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Zuschrift  an die Redaktion zu Quisling unter Quislingen, DKP-Chef Stehr outet sich als ideologisch klar

von T.A.

Lieber Genosse Ackermann,

ganz großen Dank für die vorzügliche Arbeit und Darstellung  in Sachen Stehr (Parteivorsitzender der DKP).

Deine Sprache scheint für Leute die nicht so in die Materie vertieft sind vielleicht etwas derb sein, ich finde sie angemessen und wohltuend.

Denn diese Erklärung im Bezug auf die Politik der sog. Irakischen Kommunistischen Partei kommt wahrlich einer kompletten Bankrotterklärung gleich. Tiefer kann man sich nicht diskreditieren, als angebliche Kommunisten, als wenn man Kräfte unterstützt, die als Kollaborateure in der US-Marionettenregierung  eines Landes sitzen, das durch einen bewiesenermaßen eiskalt-perfiden Präventivkrieg  unter imperialistischer Besatzung steht. Ist schon die nachgeschobene Begründung „Demokratie schaffen zu wollen“

a) durch die ganz offene Zusammenarbeit mit anderen repressiven, teils faschistischen, teils klerikalen Regimes 

b) durch die ganz alltägliche Besatzungsbrutalität - siehe Falludscha

c) durch die wahren geostrategischen und ökonomischen Beweggründe total unglaubwürdig (seit wann ist der US-Imperialismus in Sachen Demokratie eine Art Mutter Theresa Hilfswerk?), so entspringt die Hoffnung auf Sozialismus in solchen Verhältnissen entweder  dem Gehirn eines Geisteskranken oder eines politischen Opportunisten.

Letzteres scheint mir Stehr zu sein.

Allerdings würde ich weiter als du gehen: Diese Partei, die DKP, ist bereits hoffnungslos revisionistisch verrottet und es wäre das beste wenn sie sich auflösen oder spalten würde.

Eine kommunistische Partei jedenfalls, die sich gegen den berechtigten bewaffneten Widerstand des irakischen Volkes gegen die imperialistischen Okkupanten stellt, braucht eigentlich niemand. Die kann gleich bei Schröder, Müntefering, Clement und den anderen  pseudosozialkapitalistischen Kotzbrocken anheuern...

Ansonsten: Kompliment für die Seite, sie hat oft interessante Beiträge und man schaut immer wieder gerne rein!

Mit freundlichen Grüßen

T.

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Antwort von Kommunisten-online

von Günter Ackermann

Lieber Genosse T.,

vielen Dank für deine Zuschrift. Ich möchte jedoch kurz auf das eingehen, was Du uns schreibst.

1. drastische Sprache. Nun, Genosse, Du hast schon recht, diese Sprache ist hier angemessen. Ich muss gestehen, ich habe eine Stinkwut darüber, was hier einer, der sich als Kommunist bezeichnet, in die Welt posaunt hat.

Kommunist ist man mit Kopf und Herz. Der Kopf heißt, indem man analytisch an die Widersprüche der Gesellschaft auf Grund dialektisch-materialistischer Analyse heran geht, mit dem Herzen, indem man mit dem notwendigen Klassenhass in den Kampf zieht und eindeutig Partei ergreift für die Unterdrückten und Geknechteten im eigenen Land und in der ganzen Welt.

Stehr fehlt beides. Wenn dialektisch-materialistisch das Problem analysiert hätte, wüsste er, dass er schief liegen muss. Der US-Imperialismus ist wahrlich kein „Mutter Theresa Hilfswerk“ (wobei diese albanische Nonne ihre Wohltaten auch nicht eben selbstlos an die kleinen Inderlein verteilte). Worum es den USA geht, muss Stehr einfach klar sein und wer sich an einer Regierung beteiligt, die Statthalter der USA ist, der ist ein Quisling, auch wenn er sich Kommunist oder kommunistische Partei nennt.

Und sein  Herz schlägt auch nicht für die seit 1990 von Embargo und Krieg schwer getroffenen Iraker und auch nicht für die Opfer der Massaker der USA-Truppen und der ihrer irakischen Quislinge, zu denen auch die IKP gehört.

Ich meine, solch eine ungeheuerliche Stellungnahme gebührt eine drastische Sprache. Jedes Drumherum oder Honig-ums-Maul-schmieren verschleiert diese Ungeheuerlichkeit nur.

2. Rolle der DKP. Du schreibst: Diese Partei, die DKP, ist bereits hoffnungslos revisionistisch verrottet und es wäre das beste, wenn sie sich auflösen oder spalten würde.“

Dass die DKP revisionistisch ist, steht zweifelsfrei fest. Und Stehr ist ein Erzrevisionist, auch das ist klar. Aber ich kenne eine Menge DKP-Genossen, die ich sehr hoch schätze - das soll man nicht unerwähnt lassen.

Politisch markiert die DKP den rechten Rand des kommunistischen Spektrums, teilweise überschreitet sie diesen schon zum Sozialdemokratismus. Alles, was jenseits der DKP ist, ist sozialdemokratisch, auch die PDS mit ihrer Kommunistischen Plattform.

Aber es gibt eine ganze Menge anderer Gruppen im kommunistischen Spektrum, die alle nicht den Kriterien entsprechen, die Lenin für eine Avantgarde formulierte:

(...) Zweitens durch ihre Fähigkeit, sich mit den breitesten Massen der Werktätigen, in erster Linie mit den proletarischen, aber auch mit den nichtproletariscben werktätigen Massen zu verbinden, sich ihnen anzunähern, ja, wenn man will, sich bis zu einem gewissen Grade mit ihnen zu verschmelzen. Drittens durch die Richtigkeit der politischen Führung, die von dieser Avantgarde verwirklicht wird, durch die Richtigkeit ihrer politischen Strategie und Taktik, unter der Bedingung, daß sich die breitesten Massen durch eigene Erfahrung von dieser Richtigkeit überzeugen. Ohne diese Bedingungen kann in einer revolutionären Partei, die wirklich fähig ist, die Partei der fortgeschrittenen Klasse zu sein, deren Aufgabe es ist, die Bourgeoisie zu stürzen und die ganze Gesellschaft umzugestalten, die Disziplin nicht verwirklicht werden" (W.I. Lenin, Was tun?)

Sie alle sind diesem Kriterium nicht gewachsen und entfernen sich immer mehr von ihm. Ich denke hier an die unsäglich dumme, aber auch arrogante und rechtsopportunistische Politik der MLPD. Oder aber die mal eben einige hundert Mitglieder zählende Ost-KPD zählt ihre Parteitage seit 1918. Wirklich in die Klassenkämpfe eingreifen, geschweigen denn sie zu führen, kann sie nicht Aber auch sie meint, sie sei DIE Partei der Arbeiterklasse. 

Man kann bei all diesen „Parteien der Arbeiterklasse“ mehr oder weniger schwere Fehler und Versäumnisse feststellen. Dein Vorschlag, die DKP betreffend, „es wäre das beste, wenn sie sich auflösen oder spalten würde.“ Das trifft auf alle zu. Nur was dann?

Wir, die Reaktion Kommunisten-online, treten für eine vereinigte KPD ein und wissen, dass dies nicht einfach zu erreichen ist. Nicht einmal, weil die Gräben zwischen den Gruppen zu tief sind, das z.T. auch, aber in wichtigen Punkten ist man sich auch wieder einig.

Aber alle diese Gruppen sind zutiefst der Überzeugung, sie sei die wahre Partei der deutschen Arbeiterklasse und alle anderen seien Spalter – dabei ist es keine von ihnen.

Inzwischen ist ein Kuriosum eingetreten. Es gibt in Deutschland mehr Kommunisten, die keiner Partei/Gruppe angehören, als solche, die es sind.

Kommunisten-online befindet sich in guter Gesellschaft. Die Zeitschriften Offensiv und Rotfuchs, aber auch hervorragende Intellektuelle wie Ingo Wagner, Kurt Gossweiler und andere  sehen das ähnlich. Auch sie gehören keiner Partei (mehr) an. Hier ist ein Potential, das die anderen nicht haben. So z.B. wird die Revisionismus-Diskussion nicht durch die angeblich antirevisionistischen Gruppen (MLPD usw.) geführt, sondern z.B. Kurt Gossweiler hat hier sehr gute Beitrage geliefert. Und auch wir haben Beiträge geleistet (wozu auch unsere Kritik an Mao Tsetung gehört).

Eine weitere „Partei“ zu gründen, wäre grundfalsch. Wir hätten nur eine Sekte mehr. Wir müssen einfach zu einer Diskussion unter den Kommunisten kommen mit dem Ziel, eine vereinigte KPD aufzubauen. Es muss gelingen die Kommunisten zu organisieren und die spalterischen Führer der Gruppen von ihren Mitglieder isolieren. Das ist nicht leicht, aber anders geht’s nicht.

Ich hoffe, dass ich Deine Zuschrift damit ausreichend beantwortet habe und möchte Dir nochmals herzlichst dafür danken.

Mit kommunistischen Grüßen

Rotfront

Günter Ackermann

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