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Wahlboykott!
Erklärung
der KPD zu den Wahlen am 18. September
6.
August 2005
Quelle:
ROTER MORGEN online 4,
2005
Bei
den Bundestagswahlen vor drei Jahren haben sich die Parteien mit
wohlklingenden Versprechungen überschlagen. Schröder zum Beispiel hat
versprochen, die Arbeitslosenzahl würde auf unter 3,5 Millionen sinken.
Mittlerweile pendelt die offizielle Arbeitslosenzahl um 5 Millionen, die
faktische Arbeitslosigkeit ist weit höher.
Wieder
tönen alle Parteien, sie wollten die Arbeitslosigkeit beseitigen.
Gleichzeitig drohen sie uns, zu diesem Zweck müßten wir den Gürtel
noch enger schnallen. Noch niedrigere Löhne, Arbeit unter Tarif, noch
mehr Sozialabbau, höhere Mehrwertsteuer, Abbau des Kündigungsschutzes
usw. Gewiß, die Schattierungen in den Programmen der Parteien sind
unterschiedlich. Alle aber wollen die Krise des Kapitalismus auf die
ArbeiterInnen und unteren Angestellten abwälzen, auf diejenigen, die
alle Werte schaffen. Die Körperschaftssteuer aber, die
„Einkommenssteuer“ der Monopole, wollen sowohl CDU/CSU als auch die
SPD noch weiter senken. Sie wollen uns noch mehr nehmen und den
Monopolen noch mehr geben.
Die
Behauptung, all dies würde der Arbeitslosigkeit entgegenwirken, ist
billige Lüge. Die Arbeitslosigkeit kommt nicht von Tariflöhnen, von
sozialen Rechten, von Kündigungsschutz und so weiter. Sie kommt von der
verrückten kapitalistischen Ordnung. Die Kapitalisten drücken um des
Profits willen die Löhne und engen damit den inneren Markt ein. Also drängen
sie verstärkt auf den äußeren Markt. Da dies aber die Kapitalisten
aller Länder tun, stoßen sie dort aufeinander. Das ist der Hauptgrund
für Kriegsvorbereitungen und Kriege. Deshalb treten die SPD und die
Unionsparteien, die Grünen und die FDP dafür ein, daß die Bundeswehr
überall in der Welt Länder besetzt und Kriege führt, gemäß dem Wort
des Kriegsministers Struck (SPD), man müsse Deutschland auch am
Hindukusch verteidigen.
Egal,
wie die Wahlen ausgehen werden, ob SPD/Grüne, Union/FDP oder eine Große
Koalition regieren werden: nach den Wahlen wird das Zahlen kommen. Sie
werden uns das Fell noch weiter über die Ohren ziehen, und die
Arbeitslosigkeit wird weiter steigen.
Muß das alles so sein?
Die
Arbeitsproduktivität steigt, und damit wächst der gesellschaftliche
Reichtum. An sich sind die Voraussetzungen da, daß es uns besser gehen
könnte:
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Die Reallöhne und -gehälter könnten steigen.
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Die Versorgung in Alter und Krankheit könnte verbessert werden.
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Alle Arbeitsfähigen könnten arbeiten - bei drastisch reduzierter
Arbeitszeit.
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Alle Jugendlichen könnten eine qualifizierte Ausbildung bekommen.
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Die Arbeitswelt könnte menschengerecht gestaltet werden: sinnvolle
Arbeitsinhalte, mehr Handlungsspielräume, verbesserte Qualifikation.
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Männer und Frauen könnten in allen gesellschaftlichen Bereichen
gleichgestellt sein, nicht nur in Worten, sondern in der Praxis.
Die
Sache hat nur einen Haken: Wir leben im Kapitalismus.
Nicht
Bedürfnisse entscheiden über die Produktion, sondern die Verwertung
des Kapitals.
Die
KPD tritt dafür ein, daß die arbeitenden Menschen tatsächlich das
Sagen haben und die Früchte ihrer Arbeit genießen können. Sie benennt
den einzigen Weg, auf dem dies Wirklichkeit werden kann: Enteignung der
Industrie- und Handelsunternehmen, der Banken und Versicherungskonzerne,
der Massenmedien sowie des großen Grundbesitzes. Dies ist aber nur
durch eine sozialistische Revolution zu erreichen, durch die Erkämpfung
eines Sozialismus, der diesen Namen verdient, in dem tatsächlich die
Arbeiterklasse die Macht hat und nicht einige entartete Funktionäre wie
in der DDR.
Erst
dann kann es Demokratie für die arbeitenden Menschen geben, weil die
Macht des großen Geldes dann gebrochen ist. Die KPD tritt für eine
Demokratie ein, in der
*
die Abgeordneten ihren Wählern rechenschaftspflichtig sind und
jederzeit abgewählt werden können,
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möglichst viele Abgeordnete ihre Berufstätigkeit nicht unterbrechen,
damit die politischen Entscheidungen nicht vorwiegend von
Berufspolitikern gefällt werden,
*
Abgeordnete als Entschädigung für ihre Tätigkeit nicht mehr als einen
durchschnittlichen Facharbeiterlohn erhalten,
*
Entscheidungen, soweit es sinnvoll ist, auf lokaler Ebene und durch die
Betroffenen bzw. unter maximaler Einbeziehung der Betroffenen gefällt
werden.
Durch
Wahlen können wir eine solche Demokratie für die arbeitenden Menschen
nicht erreichen, sondern nur durch den revolutionären Umsturz der
bestehenden Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.
Durch
Wahlen könnten wir allerdings eines erreichen: Abgeordnete, die im
Bundestag die Interessen der arbeitenden Menschen vertreten und die
Politik des Kapitals angreifen. Dadurch könnten sie den Klassenkampf in
den Betrieben und auf der Straße unterstützen. Doch derzeit hat die
Arbeiterklasse keine parlamentarische Vertretung, und das wird auch nach
den kommenden Wahlen so sein. Die KPD ist zahlenmäßig noch viel zu
schwach, um zu kandidieren, und ein überparteiliches Wahlbündnis
fortschrittlicher Menschen existiert ebenfalls nicht. Das ist eine
Perspektive für die Zukunft.
Warum nicht die „Linkspartei“?
Viele
Menschen, die berechtigterweise nach einer Alternative zu der Politik
von SPD und Grünen, von Union und FDP suchen, setzen ihre Hoffnungen
auf die „Linkspartei“. Doch diese Hoffnungen werden enttäuscht
werden.
*
Zwar fordert die Linkspartei „Weg mit Hartz IV!“ Gut so. Aber wie
sieht die Praxis aus? In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern setzt die PDS
Hartz IV um und steht für Sozialabbau. Alle hauptamtlichen Bürgermeister
der PDS in Thüringen beschäftigen 1-Euro-Jobber. (Video-Text MDR vom
12. Juni)
*
Um der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken, müßte eine drastische Verkürzung
der Arbeitszeit durchgesetzt werden. Dafür steht die Forderung nach der
30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Im Wahlprogramm
der Linkspartei sucht man diese Forderung vergeblich.
*Lafontaine
ist öffentlich für Folter aufgetreten - das Wahlprogramm der
Linkspartei schweigt zu dieser Frage.
*
Die Linkspartei sagt zwar, kämpfende deutsche Soldaten in aller Welt
seien „keine Botschafter des Friedens“. Richtig. Deshalb müssen
sofort und bedingungslos alle deutschen Soldaten und paramilitärischen
Kräfte aus dem Ausland zurückgeholt werden! Zu dieser klaren Forderung
ringt die Linkspartei sich nicht durch.
*
Die Linkspartei will den Abzug US-amerikanischer Atomwaffen aus
Deutschland durchsetzen. Gut so. Aber was ist mit der Unterstützung
z.B. des Irakkrieges durch Überflugsrechte und die Bereitstellung von
Militärbasen? Warum fordert die Linkspartei nicht, daß dies beendet
wird?
Die
„Linkspartei“ verbreitet in ihrem Wahlprogramm die Illusion, man könne
solche kapitalistische Organe wie den Internationalen Währungsfonds und
die Weltbank „demokratisieren“. Da haben sie sich viel vorgenommen!
Die Linkspartei will „Kapitalströme stabilisieren und
kontrollieren“, will „die Wirtschaft umfassend demokratisieren“.
So sollen die imperialistische „Globalisierung“ und der Kapitalismus
angeblich gezähmt werden.
Mit
solchen Illusionen will die Linkspartei uns mit dem Kapitalismus versöhnen.
So sollen wir daran gehindert werden, allein für unsere Interessen
einzutreten.
Das
Wahlprogramm der „Linkspartei“ klagt, daß „sich die SPD von
sozialdemokratischen Grundsätzen verabschiedet hat“. Offenbar will
die „Linkspartei“ in die Bresche springen. Die sozialdemokratischen
„Grundsätze“, die sie aufgreifen will, bestehen in dem Versuch, die
Menschen mittels wohltönender Phrasen mit dem Kapitalismus zu versöhnen.
Was ist daran links?
Wählt den Klassenkampf!
Wir
rufen zum Wahlboykott auf! Stimmt ungültig oder bleibt dem Wahllokal
fern.
Entscheidend
ist allerdings, was wir nach den Wahlen tun werden.
Was
das Kapital und alle seine Parteien, CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne tun
werden, ist klar. Sie werden uns zahlen lassen.
Unsere
Forderung muß sein: Die Kapitalisten sollen die Krise bezahlen! Es ist
ihre Krise, die Krise des Kapitalismus!
Schließen
wir uns zusammen und kämpfen wir! Die Kapitalisten vertreten allein
ihre Interessen. Vertreten wir allein unsere Interessen!
Weg
mit den Hartz-Gesetzen!
Gegen
Lohnraub!
Keine
Arbeit unter Tarif!
Für
einen gesetzlichen Mindestlohn, der zum Leben reicht!
Gegen
den Angriff auf unsere sozialen Rechte, auf Sozialversicherung und Kündigungsschutz!
Alle
deutschen Truppen zurück aus dem Ausland!
Gegen
den weiteren Ausbau des staatlichen Bespitzelungs- und Unterdrückungsapparats!
Alle
zusammen gegen das Kapital! |