wehrpflichttruppe ist da weit unzuverlässiger.
Es
kommt nicht darauf an, die Bundeswehr in eine Berufsarmee umzuwandeln.
Die Arbeiterbewegung forderte früher immer die allgemeine
Volksbewaffnung. Das wäre die Alternative zu Berufsarmee und Wehrpflichtarmee. Eine
solche Milizarmee wäre wirklich untauglich für Angriffskriege und auch
gegen streikende und demonstrierende Arbeiter wäre sie nicht einsatzfähig.
Mir
ist klar, dass das derzeit nicht durchsetzbar ist, aber trotzdem muss
ich es benennen. Ein Volk in Waffen ist nur schwer nieder zu halten. So
einfach ist das, Herr Sander.
Sander:
„Wenn
der Kriegsminister die Anpassung der Verfassung an die kriegerischen
Tatsachen verlangt, so fordern wir die Verteidigung der Verfassung. Sie
verbietet die Bundeswehreinsätze außerhalb der Landesverteidigung und
der Bündnisverteidigung. Sie verbietet Einsätze im Innern. Sie
verbietet Angriffskriege und die Vorbereitung dazu.“
Verbalradikale
Bezeichnungen wie „Kriegsminister“ halte ich zwar für zulässig,
wenn es die Rolle dieses Ministeriums hervorheben soll. Aber Sander
vernebelt den Durchblick. Waren denn frühere „Kriegsminister“, wie Franz
Josef Strauß oder Kai Uwe von Hasselt Friedensminister, nur weil sie
nicht verlangten, die Bundeswehr in Asien einzusetzen, sondern „nur“
hier – zur Eroberung der DDR?
Das
Verbot von Angriffskriegen im Grundgesetz ist das Papier nicht wert, auf
dem es gedruckt wurde. Wie man Angriffskriege in Verteidigungskriege umlügt,
hat uns Hitler 1939 und US-Präsident Bush 2003 anschaulich vorgeführt.
Hitler ließ den Reichssender in Gleiwitz von angeblichen Polen überfallen
und Bush dichtete dem Irak Atomwaffen an. Beispiele dieser Art lassen
sich noch viele finden.
Wenn
Sander von „Bündnisverteidigung“ schwafelt, kann er doch nur die
Nato meinen. Ein wahres Friedensbündnis also, dessen Ziel von Beginn an
die Aggression gegen die sozialistischen Länder war.
Wer redet da von Einhaltung des
Grundgesetzes? Nur solche, die naiv genug sind zu glauben, die
Konzernherren und ihre Regierung halte sich an diese Verfassung oder
komplette Schleimer des Kapitals.
Sander:
Wir
sollen frei sein von Faschismus, weshalb das Verbot des NS und des
Militarismus, das nach 1945 nachhaltig ausgesprochen wurde, weiter gilt
(Artikel 139 GG).
Steht
das wirklich im Grundgesetz Artikel 139? Tatsächlich steht da nur, dass
die Alliierten Verbote von Naziorganisationen weiter Gültigkeit haben.
Man muss aber bedenken, dass die BRD 1949 noch immer unter
Besatzungsrecht stand. Wer auf Artikel 139 GG herum reitet, lenkt vom
wirklichen Problem ab und macht das GG zu einer antifaschistischen
Verfassung. Wieso aber waren soviel alte Nazi in hohen und höchsten
Positionen in der frühen BRD?
Die
Realität sah ganz anders aus. Während der Adenauer-Zeit war Polizei,
Justiz, Verwaltung, Geheimdienste und nach ihrer Gründung auch die
Bundeswehr, von Nazis überschwemmt. Sie gaben überall den Ton an. In
der Justiz war es so schlimm, dass einer der wenigen aufrechten
antifaschistischen Juristen im Staatsdienst, der hessische
Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, als er Informationen über den
Aufenthalt von Adolf Eichmann bekam, sich an den israelischen
Geheimdienst wandte. Er fürchtete, dass Eichmann von den deutschen
Organen gewarnt werden könnte.
Die
Sorge war berechtigt. Der Massenmörder und KZ-Arzt Josef Mengele konnte
ungestört in Südamerika leben, bekam seinen Gewinnanteil an der
Landmaschinenfirma Mengele (besteht noch heute )
regelmäßig überwiesen und war auch mehrfach in Deutschland bei seiner
Familie. Ihm krümmte nie jemand von einer deutschen Behörde ein Haar.
Er musste nur Angst haben, dass es ihm ähnlich ging, wie Adolf
Eichmann. Aber im Gegensatz zu diesen war Menge ein reicher Mann und
sein Bruder, der die Geschäfte der gemeinsamen Fabrik leitete, war
einflussreich – obwohl jeder wusste, dass er sein Bruder, einen
Massenmörder, finanziell unterstützte.
Das, Herr Sander,
war und ist die Verfassungsrealität des ach so antifaschistischen
Grundgesetzes!
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4.
Statt Naziverfolgung wurden in der BRD
Kommunisten verfolgt
Anstatt
die alten Nazis zu verfolgen, verfolgte das BRD-Regime bis in
die 60er Jahre die Kommunisten. So z.B. das VVN-Mitglied Jupp
Angenfort. Angenfort war Vorsitzender der FDJ im Westen und
Landtagsabgeordneter der KPD in NRW. Als Landtagsabgeordneter
genoss er Immunität. Das hinderte das Bundeskriminalamt aber
nicht daran, ihn im März 1953 in Duisburg zu verhaften.
Angenfort wurde wegen Hochverrats zu 5 Jahren Zuchthaus
verurteilt.
Das war
Verfassungsrealität des Grundgesetzes.
Die
Liste ist unendlich: Das KPD-Verbot von 1956 und die Verfolgung
von Kommunisten, der nie gesühnte Polizeimord am 11.Mai
1952 an FDJ-Mitglied Philipp Müller
bei
der Bundesjugendkarawane Essen,
Berufsverbote in den 70er und 80er Jahren usw. usf.
Erwähnt sei auch der Polizeimord am
Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967. Der Polizist Karl-Heinz
Kurras liquidierte Benno Ohnesorg durch Kopfschuss von hinten.
Kurras saß keine Minute im Knast, wurde freigesprochen, weil
„präventive Notwehr“, machte Polizeikarriere und lebt heute
materiell gut abgesichert als pensionierter Oberkommissar in
Berlin.
D
Verfassungsrealität des Grundgesetzes!
Das
Grundgesetz, mag es auch Artikel enthalten, die gut und richtig
sind, aber wir müssen uns klar sein, dass weder Sander noch
Ostermarsch die Herrschenden daran hindern werden, wenn sie es zur
Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft für erforderlich halten,
ihre eigene Verfassung zu brechen. So galt die Weimarer
Verfassung auch bis zum 8. Mai 1945, was Hitler nicht daran
hinderte, die faschistische Terrorherrschaft zu errichten, den
2. Weltkrieg vom Zaun zu brechen und die Todesfabriken in
Auschwitz, Treblinka usw. in Gang zu setzen.
Es
gibt nur eine Möglichkeit das zu verhindern: Mobilisierung der
Massen.
„Massenarbeit,
Massenkampf, Massenwiderstand, Einheitsfront, keine Abenteuer -
das ist das Alpha und Omega der kommunistischen Taktik.“
Ruft Dimitroff vor dem Reichgericht an die Adresse des Zeugen Göring
und an die der Richter.
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Jupp
Angenfort
Trotz
Immunität als Abgeordneter des Landtags von NRW 1953 verhaftet
und zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt |
In
Frankreich versuchten 1936 auch die Faschisten an die Macht zu kommen.
Sie scheiterten kläglich an der Entschlossenheit der französischen
Arbeiterklasse.
In
Spanien putschte der faschistische General Franco gegen die
Volksfront-Regierung. Aber die Republik, unterstützt durch Freiwillige
aus aller Welt, bot den Faschisten die Stirn. Erst die massive Unterstützung
durch die Faschistenregimes in Deutschland und Italien für Franco und die verlogene
Haltung der Westmächte, die der republikanischen Regierung materielle
Unterstützung verweigerten, die faschistische Hilfe für Franco aber ungeahndet ließen,
brachte in Spanien den Faschisten den Sieg.
Letztlich
also ist eine faschistische Diktatur nur zu verhindern, indem das
Proletariat den Nährboden des Faschismus, den Kapitalismus, beseitigt.
Davon redet Sander aber nirgendwo.
4.
Zusammenfassung
Sander
ist sich wieder einmal treu geblieben und hat wieder einmal eine
Nebelwand gelegt, damit die wahren Ursachen der Kriege, der
Massenverelendung, der Unterdrückung und des Faschismus verschleiert
werden. Er redet von Abschaffung der Atomwaffen hier – dafür sind wir
auch – aber schweigt zu diesen Waffen in israelischem Besitz.
Sander
nutzt schamlos seine Position in der Organisation aus, die einst von
Widerstandskämpfern gegen des Faschismus gegründet wurde: der VVN/BdA
– eine unter Linken und Demokraten hochgeachtete Organisation. Er
hofft, dass es keiner wagt, sich gegen einen Sprecher der VVN zu
positionieren.
Und
tatsächlich, bisher haben nur wir es gewagt, Sander die Maske vom
Gesicht zu reißen. Es war überfällig!
G.H.
Böswillig oder beschränkt? Kritik
am zionistischen Rassismus wird als antisemitisch diffamiert, von
Gerd Höhne siehe
Artikel 139, [Fortgeltung der Entnazifizierungsvorschriften]
Die zur „Befreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus
und Militarismus“ erlassenen Rechtsvorschriften werden von den
Bestimmungen dieses Grundgesetzes nicht berührt.
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