|
Zur
Disposition stehen
Warenform,
abstrakte Arbeit, Geld, Wert.
Auf
dieser Ebene muss die Kritik ansetzen.
Von
Klaus Müller/27. März 2007
Sozialforum
Koblenz diskutiert politische Ökonomie auf hohem Niveau. Im Rahmen der
Vorbereitung auf die Proteste gegen das so genannte G8-Ereignis in
Heiligendamm diskutierten Forumsteilnehmer unter anderem auch die ökonomischen
Zusammenhänge von Veranstaltungen solcher Art des Monopolkapitals dieser
Welt.
Die
Analyse der Ware, die Karl Marx an den Beginn seines Hauptwerkes „Das
Kapital“ stellte, bildete Ausgangspunkt und Grundlage der tiefgehenden
Diskussion. Sie führte zu dem Ergebnis, dass die Kritik des Kapitalismus
grundsätzlich den Wert als Grundlage der kapitalistischen Produktion und
der Warenform als Vergesellschaftungsprinzip zum Kern haben muss. Wert und
Warenform konstituieren
die Basis der historisch spezifischen, abstrakten und unpersönlichen Form
kapitalistischer Herrschaft.
In
einer Kritik, die sich darauf beschränkt, nur den Mehr-Wert zu
kritisieren, sieht das Sozialforum eine Verkürzung auf nur einen Aspekt
der Marxschen Theorie. Marx unterzog die Ware jedoch einer gründlichen
Analyse und beschrieb die in ihr enthaltenen Faktoren Gebrauchswert und
Wert.
„Sie
sind jedoch nur Waren, weil Doppeltes, Gebrauchsgegenstände und zugleich
Wertträger. Sie erscheinen daher nur als Waren oder besitzen nur die Form
von Waren, sofern sie Doppelform besitzen, Naturalform und Wertform.“
„Erinnern
wir uns jedoch, daß die Waren nur Wertgegenständlichkeit besitzen,
sofern sie Ausdrücke derselben gesellschaftlichen Einheit, menschlicher
Arbeit, sind, daß ihre Wertgegenständlichkeit also rein gesellschaftlich
ist, so versteht sich auch von selbst, daß sie nur im gesellschaftlichen
Verhältnis von Ware zu Ware erscheinen kann.“
Bereits
hier am Anfang seines Werkes stellt Marx fest, dass die Wertgegenständlichkeit
der Waren ein rein gesellschaftliches Verhältnis ist.
Marx
selbst benannte schon die Schwierigkeit im Vorwort zur ersten Auflage des
Kapitals: „Aller Anfang ist
schwer, gilt in jeder Wissenschaft. Das Verständnis des ersten Kapitels,
namentlich des Abschnitts, der die Analyse der Ware enthält, wird daher
die meiste Schwierigkeit machen.“
Die
Kritik des Kapitalismus und seines Herrschaftssystems muss aber hier
ansetzen, sonst bleibt sie eine unvollständige Kritik und führt im
weiteren Verlauf zu Fehlern in den Schlussfolgerungen. Ich bin sicher,
dass ein wirkliches Verständnis der Theorie von Karl Marx
nicht möglich ist, ohne Verständnis der konstituierenden Elemente
des Kapitalismus. Nicht umsonst lenkt Marx in seinem Vorwort die
Aufmerksamkeit auf diese Fragen.
„Der
mystische Charakter der Ware entspringt also nicht aus ihrem
Gebrauchswert. Er entspringt ebensowenig aus dem Inhalt der
Wertbestimmungen.“
“Woher entspringt also der rätselhafte Charakter des Arbeitsprodukts,
sobald es Warenform annimmt? Offenbar aus dieser Form selbst. Die
Gleichheit der menschlichen Arbeiten erhält die sachliche Form der
gleichen Wertgegenständlichkeit der Arbeitsprodukte, das Maß der
Verausgabung menschlicher Arbeitskraft durch ihre Zeitdauer erhält die
Form der Wertgröße der Arbeitsprodukte, endlich die Verhältnisse der
Produzenten, worin jene gesellschaftlichen Bestimmungen ihrer Arbeiten betätigt
werden, erhalten die Form eines gesellschaftlichen Verhältnisses der
Arbeitsprodukte.
Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin, daß sie den
Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen Arbeit als gegenständliche
Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche
Natureigenschaften dieser Dinge zurückspiegelt, daher auch das
gesellschaftliche Verhältnis der Produzenten zur Gesamtarbeit als ein außer
ihnen existierendes gesellschaftliches Verhältnis von Gegenständen.
Durch dies Quidproquo[]
werden die Arbeitsprodukte Waren, sinnlich übersinnliche oder
gesellschaftliche Dinge.“
Heute
sind leider kaum mehr Arbeiten zu finden, die diesen Ausgangspunkt für
ihre Kritik am Kapitalismus wählen.
In
Kreisen organisierter Kommunisten, die sich ja ausdrücklich auf Marx und
Lenin berufen, ist häufig die Vorstellung einer sozialistischen Markt-
also Warenwirtschaft anzutreffen. Es geht jedoch nicht nur um
Verteilungsgerechtigkeit durch eine Änderung der Distributionsverhältnisse
(Eigentum, Markt) innerhalb des Warenproduzierenden Systems, das sich ja
selbst erst gesetzmäßig aus
den konstituierenden Elementen Warenform, abstrakte Arbeit, Wert
entwickelt, wie Marx nachgewiesen hat. Er schreibt dazu im Vorwort zur
ersten Auflage des Kapitals: „An
und für sich handelt es sich nicht um den höheren oder niedrigeren
Entwicklungsgrad der gesellschaftlichen Antagonismen, welche aus den
Naturgesetzen der kapitalistischen Produktion entspringen. Es handelt sich
um diese Gesetze selbst, um diese mit eherner Notwendigkeit wirkenden und
sich durchsetzenden Tendenzen.“
Daraus
ergibt sich, dass der Kapitalismus sich notwendig aus den zugrunde
liegenden konstituierenden Elementen entwickelt. Umgekehrt: Aus den
Elementen Warenform,
abstrakte Arbeit, Wert kann sich immer nur Kapitalismus entwickeln, nichts
anderes.
Die
Vorstellung einer sozialistischen Warenwirtschaft ist darum naiv und endet
letztlich beim Ausgangspunkt der Ideologie von Sozialdemokraten, die einen
menschlichen, sozialen Kapitalismus für machbar halten. Die Ergebnisse
dieser in Praxis umgesetzten Vorstellungen kann jedermann heute in den
Nachfolgestaaten der Sowjetunion studieren. Sie bestätigen, dass es sich
um die Gesetze selbst handelt, die sich mit eherner Notwendigkeit
durchsetzen, wie Marx es treffend formulierte.
Schon
diese wenigen Überlegungen zur marxistischen Theorie, die sich allesamt
im ersten Abschnitt des Hauptwerkes „Das Kapital“ befinden, machen
deutlich, welche Felder der geistig-theoretischen Verwüstung der
Revisionismus in die Reihen der kommunistischen Bewegung geschlagen hat
und schlägt.
Die
ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Realitäten beweisen
heute den vollständigen Bankrott des Opportunismus und Revisionismus.
Der
derzeitige theoretische und organisatorische Zustand der kommunistischen
Bewegung ist zerfleddert und sie wird einige Zeit benötigen um sich von
dem revisionistischen Kahlschlag zu erholen und sich von diesen Kräften
zu reinigen.
Erfreulich
ist, dass inzwischen Ansätze von sauberer ökonomischer Analyse dort
anzutreffen ist, wo man sie gar nicht erwartet hat. Das Koblenzer
Sozialforum ist geprägt von sozial fortschrittlichen Kräften aus dem
Bereich der großen Kirchen. Besonders aktiv sind Menschen aus der
katholischen Bewegung Pax Christi.
Ich
sehe das so, dass der Kapitalismus in seiner imperialistischen Epoche
Widerstand gegen sich und seine Repression auch dort erzeugt, wo es nicht
von vornherein zu erwarten wäre. Aus der Sozialforumsbewegung können
Impulse ausgehen, die zu einem qualitativ fundierten, aktiven Widerstand
gegen den Kapitalismus in der BRD beitragen. Zumindest lokal. Die Qualität
dazu ist im Koblenzer Sozialforum vorhanden.
Klaus
Müller
|