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Dreiste Fälschung und freche Unterstellungen

Zum Leserbrief an die JW vom DKP-Mitglied Herbert Münchow

Von Günter Ackermann/11. Januar2008

Offensichtlich wird jetzt das letzte Aufgebot derer, die Steigerwald und Stehr nachlaufen, mobilisiert. Wenn schon das Original des Steigerwaldschen Textes mehr als fragwürdig ist, so ist der Text des Elaborats von Herbert Münchow an dummem Zeug nicht zu übertreffen.

Münchow, der vor einigen Jahren von der PDS zur DKP konvertierte, ist wohl deshalb zum Schreiben der Antwort an die Steigerwaldkritischen Zuschriften an die jungeWelt ausgewählt worden, weil ja Konvertiten bekanntlich besonders eifrig sind – und, wie in diesem Fall auch, nicht eben qualifiziert..

Da jongliert doch einer mit gefälschten Zitaten und Berufungen und stellt das, was er da zitiert, als Beweis der Richtigkeit des modernen Revisionismus hin. Ich bin fassungslos und kann nur den Kopf schütteln: Dieses niedrige ideologische Niveau verwundert selbst mich, der doch schon einiges gewöhnt ist.

So schreibt Münchow:

„Ich erkläre, daß ich mich als Mitglied der DKP mit Steigerwald solidarisiere.“

Ich verstehe Solidarität in der Arbeiterbewegung als genossenschaftlichen Beistand im Kampf gegen den Klassenfeind und deren Organe und als Unterstützung für jene, die vom Klassenfeind verfolgt werden. Wer aber verfolgt Robert Steigerwald? Ist Kritik an Texten Steigerwalds bereits Verfolgung durch den Klassenfeind? Wenn Münchow sich mit Steigerwald solidarisiert, dann unterstellt er allen, die nicht mit Steigerwalds Ansichten überein stimmen, Agenten des Klassenfeindes zu sein – also wir, einschließlich das DKP-Mitglied Hans Heinz Holz. Das also, was Robert Steigerwald uns unterstellt, wie würden ihn als Feind ansehen und nicht als Genossen, macht hier der Wasserträger Stehrs und Steigerwalds. Beachtlich!

Das DKP-Mitglied Herbert Münchow beruft sich auf das Buch „Geschichte der KPDSU (Bolschewiki) Kurzer Lehrgang.“ Das war eines der grundlegenden Bücher zur russischen /sowjetischen Geschichte der SDAPR/KPR (B), KPdSU (B) ist und zu Lebzeiten Stalins von jedem Kader der Partei gelesen worden. Man sagt, es sei ein Werk Stalins, was ich nicht zu 100 % weiß, aber doch sicher bin, dass er einen wesentlichen Teil verfasst hat. Nach dem XX. Parteitag wurde das Buch von den revisionistischen Parteien auf den Index gesetzt. Münchow beruft sich also sowohl auf ein Buch, dass zu DDR-Zeiten von der SED verpöhnt war und auf Stalin – gegen Stalin. Das kennen wir schon vom Text Steigerwalds, der Trick wurde nur übernommen.

Münchow zitiert den „Kurzen Lehrgang“ wie folgt: „»Partei (...) zugrunde (geht), wenn sie  ihre Fehler verheimlicht, wunde Punkte vertuscht, ihre Unzulänglichkeiten bemäntelt, indem sie ein falsches Bild wohlgeordneter Zustände zur Schau stellt, wenn sie keine Kritik und Selbstkritik duldet, sich von dem Gefühl der Selbstzufriedenheit durchdringen läßt, sich dem Gefühl der Selbstgefälligkeit hingibt und auf ihren Lorbeeren auszuruhen beginnt« (Berlin 1951, S. 449).“

Er bedient sich dabei des Tricks, den auch Steigerwald benutzte: Falsch zitieren und/oder aus dem Zusammenhang reißen.

Was steht das aber wirklich:

„5. Die Geschichte der Partei lehrt weiter, dass die Partei ihre Rolle als Führer der Arbeiterklasse nicht erfüllen kann, wenn sie, von Erfolgen berauscht, überheblich zu werden beginnt, wenn sie aufhört, die Mängel ihrer Arbeit zu bemerken, wenn sie sich fürchtet, ihre Fehler einzugestehen, sich fürchtet, diese rechtzeitig offen und ehrlich zu korrigieren.

Die Partei ist unbesiegbar, wenn sie Kritik und Selbstkritik nicht fürchtet, wenn sie die Fehler und Mängel ihrer Arbeit nicht verkleistert, wenn sie an den Fehlern der Parteiarbeit die Kader erzieht und schult, wenn sie es versteht, ihre Fehler rechtzeitig zu korrigieren.

Die Partei geht zugrunde, wenn sie ihre Fehler verheimlicht, wunde Punkte vertuscht, ihre Unzulänglichkeiten bemäntelt, indem sie ein falsches Bild wohlgeordneter Zustände zur Schau stellt, wenn sie keine Kritik und Selbstkritik duldet, sich von dem Gefühl der Selbstzufriedenheit durchdringen lässt, sich dem Gefühl der Selbstgefälligkeit hingibt und auf ihren Lorbeeren auszuruhen beginnt.“ [1]

Das genau wurde nach dem XX. Parteitag auf den Müll geworfen von Chruschtschow und seinen Gefolgsleuten, das genau nicht beachtet zu haben, ist nist eine der wesentlichen Ursachen der Degeneration der revisionistischen Parteien seit Chruschtschow.

Wer nur ein wenig von der Geschichte der kommunistischen Bewegung kennt, dem fällt auf,  dass zu keinem Zeitpunkt – weder davor noch danach – ein solches Großmaul Chef einer kommunistischen Partei war, wie Chruschtschow. Er berauschte sich an den Erfolgen der Sowjetunion, die allerdings Erfolge Stalins waren, er war überheblich, er redete die Mängel seiner Politik schön usw. Seine großmäuliger Hinweis auf die Raumfahrterfolge der UdSSR waren nicht seine, sondern die Stalins. So auch die Schlagkraft der Roten Armee und die wirtschaftlichen Erfolge der UdSSR.

Winston Churchill sagte in einem Moment der kritischen Einsicht über Stalin nach dessen Tod:

„Er war eine herausragende Persönlichkeit, die in unserer rauhen Zeit, in der Periode in der sein Leben verlief, imponierte.

Stalin war ein außergewöhnlich energischer, belesener und äußerst willensstarker Mann, heftig, schroff, schonungslos in der Sache, wie im Gespräch, dem selbst ich, der ich im englischen Parlament groß geworden bin, nichts entgegenzusetzen vermochte ...

In seinen Werken spürte man eine hünenhafte Kraft. Stalins Kraft war so groß, daß er unter den Führern aller Völker und Zeiten nicht seinesgleichen kennt ...

Die Menschen konnten seinem Einfluß nicht widerstehen.

Als er den Raum der Konferenz von Jalta betrat, erhoben wir uns alle, buchstäblich wie auf Kommando. Und, so seltsam es ist, wir legten die Hände an die Hosennaht.

Stalin besaß einen tiefschürfenden, gründlichen und logischen Verstand. Er war ein unübertroffener Meister darin, in schweren Momenten einen Ausweg aus der ausweglosesten Lage zu finden ...

Er war ein Mann, der seinen Feind mit den Händen seiner Feinde vernichtete, der uns, die er offen Imperialisten nannte, zwang, gegen Imperialisten zu kämpfen. Er übernahm das Rußland des Hakenpflugs und hinterließ es im Besitz der Atomwaffe.“[2]

Kritik und Selbstkritik als wesentliches Element der ideologischen Ausrichtung der Partei, wurden seit Chruschtschow systematisch abgedrängt. So weigerte er sich seine Fehler einzugestehen, dass es schließlich selbst seinen revisionistischen Freunden in der Parteiführung zuviel wurde: sie setzten Chruschtschow ab. Chruschtschow war es, der sich auf den Lorbeeren der Erfolge ausruhte, die aus Stalins Zeit stammen und verunglimpfte gleichzeitig Stalin Andenken.

Die gleiche Masche wie beim Steigerwald-Text und jetzt von dessen devoten Wasserträger Herbert Münchow.

Also, Genosse Münchow, halte uns bitte nicht für blöd und juble uns nicht dein aufgeschnapptes Zeug unter und verkaufe es uns nicht als die wissenschaftliche Erkenntnis. Wir können auch lesen und haben gelesen!

Weiter schreibt Münchow:

„Aber Revisionismus ist es bestimmt, für Chruschtschow eine geschichtliche Verantwortlichkeit gelten zu lassen, die man für Stalin strikt ablehnt. Und warum hält sich diese Legende?[3]

Hä? Weiß Münchow denn überhaupt, was Revisionismus ist? Die klassische Definition stammt vom Vater des Revisionismus, Eduard Bernstein[4], und lautet etwa: „Die Bewegung ist alles, das ist Ziel nichts.“

Also man revidierte damals die Grundlagen des Marxismus in der Arbeiterbewegung und die SPD zog mit Hurra für das deutschen Großkapital und den Kaiser in den 1. Weltkrieg, verriet 1918 die Revolution und der SPD-Bluthund Noske ließ Karl und Rosa ermorden.

Das ändert auch nichts an der Tatsache, dass sich Eduard Bernstein während des 1. Weltkrieges gegen den Krieg aussprach, sogar die SPD verließ und zur USPD ging. Später aber kehrte er reumütig in die SPD zurück.

H.H. Holz definiert Revisionismus so:

Wenn sich die Orientierung auf Reformen im Bestehenden vor das revolutionäre Ziel einer neuen Gesellschaftsordnung schiebt, wird schließlich dieses Ziel gänzlich aus den Augen verloren. Klassenkompromisse treten an die Stelle des Klassenkampfs. Das eben ist der Kern dessen, was Revisionismus genannt wird.“[5]

Revisionismus ist also nicht, wenn man Chruschtschow ins Fegefeuer schickt, Stalin aber nicht. Münchow sollte sich mal etwas Elementarwissen im marxistisch-leninistischen Inhalten und Vokabular anlesen.

Revisionismus ist es aber, wenn die Grundlagen des Marxismus-Leninismus aufgegeben werden und aus der Partei der Arbeiterklasse eine Partei des ganzen Volkes wird. Genau das aber tat Chruschtschow.

Münchow liebt es offenbar sich auf große Geister aus der kommunistischen Bewegung zu berufen. Er schreibt zum Schluss:

„Das ist eine Logik der Sache, die z. B. Franz Mehring auch für die »Lessing-Legende« enthüllt hat, obwohl es sich hier um völlig verschiedene Welten handelt.“

Ich weiß nicht, was Münchow hier meint. Franz Mehring, der große marxistische Historiker und Mitbegründer der KPD, hat mit der „Lessing-Legende“ sicher ein großes Buch geschrieben. Es rückt die Legende vom großen und gerechten Preußen und seinen großen König Friedrich II. [6] (bürgerliche Historiker nennen ihn auch Friedrich den Großen) zurecht und klärt des Weiteren auf, was es mit der Ringparabel in Lessings „Nathan der Weise“ wirklich auf sich hat.

Aber, das musst du mal verraten, lieber Genosse Münchow, was hat das mit unserer Kritik am modernen Revisionismus zu tun?

Oder willst du hier nur deine – offenbar nicht sehr weit und tief gehende – Belesenheit vorführen. Aber andere haben auch Marx, Engels usw. gelesen und andere kennen auch Franz Mehring und sein Werk. Verkaufe uns somit nicht für dumm.

G.A.


[1]  Berlin 1951, S. 449

[3]  Welche Legende? Meint er die, dass der XX. Parteitag der der Erneuerung und Fehlerberichtigung war oder was? Wer diese Legende schürt, sind die Gesinnungsfreunde von Münchow.

[4]  Eduard Bernstein 1850 bis 1932

[5]  Die revisionistische Wende, Debatte: Abweichende Erwägungen zu Robert Steigerwald siehe

[6]  In Berlin, Unter dden Linden, direkt vor der Humboldt-Universität, wurde schon  in den 70er Jahren, also schon zu DDR-Zeiten, wieder das Reiterstandbild Friedrichs II. neu hingestellt. Friedrich II. war immerhin eine der Symbolfiguren des preu0ischen Militarismus. Natürlich war das keine Revision der Analyse des preußischen Militarismus von Franz Mehring. Ein Schuft der Böses dabei denkt.

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„Ich erkläre, daß ich mich als Mitglied der DKP mit Steigerwald solidarisiere.“

Zu jW vom 5./6. Januar: Leserbrief »Nicht hinnehmen«

von Herbert Münchow, Leipzig

Völlig richtig: Es ist »kein Zufall«, wie Dieter Itzerott schreibt, daß Robert Steigerwald die marxistische Methode mitsamt ihrer politischen Dimension gegen jegliche Art von Scholastik verteidigt. 

Ich erkläre, daß ich mich als Mitglied der DKP mit Steigerwald solidarisiere. Der Streit, um den es hier geht, ist wahrlich grundsätzlicher Art. Provoziert wurde er durch Aufsätze und Artikel, die ganz offensichtlich bewußt die sehr wichtige Lehre des »Kurzen  Lehrgangs« ignorieren, daß die »Partei (...) zugrunde (geht), wenn sie ihre Fehler verheimlicht, wunde Punkte vertuscht, ihre Unzulänglichkeiten bemäntelt, indem sie ein falsches Bild wohlgeordneter Zustände zur Schau stellt, wenn sie keine Kritik und Selbstkritik duldet, sich von dem Gefühl der Selbstzufriedenheit durchdringen läßt, sich dem Gefühl der Selbstgefälligkeit hingibt und auf ihren Lorbeeren auszuruhen beginnt« (Berlin 1951, S. 449). Der XX. Parteitag der KPdSU war dieser Lehre ein Stück näher gekommen, obwohl er insgesamt noch sehr inkonsequent gewesen ist.

Den Zusammenhang von Steigerwalds Polemik und dem bevorstehenden Parteitag der DKP stellt nur D. Itzerott her. Das ist etwa so, als würde er ein neues Parteiprogramm fordern. Man weiß daher auch nicht, wer hier wen ans Kreuz schlagen oder auf »seine Linie festnageln« will. Welchen Schaden sollten denn die Positionen von Steigerwald in der kommunistischen Bewegung anrichten? Wo wird denn hier der Marxismus revidiert?

Aber Revisionismus ist es bestimmt, für Chruschtschow eine geschichtliche Verantwortlichkeit gelten zu lassen, die man für Stalin strikt ablehnt. Und warum hält sich diese Legende? Zum Teil, weil sie auf einer absichtlichen und planmäßigen Fälschung beruht. Vor allem aber deshalb, weil sie nur der ideologische Überbau einer ökonomisch-politischen Entwicklung ist. Aus dem Stalin-Kultus entstand die Stalin-Legende. Und in dem ideologische Bedürfnis, die reelle Gegenwart mit ihrer idellen Vergangenheit auszusöhnen, mußte der »einzige Sündenbock« Chruschtschow gefunden werden. Das ist eine Logik der Sache, die z. B. Franz Mehring auch für die »Lessing-Legende« enthüllt hat, obwohl es sich hier um völlig verschiedene Welten handelt.

Herbert Münchow, Leipzig

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