| Die
wichtigste Voraussetzung für eine siegreiche Revolution ist
eine in den Massen verankerte kommunistische Partei. Die zu
schaffen, ist ein Prozess, der langwierig und schwierig sein
wird. Aber er muss angegangen werden. Nur diese Partei kann eine
proletarische Revolution siegreich führen. |
den
8. Dezember 2005
Lieber
Genosse M.,
ich
komme erst heute dazu, dir zu antworten.
Zunächst
danke ich dir für deine Zuschrift. Ich kenne die Genossen von Initiativ
e.V. persönlich seit ca. 6-7 Jahren und habe mit einigen politisch eng
zusammen gearbeitet. In letzter Zeit war ich allerdings weniger in der
Lage mich an Aktionen direkt zu beteiligen, deshalb traf ich sie auch
seltener. Auch kungeln sie mir in letzter Zeit zu intensiv mit der örtlichen
PDS.
1. Aufruf, PDS zu wählen
Von
ihrem Aufruf, bei der Bundestagswahl PDS zu wählen, habe ich zunächst
von einem Plakat erfahren, dass ca. 20m von hier an einem Stromkasten
klebte. „Wählt Linkspartei!“ las ich da und traute meinen Augen
nicht. Ich kenne die Genossen als eher ultralinks und hätte
Wahlboykottaufrufe erwartet. Aber nein. Später las ich dann auch vom
„antagonistisches Moment“ und schüttelte den Kopf. In einer
ironische Mail an Thomas Zmrzly fragte ich, ob sie, als sie das
beschlossen haben, das Hirn ausgeschaltet hätten.
Das,
was Initiativ e.V. – gewollt oder nicht – bei dir im September
erreichten, nämlich „Linkspartei“ zu wählen, zeigt, die objektive
Rolle der Linken um und in der PDS: diese als links erscheinen zu
lassen. Du hast einen Aufruf einer unverdächtigen linken Gruppe Folge
geleistet. Wäre dieser Aufruf, sagen wir mal, aus rechten Kreisen
gekommen, hättest du mit Sicherheit das nicht getan.
Aber
es zeigt auch mehr: Ich sagte oben, dass ich die Initiativler als eher
ultralinks kenne. Sie stürzen sich wie wild in Aktionismus, möglichst
jede Woche eine Demo. Dabei haben sie, wie ich meine, oft auch fragwürdige
Verbündete. So z.B. eine fundamentalistische islamisch-türkische
Gruppe, die einen Text der Nationalzeitung übernahm.
Ich
unterstelle Thomas Zmrzly und den anderen nicht, dass sie das billigten.
Aber sie dürften der Meinung sein, dass die Feinde meiner Feinde, meine
Freude sind und diese Fundamental-Moslems geben sich
antiimperialistisch. Ich unterstelle ihnen nicht, wie die
„Antideutschen“, dass Initiativ e.V. mit Nazis buhlt, das ist
einfach Quatsch.
In
ihrer Entscheidung, aufzurufen PDS zu wählen, haben die Initiativler
wieder einmal die alte Weisheit bestätigt, dass Rechtsopportunismus
(siehe DKP, KPD-Ost und MLPD) und Linksopportunismus (Initiativ e.V.)
zwei Seiten einer Medaille sind. Man kann soweit links sein, dass man
rechts wieder rauskommt. So die Initiativler bei der Bundestagswahl
2005.
2. Die Kommunistische Partei
Du
hast sicher Recht mit der Feststellung, dass aus den „spontanen
Kämpfen und Aktionen von Arbeitern (...) derzeit auch nicht den Kern
einer solchen Kraft wachsen.“ kann. Das aber meint die MLPD und
sieht überall die spontanen Kämpfe aufflammen. Ich sehe da weder eine
rote Springflut – einen roten Tsunami schon gar nicht – noch
nicht einmal eine Welle. Ich sehe da eher Ebbe mit leichten Wellen
vielleicht. Das aber ist eigentlich klar.
Die
deutsche Arbeiterklasse steht derzeit entwaffnet da. Sie wird geführt
von einer Partei des Monopolkapitals – der SPD – ihre ökonomische
Interessensvertretungen – von Kampforganisation will ich gar nicht
erst reden – die Gewerkschaften, sind fest in den Händen der SPD,
also des Monopolkapitals. Links ist wirklich nichts Relevantes zu sehen.
2004/2005
im Zuge des Protestes gegen den Sozialraub zeigte sich, dass der
Einfluss der SPD auf die Arbeiterklasse zunehmend schwindet. Hier wäre
ein Hebel für die Kommunisten gewesen. Aber die DKP ist das, was du
sagst: überaltert und revisionistisch und die MLPD gab keine Impulse in
die Protestbewegung, in die Richtung der Hebung des Klassenbewusstsein führten.
Auch sie hat sich als revisionistisch entlarvt.
Die
Folgen waren einerseits, die allmähliche Resignation der Protestierer,
aber andererseits auch der steigende Einfluss einerseits der Faschisten
auf diese Bewegung und vor allem, die bereits am Rande der Auflösung
befindliche PDS (siehe Wahlergebnisse Bundestag 2002 und Landtagswahl
NRW 2005) bekam neuen Auftrieb und mit Oskar Lafontaine und der WASG
eine kräftige Bluttransfusion. Die Rolle der PDS ist klar: Unzufriedene
bei der Stange zu halten und sie gegen Linke abzuschirmen.
Wir,
die Kommunisten, sind Anhänger des wissenschaftlichen Sozialismus und
der muss auch wissenschaftlich angegangen werden. Folglich sind wir
Realisten und wissen um die Gesetzmäßigkeiten der Gesellschaft.
Weil
das so ist, müssen wir feststellen, dass sich die Bewegung von 2004
nicht konservieren lässt. Die Kommunisten waren 2004 nicht
organisatorisch stark genug, als Partei aufzutreten. Genauer: Es gibt
die kommunistische Partei überhaupt nicht in Deutschland. Es gibt nur
einzelne Kommunisten oder kommunistische Gruppen, die zusammen gefasst
allerdings eine Macht darstellen könnten. Aber sie sind (noch)
vereinzelt.
Die
Bewegung 2004 hat gezeigt, wie notwendig diese Kommunistische Partei
ist. Aber sie einfach zu gründen, geht nicht, denn man schlösse damit
viele Kommunisten aus und die Gründung wäre eine erneute
kommunistische Sekte, wie es schon viel zu viele gibt.
Die
Bildung einer KP ist ein Prozess. Diesen Prozess wollen wir unterstützen.
Da wir wissen, der opportunistische Zusammenschluss der verschiednen
Gruppen wäre nur der Keim einer erneuten Spaltung. Die Kommunistische
Partei kann nur in der Kritik des linken und rechten Opportunismus
entstehen.
Der
Hauptschlag beim Entstehen der Kommunistischen Partei ist gegen den
modernen Revisionismus zu richten, der seinen Ursprung im 20. Parteitag
der KPdSU und bei Chruschtschow hat. Der moderne Revisionismus hat das
sozialistische Lager und die Sowjetunion, das Land Lenins und Stalins,
verraten und zurück zum Kapitalismus geführt; er hat die
kommunistischen Parteien des Westens zu sozialdemokratischen
Wahlvereinen verkommen lassen. Der moderne Revisionismus ist das
Haupthindernis beim Entstehen der Kommunistischen Partei. Das ist auf
der Basis der Organisation (DKP, PDS, MLPD binden eine Menge
Kommunisten), ebenso wie auch in den Köpfen. Selbst bei aufrechten
kommunistischen Kadern geistern in den Köpfen mancher revisionistische
Unfug herum (denke mal an deinen Entschluss bei den Bundestagswahlen PDS
zu wählen oder gar den Aufruf des Initiativ e.V.). Dagegen gilt es
einen konsequenten ideologischen Kampf zu führen.
3. Spontaneität der
Arbeiterklasse
Lenin
hat schon vor 100 Jahren festgestellt, dass spontan nur
trade-unionistisches, nicht aber revolutionäres Bewusstsein entstehen
kann.
„Wir haben gesagt, daß die Arbeiter ein sozialdemokratisches Bewußtsein gar
nicht haben konnten.
Dieses konnte ihnen nur von außen
gebracht werden. Die Geschichte aller Länder zeugt davon, daß die
Arbeiterklasse ausschließlich aus eigener Kraft. nur ein
trade-unionistisches Bewußtsein hervorzubringen vermag, d.h. die Überzeugung
von der Notwendigkeit, sich in Verbänden zusammenzuschließen, einen
Kampf gegen die Unternehmer zu führen, der Regierung diese oder jene für
die Arbeitet notwendigen Gesetze abzutrotzen u.a.m. Die Lehre des
Sozialismus ist hingegen aus den philosophischen, historischen und ökonomischen
Theorien hervorgegangen, die von den gebildeten Vertretern der
besitzenden Klassen, der Intelligenz, ausgearbeitet wurden. Auch die
Begründer des modernen wissenschaftlichen Sozialismus, Marx und Engels,
gehörten ihrer sozialen Stellung nach der bürgerlichen Intelligenz
an.“
Natürlich kann es einzelne Arbeiter geben, die ebenso zu Theoretikern
werden können. So ein enger Freund von Marx und Engels, der Handwerker
Josef Dietzgen, den Marx als „unseren Philosophen“ bezeichnete. Die
marxistische Erkenntnistheorie geht auf Dietzgen zurück. Seine Schrift
„Das Wesen der menschlichen Kopfarbeit“
ist ein wichtiges Werk der marxistischen Erkenntnistheorie. Dass
Dietzgen heute so wenig bekannt ist, liegt wohl auch daran, dass er kein
Berufsphilosoph war und nie eine Uni besucht hatte. Ich las erst
kürzlich in einem Internetforum, Dietzgen sei „Sozialdemokrat und
Hobby-Philosoph“ gewesen. Na und? Was ändert das an seinen
Verdiensten? Und Sozialdemokraten waren damals auch Bebel, Karl und
Wilhelm Liebknecht, ja selbst Lenin.
Lenin stellt das auch nicht
in Abrede, er nennt sie „Arbeiterintelligenz“. Was wir derzeit haben
ist eine Arbeiterklasse, die von einer Partei des Kapitals geführt
wird. Ich habe vor einigen Jahren auf einer SPD-Versammlung, bei der ich
harsche Kritik an der Kommunalpolitik hier in Duisburg formulierte,
einen Arbeiter erlebt, der mir sagte, er sei Arbeiter und die SPD seine
Partei, eine Arbeiterpartei.
Weil die SPD die
Erscheinungsform. Arbeiterpartei zu sein, pflegt, war es für das
Kapital nötig, 1998 die SPD-Grüne Regierung zu bilden. Denn der
Sozialkahlschlag, den das Kapital anstrebte und immer noch anstrebt, ist
ohne die aktive Teilhabe der SPD nur mit Brachialgewalt möglich.
Natürlich nutzte die SPD
sich dabei ab. Immer mehr erkannten und erkennen hinter der sozialen
Erscheinungsform die kapitalistische Fresse und wenden sich ab.
Die Absatzbewegung, vollzieht
sie sich unkontrolliert, kann sich gegen die Kapitalinteressen wenden.
Also musste eine 2. Front aufgebaut werden, ein zweites Auffangbecken.
Das soll die Linkspartei/PDS sein. Ich erinnere mich nicht, dass jemals
in der Geschichte der BRD – ich lebe seit 1959, unterbrochen nur durch
ein zweijähriges Auslandsstudium in Polen, in der BRD und bin hier seit
1961 politisch links aktiv – dass für eine linke Gruppe/Partei solch
ein Medienrummel getrieben wurde, wie 2004/2005 mit der PDS
(Linkspartei). Seit wann macht die Presse des Klassenfeindes Werbung für
Linke? Die PDS hätte vor den Wahlen auf jeglichen Wahlkampf verzichten
können, die bürgerliche Presse tat es für sie.
Allein das musste auffallen.
Hast du dich vor der Bundestagswahl nicht gefragt, warum die gesamten bürgerlichen
Medien von der Linkspartei berichten? An den intelligenten Positionen
oder Wahlprogramm der PDS kann es nicht gelegen haben.
Um revolutionäres
Bewusstsein zu schaffen, muss man dieses von außen ins Proletariat
hineintagen. Dazu bedarf es einer Partei, der Kommunistischen Partei. .
„Um Sozialdemokrat zu werden,
muß der Arbeiter eine klare Vorstellung haben von dem ökonomischen
Wesen und dem sozialen und politischen Gesicht des Gutsbesitzers und des
Pfaffen, des hohen Beamten und des Bauern, des Studenten und des
Lumpenproletariers, muß er ihre starken und schwachen Seiten kennen, muß
er sich in den landläufigen Phrasen und all den Sophistereien
auskennen, mit denen jede Klasse und jede Schicht ihre egoistischen
Neigungen und ihr wahres „Innere“ verhüllt,
muß er sich darin auskennen, welche Institutionen und welche Gesetze
diese oder jene Interessen zum Ausdruck bringen und in welcher Weise sie
es tun. Diese „klare Vorstellung“ aber kann aus keinem Buche
gewonnen werden; sie kann uns nur durch lebendige Bilder aus dem Leben
und durch Enthüllungen gegeben werden, die auf frischer Spur alles
fixieren, was im gegebenen Moment um uns herum vor sich geht, wovon
jedermann auf seine Art spricht oder wenigstens flüstert, was in
bestimmten Ereignissen, in bestimmten Zahlen, in bestimmten
Gerichtsurteilen usw. usw. seinen Ausdruck, findet. Diese allseitigen
politischen Enthüllungen sind die notwendige und die wichtigste
Vorbedingung für die Erziehung der Massen zur revolutionären Aktivität.“
Du schreibst: „Historisch
hat die bolschewistische Revolution auch im damaligen Russland erst nach
einem verheerenden Krieg und der völligen Zerrüttung der herrschenden
Strukturen und Machtverhältnisse gesiegt.“
Empirisch
ist das richtig, Der 1. Weltkrieg hatte maßloses Elend über die
Menschen gebracht und das hatte sie offener gemacht für die Argumente
der Bolschewiki. Aber das ist keine Gesetzmäßigkeit, ein Krieg ist
nicht die Voraussetzung der Revolution. Mal abgesehen davon, dass ein
großer Krieg im Zeitalter der Massenvernichtungswaffen das Ende der
Menschheit bedeuten könnte, folglich wir als Kommunisten konsequent für
den Frieden kämpfen müssen, durchlebt der Kapitalismus zyklische
Krisen.
Die
wichtigste Voraussetzung für eine siegreiche Revolution ist eine in den
Massen verankerte kommunistische Partei. Die zu schaffen, ist ein
Prozess, der langwierig und schwierig sein wird. Aber er muss angegangen
werden. Nur diese Partei kann eine proletarische Revolution siegreich führen.
Sie
muss vorhanden sein, arbeiten und tief verankert sein in der
Arbeiterklasse, wenn es zu einer revolutionären Situation kommt. Und
die kann schneller kommen, als wir meinen – oder auch nicht so
schnell. So schreibt Ernst Thälmann über die Aufstände in Deutschland
des Jahres 1923:
„Eine
unmittelbar revolutionäre Situation war vorhanden. Alle Bedingungen für
den Sieg der Arbeiterklasse waren da, außer einer einzigen: dem
Bestehen einer klaren, eisern zusammengeschlossenen, unauflöslich mit
den breitesten Massen verbundenen kommunistischen Partei, die
entschlossen und fähig war, den spontanen Kampf der Arbeitermassen zu
organisieren, ihn zu leiten.“
Thälmann
weist hier auf einen weiteren Umstand hin: Die Partei muss entschlossen
und fähig sein die Revolution zu führen. Die damalige Führung der KPD
unter Brandler und Thalheimer jedoch verfolgte einen
rechtsopportunistischen Kurs.
Ohne
über hellseherische Fähigkeiten zu verfügen, kann ich aber sagen,
dass mit zunehmender Verelendung breiter Massen (Pauperisierung, wie
Marx es nannte) auch die Unzufriedenheit zunimmt. Die bürgerliche
Demokratie wird immer unglaubwürdiger, die Menschen werden das Lügenspiel
durchschauen. Bereits jetzt zeigt es sich, dass es immer schwieriger
wird sie zu belügen. Die Propagandamaschinerie greift bereits jetzt
tief in die Mottenkiste und man hat den Eindruck, sie wäre hilflos. Auf
Kommunisten-online haben wir uns z.B. mit dieser saublöden Aktion „Du
bist Deutschland“ beschäftigt
oder das Schwindel-Spiel um den Wanderer „Basti“.
Aber
wir sollten uns nicht dem Trugschluss hingeben, uns fiele der
Sozialismus wie eine reife Frucht in den Schoß, wenn sich der
Kapitalismus überlebt hätte, verließe er fröhlich ein Liedlein trällernd
die Bühne der Geschichte. Diese Theorie des friedlichen Hineinwachsens
in den Sozialismus kann man als widerlegt betrachten.
Der
Kapitalismus tritt nicht freiwillig ab, sondern er wird sich mit allen
Krallen und Klauen an der Macht zu halten versuchen. Sein Arsenal ist
noch nicht erschöpft. Marx und Enegls schreiben im „Manifest“:
“Was beweist die
Geschichte der Ideen anders, als daß die geistige Produktion sich mit
der materiellen umgestaltet? Die herrschenden Ideen einer Zeit waren
stets nur die Ideen der herrschenden Klasse.“
Das
bedeutet, dass spontan den Massen auf ihrer Suche nach Auswegen nicht
die sozialistische Revolution nahe kommen wird, sondern in der ihnen
gewohnten und vom Kapitalismus gepflegten Ideologie die Suche nach
Scheinalternativen. Also laut schreiende Rattenfänger die von
Volksgemeinschaft und ähnlichen Blödsinn schwafeln werden. Gewinner
einer solchen Entwicklung wird zunächst wieder einmal das Kapital sein
und zwar in seiner reaktionärsten und terroristischsten Ausprägung:
dem Faschismus.
Hier
Einhalt zu gebieten kann nur eine Kommunistische Partei, die eine
wirkliche Alternative aufzeigt und sie angeht – und das entschlossen.
Wir
Kommunisten haben also eine hohe Verantwortung, der wir uns bewusst sein
sollten. Unsere Spaltung, unser Hin- und Herirren, unser Hervorheben von
Gruppenegoismen und unsere ideologischen Irrungen und rechts- wie
linksopportunistischer Abweichungen stärken den Klassenfeind.
4. Zu guter Letzt
Du
schreibst: „Ich bin kein Studierter, sondern Facharbeiter“. Warum, lieber
Genosse Müller, stellst du dein Licht hinter den Scheffel? Ich habe
oben auf den „Hobby-Philosophen“ Dietzgen hingewiesen. Die Leninsche
Theorie, dass sich spontan nur „trade unionistisches“ Bewusstsein
der Klasse entwickeln könne, besagt nicht, dass Arbeiter dumm sind.
Es
besagt nur, dass den Angehörigen der Arbeiterklasse nicht das Wissen
vom kapiatistsichen System vermittelt wird, das sie in die Lage versetzt
wissenschaftlich zu arbeiten.
Aber
viele – Josef Dietzgen ist ein beweis hierfür – haben sich dieses
Wissen und die Fähigkeit angeeignet.
Und
Arbeiter in einer kommunistischen Partei sind ein wichtiges Gegengewicht
gegen die Intellektuellen in der Partei, die dazu neigen, die
gesellschaftliche Praxis aus dem Blickfeld zu verlieren.
Stalin sagt in einem Gespräch
mit dem englischen Schriftstelle H.G. Wells im Jahre 1934:
„Erstens: Das
Wichtigste für die Revolution ist die Existenz eines gesellschaftlichen
Bollwerks. Dieses Bollwerk der Revolution ist die Arbeiterklasse.
Zweitens: Es ist eine Hilfskraft erforderlich, das, was die Kommunisten
Partei nennen. Der Partei gehört die Arbeiterintelligenz an und
diejenigen Elemente der technischen Intelligenz, die eng mit der
Arbeiterklasse verbunden sind. Die Intelligenz ist nur dann stark, wenn
sie sich mit der Arbeiterklasse verbindet. Stellt sie sich gegen die
Arbeiterklasse, wird sie zu einer bloßen Ziffer. Drittens: Als Hebel
der Veränderung ist die politische Macht erforderlich. Die neue
politische Macht schafft die neuen Gesetze, die neue Ordnung, die eine
revolutionäre Ordnung ist. Ich bin nicht für Ordnung schlechthin. Ich
bin für eine Ordnung, die den Interessen der Arbeiterklasse entspricht.
Falls freilich irgendwelche Gesetze der alten Ordnung im Interesse des
Kampfes für eine neue Ordnung genutzt werden können, dann sollte das
geschehen. Ich habe keine Einwände gegen Ihre Forderung, dass das
bestehende System angegriffen werden sollte, insofern es die notwendige
Ordnung für das Volk nicht sicherstellen kann. Und schließlich: Sie
haben unrecht, wenn Sie glauben, dass die Kommunisten in die Gewalt
verliebt sind. Sie würden sehr gerne auf Gewaltanwendung verzichten,
wenn die herrschende Klasse bereit wäre, ihren Platz der Arbeiterklasse
zu räumen. Aber die historische Erfahrung spricht gegen eine solche
Annahme.“
Ich
war bis 1975 selbst Industriearbeiter (zuletzt als Arbeiter in einem Hüttenwerk).
Dass ich dann studierte, hat mir niemand in die Wiege gesungen. Ich
kenne also die Probleme und neige weder zum Proletkult und
Intellektuellenhass, noch zum Intelektualismus.
Die
Arbeiterklasse ist die revolutionäre Klasse, nur sie kann die
Revolution machen und nur sie kann Hegemon sein. Das gilt für die zukünftige
Gesellschaftsordnung, wie auch für die zu bildende Kommunistische
Partei.
Damit
bin ich am Schluss meines Briefes. Ich hoffe, dass alles so lange
dauerte, ist nicht als Missachtung aufgefasst worden.
Mit
kommunistischen Grüßen
Rotfont
Günter
Ackermann
W.I.
Lenin, Was tun? Brennende Fragen der Bewegung, II Spontaneität der
Massen und Bewußtheit der Sozialdemokratie. III
Trade-unionistische und sozialdemokratische Politik, c) Die
politischen Enthüllungen und die „Erziehung zur revolutionären
Aktivität“
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