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Petra
Pau: „Wir haben
hier in Berlin bewiesen, daß wir den Kapitalismus verwalten können
– und zwar besser als andere ...“ |
Wo
die Hoffnung blüht, ist es oftmals um den Verstand geschehen
Die
kollektive Amnesie!
Helmut
Lucas
Es
nimmt schon wunder, welche Hoffnungen auf die neue Linkspartei gesetzt
werden. Weiß eigentlich noch jemand, wo die herkommt? Oder wer sich
dahinter verbirgt?
Da
biedern sich DKP, MLPD und KPD (Rote Fahne) einem Parteienbündnis aus
PDS und WASG an und fabulieren von Einheitsfront gegen den
Neoliberalismus. Von den Trotzkisten von Linksruck bis SAV war nichts
anderes zu erwarten. Aber jetzt kommt auch noch der RotFuchs dazu.
Wir wollen das mal zum Anlass nehmen, das Ganze etwas genauer zu
untersuchen.
Da
schreibt Klaus Steiniger (RotFuchs 9/05):
„In
einer Zeit, in der sich alles „linker “ Schminke bedient, kommt es für
Marxisten darauf an, ihr ideologisches Pulver trocken zu halten, um
nicht in den Sog falscher Linkstümelei zu geraten. Organisatorische
Eigenständigkeit, klares Profil und unverrückbares Festhalten am
sozialistischen Ziel sind mehr denn je geboten. Zugleich aber ist jeder
Anflug von „linkem “Sektierertum, das Lenin scharf zurückwies,
entschieden zu bekämpfen. Wer die Umschichtungen in der politischen
Landschaft Deutschlands nicht begreift und damit verbundene
parlamentarische und außerparlamentarische Trümpfe vergibt, besitzt
kein Gespür für die Dialektik der Situation. Die Linkspartei an den
Wahlurnen zu unterstützen und das Positive am Wirken auch der
WASG-Genossen zu erkennen, heißt zugleich aber, nicht in die Illusion
zu verfallen, die neue Bewegung weise bereits über den Kapitalismus
hinaus.“
Nun
wäre es ganz schön gewesen, wir hätten erfahren, worin es denn nun
besteht, „das Positive am Wirken auch der
WASG-Genossen. In jedem Falle impliziert dieser Satz positives Wirken
der PDS, wo käme sonst das „auch“ her? Der Einfluss der WASG,
namentlich Oskar Lafontaines, geht immerhin nachweislich so weit, dass
das Wort Sozialismus im Wahlprogramm nicht ein einziges Mal mehr
vorkommt. Die SPD lässt grüßen.
Und
weiter:
„Wir
setzen auf die künftige Opposition im Bundestag und sehen durchaus
deren Bedeutung. Denn was ist besser: ein Parlament mit aufmischenden
Hechten im Karpfenteich oder eine trübe schwarz-gelb-rosa-grüne Soße,
in der allein die „Reformer “ aller Schattierungen schwimmen? Die
absolute Dominanz der Hindukusch-Krieger oder eine gestärkte Stimme für
den Frieden?„Ossi “-Verhöhner unter sich oder ein paar beherzte Anwälte
für das Recht früherer DDR-Bürger auf Gleichheit, die den
Annexionspolitikern in die Parade fahren.“
Haben
wir da etwas übersehen? Die Linkspartei „mit aufmischenden Hechten
im Karpfenteich“? In Berlin haben die PDS-Hechte schon gleich den
Flächentarifvertrag für den öffentlichen Dienst gründlich
„aufgemischt“. Und „eine gestärkte Stimme für den Frieden“?
Wie war das noch mit den Blauhelmeinsätzen? Ist es nicht längst ein
offenes Geheimnis, dass die PDS Auslandseinsätzen der Bundeswehr
zustimmen will, wenn sie unter UNO-Mandat stattfinden? Aber wir haben ja
immer noch „ein paar beherzte Anwälte für das Recht früherer
DDR-Bürger auf Gleichheit, die den Annexionspolitikern in die Parade
fahren“. Auch da müssen wir etwas falsch verstanden haben. Denn
dann kann es die widerwärtigen Entschuldigungen für den Mauerbau und
anderes ja nie gegeben haben. Tatsächlich war es aber so, dass den
Annexionspolitikern nicht nur nicht „in die Parade gefahren“ wurde,
sondern dass die PDS sich in erniedrigendster Weise bei jeder passenden
und unpassenden Gelegenheit von der DDR distanziert hat. Oder ist hier
von der Kommunistischen Plattform die Rede? Dann ist Klaus Steiniger
wohl lediglich entgangen,
dass von der KPF niemand auf einen auch nur halbwegs aussichtsreichen
Listenplatz gewählt wurde.
Immerhin
hat Gerhard Naumann in derselben Ausgabe einige Probleme mit dem
Linkssein der Linkspartei
„Auf
dem Parteitag der Linkspartei am 17. Juli erklärte Gregor Gysi:„Wir
wollen keinen Sozialismus wie in der DDR, wo er mit Diktatur verbunden
war.“ Zugleich sagte er:„...Wir bleiben auch eine Ostpartei ...Wir
bringen uns als solche ein und vertreten das soziale Denken der
ehemaligen DDR-Bürger, das im Osten immer noch mehr verbreitet ist als
im Westen.“
Anders
ausgedrückt: In der DDR herrschte zwar eine Diktatur, hat sich aber
soziales Denken herausgebildet. Im Westen, wo es offensichtlich keine
Diktatur gibt, fehlt es daran. Natürlich wollte Gysi begründen, warum
man auf das Wort und damit auf das Ziel Sozialismus verzichten kann.
Petra
Pau hat übrigens noch deutlicher gesagt, was sie denkt:„Ich bin
Berlinerin und weiß, wovon ich rede. Wir haben hier in Berlin bewiesen,
daß wir den Kapitalismus verwalten können – und zwar besser als
andere ...“
Man
kann es kaum klarer ausdrücken. Die DDR war eine Diktatur, laut Andre
Brie, sogar eine die partiell schlimmer war als die Naziherrschaft und
der wundervolle Kapitalismus braucht nur bessere Verwalter, dann geht
sogar Hartz IV. Natürlich nur mit der Linkspartei!
Phänomen
oder Phantom?
Man
gewinnt den Eindruck, hier ist von zwei ganz verschiedenen Parteien die
Rede. Kommen wir also noch mal auf die eingangs gestellten Fragen zurück.
Über die PDS haben wir schon oft und umfassend berichtet. Spätestens,
seit sie in Berlin mitregiert, bedurfte es lange keiner Erklärungen
mehr.
Die
WASG ist ziemlich neu und da gibt es in der Tat jede Menge Illusionen.
Gegründet worden ist sie von
IG
Metall - und ver.di – Gewerkschaftern, und zwar nicht von linken,
antikapitalistischen Gewerkschaftern, sondern von unzufriedenen
Sozialdemokraten. Und die denken nicht im Traum daran, den Kapitalismus
abschaffen zu wollen, die wollen ihn verbessern.
Genau
hier wird die ganze Sache erst richtig interessant. Die PDS ist eine
Partei, die im Westen (besser: im Kapitalismus) ankommen wollte und spätestens
mit der Wahlzulassung auch angekommen ist. Dazu war ihr jedes Mittel
recht. Das reicht vom Aufruf Andre Bries, „die PDS für Kommunisten
unerträglich“ zu machen bis zum Sozialverrat in Berlin. Die WASG
ist per se antikommunistisch, da können sich dann auch Trotzkisten wohl
fühlen.
Ausgerechnet
wenn sich diese beiden Vereine zusammentun, soll das ein Beweis für die
Glaubwürdigkeit sein, die die PDS in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
verspielt hat!
Aufgerufen
wird zur Wahl einer Partei, die real gar nicht existiert, sondern nur in
den Wunschvorstellungen von Freunden linker Einheit. Die Absurdität
wird schon in der „Wahlkampf-Namen-Ambivalenz“ deutlich. Im
Osten wird auf dem Kürzel PDS bestanden, damit die Linkspartei
mit dem Begriff Sozialismus assoziiert wird, im Westen wird auf
das Kürzel verzichtet, damit genau das nicht passiert. Geht’s
noch unehrlicher?
Umso
unverständlicher ist es, wenn sich Kommunisten dieser Partei anbiedern.
Schon einige Monate bevor DKP, MLPD und KPD (Rote Fahne) sich hier
angebiedert haben (Ende 2004) haben Gregor Gysi und Oskar Lafontaine bei
einem gemeinsamen Interview des Stern angekündigt, dass es
Solidarität mit der Kommunistischen Plattform nicht geben kann. Nach
der Vereinigung der beiden Parteien soll das neu bestimmt werden. Träumt
weiter, Genossen!
Helmut
Lucas
7.9.05 |