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Antwort
auf eine Zuschrift zum Thema Stalin
von
Günter Ackermann
Kommunisten-online
vom 23. Dezember 2008
| Stalin hatte
die richtige Erkenntnis, dass mit fortschreitenden Aufbau des
Sozialismus die Klassenkämpfe nicht aufhören, sondern heftiger
werden. Denn die besiegte kapitalistische Klasse ist mit ihrer
ökonomischen Beseitigung immer noch vorhanden. Sie steckt oft
genug in den Köpfen der Menschen und infiziert so andere. Es
gelingt auch, die bürgerliche Ideologie in die Partei zu tragen
um den Prozess des Sozialismus umzukehren und den Kapitalismus
wieder einzuführen. |
„Es
ist notwendig, die faule Theorie zu zerschlagen und beiseite zu werfen,
dass der Klassenkampf bei uns mit jedem Schritt unseres Vormarsches mehr
und mehr erlöschen müsse, dass der Klassenfeind in dem Maße, wie wir
Erfolge erzielen, immer zahmer werde. Im Gegenteil, je weiter wir vorwärts
schreiten, je mehr Erfolge wir erzielen werden, um so größer wird die
Wut der Überreste der zerschlagenen Ausbeuterklassen werden, um so mehr
Niederträchtigkeiten werden sie gegen den Sowjetstaat begehen, um so
mehr werden sie zu den verzweifeltsten Kampfmitteln greifen, als den
letzten Mitteln zum Untergang Verurteilter. Man muß im Auge behalten,
dass die Reste der zerschlagenen Klassen in der UdSSR nicht alleine
dastehen. Sie genießen die direkte Unterstützung unserer Feinde
jenseits der Grenzen der UdSSR.” (In:
J.W. Stalin, Über die Mängel der Parteiarbeit und die Maßnahmen zur
Liquidierung der trotzkistischen und sonstigen Doppelzüngler, Berlin
1954, S.22 f.)
Lieber
H.,
Du
schriebst:
„Nun
will ich nicht um den heißen Brei reden sondern frage mich:
-woher soll ich wissen, was Stalin wirklich wollte (und auch gemacht
hat)
-was ist wahr und was nicht
-Judenverfolgung?
-willkürliche Massenmorde?
Alles nur West-Propaganda?
-Was hat es mit der „Entstalinisierung“ an sich?
Meine
Antworten:
1.
Zu „woher soll ich wissen,
was Stalin wirklich wollte (und auch gemacht hat)“
Seine
Schriften sind bekannt und in gedruckter Form sicher erhältlich. Neben
der Dietz-Verlags-Fassung aus der DDR in den 50 und 60ern gab es in den
70er Jahren einen Nachdruck der KPD/ML und im Internet findest du seine
Schriften und Dokumente der KPDSU (B) auch. Auch gibt es Stellungsnahmen
der UdSSR zu Entscheidungen der SU in der damaligen Zeit zu fast allen
relevanten Fragen. Also zum sog. Hitler Stalin-Pakt,
sowjetisch-finnischen Krieg, Moskauer Prozesse usw. als Primärliteratur.
Und es gibt auch Sekundärliteratur darüber. Lese Kurt Gossweiler zu
diesem Thema.
Und
betrachte die Geschichte vor und nach Stalins Tod. Unter Stalin wurde
die UdSSR ideologisch, politisch und ökonomisch stark. Die UdSSR wird
industrialisiert, besiegt Nazi-Deutschland im Großen Vaterländischen
Krieg, die UdSSR trotzte im Kalten Krieg den USA-Imperialisten, die
UdSSR wurde militärisch den USA ebenbürtig und entwickelte eigene
Atomwaffen und die entsprechende Trägertechnik (Raketen). Davon
profitierten dann auch noch Chruschtschow und seine Nachfolger, sie
gaben es fälschlich als ihr Verdienst aus. Jedoch es wurde unter Stalin
geschaffen.
Und
danach? Die Entstalinisierung richtete sich gegen Marxisten-Leninisten
in der KPdSU und anderer kommunistischer Parteien und führte zur
ideologischen Entwaffnung der Kommunisten weltweit. Das sozialistische
Lager degenerierte immer mehr, konnte schließlich weder wirtschaftlich
noch militärisch zusammen gehalten werden und implodierte schließlich
zum Ende der 80er Jahre des
20. Jahrhunderts.
Aus
einst starken Kommunistischen Parteien, wie der italienischen und der
französischen, wurden unbedeutende Parteien als Anhängsel der
Sozialdemokraten. Die KPI schließlich verkam zu einer rechten
soziademokratischen Partei und fusionierte schließlich mit den
christlichen Demokraten.
Das
ist nicht auf die ideologische Stärke des Imperialismus über den
Kommunismus zurück zu führen, wie uns die kapitalistischen Ideologen
weis zu machen versuchen. Sondern es ist das Ergebnis der ideologischen
Entwaffnung durch die „Entstalinisierung“, sprich modernen
Revisionisten.
Zu
„was ist wahr und was nicht“
Die
Antwort hierfür ist schwierig. Aber es gibt einen einfachen Trick um
das heraus zu finden: Wer hat
dieses oder jedes in die Welt gesetzt? So hat z.B. Goebbels in die
Welt setzte, die Russen hätten die polnischen Soldaten bei Katyn
ungebracht. Welchen Sinn hätten die Morde für die SU? Keine! Wenn die
Führung der SU sich aber polnischer Soldaten entledigen wollte, warum
ließ sie die Armee des polnischen Generals Władysław
Anders das Land verlassen? Diese Anders-Armee wurde dann von den Briten
beim Kampf um Monte Casino verheizt. Die Briten schickten die Polen ins
Feuer und schonten eigene Truppen. Falls du mal dorthin kommst, besuche
den Soldatenfriedhof. Du wirst unzählige Gräber mit polnischen Namen
finden. Keine sowjetische und auch keine nachsowjetische russische
Regierung hat je die Morde von Katyn „gestanden“. Nur ein gewisser
Gorbatschow. Aber diesen Herrn kennen wir zur Genüge, der erklärt
inzwischen sogar, dass die Krautjunker Ostelbiens ein Anrecht auf ihre Ländereien
hätten.
Oder
die Behauptung, die Russen hätten im 2. Weltkrieg systematische
Deutsche Frauen ermordet und vergewaltigt. Man behauptet sogar, der
sowjetische Schriftsteller Ilja Ehrenburg, habe zum Mord an Deutschen
und zur Vergewaltigung deutscher Frauen aufgerufen. Das habe in der
Prawda gestanden. Das ist eine reine Erfindung. Das renommierte Institut
für Zeitgeschichte sagte dazu, sie hätten keinen Beweis für diesen
Aufruf Ehrenburgs gefunden, obwohl sie lückenlos die Ausgaben der
Prawda im Archiv hätten. Diese Geschichte stammte auch aus der Lügenküche
von Goebbels.
Tatsächlich
schrieb Ehrenburg: „. Unsere Menschen träumen nicht von Rache.
Nicht dafür haben wir unsere Jünglinge erzogen, damit sie auf die
Ebene Hitlerscher Gewalttaten herabsinken. Niemals werden Rotarmisten
deutsche Kinder töten, das Goethehaus in Weimar anstecken oder die
Bibliothek in Marburg zerstören. Rache bedeutet, dass man Gleiches mit
Gleichem vergilt, dass man die Sprache des Feindes zu sprechen sich
anschickt. Wir aber haben mit den Faschisten keine Sprache gemein. ..“
Ilja Ehrenburg: „Rechtfertigung
des Hasses“ (Krasnaja Svjesda,
Sommer 1942)
Ehrenburg
war einer der am höchsten geschätzten Schriftsteller der Sowjetunion,
er war jüdischer Abstammung und war einer der Macher eines
Schwarzbuches über die Nazimorde an Juden in den besetzten Teilen der
UdSSR.
Oder
die Rote Armee habe beim Watschauer Aufstand 1944 die Polen im Stich
gelassen. Stimmt auch nicht Der Aufstand wurde gegen den ausdrücklichen
Willen auch der britischen Regierung von der Exilregierung losgetreten.
Die Rote Armee stand bereits in Praga, dem östlich der Wisla liegenden
Stadtteil von Warszawa. Die Exilregierung meinte, der Besetzung durch
die Rote Armee zuvor kommen zu müssen.
Dass
die Rote Armee die faschistischen Truppen einige tausend Kilometer vor
sich hergetrieben hatte und dringend der Auffrischung der Mannschaften
und Ausrüstung bedurfte, man musste die Nachschublinien wieder
herstellen, denn die Nazis hatten alles zerstört, verhinderte, dass die
Rote Armee – mal abgesehen von einem Brückenkopf am Westufer der
Wisla – den Fluss überqueren konnte. Sie setzte sich am Ostufer des
Flusses fest. Aber es gab polnische Einheiten auf Seiten der Roten
Armee. Die setzten nachts über den Fluss, sorgten für Nachschub an
Menschen und Material.
Auch Einheiten der Armia Ludowa, die Widerstandsarmee der Kommunisten,
halfen mit bei den Kämpfen gegen die Nazis. Dabei waren oft Widerstände
aus dem Kreis der Führung des Aufstands zu überwinden – die wollten
keine Hilfe durch Kommunisten.
Ich
will sagen: Verbreiten feindliche Ideologen eine Meldung, ist immer höchste
Vorsicht geboten. In der Regel sind das Lügen oder zumindest auf dem
Zusammenhang gerissene und in einen anderen gestellte Tatsachen.
Zu
„Judenverfolgung?
Es
gab im Zarenreich Judenprogrome, es gab sie in Polen, sogar noch nach
1945 in Kielce. Einpeitscher
aus dem katholischen Klerus hatten die Bevölkerung aufgehetzt, aber es
gab keine in der UdSSR.
Welche
meinst du? Die Massenmorde an Juden, z.B. im Getto Riga, geschahen während
der deutschen Besetzung, die Mörder steckten in deutschen Uniformen.
Auch die Morde in der Ukraine, Weißrussland usw. begingen die
Nazi-Okkupanten, nicht der NKWD oder die Rote Armee. Welche also meinst
du denn?
Oder.
Meinst du, dass Stalin ein Antisemit gewesen sei. Wo ist der Beweis? War
Ilja Ehrenburg im Gulag? Nein, der war hochgeehrt.
Im
Zuge der chruschtschowschen Entstalinisierung warf er führende
Marxisten-Leninisten aus der Stalin-Garde aus der Partei. Er nannte das
die „parteifeindliche Gruppe Molotow, Malenkow und Kaganorwitsch.
Lasar
Moissejewitsch Kaganowitsch
was Sohn jüdischer Eltern, lernte das Handwerk eines
Schuhmachers und arbeitete danach in einer Schuhfabrik.
Unter
Stalin war er Politbüromitglied in
der KPdSU (B) und Kaganowitsch galt als der „Feuerwehrmann” oder als
die „Lokomotive” des Politbüros, der Pannen und schwierige
Situationen löste. Solch einen Vertrauensposten von einem Antisemiten
an einen Juden? Kaum wahrscheinlich.
Wo
also bleibt die Judenverfolgung in der UdSSR? Sie löst sich in Luft
auf, sie gab es nicht.
Was
es aber gab, war die Einschränkungen religiöser Institutionen. Das
betraf sicherlich auch die Synagogengemeinden, aber auch die
christlichen Kirchen, den Islam und andere religiöse Strömungen. Diese
mussten sich auf das beschränken, was ihre Aufgabe war; es gab eine
strikte Trennung von Kirche und Staat und es gab eine antireligiöse
Aufklärung. Die richtete sich aber nicht nur gegen die jüdische
Religion, sondern gegen alle.
zu
„willkürliche Massenmorde?“
Gegenfrage:
Welche meinst du? Auf Katyn gingen wir bereits ein. Oder meinst du die
Todesurteile gegenüber Mitgliedern der Armee des Generals Andrei
Andrejewitsch Wlassow? Der hat sich als Kriegsgefangener den Nazis zur
Verfügung gestellt und eine Armee gegen die Sowjetunion aufgebaut.
Wlassow und andere aus seiner Verräterarmee wurde 1946 gehängt. Doch
wohl zu Recht. Andere aus seiner Verräter-Truppe kamen sicher auch
nicht ungeschoren davon. Ob einige auch sie auf dem Schafott endeten,
weiß ich nicht.
Du
fragst: „Alles nur
West-Propaganda“ Ich antworte mit „Ja!“
Die
Herrschaften sollen sich an die eigene Nase packen. Die USA haben
verfolgte Juden z.B. nicht aufgenommen.
Die
Amerikaner und Briten zerstörten nicht durch ihre Luftwaffe die
Todesfabik von Auschwitz-Birkenau. Dabei wussten sie sehr genau, was da
passierte. Polnische Häftlinge hatten dafür gesorgt, dass die
Regierung in London informiert war. Sogar ein SS-Mann aus Auschwitz war
vom polnischen Widerstand nach England geschafft worden und hatte dort
berichtet. Britische Aufklärer waren mehrfach über Auschwitz gesehen
worden. Trotzdem arbeitete die Todesfabrik weiter. Erst die Rote Armee
befreite im Januar 1945 das Lager.
Oder
die Kommunistenverfolgung in den USA und den Justizmord an Ethel und
Julius Rosenberg? Oder das Drangsalieren und Schikanieren des weltberühmten
farbigen amerikanischen Sängers
Paul Robeson? Oder das Verbot der FDJ und der KPD in der BRD usw.
Keine
demokratischen Ruhmestaten. Desgleichen nicht der französische
Indochinakrieg und der amerikanische Vietnamkrieg. Auch die Atombomben
von Hiroshima und Nagasaki hatten keine Kriegsbedeutung im 2. Weltkrieg
mehr, wohl aber als Drohung gegen die UdSSR.
Und
nun Deine schwerste Frage:
„Was hat es mit der „Entstalinisierung“
an sich?“
Stalin
hatte die richtige Erkenntnis, dass mit fortschreitenden Aufbau des
Sozialismus die Klassenkämpfe nicht aufhören, sondern heftiger werden.
Denn die besiegte kapitalistische Klasse ist mit ihrer ökonomischen
Beseitigung immer noch vorhanden. Sie steckt oft genug in den Köpfen
der Menschen und infiziert so andere. Es gelingt auch, die bürgerliche
Ideologie in die Partei zu tragen um den Prozess des Sozialismus
umzukehren und den Kapitalismus wieder einzuführen.
Davon
bleiben auch führende Kader der Partei nicht verschont. Nach Stalins
Tod (einige sprechen sogar davon, Stalin sei ermordet worden oder man
habe ihn bei einem Herzanfall ohne ärztliche Hilfe gelassen. Letzteres
soll angeblich Molotow geschrieben haben. Ich weiß es nicht.) setztes
sie sich durch.
Zunächst
aber bestand die sowjetische Führung nach Stalin aus Chruschtschow,
Beria und Malenkow. Der Innenminister und Minister für Staatssicherheit
der UdSSR Lawrenti Pawlowitsch
Beria wurde im Juni 1953 erschossen. Er war eine Gefahr für
Chruschtschows revisionistische Pläne geworden.
Die
anderen Stalintreuen des Politbüros versuchten Chruschtschow sogar
abzusetzen. Im Politbüro war das vorgesehen, aber Chruschtschow
durchkreuzte die Pläne.
Mit
der „Geheimrede“ auf dem 20. Parteitag überrumpelte Chruschtschow
das ZK. Laut Kurt Gossweiler war die Tagesordnung abgeschlossen. In
einer Pause forderte Chruschtschow die ZK-Mitglieder auf, in einen Raum
zu kommen. Da bekamen sie die Rede ausgehändigt mit der Aufforderung,
sie zu lesen. Alles unter Zeitdruck.
Üblich
wäre gewesen, dass der Generalsekretär der Partei dem ZK seine Rede
bei einer normalen Sitzung vorlegt, sie diskutiert und geändert wird
und erst dann beschlossen. Was der Generalsekretär dann auf dem
Parteitag verliest, ist vom ZK beschlossen und es darf kein Punkt oder
Komma davon geändert werden.
So
war es unter Stalin auch immer gewesen. Chruschtschow aber, der
behauptete, Stalin habe gegen die Prinzipien der kollektiven Führung
und Leitung verstoßen, trat sie mit den Füßen. Wir haben auf der
Homepage einige Beiträge z.B. von Kurt Gossweiler zu diesem Thema.
Darüber
hinaus behaupte ich, dass die vollständige Wiedereinführung des
Kapitalismus und das Ende der Sowjetunion zur Voraussetzung hatten, dass
die KPdSU „entstalinisiert“ wurde. Aus einem Staat und einer Partei
der Arbeiterklasse machte Chruschtschow einen „Staat und eine Partei
des ganzen Volkes“, die KPdSU und die UdSSR verloren ihren
Klassencharakter Zug um Zug und 1990 war es dann aus. Ohne Chruschtschow
hätte es keinen Gorbatschow gegeben.
Ich
kann Dir nur empfehlen, wenn Dir diese Fragen wichtig sind, dich zu
informieren. Per Internet gibt es da gute Möglichkeiten anhand von
Originalunterlagen sich ein Bild zu verschaffen. Das gilt auch für die
Moskauer Prozesse.
Aber
natürlich gab es unter Stalin auch Fehler. Stalin aber war immer einer
Kritik offen und regte oft genug selbst Kritik an. Ich würde Dir als
erste Lektüre empfehlen, lese „Geschichte der KPdSU (B) (Kurzer
Lehrgang).
Das ist leicht lesbar, trotzdem informativ. Autor ist Stalin selbst.
So,
belassen wir es erstmals dabei. Ich stehe natürlich auch fernerhin zur
Diskussion zur Verfügung. Wir können uns auch am Telefon unterhalten,
ich habe Telefon-flau. Rufe mich kurz an, gebe mir Deine Nummer
(Festnetz) und ich rufe zurück. (...)
Rotfront
Günter
Siehe: Aktion
„Gewittersturm“ – Der Aufstand von Warschau
August/September 1944, Von
der Sowjetunion verraten?, von
Gerd Höhne mehr
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