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Antwort an einen Arbeitergenossen

Der Leserbrief eines Arbeitergenossen an Kommunisten-online mehr

Die wichtigste Voraussetzung für eine siegreiche Revolution ist eine in den Massen verankerte kommunistische Partei. Die zu schaffen, ist ein Prozess, der langwierig und schwierig sein wird. Aber er muss angegangen werden. Nur diese Partei kann eine proletarische Revolution siegreich führen.

den 8. Dezember 2005

Lieber Genosse M.,

ich komme erst heute dazu, dir zu antworten.

Zunächst danke ich dir für deine Zuschrift. Ich kenne die Genossen von Initiativ e.V. persönlich seit ca. 6-7 Jahren und habe mit einigen politisch eng zusammen gearbeitet. In letzter Zeit war ich allerdings weniger in der Lage mich an Aktionen direkt zu beteiligen, deshalb traf ich sie auch seltener. Auch kungeln sie mir in letzter Zeit zu intensiv mit der örtlichen PDS.

1. Aufruf, PDS zu wählen

Von ihrem Aufruf, bei der Bundestagswahl PDS zu wählen, habe ich zunächst von einem Plakat erfahren, dass ca. 20m von hier an einem Stromkasten klebte. „Wählt Linkspartei!“ las ich da und traute meinen Augen nicht. Ich kenne die Genossen als eher ultralinks und hätte Wahlboykottaufrufe erwartet. Aber nein. Später las ich dann auch vom „antagonistisches Moment“ und schüttelte den Kopf. In einer ironische Mail an Thomas Zmrzly fragte ich, ob sie, als sie das beschlossen haben, das Hirn ausgeschaltet hätten.

Das, was Initiativ e.V. – gewollt oder nicht – bei dir im September erreichten, nämlich „Linkspartei“ zu wählen, zeigt, die objektive Rolle der Linken um und in der PDS: diese als links erscheinen zu lassen. Du hast einen Aufruf einer unverdächtigen linken Gruppe Folge geleistet. Wäre dieser Aufruf, sagen wir mal, aus rechten Kreisen gekommen, hättest du mit Sicherheit das nicht getan.

Aber es zeigt auch mehr: Ich sagte oben, dass ich die Initiativler als eher ultralinks kenne. Sie stürzen sich wie wild in Aktionismus, möglichst jede Woche eine Demo. Dabei haben sie, wie ich meine, oft auch fragwürdige Verbündete. So z.B. eine fundamentalistische islamisch-türkische Gruppe, die einen Text der Nationalzeitung übernahm.

Ich unterstelle Thomas Zmrzly und den anderen nicht, dass sie das billigten. Aber sie dürften der Meinung sein, dass die Feinde meiner Feinde, meine Freude sind und diese Fundamental-Moslems geben sich antiimperialistisch. Ich unterstelle ihnen nicht, wie die „Antideutschen“, dass Initiativ e.V. mit Nazis buhlt, das ist einfach Quatsch.

In ihrer Entscheidung, aufzurufen PDS zu wählen, haben die Initiativler wieder einmal die alte Weisheit bestätigt, dass Rechtsopportunismus (siehe DKP, KPD-Ost und MLPD) und Linksopportunismus (Initiativ e.V.) zwei Seiten einer Medaille sind. Man kann soweit links sein, dass man rechts wieder rauskommt. So die Initiativler bei der Bundestagswahl 2005.

2. Die Kommunistische Partei

Du hast sicher Recht mit der Feststellung, dass aus den „spontanen Kämpfen und Aktionen von Arbeitern (...) derzeit auch nicht den Kern einer solchen Kraft wachsen.“ kann. Das aber meint die MLPD und sieht überall die spontanen Kämpfe aufflammen. Ich sehe da weder eine rote Springflut – einen roten Tsunami schon gar nicht –  noch nicht einmal eine Welle. Ich sehe da eher Ebbe mit leichten Wellen vielleicht. Das aber ist eigentlich klar.

Die deutsche Arbeiterklasse steht derzeit entwaffnet da. Sie wird geführt von einer Partei des Monopolkapitals – der SPD – ihre ökonomische Interessensvertretungen – von Kampforganisation will ich gar nicht erst reden – die Gewerkschaften, sind fest in den Händen der SPD, also des Monopolkapitals. Links ist wirklich nichts Relevantes zu sehen.

2004/2005 im Zuge des Protestes gegen den Sozialraub zeigte sich, dass der Einfluss der SPD auf die Arbeiterklasse zunehmend schwindet. Hier wäre ein Hebel für die Kommunisten gewesen. Aber die DKP ist das, was du sagst: überaltert und revisionistisch und die MLPD gab keine Impulse in die Protestbewegung, in die Richtung der Hebung des Klassenbewusstsein führten. Auch sie hat sich als revisionistisch entlarvt.

Die Folgen waren einerseits, die allmähliche Resignation der Protestierer, aber andererseits auch der steigende Einfluss einerseits der Faschisten auf diese Bewegung und vor allem, die bereits am Rande der Auflösung befindliche PDS (siehe Wahlergebnisse Bundestag 2002 und Landtagswahl NRW 2005) bekam neuen Auftrieb und mit Oskar Lafontaine und der WASG eine kräftige Bluttransfusion. Die Rolle der PDS ist klar: Unzufriedene bei der Stange zu halten und sie gegen Linke abzuschirmen.

Wir, die Kommunisten, sind Anhänger des wissenschaftlichen Sozialismus und der muss auch wissenschaftlich angegangen werden. Folglich sind wir Realisten und wissen um die Gesetzmäßigkeiten der Gesellschaft.

Weil das so ist, müssen wir feststellen, dass sich die Bewegung von 2004 nicht konservieren lässt. Die Kommunisten waren 2004 nicht organisatorisch stark genug, als Partei aufzutreten. Genauer: Es gibt die kommunistische Partei überhaupt nicht in Deutschland. Es gibt nur einzelne Kommunisten oder kommunistische Gruppen, die zusammen gefasst allerdings eine Macht darstellen könnten. Aber sie sind (noch) vereinzelt.

Die Bewegung 2004 hat gezeigt, wie notwendig diese Kommunistische Partei ist. Aber sie einfach zu gründen, geht nicht, denn man schlösse damit viele Kommunisten aus und die Gründung wäre eine erneute kommunistische Sekte, wie es schon viel zu viele gibt.

Die Bildung einer KP ist ein Prozess. Diesen Prozess wollen wir unterstützen. Da wir wissen, der opportunistische Zusammenschluss der verschiednen Gruppen wäre nur der Keim einer erneuten Spaltung. Die Kommunistische Partei kann nur in der Kritik des linken und rechten Opportunismus entstehen.

Der Hauptschlag beim Entstehen der Kommunistischen Partei ist gegen den modernen Revisionismus zu richten, der seinen Ursprung im 20. Parteitag der KPdSU und bei Chruschtschow hat. Der moderne Revisionismus hat das sozialistische Lager und die Sowjetunion, das Land Lenins und Stalins, verraten und zurück zum Kapitalismus geführt; er hat die kommunistischen Parteien des Westens zu sozialdemokratischen Wahlvereinen verkommen lassen. Der moderne Revisionismus ist das Haupthindernis beim Entstehen der Kommunistischen Partei. Das ist auf der Basis der Organisation (DKP, PDS, MLPD binden eine Menge Kommunisten), ebenso wie auch in den Köpfen. Selbst bei aufrechten kommunistischen Kadern geistern in den Köpfen mancher revisionistische Unfug herum (denke mal an deinen Entschluss bei den Bundestagswahlen PDS zu wählen oder gar den Aufruf des Initiativ e.V.). Dagegen gilt es einen konsequenten ideologischen Kampf zu führen.

3. Spontaneität der Arbeiterklasse

Lenin hat schon vor 100 Jahren festgestellt, dass spontan nur trade-unionistisches, nicht aber revolutionäres Bewusstsein entstehen kann.

Wir haben gesagt, daß die Arbeiter ein sozialdemokratisches Bewußtsein gar nicht haben konnten. Dieses konnte ihnen nur von außen gebracht werden. Die Geschichte aller Länder zeugt davon, daß die Arbeiterklasse ausschließlich aus eigener Kraft. nur ein trade-unionistisches Bewußtsein hervorzubringen vermag, d.h. die Überzeugung von der Notwendigkeit, sich in Verbänden zusammenzuschließen, einen Kampf gegen die Unternehmer zu führen, der Regierung diese oder jene für die Arbeitet notwendigen Gesetze abzutrotzen u.a.m. Die Lehre des Sozialismus ist hingegen aus den philosophischen, historischen und ökonomischen Theorien hervorgegangen, die von den gebildeten Vertretern der besitzenden Klassen, der Intelligenz, ausgearbeitet wurden. Auch die Begründer des modernen wissenschaftlichen Sozialismus, Marx und Engels, gehörten ihrer sozialen Stellung nach der bürgerlichen Intelligenz an.“[1]

Natürlich kann es einzelne Arbeiter geben, die ebenso zu Theoretikern werden können. So ein enger Freund von Marx und Engels, der Handwerker Josef Dietzgen, den Marx als „unseren Philosophen“ bezeichnete. Die marxistische Erkenntnistheorie geht auf Dietzgen zurück. Seine Schrift „Das Wesen der menschlichen Kopfarbeit“[2] ist ein wichtiges Werk der marxistischen Erkenntnistheorie. Dass Dietzgen heute so wenig bekannt ist, liegt wohl auch daran, dass er kein Berufsphilosoph war und nie eine Uni besucht hatte. Ich las erst kürzlich in einem Internetforum, Dietzgen sei „Sozialdemokrat und Hobby-Philosoph“ gewesen. Na und? Was ändert das an seinen Verdiensten? Und Sozialdemokraten waren damals auch Bebel, Karl und Wilhelm Liebknecht, ja selbst Lenin.

Lenin stellt das auch nicht in Abrede, er nennt sie „Arbeiterintelligenz“. Was wir derzeit haben ist eine Arbeiterklasse, die von einer Partei des Kapitals geführt wird. Ich habe vor einigen Jahren auf einer SPD-Versammlung, bei der ich harsche Kritik an der Kommunalpolitik hier in Duisburg formulierte, einen Arbeiter erlebt, der mir sagte, er sei Arbeiter und die SPD seine Partei, eine Arbeiterpartei.

Weil die SPD die Erscheinungsform. Arbeiterpartei zu sein, pflegt, war es für das Kapital nötig, 1998 die SPD-Grüne Regierung zu bilden. Denn der Sozialkahlschlag, den das Kapital anstrebte und immer noch anstrebt, ist ohne die aktive Teilhabe der SPD nur mit Brachialgewalt möglich.

Natürlich nutzte die SPD sich dabei ab. Immer mehr erkannten und erkennen hinter der sozialen Erscheinungsform die kapitalistische Fresse und wenden sich ab.

Die Absatzbewegung, vollzieht sie sich unkontrolliert, kann sich gegen die Kapitalinteressen wenden. Also musste eine 2. Front aufgebaut werden, ein zweites Auffangbecken. Das soll die Linkspartei/PDS sein. Ich erinnere mich nicht, dass jemals in der Geschichte der BRD – ich lebe seit 1959, unterbrochen nur durch ein zweijähriges Auslandsstudium in Polen, in der BRD und bin hier seit 1961 politisch links aktiv – dass für eine linke Gruppe/Partei solch ein Medienrummel getrieben wurde, wie 2004/2005 mit der PDS (Linkspartei). Seit wann macht die Presse des Klassenfeindes Werbung für Linke? Die PDS hätte vor den Wahlen auf jeglichen Wahlkampf verzichten können, die bürgerliche Presse tat es für sie.

Allein das musste auffallen. Hast du dich vor der Bundestagswahl nicht gefragt, warum die gesamten bürgerlichen Medien von der Linkspartei berichten? An den intelligenten Positionen oder Wahlprogramm der PDS kann es nicht gelegen haben.

Um revolutionäres Bewusstsein zu schaffen, muss man dieses von außen ins Proletariat hineintagen. Dazu bedarf es einer Partei, der Kommunistischen Partei. .

„Um Sozialdemokrat zu werden, muß der Arbeiter eine klare Vorstellung haben von dem ökonomischen Wesen und dem sozialen und politischen Gesicht des Gutsbesitzers und des Pfaffen, des hohen Beamten und des Bauern, des Studenten und des Lumpenproletariers, muß er ihre starken und schwachen Seiten kennen, muß er sich in den landläufigen Phrasen und all den Sophistereien auskennen, mit denen jede Klasse und jede Schicht ihre egoistischen Neigungen und ihr wahres „Innere“ verhüllt, muß er sich darin auskennen, welche Institutionen und welche Gesetze diese oder jene Interessen zum Ausdruck bringen und in welcher Weise sie es tun. Diese „klare Vorstellung“ aber kann aus keinem Buche gewonnen werden; sie kann uns nur durch lebendige Bilder aus dem Leben und durch Enthüllungen gegeben werden, die auf frischer Spur alles fixieren, was im gegebenen Moment um uns herum vor sich geht, wovon jedermann auf seine Art spricht oder wenigstens flüstert, was in bestimmten Ereignissen, in bestimmten Zahlen, in bestimmten Gerichtsurteilen usw. usw. seinen Ausdruck, findet. Diese allseitigen politischen Enthüllungen sind die notwendige und die wichtigste Vorbedingung für die Erziehung der Massen zur revolutionären Aktivität.“[3]

Du schreibst: Historisch hat die bolschewistische Revolution auch im damaligen Russland erst nach einem verheerenden Krieg und der völligen Zerrüttung der herrschenden Strukturen und Machtverhältnisse gesiegt.“

Empirisch ist das richtig, Der 1. Weltkrieg hatte maßloses Elend über die Menschen gebracht und das hatte sie offener gemacht für die Argumente der Bolschewiki. Aber das ist keine Gesetzmäßigkeit, ein Krieg ist nicht die Voraussetzung der Revolution. Mal abgesehen davon, dass ein großer Krieg im Zeitalter der Massenvernichtungswaffen das Ende der Menschheit bedeuten könnte, folglich wir als Kommunisten konsequent für den Frieden kämpfen müssen, durchlebt der Kapitalismus zyklische Krisen.

Die wichtigste Voraussetzung für eine siegreiche Revolution ist eine in den Massen verankerte kommunistische Partei. Die zu schaffen, ist ein Prozess, der langwierig und schwierig sein wird. Aber er muss angegangen werden. Nur diese Partei kann eine proletarische Revolution siegreich führen.

Sie muss vorhanden sein, arbeiten und tief verankert sein in der Arbeiterklasse, wenn es zu einer revolutionären Situation kommt. Und die kann schneller kommen, als wir meinen – oder auch nicht so schnell. So schreibt Ernst Thälmann über die Aufstände in Deutschland des Jahres 1923:

Eine unmittelbar revolutionäre Situation war vorhanden. Alle Bedingungen für den Sieg der Arbeiterklasse waren da, außer einer einzigen: dem Bestehen einer klaren, eisern zusammengeschlossenen, unauflöslich mit den breitesten Massen verbundenen kommunistischen Partei, die entschlossen und fähig war, den spontanen Kampf der Arbeitermassen zu organisieren, ihn zu leiten.[4]

Thälmann weist hier auf einen weiteren Umstand hin: Die Partei muss entschlossen und fähig sein die Revolution zu führen. Die damalige Führung der KPD unter Brandler und Thalheimer jedoch verfolgte einen rechtsopportunistischen Kurs.

Ohne über hellseherische Fähigkeiten zu verfügen, kann ich aber sagen, dass mit zunehmender Verelendung breiter Massen (Pauperisierung, wie Marx es nannte) auch die Unzufriedenheit zunimmt. Die bürgerliche Demokratie wird immer unglaubwürdiger, die Menschen werden das Lügenspiel durchschauen. Bereits jetzt zeigt es sich, dass es immer schwieriger wird sie zu belügen. Die Propagandamaschinerie greift bereits jetzt tief in die Mottenkiste und man hat den Eindruck, sie wäre hilflos. Auf Kommunisten-online haben wir uns z.B. mit dieser saublöden Aktion „Du bist Deutschland“ beschäftigt[5] oder das Schwindel-Spiel um den Wanderer „Basti“[6].

Aber wir sollten uns nicht dem Trugschluss hingeben, uns fiele der Sozialismus wie eine reife Frucht in den Schoß, wenn sich der Kapitalismus überlebt hätte, verließe er fröhlich ein Liedlein trällernd die Bühne der Geschichte. Diese Theorie des friedlichen Hineinwachsens in den Sozialismus kann man als widerlegt betrachten.

Der Kapitalismus tritt nicht freiwillig ab, sondern er wird sich mit allen Krallen und Klauen an der Macht zu halten versuchen. Sein Arsenal ist noch nicht erschöpft. Marx und Enegls schreiben im „Manifest“:

“Was beweist die Geschichte der Ideen anders, als daß die geistige Produktion sich mit der materiellen umgestaltet? Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse.“

Das bedeutet, dass spontan den Massen auf ihrer Suche nach Auswegen nicht die sozialistische Revolution nahe kommen wird, sondern in der ihnen gewohnten und vom Kapitalismus gepflegten Ideologie die Suche nach Scheinalternativen. Also laut schreiende Rattenfänger die von Volksgemeinschaft und ähnlichen Blödsinn schwafeln werden. Gewinner einer solchen Entwicklung wird zunächst wieder einmal das Kapital sein und zwar in seiner reaktionärsten und terroristischsten Ausprägung: dem Faschismus.

Hier Einhalt zu gebieten kann nur eine Kommunistische Partei, die eine wirkliche Alternative aufzeigt und sie angeht – und das entschlossen.

Wir Kommunisten haben also eine hohe Verantwortung, der wir uns bewusst sein sollten. Unsere Spaltung, unser Hin- und Herirren, unser Hervorheben von Gruppenegoismen und unsere ideologischen Irrungen und rechts- wie linksopportunistischer Abweichungen stärken den Klassenfeind.

4. Zu guter Letzt

 Du schreibst: „Ich bin kein Studierter, sondern Facharbeiter“. Warum, lieber Genosse Müller, stellst du dein Licht hinter den Scheffel? Ich habe oben auf den „Hobby-Philosophen“ Dietzgen hingewiesen. Die Leninsche Theorie, dass sich spontan nur „trade unionistisches“ Bewusstsein der Klasse entwickeln könne, besagt nicht, dass Arbeiter dumm sind.

Es besagt nur, dass den Angehörigen der Arbeiterklasse nicht das Wissen vom kapiatistsichen System vermittelt wird, das sie in die Lage versetzt wissenschaftlich zu arbeiten.

Aber viele – Josef Dietzgen ist ein beweis hierfür – haben sich dieses Wissen und die Fähigkeit angeeignet.

Und Arbeiter in einer kommunistischen Partei sind ein wichtiges Gegengewicht gegen die Intellektuellen in der Partei, die dazu neigen, die gesellschaftliche Praxis aus dem Blickfeld zu verlieren.

Stalin sagt in einem Gespräch mit dem englischen Schriftstelle H.G. Wells im Jahre 1934:

Erstens: Das Wichtigste für die Revolution ist die Existenz eines gesellschaftlichen Bollwerks. Dieses Bollwerk der Revolution ist die Arbeiterklasse. Zweitens: Es ist eine Hilfskraft erforderlich, das, was die Kommunisten Partei nennen. Der Partei gehört die Arbeiterintelligenz an und diejenigen Elemente der technischen Intelligenz, die eng mit der Arbeiterklasse verbunden sind. Die Intelligenz ist nur dann stark, wenn sie sich mit der Arbeiterklasse verbindet. Stellt sie sich gegen die Arbeiterklasse, wird sie zu einer bloßen Ziffer. Drittens: Als Hebel der Veränderung ist die politische Macht erforderlich. Die neue politische Macht schafft die neuen Gesetze, die neue Ordnung, die eine revolutionäre Ordnung ist. Ich bin nicht für Ordnung schlechthin. Ich bin für eine Ordnung, die den Interessen der Arbeiterklasse entspricht. Falls freilich irgendwelche Gesetze der alten Ordnung im Interesse des Kampfes für eine neue Ordnung genutzt werden können, dann sollte das geschehen. Ich habe keine Einwände gegen Ihre Forderung, dass das bestehende System angegriffen werden sollte, insofern es die notwendige Ordnung für das Volk nicht sicherstellen kann. Und schließlich: Sie haben unrecht, wenn Sie glauben, dass die Kommunisten in die Gewalt verliebt sind. Sie würden sehr gerne auf Gewaltanwendung verzichten, wenn die herrschende Klasse bereit wäre, ihren Platz der Arbeiterklasse zu räumen. Aber die historische Erfahrung spricht gegen eine solche Annahme.“[7]

Ich war bis 1975 selbst Industriearbeiter (zuletzt als Arbeiter in einem Hüttenwerk). Dass ich dann studierte, hat mir niemand in die Wiege gesungen. Ich kenne also die Probleme und neige weder zum Proletkult und Intellektuellenhass, noch zum Intelektualismus.

Die Arbeiterklasse ist die revolutionäre Klasse, nur sie kann die Revolution machen und nur sie kann Hegemon sein. Das gilt für die zukünftige Gesellschaftsordnung, wie auch für die zu bildende Kommunistische Partei.

Damit bin ich am Schluss meines Briefes. Ich hoffe, dass alles so lange dauerte, ist nicht als Missachtung aufgefasst worden.

Mit kommunistischen Grüßen

Rotfont

Günter Ackermann


[1] W.I. Lenin, Was tun? Brennende Fragen der Bewegung, II Spontaneität der Massen und Bewußtheit der Sozialdemokratie. a) Der Beginn des spontanen Aufschwungs siehe

[2]  Dietzgen, Josef, Ausgewählte Schriften, Berlin 1954

[3]  W.I. Lenin, Was tun? Brennende Fragen der Bewegung, II Spontaneität der Massen und Bewußtheit der Sozialdemokratie.  III Trade-unionistische und sozialdemokratische Politik, c) Die politischen Enthüllungen und die „Erziehung zur revolutionären Aktivität“

[4]  Die Lehren des Hamburger Aufstandes, Ausgewählte Reden und Schriften in zwei Bänden, Band 1, Verlag Marxistische Blätter, Frankfurt am Main 1976, Seite 69 ff.. siehe

[6]  siehe und siehe

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Leserbrief eines Arbeitergenossen an Kommunisten-online

Hallo Genosse Ackermann,

vor der Wahl schickte ich Ihnen eine Mail, in der ich Ihre Positionen und Analyse der Linkspartei im Wesentlichen teilte aber in der Frage der imperialistischen Kriege von der Linkspartei eine harte Opposition, die die Tatsachen beim Namen nennt erhoffte. Ein Aufsatz aus dem Kreis des Initiativ e.V., der zum Ergebnis kam, dass die Linkspartei in der jetzigen Zeit ein antagonistisches Moment darstellt, führte dann dazu, dass ich auf etwas hoffte, worauf ich gerne hoffen wollte.

Heute gebe ich Ihrer Analyse und klaren Darstellung völlig Recht. Sie haben die Funktion dieser Linkspartei klar analysiert und richtig eingeschätzt. Das belegen die Handlungen und Erklärungen, die diese Linkspartei seit der Wahl von sich gegeben hat.

Sie schreiben im Artikel „Ein bescheidener Anfang…..“: „Wir brauchen eine wirkliche kommunistische Partei, die die spontane Unzufriedenheit weiter Teile der Bevölkerung in zielgerichtetes revolutionäres Klassenbewusstsein verwandelt.“

Eine solche Kraft kann ich nirgendwo in der BRD erkennen, auch keine in der Entstehung Begriffene. Selbst die zahlenmäßig größte Gruppe –die DKP- ist ein bescheidenes Häuflein von Menschen. Die Parteimitglieder sind überwiegend schon älter und die Partei selbst kämpft finanziell ums Überleben. Die Führung ist revisionistisch und hat kein Konzept, vielleicht auch keine Möglichkeiten. Sie sieht ihre Zukunft weitgehend nur noch in bedingungsloser Anbiederung an die Linkspartei.

Aus spontanen Kämpfen und Aktionen von Arbeitern sehe ich derzeit auch nicht den Kern einer solchen Kraft wachsen. Sie werden regelmäßig von der sozialdemokratischen Führung der Gewerkschaften verraten und betrogen. Rechtes Gedankengut ist in weiten Teilen der Arbeiterschaft bis in die Gewerkschaftsapparate verbreitet. Mir scheint, dass die spontane Unzufriedenheit weiter Teile der Bevölkerung eher zu einer verstärkten und beschleunigten Rechtsentwicklung im Denken der Mehrheit dieser Unzufriedenen führt und nicht zu revolutionärem Klassenbewusstsein.

Zeitweise stehe ich sehr ratlos vor dieser Situation und fürchte, dass bedeutende Teile der Arbeiterklasse erst dann aufwachen, wenn es wieder mal zu spät ist, Millionen in den Tod gehetzt wurden und die Überlebenden, falls es solche überhaupt noch gibt, in Ruinen hausen.

Historisch hat die bolschewistische Revolution auch im damaligen Russland erst nach einem verheerenden Krieg und der völligen Zerrüttung der herrschenden Strukturen und Machtverhältnisse gesiegt.

Ich bin kein Studierter, sondern Facharbeiter, glaube aber, dass wenn eine Analyse der derzeitigen gesellschaftlichen und ökonomischen Strukturen und Entwicklungsrichtungen zum Ergebnis käme, dass die entscheidende Chance für die Arbeiterklasse erst nach einer völligen Zerrüttung des Kapitalismus, mindestens in einem Land, gekommen ist, dann müssten auch einige Fragen in der praktischen und organisatorischen Vorbereitung auf diese entscheidende Situation anders gestellt werden, als dies die meisten Linken Kräfte heute tun. Für seine zunehmende Zerrüttung sorgt der Kapitalismus schon alleine, eingeschlossen seine letzte Zuflucht Faschismus.

Welche Fragen das aber konkret sein müssen ist mir heute noch nicht klar und noch viel weniger die möglichen Antworten darauf.

Rotfront

K. M.

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