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Antwort
von Kommunisten-online
von
Günter Ackermann
Lieber
Genosse T.,
vielen
Dank für deine Zuschrift. Ich möchte jedoch kurz auf das eingehen, was
Du uns schreibst.
1.
drastische Sprache. Nun, Genosse, Du hast schon recht, diese
Sprache ist hier angemessen. Ich muss gestehen, ich habe eine Stinkwut
darüber, was hier einer, der sich als Kommunist bezeichnet, in die Welt
posaunt hat.
Kommunist
ist man mit Kopf und Herz. Der Kopf heißt, indem man analytisch an die
Widersprüche der Gesellschaft auf Grund dialektisch-materialistischer
Analyse heran geht, mit dem Herzen, indem man mit dem notwendigen
Klassenhass in den Kampf zieht und eindeutig Partei ergreift für die
Unterdrückten und Geknechteten im eigenen Land und in der ganzen Welt.
Stehr
fehlt beides. Wenn dialektisch-materialistisch das Problem analysiert hätte,
wüsste er, dass er schief liegen muss. Der US-Imperialismus ist
wahrlich kein „Mutter Theresa Hilfswerk“ (wobei diese albanische
Nonne ihre Wohltaten auch nicht eben selbstlos an die kleinen Inderlein
verteilte). Worum es den USA geht, muss Stehr einfach klar sein und wer
sich an einer Regierung beteiligt, die Statthalter der USA ist, der ist
ein Quisling, auch wenn er sich Kommunist oder kommunistische Partei
nennt.
Und
sein Herz schlägt auch nicht für die seit 1990 von Embargo und
Krieg schwer getroffenen Iraker und auch nicht für die Opfer der
Massaker der USA-Truppen und der ihrer irakischen Quislinge, zu denen
auch die IKP gehört.
Ich
meine, solch eine ungeheuerliche Stellungnahme gebührt eine drastische
Sprache. Jedes Drumherum oder Honig-ums-Maul-schmieren verschleiert
diese Ungeheuerlichkeit nur.
2.
Rolle der DKP. Du schreibst: „Diese
Partei, die DKP, ist bereits hoffnungslos revisionistisch verrottet und
es wäre das beste, wenn sie sich auflösen oder spalten würde.“
Dass die DKP revisionistisch ist, steht
zweifelsfrei fest. Und Stehr ist ein Erzrevisionist, auch das ist klar.
Aber ich kenne eine Menge DKP-Genossen, die ich sehr hoch schätze - das
soll man nicht unerwähnt lassen.
Politisch
markiert die DKP den rechten Rand des kommunistischen Spektrums,
teilweise überschreitet sie diesen schon zum Sozialdemokratismus.
Alles, was jenseits der DKP ist, ist sozialdemokratisch, auch die PDS
mit ihrer Kommunistischen Plattform.
Aber
es gibt eine ganze Menge anderer Gruppen im kommunistischen
Spektrum, die alle nicht den Kriterien entsprechen, die Lenin für eine
Avantgarde formulierte:
„(...)
Zweitens durch ihre
Fähigkeit, sich mit den breitesten Massen der Werktätigen, in
erster Linie mit den proletarischen, aber auch mit den
nichtproletariscben werktätigen Massen zu
verbinden, sich ihnen anzunähern, ja,
wenn man will, sich bis zu einem gewissen Grade mit ihnen zu
verschmelzen. Drittens
durch die Richtigkeit der politischen Führung, die von dieser
Avantgarde verwirklicht wird, durch die Richtigkeit ihrer
politischen Strategie und Taktik, unter der Bedingung, daß
sich die breitesten Massen durch eigene Erfahrung von dieser Richtigkeit
überzeugen. Ohne diese Bedingungen kann in einer revolutionären
Partei, die wirklich fähig ist, die Partei der fortgeschrittenen Klasse
zu sein, deren Aufgabe es ist, die Bourgeoisie zu stürzen und die ganze
Gesellschaft umzugestalten, die Disziplin nicht verwirklicht
werden" (W.I. Lenin, Was tun?)
Sie
alle sind diesem Kriterium nicht gewachsen und entfernen sich immer mehr
von ihm. Ich denke hier an die unsäglich dumme, aber auch arrogante und
rechtsopportunistische Politik der MLPD. Oder aber die mal eben einige
hundert Mitglieder zählende Ost-KPD zählt ihre Parteitage seit 1918.
Wirklich in die Klassenkämpfe eingreifen, geschweigen denn sie zu
führen, kann sie nicht Aber auch sie meint, sie sei DIE Partei der Arbeiterklasse.
Man kann
bei all diesen „Parteien der Arbeiterklasse“ mehr oder weniger
schwere Fehler und Versäumnisse feststellen. Dein Vorschlag, die DKP
betreffend, „es wäre
das beste, wenn sie sich auflösen oder spalten würde.“ Das
trifft auf alle zu. Nur was dann?
Wir,
die Reaktion Kommunisten-online, treten für eine vereinigte KPD ein und
wissen, dass dies nicht einfach zu erreichen ist. Nicht einmal, weil die
Gräben zwischen den Gruppen zu tief sind, das z.T. auch, aber in
wichtigen Punkten ist man sich auch wieder einig.
Aber
alle diese Gruppen sind zutiefst der Überzeugung, sie sei die wahre
Partei der deutschen Arbeiterklasse und alle anderen seien Spalter –
dabei ist es keine von ihnen.
Inzwischen
ist ein Kuriosum eingetreten. Es gibt in Deutschland mehr Kommunisten,
die keiner Partei/Gruppe angehören, als solche, die es sind.
Kommunisten-online
befindet sich in guter Gesellschaft. Die Zeitschriften Offensiv und
Rotfuchs, aber auch hervorragende Intellektuelle wie Ingo Wagner, Kurt
Gossweiler und andere sehen
das ähnlich. Auch sie gehören keiner Partei (mehr) an. Hier ist ein
Potential, das die anderen nicht haben. So z.B. wird die
Revisionismus-Diskussion nicht durch die angeblich antirevisionistischen
Gruppen (MLPD usw.) geführt, sondern z.B. Kurt Gossweiler hat hier sehr gute
Beitrage geliefert. Und auch wir haben Beiträge geleistet (wozu auch
unsere Kritik an Mao Tsetung gehört).
Eine
weitere „Partei“ zu gründen, wäre grundfalsch. Wir hätten nur
eine Sekte mehr. Wir müssen einfach zu einer Diskussion unter den
Kommunisten kommen mit dem Ziel, eine vereinigte KPD aufzubauen. Es muss
gelingen die Kommunisten zu organisieren und die spalterischen Führer
der Gruppen von ihren Mitglieder isolieren. Das ist nicht leicht, aber
anders geht’s nicht.
Ich
hoffe, dass ich Deine Zuschrift damit ausreichend beantwortet habe und möchte
Dir nochmals herzlichst dafür danken.
Mit
kommunistischen Grüßen
Rotfront
Günter
Ackermann
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